Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht

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Transkript:

Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht WISSENSCHAFT Laser in der Endodontie Eine praktische Übersicht Andreas Moritz, Ulrich Schoop, Johannes Klimscha, Kawe Goharkhay Schlüsselwörter Zusammenfassung Endodontie, Laser Dieser Artikel gibt eine Übersicht über das praktische Vorgehen im Rahmen der lasergestützten Endodontie und stellt einen kleinen Teil des zugehörigen Kapitels aus dem Buch Orale Lasertherapie von Andreas Moritz et al. dar, voraussichtliche Publikation im Frühjahr 2005 vom -Verlag. Einleitung Die Endodontie gewinnt in der heutigen Zeit mit Recht immer mehr an Bedeutung. Das dringende Anliegen der Patienten ihre Zähne zu retten, hat zusammen mit der Erfolgserwartung, die man heute an die moderne Medizin stellt, ständig zugenommen. Im Zuge dieses Erfolgsdruckes wird der Praktiker mit immer höheren Anforderungen konfrontiert, werden doch die Zähne nach einer erfolgreichen endodontischen Behandlung in den meisten Fällen mit teuren technischen Arbeiten versorgt. Die Standards in der Endodontie wurden gerade in den letzten Jahren durch breites Interesse, vor allem an den Hochschulen, ständig angehoben und die Aufbereitungstechniken (maschinell, händisch) bzw. Füllungstechniken im Zuge dessen verfeinert und perfektioniert, wobei in der modernen, spezialisierten Endodontie auf die Verwendung von technischen Instrumentarien, wie Mikroskop und elektronischer Wurzelkanal-Längenbestimmungen kaum verzichtet werden kann. Gerade wenn wir von Verbesserungen in der Wurzelkanalbehandlung sprechen, darf ein weiterer Hightech- Baustein nicht fehlen der Laser. Die verschiedenen Lasersysteme werden heute sowohl für die Aufbereitung der Wurzelkanäle, die Reinigung der Kanalwände, vor allem aber auch für den so wichtigen Effekt der Keimabtötung verwendet. Und gerade hier sehen wir den eigentlichen Sinn des Lasers in der Endodontie. Nach der üblichen anamnestischen Erhebung und einer genauen klinischen Voruntersuchung mit röntgenologischer Befunderhebung wird erst die Indikation für die Laserbehandlung gestellt. Die weitere Vorbereitung für die laserunterstützte Endodontie unterscheidet sich nicht wesentlich vom konventionellen Vorgehen. Anhand eines Kleinbildröntgens wird die Anatomie des zu behandelnden Zahnes genau studiert. Es wird die ungefähre Arbeitslänge festgelegt. Dies erfolgt indem die Länge von der Wurzelspitze bis zum gewählten Referenzpunkt des Kanals abgemessen wird. Um eine Überinstrumentierung zu verhindern, wird die gewonnene Messung sicherheitshalber um 1 2 mm reduziert. Nach Anlegen eines Kofferdams beginnt nun die eigentliche Wurzelkanalbehandlung. Die laserunterstützte Wurzelkanalbehandlung lässt sich in vier einander aufbauende Abschnitte gliedern: 1 Präparation der Zugangskavität 2 Wurzelkanalaufbereitung 3 Laserbehandlung 4 Wurzelkanalfüllung 1 Präparation der Zugangskavität Bei der Präparation der Zugangskavität wird das Pulpenkammerdach mit seinen Überhängen abgetragen, die Kronenpulpa entfernt und danach die Wurzelkanaleingänge aufgesucht bzw. dargestellt. 13

WISSENSCHAFT Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht Abb. 1 Mittels kegelförmigen, abgerundeten Diamanten wird in die Tiefe präpariert. Abb. 2 Nach Eröffnung des Pulpakavums wird das Pulpadach und die allenfalls die weitere Aufbereitung störende Zahnsubstanz mittels eines Rosenbohrers von zentral nach peripher abgetragen. Die Präparation der Zugangskavität richtet sich nach der entsprechenden Anatomie des zu behandelnden Zahnes. Der richtig gewählte Eingang ist Voraussetzung für eine gute Aufbereitung. Bei Front- und Eckzähnen wird der Eingang von lingual bzw. palatinal gewählt, die Inzisalkante