Europäische Baustile

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1 Europäische Baustile Bearbeitet von Manfred Schenck 1. Auflage Taschenbuch. 184 S. Paperback ISBN Format (B x L): 17 x 24 cm Gewicht: 324 g schnell und portofrei erhältlich bei Die Online-Fachbuchhandlung beck-shop.de ist spezialisiert auf Fachbücher, insbesondere Recht, Steuern und Wirtschaft. Im Sortiment finden Sie alle Medien (Bücher, Zeitschriften, CDs, ebooks, etc.) aller Verlage. Ergänzt wird das Programm durch Services wie Neuerscheinungsdienst oder Zusammenstellungen von Büchern zu Sonderpreisen. Der Shop führt mehr als 8 Millionen Produkte.

2 BIBLIOTHEK DES TECHNISCHEN WISSENS Manfred Schenck Europäische Baustile 2. Auflage VERLAG EUROPA-LEHRMITTEL Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG Düsselberger Straße Haan-Gruiten Europa-Nr

3 Autor: Dipl. Ing. Dipl. sc. pol. Manfred Schenck, München Bildbearbeitung: Zeichenbüro des Verlags Europa-Lehrmittel Das vorliegende Buch wurde auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln erstellt. 2. Auflage 2012 Druck Alle Drucke derselben Auflage sind parallel einsetzbar, da sie bis auf die Behebung von Druckfehlern untereinander unverändert sind. ISBN Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden by Verlag Europa-Lehrmittel, Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG, Haan-Gruiten 2 Umschlaggestaltung: Michael M. Kappenstein, Frankfurt a. M. Satz: Meis satz&more, Ense Druck: M. P. Media-Print Informationstechnologie GmbH, Paderborn

4 Vorwort Vorwort Die bildenden Künste, und damit auch die Architektur, haben sich im Laufe der Zeit ständig verändert. Die Ursachen dieser Veränderung sind in der Absicht der Künstler nach kreativer Erneuerung anzunehmen. Hierbei werden sie durch politische, gesellschaftliche, weltanschauliche oder religiöse Vorstellungen und Maßgaben beeinflusst. Von allen bildenden Künsten wirkt sich die Architektur am eindrucksvollsten auf die Öffentlichkeit aus. Mit ihrer Hilfe konnte die zuständige weltliche bzw. kirchliche Obrigkeit wirkungsvoll ihre Herrschaft begründen und ihren Machtanspruch unterstreichen. Die Veränderungen in der Baukunst sind im Baustil, also in den Prinzipien der Konstruktion und in den Bauformen zu erkennen. Mitunter entwickelte sich der Baustil einer Bauepoche von einfachen und schlichten Formen zu immer reicherem Dekor und filigranerer Gestaltung. Dieses Prinzip ist in der Romanik, Gotik, Renaissance und Barockzeit festzustellen und wird mit den Bezeichnungen Früh, Hoch oder Spät beschrieben. Die Zeiträume der Bauepochen werden in diesem Buch mit ungefähren und leicht einprägsamen Zahlenwerten dargestellt. Das Buch Europäische Baustile beschreibt die europäischen Bauepochen von der Vorromanik bis zur Moderne in übersichtlicher, verständlicher und komprimierter Form. Die einzelnen Bauepochen werden mit zahlreichen Abbildungen nach folgenden Gesichtspunkten erläutert: Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Bautechnik, Baubetrieb und Baustatik Beispiele von Bauwerken des Mittelalters Beispiele von Bauwerken der Neuzeit und ihren Architekten Dieses Fachbuch eignet sich vor allem für den Unterricht an Fachhochschulen, Fachschulen für Bautechnik, Gymnasien und Berufsschulen. Es gibt jedem an Baugeschichte interessierten Leser wichtige Grundinformationen. In der 2. Auflage wurden kritische Hinweise unserer Leser berücksichtigt und einige Fotos verbessert. Weitere Anregungen unserer Leser, die zur Weiterentwicklung des Buches beitragen, nehmen wir dankbar entgegen. München, Winter 2011/2012 Autor und Verlag 3

