Das Orchester Begriffsverwirrung Ein,Orchester gab es schon im Theater der Antike. Allerdings war damit ein halbrunder Platz vor der Bu hne gemeint, von dem aus ein Chor das dramatische Geschehen kommentierte. Noch im angehenden 7. Jahrhundert war,orchester eine Ortsbeschreibung. Fu r Instrumentalensembles gab es zu dieser Zeit noch keine einheitliche Bezeichnung. Chorus instrumentalis nannte Michael Praetorius um 600 eine Gruppe von Instrumentalisten. In Frankreich sprach man von einer,symphonie, in Italien von einem,concerto, in England Die halbrunde Orchestra im antiken Theater von einem,consort. Erst im 8. Jahrhundert fand der Begriff,Orchester in unserem heutigen Sinn Verwendung, als Bezeichnung fu r ein instrumentales Ensemble, bei dem die Einzelstimmen einer Komposition von mehreren Musikern gleichzeitig gespielt werden, also chorisch besetzt sind. Der Generalbass dient als Gegengewicht zur Melodiestimme und gibt ihr gleichzeitig ein Fundament. Ausgefu hrt wird er von Bass- und Akkordinstrumenten. Diese spielen zur Melodie passende Akkorde. Das Barockorchester Die Entwicklung des Orchesters steht in Wechselwirkung mit Veränderungen des gesamten Musik- und Kulturbetriebes der jeweiligen Zeit. Das Barockorchester scharte sich (bei Hofe, in der Kirche, im Opernhaus) um den oft vielfach besetzten Generalbass, dessen Herzstu ck der Cembalist bzw. Organist bildete. Generalbassinstrumente wie Violone, Violoncello, Theorbe, Fagott usw. saßen möglichst nahe am Tasteninstrument. Weitere Instrumentengruppen standen, säuberlich voneinander getrennt, links und rechts vom Cembalospieler, der aufgrund seiner leitenden Funktion auch als,maestro di capella bezeichnet wurde. Sieh dir das Video an und beschreibe, warum man hier von historischer Auffu hrungspraxis sprechen kann. Dabei handelt es sich um die Bemu hung, Musik vergangener Epochen mit originalgetreuen Instrumenten und Spieltechniken wiederzugeben. Aufgefu hrt wird ein Violinkonzert von Antonio Vivaldi. 9 46 Wege zur Musik Helbling, Innsbruck Esslingen Bern-Belp
Das Orchester Das Orchester zur Mozartzeit In der Klassik, z. B. in den Werken Haydns und Mozarts, wurde dann der Grundstock fu r die Entwicklung zum großen sinfonischen Orchester des 9. Jahrhunderts gelegt: Ein chorisch besetzter, vierstimmiger Streichersatz bildete die Basis fu r den Orchesterklang, einzelne Bläser gesellten sich dazu: Flöten, Oboen, Hörner, Fagotte, mit der Zeit auch Klarinetten. Trompeten, Pauken, später auch Posaunen konnten hinzutreten. Die Bläserstimmen waren in aller Regel paarweise besetzt und setzten charakteristische Klangfarbenakzente. Starte die Computeranimation Orchester. Du hörst eine kurze Sequenz aus einem Orchesterstu ck von Joseph Haydn. Durch An- oder Weg klicken rechts in der Partitur oder bei den Instrumentengruppen links unten kannst du die Klangwirkung einzelner Instrumente oder unterschiedlicher Kombinationen gut erkennen. Kombiniere insbesondere den gesamten Streichersatz mit einzelnen Instrumenten aus der u brigen Auswahl. Hör einen Ausschnitt aus Mozarts. Sinfonie und kreuz die Aussagen an, die dir sinnvoll erscheinen. ( Oboen und Hörner sind die einzig hörbaren Bläser. ( Trompeten, Posaunen und Basstuba mischen sich in den Klangteppich der Streicher. ( Mit ihren langen Pedaltönen geben die beiden Hörner den Streichern einen schwebenden Farbhintergrund. Chorische Besetzung ( Die beiden Oboen beginnen und beschließen das Hör