Der phantastische Bücherbrief

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Transkript:

Der phantastische Bücherbrief Autorenbücherbrief: Hans Christian Andersen Mai 2005 unabhängig kostenlos Ausgabe 384 Der Mensch und Märchenerzähler geboren: 02.04.1805 - gestorben: 04.08.1875 Am zweiten April 2005 hätte Hans Christian Andersen seinen 200sten Geburtstag gefeiert. Im Jahr 1805 auf der dänischen Insel Fünen in der Ortschaft Odense geboren, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war ein Flickschuster, seine Mutter eine Wäscherin. In frühen Kinderjahren ging er bereits in die Fabrik, um sich am Unterhalt der Familie zu beteiligen. Im Alter von elf Jahren verlor er seinen Vater. Mit vierzehn Jahren ging er nach Kopenhagen. Sein Ziel war es, am königlichen Theater aufgenommen und als Sänger ausgebildet zu werden. Am Theater versuchte er sich im Laufe der Zeit als Statist, im Chor und im Ballett. Sein Stimmbruch setzte seinem Wunsch als Sänger zu arbeiten ein schnelle Ende.

Seine Ungelenkigkeit liess ihn auch für das Ballett ungeeignet erscheinen. Ein paar Gönner, unter anderem der Theaterdirektor und sogar König Friedrich VI förderten den Jungen und so konnte er in den Jahren 1822 bis 1828 eine Lateinschule in Slagelsen und die Universität besuchen. Andersen selbst lernte während seiner Zeit im Kopenhagener Hafen schwimmen. Sein Studium konnte er 1829 erfolgreich abschliessen. Noch im gleichen Jahr erschien sein Buch Fussreise nach Amak, in dem er auf humorige Weise seine eigenen Gefühle aufs Korn nahm. Das Buch wurde ein grosser Erfolg, denn schon kurze Zeit später wurde aus dem armen Flickschustersohn ein angesehener Schriftsteller. Praktisch über Nacht wurde er berühmt. Herr Andersen schrieb in seiner Autobiographie einmal davon, dass er sein Leben wie ein freundliches Märchen betrachte, aber sein krankes Gemüt durch Reisen heilen wollte. So gelangte er 1831, auf seiner ersten Auslandsreise, nach Hamburg, wo er im Hotel Bavière am Jungfernstieg abstieg. Für ihn schien Hamburg eine der schönsten Städte zu sein, denn es zog ihn immer wieder dorthin, obwohl er fast dreissig Reisen durch Europa, Nordafrika und den Orient absolvierte. In Hamburg besuchte er den botanischen Garten und seine grosse Liebe, die Theater. Hier traf er auch auf Otto Speckter, der seine Erzählung das hässliche Entlein stimmungsvoll zu Papier brachte. Als er den Zeichner 1845 noch einmal besuchte, war Herr Andersen bereits ein gemachter, erfolgreicher Schriftsteller. Seine 1831 begonnene Reise wurde eine Entdeckungsreise durch das literarische Deutschland der Romantiker. Sie beeinflussten ihn im folgenden auch bei seinen Erzählungen. Auf dieser Deutschlandreise traf er in Dresden Ludwig Tieck, mit Adelbert von Chamisso, der einige seiner Gedichte übersetzte und ihn in die Berliner literarische Gesellschaft einführte, war er befreundet. Seine häufigen Deutschlandreisen machten ihn zu einem Liebling der Kunstszene in Weimar und in Berlin. Von Beginn an knüpfte der dänische Dichter Kontakte zu deutschen Erzählern. In diesem Zusammenhang sind unter anderem Namen wie Friedrich Wilhelm Schelling der Begründer der Naturphilosophie, Amalie Winter, Bettina von Arnheim und die Gebrüder Grimm zu nennen. Er fand in Deutschland eine grössere Anerkennung als in seiner Heimat. Es bewahrheitet sich also die alte Volksweisheit, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt. 1835 erschienen die ersten beiden Hefte der Märchen, erzählt für Kinder. Die Herren Kritiker verrissen diese Ausgaben, die Leserinnen und Leser jedoch mochten die Erzählungen von Anfang an. Sie hielten etwas für die Zeit neues in den Händen. Das waren nicht mehr die altbackenen Geschichten, mit ihren erzieherischen Massnahmen. Herr Andersen fand einen eigenen Ton und die Kinder waren nicht länger Erwachsene im Liliput-Format die sich der Welt anzupassen hatten. Neben seinem Schreibstil gelang es Hans Christian Andersen mit der Themenwahl die Literaturgattung Märchen neu zu beschreiben. er erzählte nicht nur von den allgemeinen Sehnsüchten und Ängsten, den Hoffnungen und Träumen, sondern verstand es ebenso religiöse Fragen, die Rolle des Menschen, die gesellschaftlichen Zustände und technischen Neuerungen jener Zeit mit einfliessen zu lassen. Herr Andersen schrieb grundsätzlich in seiner Muttersprache, doch 1846 wurde seine erste Selbstbiographie zuerst in Deutschland unter dem Titel Das Märchen meines Lebens ohne Dichtung veröffentlicht. Mit dem Gedicht das sterbende Kind im Flensburger Wochenblatt erschien 1831 seine erste deutschsprachige Übersetzung. Das Interesse an seiner Lyrik in deutschen Zeitschriften wuchs in den folgenden Jahren. Vier Jahre später, 1835, erschien sein erster Prosatext, Jugendleben und Träume eines italienischen Dichters. Literaturkritiker untersuchten seinen Stil. Sie waren sehr angetan und aus diesem Grund konnte Herr Andersen viele gute Besprechungen erhalten. Seine Reiseberichte durch Deutschland fanden wenig Gegenliebe. Erst sein Roman mit

