Herrlicher Dienst (2. Korinther 3, 1-11; 20. So. n. Trin. VI)

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Transkript:

Herrlicher Dienst (2. Korinther 3, 1-11; 20. So. n. Trin. VI) Eine Predigt von Bernhard Kaiser 1 Fangen wir denn abermals an, uns selbst zu empfehlen? Oder brauchen wir, wie gewisse Leute, Empfehlungsbriefe an euch oder von euch? 2 Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! 3 Ist doch offenbar geworden, daß ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. 4 Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott. 5 Nicht daß wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, 6 der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. 7 Wenn aber schon das Amt, das den Tod bringt und das mit Buchstaben in Stein gehauen war, Herrlichkeit hatte, sodaß die Israeliten das Angesicht des Mose nicht ansehen konnten wegen der Herrlichkeit auf seinem Angesicht, die doch aufhörte, 8 wie sollte nicht viel mehr das Amt, das den Geist gibt, Herrlichkeit haben? 9 Denn wenn das Amt, das zur Verdammnis führt, Herrlichkeit hatte, wieviel mehr hat das Amt, das zur Gerechtigkeit führt, überschwengliche Herrlichkeit. 10 Ja, jene Herrlichkeit ist nicht für Herrlichkeit zu achten gegenüber dieser überschwenglichen Herrlichkeit. 11 Denn wenn das Herrlichkeit hatte, was aufhört, wieviel mehr wird das Herrlichkeit haben, was bleibt. Einleitung Jedes Jahr stehen junge Menschen vor der Entscheidung, welchen Beruf sie ergreifen sollen. Sie gehen zur Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, sie machen ein Schnupperpraktikum, sie analysieren ihre Stärken und Schwächen, sie fragen sich, welche Ziele sie in ihrem Leben erreichen wollen und sie versuchen, sich vorzustellen, welche Tätigkeiten ihre tägliche Arbeitszeit ausfüllen können und was sie davon haben, bevor sie sich für einen bestimmten Beruf entscheiden. Was hat der Verkündiger des Evangeliums von seiner Arbeit? Ich spreche jetzt nicht vom Geld, das er verdient, denn das ist in der Regel nicht viel. Ich spreche aber von dem ideellen Lohn, den er in dieser wie in der künftigen Welt empfängt. Der Apostel Paulus hat in seinen Briefen oft über seine Arbeit gesprochen und dabei auch zahlreiche Aussagen gemacht, die nicht nur ihn als Apostel betreffen, sondern jeden, der der christlichen Kirche mit dem Wort Gottes dient. Das gilt auch für unseren heutigen Predigttext. Paulus hat vor Augen, was für eine besondere Qualität das Evangelium von Jesus Christus und der Dienst der Verkündigung des Evangeliums hat, besonders wenn man es mit dem Dienst im Sinaibund vergleicht. Darüber spreche ich im ersten Teil meiner heutigen Predigt. Die Frucht der Predigt ist eine glaubende Gemeinde. Welche Bedeutung eine solche für den Pastor hat, soll uns im zweiten Teil unserer Predigt beschäftigen. 1. Das Amt, das den Geist gibt Mit diesen Worten bezeichnet der Apostel seine Tätigkeit als Diener Jesu Christi. Er sieht sich dabei im Gegensatz zu der Tätigkeit des Mose, durch den Gott mehr als 1400 Jahre zuvor am Sinai den Israeliten das Gesetz gab und mit ihnen einen Bund schloß.

