Atemschutzüberwachung 2013 Unfälle Tübingen Dez. 2005 Wohnhausbrand Zwei Atemschutzgeräteträger tot! Brandeinsatz endet tödlich 112-06/2006 Ibbenbühren (NW) Schon wieder ist in Deutschland ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz tödlich verunglückt. In Ibbenbühren (Kreis Steinfurt) starb ein 32-jähriges Mitglied der freiwilligen Feuerwehr bei der Brandbekämpfung in einem Hochregallager. Wie die Polizei mitteilte, waren mehrere Trupps zum Innenangriff in das Gebäude in dem Textilien lagerten - vorgegangen. Erst beim Rückzug war das Fehlen des Kameraden aufgefallen. Er konnte später nur noch tot geborgen werden. Warum der Kamerad nicht gemeinsam mit seinem Trupp-Kollegen unterwegs war, stand zunächst nicht fest. Offenbar hatte der 32-Jährige in dem brennenden Gebäude die Orientierung verloren. Eine Obduktion ergab, dass er an Verbrennungen starb. H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 1 H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 2 Unfälle Rechtliche Grundlagen Tödlicher Unfall des Kölner Feuerwehrmanns Stampe Eskalierender Kellerbrand in einem Kölner Hochhaus im März 1996 Tödlicher Unfall eines Atemschutzgeräterägers aus Donaustauf Saunabrand im Keller Tödlicher Unfall von drei Schweizer Atemschutzgeräte -trägern in Niederbipp Sie wurden beim Rückzug von Lagermaterialien verschüttet und erstickten. Beim Auffinden liegen sie weit auseinander, die Vollmasken sind von den Gesichtern abgerissen und in ihren Atemorganen befinden sich Rußspuren Tod dreier englischer Feuerwehrleute 1997 Ihren Atemschutzgeräten wurde infolge großer Hitze und Flammen bei der Brandbekämpfung solche Schäden zugefügt, dass sie ihre Funktion einbüssten und die Feuerwehrleute an Rauchgasen erstickten Tödlicher Unfall eines Atemschutzgeräterägers in Wien 1998 Ein harmloser Kellerbrand, der Profi und Atemschutzausbilder Herr L. kehrt nicht mehr zurück H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 3 FwDV 7 - Atemschutz (Ausgabe 2002 und Änderungen 2005) Bei jedem Atemschutzeinsatz mit Isoliergeräten und bei jeder Übung mit Isoliergeräten muss grundsätzlich eine Atemschutzüberwachung durchgeführt werden. UVV - 17 (Verhalten im Feuerwehrdienst) und 27 (Einsatz von Atemschutzgeräten) - sicheres Tätigwerden ermöglichen - Bestimmungen FwDV 7 sind einzuhalten Dienstanweisungen H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 4
Verantwortung des Truppmanns Körperliche Belastung von Atemschutzgeräteträgern Unabhängig von der Atemschutzüberwachung hat jeder Geräteträger vor dem Einsatz folgendes zu beachten: Ausrüstung vollständig? Fülldruck mehr als 90 % (180/270 bar). Warnsignal i.o.? Im Einsatz eigene Druckkontrolle Kein Einsatz: Bei akuter Erkältung oder Unwohlsein Unter Alkohol-, Drogen-, Medikamenteneinfluß Nach schwerer Krankheit Bedingungen nach FwDV 7 nicht erfüllt Der Atemschutzgeräteträger muss selbst mitteilen, dass er nicht einsatzfähig ist!!! H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 5 Institut für Arbeitsphysiologie der Universität Dortmund: Leistungsfähigkeit eines Atemschutzgeräteträgers beträgt aufgrund der Ausrüstung nur noch 70 % des Normalwertes nach 15 Minuten Tätigkeit unter Innenangriffsbedingungen steigt die Pulsfrequenz über 200 /min steigt die Körpertemperatur über 41 C Deshalb maximale Einsatzzeit: unter PA - 30 Minuten unter CSA - 15 Minuten (bis zum Einleiten der Dekontamination) H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 6 Atemschutzüberwachung Erfassung der eingesetzten Trupps Eine Atemschutzüberwachung ist bei Einsatz und Übung durchzuführen. Verantwortlich ist der Einheitsführer! ( Staffel-/Gruppenführer ) Atemschutzüberwachung ist eine Führungsaufgabe! Der Atemschutzüberwacher