Predigt zu Markus 14, 32-42 Schlaft ihr noch? Ruht ihr euch immer noch aus?, so fragte Jesus, als er im Garten Getsemane dreimal nacheinander Petrus, Jakobus und Johannes schlafend antraf: Lesung Markus 14, 32-42 (Bild)! Liebe Gemeinde, während Jesus mit Todesängsten zu kämpfen hatte, schliefen seine Jünger regelmäßig ein. Unfassbar! Sicherlich waren Petrus, Jakobus und Johannes guten Willens in dieser entscheidenden Nacht ihrem Herrn beizustehen. Doch wie das so ist, das Fleisch ist schwach. Ich habe mich gefragt: Könnte mir so etwas auch passieren? Wie wach bist du, wenn du betest? Bist du vielleicht schon mal beim Beten eingeschlafen? Ich meine, besser beim Beten einschlafen, als vorm Fernseher. Wenn wir aber gebetsmüde werden, dann stimmt etwas nicht. Dann wäre zu fragen, ob der Geist noch willig ist oder was das Fleisch derart schwächt?! 1
1. Wenn du müde bist gebetsmüde, glaubensmüde, lebensmüde dann könnte das daran liegen, dass du zu wenig Schlaf bekommst. Ich könnte mir vorstellen, dass die Jünger Jesu schon in der Nacht zuvor schlecht geschlafen hatten. Spätestens an diesem Vorabend des Karfreitags werden sie realisiert haben, was da auf sie zukommen würde. Von daher wäre es allzu verständlich, wenn sie hier im Garten Getsemane sehr erschöpft waren. Nun kann es ganz unterschiedliche Gründe dafür geben, dass man ein Schlafdefizit aufbaut. Wenn man sich aber nur noch mit Kaffee wach hält, ist das zum einen nicht gut für den Körper und davon abgesehen, fehlt irgendwann die nötige Kraft, um das zu tun, was der Geist will. Ja, wir wollen zur Ruhe kommen und darauf achten, wo Jesus uns braucht. Doch meist kommen wir gar nicht dazu. Und wenn man fest entschlossen eine Zeit der Stille einhält, merkt man erst, wie müde man eigentlich ist. An den Hauskreisabenden war das augenscheinlich nach einem langen Arbeitstag fällt es schwer, die Ruhephasen während der Lectio Divina durchzustehen, geschweige denn geistig hellwach für die Impulse des Heiligen Geistes zu sein. Darum ist es durchaus ratsam, auf einen gesunden Lebensrhythmus zu achten. 2
Statt abends noch Fernsehen zu gucken oder vorm Computer zu sitzen bis einem die Augen zufallen, wäre es vielleicht besser, ein kurzes Abendritual mit einem Tagebuch und einem Gebet zu praktizieren. Wie auch immer soweit es möglich ist - sollten wir darauf achten, dass wir ausgeschlafen sind. Es könnte ja sein, dass Jesus dich in einer bestimmten Situation braucht, damit sein Wille geschehe nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden direkt in deiner Nähe. Um aber geistlich wach zu sein, brauchen wir genügend Zeit zum Ruh n im Gebet und in der Stille vor Gott. Das wissen wir und das wollen wir ja auch und trotzdem schaffen wir es oft nicht selbst mit ausreichend Schlaf ist es natürlich nicht allein getan. 2. Wenn wir müde sind gebetsmüde, glaubensmüde, lebensmüde dann könnte es sein, dass es dafür andere Gründe gibt, als man das zunächst vermuten könnte. Petrus, Jakobus und Johannes waren emotional erschöpft von ihren Ängsten! Es war nicht nur der Schlafmangel, sondern es fehlte an Hoffnung und Zuversicht. Wahrscheinlich dachten die Jünger, dass alles keinen Sinn mehr 3
machen würde, wenn Jesus sterben sollte. Darum waren sie in gewisser Weise lebens-müde. Warum sollten sie wachen und beten, wenn scheinbar alles vorherbestimmt ist und sowieso alles so kommt, wie es kommen muss? Vielleicht kennt ihr diesen Gedanken, dass sich ja doch nichts ändert auch nicht durch Gebet. Das würden wir so natürlich nicht zugeben. Dadurch wird s aber nicht besser. Indem wir Gedanken, die den Sinn des Gebets oder des Glaubens grundsätzlich in Frage stellen, regelmäßig verdrängen, werden wir irgendwann geistlich ermüden. Versuch dem nachzuspüren, was dich ermüdet. Sei ehrlich vor Gott und sei ehrlich mit dir selbst. Es ist nun einmal so, dass auch der Geist nicht immer willig ist, und selbst wenn er s ist, sind wir immer noch Menschen aus Fleisch und Blut eben zu schwach, um manchen Anfechtungen zu widerstehen. Übrigens, hat Jesus seine Jünger erst nachdem er sie schlafend antraf, dazu aufgefordert zu beten. Anfangs sollten sie eigentlich nur wachen, also aufpassen, dass ihn bei seinem Gebetskampf niemand stört. Dann aber wünschte Jesus, dass seine Jünger beten, und zwar mit der Begründung, damit sie nicht in Versuchung geraten. Wenn du also merkst, dass du keine großen Erwartungen 4