Kaiser: Herrlicher Dienst, Seite 2 Wir lesen davon im zweiten Mosebuch: Und der HERR sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg und bleib daselbst, daß ich dir gebe die steinernen Tafeln, Gesetz und Gebot, die ich geschrieben habe, um sie zu unterweisen (2Mose 24, 12). Es war ein besonderes Ereignis, denn als Mose vom Sinai herunterkam, leuchtete sein Angesicht. Das war ein Zeichen dafür, daß Gott mit ihm geredet hatte. Aber Moses Bruder Aaron und das ganze Volk fürchteten sich, zu Mose zu kommen. Mose aber verkündete ihnen das Gesetz Gottes, das Gott ihm auf dem Berg offenbart hatte. Danach legte er eine Decke auf seinen Kopf, sodaß niemand mehr das leuchtende Angesicht des Mose sah. Paulus hatte dieses Geschehen vor Augen, als er argumentierte: Wenn das Amt, das zur Verdammnis führt, Herrlichkeit hatte, wieviel mehr hat das Amt, das zur Gerechtigkeit führt, überschwengliche Herrlichkeit. Um diesen Satz richtig zu verstehen müssen wir uns vor Augen halten, daß Paulus es als die eigentliche Aufgabe des Sinaibundes ansieht, den Menschen vor Augen zu führen, daß sie gesündigt haben und den Zorn Gottes verdienen. Das meint er, wenn er sagt: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde (Röm 3, 20). Mehr noch, es verkündigt auch das Todesurteil über dem, der nicht alles tut, was es gebietet (5Mose 27,26; Gal 3, 10). In diesem Sinne ist auch die Aussage, daß der Buchstabe töte, zu verstehen. Mit dem Buchstaben ist nicht die wörtliche, schriftliche Gestalt der Bibel gemeint, wie viele und berühmte Prediger und Theologen im Lauf der Kirchengeschichte räsoniert haben. Sie meinten, der Geist käme nicht durch das äußere Wort, sondern er wirke neben dem Wort oder ohne das Wort direkt im Herzen der Menschen. Diese Sicht erlaubte es ihnen, sich dem Wortlaut der Bibel zu entziehen und ihre eigenen Gedanken in die Bibel hineinzulesen in der Meinung, daß das geistlich sei. Doch wenn das der Fall wäre, dann hätte Paulus auf das Wort verzichten können und weder predigen noch Briefe schreiben müssen. Dann hätte er besser einen religiösen Zirkus mit frommen Artisten oder charismatische Erlebnisveranstaltungen durchführen können. Das aber war nicht der Inhalt seiner Arbeit. Es ist ein Irrtum, zu meinen, der Geist komme ohne das Wort. Der Heilige Geist kommt gerade mit der Predigt des Evangeliums. Paulus fragt im Galaterbrief: Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten unter euch, tut er s durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? (Gal 3, 5). Diese Frage müssen wir ebenso wie die Aussagen in unserem Predigttext auf dem Hintergrund des Judentums sehen. Die Juden dachten, sie hätten das Leben aus Gott, wenn sie das Gesetz des Mose hielten. Sie hatten wohl recht, wenn sie meinten, das Gesetz sei von Gott. Aber sie wollten nicht wahrhaben, daß sie das Gesetz überhaupt nicht halten konnten. Sie erkannten nicht, daß Gott mit dem Gesetz ihre Sünden aufdeckte und sie anwies, die Gerechtigkeit bei Gott woanders zu suchen als in ihren Werken. Aber dafür waren sie blind. Es ist die besondere Aufgabe des Heiligen Geistes, daß er uns Christus verkündigt. Er ist ja der Inhalt des Evangeliums, und mit dem Evangelium kommt Christus im Heiligen Geist, um in uns zu wohnen, indem wir dem Evangelium glauben. Wenn Paulus sagt, der Geist macht lebendig, dann deswegen, weil er uns das ewige Leben gibt, und zwar hier, indem er uns zum Glauben führt, und dort, indem Gott uns durch den Heiligen Geist auferwecken und das ewige Leben leibhaftig geben wird. Unter dieser Perspektive ist es verständlich, wenn Paulus im vorausgehenden Kapitel von sich und seinen Mitarbeitern sagen kann: Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden (2Kor 2, 15). In der Tat: Diejenigen, die ihre geistliche Armut erkannt haben, die verstanden haben, daß sie verloren sind und wegen ihrer Sünde den ewigen Tod verdienen, diese Menschen wollen gerettet werden. Sie halten Ausschau nach einer Botschaft, die ihnen den Weg zum Heil zeigt. Diese aber fällt nicht vom Himmel direkt in ihr religiöses Bewußtsein, sondern sie kommt auf Erden durch den Dienst der Apostel damals und den Dienst der Pastoren und Prediger heute. Wen wundert s, wenn