bleibt dabei unberührt. Die Umrissform der Zugangskavität entspricht in etwa der Zahnform. Prämolaren und Molaren werden von okklusal zentral trepaniert. Auch hier entspricht die Umrißform der Präparation der Zahnform. Mittels kegelförmigen, abgerundeten Diamanten wird in die Tiefe präpariert (Abb. 1). Nach Eröffnung des Pulpakavums wird das Pulpendach und die Zahnsubstanz, die allenfalls die weitere Aufbereitung stört, mit einem Rosenbohrer von zentral nach peripher abgetragen (Abb. 2). Danach werden die Kanaleingänge mit einer spitzen Sonde ohne Anwendung starken Drucks aufgesucht. Sollte ohne optische Hilfe gearbeitet werden, ist bei schwer lokalisierbaren Eingängen eine Anfärbung mit Methylenblau hilfreich. 2 Wurzelkanalaufbereitung Der nächste Schritt in der Wurzelkanalbehandlung ist die Aufbereitung. Laut der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (Stand August 1999) versteht man unter Wurzelkanalaufbereitung Maßnahmen zur Vorbereitung der Wurzelkanäle für die Wurzelkanalfüllung (Entfernung von Gewebsresten und Bakterien, Erweiterung und Formgebung des Wurzelkanals etc.). Wir unterscheiden die biomechanische Präparation (Gebrauch von Instrumenten zum Freilegen, Reinigen, Erweitern und Formgeben eines Wurzelkanals in der Regel in Verbindung mit Spüllösungen) von der chemomechanischen Präparation (intrakanalärer Gebrauch von Chemikalien zur Spülung, Zerstörung und Neutralisation von Bakterien, Gewebsresten und Toxinen in Kombination mit der biomechanischen Präparation). Es kann zwischen der manuellen und der maschinellen Aufbereitung unterschieden werden. 14

Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht WISSENSCHAFT Abb. 3 Balanced-Force-Technik Mit einer Feile ohne rotierende Bewegung bis zur ersten Friktion einführen. Ohne apikalen Druck das Instrument um 90 Grad im Uhrzeigersinn rotieren. In einer dem Uhrzeigersinn gegenläufigen Rotation um 180 Grad die Feile nach apikal forcieren. Abschließend wird die Feile durch eine koronal gerichtete Rotation im Uhrzeigersinn aus dem Kanal entfernt. Die Aufbereitung differiert in Abhängigkeit zur Wurzelkanalkrümmung. Es wird für gerade Kanäle die manuelle Aufbereitung, für mäßig bis stark gekrümmte Kanäle die kombinierte, maschinell-manuelle Aufbereitung gewählt. Die manuelle Aufbereitung kann nach der Art des Vorgehens in zwei Bereiche eingeteilt werden: Die Apikal-Koronale Methode Festlegung der Arbeitslänge und konische Aufbereitung des Wurzelkanales in koronaler Richtung. Die Koronal-Apikale Methode Konische Erweiterung des koronalen Wurzelkanalanteiles, Festlegung der Arbeitslänge und konische Erweiterung in apikale Richtung. Apikal-Koronale Methoden Step-Back-Technik Ziel der Technik ist eine verstärkte Konizität. Durch die Konizität wird die Obturation erleichtert und der Verschluss mit der lateralen Kondensationstechnik ermöglicht. Weiters wird das Risiko der Perforation und Stufenbildung reduziert, da die mit zunehmender Größe immer weniger flexiblen Instrumente nicht im Bereich der größten Krümmung zum Einsatz kommen. Vorgehen: Darstellung der Kanaleingänge, Entfernung des Pulpengewebes mit einer Exstirpationsnadel und Festlegung der Arbeitslänge. Das erste Instrument, das auf voller Länge im Kanal Friktion hat, wird als initial apical file IAF bezeichnet. Erweiterung des Kanals um 3 5 Iso- Größen. Die zuletzt in voller Arbeitslänge eingebrachte Feile wird als master apical file MAF bezeichnet. Abhängig von der Kanalkrümmung wird nun das apikale Wurzelkanaldrittel mittels Step-Back-Technik konisch erweitert. Bei geraden Kanälen werden die Instrumente aufsteigender Größe um 0,5 mm Arbeitslänge verkürzt. Bei gekrümmten Kanälen um 1 mm. Das letzte benutzte Instrument wird als final file FF bezeichnet. Zwischen dem Instrumentenwechsel soll die MAF auf Arbeitslänge eingebracht werden und eine gewissenhafte Spülung des Kanals mit NaOCl stattfinden. Balanced-Force-Methode Die Anwendung dieser Technik setzt Feilen mit dreieckigem Querschnitt und nichtschneidender Spitze, so genannte Flex-R-Feilen voraus. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass es kaum zu einer präparationsbedingten Abweichung, vor allem im apikalen Kanaldrittel, kommt. Vorgehen: Die Feile mit nichtschneidender Spitze wird bis zur ersten Friktion in den Kanal eingeführt.es erfolgt eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn, gefolgt von einer apikal gerichteten Rotationsbewegung von 360 gegen den Uhrzeigersinn (Abb. 3). Anschließend wird durch eine nach koronal gerichtete Rotation im Uhrzeigersinn das Instrument aus dem Kanal entfernt, gereinigt und der Kanal gewissenhaft mit NaOCl gespült. Koronal-Apikale Methoden Der grundsätzliche Vorteil dieser Methode liegt darin, dass durch die primär koronal beschränkte Instrumentation entzündetes Pulpagewebe und Bakterien kaum in die Apikalregion verschleppt werden. 15

WISSENSCHAFT Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht Abb. 4 Prüfung der Gängigkeit mit einer Feile ISO 0.08 oder 0.10. Abb. 5 Erweiterung und Begradigung des Kanaleinganges mittels Gates-Glidden Bohrer. Dies führt dazu, dass die in der weiteren Aufbereitung verwendeten Instrumente weniger an Krümmung zu bewältigen haben und dadurch die Rückstellungstendenz vermindert wird. Des Weiteren wird durch die koronale Erweiterung die Reinigung des Kanals erleichtert und damit die Gefahr der Verstopfung durch abgetragene Dentinspäne verringert. Step-Down-Technik Vorgehen: Initiale Präparation des koronalen und mittleren Kanaldrittels bzw. bis zum Beginn der Kanalkrümmung durch stufenweise Steigerung des Durchmessers der Instrumente, anschließend Formgebung des Kanaleinganges mit Gates-Glidden-Bohrern. Festlegung der Arbeitslänge und fortsetzen der Präparation im apikalen Kanaldrittel mit Instrumenten kleineren Durchmessers. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass durch die initiale Erweiterung die Wurzelkanalinstrumente im koronalen Kanalanteil geringeren Wandkontakt besitzen und dadurch gezielter im apikalen Bereich eingesetzt werden können. Das Risiko einer Kanalbegradigung wird dadurch minimiert. Crown-Down-Pressureless-Technik Bei dieser Technik wird mit Gates-Glidden-Bohrern initial ein gerader Zugang geschaffen. Anschließend wird mit einer Feile der ISO-Größe 35 bis zur Friktion eingegangen und durch Rotation ohne apikalen Druck der Kanal erweitert. Dieser Vorgang wiederholt sich mit Instrumenten abnehmenden Durchmessers bis die Arbeitslänge erreicht wird. Nach radiologischer Kontrolle der Arbeitslänge wird im nächsten Zyklus das apikale Drittel erweitert. Double-Flared-Technik Sie stellt eine Kombination aus Step-Down- und Step-Back- Technik dar, deren Effizienz mit Hilfe von Gates-Glidden- Bohrern gesteigert werden kann. Vorgehen: Mit Instrumenten relativ großen Durchmessers z.b. ISO 80, wird der Kanal von koronal beginnend nach apikal aufbereitet. Der Durchmesser wird stufenweise verringert, bis die Arbeitslänge erreicht wird. Anschließend 16

Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht WISSENSCHAFT wird mit Hilfe der Step-Back-Technik der Kanal konisch aufbereitet, bzw. seine Konizität erhöht. Liegt nun ein nach Schneider 1 gerader Kanal vor, so wird dieser zunächst mit einer Feile (ISO 0.08, 0,10) (Abb. 4) auf Gängigkeit geprüft und anschließend der Eingang mittels Gates-Glidden-Bohrer erweitert (Abb. 5). Messmethode nach Schneider (1971) Auf einem Kleinbildröntgen wird eine Gerade entsprechend der Wurzellängsachse durch die Punkte A und B eingezeichnet. Der Punkt A entspricht dem Kanaleingang, der Punkt B jenem Punkt, wo der Kanal