5 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis 4 Vorwort Vorromanik Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Prinzipien vorromanischer Konstruktion Vorromanische Bauformen Bautechnik und Baubetrieb Beispiele für Bauwerke Sakrale Bauwerke Profanes Bauwerk Romanik Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Prinzipien romanischer Konstruktion Romanische Bauformen Kennzeichen romanischer Bauepochen Bautechnik und Baubetrieb Beispiele für Bauwerke Sakrale Bauwerke Profane Bauwerke Gotik Zeitraum und Begriff Kulturhistorischer Hintergrund Merkmale des Baustils Prinzipien gotischer Konstruktion Gotische Bauformen Kennzeichen gotischer Bauepochen Bautechnik, Baubetrieb und Baustatik Beispiele für Bauwerke Sakrale Bauwerke Profane Bauwerke Renaissance Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Konstruktionsprinzipien der Renaissance Bauformen der Renaissance Kennzeichen der Renaissance- Bauepochen Bautechnik, Baubetrieb und Baustatik Architekten und ihre Bauwerke Filippo Brunelleschi Andrea Palladio Friedrich Sustries Elias Holl Pierre Lescot Gilles Le Breton Barock Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Konstruktionsprinzipien des Barock Bauformen des Barock Kennzeichen barocker Bauepochen Bautechnik, Baubetrieb und Baustatik Architekten und ihre Bauwerke Johann Bernhard Fischer von Erlach Johann Lukas von Hildebrandt Johann Balthasar Neumann Louis Le Vau Sir Christopher Wren Rokoko Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Konstruktionsprinzipien des Rokoko Bauformen des Rokoko Bautechnik und Baustatik Architekten und ihre Bauwerke Johann Balthasar Neumann Cosmas Damian Asam und Egid Quirin Asam François Cuvilliés d. Ä Hans Georg Wenzeslaus Freiherr von Knobelsdorff Gabriel Germain Boffrand Johann Michael Fischer

6 Inhaltsverzeichnis 7 Klassizismus Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Konstruktionsprinzipien des Klassizismus Bauformen des Klassizismus Bautechnik, Baubetrieb und Baustatik Architekten und ihre Bauwerke Leo von Klenze Karl Friedrich Schinkel Louis Joseph Montoyer Jacques-Germain Soufflot Robert Adam Historismus Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Konstruktionsprinzipien des Historismus Bauformen des Historismus Bautechnik und Baustatik Architekten und ihre Bauwerke Friedrich von Gärtner Sir Charles Barry Gottfried Semper Jean-Loui Charles Garnier Theophilus Edvard Freiherr von Hansen Gabriel von Seidl Jugendstil Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Konstruktionsprinzipien des Jugendstils Baudekoration des Jugendstils Bautechnik und Baustatik Architekten und ihre Bauwerke Joseph Maria Olbrich Otto Wagner Charles Rennie Mackintosh Baron Victor Horta Antoni Gaudi Hector Guimard Moderne Zeitraum und Begriff Kulturgeschichtlicher Hintergrund Merkmale des Baustils Bautechnik, Baubetrieb und Baustatik Teilepochen mit Architekten und ihren Bauwerken Anfänge im Jugendstil Rationalismus Deutscher Werkbund und Bauhaus De Stijl Expressionismus Organische Architektur Internationaler Stil Postmoderne Dekonstruktivismus Zeitgenössische Architektur Zeiträume der Bauepochen... 6 Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Sachwortverzeichnis

7 Europ. Baustile S _Europ. Baustile S :44 Seite 6 Zeiträume der Bauepochen Zeiträume der Bauepochen (Allgemeine Übersicht, genauere Angaben bei den einzelnen Bauepochen) Vorromanik: Romanik: in Frankreich: Gotik: in Frankreich: Renaissance: in Italien: Barock: in Italien: Rokoko: Klassizismus: Historismus: Jugendstil: Moderne: heute 6