beispiel mit einer schönen melodischen Geste. ( Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte und Trompeten wechseln sich ab. Klarinetten kamen erst relativ spät ins klassische Orchester: Wolfgang Amadeus Mozart hörte 778 in Mannheim Sinfonien von Carl Stamitz und schrieb an seinen Vater in Salzburg: Ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten! sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht! Pauken Die chorische (= mehrfache) Besetzung der Stimmen in einem bässe Kontra- Orchester hat zwei Hauptgru nde: Hörner. Hohe, mittlere und tiefe Trompeten Posaunen Klangbereiche sollten fu r das Violoncelli Ohr möglichst gleichmäßig Flöten abgedeckt sein.. Leise und laute Instrumente sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Klarinetten Oboen Fagotte Bratschen Der vierstimmige Streichersatz (Erste Violine Sopran, Zweite Violine Alt, Bratsche Tenor, Erste Violinen Zweite Violinen Violoncello/Kontrabass Bass) bildet seit der Klassik die Grundlage des Orchesters: Kontrabässe und Violoncelli sind das Fundament, die Bratschen die klangliche Mittelachse; die Erste Violine spielt die Hauptmelodie, unterstu tzt von der Zweiten Violine, die oft auch eine zweite Melodiestimme spielt. /38 Helbling, Innsbruck Esslingen Bern-Belp Wege zur Musik 47
Sitzordnungen 775 schlug der Komponist Johann Friedrich Reichardt eine Sitzordnung vor, die sich v. a. in deutschen Orchestern durchsetzte. Dabei bilden die Streicher einen Halbkreis um den Dirigenten: Links sitzen die. Violinen, dahinter die Violoncelli, rechts die. Violinen, dahinter die Bratschen. Im Hintergrund sind die Bläser platziert: Entweder in zwei Reihen (Blechbläser hinter Holzbläsern) oder das Holz sitzt links und das Blech rechts daneben. Insbesondere bei amerikanischen Orchestern wurde im 0. Jahrhundert eine Aufstellung u blich, bei der die. Violinen ihre Plätze mit den Violoncelli tauschen. Außerdem stehen die Kontrabässe hier rechts außen anstatt links außen (siehe Grafik Seite 49). Das Orchester der Romantik Das Grundgeru st des klassischen Orchesters wurde im Sinfonieorchester des 9. Jahrhunderts ausgeweitet. Ein beachtlicher Apparat von Blechbläsern und Schlaginstrumenten kam hinzu, der Holzbläsersatz wurde in der Höhe (z. B. Piccoloflöte) und in der Tiefe (z. B. Bassklarinette) erweitert. Nach Bedarf können weitere Instrumente wie Harfe, Orgel, Saxofon usw. hinzutreten. Fu r das präzise Zusammenspiel der vielen Instrumente und die musikalische Gestaltung ist der Dirigent verantwortlich. 3 Welche Aufstellung (,deutsch oder,amerikanisch ) zeigt das große Bild eines Orchesters oben? Betrachte das Bild oben und schreib die Stimmen (z. B. erste Violinen) in den Orchesterplan auf der rechten Seite. Übertrage dann die Instrumentengruppen (z. B. Streicher) in die Tabelle rechts daneben. Hör 6 Klangbeispiele und ordne sie den Instrumenten/Instrumentengruppen mit Nummern richtig zu. erste Violinen Holzbläser Violoncelli Blechbläser Kontrabässe Schlaginstrumente /39 48 Wege zur Musik Helbling, Innsbruck Esslingen Bern-Belp
