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Transkript:

Versuchsbericht 03/2006 zum Entfernen von Blüten in Junganlagen Versuchsverantwortlich: Dr. Thomas Rühmer Versuchsdurchführende: Hannes Ponhold, Ing. Markus Fellner Autor des Berichtes: Versuchsziel: Dr. Thomas Rühmer Um die Gefahr von Feuerbrandinfektionen in Junganlagen zu verringern, sollen verschiedene Maßnahmen untersucht werden. Zum einen verringert ein vollständiges Entfernen der Blüten das Risiko enorm. Zum anderen kann eine desinfizierende Wirkung diverser Substanzen einen Einfluss auf den Feuerbrandbefall haben. Bezüglich der Pflanzenverträglichkeit solcher Substanzen ist bisher wenig bis nichts bekannt. Auch solche phytotoxischen Eigenschaften sollen in diesem Versuch mit untersucht werden. Kultur: Apfel (Malus domestica) Sorte(n): Pinova Evelina IP Bio Versuchsstandort: Der Versuch wurde im Versuchsquartier der Landesversuchsanlage in Graz-Haidegg durchgeführt. Fachabteilung 10B Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg 1

1. Versuchsstandort Obstart Apfel (Malus domestica) Pflanzabstand 3,40 x 1,00 m Sorte Pinova Evelina Baumhöhe 1,50 m Unterlage M9 Hagelnetz ja nein Betrieb LVZ Haidegg Datum Vollblüte 12.05.06 Parzelle 1148-200 Pflanzjahr Frj. 2005 Sonstige Angaben: keine 2. Versuchsglieder Variante Interner Code Wirkstoff Im Versuch ausgebrachte Aufwandmenge Wasseraufwand/ha Kontrolle 1 - - - Delan + Break-thru 2 Dithianon 0,6 kg/ha + 0,5 l/ha 500 l/ha Goltix + Tween 20 3 Metamitron 0,5 l/ha + 0,5 l/ha 500 l/ha ATS 4 Ammoniumthiosulfat 15 l/ha 500 l/ha Azolon fluid 5 Methylenharnstoff 10 l/ha 500 l/ha Anlage nach LOCHOW/SCHUSTER: Randomisierte Reihe 5 Varianten mit 4 Wiederholungen Anzahl der Bäume pro Parzelle: 5 Fachabteilung 10B Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg 2

3. Applikation/Anwendungszeitpunkte Datum BBCH Temperatur Rel. Lf. Code Anmerkungen A 09.05.2006 62 14,5 C 67,0% 2,3,4,5 B 12.05.2006 65 11,2 C 70,0% 2,3,4,5 C 16.05.2006 66 12,4 C 97,0% 2,3,4,5 4. Bonitur Die Anzahl der Blüten pro Baum wurden vor der Behandlung am 5. Mai 2006 gezählt. Nach der Behandlung wurden die verbliebenen Früchtchen pro Baum am 22. Juni 2006 gezählt, um den Fruchtfall berechnen zu können. Der Wirkungsgrad der eingesetzten Mittel wurde nach Henderson-Tilton berechnet. Beim Zählen der Früchte wurden auffällige Blattschäden (Phytotox) mit beurteilt. Die statistische Verrechnung erfolgte mit der Software "ARM 7". 5. Ergebnisse 5.1. Verbliebene Früchte pro Blüte Variante Code Blüten/Blütenbüschel Früchte/ Parzelle Früchte/Blüte (%) Fruchtfall (%) Kontrolle 1 3,7 40,25 4,1 95,9 Delan 2 3,7 42,75 3,6 96,4 Goltix 3 3,7 20,00 1,6 98,4 ATS 4 3,6 42,00 3,2 96,8 Azolon 5 3,7 41,75 4,6 95,4 Der Ausgangsbesatz an Blüten war zwischen den Varianten sehr gleichmäßig, es waren ca. 3,7 Blüten pro Blütenbüschel vorhanden. Es befanden sich ca. 64 Blütenbüschel am Baum, das entspricht einer Anzahl von etwa 1.200 Blüten pro Parzelle. Fachabteilung 10B Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg 3

Früchte/Blüten (%) 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 Kontrolle Delan Goltix ATS Azolon Auch in der Kontrolle waren nur knapp mehr als 4% der Blüten zu Früchten geworden. Nur die Variante mit Goltix wies mit 1,6% weniger verbliebene Früchte am Baum auf. 5.2. Fruchtfall Fruchtfall (%) 100,0 90,0 80,0 70,0 60,0 50,0 40,0 30,0 20,0 10,0 0,0 Kontrolle Delan Goltix ATS Azolon Berechnet man den Fruchtfall, also die abgefallenen Blüten/Früchtchen pro Variante, so kann man erkennen, dass der Unterschied nur sehr gering ist. Auch in der Kontrolle sind 95,9% der Βlüten ohne Behandlung abgefallen. Bei der Goltix-Variante war die Steigerung auf 98,4% verhältnismäßig minimal. Fachabteilung 10B Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg 4