dem seltsamen Titel O. T. weckt das Interesse wieder an ihm. 1837 war damit ein gespaltenes Jahr. Auf der einen Seite war man des Lobes voll, auf der anderen Seite hagelte es vernichtende Schelte ob seines Textes. Die ersten Übersetzungen seiner Märchen erschienen bereits 1839 in Deutschland. Leider nicht sehr erfolgreich, denn mit dem Titel wurden nur Kinder angesprochen. Sein erster Roman, Der Improvisator, erschien 1835 und wurde bald darauf ins Deutsche übertragen. Die meistgelesenste Geschichte von Herrn Andersen ist jedoch Die kleine Meerjungfrau. Das Märchen erschien als eine Fortsetzungsgeschichte und war durchdrungen vom Gedankengut des Herrn Schelling. In verschiedenen Zeitschriften folgten in den Jahren weitere Märchenübersetzungen von ihm. 1845 gelang ihm endgültig sein Durchbruch mit der dritten Märchensammlung Neue Märchen und Erzählungen für Kinder. Nur die wenigsten wissen der Schriftsteller schrieb insgesamt 168 Märchen, von denen die wenigsten wirklich bekannt wurden. Mit dem Erfolg der Märchen, rückten seine Gedichte auch wieder in den Mittelpunkt der Leser. 1860 erschien in Leipzig ein Band mit kleineren Prosaschriften unter dem Titel Aus Herz und Welt, die dänischen Originaltexte erschienen erst viel später. Es überraschte Hans Christian Andersen immer wieder, wie gross der Erfolg seiner Werke in Deutschland war. Seit den ersten Veröffentlichungen erfolgten immer wieder Neuauflagen seiner Märchen. Seiner Oldenburger Brieffreundin Lina von Eisendecher schrieb er sehr erstaunt darüber. Er selbst war der Meinung, das Ausland überschätze ihn. Der Erfolg in Dänemark liess in der ganzen Zeit auf sich warten. In Dänemark fand er weitaus schlechtere Besprechungen. Die literarischen Zirkel in Deutschland, denen er bei Vorlesungen beiwohnte, gerieten zu einem grossen Erfolg für ihn. Etwas, dass er in Dänemark vermisste. Seine Liebe zur Heimat wurde dabei immer wieder auf einen Prüfstein gestellt. In Leipzig 1840 lernte er Felix Mendelssohn-Bartholdy kennen, den er im Leipziger Gewandhaus aufsuchte. Im Juni 1844 lernte er in der Weimarer literarischen Gesellschaft Baron Oliver von Beaulieu-Marconnay kennen. Der Baron begeisterte sich schnell für die Erzählungen von Hans Christian Andersen. Ihm bot er daher an, einige Zeit auf seiner Residenz zu verbringen und bei ihm zu wohnen und zu arbeiten. Diese Nähe führte dazu, dass beide zusammen die Oper Klein Karin ins Deutsche übertrugen. Ebenfalls im Juni des Jahres 1844 wurde er dem Grossherzogspaar von Sachsen-Weimar vorgestellt, die ihn tief beeindruckten und zu einer langen Freundschaft führte. Im Juli des gleichen Jahres lernte er Major Friedrich Anton Serre auf Gut Maxen kennen. In den folgenden Jahren kehrte er immer wieder gern bei der Familie Serre ein. Neben den Künstlern fanden sich aber auch Könige in seinem Bekanntenkreis. Im gleichen Jahr lernte er die Eheleute Clara und Robert Schumann auf einer Abendgesellschaft kennen. Im Dezember 1845 wurde er vom Preussenkönig Friedrich Wilhelm IV eingeladen, im Juni 1852 folgte eine Einladung von König Maximilian von Bayern zu einer Bootsfahrt auf dem Starnberger See. Auf Bitten von König Maximilian las er aus seinen Märchen vor und erhielt darauf eine Einladung von König Ludwig, dem Vater Maximilians. Auch Franz Liszt und dessen Lebensgefährtin, die Fürstin zu Wittgenstein traf Hans Christian Andersen. Wobei Franz Liszt sich vor allem für die Opern von Herrn Andersen begeisterte. Er war es auch, der die Musik zu Klein Karin schrieb. Seine vielen Deutschlandreisen nutze er vor allem dafür, neue Leute zu treffen. Zwischen 1831 und 1873 besuchte er mehrmals das südliche Nachbarland Dänemarks. Er begrüsste es, Leute kennen zulernen und im Laufe der Zeit des öfteren wieder aufzusuchen. Seine letzte Deutschlandreise unternahm er zwei Jahre vor seinem Tod, um seinen Freund, den Maler Wilhelm von Kaulbach aufzusuchen.

