Halterprüfung Gansingen,

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Transkript:

Halterprüfung Gansingen, 05.05.06 OHNE GRUNDGEHORSAM KEINE KONFRONTATION In Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Dogtainment, Medien & Events, Schwyz, organisierte der American Pit Bull Terrier Club Schweiz am Freitag, dem 5. Mai 2006, eine Schweizer Halterprüfung im aargauischen Gansingen (SUI). Die Teilnahme stand jedem Hundehalter offen, stellte aber hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Die stark auf Umwelteinflüsse und Alltagssituationen ausgerichtete Prüfung zeichnete ein deutliches Bild des Ausbildungsstandes und der Belastbarkeit der einzelnen Hunde. 49 Teilnehmer stellten sich dem anspruchsvollen Parcours der Schweizer Halterprüfung. Austragungsort war die Anlage rund um das Schützenhaus Sparblig in Gansingen (SUI). Nach erfolgter Anmeldung und Chip-Kontrolle trafen sich die beteiligten Personen im Restaurant des Schützenhauses, wo sie durch den Gründer der Schweizer Halterprüfung, Hans Schlegel, begrüsst und über den Tagesablauf informiert wurden. «Die heutige Prüfung gliedert sich in drei Teilbereiche», erklärte er. «Die Ist-Stand-Analyse gibt Aufschluss über den Grundgehorsam eines Hundes. Bewertet werden dabei die Freiablage, die Leinenführigkeit, die Freifolge, das «Platz» aus der Bewegung sowie der Abruf aus dem Spiel. Der zweite Bereich umfasst die Konfrontation mit einzelnen, aktiven Menschen, mit Artgenossen und anderen Tieren. Wer auch diese Stationen problemlos passiert hat, kann sich dem dritten und letzten Teil unterziehen, der vor allem das Wesen und die Belastbarkeit des Hundes in Alltagssituationen prüft.» Hans Schlegel wies zudem eindringlich darauf hin, dass jegliche Art von Aggression gegenüber Menschen, Artgenossen oder anderen Tieren sofort zum Abbruch der Prüfung führt, was leider im Laufe des Tages mehrfach durchgesetzt werden musste. Die Ist-Stand-Analyse Aufgrund der vielen Anmeldungen wurde auf drei Plätzen in Sechsergruppen gearbeitet. Die erste Aufgabe war die Freiablage. Dabei wurden die Hunde in einer Reihe nebeneinander ins «Platz» gelegt. Die Hundeführer entfernten sich auf eine Distanz von rund 40 Metern und blieben mit dem Rücken zum Hund stehen. Trotz Ablenkung durch Menschen und Artgenossen, mussten die Hunde fünf Minuten auf dem zugewiesenen Platz liegen bleiben. Stand ein Tier frühzeitig auf, wurde es vom Besitzer zu sich gerufen und angeleint. Die Freiablage ist dann bestanden, wenn der Hund im Hintergrund fünf Minuten auf dem ihm zugewiesenen Platz ausharrt, auch wenn sich sein Führer entfernt. In der Freifolge hat der Hund seinem Führer unter Ablenkung durch Menschen und Artgenossen freudig zu folgen, ohne auszubrechen oder auszuweichen. Die Leinenführigkeit wurde entlang einer Markierung mit Richtungsänderungen und Wendungen getestet. Wichtig dabei war, dass der Hund seinem Halter auf das Kommando «Fuss» freudig folgte, nicht an der Leine zog, seinen Führer in keiner Weise belästigte und sich neben ihn setzte, sobald dieser angehalten hatte. Geprüft wurde die Leinenführigkeit unter Ablenkung durch Menschen und Hunde, die sich ebenfalls auf dem Platz bewegten. Die Freifolge wurde in der gleichen Art wie die Leinenführigkeit getestet. Einziger Unterschied dabei war, dass der Hund seinem Führer ohne Leine zu folgen hatte.

