Passivhaus Objektdokumentation Geschosswohnungsbau Passivhaus Parkhaus Pinnasberg 27, Hamburg Verantwortlicher Planer Plan-R-Architektenbüro Joachim Reinig www.plan-r.net Das Passivhaus Parkhaus wurde 2002 als ein stadtteilnahes Wohngruppenprojekt mit 19 Wohneinheiten in 7 Geschossen (zzgl. DG, KG + 2 TG) errichtet. Es handelt sich um einen südorientierten Massivbau mit großen Fensterflächen, die den Blick auf die Elbe und den Hamburger Hafen ermöglichen. Besonderheiten: Fassadenintegrierte Photovoltaik, Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse und Elbblick im DG, Quartiersgarage U-Wert Außenwand U-Wert Kellerdecke U-Wert Dach U-Wert Fenster 0,126 W/(m²K) 0,152 W/(m²K) 0,082 W/(m²K) 0,805 W/(m²K) 1 PHPP Jahres- Heizwärmebedarf 13,87 kwh/(m²a) PHPP Primärenergie 96,4 kwh/(m²a) Wärmerückgewinnung 81 % Drucktest 0,6 h -1
1 Kurzbeschreibung der Bauaufgabe Passivhaus Parkhaus Die Bewohner des Passivhauses Parkhaus hatten den Wunsch, als Hausgemeinschaft zusammenzuleben und als integratives Wohnprojekt stabilisierend auf das Umfeld zu wirken und neue Akzente zu setzen z.b. gegen den kommerziellen Bauboom auf St. Pauli. Beim Parkhaus, dem Haus am Park Fiction, ist die Südorientierung mit großen Fensterflächen für die Wohnräume nicht nur aus energetischer Sicht ein Muss: Den Bewohnern bietet sich das schönste Elbund Hafenpanorama. Die Nachhaltigkeit dieses Passivhauses spiegelt sich nicht nur in seinem geringen Energieverbrauch wieder. Die Wohnungsgrundrisse sind auch für folgende Generationen flexibel und vom Singleappartement zur Wohngemeinschaft koppelbar. Das nachhaltige Bauen wird bei dem Gebäude der St. Pauli Hafenstraßengenossenschaft auch in seiner Organisation manifestiert. Durch das alternative Trägermodell konnten Wohnungssuchende mit geringem Eigenkapital ihre individuellen Vorstellungen verwirklichen und bewusst verantwortungsvoll neue Wege des ökologischen Bauens in der selbstgewählten Gruppe gehen. 2
2 Fotos Passivhaus Parkhaus Südseite Passivhaus Parkhaus Nord-Ostseite Passivhaus Parkhaus 3
Thermographieaufnahme Ostseite Heiz-/ Lüftungszentrale im Treppenhauskopf 4
Blick aus einem Wohnzimmer über den benachbarten Park Fiction auf die Elbe Die Innenaufnahme vom Wohnzimmer zur Küche verdeutlicht die Flexibilität der Grundrisse, die koppelbar sind. 5
Die 42 m² große Photovoltaikanlage mit der installierten Leistung von 5 kwp produzierte im ersten Bilanzierungsjahr 3.400 kwh Strom. 3 Grundriss Passivhaus Parkhaus Ein Grundriss des Passivhauses, zwei der drei Wohnungen sind behindertengerecht. Die drei Wohnungen sind auf Wunsch koppelbar. 6
4 Schnittzeichnung Passivhaus Parkhaus Querschnitt durch das Passivhaus. Die ringsum geschlossene thermische Hülle mit 30 cm Wärmedämmung und die thermische Abtrennung des Kellergeschosses sorgen für die warmen Innentemperaturen in den Wohngeschossen. 7
5 Konstruktionsdetails der Passivhaus -Hülle und -Technik Passivhaus Parkhaus 5.1 Konstruktion inkl. Dämmung der Bodenplatte bzw. Kellerdecke mit Anschlusspunkten zu Außen- und Innenwänden Vermeidung von Wärmebrücken im Bereich der einbindenden Stahlbetondecke und zum KG außerhalb der wärmegedämmten Hülle. Das 30 cm starke Wärmedämmverbundsystem umschließt beim Parkhaus die gesamte Fassade, auch die Bereiche, die nicht zur wärmegedämmten Hülle gehören. So werden Wärmebrücken vermieden und ein gleichmäßiges Erscheinungsbild erzielt. In der Kellerdecke trennen 25 cm Polystyrol den kalten Bereich vom warmen. Aufbau der Kellerdecke: Kellerdecke Stahlbetondecke 180 mm; Luftdichtheitsfolie, Polystyrol-Hartschaumplatten 250 mm; Sperrfolie, Estrich 55-85 mm; 8-15 mm, Lino/ Fertigparkett 5-25 mm U-Wert 0,152 W/(m²K) 8