Er reiste unter anderem auch nach Italien und Frankreich. Hier traf er unter anderem auch auf die bekannten Schriftsteller Heinrich Heine und Victor Hugo. Seine Kunstmärchen sind angelehnt an europäische Sagen, dem Volksglauben und tatsächlichen Begebenheiten. Hinzu kam ein Schuss Inspiration und die allgemeine literarische Strömung der damaligen Zeit. Friedrich Hebbel bezeichnete Hans Christian Andersen einmal als lange, schlottrige Gestalt mit einem hässlichen Gesicht. Auf der einen Seite soll er nie seine grosse Liebe gefunden haben, obwohl er doch so viele Damen umgarnte, auf der anderen Seite wird berichtet, der grosse Dichter sei homosexuell gewesen. Eine seiner eher negativen Eigenschaften war seine neurotische Angst um sein Vermögen und seinen Verstand. Der Hypochonder litt zudem auch unter Depressionen. Und Kritik an seinen Werken konnte er nicht vertragen. Als Hans Christian Andersen am vierten August 1875 starb, galt er bereits als einer der Wegbereiter der modernen Märchenerzähler. Seine Märchenfiguren wie das hässliche Entlein, das Mädchen mit den Schwefelhölzern, des Kaisers neue Kleider und vor allem die kleine Meerjungfrau, leben heute noch in den Kinderherzen weiter. Die kleine Meerjungfrau ist die weltbekannte Figur, die in der Hauptstadt Dänemarks eine Heimat fand. Sie ist das kleinste Wahrzeichen der Welt, mit nur 175 Kilogramm auch das Leichteste und sitzt im Kopenhagener Hafen. Ihre Grundlagen sollen die Udinensage sein, gleichfalls aber die Muse für Anton Dvorzáks Oper Rusalka als Vorbild gegolten haben. Auch die Erwachsenen kennen diese Märchen, vergesssen aber selbst, dass diese Märchen ihnen erzählt wurden, als sie selbst jung waren. Dabei schrieb Dänemarks bekanntester Schriftsteller mehr als 150 Märchen und sogar sechs Romane. Von seinem Schaffensreichtum zeugen autobiographische Texte, Gedichte, Dramen Reiseberichte und anderes mehr. Sie führen aber ein Schattendasein in der Literatur. In der Gegenwart gilt Herr Andersen als ein Märchenerzähler der Moderne. Möglicherweise wird er in diesem Jahr, wenn ganz Dänemark ihren Dichter feiert, mit neuen Augen gesehen. Und vielleicht erkennt man mit Carl Alexander von Sachsen-Weimar in Herrn Andersen einen neuen Herrn Goethe. Das Leben ist das schönste Märchen, denn darin kommen wir selber vor Sabine Friedrichson & Hans Christian Anderson Beltz & Gelberg Verlag (1/2005) 43 Seiten 19,90 Titelbild und Zeichnungen: Sabine Friedrichson In diesem Jahr würde der Märchenerzähler Hans Christian Andersen seinen 200sten Geburtstag feiern, wenn er ihn denn erleben würde. Aus diesem Grund veröffentlichte der Verlag Beltz & Gelberg den vorliegenden Band. Mit den niedergeschriebenen Worten von Hans Christian Andersen wird eine kurze Geschichte des Erzählers von ihm selbst vorgestellt. Seine ersten Worte gefallen mir sehr gut, doch wird zum Ende hin, nur mit Zitaten gespielt, was ein wenig zusammenhanglos wirkt. Der erste Teil ist durchaus für junge Leser geeignet und gefiel mir als erwachsenem Leser ebenfalls. Mit den Zitaten kann jedoch ein Kind wenig anfangen. Die Zeichnungen von Sabine Friedrichson sind sehr gut gelungen. Mir gefallen die ganzseitigen Zeichnungen, weil es Spass macht, in ihnen nach Einzelheiten zu suchen. Da gibt es auch beim zweiten und dritten Hinsehen immer mal wieder etwas Neues zu entdecken. Auch die Vignetten im Text sind sehr schön geworden und eine Bereicherung des geschriebenen Wortes. Mit ein wenig Phantasie kann man sich die Bilder als gemalte Worte vorstellen. Und dann wird der

