15. Ditfurter Straßenbaum-Tag - Teil 2 - am 05. April 2011 Praxisseminar: Erziehungs- und Aufbauschnitt in der Jugendphase von Straßenbäumen Fort- und Weiterbildungsveranstaltung des Fachbereiches Garten- und Landschaftsbau Dr. Axel Schneidewind, LLFG, Zentrum für Gartenbau und Technik Quedlinburg 1
Pflanzschnitt an Bäumen Grundsätze: 1. Der fachgerechte Pflanzschnitt ist für den Jungbaum in der Anwachsphase am Endstandort eine unverzichtbare Hilfsmaßnahme. 2. Er dient dem notwendigen Ausgleich des durch die Rodung verkleinerten Wurzelwerkes (Feinwurzeln!) zum bestehenden Kronenvolumen. 3. Der Pflanzschnitt ist von Baumart und Pflanzzeit abhängig. 4. Ballenlose Bäume, ungünstige Pflanzbedingungen und später Pflanztermin erfordern einen stärkeren Rückschnitt in der Krone. 5. Die Maßnahmen sind mit geeignetem scharfem Werkzeug (i.d.r. mit der Baumschere) so vorzunehmen, dass glatte quetschungsfreie Schnitte entstehen. Regeln für den Pflanzschnitt an Wurzeln: 1. Wurzelschnittmaßnahmen dienen nur der Entfernung von Verletzungen und Abrissstellen. 2. Durch den Wurzelschnitt darf es nicht zur zusätzlichen Reduzierung des vorhandenen gesunden Wurzelvolumens kommen. 3. Das Nachschneiden beschädigter oder gebrochener Wurzeln muss glatt, quetschungsfrei und mit möglichst kleiner Schnittfläche erfolgen. 4. Bei ballierten Bäumen, die in der Baumschule regelmäßig verpflanzt worden sind, sollten die Wurzeln nur glatt nachgeschnitten werden. Regeln für den Pflanzschnitt in der Baumkrone: 1. Je mehr gesunde Wurzeln (auch im Ballen!) vorhanden sind, desto geringer können die Schnittmaßnahmen in der Krone ausfallen. 2. Den durchgehenden Leittrieb nur in Ausnahmefällen anschneiden oder einkürzen. Falls dies, z.b. verletzungsbedingt, notwendig wird, ist i.d.r. in den Folgejahren Nacharbeit nötig (Leittriebneuaufbau, Stäben). 3. Bei Entnahme von ganzen Ästen (= Entastungsschnitt) prinzipiell auf Astring schneiden. 4. Bei Einkürzung von Seitenästen entsprechend der gewünschten Rangordnung auf Außenknospe schneiden. 5. Beim Schnitt von Baumarten mit gegenständigen Knospen (Ahorn, Esche) Innenknospe ausbrechen (= blenden). 6. Dies gilt besonders für den Leittrieb, um Zwieselbildungen zu vermeiden und das schrittweise Aufasten zu ermöglichen. 7. Sollen Wundbehandlungsstoffe verwendet werden, sind sie sofort nach dem Schnitt aufzutragen (Empfehlung ZTV: ab 3-10cm vollflächig). Pflanzschnitt bei ballenlosen Bäumen (bis STU 14/16): Bis zu dieser Baumqualität ist der Kronenaufbau durch die Baumschule i.d.r. nicht abgeschlossen, so dass höherer Zeit- und Schnittaufwand an der Straße notwendig besteht! Die entsprechende Baumschularbeit muss am Endstandort erfolgen! Dr. Axel Schneidewind, LLFG, Zentrum für Gartenbau und Technik Quedlinburg 2
Pflanzschnitt Ballenware mit STU ab 16/18: Ab dieser Baumqualität ist der grundlegende Kronenaufbau (Vorkrone) durch die Baumschule i.d.r. abgeschlossen! Ein fachgerechter Pflanzschnitt am Endstandort muss trotzdem erfolgen! Konkrete Schnittmaßnahmen in der Baumkrone: a) Entfernung aller stärker beschädigten und gebrochene Triebe b) Entfernung aller reibenden und nach innen wachsenden Triebe c) Entfernung aller von Schaderregern sichtbar befallenen Triebe d) Entfernung aller Konkurrenztriebe und Zwiesel, v.a. am Leittrieb e) Leittrieb in der Spitze freistellen, d.h. jüngste Seitentriebe an der Knospenschuppennarbe entfernen, um spätere Kronenver-gabelungen im Aufastungsbereich (bis ca. 5 m) zu verhindern f) Entastungsschnitt bei schlechter Aststellung und einwachsender Rinde g) Entfernung (Auslichtung) zu dicht stehender ganzer Äste, um das schrittweise Aufasten zu ermöglichen h) Kronenvolumen durch Aufastung der untersten Seitenzweige reduzieren (entsprechend des Wurzelverlustes) i) Einkürzung der Seitenäste entsprechend der gewünschten Rangordnung zur Kronenreduzierung, bei bestimmten Baumarten möglichst nur Entastungsschnitt Baumarten, die durch Entastungsschnitt ausgelichtet werden sollten: Aesculus, Alnus, Betula, Fraxinus, Sorbus stärker zurückgeschnitten werden unter vergleichbaren Bedingungen: Acer, Crataegus, Gleditsia, Platanus, Robinia, Salix, Tilia schwächer zurückgeschnitten werden unter vergleichbaren Bedingungen: Aesculus, Alnus, Betula, Corylus colurna, Fraxinus, Prunus, Sorbus, alle Kugelformen Erziehungs-/Aufbauschnitt am Endstandort Begriffsbestimmung und Grundsätze: 1. Schnittmaßnahmen bei Jung- und jüngeren Bäumen am Endstandort gehören zum Aufbauschnitt (Erziehung zum funktionsgerechten Baum) frühzeitige Korrekturen von Fehlentwicklungen im Kronenaufbau schrittweises Aufasten zum notwendigen Lichtraumprofil an Straßen 2. Jugendentwicklung von Bäumen beträgt ca. 15 bis 20 Jahre für Erziehungsschnitt ca. 10-15 Jahre verfügbar in dieser Zeit reagieren Bäume relativ gut auf Schnittmaßnahmen frühzeitiger Beginn verringert Wundgrößen und erleichtert die Arbeit! Dr. Axel Schneidewind, LLFG, Zentrum für Gartenbau und Technik Quedlinburg 3
