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Transkript:

1 Predigt Kontinentalversammlung 20.-22.05.2016 Europapräses Pfr. Josef Holtkotte Der selige Adolph Kolping war ein Mann der Glaubens und der Tat. Er war Salz der Erde und Licht der Welt, wie es Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern auftrug. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, hat bei seiner Rede zum 200. Geburtstag im Jahr 2013 von Adolph Kolping in Köln gesagt: "Wir haben nicht nur die schrecklichen, abstoßenden Figuren unserer Geschichte, sondern wir haben diese großen Männern und Frauen", zu denen der selige Adolph Kolping zählt. Die Kolpingschwestern und Brüder, sollen wie er - Frauen und Männer, Christinnen und Christen "des Glaubens und der Tat", "Salz der Erde" und "Licht der Welt" sein. Wie bei Adolph Kolping, so darf das auch heute bei uns nicht Theorie ohne Praxis, Wort ohne Leben sein. Papst Franziskus mahnt in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium, das so viel positive Resonanz fand: In der Treue zur Gabe des Herrn weiß sie (die Kirche) auch, Frucht zu bringen.

2 Diese Früchte müssen in der ganz konkreten Situation des heutigen Lebens und unserer Zeit gebracht werden! Dabei spricht Papst Franziskus in dem Apostolischen Schreiben von Themen, die dem seligen Adolph Kolping sehr wichtig waren und heute von entscheidender Bedeutung sind, zum Beispiel: Gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, dass sie sich gut entwickeln, einen Beruf und ihren Platz in der Gesellschaft finden, dass alle von ihrer Arbeit leben können, dass es für gute Arbeit gerechten Lohn gibt, der das Auskommen sichert. Früchte verlangte Adolph Kolping für die Familien, die Ur- und Wachstumszellen jeder Gesellschaft und der Kirche sind. Wenn diese Zellen krank, instabil oder gar nicht vorhanden sind, dann ist das wichtigste Lebenselement und Lebenselixier einer jeden Gesellschaft und der Kirche nicht oder unzureichend vorhanden, dann ist die Gesellschaft unterentwickelt und krankt. Früchte bringen bedeutet für Adolph Kolping und für uns heute, als seine Schwestern und Brüder, in der Gesellschaft mitzuwirken, damit sie gerecht und friedlich und im christlichen Sinn engagiert für das Gemeinwohl ist.

3 Dazu ist ein persönlicher Glaube wichtig, weil ohne persönlichen Glauben unser Leben leer und haltlos wird, weil ohne persönlichen Glauben die Werte in Frage stehen und nicht wirklich festzumachen sind, weil ohne persönlichen Glauben Menschen einander ausliefern. Wenn der Mensch die letzte Instanz wird- davor bewahre uns der barmherzige Gott! Gott muss unsere letzte Instanz bleiben! Deshalb ist persönlicher Glaube so wichtig, und nicht eine Erfindung der Kirche, damit die Gottesdienste schön voll sind. Persönlicher Glaube führt zur Verantwortung, zur Achtung der Würde des Anderen. Denn wir sollen Gott und den Nächsten lieben! Und nicht andere töten, diskriminieren, verachten, verängstigen. Barmherzigkeit ist aktuelles Lebensprogramm! Das sind Früchte, die Papst Franziskus im Blick hat und die Adolph Kolping angemahnt hat; alle, die sich als Kolpingsöhne und -töchter zu ihm bekennen, müssen sie heute einbringen und einfordern. Dabei darf und muss man sich auch die Hände schmutzig machen.

4 Papst Franziskus schreibt: "Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist. Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Schwestern und Brüder ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne Horizont von Sinn und Leben. Liebe Schwestern und Brüder, was war für Adolph Kolping und was muss für uns heute der tragende Grund für unser Engagement bei der Umsetzung unseres Glaubens, des Evangeliums Jesu Christi zur Gestaltung der Welt sein? Zutiefst war Adolph Kolping getragen von einem zweifachen Glauben : den an die Menschen und den an Gott! Diese beiden Glaubensinhalte gehören für ihn grundsätzlich zusammen.

5 In seinen Predigten bedauert Adolph Kolping, dass zu viele Menschen zu wenig Glauben an den Menschen haben. Wer nicht an den Menschen glaubt, der traut ihm nichts zu und wer ihm nichts zutraut, der fördert ihn auch nicht, der setzt sich nicht für ihn ein, der erklärt ihn - vorschnell und unberechtigt - zu einem "hoffnungslosen Fall". Wer an den Menschen glaubt, der verschafft besonders jungen Menschen Chancen, der hilft ihnen zu entdecken, was in ihnen steckt, der weiß, dass der Mensch auch Irrwege geht, der lässt aber nicht locker, weil er an den Menschen glaubt, der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen ist, der Gaben und Begabungen hat und entsprechend Gottes Plan eine Aufgabe in dieser Welt erfüllen soll und der für die Ewigkeit bestimmt ist. Wo die Welt und die Menschen geistlos werden, werden die Welt und die Menschen unbarmherzig. Davor mahnen uns die vielen Todeszeichen der Welt: der Hass, die Gewalt. Die Verfolgung aber auch der Neid, die Korruption, die Unehrlichkeit, die Manipulation. Auch das sind unbarmherzige Todeszeichen. Auch manchem vollmundigem Schreihals oder anonymen Hetzer oder Populisten- nicht nur in den sozialen Medien - merkt man die Geistlosigkeit an.

6 Wenn der Mensch dem Menschen ein Wolf wird also erbarmungslos und geistlos, wird er auch Brandstifter und Hassprediger. Füllen wir unser Leben mit Glauben an, mit Hoffnung und Liebe- damit es nicht geistlos und erbarmungslos wird. Liebe Schwestern und Brüder, wir sind mitten im Jahr der Barmherzigkeit. Wir werden ermutigt, mit dem Glauben ernst zu machen. Die Barmherzigkeit Gottes will unser wirkliches Leben erreichen. Dieser Glaube an den Menschen hängt zusammen mit dem Glauben an Gott, der den Glauben an den Menschen erst ermöglicht. Deshalb sagt Kolping: "Auf dem Glauben ruht das Leben". Und an einer anderen Stelle: "Ohne ein kräftiges, lebendiges Christentum ist es mit den Menschen nichts und wird es auch nichts." Den Glauben an den Menschen und den Glauben an Gott festhalten, leben und ausbreiten, ist die Grundlage der Kolpingsfamilien, des Kolpingwerkes, der Erfüllung des Auftrags Adolph Kolpings in unserer Zeit. Wir schauen auf Adolph Kolping und stellen fest, dass sein und unser Werk den Glauben an den Menschen und den Glauben an Gott fördert.

7 Wichtige Impulse, wichtiges Engagement und unzählige Initiativen gibt es. Auch heute ist die Botschaft Adolph Kolpings aktuell. Auch wir tragen mit unseren Überlegungen dazu bei, im Austausch, durch unser Miteinander. Wir wollen sein Werk fortsetzen. Dazu ist vor allem wichtig, dass wir Menschen in die Kolpingsfamilien bringen und ihnen den Geist des seligen Adolph Kolping vermitteln. Wie kann das gelingen? Wir brauchen Mut für die Aufgabe, die wir entdecken. Wir brauchen die feste Überzeugung, dass jeder Mensch seine Würde hat, dass Gott in unserer Welt lebendig ist, dass wir durch unser Tun der Welt ein menschliches Gesicht geben. So sind wir in der großen Kolpinggemeinschaft miteinander auf dem Weg. Adolph Kolping ist unser Wegbegleiter. Gott sei Dank. Amen.