Kaiser: Herrlicher Dienst, Seite 3 Menschen, die gerettet werden möchten, die Verkündiger des Evangeliums willkommen heißen, wenn sie sie gut riechen können, um bei dem biblischen Bild zu bleiben, wenn sie sich freuen, sie zu sehen und ihre Botschaft zu hören. Bei dieser Botschaft atmen sie auf, durch sie gewinnen sie wieder Hoffnung und die Gewißheit, daß sie in Jesus Christus mit Gott versöhnt sind und Gott ihnen den Frieden, die Vergebung der Sünden und das ewige Leben zusagt. Weil Christus für ihre Sünden gestorben ist, haben sie ein reines Gewissen und ein fröhliches Herz, denn sie wissen: Gott ist mir gnädig. Allerdings hat der gute Geruch Christi, den der Verkündiger verströmt, auch eine negative Seite. Der Verkündiger ist denen, die verloren werden, ein Geruch des Todes zum Tode (2Kor 2, 16). Das heißt, daß alle jene, die meinen, sie bräuchten Jesus Christus nicht, sie hätten einen Erlöser nicht nötig, den Verkündiger des Evangeliums nicht riechen können. Es stinkt ihnen, zu hören, daß sie Sünder sind und verloren gehen; so etwas wollen sie nicht hören. Das betrifft aber auch die Frommen, die wohl zugestehen, daß sie verloren sind und daß Jesus sie retten kann, aber die meinen, sie müßten Gott nachhelfen, indem sie ihr Heil von ihrer Entscheidung, ihrem Entschluß, sich zu bekehren, abhängig machen, nach dem Motto: Jesus ja, aber nicht ohne meine Mithilfe. Sie glauben nicht an Christus allein. Es reicht ihnen nicht, daß Gott sie in ihm als Gottlose gerechtspricht, sondern sie wollen sich mit ihrer Bekehrung erst zu einem frommen Menschen machen, bevor sie glauben, sie wären vor Gott gerecht. Sowohl die dieserart Frommen als auch die richtig Gottlosen sind stets bemüht sind, die Botschaft des Evangeliums zu ersticken jene wie die Juden mit ihrer Werkgerechtigkeit, diese wie die Heiden mit ihrer Gottlosigkeit. Der Verkündiger des Evangeliums stinkt ihnen. Sie kündigen seinen Arbeitsvertrag, sie laden ihn nicht mehr ein, sie zerstören seinen Ruf, und im schlimmsten Fall erleidet der Verkündiger Verfolgung und Tod. Der Verkündiger muß also nicht nur das Evangelium verstanden haben und predigen können, sondern auch diesen Konflikt aushalten. Paulus fragt: Wer aber ist dazu tüchtig? um dann festzustellen: Nicht daß wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes. Ja, es ist Gottes Gabe, wenn ein Mensch dieses beides kann. Er kann es nicht aus sich heraus, sondern weil Gott ihn durch den Heiligen Geist erleuchtet hat. Das aber macht den Dienst am Wort im Neuen Bund so besonders. Was Gott im Neuen Bund verheißt, das vergeht nicht. Der Alte Bund, der Mosebund, ist in Christus zu seiner Erfüllung und seinem Ende gekommen. Aber die Heilsgüter des Neuen Bundes bestehen in alle Ewigkeit. Das hatte Paulus vor Augen, als er schrieb: Wenn das Herrlichkeit hatte, was aufhört, wieviel mehr wird das Herrlichkeit haben, was bleibt. Darum konnte er sich glücklich schätzen, dieses Amt, das den Geist gibt, das Menschen zum ewigen Heil führt, ausüben zu dürfen, und jeder, der rechtmäßig berufen ist und das Wort der Apostel predigt, hat teil an dem Amt, das den Geist gibt. 2. Das Leben, das der Geist gibt Die Frucht der rechten Predigt des Evangeliums ist die, daß Menschen zum Glauben kommen. Das geschieht nicht automatisch, sondern es geschieht nach dem Willen Gottes. Es kommen die zum Glauben, die er zum ewigen Leben erwählt hat. Diejenigen aber, die zum Glauben kommen, sind der Beweis dafür, daß unter ihnen Gottes Wort recht verkündigt wurde. Deshalb war die Gemeinde in Korinth ein lebender Beweis dafür, daß Paulus das Evangelium verkündigt hatte, denn die Korinther waren zum Glauben gekommen und die Gemeinde stand für alle sichtbar in der Öffentlichkeit da. Es konnte nicht verborgen bleiben, daß dort Menschen aus tiefen Sünden zum Glauben