3. Kleinere Pflanzqualitäten (ca. bis STU 14/16, Kronenansatz von 1,80 m) benötigen wesentlich mehr Zeit- u. Aufwand für den Erziehungsschnitt die entsprechende Baumschularbeit muss am Endstandort erfolgen! Schnittmaßnahmen und zeitpunkte 1. Aufastung: = Entfernung von Seitenästen im unteren Kronenbereich direkt am Stamm (Entastungsschnitt von Schwach- bis maximal Grobästen auf Astring) Herstellung und Erhaltung des gesetzlich geforderten lichten Raumes über Straßen und Wegen (auch zur Ackerseite!) möglichst frühzeitiger Beginn des Lichtraumprofilschnittes, frühestens nach der 2. Vegetationsperiode regelmäßige Fortsetzung, Faustregel: maximal soviel aufasten, wie in der Spitze zugewachsen ist (abhängig von Baumart und Wuchsbedingungen) Schwachastschnitte (bis 5 cm ) bei allen Baumarten unproblematisch Starkastschnitte (> 10 cm ) unbedingt vermeiden, Bäume können i.d.r. diese großen Schnittflächen nicht vollständig überwallen (Folgen: Holzfäulen im Schnittbereich, später Stammbruchgefahr) bei absoluter Notwendigkeit infolge verspäteter Aufastung: Starkäste nur im notwendigen Maß stammfern einkürzen! 2. Korrekturschnitt: alle Maßnahmen frühzeitig beginnen (kleine Schnittflächen), z.b. parallel zu den Aufastungsgängen Stammverlängerung am Endstandort nicht anschneiden oder einkürzen, Nacharbeiten, wie Stäben und Leittriebpflege sind nicht leistbar! Konkurrenztriebe vollständig entfernen, wenn möglich Leittrieb nochmals freistellen, (z.b. bei Arbeit mit dem Hubsteiger gut möglich) Zwieselbildungen, Gabelungen und Astquirle frühzeitig auflösen alle Seitenäste die dicker als der Leittrieb sind entfernen, oder stark einkürzen, zukünftige Konkurrenz! Äste mit einwachsender Rinde und sehr steil stehende entfernen reibende, kreuzende, gebrochene Äste und Totholz ab 3-cm entfernen junge Wasserreiser, Stamm- und Stockaustriebe fortlaufend entfernen Dr. Axel Schneidewind, LLFG, Zentrum für Gartenbau und Technik Quedlinburg 4
3. Schnittzeitpunkte: gute Termine: 1. kurz vor Austrieb (außer Arten mit starkem Saftdruck) 2. Schnitt während der Vegetationsperiode (optimal ab Mitte Juni, bis Ende der Vegetationsperiode möglich.) Vorteil: kurzer Infektionszeitraum, schnelle und starke Wundreaktion Nachteil bei 2.: Baum verliert aktive Photosynthesefläche (Wuchsbremse) Baumarten mit frühem und starken Saftdruck (wie Ahorn, Birke, Walnuss), vor und während Austriebszeit ohne zwingenden Anlass nicht schneiden, besser im belaubtem Zustand nach Blattaustrieb Aufastungsarbeiten und Entfernung von Stamm- und Stockausschlägen ab Mitte Juni vorteilhaft, schnelle Überwallung, geringe Ersatztriebbildung baumphysiologisch schlechtester Zeitpunkt: Zeit der Saftruhe ( IX-II ), keine oder sehr schlechte Wundreaktion bei Dauerfrost unter 5 C keine Schnittmaßnahmen ausführen (s. ZTV) 4. Schnittausführung und Kompartimentierung: 1. Entastungschnitte generell auf Astring bzw. außerhalb der Rindenleiste, stammparallele oder Stummelschnitte (Huthaken) sind Baumfrevel! 2. saubere, quetschungsfreie, genaue Arbeit bessere Wundüberwallung 3. keine Starkäste ( > 10cm) komplett abschneiden, Stammholz schonen! 4. bei Einkürzung von Seitenästen auf Außenknospe / Ableitung schneiden, Innenknospe blenden, Innentrieb ausbrechen bzw. schneiden 5. zügige und vollständige Überwallung von Schnittwunden ist stark abhängig von: Baumart und alter sowie den Wachstumsbedingungen 6. einjährige Stamm- und Stockaustriebe flach durch die Knospenschuppen narbe, ältere auf Astring schneiden 5. Schnittgeräte: 1. Handscheren (Baumscheren), Handsägen (Hochleistungsgeräte mit spezieller Schränkung), Klappsägen, evtl. Bügelsägen 2. Astscheren, Teleskopsägen, und Hochentaster sind nur für Grobschnitte einsetzbar, ein sauberer Nachschnitt auf Astring ist zwingend notwendig! 3. Motorkettensägen gehören nicht in die Aufbau- und Entwicklungspflege! Äste bis 5 cm dürfen generell nicht mit der MKS geschnitten werden! Dr. Axel Schneidewind, LLFG, Zentrum für Gartenbau und Technik Quedlinburg 5