Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins

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1 Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins 23. Jahrgang 2018/3

2 Herausgeber / Editrice Schweizerischer Burgenverein Geschäftsstelle Basel Blochmonterstrasse 22, 4054 Basel Ein Farbdruckbogen wurde durch einen Sonderbeitrag von zwei Autoren finanziert. L Association Suisse Châteaux forts 2018 Schweizerischer Burgenverein Redaktion / Rédaction PD Dr. Armand Baeriswyl, Leiter des Ressorts Archäologische Untersuchungen und Auswertungen Erziehungsdirektion des Kantons Bern Amt für Kultur / Archäologischer Dienst Brünnenstrasse 66, Postfach Bern Prof. Dr. Gaëtan Cassina Case postale 117, 1963 Vétroz Dr. Elisabeth Crettaz CASTELARCH Grand-Rue Fribourg / Freiburg i. Ue. Flurina Pescatore, lic. phil. Denkmalpflege Kanton Schaffhausen Beckenstube 11, 8200 Schaffhausen Die Redaktionskommission kann für das Peer-Review externe Fachpersonen beiziehen. Redaktion und Geschäftsstelle Schweizerischer Burgenverein Geschäftsstelle Basel Thomas Bitterli Blochmonterstrasse 22, 4054 Basel Telefon +41 (0) Homepage: Postkonto Redaktionstermin / Délai de rédaction 1.2. / 1.5. / 1.8. / Erscheinungsdatum / Parution / / / Richtlinien zum Einreichen von Textbeiträgen sind einsehbar unter Jahrgang, 2018/3, September 2018 Inhalt / Sommaire 109 Peter Niederhäuser, Die Zähringer zwischen Macht und Mythos: Zur Einleitung 110 Thomas Zotz, Eine kurze Geschichte der Zähringer 119 Bertram Jenisch, Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg am Rhein 128 Armand Baeriswyl, «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte 135 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi, Die Zähringer in Zürich 143 Peter Jezler, Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 151 Peter Niederhäuser, 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? 157 Casimir Bumiller, Die Zähringer ein Fall fürs Museum? Auflage / Tirage 1300 Erscheint vierteljährlich / trimestriel ISSN Mittelalter (Basel) Druck / Impression Die Medienmacher AG, Muttenz Titelbild / Couverture: Reiterrelief am Nordturm des Zürcher Grossmünsters, um 1180, H. 140, B. 142, T. 23 cm. Die Skulptur besitzt grosse Ähnlichkeit mit den Werken des Bildhauers Antelami in Parma. Es handelt sich wohl um einen Auftrag von Herzog Bertold IV. von Zähringen ( 1186).

3 Die Zähringer zwischen Macht und Mythos: Zur Einleitung von Peter Niederhäuser Der Name «Zähringer» besitzt in der nicht gerade als adelsfreundlich bekannten Geschichtsschreibung der Schweiz einen überraschend guten Klang. Als Städtegründer, Kirchenvögte und Burgenbauer nehmen die Herzöge in den historischen Erinnerungen einen besonderen Platz ein. Sie kontrastieren als «gute Fürsten» mit den Habsburgern, an denen beharrlich das Etikett der schlechten, unfähigen, wenn nicht willkürlichen und tyrannischen Herrscher klebt. Ganz so einfach ist «die» Geschichte zwar bekanntlich nicht, und doch überrascht der gelegentlich fast verklärende Rückblick auf die Zeit der Zähringer, die mindestens so selbstbewusst und rücksichtslos wie die Habsburger auf dem Gebiet der heutigen Deutschschweiz Macht versammelten und vor allem auch durchsetzten. Was genau macht den historiografischen Erfolg der Zähringer aus? Am Anfang steht zweifellos der Chronist Conrad Justinger, der mit seinem in den 1420er-Jahren verfassten Werk über die Geschichte Berns den Zähringern als Stiftern und Wohltätern der Stadt Bern ein Denkmal setzte. Vor dem Hintergrund des «kaiserlichen Berns» liess Justinger bezeichnenderweise die Herzogsgeschichte direkt in die Reichsgeschichte einfliessen. Das auf grünem Feld gegründete Bern konnte nicht wie andere Städte mit antiken Wurzeln brillieren, dafür ergänzte dank Justinger eine besondere Zähringertradition das reichsstädtische Selbstverständnis. Gestützt auf zähringische Privilegien und als selbsterklärte Nachfolger der Zähringer setzte Bern praktisch die herzogliche Politik weiter, was der Aarestadt eine eindrückliche Machtstellung verschaffen sollte. Damit wird auch klar, dass die eidgenössische Gründungsgeschichte um Wilhelm Tell und dem Rütlischwur für Bern immer zweitrangig blieb und seit dem späten Mittelalter den Zähringern an der Aare zahlreiche Denkmäler errichtet wurden. Die zähringische Geschichte ging und geht aber nicht allein auf Bern zurück. Immerhin verdankt die Schweiz den Zähringern das einzige bedeutende weltliche Fürstentum auf eidgenössischem Boden. Der kinderlose Tod Herzog Bertolds V. am 18. Februar 1218 setzte der adligen Territorialisierung allerdings ein rasches Ende, da die Nachfolge umstritten war und zu einer Zersplitterung der Kräfte führte. Kein neuer Herzog, sondern vielmehr (Reichs-)Städte wie Bern oder Zürich sollten in die Fussstapfen der Zähringer treten. Das vergleichsweise frühe Verschwinden der Zähringer, noch bevor Auseinandersetzungen zwischen dem Landesherrn und den zunehmend eigenständigeren Städten und Untertanen hätten ausbrechen können, liess die Herzöge zudem als «gute Herrscher» in Erinnerung bleiben. Trotz der Rolle der Zähringer als «schweizerische» Landesherren und trotz dem Stolz verschiedener Städte auf ihre herzoglichen Ursprünge blieben die Zähringer eher ein Stiefkind der Schweizer Geschichte. Die historische Forschung verbindet sich bis heute vor allem mit der Universität Freiburg im Breisgau, muss aber angesichts der zeittypischen schriftlichen Überlieferung grosse Lücken offenlassen. Zahlreichen archäologischen Untersuchungen in schweizerisch-breisgauischen Zähringerorten verdanken wir mittlerweile einen genaueren Einblick in die Herrschaftspolitik. Das vorliegende «Mittelalter-Heft» möchte die unterschiedlichen Perspektiven zu einem gut lesbaren Überblick zusammenführen und interdisziplinär nach der Bedeutung der Zähringerzeit fragen. Was genau wissen wir über die Rolle der Zähringer als Fürsten und Städteförderer? Welche Denkmäler erinnern bis heute an die Herzoge? Und warum fällt das Gedenken ungeachtet aller Sympathien so schwer? Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Spurensuche zwischen Burgund und Breisgau. Mittelalter 23, 2018 / 3 109