Text noch besser. Beide zusammen, Text und Bilder, ergeben eine wunderschöne Einheit. trotz der oben genannten Einschränkung. Märchen Hans Christian Andersen cbj - Club Bertelsmann Jugendbuch 544 Seiten 39 Titelbild und Zeichnungen: Dusan Kálly und Kamila Stanclová gebunden und im Schmuckschuber Seit jeher verzaubern die modernen Märchen des dänischen Dichters die Menschen, ob gross, ob klein. In der ganzen Welt lieben Kinder und Erwachsene seine besonders stimmungsvollen, mit viel Poesie beschriebenen Erzählungen, die in Deutschland ihren Siegeszug antraten. Insgesamt zweiundfünzig Märchen vereint dieses Märchenbuch, in dieser herrlichen Prachtausgabe. Drei Jahre lang zeichneten das berühmte tschechische Künstlerpaar an den Bildern für das Buch. Es entstand ein Buch, das von der Poesie Andersens lebt, stimmungsvoll gezeichnet und mit viel Witz versehen. Das Ehepaar Dusan Kálly und Kamila Stanclová lernte sich an der Hochschule für bildende Kunst in Bratislava kennen. Er, 1948 in Bratislava geboren, sie 1945 in Zvolen, entwickelten bald nicht nur die gleichen Berufswünsche, sondern auch eine Zuneigung zueinander. Andersens Märchen ist ihr erstes gemeinsames Werk. Beide wurden bereits für ihre Werke mehrfach ausgezeichnet. Suhrkamp BasisBiographie 3. Band Hans Christian Andersen Gisela Perlet Suhrkamp Taschenbuch 147 Seiten 7,90 Titelbild: Foto von H. C. Andersen Der Werdegang des Schustersohns Hans Christian Andersen zu einem erfolgreichen Märchenschriftsteller erscheint vielerorts selbst wie ein Märchen. Diesen Mythos wollte er natürlich auch gern aufrecht erhalten, ja er lebte ihn sogar. So ergab es sich, dass viele Einzelheiten aus seinem Leben ein wenig verklärt wurden und der wahre Kern, der in seinem tiefsten Inneren dahinter steckte, verloren ging. Der Mythos des dänischen Autors aus armen Hause hat sich über viele Jahrzehnte erhalten und wurde nun von der Autorin Gisela Perlet ein wenig entzaubert. Der Suhrkamp Verlag brachte mit seinem dritten Band der Reihe BasisBiographien ihr Buch heraus. Als studierte Kennerin der Nordistik wandte sie sich früh der Person Hans Christian Andersens zu und erhielt im Jahr 2002 sogar den gleichnamigen Preis der Ortschaft Odense. Über Andersen selbst wurde bereits viel geschrieben, vor allem in diesem Jahr, unter anderem auch im MAGIRA - Jahrbuch zur Fantasy. Daher wäre es müssig, mehr als das, was in diesem Bücherbrief steht noch einmal zu wiederholen, weil es auf den folgenden 147 Seiten diese Taschenbuches ebenfalls zum Nachlesen bereit gehalten wird. Trotzdem möchte ich nicht über dieses Taschenbuch hinweg gehen. Neben einer sehr lesbaren Biographie des Märchenerzählers finden sich viele Hinweise und Bilder zu Personen seiner Zeit und den Nachfolgenden Zeitaltern, die sich dem Thema Andersen annahmen. Der Schriftstellerin Gisela Perlet gelingt es den Menschen Andersen vorzustellen und den zweihundertjährigen Autor wieder lebendig werden zu lassen.