8 1 Vorromanik 1.1 Zeitraum und Begriff Zeitraum: In Mitteleuropa: Karolingische Baukunst: Ottonische Baukunst: Begriff: Die karolingische Architektur wird nach Kaiser Karl dem Großen ( ) und seinem Geschlecht benannt. Er orientierte sich an der spätrömischen Kaiseridee und errichtete in Mitteleuropa sein Frankenreich, um so germanische und romanische Völker zu vereinigen. Die ottonische Architektur entwickelte sich unter den ottonischen Kaisern, die um die Jahrtausendwende herrschten ( ). 1.2 Kulturgeschichtlicher Hintergrund Das Mönchtum in der asketischen Form war wichtigster Träger und Vermittler einer religiös geprägten Kultur. Mönche und Nonnen widmeten ihr Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam ganz der Verehrung Gottes. Die klösterliche Bewegung breitete sich als keltische und als benediktinische Version aus. Um eine Zersplitterung der Glaubenslehre zu vermeiden, legte schließlich Karl der Große 789 für alle Mönche die Statuten der Benediktiner fest. Unter ihm wurden im gesamten Frankenreich mehr als 1000 Klöster als Zentren der christlichen Mission und Mittelpunkte der Gesellschaft gegründet. Als Erzieher und Gelehrte beeinflussten Mönche auch die weltlichen Herrscher. Der sehr gebildete Karl der Große zog berühmte Gelehrte an seine Hofakademie und förderte gleichzeitig die heimische Volkskultur. Daneben wurde in bewusster Anlehnung an die römisch-konstantinische Kultur in höfischen und klerikalen Kreisen die menschliche Gestalt wieder in den Mittelpunkt gerückt (karolingische Renaissance). Der Repräsentation des Kaisers diente auch die karolingische Hofschule, wo in Werkstätten wertvolle Kunstgegenstände, wie Miniaturen aus Elfenbein, Goldschmiedearbeiten oder kostbare Handschriften, geschaffen wurden. In der Architektur wurde das spätantike Erbe durch frühe christliche und germanische Bauformen ergänzt. Die Karolinger schufen mit der Hofkapelle ein zentrales Verwaltungsorgan, mit dem sie die Reichskirche und die Grafschaften beherrschten. Es entwickelte sich eine Feudalgesellschaft, die auf dem Lehnswesen (lat. feudum: Lehen) beruhte und im gesamten Mittelalter erhalten blieb. Die ottonischen Herrscher errichteten das Heilige Römische Reich und verlegten das Zentrum ihrer Macht vom Rhein nach Sachsen. Im ottonisch-salischen Reichskirchensystem wurde die Hochkirche eng an den Kaiser gebunden, der Reichsbistümer und -abteien durch die Übergabe von Stab und Ring verlieh (Investitur). Das Reichskirchensystem wurde erst mit dem Wormser Konkordat Anfang des 13. Jh. beendet. Um 950 wurde von den Klöstern im Ostreich das Bildungssystem neu belebt. Otto I. unterstützte dieses Bemühen, indem er italienische Gelehrte nach Deutschland holte. Pädagogische Breitenwirkung erzielten die Domschulen in Magdeburg, Hildesheim, Bamberg, Würzburg und Worms. Das abendländische Kloster (lat. claustrum: abgeschlossener Raum) ist nach der Benediktinerregel eine räumlich genau festgelegte Gesamtanlage. Das zeigt als ältestes erhaltenes Zeugnis der 7

9 Vorromanik um 820 entworfene Klosterplan von St. Gallen. Südlich oder nördlich der die Anlage beherrschenden Kirche befindet sich ein Kreuzgang, also ein überwölbter Bogengang um einen quadratischen, meist bepflanzten Innenhof. Um dieses zentrale Bauwerk gruppieren sich die zur Klausur gehörenden Bauten des gemeinsamen Lebens: das Refektorium (Speisesaal), das Dormitorium (Schlafsaal, im Obergeschoss gelegen), der Kapitelsaal für die feierliche Versammlung der Mönchsgemeinschaft, das Parlatorium, der Raum, in dem sich Mönche unterhalten durften. Daneben bestand ein Kloster aus weiteren Bauten, wie Küche, Wärmeraum, Brunnenhaus, Vorratshaus, Gästehaus und Wirtschaftsgebäude, die es weitgehend wirtschaftlich unabhängig machten. Die Laienbrüder und -schwestern im mittelalterlichen Mönchstum wurden Konversen genannt, für die eigene Räume vorgesehen waren (Bild 1.1 und 1.2). Im Gegensatz zu den Bischofskirchen wurde bei klösterlichen Sakralbauten, insbesondere bei den Zisterziensern und den Bettelorden, entsprechend dem Bekenntnis zur Schlichtheit, auf Türme, Chorumgänge und reiche Ornamentik verzichtet. Die Benediktiner errichteten ihre Klöster gern auf Anhöhen, die Zisterzienser in abgelegenen Tälern. Die Bettelorden, dazu gehörten Franziskaner und Dominikaner, gründeten als Erste Klöster in den Städten. Küche Refektorium Wärmeraum Konversenbau Wirtschaftsgebäude Vorratshaus Brunnenhaus Gästehaus Parlatorium Kapitelsaal Kreuzgang N Kirche Bild 1.1: Grundriss eines Klosters Bild 1.2: Vaucluse, ehemaliges Zisterzienserkloster, Klosterkirche und Kreuzgang 8