Kaiser: Herrlicher Dienst, Seite 4 an Christus gekommen waren und nun ein anderes Leben führten. So waren sie ein Brief Christi an die Menschen in ihrer Umgebung. Paulus bescheinigt ihnen: Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, daß ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. Was sagt der Apostel mit diesen Worten? Es war in den christlichen Gemeinden damals üblich, daß eine Gemeinde einem guten Prediger einen Empfehlungsbrief schrieb, mit dem er sich Eingang verschaffen konnte in anderen Gemeinden. Das ist keine schlechte Sache, aber Paulus konnte auf solche Empfehlungsbriefe verzichten, denn die Gemeinde in Korinth war sein Empfehlungsbrief. Die Tatsache, daß es in dieser griechischen Hafenstadt eine christliche Gemeinde gab, daß Götzendiener und Geizhälse, Homosexuelle und Huren zum Glauben gekommen waren, Vergebung ihrer Sünden empfingen, ihr altes Leben hinter sich ließen und nun im Glauben an Christus lebten, das konnte nicht verborgen bleiben. Es war das Werk des Heiligen Geistes, das er an den Herzen der Menschen tat, indem er sie bekehrte. Das sprach sich herum und jeder, der es sehen wollte, konnte es sehen. Die Christen in Korinth gaben den Menschen, die um sie herum lebten, die Hoffnung auf ein besseres Leben dort und ein anderes Leben hier. Für Paulus war die Existenz dieser Gemeinde zugleich ein Ausweis dafür, daß er ein rechtmäßiger Apostel Jesu Christi war. Er war ja umstritten, denn er gehörte nicht zu den elf Männern, die seinerzeit von Jesus vor dessen Himmelfahrt mit der Predigt des Evangeliums beauftragt worden waren. Gott aber hatte es so verfügt, daß Paulus, der Verfolger der Gemeinde, zum Glauben an Jesus Christus kommen und sein Apostel werden sollte. Im Blick darauf schrieb Paulus schon im ersten Brief an die Korinther: Bin ich für andere kein Apostel, so bin ich s doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn (1Kor 9, 2). Das aber heißt für uns: Auch wir empfangen den Heiligen Geist durch das Wort des Paulus, durch die Predigt vom Glauben, so wie auch durch das Wort der anderen Apostel, deren Wort uns im Neuen Testament unmittelbar zugänglich ist. Darin, daß wir durch den Dienst der Apostel den Heiligen Geist empfangen, besteht ein wesentlicher Unterschied zum Dienst des Mose. Wie wir bereits gesehen haben hatte Mose die Aufgabe, dem Volk Gottes das Gesetz zu vermitteln. Das Gesetz, das freilich ebenso Gottes Wort ist, wie das Evangelium, hatte die besondere Aufgabe, die Menschen ihrer Sünde zu überführen und ihnen zu zeigen, daß sie verloren waren, mithin also, ihnen das Todesurteil Gottes zu verkündigen. Die neutestamentlichen Apostel aber durften das Evangelium verkündigen, das ihnen an Christus und am ewigen Leben teilgab. Damit bekamen die Menschen den Heiligen Geist, den Geist Christi. Er führte sie zum Glauben und mit dem Glauben hatten sie schon hier das ewige Leben zwar noch nicht sichtbar, aber doch wirklich, wie denn das Wort, dem sie glaubten, der lebendige Same ist, der in Ewigkeit bleibt. Sie brauchten nun keine Priester mehr, die lehrten, und Könige, die sie regierten, sondern sie hatten beides in Christus, und zwar jeder für sich persönlich. Das war im Vergleich zum Alten Testament ganz neu. Jesus sagt: Der Geist ist s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben (Joh 6, 63). Paulus beschreibt das so: Nun aber sind wir vom Gesetz frei geworden und ihm abgestorben, das uns gefangen hielt, sodaß wir dienen im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens (Röm 7, 6). Wir sehen also, wozu das Evangelium fähig ist. Es vermittelt einem Menschen einen ganz neuen Zugang zu Gott. Für die Juden bedeutete das, daß sie nicht an ihren Zeremonien, ihrem Kult, ihrem Tempel, ihrem Priester-