5.2 Aufbau und Dämmung der Außenwände Der Aufbau der Außenwand. Eine gemauerte Kalksandsteinwand (in der Regel 24 cm dick) ist innen verputzt. Außen ist ein Wärmedämmverbundsystem mit einer Dämmdicke von 30 cm aufgebracht, das außen einen hellgrauen Putz aufweist. Der U-Wert dieses Aufbaus beträgt 0,126 W/(m²K). Außenwand Außenputz; WDVS 300 mm; Kalksandsteinmauerwerk bzw. Stahlbeton 240 mm; durchgehender Innenputz 10 mm. U-Wert 0,126 W/(m²K) 9
5.3 Konstruktion inkl. Dämmung des Dachterrasse Der Dachterrassenaufbau im Passivhaus Parkhaus. Der Bau einer Gemeinschaftsdachterrasse war in der exponierten Hafenlage Wunsch der Bewohner. Auf der Stahlbetondecke (18 cm) befindet sich ein Bitumenvoranstrich, gefolgt von einer Dampfausgleichsschicht und einer Dampfsperre. Darauf befinden sich die Gefälle- (0-16 cm) und die Wärmedämmung (35 cm). 2 Lagen Abdichtung sowie eine Bautenschutzmatte tragen dann die im Kiesbett verlegten Betonplatten (50/50/5 cm). Bei der angegebenen Dämmstoffdicke ergibt sich ein Dach-U-Wert unter 0,1 W/(m²K). Dach Stahlbetondecke 180 mm; Bitumenvoranstrich; Dampfausgleichsschicht; Dampfsperre Al + V60 S4; Gefälledämmung 0-160 mm; Wärmedämmung 350 mm; Alvitra Evalon-V-Dachdichtungsbahn; Schweißbahn PYE G200 S4; Trennschicht Bautenschutzmatte 8 mm; Kiesbett; Betonplatten 50 mm U-Wert 0,082 W/(m²K) 10
5.4 Fensterschnitt inkl. Einbau Die verwendeten Fenster mit Superverglasung. Im Passivhaus Parkhaus fanden Fenster der Firma Rehau, Typ Clima Design, Verwendung. Zur Vermeidung von Wärmebrücken wurden die wärmegedämmten Fensterrahmen außen überdämmt. Die großen dreischeibenverglasten Fensterflächen nach Süden sorgen übers Jahr gesehen für eine positive Energiebilanz, weil sie mehr Sonnenenergie ins Gebäude holen, als über sie verloren geht. Der U-Wert der reinen Verglasung beträgt 0,6 W/m²K. Fenster Dreifach-Wärmeschutzglas mit Edelgasfüllung. Kunststofffensterrahmen mit Rahmendämmung aus Polyurethan. U-Wert 0,805 W/(m²K) 11
6 Beschreibung der luftdichten Hülle; Dokumentation des Drucktestergebnisses Die luftdichte Hülle wird im Passivhaus Parkhaus durch die durchlaufende Innenputzschicht sowie die Stahlbetondecke zwischen Keller und Erdgeschoss gewährleistet. Die sehr luftdichte Gebäudehülle, die eine entscheidende Vorraussetzung für das energieeffiziente Passivhaus ist, wurde am 26.7.2003 mit dem Blower-Door-Test überprüft. Der Leckagevolumenstrom beträgt demnach 1032 m³/h und führt auf das Ergebnis von n 50 = 0,2 h -1. Für das Passivhaus wird damit der angestrebte Grenzwert von 0,6 h -1 deutlich unterschritten. 7 Lüftungsplanung Um die Lüftungsverluste stark zu reduzieren, wurde eine zentrale Lüftungsanlage mit Gegenstrom- Platten-Wärmeübertrager und hydraulischem Frostschutzgitter eingesetzt, deren Wirkungsgrad 81% beträgt. Zulufträume sind alle Hauptaufenthaltsräume wie Wohnzimmer, Kinderzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer. Ablufträume sind Bäder, WCs und die Küche. Verteilt wird die Luft über senkrechte Schächte von der Lüftungszentrale in die Geschosse und dort durch Leitungen über abgehängten Decken in den Fluren zu den Räumen. Elemente des Lüftungssystems. Die Überströmung erfolgt durch Überströmgitter oberhalb der Zimmertüren in den Flur, der über eine abgehängte Decke verfügt. Von dort gelangt sie durch Überströmöffnungen in die Feuchträume. Von hier wird die verbrauchte Luft über ein Abluftkanalnetz zurück zum Wärmeübertrager gebracht. Der Zuluftstrom ist zimmerweise regelbar. 12