Nach dem «Platz» aus der Bewegung folgte die Konfrontation mit fremden Menschen. Dem «Platz» aus der Bewegung kommt in der Ist-Stand-Analyse eine besondere Bedeutung zu, da es in bestimmten Alltagssituationen als Notbremse verwendet werden kann. Der Ablauf dieses Prüfungsteiles sah wie folgt aus: Aus der Grundstellung heraus ging der Hundeführer mit seinem Tier auf das Hörzeichen «Fuss» geradeaus. Nach mindestens zehn Schritten hatte sich der Hund auf das Kommando «Platz» schnell hinzulegen. Ohne sich umzudrehen oder sein Tempo zu verlangsamen, ging der Teilnehmer weiter und blieb erst auf Anordnung des Richters stehen. Legte sich der Hund nicht sofort ins «Platz», wurde der Hundehalter durch den Richter darauf aufmerksam gemacht und konnte das Kommando noch höchstens zwei Mal wiederholen. Gelang es ihm dabei aber wieder nicht, seinen Hund zum Hinlegen zu bewegen, war dies der Ausschluss aus der Prüfung. Zwei vom Richter bestimmte Personen passierten nun den liegenden Hund mit geschlossenen Händen. In dieser Konfrontation mit fremden Menschen wurde ein unsicheres Verhalten des Hundes toleriert, solange er unter Kontrolle des Führers blieb. Jegliche Art von Aggression war aber auch in dieser Situation nicht erlaubt. Um den Abruf aus dem Spiel zu prüfen, wurde ein Spielzeug dreissig Meter weit geworfen, dem der Hund erst auf Befehl des Führers folgen durfte. Innerhalb der beiden Markierbänder musste sein Spieltrieb mit dem Platzkommando unterbrochen werden. Das Ergreifen der Beute durch den Hund war nicht toleriert. Im letzten und abschliessenden Element der Ist-Stand-Analyse wurde der Abruf aus dem Spiel bewertet. Dabei kommandierte der Hundeführer seinen Hund ins «Sitz», wartete fünf Sekunden und verschob sich dann vier Meter nach rechts. Der Hund blieb ruhig sitzen. Auf Anweisung des Richters warf der Hundeführer einen bereit gestellten Gegenstand dreissig Meter weit in die gezeigte Richtung. Auf weitere Anweisung ging er zu seinem Hund zurück und befreite diesen mit dem Kommando «Lauf» in die Richtung des Spielzeuges. Sobald der Hund die erste Grundlinie überschritten hatte, rief der Hundeführer seinen Hund ins «Platz». Die zweite Markierung in einem Abstand von zehn Metern durfte dabei nicht überquert werden. Auch das Ergreifen des Spielzeuges durch den Hund wurde nicht toleriert.

Der Hundeführer holte im Anschluss daran zuerst den Gegenstand und kehrte direkt zum Hund zurück. Die Arbeit endete in der Grundstellung. Für Hunde, die sich nicht vom Führer lösten, musste diese Übung angepasst werden. Der Halter brachte seinen Hund wieder in die Ausgangsposition zurück und gab ihm das Kommando «Sitz». Er ging zum Spielzeug, das in 30 Metern Entfernung lag, um von dort den Hund abzurufen. Innerhalb der Markierung befahl er ihn ins «Platz». Der Prüfungsparcours Der Grundgehorsam eines Hundes, wie er in der Ist-Stand-Analyse der Halterprüfung verlangt wird, ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der Hund in der direkten Konfrontation mit anderen Tieren überhaupt führ- und lenkbar bleibt. Wer bis dahin die Führigkeit seines Hundes bewiesen hatte, konnte sich somit dem Prüfungsparcours mit realistischen Alltagsszenen stellen. Dieser musste ohne Leine und ohne Halsband bewältigt werden. Auf dem nachgestellten Spaziergang begegneten die Hundeführer einer Moschusente, Ziegen, Joggern, einer Radfahrerin, freilaufenden Hasen, vielen Artgenossen und einer Gruppe von Menschen, die mit Schaufeln arbeiteten. Diese natürliche, umweltbezogene Anlage verschaffte somit einen realistischen Einblick in das Umweltverhalten des Hundes. Die Wesensprüfung Im dritten und letzten Teil der Schweizerischen Halterprüfung wurden die vorgestellten Hunde auf ihre Belastbarkeit bei Umwelteinflüssen getestet. Eine Menschengruppe ging auf den Führer und seinen Hund zu, umkreiste und bedrängte die beiden mit schnellen Bewegungen, um sich sofort wieder dem Hund vertrauensvoll zuzuwenden. Bewertet wurde dabei dessen Verhalten während sowie die Erholungszeit nach der Belastung. Auch das Passieren einer lärmenden Menschenmenge diente der Wesensbeurteilung.