10 Merkmale des Baustils 1.3 Merkmale des Baustils Prinzipien vorromanischer Konstruktion Die karolingische Baukunst übernahm spätantike und frühchristliche Stilelemente und verband sie mit der irisch-angelsächsischen ornamentalen Formenvielfalt. In der Frühzeit wurden bescheidene Saalkirchen mit Apsiden und Pastophorie Apsiden Pastophorien (Sakristeien) errichtet (Bild 1.3). Die Apsis (griech. Rundung, Mz. Apsiden) ist ein halbkreisförmiger, mit einer Halbkuppel überwölbter Raum für den Altar oder den Chor. Später wurde mit der Grundform eines christlichen Kreuzes eine dreischiffige Basilika mit Querschiff entwickelt. Über der Vierung ragte ein hoher Turm und die Eingangshalle wurde zu einem Westwerk vergrößert (Bild 1.4 und 1.5). Daneben wurden auch Zentralbauten nach byzantinischem Vorbild errichtet (Bild 1.24, 1.25 und 1.26). Pastophorie Bild 1.3: Saalkirche, Grundriss Apsiden Im Gegensatz zur karolingischen Kunst befreite sich die Ottonik von der spätantiken Tradition und kann als Beginn der eigentlichen deutschen Kunst bezeichnet werden. Die ottonische Baukunst bildet auch den Übergang von der Vorromanik zur Frühromanik. Seitenschiff Querschiff Apsis Westwerk Seitenschiff Mittelschiff Stollenkrypta Bild 1.4: Corvey, Klosterkirche, Längsschnitt Bild 1.5: Corvey, Klosterkirche, Grundriss Vorromanische Bauformen Bogen Elementares Kennzeichen des vorromanischen und des romanischen Baustils ist der Bogen. Er ermöglicht die Überbrückung größerer Spannweiten im Steinbau. Dabei werden die zwischen zwei Widerlagern eingespannten Steine vorwiegend auf Druck beansprucht. Beim echten Bogen sind die Fugen auf den Krümmungsmittelpunkt ausgerichtet. Die Steine sind entweder keilförmig geschnitten und parallel verfugt oder sie sind rechteckig und werden mit keilförmigen Mörtelfugen verbunden. Der unechte Bogen besteht aus vorkragenden Steinen, wobei die Fugen waagerecht und senkrecht verlaufen. Die Bogenlinie beginnt am Widerlager oder Kämpfer mit dem Anfängerstein und endet mit dem Schlussstein (Bild 2.40). 9

11 Vorromanik Anwendung des Bogens: zur Überspannung von Öffnungen: Fenster, Portale (Bild 1.16, Bild 2.26 bis 2.31), zur Übertragung von vertikalen Kräften: Gurtbogen, der quer zur Längsachse eines Tonnengewölbes verläuft (Bild 2.42 und 2.45); Scheidbogen, der zwischen Mittel- und Seitenschiff oder zwischen benachbarten Seitenschiffen einer Hallenkirche angeordnet ist; Schildbogen als seitliche Begrenzung des Joches einer Basilika (Bild 1.21 und 2.45), zur Gliederung von Wandflächen: Wandbogen, Blendbogen (Bild 1.10) und Rundbogenfries (Bild 2.33). Karolingische Bauformen Westwerk: Westabschluss, der aus einer Eingangshalle und einem darüber liegenden, zum Langhaus offenen Raum mit Seitenemporen besteht. Äußerlich erscheint das Westwerk als massiver Turm, an dem manchmal seitliche Treppentürme angelehnt sind. Das Westwerk war für den Kaiser vorgesehen (Bild 1.4 und 1.5). Krypta: (griech. kryptein: verbergen) unterirdischer Raum unter dem Ostabschluss oder dem Altar der Kirche zur Bestattung von Märtyrern, Heiligen oder auch weltlichen Würdenträgern. Hier wurden auch Reliquien aufbewahrt. In Anlehnung an die frühchristlichen Katakomben wurde oft die Form der Stollenkrypta gewählt (Bild 1.5). Daneben gab es die Ringkrypta mit Confessio (Gebetskammer, Bild 1.6) und die Außenkrypta (ebenerdiger, kapellenartiger Anbau). Flache Holzdecke oder Tonnengewölbe mit Gurtbögen zur besseren Stabilität und Stichkappen zur wirkungsvolleren Ausleuchtung des Innenraumes (Bild 1.7). Rundbögen bei Fenstern, Portalen oder Arkaden (Bild 2.26 bis 2.31, Bild 2.15). Spolien: Wiederverwendung antiker Säulen und Kapitelle (z. B. Kompositkapitelle). Würfelkapitell mit mehreren Abdeckplatten oder ionisch nachempfundenes flaches Kapitell (Bild 1.8 und 1.9). Confessio mit Altartisch 10 Märtyrergrab Bild 1.6: Ringkrypta mit Confessio, Grundriss Bild 1.7: Tonnengewölbe mit Stichkappe Tonnengewölbe Stichkappe