Das Orchester Orchesterplan Instrumentengruppen 4 5 Harfen Im groß besetzten romantischen Orchester ist nicht nur die der Musiker, sondern auch die Vielfalt der Orchester. So treten zu den (= mehrfach) besetzten größer als im klassischen nicht nur Holzblasinstrumente, sondern auch ein großer Apparat an. Die Bläserstimmen sind oft nicht nur doppelt, sondern oder sogar besetzt. Als letztes tritt im Video die Gruppe der Dirigent Beobachte im Video den Auftritt der einzelnen Instrumentengruppen im Sinfonieorchester mit großer Besetzung, wie sie seit dem späten 9. Jahrhundert u blich ist. Ergänze dann den Lu ckentext. auf. Auswahlwörter: Anzahl Blechblasinstrumenten chorisch dreifach Instrumente Schlaginstrumente Streichern vierfach Hör einen Ausschnitt aus der Orchesterfassung von Bilder einer Ausstellung. Hier wird eine solistisch (= einfach) be setzte Bläserstimme von chorisch besetzten Streicherstimmen begleitet. Um welche Instrumente handelt es sich dabei? Kreis die beiden richtigen Lösungen ein. Solo Oboe Harfe 0 Basstuba Sinfonieorchester Im (großen) Sinfonieorchester spielen etwa 80 Musiker auf unterschiedlichsten Instrumenten zu sammen. Sie sind nach Gruppen angeordnet: Streicher, Holzbläser, Blechbläser, Schlaginstrumente. Begleitung Kontrabässe Bratschen. und. Violinen /40 Helbling, Innsbruck Esslingen Bern-Belp Wege zur Musik 49
Ist Dirigent ein männlicher Beruf? Das Boston Symphony Orchestra spielte 938 zum ersten Mal unter einer Dirigentin, der französischen Komponistin, Pianistin, Dirigentin und Musikpädagogin Nadia Boulanger (siehe Foto). Bis heute ist das Dirigieren eine männliche Domäne und es ist nur wenigen Frauen gelungen, sich als Dirigentin durchzusetzen. Schlagfiguren 3 4 4/4-Takt 3 3/4-Takt Der Dirigent Nicht alle Orchestermusiker sind gleich wichtig. An den ersten Streicher-Pulten sitzen z. B. die Stimmfu hrer, die Fragen der Spielweise, der Bogenfu hrung usw. klären. Dabei kommt dem Konzertmeister (=. Geiger am. Pult der. Violine) eine besondere Rolle zu. Im Barock leitete dieser Musiker manchmal das ganze Ensemble von seinem Pult aus; meistens tat das aber der Cembalist. Seit dem 9. Jahrhundert u bernahmen Kapellmeister bzw. Dirigenten diese Aufgabe. Sie sind verantwortlich fu r das präzise Zusammenspiel der Musiker und die Interpretation der Werke. Sieh dir das Video an, in dem der Dirigent Gustav Kuhn einiges u ber die Aufgaben eines Dirigenten erzählt und Wirkungen unterschiedlicher Dirigierbewegungen demonstriert. Überleg dann, welche Fähigkeiten fu r einen Dirigenten wichtig sind. Kreuz an. Ein Dirigent ( ist nur eine rhythmische Hilfe fu r das Orchester. ( muss selbst Musiker sein und sich mit allen Orchesterinstrumenten auskennen. ( sollte extrem gut hören können. ( sollte nicht mit den Musikern sprechen. ( gibt lediglich die Einsätze. Gustav Kuhn erklärt im Video, dass die linke Hand un abhängig von den traditionellen Dirigierbewegungen der rechten agieren muss. Du kannst dies u ben: Trainiere die unten angegebenen Bewegungen im 3/4-Takt zusammen mit einem Partner. Wählt ein Tempo, das euch beiden angenehm ist. Wichtig ist, dass ihr mit der rechten Hand durchgehend schlagt und die Aktionen mit der linken Hand gleichzeitig dazu ausfu hrt. rechte Hand die Schlagfigur 3/4- Takt die ganze Zeit u ber gleichmäßig ausfu hren linke Hand ( u berwacht das Stimmen des Orchesters. ( kann mit dem Taktstock präziser schlagen und leise Stellen besser anzeigen. ( muss eine musikalische Idee haben. ( kann mit der linken Hand Tempoänderungen, Einsätze und Lautstärken anzeigen. a) Gib deinem Partner die Hand. b) Male eine Ziffer in die Luft. Kann dein Partner sie erkennen? c) Zeig auf jemanden aus der Klasse und nenn den Namen. Wiederholt dieselbe Aufgabe mit der Schlagfigur für den 4/4-Takt. 50 Wege zur Musik Helbling, Innsbruck Esslingen Bern-Belp