2. INFRAROT-Durchmusterungen

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Transkript:

2. INFRAROT-Durchmusterungen Bereich: ~ 5 500 m = 6 10 13-6 10 11 Hz Atmosphäre in diesem Wellenlängenbereich nicht durchlässig Satelliten Flusseinheit: Jy

5 600 K 50 60 K 500 6 K Schwarzkörperstrahlung: Maximum durch Wiensches Verschiebungsgesetz beschrieben: max T = 2.9 10-3 mk Kalte Objekte im Kosmos (Planeten, interplanetarer Staub, Objekte die Staub enthalten, z.b. Sternentstehungsgebiete, Galaxien)

Staubeigenschaften Staubteilchen (Durchmesser ca. 0.01 0.1 m) bestehen im wesentlichen aus Silikaten, Eis und Kohlenwasserstoffen Falls Staubradius groß gegen Wellenlänge r»schattenwurf Falls Staubradius klein gegen Wellenlänge r «~ -4 (Rayleigh) Falls r ~ Mie-Streuung Maximale Wechselwirkung: x r/ ~ 1 Typische Staubdichte: N S 10-13 cm -3 Wechselwirkungsquerschnitt groß: 3 10-13 m 2 Wechselwirkung im optischen sehr groß, im NIR vernachlässigbar Staub absorbiert optische/uv-strahlung von Sternen und reemittiert diese im NIR!!! Je nach optische Dicke, können Sterne nicht mehr beobachtet werden

Extinktion stark Wellenlängenabhängig. Kann je nach optischer Tiefe bis zu 50 mag und mehr im Visuellen betragen.

IRAS = InfraRed Astronomical Satellite 60 cm Teleskop in 900 km Höhe Missionsdauer: Feb. 1983 - Nov. 1983 Heliumgekühlt auf 3-4 K Beobacht. bei 12, 25, 60 und 100 m Komplette Himmelsdurchmusterung + einige punktierte Beobachtungen Wichtigstes Ergebnis: Entdeckung und Charakterisierung der leuchtkräftigen Infrarotgalaxien!

Anordnung der Detektoren so gewählt, dass pro Scan jedes Objekt 2mal auf Detektor mit entsprechendem Filter fiel (m) N (Detektoren) FOV (arcmin) Exp.Time (sec) 10 Sens. (Jy) 12 16 0.75 4.5 0.2 0.7 25 13 0.75 4.6 0.2 0.65 60 15 1.5 4.7 0.4 0.85 100 15 3 5 0.8 3

IRAS All-Sky Survey All-Sky Survey während der Verfügbarkeit des flüssigen Heliums Surveygeschwindigkeit ca. 4 o pro Tag, 96% des Himmels 2mal besucht Insgesamt ca. 350000 Infrarotquellen detektiert: IR Bright galaxy sample: 630 Quellen, F > 5.2 Jy @ 60 m, alle Quellen haben z < 0.1, komplett (Sanders et al. 2003) IRAS Sky Survey Atlas (ISSA), enthält Bilder mit 12.5 o 12.5 o für jeden Filter (1.5 Pixel entsprechend der Auflösung bei 100 m) Point source Katalog (PSC): ca. 20000 Quellen Faint source Katalog (FSC): ca. 250000 Quellen Daten frei verfügbar via IRAS-Archiv!

IRAS PSC Grenzhelligkeit PSC: ~ 0.5 Jy (12, 25, 60 m), ~ 1.5 Jy (100 m)

M31 optisch IRAS (60 m)

ISO = Infrared Space Observatory 60cm Teleskop in elliptischem Orbit (1000 70600 km Höhe) Missionsdauer Feb. 1996 Mai 1998 Heliumgekühlt auf 1-3 K Beobachtet von 2.5 240 m ISOCAM: IR-Kamera (2.5 17 m) ISOPHOT: Photopolarimeter (2.5 240 m) MPIA Heidelberg ISOSWS/LWS: Kurz/Lang- Spektrograph (2.4-45/45-240 m) Empf. bzw. Winkelauflösung bis zu 100 mal besser als bei IRAS