12 Merkmale des Baustils Bild 1.8: Würfelkapitell mit mehreren Abdeckplatten Bild 1.9: Ionisch nachempfundenes flaches Kapitell Karolingisches Bauwerksdekor Blendarkaden (Bild 1.10), Flechtbandfriese (Bild 1.11), Mosaike in Gewölben und auf Fußböden. Bild 1.10: Blendarkade Bild 1.11: Flechtbandfriese Ottonische Bauformen Tonnen-, Kreuzgrat-, Stichkappen- und Klostergewölbe für die Überwölbung der Krypta und der Nebenräume (Bild 2.8, 2.9, 1.7 und 1.12). Das Klostergewölbe besteht aus vier oder mehr Wangen einer Tonne und belastet die Auflager allseitig. Auflockerung der Wände durch Säulen und Nischen (Bild 1.10). Gliederung der Säulenordnung mit Stützenwechsel zur Betonung der Vierung (Bild 2.20 und 2.21). Würfelkapitell: Würfelkapitell mit Kämpferblock (Bild 1.13), Pilzkapitell (Bild 1.14), Figurenkapitell mit Zackenmotiv (Bild 1.15). Überfangbogen: Bogen, der zwei oder mehr Arkaden oder Blendarkaden überfängt (Bild 1.16). 11

13 Vorromanik rechteckiger Grundriss oktogonaler Grundriss Bild 1.12: Klostergewölbe Bild 1.13: Würfelkapitell mit Kämpferblock Bild 1.14: Pilzkapitell Bild 1.15: Figurenkapitell mit Zackenmotiv Bild 1.16: Gekuppeltes Fenster mit Überfangbogen 12

14 Bautechnik und Baubetrieb 1.4 Bautechnik und Baubetrieb In der vorromanischen Bauepoche wurden vorwiegend sakrale Bauwerke, wie Kirchen und Klöster, errichtet. Zusätzlich entstanden Wehrburgen und repräsentative Pfalzen als Bauten der weltlichen Herrscher. Konstruktion, Bauformen und Bautechnik wurden von der römischen Antike übernommen. Meistens wurden Saalkirchen gebaut, bei denen der Bezug zur römischen Bauweise nicht besonders auffällt. Bei den wenigen Basiliken wird das römische Vorbild jedoch sichtbar. Die Namen der Baumeister sind kaum überliefert. Bei den Sakralbauten übernahmen vorwiegend Mönche die Bauleitung, die selbstbescheiden zur Ehre Gottes arbeiteten und deshalb wohl ihren Namen nicht erwähnen wollten. Die Baumeister der Profanbauten wurden mitunter genannt: eine Inschrift in der Aachener Pfalzkapelle besagt, dass Karl der Große diese ausgezeichnete Ehrenhalle errichtet und Meister Odo sie ausgeführt hat. Die zeichnerische Planung bestand aus nicht maßstabsgerechten Grundrissen mit Bemaßung auf Pergament oder Steinplatten. Ansichten von Bauwerken wurden in der mittelalterlichen Buchmalerei dargestellt. Als Beispiel für die Anordnung der Klostergebäude galt der St. Galler Klosterplan. Alle diese Architekturzeichnungen waren nicht maßgenau konstruiert, da sie das Bauwerk nur anschaulich darstellen sollten. Im Gegensatz dazu wurde die Werkzeichnung im Maßstab 1:1 auf den Reißboden (Holzplatte, Fußboden, Mauerfläche) übertragen. Maßstäbliche Verkleinerungen gab es erst im späten Mittelalter. Der Grundriss wurde auf dem Erdboden mit Gips markiert oder man steckte die Grenzlinien mit Schnur und Pflöcken ab. Als Vermessungsgeräte dienten die Messlatte, das rechtwinklige Dreieck und der Bodenzirkel (Bild 3.43). Der Grubenmeister organisierte den Abbau der Steine und leitete die Steinbrecher sowie die Hilfskräfte an. Der Transport der Steine erfolgte mit zwei- oder vierrädrigen Ochsenkarren. Auf der Baustelle wurden Leiter (Bild 1.17 und 3.45) und Laufschräge (Bild 1.18 und 1.19) genutzt, um Material nach oben zu transportieren. Die Leiter bestand aus rechteckigen Holmen und eingezapften Sprossen, die Laufschräge aus Längsholmen und Flechtwerk oder aus Balken und Blockstufen. Traghilfen waren Schulterkorb, Vogel, Holzmulde und Tragbahre (Bild 1.17 und 1.19). Mechanische Hebegeräte wie Kräne und Aufzüge, sowie Baugerüste wurden erst im 12. Jh. zeichnerisch dargestellt, sodass sie vermutlich erst in der Romanik angewendet wurden Leiter 2 3 Holzmulde Schulterkorb 1 Laufschräge 2 1 Tragbahre Laufschräge Tragbahre 3 Vogel Bild 1.17: Leiter, Schulterkorb, Holzmulde Bild 1.18: Laufschräge, Tragbahre Bild 1.19: Laufschräge,Tragbahre, Vogel 13

