Rolf Pohlmeyer. Ovendorf

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Transkript:

Rolf Pohlmeyer Ovendorf Am südöstlichen Zipfel des Amtes Bordesholm liegt die Siedlung Ovendorf mit dem Ovendorfer Redder. Entlang der heutigen L 67 zwischen dem ehemaligen Wirtshaus Brauner Hirsch und Leckerhölken stehen vereinzelt Gehöfte, Wohnkaten und der Hof Ovendorf. Herrenhaus Ovendorf (Foto: Gumlich, ca.1930) Fünf Gemeinden an der ehemaligen Preetzer Landstraße beiderseitig bebauten Strecke teilen sich das Gebiet; ein wahrlich kompliziertes kommunalpolitisches Gebilde. Zum Kreis Rendsburg-Eckernförde gehören: Der Hof Ovendorf und einige Ausbauten sind seit 1928 der Gemeinde Negenharrie zugeordnet. Der Gemeinde Groß Buchwald ist der Ovendorfer Redder einverleibt. 137

Der Kreis Plön umfasst: Die linke Straßenseite des Ovendorfer Redders mit dem Heickenteich und dem Klasterteich gehören zu Schillsdorf, Amt Bokhorst. Das ehemalige Wirtshaus Brauner Hirsch ist nach Großharrie eingemeindet. Schließlich ist die Gemeinde Bothkamp ab dem Grenzstein des Gutes bis Leckerhölken zuständig. Ovendorf wird erstmalig 1284 als Dorf genannt, aber bereits 1345 von den Pogwischen der Kirche zu Barkau vermacht. Noch heute befindet sich der Hof Ovendorf im Eigentum der Barkauer Kirche als sogenanntes Kirchengut. Pfarrmäßig untersteht der Hof jedoch dem Kirchspiel Brügge. 1867 wird Ovendorf zum Gutsbezirk. Dieser gutsähnlich bewirtschaftete Hof gehörte seit 1889 zum Amtsbezirk Bothkamp, dem großen Nachbargut. Ovendorf umfasste ein Gebiet von 215 ha mit 51 Einwohnern (1925). Die Gutsbezirke Bothkamp und Ovendorf wurden 1928 aufgelöst und Ovendorf der Gemeinde Negenharrie zugeschlagen. Der Ovendorfer Bach entwässert das Gebiet, fließt durch Groß Buchwald und mündet dort in die Eider. Die ehemalige Preetzer Landstraße war eine Nebenlandstraße und verband die weit auseinander liegenden Orte zwischen Hohwacht - Preetz - Neumünster und Kellinghusen. Sie wurde vor allem von Fuhren benutzt, die Korn von den ostholsteinischen Gütern bis zur Stör brachten. Es war daher kein Zufall, dass an diesem Weg zahlreiche Krüge lagen, wo Kutscher und Pferd gern Rast machten. Im Jahrbuch 2006, Seite 125, habe ich über Grenzsteine im Amt Bordesholm geschrieben. Durch Zufall ist mir eine Postkarte von ca. 1910 zu Händen gekommen, die zwei Grenzsteine einträglich nebeneinander zeigen: 138

Ovendorfer Redder: Buchenwald zwischen Klasterteich und Heickenteich. Grenzsteine des Amtes Bordesholm und des Gutes Bothkamp an der Preetzer Landstraße 1913 Fast genau 100 Jahre später finden wir folgenden Zustand: Die Postkarte zeigt die ehemalige Hofstelle und Gastwirtschaft Grün", Eigentümer W. Hein. Das schöne strohgedeckte Wohnhaus nebst Stall liegt idyllisch an der unbefestigten Landstraße. Die Gebäudeteile stehen, wenn auch modernisiert, noch heute. Das Haus liegt in der Gemarkung Schillsdorf. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht die Kätnerstelle von 1778. Laut Landesaufnahme von 1867 wird der Kätner J. D. Danker als Eigentümer genannt. Die andere Hofstelle im Ovendorfer Redder heißt noch heute Grüner Jäger", Eigentümer 1867 Herr H. H. Griese. Diese beiden Ausbausiedlungen gehören zur Gemeinde Groß Buchwald. 139

Ehemalige Hofstelle und Gastwirtschaft gut 100 Jahre später (Foto: Rolf Pohlmeyer) Der Grenzstein Amt Bordesholm" hat seinen Standort an der heutigen L 67 kaum verändert, während der Stein mit der Aufschrift Gut Bothkamp" rund 500 m in Richtung Leckerhölken versetzt worden ist. Der Stein Amt Bordesholm" wurde Mitte des 19. Jahrhunderts eingegraben. Das Amt bestand bis 1867 und ging dann in den neugegründeten preußischen Landkreis Kiel - später Bordesholm - auf. Erstaunlich ist die hohe Anzahl von vier Krügen auf dieser lediglich rund 5 km kurzen Wegstrecke. Es klingt unglaublich und ist heute wohl nicht mehr denkbar. Die Gastwirtschaften an der Landstraße: Leckerhölken" Grün", Ovendorfer Redder Grüner Jäger", Ovendorfer Redder Brauner Hirsch". 140

Dazu ist noch anzumerken, dass keinerlei größere Dorfschaften in der Nähe liegen. Hat das Fuhrgeschäft damals die Krüge ernährt oder war es nur ein Zusatzeinkommen neben der Landwirtschaft? Nachdem im Jahre 2008 auch Leckerhölken" geschlossen wurde, sind heute keine Wirtschaften mehr in Betrieb. Am Brauner Hirsch" prangt noch das Reklameschild. Leckerhölken, (Foto: Gumlich, ca. 1930) 141 Wirtshausschild Leckerhölken, aus: Heinrich Pöhls: Bothkamp, eine Heimatkunde, Bordesholm 1977, S. 153

Benutzte Quellen: Karte ADAC Stadtatlas Bd. 2 H. Hildebrandt: Unser Amt Bordesholm-Land, Bordesholm 2001 Heinrich Pöhls: Bothkamp eine Heimatkunde, Bordesholm 1977 Topographie Schröder/Biernatzki von 1855/56 Topographie Henning Oldekop 1908 Die Grenzsteine des Amtes Bordesholm und der Gutes Bothkamp (Fotos: Rolf Pohlmeyer) 142

143 ADAC-Stadtatlas 1:20.000 Die L 67 zwischen Brauner Hirsch bis zur Grenze der Gemeinde Bothkamp mit den eingezeichneten Standorten der beiden Grenzsteine

144 Karte Brügge Königl. Landesaufnahme 1877, Straßen-Nachträge 1906 Dieser Kartenausschnitt und die Postkarte von 1913 sind in etwa zeitgleich und dokumentieren somit den damaligen Zustand. Der Hof Ovendorf war bis 1928 noch selbständiger Gutsbezirk.