Im Gegensatz zu IRAS keine vollständige Himmelsdurchmusterung Knapp 30000 Pointings, davon ca. 15000 mit ISOPHOT Bisher ca. 30% aller Daten aufbereitet, Daten erst teilweise verfügbar Einzige Durchmusterung : 170 m Serendipitous Slew Survey ISOPHOT hat Daten aufgenommen, während der Satellit von einer zur nächsten Himmelsposition schwenkt Vorteil: zusätzliche Daten ohne Extrakosten (außer Arbeit..), erhöht Effizienz des Satelliten, wird oft (speziell im Röntgen) gemacht Vorteil hier: Himmel bei dieser Wellenlänge noch nie beobachtet ca. 3000 Galaxien entdeckt

Weitere Missionen: SIRTF (85cm): Launch Aug. 2003, Beob. Jan 2004 Herschel (3.5m): Launch geplant in 2007

Infrarotgalaxien Definition Infrarotgalaxie: Energieabgabe im Bereich 5 500 m stärker als in allen anderen Wellenlängen zusammen! Großteil der Galaxien, die eine bolometrische Helligkeit von > 4 L * ( 10 11 L ) haben, sind im optischen durch Staub extrem abgeschwächt!!! Entdeckt mit IRAS: Galaxien mit L IR = 10 7-10 13 L Normale Galaxien: L IR = 10 7-10 11 L Leuchtkräftige Infrarotgalaxie (LIRG): L IR = 10 11 L UltraLeuchtkräftige Infrarotgalaxie (ULIRG): L IR = 10 12 L HyperLeuchtkräftige Infrarotgalaxie (HLIRG): L IR = 10 13 L Beinhalten Starburstgalaxien, Seyferts und QSOs (Def. Starburst: Sternentstehungsrate während 10 8 Jahren in der bis zu 5% der zur Verfügung stehenden stellaren Masse involviert sind)

Leuchtkraftfunktion: Dominiert bei großen Leuchtkräften über die normalen Galaxien, vergleichbar mit QSOs. Trotzdem sind Galaxien relativ selten!

Links: Spektrale Energieverteilung (SED) für Galaxien als Funktion der IR- Helligkeit. Rechts: SED für aktive Galaxien. Die hellsten IR-Galaxien haben fast 1000-fache Energieabgabe im IR im Vergleich zum Optischen. QSOs haben einen thermischen IR-Buckel (aus Torus?). Da Leuchtkraftfunktion IR-Galaxien und QSOs bei großen Leuchtkräften vergleichbar => Relation IR-Galaxien QSOs; Entwicklung?

Optische Aufnahmen: Viele IR-Galaxien scheinen gestört zu sein Wechselwirkung? Radio: IR-Galaxien enthalten viel molekulares Gas!

Die Antennengalaxie: ein prominentes Beispiel einer wechselwirkenden, leuchtkräftigen IR-Galaxie

ISO-Daten: IR-Bild zeigt zwei Punktquellen und einen Ring von Staub Gegend starker Sternentstehung

Systematische Untersuchung: Anteil der aktiven Galaxien nimmt als Funktion der IR-Leuchtkraft zu. Ebenfalls systematische Variationen der morphologischen Eigenschaften von normaler Morphologie zu verschmelzenden/verschmolzenen Galaxien Entwicklung von LIRG => (H)ULIRG => QSO?

Viele QSOs zeigen ähnliche Wechselwirkung wie IR-Galaxien

Ein Entwicklungsszenario 2 gasreiche Galaxien verschmelzen, bilden/füllen ev. QSO und enden als elliptische Galaxie

Simulationen, z.b. Mäuse-Galaxie

Referenzen Infrarotgalaxien: D.B. Sanders & I.F. Mirabel, Annual Reviews of Astronomy and Astrophysics 1996, Vol. 34, S. 749 IR Bright Galaxy Sample: D.B. Sanders et al., Astronomical Journal 2003, Vol. 126, S.1607 IRAS-Mission: G. Neugebauer et al., Astrophysical Journal 1984, Vol. 278, S. L1 ISO-Mission: M.F. Kessler et al., Astronomy & Astrophysics 1996, Vol. 315, S. L27 Info, Bilder und Kataloge zu IRAS, ISO und weiteren Missionen: www.ipac.caltech.edu Simulationen: Hompage von Joshua Barnes www.ifa.hawaii.edu/~barnes