die Wurzellängsachse verlässt. Eine zweite Gerade verläuft vom Foramen apikale zum Punkt B. Der von beiden Geraden eingeschlossene Winkel, mit dem Scheitelpunkt B entspricht der Wurzelkanalkrümmung. Schneider teilt sie in 3 Kategorien ein: 1) gerade Kanäle 0 5 Grad 2) mäßig gekrümmte Kanäle 10 20 Grad 3) stark gekrümmte Kanäle 25 70 Grad Die restliche im Kanal befindliche Wurzelpulpa wird mit einer Exstirpationsnadel und Spülung mit NaOCl entfernt. Nun wird mittels Endometrie die Arbeitslänge ermittelt und durch ein Messröntgen bestätigt. Dies erfolgt indem mit einer Feile der Iso-Größe 15, angeschlossen an ein elektrisches Längenmessgerät, mittels der Balanced-Force- Technik versucht wird, den Wurzelkanal auf volle Arbeitslänge zu erschließen (Abb. 6). Nach Positionierung des Gummistopps an dem zuvor festgelegten Referenzpunkt wird ein Messröntgen angefertigt. Nach radiologischer Bestätigung bzw. nach Festlegung der definitiven Arbeitslänge, erfolgt die Aufbereitung des Kanals mit Instrumenten aufsteigender Größe nach Balanced-Force-Technik. Die Behandlung mit Laser setzt eine apikale Erweiterung auf mindestens Iso 35 40 voraus, so dass auch bei stark gekrümmten Kanälen ein friktionsloses Einführen der Faser bis zum apikalen Stopp leicht gelingt. Nachdem der Kanal auf Arbeitslänge um die auf ISO Größe 35 40 geforderte Weite aufbereitet wurde, werden alle weiteren Instrumente um jeweils 0,5 mm verkürzter Arbeitslänge in den Kanal eingebracht (Step-Back-Technik) (Abb. 7). Um den Kanal nicht mit Dentin zu verstopfen, sollte zwischen dem Instrumentenwechsel mit einem Gleitmittel (EDTA) gearbeitet und ausreichend mit NaOCl gespült werden. Die Wirkung der Spülung reicht nur über einige wenige Millimeter der Nadelspitze hinaus, eine ausreichende Eindringtiefe ist von entscheidender Bedeutung. Es empfiehlt sich, die Spülnadel mit einem Silikonstopp zur Kontrolle der Eindringtiefe zu versehen. Abb. 6 Mit einer Feile der Iso-Größe 15 wird mittels der Balanced- Force-Technik versucht, den Wurzelkanal auf volle Arbeitslänge zu erschließen. Aufbereitung des Kanals mit Instrumenten aufsteigender Größe auf Arbeitslänge. Die Behandlung mit Laser setzt eine apikale Erweiterung auf Iso 40 voraus. Die Aufbereitung eines nach Schneider mäßig bis stark gekrümmten Kanals gestaltet sich komplexer. Obwohl auch der Behandlungsablauf wie bei den geraden Kanälen beibehalten werden kann, empfiehlt sich doch eine kombinierte maschinell-manuelle Aufbereitung. Der Grund dafür ist nicht nur die zeitliche Komponente, wenngleich dieser Vorteil der maschinellen Aufbereitung für den ungeübten Behandler nicht zum Tragen kommt. Konkret handelt es sich um eine maschinelle Aufbereitung mit Nickel-Titan-Instrumenten, die auf Grund der Materialeigenschaft dieser Legierung in der Lage sind, die Krümmung eines Wurzelkanals zu respektieren und zu erhalten. Weiters ermöglicht die höhere Konizität dieser Instrumente eine rasche Kanalerweiterung, und die Tatsache, dass sie rotierend eingesetzt werden, einen gleichmäßigen zirkulären Dentinabtrag. Der Kanal wird auf Gängigkeit mit einer Feile (ISO 0.08, 0,10) geprüft (Abb. 8) und anschließend der Eingang maschinell mit der sog. Intro Feile erweitert und begradigt. Als Antrieb empfiehlt sich ein drehmomentgesteuerter 17