mehr an dein Gebet hast, dann bete! Die Versuchung liegt darin, mit viel gutem Willen, gewisse Gebetszeiten einzuhalten, um das religiöse Gewissen damit zu beruhigen. Doch Beten ist eben nicht nur Reden, sondern vor allem auch Hören. Wenn man das nicht erlebt, wird man irgendwann gebetsmüde. Weil das Hören aber aus dem Schweigen kommt, brauchen wir Zeiten der Stille. Damit wir aber hören und in der Stille eben nicht einschlafen, müssen wir sowohl körperlich und geistig als auch geistlich hellwach sein. 3. Wenn wir müde sind gebetsmüde, glaubensmüde, lebensmüde dann dürfen wir natürlich nicht vergessen, was Jesus für uns getan hat. Ich bin so froh, dass Jesus sich im Gebet dem Willen Gottes fügen konnte und er zur Vergebung meiner Schwachheit am Kreuz gestorben ist. Ich denke, aufgrund der Tatsache, dass die drei engsten Jünger Jesu gleich dreimal derart versagt hatten, wusste Jesus, dass der Kelch des Leidens nicht an ihm vorrübergehen konnte eben weil das Fleisch so schwach ist. Irgendwie ist das ja auch tröstlich, dass selbst die treusten Jünger derart 5
kläglich versagten. Wären sie einmal eingeschlafen, wäre das vielleicht noch zu verzeihen gewesen, aber gleich dreimal?! Was ist los mit einem Petrus, der doch wild entschlossen war, mit Jesus in den Tod zu gehen? Und nun schaffte er es nicht einmal, in der entscheidenden Nacht wach zu bleiben und zu beten. Nicht nur, dass er hier im Garten Getsemane dreimal einschlief, wenig später verleugnete er seinen Herrn sogar dreimal. Tja, wie oft habe ich wohl schon im entscheidenden Moment nicht das getan, was ich eigentlich hätte tun sollen?! Das fleischliche Ego ist stärker, als wir denken. Darum: Wachet und betet in der Gewissheit, dass Jesus uns vergeben will. Ja, Jesus will und kann uns vergeben ganz gleich, wie oft wir versagen. 4. Wenn wir müde sind gebetsmüde, glaubensmüde, lebensmüde dann brauchen wir eine Perspektive, die über den Moment des Scheiterns hinausreicht. Eigentlich hätten Petrus, Jakobus und Johannes diese Sicht haben müssen. Denn diese Drei waren es, die mit Jesus auf einen Berg stiegen und selbst miterlebten, wie Jesus vor ihren Augen verwandelt wurde. Ihr erinnert euch: 6
Für einige Momente nahm Jesus die Gestalt des Auferstandenen an. Damit sollten seine Jünger auf den Leidensweg, die Passion Jesu, vorbereitet werden. Sie sollten wissen, dass dieser Weg nicht am Kreuz endet, sondern zum ewigen Leben führen würde. Jesus möchte, dass in unserem tiefsten Inneren eine Verwandlung geschieht. So, dass ich plötzlich weiß, es wird alles gut, weil mich nichts und niemand von der Liebe trennen kann, die ich in Christus Jesus finde. Diese Verwandlung geschieht auch in der Stille. Dann verwandelt sich Hoffnungslosigkeit in Zuversicht, und ganz nebenbei verfliegt jede Müdigkeit. Noch ein Gedanke zum Schluss: Jesus hat sich dem Willen seines Vaters gefügt: Alles ist dir möglich, [ ] doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!. Im Gebet konnte er den Gedanken Lass diesen Kelch (des Leidens) an mir vorübergehen. letztendlich loslassen. Das war ihm möglich in der Kraft des Heiligen Geistes. Diesen Geist, der das Wollen und auch das Vollbringen 7
ermöglicht, haben auch wir empfangen. Wir können uns also nicht damit entschuldigen, dass das Fleisch so schwach ist. Wir können etwas ändern wenn wir wachen und beten. Eins jedenfalls will ich auf keinen Fall erleben: Ich möchte nicht am Ende meines Lebens aufwachen, um festzustellen, dass ich geistlich gesehen die entscheidenden Dinge verschlafen habe und ich mich viel zu lange auf dem ausgeruht habe, was ich erreicht habe. Schlaft ihr immer noch? Ruht ihr euch immer noch aus? Jesus macht seinen Jüngern keinen Vorwurf, aber er sagt: Steht auf, wir wollen gehen!. Willst du, dass sein Wille geschieht in deinem Leben? Dann steh auf und verändere in der Kraft des Heiligen Geistes das, was du schon lange ändern wolltest. AMEN 8