Netzwerk: www.suhrkamp.de www.beltz.de www.cbj-jugendbuch.de Bibliographie: Arena Verlag Die kleine Meerjungfrau 2004 Argon Verlag Das hässliche Entlein und andere Märchen Die kleine Meerjungfrau Die schönsten Märchen Betz Verlag Hans Christian Andersen Märchen 7/2004 Büchergilde Gutenberg Das Andersen Märchenbuch cbj - Club Bertelsmann Jugendbuch Hans Christian Andersen Märchen Die Gestalten Verlag Andersen 11/2004 Dietrich Verlag Däumelieschen und andere Märchen 1920 Diogenes Verlag Die schönsten Märchen von Hans Christian Andersen 4/2005 Dressler Verlag Andersens Märchen 8/1998 Droemer Knaur Verlag Andersens Märchen 3/2003 dtv schräge Märchen 12/2002 Esslinger Verlag Schreiber H. C. Andersen erzählt Wintermärchen 7/2001 Von Prinzessinnen und Königstöchtern 1/2005 Fischer Taschenbuch Verlag Gesammelte Märchen Sein oder nicht sein

S. Fischer Verlag Nur ein Spielmann Goldmann Verlag Märchen 11/2003 Gondrom Verlag Märchen und Geschichten 2003 Insel Verlag 133 Die Märchen 3 Bände in Kassette 1220 Bericht einer Reise in die Sächsische Schweiz 2578 Die Schneekönigin 2651 Die schönsten Märchen 2691 Weihnachts- und Wintermärchen 2738 Märchen meines Lebens 2818 Schattenbilder einer Reise in den Harz, die sächsische Schweiz etc. im Sommer 1831 2886 Tagebücher 1825-1875 Des Kaisers neue Kleider und andere Märchen 1/2005 Märchen, Geschichten, Briefe Lappan Verlag Die schönsten Märchen von H. C. Andersen 10/2004 Lempertz Verlag Edition Lempertz Hans Christian Andersen Sonderausgabe 4/2005 Meidinger s Jugendschriften Verlag Berlin H. C. Andersens Ausgewählte Märchen Neugebauer Verlag Die Prinzessin auf der Erbse kleine Ausgabe 9/1989 NP Buchverlag Das hässliche Entlein und andere Märchen 2/2005 Patmos Verlag Sämtliche Märchen 6/2003 Philipp von Reclam jr. Verlag Glückspeter 1984 Piper Verlag Der wilde Schwan 1965 Sauerländer Verlag Das große Märchenbuch 2004 Steidl Verlag

Der Schatten Hans Christian Andersens Märchen 2004 Georg Westermann Verlag Märchen- Wundersame Geschichten 1. Band Winkler Verlag Sämtliche Märchen (2 Bände) 2005 Xenos Verlag Die schönsten Märchen von Christian Andersen 3/2000 über Christian Andersen: Arche Verlag Reise ins Blau 3/2005 Roman über HCA von Stig Dalagar und Heinz Kulas Insel Verlag Ja, ich bin ein seltsames Wesen... Tagebücher 1825-75 2003 Hans Christian Andersen - eine Biographie Jens Andersen 1/2005 16973 Hans Christian Andersen Märchen, Geschichten und Briefe 1/2005 Rowohlt Verlag Rowohlt Monografien 5 Hans Christian Andersen 1980 hrsg: Erling Nielsen Suhrkamp Verlag Suhrkamp BasisBiographie 3 Hans Christian Andersen 4/2005 Wallstein Verlag Ja, ich bin ein seltsames Wesen... Tagebücher 1825-75 2000 Winkler Verlag Das grosse Christian Andersen Buch 2005 hrsg Wolfgang Mönninhoff Der phantastische Bücherbrief erscheint monatlich kostenlos. Die Auflage beträgt zurzeit 750 gedruckte Ausgaben. Er darf teilweise oder ganz vervielfältigt werden, wenn die Quelle genannt wird. Abdruck honorarfrei. Eine kurze Nachricht und / oder Belegexemplar wären nett. Im Internet finden sich auf www.phantastik-news.de und www.taladas.de weitere Rezensionen. Zudem wird er auf den Internetseiten www.terranischer-clubeden.com, www.taladas.de, www.sftd-online.de und ebenfalls auf der Seite www.homomagi.de zum Herunterladen bereitgehalten. Weitere Rezensionen sind bereits im Internet verteilt. Der phantastische Bücherbrief kann auch als.pdf-datei angefordert werden. Copyright und verantwortlich: Club für phantastische Literatur, Erik Schreiber, An der Laut 14, 64404 Bickenbach, erikschreiber@gmx.de