Kaiser: Herrlicher Dienst, Seite 5 tum und an ihren religiösen Werken hängen sollten. Das waren alles Dinge, die wohl Respekt einflößten, die dem Beobachter einen religiösen Schauder vermittelten, aber die doch ganz und gar im Vermögen und Tun von Menschen standen. Sie machten einen Menschen nicht zu Teilhabern an Gott. Gott, den Heiligen Geist, sollten sie durch das Evangelium empfangen, und das bedeutete den Worten Jesu zufolge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt (Joh 6, 51). Jesus redet in Johannes 6 nicht vom Heiligen Abendmahl, sondern von seinem stellvertretenden Sühnopfer und dem Glauben. Das Fleisch Jesu essen und sein Blut zu trinken bedeutet, ihm gerade darin zu glauben, daß er in seinem Sühnopfer die Tür zum ewigen Leben aufgestoßen hat; nicht zuletzt sagt Jesus im selben Kapitel: Wer glaubt, der hat das ewige Leben (Joh 6, 47). Das galt und gilt in gleicher Weise auch für den Heiden. Wenn der Heide damals in den Götzentempel ging und seine Weihrauchkugeln in das Feuer warf, das auf dem Altar brannte, dann wollte er seinen Gott Jupiter oder Apollo oder einen anderen für seine Sache gnädig stimmen. Doch wie sollte er wissen, ob dieser Gott ihn hörte, ja, ob es diesen Gott überhaupt gab? In Wirklichkeit lebte der Heide in großer Unwissenheit. Überdies konnte ihn sein gedachter Gott weder von seinem unsittlichen Lebenswandel noch vom ewigen Verderben erlösen. Doch das Leben im Heidentum fand im Licht des Evangeliums ein Ende. Mit dem Wort der Apostel kam der wahrhaftige Gott im Heiligen Geist zu diesen Menschen, tat ihnen das Herz auf, daß sie das Evangelium verstehen und Jesus Christus erkennen konnten. Er überzeugte sie von der Wahrheit des Evangeliums und führte sie zum Glauben an Christus. Ihr neuer Glaube war gekennzeichnet von Wahrheit und Gewißheit, so daß sie nicht mehr im Dunkel des Götzenglaubens, sondern im Licht des Wortes Gottes lebten. Wie der Jude empfing auch er im Evangelium den Freispruch von seinen Sünden und die Hoffnung auf das ewige Leben. Er mußte sich nicht mehr mit seinen sinnlosen religiösen Zeremonien abgeben, sondern konnte Gott im Namen Jesu frei und ohne menschliche Vermittlung anrufen. Schluß Das sollte uns alle aufhorchen lassen. Auch wir fallen nur zu gerne in eine Religiosität zurück, die von Menschen gemacht ist und nicht vom Heiligen Geist kommt. Wir erfinden Riten und Gebote, um unser glaubensloses Gewissen zu entlasten. Wir machen unser Heil an unserer Entscheidung fest, wir fordern Gebete und Gaben, um Gottes Sache voranzubringen und setzen uns unter Druck, um bei Gott etwas zu erreichen. Viele Pastoren und Prediger reden mehr über das Werk und das Erleben von Menschen anstatt das Werk Jesu Christi darzustellen und zu erklären. Wer das Werk des Heiligen Geistes tun will, der darf sich nicht zum Gesetzeslehrer machen und den christlichen Glauben mit der christlichen Ethik verrechnen. Er sollte vielmehr darauf achten, daß er den Menschen das vollkommene Werk Christi erklärt und sie zum Glauben rufen, anstatt zum Tun frommer Werke. Er soll zeigen, wie das Leben im Glauben aussieht, wie der Glaube Früchte bringt in guten Werken, so daß die Menschen ohne Frömmigkeitsstreß vor Gott leben können eben im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens. Dann ist der Dienst eines Predigers bei Gott und bei den Menschen, die nach dem Heil in Christus Ausschau halten, ein wertvoller, herrlicher Dienst. Amen. Sie brauchen das IRT das IRT braucht Ihre Unterstützung! Deutschland: Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE84 5139 0000 0045 6326 01; BIC: VBMHDE5F. - Schweiz: Raiffeisenbank Schaffhausen, BC 81344; IBAN: CH29 8134 4000 0092 1077 1 (EUR) oder CH34 8134 4000 0092 1077 8 (CHF).