ist für Überwachung und Sicherheit der in seinem Abschnitt eingesetzten Atemschutztrupps zuständig. übernimmt keine anderen Aufgaben. Geht das in der Praxis? muss jederzeit den Standort der Trupps nachvollziehen können. hat auf rechtzeitige Bereitstellung von Reservetrupps zu achten. setzt eigenständig keine Trupps ein, außer in Notfällen. achtet auf die ausreichende Bereitstellung von Sicherheitstrupps. ist nicht für die taktische Führung der Trupps zuständig. H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 7 Alle Einsatz- und Sicherheitstrupps sind zu erfassen. Reservetrupps werden erst erfasst, wenn sie eingesetzt werden. Der jeweilige Truppführer ist für die Erfassung seines Trupps verantwortlich. Zu Beginn des Einsatzes werden erfasst: Namen der eingesetzten Kräfte und Funkrufname Flaschendruck bei Einsatzbeginn vorgesehenes Einsatzziel Einsatzbeginn (Uhrzeit) Bei mehr als fünf Trupps oder bei Abschnittsbildung kommen weitere Atemschutzüberwacher zum Einsatz. H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 8
Dokumentation des Einsatzablaufs Atemschutzüberwachung Häufige Fehler: Während des Einsatzes wird dokumentiert Flaschendruck und Uhrzeit beim Erreichen des Einsatzziels, jedoch spätestens nach einem Drittel der vorrausichtlichen Einsatzzeit zu Beginn des Rückzugs beim Verlassen der Einsatzstelle signifikante Standortänderungen der Einsatztrupps H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 9 Eine Atemschutzüberwachung wird nicht regelmäßig bzw. nicht von Anfang an durchgeführt Statt einer Atemschutzüberwachung wird NUR eine Dokumentation durchgeführt Ein Atemschutzüberwacher überwacht zu viele Trupps gleichzeitig (Es sollten maximal drei Trupps von einer Person überwacht werden) Keine eindeutigen Funkrufnamen (Jupp von Karl kommen geht nicht) Der Atemschutzüberwacher hat den Funkrufnamen Atemschutzüberwachung. Je nach Lage Ergänzung erforderlich, z.b. Atemschutzüberwachung Löschgruppe Simmerath Bei Abschnittsbildung erhält die Atemschutzlogistik einen eigenen Funkkanal H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 10 H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 11 H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 12
Einsatzgrundsätze 2. Rettungsweg vorhanden (DL, tragbare Leitern)? Vor Einsatzbeginn Sichtprüfungen von Maske und Gerät durchführen Ausrüstung korrekt anlegen Einsatzkurzprüfung durchführen Atemluftflaschen komplett öffnen Funkgerät (zwingend) Funktionsprüfung Anmelden beim Atemschutzüberwacher Im Einsatz Nur truppweise Vorgehen Die Truppmitglieder müssen ausreichend Kontakt zueinander halten, um beim Partner einen Notfall erkennen zu können. Das bedeutet bei Nullsicht Körperkontakt bzw. eine direkte Verbindung der beiden. Keine Trennung zur Erkundung oder um den Schlauch nachzuziehen Keine Ablösung eines einzelnen AGT Regelmäßige Kommunikation zum Atemschutzüberwacher Rechtzeitig Unterstützung anfordern Leistungsgrenzen beachten H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 13 Sicherheitstrupp UVV: Je nach Situation muss ein Rettungstrupp mit PA zum sofortigen Einsatz bereitstehen Mindestens ein Sicherheitstrupp ist obligatorisch für jeden Atemschutzeinsatz. Weitere Untergliederung bzw. Trupps nach taktischen Gesichtspunkten An Einsatzstellen ohne Gefährdung für die Trupps (PKW-Brand, Container im Freien ) kann auf Sicherheitstrupp verzichtet werden Voll ausgerüstet, aber PA nicht angeschlossen Rettungs-Pack mit Reserve-PA, Bergetuch Eigene Schlauchleitung Ausreichend Schlauchreserve Empfehlung, als 3. Rohr anschließen Bei Atemschutzüberwachung Einsatzbereitschaft registrieren Nebentätigkeiten sind zulässig. Ständig verfügbar Möglichst in der Nähe der