Lüftungsanlage in der Technikzentrale im Treppenhauskopf. Die Aufnahme zeigt den Blick auf die Lüftungsanlage und den Wärmetauscher der Wärmerückgewinnung. Der Technikraum befindet sich auf auf der Dachterrasse. Er verfügt an seiner Südseite über ein Außenluft-Ansauggitter. Die Abluft-Auslasshaube ist auf dem Dach der zentralen Lüftungsanlage platziert. 13
8 Wärmeversorgung Die Bereitstellung des Warmwassers stellt den höchsten Energiebedarf des Passivhauses dar. Sie erfolgt ebenso wie die Raumheizung über einen zentralen Gasbrennwertkessel für alle 19 Wohneinheiten gemeinsam, der sich in der Technikzentrale befindet. Er versorgt den 1000 Liter Pufferspeicher (Fa. Paradigma, Typ PS 1000). Das kleine Gasbrennwertgerät. Es beheizt im Passivhaus nicht nur eine, sondern alle 19 Wohneinheiten. Durch den Pufferspeicher wird das Warmwasser für die Bewohner bereitgestellt. 14
9 PHPP-Berechnungen Beim Bau des Passivhauses Parkhaus fand das Passivhaus Projektierungspaket (PHPP) Anwendung. PHPP-Dokument des Passivhauses Parkhaus. 15
10 Baukosten Geschosse 8 + Keller+ Tiefgarage (45 Plätze) BGF 3.533 qm Bruttorauminhalt BRI a 8.156 cbm ohne TG 70% Bruttorauminhalt BRI a 11.595 cbm inkl. TG 100% Wohnfläche 1.555 qm Nutzfläche 140 qm Summe WF/NF 1.695 qm BRI/(WF+NF) 4,8 ohne TG Wohneinheiten 19 WE Durchschnittliche Größe 81,8 qm Personen bei Bezug 42 Personen Personen/WE 2,2 Personen/WE Anteil Wohnen 71% Baukosten m. Finanz., o. Grdst. 3.830.000 inkl. Tiefgarage 2719300 Reine Baukosten 3.282.000 inkl. Tiefgarage 2330220 /qm WF/NF 2.260 /qm inkl. Tiefgarage 1.604 r.b./qm WF/NF 1.936 /qm inkl. Tiefgarage 1.375 /qm r.b./cbm BRIa 283 /cbm inkl. Tiefgarage A/V(beheizt) qm/cbm Grundstücksgröße 1.079 qm überbaute Fläche 315 qm GFZ 3,3 GRZ 0,3 Stand Baufertig Die Baukosten betrugen inklusive der zweigeschossigen Quartiersgarage 3,8 Mio, die reinen Baukosten machen davon 3,3 Mio aus. Bezogen auf den Quadratmeter Wohn-/ Nutzfläche liegen die Baukosten bei 2.260, die reinen Baukosten bei 1.360. Für Interessierte: die Energie-Verbrauchsdaten des Gebäudes 16
11 Erfahrungen Nutzer Nina S., Passivhausbewohnerin am 11.07.06 Die Heizungsregelung bediene ich nur ganz selten. Zum Winter stelle ich sie einmal höher, im Sommer wieder aus. Die Lüftung stelle ich höher, wenn hier viel geraucht wird und manchmal, wenn ich koche. Obwohl ich dann auch gelegentlich das Fenster öffne. Die dünne Sommerbettdecke reicht auch im Winter völlig aus. Im Winter schlafe ich immer mit geschlossenen Fenstern. So ist es schön friedlich im Zimmer. Auch die Lüftungsanlage höre ich nicht. Laut ist es hier nur am Hafengeburtstag auf meinem Balkon. Ich habe im Passivhaus immer das Gefühl, genug Frischluft zu bekommen. In meiner alten Wohnung in einem Altbau hatte ich oft trockene Schleimhäute. Ich musste im Winter immer die Heizung voll aufdrehen. Dann habe ich versucht, mit feuchten Tüchern oder Wasserschalen die Luft zu befeuchten. Hier erübrigt sich das. Und die Nähe zur Elbe ist dabei nur positiver Nebeneffekt. Renate L., Passivhausbewohnerin am 