Direkte Konfrontationen mit anderen Tieren und Menschengruppen geben Aufschluss über das Wesen und die Belastbarkeit eines Hundes. Um auch eine Leinenaggression des Hundes ausschliessen zu können, führte der Hundehalter sein Tier angeleint durch eine Gruppe von Artgenossen, die mit ihrem jeweiligen Führer spielten. Die Sache mit den Hasen Leider ist es während der Prüfung viermal vorgekommen, dass Teilnehmer ihren Hund im Hasengehege nicht mehr unter Kontrolle hatten. Dabei erlitt ein Hase eine Bisswunde am Bein, die behandelt werden musste. «Seit wir die Halterprüfung durchführen, ist keinem unserer Tiere etwas passiert,» äusserte sich Hans Schlegel. «Dass heute sogar vier Hunde unsere Hasen attackiert haben, stimmt mich sehr nachdenklich. Wir werden unsere Konsequenzen daraus ziehen und die Tiere das nächste Mal mit einem Gitter schützen. Ich kann mir die Situation nur damit erklären, dass heute Hundeführer teilgenommen haben, die vom gesponsorten Preis für die Prüfung profitieren wollten. Als Unterstützung für den organisierenden American Pit Bull Terrier Club hatten wir die Kosten von 150 Franken auf 10 Franken reduziert. Das hatte vermutlich zur Folge, dass es Teilnehmer gab, die es einfach mal probieren wollten und sich der Intensität der Vorbereitung für eine Halterprüfung dieser Art gar nicht bewusst waren. Zudem gehört es für mich in die Verantwortung eines Hundeführers, dass er auf einen Posten verzichtet, wenn er annehmen muss, dass sein Hund noch nicht soweit ist. Keinesfalls dürfen wehrlose Tiere einem falschen Ehrgeiz zum Opfer fallen.» Eine kleine Statistik Von 49 Teilnehmern, die sich zur Prüfung angemeldet hatten, konnten am späten Nachmittag 21 Personen die verdiente Plakette in Empfang nehmen. Während 14 bereits bei der Ist-Stand-Analyse ausgeschieden waren, kam das Ende für weitere 13 Paare in der Konfrontation mit den Tieren. Lediglich ein Team schied erst beim dritten und letzten Teil, der Wesensprüfung, aus. Die Schweizer Halterprüfung beurteilt die Leistungen eines einzelnen Hundes und kann nicht auf weitere Tiere desselben Halters übertragen werden. Jeder Hund wird einzeln beurteilt. Wer die Prüfung nicht bestanden hat, kann sich beliebig oft mit dem gleichen Hund wieder anmelden. Durch die aktuelle und praxisbezogene Beurteilung hat er aber einen Anhaltspunkt bekommen, welche Schwachstellen zu trainieren sind und wie er sich konkreter auf die nächste Prüfung vorbereiten kann. Gegenseitiges Engagement Ein Aspekt zeichnet die Schweizer Halterprüfung besonders aus. Die Ist-Stand-Analyse wird in Sechsergruppen erarbeitet, was bedeutet, dass ein Hundeführer der Gruppe die Prüfung ablegt, während die anderen fünf Teilnehmer mit ihren Hunden als Ablenkung auf dem Platz mitwirken. Auch während des dritten Teiles, der Wesensprüfung, helfen sich die Hundeführer gegenseitig, indem sie sich in der Menschen- oder «Geräuschgruppe» engagieren und sich auch zur Verfügung stellen, wenn der Prüfling durch eine Gruppe spielender Hunde geführt werden muss. Dieses faire und sportliche Miteinander macht die Halterprüfung zu einem besonderen Erlebnis. Silvia Dzambas, Hans Schlegel, Sandra Kocher, Ruth Wunderli und Heidi Lemp (ohne Bild) richteten die Halterprüfung. Jasmin Loiarro

Eine bemerkenswerte Leistung zeigte Jasmin Loiarro aus Birmensdorf (SUI) mit ihren drei Hunden, die sie gleichzeitig durch den Parcours führte. «Ich habe mit jedem meiner Hunde die Halterprüfung bereits einzeln absolviert und führe sie heute im Rudel durch die einzelnen Posten,» erzählte sie. «Bei der Führung mehrerer Hunde ist es ganz wichtig, dass die Rangordnung stets eingehalten wird. Das ranghöchste Tier geht am nächsten bei mir, der Jüngste ist am weitesten draussen. Zuhause habe ich noch einen vierten Hund, den ich momentan aufbaue und ins Rudel integriere.» Hunde sind Jasmin s Lebensinhalt geworden und sie legt Wert darauf, mit ihren vier Rudelmitgliedern gleichzeitig spazieren gehen zu können. «Die Menschen in meiner Umgebung anerkennen meine Arbeit und wissen, dass ich die Hunde im Griff habe. Niemand braucht wegen uns Angst zu haben», versicherte sie. Jasmin Loiarro arbeitet zu 50 % als Buchhalterin, betätigt sich in den Bereichen Krankengymnastik und Massage für Hunde und führt zusammen mit ihrer Partnerin Irène Schibli eine Hundeschule im zürcherischen Kyburg (SUI). Der American Pit Bull Terrier Club Schweiz Sie repräsentierten den organisierenden American Pit Bull Terrier Club (v.l.): Andreas Schirgi, Fabian Renfer, Birgit Adam, Kerstin Adam und Daniel Jegge. Der American Pit Bull Terrier Club Schweiz (APBT-Club Schweiz) hat zum Ziel, die Anerkennung und den Fortbestand des Pit Bull Terriers in der Schweiz zu sichern. Der Erfahrungsaustausch im Umgang mit diesen Hunden, die strikte Ablehnung von Hundekämpfen, die Förderung des Hundesports mit dem Pit Bull und die Aufklärung der Öffentlichkeit sind die Basisaufgaben der Gemeinschaft. Die Mitglieder des Clubs distanzieren sich mit Nachdruck von allen imageschädigenden Veranstaltungen. Sie verpflichten sich, das positive Bild des American Pit Bull Terriers in die Öffentlichkeit zu tragen. Auch sind sie sich ihrer grossen Verantwortung bewusst und setzen alles daran, dass diese Hunderasse in der Schweiz ihr Bestehen ohne Diskriminierung erleben kann. Näheres zum APBT-Club kann unter www.apbt-club.ch nachgelesen werden. Fenster schliessen