Die E-Reihen Aus ökonomischer Sicht macht es wenig Sinn, jeden nur denkbaren Bauteilwert auch industriell herzustellen. Deshalb haben sich Hersteller und Weiterverarbeiter schon vor langer Zeit darauf geeinigt, nur ganz bestimmte Werte ins Produktionsschema aufzunehmen. Diese in so genannten E-Reihen erfassten Werte gehorchen einer auf den ersten Blick eigenwilligen Systematik, die sich bei näherer Kenntnis der Hintergründe aber aufhellt. Die Werte in den E-Reihen sind so gewählt, dass sich die maximalen Toleranzbereiche zweier nebeneinander liegender Werte überlappen. Aus dem Zusammenspiel von E-Reihe und Toleranzbereich ergeben sich die krummen, aber immer wieder gleichen Werte. Toleranzen von 10 bis 20% sind üblicher Standard und für Modellbauanwendungen hinreichend genau. E24 E12 E6 ± 5% ± 10% ± 20% 1,0 1,0 1,0 1,1 1,2 1,2 1,3 1,5 1,5 1,5 1,6 1,8 1,8 2,0 2,2 2,2 2,2 2,4 2,7 2,7 3,0 3,3 3,3 3,3 3,6 3,9 3,9 4,3 4,7 4,7 4,7 5,1 5,6 5,6 6,2 6,8 6,8 6,8 7,5 8,2 8,2 9,1
Farbcodes auf Widerständen Weil auf der geringen Größe eines Widerstands die Werte nicht gut lesbar im Klartext aufzubringen sind, bedient man sich einer Farbcodierung. Diese besteht aus vier oder fünf hintereinander liegenden Ringen, von denen einer der beiden außen liegenden entweder etwas breiter oder von den anderen etwas abgesetzt ist. Damit wird die Leserichtung klar: Der so betonte Ring ist der letzte. Die anderen drei oder vier sind die wichtigen, der letzte Ring gibt bloß den Toleranzwert für die genannte Größe an, der vorletzte die Zehnerpotenz für die davor stehenden als Zahlen zu lesenden Ringe. Die Werte der Ringe sind hintereinander zu lesen; die Farbfolge gelb, violett, rot, silber steht somit für gelb = 4, violett = 7, rot = 2 Nullen, also 4700 = 4,7 kω, der silberne letzte Ring signalisiert eine maximale Abweichung von 10% von diesem Nennwert. Elektrische Bauteile sind selten so genau wie der angegebene Wert vermuten lässt. Industrielle Anwendungen erfordern keine übertriebene Genauigkeit. Abweichungen von 20% vom Nennwert machen sich da häufig gar nicht sonderlich bemerkbar. Deshalb bedeutet die Angabe von 1 kω auf einem Widerstand mit 10% Toleranz, dass der tatsächliche Wert irgendwo zwischen 900 Ω und 1,1 kω liegt. Auch wir Modellbahner nehmen es nicht so genau, uns reichen die von der Industrie vorgegeben Toleranzen völlig aus. Auf einer Baugröße von ½ Watt da sind die Widerstandskörper schon über einen Zentimeter lang und höher kommen auch Klartext-Aufdrucke vor.
Kondensator-Beschriftungen Die Größe eines Kondensators ist von der Kapazität abhängig, aber auch vom Typ und von der Spannungsfestigkeit; deshalb gibt die Größe keinen Aufschluss über die Werte. Den Wert eines Kondensators können Sie in den meisten Fällen im Klartext als Aufdruck ablesen; allerdings sind die Leseregeln etwas gewöhnungsbedürftig und für Einsteiger mehr als verwirrend. So finden Sie auf Kondensatoren häufig zwei Zahlenangaben, von denen die erste die Kapazität und die zweite die maximale Betriebsspannung angibt. Auf die Angabe von Einheiten wird oft verzichtet; die Hersteller gehen davon aus, dass die Verwender dieser Bauteile fachkundig genug sind. Fehlt nicht nur das F, sondern auch das Präfix, bezieht sich die Zahlenangabe auf Pikofarad, also 10-12 F. Ein Aufdruck 10000, gefolgt von 250, kennzeichnet also einen 10 nf-kondensator (10.000 pf = 10 nf), der bis zu 250 V verträgt. Das Präfix ersetzt auf Kondensatoren, deren Wert mit einer Dezimalstelle anzugeben ist, das Komma bzw. den Punkt. Das hat sehr pragmatische Gründe, denn erstens kann das kleine Dezimalzeichen leicht abgekratzt oder übersehen werden, außerdem ist die Verwendung von Punkt und Komma zur Zahlengliederung im angelsächsischen Sprachraum der hiesigen genau entgegengesetzt. Ein Aufdruck 2n2 auf einem Kondensator weist also auf einen 2,2 nf-kondensator hin, ebenso könnte dort aber auch 2200 stehen. Taucht ein M als Präfix auf, so ist damit eine Million Pikofarad gemeint, also µf. Bei Elkos wird gern auch auf jeglichen Hinweis zur Zehnerpotenz verzichtet, da steht dann nur 22/40 und ein Pluszeichen. Letzteres weist den Weg zum Anoden-Anschluss. Die 22 steht für 22 µf, was denn sonst, anderenfalls brauchte es ja kein Elko zu sein, mögen die Gedankengänge des Erfinders dieser Kennzeichnung gewesen sein. Es gibt auch Farbcodes, ähnlich wie bei den Widerständen. Bei röhrenförmigen Kondensatoren gilt dieselbe Lesart wie bei den Widerständen. Für scheiben- und quaderförmige Kondensatoren sind die Farben von oben nach unten, also zu den Anschlussdrähten hin abzulesen. Basiswert ist auch hier Pikofarad (pf). Als Mischform aus Zahlenangabe und Farbcode muss man die internationale Schreibweise sehen. Bei ihr werden zwar Zahlen aufgedruckt, die Nullen aber durch den Exponenten ersetzt, wobei dieser in keiner Weise von den anderen Ziffern zu unterscheiden ist. So bedeutet die Angabe 223 nicht etwa 223 pf, sondern 22000 pf, also 22 nf. Die Kennzeichnungen der Tantal-Elkos gehorchen wiederum eigenen Gesetzen und das noch in unterschiedlichen Varianten, man soll es ja nicht zu einfach haben (siehe Tabelle und Grafik).