15 Vorromanik 1.5 Beispiele für Bauwerke Sakrale Bauwerke Reichenau Oberzell, Klosterkirche St. Georg ( ) Schwere wuchtige Mauern mit kleinen Fenstern und ein mächtiger Vierungsturm kennzeichnen den Außenbau der karolingischen Wehrkirche (Bild 1.20). Die dreischiffige Säulenbasilika mit halbrundem Westchor besteht aus einem lang gestreckten Mittelschiff, das von zwei etwa halbhohen Seitenschiffen flankiert wird. Die Seitenschiffe schließen im Osten mit Apsiden ab. Ergänzt wird die Klosterkirche durch einen quadratischen Ostchor und eine später errichtete Vorhalle (Bild 1.22). Die Arkaden der Hochschiffwände ruhen auf gedrungenen Rundpfeilern mit Würfelkapitellen. Beiderseits der zum Ostchor aufsteigenden Treppen führen Stollen zu einer frühen Form einer schlichten Hallenkrypta mit vier Säulen. Wie ursprünglich alle vor- und frühromanischen Sakralbauten besitzt die Klosterkirche St. Georg eine flache Holzdecke. Einmalig sind die Wandmalereien aus ottonischer Zeit um 950, die von den Wundertaten Christi erzählen (Bild 1.21). Bild 1.20: Klosterkirche St. Georg, Ansicht von Südosten Bild 1.21 Innenansicht Bild 1.22: Grundriss 14 Steinbach/Odenwald, Einhardsbasilika ( ) Die dreischiffige, flachgedeckte, karolingische Pfeilerbasilika des Klosters Steinbach wurde von Einhard, dem Bauleiter und Biografen Karls des Großen, gestiftet. Strenge Einfachheit und sparsame Dekoration sind kennzeichnend für diese älteste Basilika nördlich der Alpen. Das Mittelschiff wird durch Arkadenreihen eingefasst, die auf schlanken, verputzten Backsteinpfeilern ruhen. An der Ostseite schließen Chor und Pastophorien mit gewölbten Apsiden ab. Die Stollenkrypta besteht aus drei tonnengewölbten Gängen, die unter Chor und Pastophorien jeweils zu einem Kreuz ausgebildet sind (Bild 1.23 und 1.24).

16 Beispiele für Bauwerke Bild 1.23: Einhardsbasilika, Grundriss Bild 1.24: Längsschnitt Lorsch, Torhalle (um 774) Die Torhalle ist eines der wenigen repräsentativen Gebäude aus der Regierungszeit Karls des Großen und ein bedeutungsvoller Überrest des ehemaligen Reichsklosters Lorsch. Sie grenzte den Vorhof der Kirche nach Westen ab. Baustil und Formensprache erinnern an römische Vorbilder: Pfeiler mit vorgelegten Halbsäulen, die Rundbögen einfassen, kannelierte Pilaster mit geänderten ionischen Kapitellen und ein palmettenartiger Blätterfries. Somit wird die Bezeichnung Triumphtor verständlich, obgleich die mittlere Bogenöffnung nicht durch Vergrößerung betont wird. Die äußeren Wandflächen sind mosaikartig mit weißen und roten Steinplatten verkleidet. Hier zeigt sich dem Betrachter eines der schönsten erhaltenen Beispiele karolingischer Fassadengliederung (Bild 1.25). Bild 1.25: Torhalle in Lorsch, Außenansicht 15