WISSENSCHAFT Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht Abb. 7 Nachdem der Kanal auf Arbeitslänge um die auf ISO Größe 40 geforderte Weite aufbereitet wurde, werden alle weiteren Instrumente um jeweils 0,5 mm verkürzter Arbeitslänge in den Kanal eingebracht (Step-Back-Technik). Abb. 8 Der Kanal wird auf Gängigkeit mit einer Feile (ISO 0.08, 0,10) geprüft. Motor. Die maschinelle Aufbereitung erfolgt nur in Kombination mit einem Chelator, der einerseits den durch die Präparation entstandenen smear layer verringert, und andererseits als Gleitmittel für die Instrumente dient. Die elektronisch bestimmte und radiologisch bestätigte Arbeitslänge wird mit einem Gummistopp an den Nickel-Titan- Instrumenten eingestellt. Im nächsten Schritt erfolgt die Aufbereitung der oberen Kanalhälfte mit einem Instrument der Größe 06/30. Nach erneutem Spülen mit NaOCl und einem Instrumentenwechsel auf Größe 06/25 wird bis in das apikale Drittel des Kanals vorgedrungen. (Abb. 9) Dies sollte jedoch ohne Anwendung jeglichen Drucks erfolgen. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass der Kanal stets feucht und mit einem Chelator beschickt ist. Die Aufbereitung des apikalen Drittels erfolgt nun kombiniert maschinell-manuell. Bis ca. 3 mm vor dem angenommenen Foramen physiologicum wird der Kanal maschinell mit einem Instrument der Größe 04/30 aufbereitet. Die geringere Konizität führt dazu, dass das Instrument nicht über die ganze Länge Friktion mit der Kanalwand hat. Der letzte unbearbeitete Abschnitt wird nun manuell aufbereitet (Abb. 10). Beginnend mit der Feile ISO 15 wird der Kanal auf Arbeitslänge erschlossen und mindestens auf ISO Größe 35 bis 40 erweitert. Alle weiteren Instrumente werden nun jeweils um 1 mm verkürzter Arbeitslänge in den Kanal eingebracht, um die apikale Zone nach der Step- Back-Technik konisch zu erweitern. Auch hier kann wiederum nach Beendigung der kombiniert maschinell-manuellen Aufbereitung, ausgiebiger Spülung und Trocknung des Kanals mit sterilen Papierspitzen die Laserbehandlung begonnen werden. 18

Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht WISSENSCHAFT Abb. 9 Nach einem Instrumentenwechsel auf Größe 06/25 wird bis in das apikale Drittel des Kanals vorgedrungen. 3 Laserbehandlung Nach Beendigung der konventionellen Aufbereitung, ausgiebiger Spülung und Trocknung des Kanals mit sterilen Papierspitzen sind alle Vorkehrungen getroffen, um die Laserbehandlung zu beginnen. Die Faser wird in den Kanal eingeführt, nachdem die Arbeitslänge mit einem Gummistopp an der Laserfaser markiert wurde und erst dann wird der Laser aktiviert, wobei besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden sollte, dass die Laserfaser nicht zu lange (über eine Sekunde) am apikalen Stopp verweilt, da es sonst zu kritischen Temperaturentwicklungen kommen kann. Anschließend wird die Faser gleichmäßig in kreisenden Bewegungen von apikal nach koronal gezogen, um möglichst das gesamte Wurzeldentin zu erfassen (Abb. 11). Dieser Vorgang wird zumindest fünfmal wiederholt. Ein geübter Behandler kann den Laser spüren d. h. auf Grund der gepulsten Betriebsart kann man mit einiger Erfahrung nach dem Pulsgeräusch zwischen trockenem und feuchtem Kanal unterscheiden respektive ein etwaiges Überschieben der Faser, das strengstens vermieden werden soll, sofort fühlen. Nach abgeschlossener Laserbehandlung wird der Kanal bis zur nächsten Sitzung mit Kalziumhydroxid gefüllt und der Zahn keimdicht, mit Cavit oder Glasionomerzement verschlossen. Die klinische Erfahrung hat gezeigt, dass für eine optimale laserunterstützte Wurzelkanalbehandlung zumindest zwei Bestrahlungssitzungen notwendig sind. Bei einer einzigen Sitzung in hochgradig infizierten Kanälen besteht das Restrisiko, nicht alle Keime komplett abzutöten. In manchen Fällen findet sich nach der ersten Abb. 10 Beginnend mit der Feile ISO 15 wird der Kanal auf Arbeitslänge erschlossen und mindestens auf ISO Größe 35 bis 40 erweitert. Sitzung noch bakterielles Wachstum, wobei nach der zweiten Bestrahlung meist eine klinische Sterilität vorzufinden ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist ein Sekundär- bzw. Nachwirkungseffekt der Laserstrahlung anzunehmen (man könnte diese Schädigung in Anlehnung an den Postantibiotikaeffekt als Postlasereffekt bezeichnen). Keime, die geringeren Lichtintensitäten ausgesetzt waren, zeigen Schädigungsmuster, die auf eine Umstrukturierung der äußeren Membran hinweisen. Selbst wenn dieser Umstand nicht den unmittelbaren Zelltod bewirkt, so be- 19