Atemschutzüberwachung aufhalten H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 14 Erkennen der Notsituation Notfallmeldung Kennwort: Mayday, mayday, mayday Plötzliche Ereignisse: Einsturz, Explosion Durchzündungen Verlust der Orientierung Truppmitglied verloren Nicht genug Atemluft für den Rückweg Versperrter Rückweg Defektes Atemschutzgerät Rückmeldung auf Anforderung der Atemschutzüberwachung bleibt aus H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 15 Hilfe suchende Einsatzkraft: Hier < Funkrufname > < Standort > < Lage > Gesprächsabschluss: Mayday - kommen Möglichst Funkstille für andere Trupps Atemschutzüberwachung setzt Sicherungstrupp selbstständig ein Rückmeldung an Einheitsführer H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 16
Selbsthilfe Selbsthilfe Allgemein Plötzliche Brandausbreitung Ruhe bewahren! Panik oder Kopflosigkeit werden den Notfall verschlimmern Versuche dich zu orientieren! Wo bist du genau? Wo ist das nächste Fenster oder die Treppe? Notruf absetzen! Teile allen mit, das du Unterstützung brauchst. Aktiviere den Notsignalgeber (wenn vorhanden) Löse das Problem oder bringe dich in Sicherheit! Was genau ist das Problem und kannst du es selber lösen? Wenn nicht RAUS DA! H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 17 Sofortiger Rückzug Treppe oder Leiter? Flashover Reflex Hinwerfen Löschen der brennenden Gase Löschen der Umgebung Gesicherter Rückzug (Sprühimpulse in die Rauchschicht) Kein Rückzug möglich? Sicheren Raum aufsuchen. Tür schließen Kein Rückzug, kein sicherer Raum direkte Beflammung? Aus dem Fenster hängen H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 18 Selbsthilfe Selbsthilfe bei Geräteausfall Aufgaben des Sicherheitstrupps Finden und Retten eines in Not geratenen Trupps Überprüfen der Flaschenventile beide Flaschen offen? Bei gelösten Lungenautomaten: Spülen vor dem anschließen, dann wieder einstecken/anschrauben Nutzen eines Zweitanschlusses Wechselatmung (?) Schwierige Handhabung Erhöhter Luftbedarf bei begrenztem Atemluftvorrat Gefährdung des versorgendes Geräteträgers Verunreinigung der Atemluft Falls sofort erreichbar: Fenster öffnen und herausbeugen, ggf. Mitteldruckleitung als Schnorchel benutzen Möglichst große Bodennähe H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 19 Angriffsweg des in Not geratenen Trupps folgen Schlauchleitung Führungsleine Suchtechniken anwenden Wandtechnik, Tauchertechnik, Baumtechnik Lageübersicht verschaffen Verletzungen, Atemluftvorrat Rückmeldung per Funk Stabilisieren der Lage Körperlage korrigieren Atemluftversorgung Rückmeldung mit Eigendruckkontrolle H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 20
Suchtechniken Suchtechniken Wandtechnik Tauchertechnik Bett Zur Suche Axt verwenden Schrank H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 21 Sicherheits- Trupp Sicherheits- Mit Axt Bereich trupp absuchen H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 22 Retten von verunfallten AGT Lageübersicht Ansprechen, Körperkontakt suchen Check des Verunglückten (sehen, Hören, fühlen) Körperlage, Maskensitz Raumübersicht Lage stabilisieren, Luftversorgung sicherstellen H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 23 Retten von verunfallten AGT Rettungsmöglichkeit auswählen: Crashrettung Keine Rettungsmittel Größte Gefahr durch Zerstörung des Behälterventils Abrupter Atemverlust Schonende Rettung Rettungswindel Trage, Korbtrage PA Einsatz Schnelle Rettungsform Ebenenwechsel möglich PA bleibt geschützt Großer Platzbedarf Modifizierte Korbtrage Anmarschweg bestimmt die Rettungsmethode Rettungsmittel einsetzen Kommunikation von innen nach außen Störung von außen unterlassen H. Pelzer Löschgruppe Simmerath 24