13.07.06 Der Winter hier im Passivhaus ist wundervoll. Wir hatten nur kurz die Heizung an, ansonsten haben wir konstant eine super angenehme Temperatur, und alles steht zum Besten! Vorher wohnte ich in Eimsbüttel in einem Altbau. Fenster und Türen waren undicht waren. Wenn man sich auf den Boden setzte, hat man genau gesehen, wo die Luftzüge durch die Wohnung laufen. Da hat man diese typischen Beschwerden gehabt, wenn man Zug kriegt: Ischiasbeschwerden, Gelenkschmerzen an Hüft- und Schultergelenken. Das ist für viele alte Menschen ein richtiges Problem. Das ist selbst im Winter im Passivhaus überhaupt nicht spürbar. Die Wohnung ist kuschelig warm, überall ist es gleich warm, nirgendwo zieht es rein. Man lüftet nicht, weil die gute Luft aus der Lüftung kommt, und das ist ganz toll. Ich und mein Liebster sind einfach beschwerdefrei in dieser Hinsicht. Alfons L., Passivhausbewohner am 13.07.06 Ich koche leidenschaftlich gern. Die Wohnküche ist unser Lebensbereich, hier halten wir uns meistens auf. Selbst wenn ich Fisch brate, riecht es kaum, Dank der Umlufthaube und der Stoßlüftung, auf die ich drücke, 17
wenn ich länger koche. Da kann man eigentlich nichts dagegen sagen. In meiner alten Wohnung war mehr zu riechen. Uschi L., Passivhausbewohnerin am 07.07.06 Ich fühle mich sehr wohl in meiner Wohnung im Passivhaus. Ich habe genug frische Luft, auch wenn ich die Fenster geschlossen lasse. Die öffne ich nur, wenn ich auf den Balkon möchte oder mehr kalte Luft benötige. Im Sommer schlafe ich auch mit geöffnetem Fenster. Die Lüftung reguliert sich von alleine. Auch die Heizkörper musste ich nicht bedienen, weil ich sie noch nie gebraucht habe. Deshalb sind die Heizkosten erheblich geringer, als in meiner alten Wohnung. Ich bezahle für meine 50 m²-wohnung nur 5 Euro im Monat. Die niedrigen Energiekosten waren für mich die höchste Motivation, in ein Passivhaus zu ziehen. Verbessert werden sollte die Feinregulierung der Zulufttemperatur, und man sollte darauf achten, dass die Räume im Sommer über außenliegende Jalousien verschatten werden können. Tochter Lisa L., Passivhausbewohnerin am 07.07.06 Für mich ist es im Passivhaus wie in einer normalen Wohnung. Der Heizkörper im Wohnzimmer, der ist jetzt nur Dekorationsobjekt. Da ich ihn nie brauche, ist er bei mir mit Krimskrams abgedeckt ich benutze ihn praktisch als Regal. 18
12 Veröffentlichungen Schuck, Judith: Passivhäuser bewährte Konzepte und Konstruktionen, Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2007 Hamburgische Architektenkammer, Meyerhöfer, Dirk; Schwarz, Ulrich: Architektur in Hamburg Jahrbuch 2004, Junius Verlag GmbH, Hamburg 2004 13 Links Architektur: Plan-R-Architektenbüro Joachim Reinig Helenenstraße 14 22765 Hamburg Tel. 040 241237 Fax 040 241238 www.plan-r.net info@plan-r.net Haustechnik: InnovaTec Joachim Otte Im Graben 5 34292 Ahntal-West.Tel. 05609 80920 Fax 05609 809222 innovatec.ks@t-online.de Statik: Ingenieurgemeinschaft Puszies Wählingsweg 30 22459 Hamburg Tel. 040 5597510 Fax 040 55975130 www.ingpuszies.de Wirtschaftliche Betreuung: Stattbau Hamburg GmbH Neuer Kamp 25 20359 Hamburg Tel. 040 4329420 Fax 040 43294210 www.stattbau-hamburg.de Generalunternehmer: Richard Ditting GmbH & Co.KG Wyker Straße 2-18 24768 Rendsburg Tel. 04331 4510 Fax 04331 451142 www.baufirma-ditting.de Weitere Informationen zum Projekt Passivhaus Parkhaus im Internet unter: www.imparkhaus.de 19