Die luftdichte Gebäudehülle Das Thema luftdichte Wohngebäude ist immer noch hoch aktuell und wird zwischen Theorie und Wissenschaft einerseits, sowie Baupraktikern andererseits, heiß diskutiert. Seltsamerweise überwiegend im Holzbau! Will man seitens der Mauerwerkslobby den Holzbau diskriminieren oder entwickeln wir Holzbauer hier einen Übereifer? Vielleicht nehmen wir Holzbauer das Thema ernster als die anderen das wäre gut aber wir sollten nicht in den Reglementierungen übertreiben! Probleme Massivbau / Holzbau Wer einmal offenen Auges durch ein Neubaugebiet geht und sich die ungeputzten Mauerwerkswände ansieht, ganz besonders bei Mauerwerkssteinen mit Hohlräumen, sollte mal kurz nachdenken, ob diese wohl luftdicht sind? Wohl kaum! Und wo bleibt die aufwendig verklebte Folie im Massivbau? Hier wird danach nicht gefragt ist auch nicht möglich, weil auf Folien der Putz Bekanterweise nicht haften kann.
Und was steht in der DIN 4108 7, Luftdichtheit von Gebäuden? Zitat: Beim Mauerwerk ist es in der Regel zum Herstellen einer ausreichenden Luftdichtheit erforderlich, eine Putzlage aufzubringen. Wer nun behauptet, dass eine Putzlage in dünnster Ausführungsmöglichkeit dichter ist als z. B. eine Gipswerkstoffplatte, wenn sie gespachtelt wurde, hat wohl kaum ein praktisches Materialgefühl. Ich kenne persönlich mehr Putzrisse als gerissene Gipswerkstoffplattenauskleidungen! Ich kenne auch mehr faltig und undicht verklebte Folien als Rissbildungen bei Gipsbekleidungen, vor allem seit der Einsatz trockenen Holzes geregelt und üblich ist. Was ist Fakt? Die DIN 4108 7 schreibt keine speziellen Ausführungen vor, sondern zeigt Möglichkeiten auf entscheidend ist und bleibt letztendlich das Ergebnis durch dauerhafte Konstruktion und Konzepte. Gespachtelte Gipswerkstoffplatten sind dauerhaft dicht bei einer korrekten Verarbeitung. Folienverklebungen müssen das langfristig noch beweisen. Solange das Ergebnis zählt, sollten wir ergebnisorientiert (und kostenorientiert) die Konzepte entwickeln. Es ist nicht entscheidend, wie das Ergebnis erreicht wird, sondern das es erreicht wird. Ganz wichtig ist es allerdings, dass der Hersteller eines Holzhauses in seinen Verträgen eindeutig definiert, welche Bauteilschicht die Luftdichtungsebene ist Folie, Holzwerkstoffplatte oder Gipswerkstoffplatte und darauf hinweist, dass alle Durchdringungen durch diese Fläche durch Subunternehmer oder Eigenleistung stets luftdicht zu verschließen sind. Fehlt dieser Hinweis, wird sicher irgend ein Sachverständiger die Dampfbremse als Luftdichtungsebene ansehen und beanstanden. Womit erreiche ich die Luftdichtungsebene? Die DIN 4108 7 nennt beispielhaft: Luftdichte Bahnen aus Kunststoff, Elastomeren, Bitumen- und Papierwerkstoffen. Plattenmaterialien wie Gipsfaserplatten, Gipskartonplatten, Faserzementplatten, Bleche und Holzwerkstoffplatten. Platten als raumseitige Bekleidung sind im Bereich von Anschlüssen und Durchdringungen undicht. Gut, das sind aber Folien auch!
Nun mag der Praktiker selbst entscheiden, ob er eine Durchdringung durch eine Folie mit all ihren Falten und mangelnder Stabilität oder durch eine feste Platte besser dichten kann - erlaubt ist beides! sdsass
Vorteile / Nachteile Die Praxis hat nur allzu oft gezeigt, dass Installationsebenen nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Sie lösen das Problem nicht generell, sie verlagern das Problem lediglich in eine andere Ebene, weil auch Installationsebenen Leitungen in andere undichte Bereiche aufweisen. Durch die Holzbalkendecke, zusammen mit Installationen und Schornsteindurchdringen etc. kommunizieren meist alle Hohlräume miteinander. Gelangt Leckluft in die Holzbalkendecke, steht diese auch in allen Innenwänden an es zieht auch aus den Installationen der Innenwände. Welche Ebene bzw. welche Materialschicht wir nun wählen, ist praktisch und ökonomisch zu betrachten. Fakt ist aber, dass die hinter der Beplankung liegende Folie trotz sorgfältiger Arbeit teilweise schwierig zu dichten ist. Tritt hier eine Leckage auf, ist sie kaum zu orten, geschweige denn, nachzudichten, ohne größere Bauteilzerstörungen. Während ein Riss, eine Fuge oder eine Durchdringung der raumseitigen Platte leicht nachzuarbeiten ist.
Von einer Vielzahl von Betrieben wird mir berichtet, dass der Zusatzaufwand für die Luftdichtung mit Folien, zwischen 1.000 bis 1.500 Euro beträgt. Andererseits habe ich Häuser gemessen, ohne Installationsebene und ohne Folienverklebung mit Luftwechselraten von n 50 = 0,8 bis 0,9 h -1. Wichtig ist, dass Installationsdurchdringungen sauber, möglichst mit Manschetten, gedichtet werden und generell luftdichte Elektroinstallationsdosen, sowohl an den Außen- wie auch an den Innenwänden, fachgerecht ausgeführt werden. Sind Holzwerkstoffplatten bzw. OSB-Platten luftdicht? Zunächst ja! Es steht so auch, wie bereits zitiert, in der Norm! Was aber ist mit den Stößen? Eine verleimte Nut- / Federverbindung ist abzulehnen, weil dadurch die starre Fläche der Holzwerkstoffplatten zu groß wird, was bei Klimaschwankungen zu Spannungen und Rissen, sowie auch Verformungen / Beulungen führen kann. Müssen deshalb die Holzwerkstoffplattenfugen gedichtet werden? Da die Holzwerkstoffplatte in der Regel durch eine gespachtelte Gipsplatte überdeckt wird, übernimmt diese dann die Funktion der Luftdichte, womit zusätzliche Maßnahmen bei der tragenden Holzwerkstoffplatte entbehrlich sind. Dabei wird davon ausgegangen, dass zwischen der Holzwerkstoffplatte und der Gipsbekleidung keine Lattung mit einem Hohlraum vorhanden ist. Auf die richtige Verarbeitung der Holzwerkstoffplatten wird in einem der nächsten Beiträge eingegangen. Ihr E. U. Köhnke