WISSENSCHAFT Laser in der Endodontie eine praktische Übersicht Empfohlen wird die definitive Wurzelfüllung nach der dritten Laserbehandlung (Sitzungen am besten im Abstand von 3 Tagen) bei vollständiger subjektiver und objektiver Beschwerdefreiheit des Patienten. In äußerst therapierefraktären Fällen können unter Umständen zusätzliche Sitzungen notwendig werden. Die ISO-Größe der MAF gibt die Wahl des Guttaperchastiftes vor. Der sogenannte Masterpoint wird zart mit Sealer benetzt und auf volle Arbeitslänge in den Kanal eingebracht. Durch laterale Kondensation des Masterpoints mit einem Spreader wird Platz für die so genannten Zusatzpoints geschaffen. Der verwendete Spreader gibt wiederum die ISO-Größe der Zusatzpoints vor. Der Kanal sollte bis in das koronale Drittel des Wurzelkanals mit Zusatzpoints gefüllt werden. Anschließend werden die überstehenden Guttaperchastifte mit einem warmen Exkavator abgetrennt und der koronale Teil des Kanals durch vertikale Kondensation verdichtet. Das Ziel der Wurzelkanalfüllung laut ESE ist die Passage von Mikroorganismen und Flüssigkeiten entlang des Wurzelkanals auszuschließen das gesamte Kanalsystem auszufüllen, nicht nur um die Austrittspforte zum Periapex zu verblocken, sondern auch Dentinkanälchen und akzessorische Kanäle. Abb. 11 Die Faser wird gleichmäßig in kreisenden Bewegungen von apikal nach coronal zurückgezogen, um das gesamte Wurzeldentin zu erfassen. Die Prozedur wird mindestens fünfmal wiederholt. einträchtigt er doch auf längere Sicht die Überlebensfähigkeit solchermaßen betroffener Keime. Ihre allgemeine Widerstandsfähigkeit gegenüber Milieuveränderungen ist dadurch herabgesetzt, während ihre Empfindlichkeit hinsichtlich synergistisch angewandter Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen drastisch erhöht ist. Durch mehrfache Laserbestrahlung stellt sich auf diese Weise ein additiver bakterizider Effekt ein. 4 Wurzelkanalfüllung Die Anforderungen an ein Wurzelkanalfüllmaterial sind umfangreich. Biokompatibilität, Dimensionsstabilität, Wasserunlöslichkeit, geringe Feuchtigkeitsaufnahme, Röntgenopazität, leicht applizierbar und entfernbar. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden diese Anforderungen von Guttapercha am besten erfüllt. Guttapercha ist der eingetrocknete Milchsaft des Guttaperchabaumes. Neben der Guttaperchamatrix enthalten die zur endodontischen Therapie verwendeten Stifte noch Bariumsulfat als Röntgenkontrastmittel, Zinkoxid als Füller, Wachse, Farbstoffe und Spurenelemente. Zum Ausgleich kleiner Unregelmäßigkeiten und zur Versiegelung des Kanalsystems werden die Guttaperchastifte mit einem so genannten Sealer in das Kanalsystem eingebracht. Ein Sealer ist ein Zement, für das die gleichen Anforderungen wie für das eigentliche Wurzelkanalfüllmaterial besteht. Nach der Behandlung ist eine lückenlose röntgenologische Dokumentation durchzuführen, um den Verlauf der periapikalen Abheilung zu kontrollieren. Literatur 1. Schneider W A comparison of straight and curved root canals. Oral Surg Oral Med Oral Pathol 1971; 32:271 275. Korrespondenzadresse Prof. A. Moritz Dept. of Conservative Dentistry, Dental School, Medical University of Vienna Währingerstr. 25a, 1090 Vienna, Austria E-Mail: andreas.moritz@univie.ac.at Lasers in Endodontics A Practical Overview Key words: endodontics, laser Summary This article gives an overview of the pracical procedure for laser-assited endodontics and is excerpt from the chapter in the book Oral Laser Application Andreas Moritz et al, which will be published in Spring 2005. 20