17 Vorromanik Hildesheim, St. Michael ( ) In beherrschender Lage zeigt sich die dreischiffige Basilika mit zwei Querschiffen und zwei Chören, die sowohl ottonische als auch frühromanische Merkmale aufweist. Die Chorhäuser an der westlichen und an der östlichen Seite enden mit einer Apsis, wobei der ostseitige Chor von Nebenapsiden flankiert wird. Über den beiden Vierungsquadraten erheben sich mächtige Türme mit flachen Pyramidendächern, während die vier Treppentürme mit Kegeldächern abschließen (Bild 1.26). Im Innern wird durch den sächsischen Stützenwechsel (Bild 2.20) eine rhythmische Gliederung erzeugt (Bild 1.27). Über den Würfelkapitellen mit abwechslungsreicher ornamentaler Verzierung spannen sich rot-weiß gequaderte Rundbögen. Die doppelgeschossigen Emporen werden durch Arkaden dekorativ aufgelockert. Unter dem Westchor befindet sich eine dreischiffige Hallenkrypta mit tonnengewölbtem Umgang. Typisch für den frühromanischen Baustil sind die rundbogigen Mulden- und Fensternischen an den Außenseiten des Umgangs. Bild 1.26: St. Michael, Ansicht von Südosten Bild 1.27: Grundriss Gernrode, ehemalige Nonnenstiftskirche St. Cyriacus ( ) Auf einer Anhöhe gelegen, ist die Stiftskirche ein eindrucksvolles Beispiel ottonischer Baukunst in Deutschland. Die dreischiffige Emporenbasilika besitzt eine Flachdecke und zwei Chöre. Dem Ostchor schließt sich das Querhaus mit halbrunden Apsiden an, während der Westchor mit großer Apsis von runden Türmen flankiert wird. Von außen ist die Stiftskirche mit vielen gekuppelten und einfachen Rundbogenfenstern sowie mit Blendbögen reich gegliedert, ohne dabei unbescheiden prunkhaft zu wirken. Das schlichte Erscheinungsbild wird durch das Bruchsteinmauerwerk noch unterstrichen. Der Innenraum erzeugt mit rheinischem Stützenwechsel und Arkaden eine feierliche Stimmung. Die Ostkrypta wohl die älteste Hallenkrypta Deutschlands wird durch ein dreiteiliges Tonnengewölbe mit kurzen Stichkappen abgedeckt (Bild 1.28 und 1.29). 16 Bild 1.28: St. Cyriacus, Grundriss Bild 1.29: Längsschnitt

18 1.5.2 Profanes Bauwerk Aachen, Pfalz, Pfalzkapelle (786 -ca. 800) Beispiele für Bauwerke Kaiser Karl der Große ließ für den Hofstaat eine repräsentative Palastkapelle unter der Leitung des fränkischen Baumeisters Odo von Metz nach dem Vorbild des byzantinischen Zentralbaus S. Vitale in Ravenna errichten. Die Pfalzkapelle ist der einzig erhaltene Bauteil der Pfalz. Sie besteht aus einem oktogonalen klostergewölbten Mittelraum und einem sechzehneckigen Umgang, der durch Tonnen und Stichkappen gewölbt ist. Acht abgewinkelte Pfeiler tragen die Arkaden im Erdgeschoss und im Emporengeschoss. Hier sind zweigeschossige Bogenstellungen auf antiken Säulen mit korinthischen Kapitellen in sie hineingestellt. Im Westen ist ein rechteckiger Vorraum mit einer hohen Rundbogenportalnische und zwei runden Treppentürmen vorgelegt. Außen ist die Pfalzkapelle mit Eckquadern, Rundbogenfenstern und Pilastern gegliedert (Bild 1.30, 1.31, 1.32 und 1.33). Untergeschoss Obergeschoss Bild 1.30: Pfalzkapelle, Grundriss Bild 1.31: Außenansicht Bild 1.32: Innenansicht 17