Beschreibung Anzahl Blüten Blütenbüschel Anzahl Früchte Blüten/Blütenbüschel verbleibende Früchte Fruchtfall Organ bonitiert FLOTOT C FLOCLU C FRUATT C FLOCLU C FRUATT C FRUABS C Boniturdatum 05.05.2006 05.05.2006 22.06.2006 05.05.2006 22.06.2006 22.06.2006 Boniturart COPLPA COPLPA COPLPA COPLPA COPLPA COPLPA Einheit der Bonit. NUMBER NUMBER NUMBER NUMBER % % Anzahl Stichproben 5 5 5 5 5 5 Kulturstadium 59 59 74 Tage nach erstem letztem applic. -4-4 -4-4 44 37-4 -4 44 37 44 37 Anzahl Dezimalstellen 0 0 0 2 2 2 Beh. Beh. Einheit Nr. Name Menge Menge 1 2 3 4 5 6 1 Untreated Check 209 a 56 a 8 a 3,75 a 4,1 a 95,9 b 2 Delan WG 0,06 % w/v 254 a 69 a 9 a 3,71 a 3,62 a 96,38 b Break thru 0,05 % v/v 3 Goltix 0,05 % v/v 251 a 69 a 4 b 3,65 a 1,58 b 98,42 a Tween 20 0,05 % v/v 4 ATS 1,5 % v/v 232 a 65 a 8 a 3,42 a 3,23 a 96,77 b 5 Azolon fluid 1 % v/v 207 a 56 a 8 a 3,74 a 4,57 a 95,43 b LSD (P=.05) 67,2 19,6 1,6 0,289 1,458 1,458 Standardabweichung 44,6 13 1,1 0,192 0,967 0,968 CV 19,34 20,66 14,54 5,25 28,27 1 Bartlett's X2 3,513 3,259 2,87 7,991 4,703 4,68 P(Bartlett's X2) 0,476 0,515 0,58 0,092 0,319 0,322 Versuchsglied F 1,005 0,956 12,874 2,01 5,6 5,599 Versuchsglied P(F) 0,4357 0,4596 0,0001 0,1446 0,0058 0,0058 Die Goltix-Variante (Code 3) unterscheidet sich statistisch signifikant von den anderen Varianten sowohl hinsichtlich verbleibender Früchte am Baum als auch hinsichtlich des Fruchtfalles. Dennoch bleiben im Schnitt 4 Früchte am Baum hängen, welche Eintrittspforten für den Erreger des Feuerbrandes darstellen können. 5.3. Wirkungsgrad nach Henderson & Tilton Variante Code Wirkungsgrad (%) Delan 2 13,0 Goltix 3 58,8 ATS 4 4,9 Azolon 5-8,4 5.4. Blattschäden Es waren in den Versuchsparzellen keine auffälligen Blattschäden feststellbar. Fachabteilung 10B Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg 5

6. Diskussion/Interpretation In der Junganlage des Versuchsquartiers war ein starker Blüten- und Fruchtfall auch ohne chemische Behandlung zu sehen. Beinahe 96% der Blüten entwickelten sich nicht weiter zu Früchten und fielen vorher ab (natürlicher Fruchtfall). Mit dem Produkt Goltix (Wirkstoff Metamitron) konnte die Zahl der verbleibenden Früchte am Baum von durchschnittlich 8 auf 4 gesenkt werden. Die Infektion mit dem Feuerbranderreger Erwinia amylovora passiert hauptsächlich über den Blütenboden. Da bei keinem der eingesetzten Mittel innerhalb kürzester Zeit restlos alle Blüten von den Bäumen entfernt werden konnten, sind die untersuchten Varianten zur Verringerung des Feuerbrand-Infektionsrisikos nicht ausreichend geeignet. Phytotoxische Schäden konnten im Versuchsjahr 2006 nicht beobachtet werden. 7. Zusammenfassung Ein rasches, vollständiges Abräumen der Blüten in der Junganlage bei Pinova Evelina war mit den untersuchten Produkten nicht möglich. Eine geeignete Alternative zur raschen Entfernung von Blüten sollte gefunden werden, um das Risiko von Blüteninfektionen mit Feuerbrand in Junganlagen minimieren zu können. Fachabteilung 10B Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg 6