19 Vorromanik Von der Karolingischen Pfalz in Aachen ist im Originalzustand nur die Pfalzkapelle erhalten geblieben. Nach einem im Jahre 1970 erstelltem Modell von Leo Hugot gehörten zu der Pfalz neben der Pfalzkapelle die Königshalle (lat. aula regia) sowie Unterkunfts-, Empfangs- und Wirtschaftsbauten (Bild 1.33). Königshalle Pfalzkapelle Bild 1.33: Aachen, Pfalz 18

20 2 Romanik 2.1 Zeitraum und Begriff Zeitraum: In Deutschland: Frühromanik: Hochromanik: Spätromanik: In Frankreich: In England: In Italien: In Spanien: Begriff: Die Bezeichnung Romanik wurde vom französischen Historiker De Gerville im Jahr 1818 in Anlehnung an den Begriff romanische Sprachen formuliert. Sie verweist auf die Verwandtschaft zur römischen Architektur, von der sie Rundbogen, Pfeiler, Säule und Gewölbe übernahm. Die Romanik ist ein Stil der abendländischen Kunst im Mittelalter. Sie entstand unter den ottonischen Kaisern in Deutschland und erfuhr in Frankreich ihre umfangreichste Ausprägung. 2.2 Kulturgeschichtlicher Hintergrund Die Romanik ist die Bauepoche des Hochmittelalters. Das Lebensgefühl der Menschen wurde geprägt durch Unsicherheit und Ängste, hervorgerufen von Krankheiten, Gewalttaten und der Abhängigkeit vom Lehnsherrn. Sie suchten daher Schutz und Trost hauptsächlich im christ lichen Glauben, mitunter auch im Aberglauben. Religiöser und kultureller Mittelpunkt waren die Klöster, vor allem die der Benediktiner und der Zisterzienser. Pilgerwallfahrten nach Rom, Santiago de Compostela oder Jerusalem dienten auch dem Erfahrungsaustausch zwischen den Mönchen und somit dem Bau von Kirchen und Klöstern. Der philosophisch-theologische Hintergrund war gekennzeichnet durch die Frühscholastik und die Mystik. Die scholastische Methode erfolgte streng nach den Regeln der Syllogistik und dem Prinzip, dass Wahrheit nur bei den Autoritäten, wie griechischen Philosophen, Bibel und Kirche, gefunden werden konnte. Die Syllogistik ist die von Aristoteles entwickelte Lehre von der logischen Schlussfolgerung aus der Verbindung von zwei Prämissen, also von zwei Vor aus - setzungen. In der Frühscholastik hatte sich grundsätzlich die scholastische Philosophie der Theolo gie unterzuordnen. In ergänzender Wechselbeziehung zur Scholastik stand die Mystik als Versöhnung von Glaube und Vernunft. Der Mystiker versuchte durch Versenkung und Hingabe zur persönlichen Vereini - gung mit Gott zu gelangen. 19

21 Romanik 2.3 Merkmale des Baustils Prinzipien romanischer Konstruktion Ein Hauptmerkmal der romanischen Kirchenbauten ist die klare Gliederung in rhythmische Abschnitte (Joche), die auf das Vierungsquadrat als Modul bezogen werden (gebundenes System). Die Vierung entsteht aus der Durchdringung von Mittelschiff und Querschiff. Diese sind in der Regel gleich breit, sodass sich ein Vierungsquadrat bildet. Dem im Grundriss quadratischen Joch des Hauptschiffes entsprechen je zwei Seitenschiffsjoche von halber Breite. An das Langhaus schließt sich der im Osten gelegene Chor an (Bild 2.1). Seitenschiff Mittelschiff Querschiff Vierung Chor Bild 2.1: Grundriss einer romanischen Kirche Typen sakraler Bauten Der am weitesten verbreitete Typus romanischer Kirchenbauten ist die Basilika, bei der das Mittelschiff höher als die Seitenschiffe ist und durch Fenster über dem Dachansatz der Seitenschiffe, genannt Obergaden, Licht einfallen kann (Bild 2.2). Die Emporenbasilika besitzt zu beiden Seiten des Mittelschiffs Emporen über den Seitenschiffen (Bild 2.3). In den byzantinischen Kirchen war die Empore für die Frauen und in den Klosterkirchen für die Nonnen bestimmt. Mitunter waren Emporen auch für weltliche Herrscher vorgesehen. 20 Bild 2.2: Aufriss einer Basilika Bild 2.3: Aufriss einer Emporenbasilika

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