4 Eine kurze Geschichte der Zähringer von Thomas Zotz Das Jahrhundert der Bertolde Neben den Staufern und Welfen gehörten die Zähringer zu den führenden Adelsgeschlechtern des Hochmittelalters im deutschen Südwesten. Die Familie war schwäbischen Ursprungs wie die beiden anderen Häuser und trug ihren Namen ab 1100 bis zu ihrem Aussterben in männlicher Linie im Jahr 1218 nach der Burg Zähringen bei Freiburg im Breisgau; für die Zeit davor bezeichnet die Forschung sie als Bertolde mit Blick auf den Leitnamen der Familie (Abb. 1; Abb. 2). Deren Anfänge lassen sich bereits um die Jahrtausendwende fassen, als Graf Bertold im Thurgau wirkte. Er gehörte zu den Vertrauten Kaiser Ottos III. und erhielt von diesem in Anerkennung seiner treuen Dienste im Jahr 999 das Recht, an seinem Ort Villingen einen Markt mit Münze und Zoll zu errichten. Der Thurgau und die Baar blieben auch weiterhin wichtige Herr- 1: Stammtafel der Bertolde/Zähringer. 110 Mittelalter 23, 2018 / 3

5 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer Bistum im zähringischen Herrschaftsbereich Bistum Kloster im zähringischen Herrschaftsbereich Kloster unter zähringischer Vogtei Zähringerburg Speyer 2: Herrschaftsräume der Zähringer um Zähringerstadt, zumeist mit Burg Kerngebiet zähringischer Besitzrechte und Ministerialen Straßburg Schuttern Mahlberg Ullenburg Offenburg Gengenbach St. Georgen Teck Zähringen Villingen St. Peter Breisach Freiburg Fürstenberg Neuenburg Basel Badenweiler Schaffhausen St. Blasien Stein am Rhein Rheinfelden Zürich Solothurn Frienisberg Burgdorf Bern Murten Rüeggisberg Freiburg Moudon Thun Hauterive Interlaken Lausanne Hautcrêt Konstanz Chur Genf Sitten km schaftsräume der Familie, ebenso seit dem frühen 11. Jh. der Breisgau und die Ortenau, wo Bertold jeweils die gräflichen Rechte innehatte. In einem genealogischen Zeugnis aus der Mitte des 12. Jh., das die Verwandtschaft der Staufer und der Zähringer darstellt, erscheint Graf Bertold unter der Koseform Bezelin und mit der örtlichen Zubenennung «von Villingen», wie sie mittlerweile im Adel üblich geworden war. Wenn der Autor der Verwandtschaftstafel, Abt Wibald von Stablo und Corvey, Graf Bertold so definierte, dann spiegeln sich darin Tradition und Stellenwert Villingens in der Geschichte der Zähringer (Abb. 3). Nach dem Tod Graf Bertolds 1024 folgte ihm sein gleichnamiger Sohn in dessen gräflichen Ämtern nach. Auch er zählte zur Umgebung der nun regierenden salischen Herrscher Konrad II. und Heinrich III. Zu seiner Position in der schwäbischen Adelsgesellschaft trug bei, dass er Richwara, die als Tochter Herzog Hermanns IV. von Schwaben ( 1038) gilt, zur Frau nahm. Nicht zuletzt dies gab ihm Anlass, bei Kaiser Heinrich III. seinen Anspruch auf das Herzogtum Schwaben anzumelden, den dieser offenbar akzeptierte, wenn man der Darstellung in der Chronik Frutolfs von Michelsberg aus der Zeit um 1100 Glauben Mittelalter 23, 2018 / 3 111

6 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer 3: Tabula Consanguinitatis Wibalds von Stablo und Corvey. schenkt. 1 Allerdings überging bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit die Kaiserinwitwe Agnes Graf Bertold zugunsten Rudolfs von Rheinfelden. Immerhin erhielt 1061 Bertold das Herzogtum Kärnten und begründete damit den fürstlichen Rang seiner Familie. Zusammen mit Richwara stiftete er ein Kloster in Weilheim unter Teck und verfügte über die nahe Limburg. Damit ist hier ein weiterer, von Burg und Kloster konstituierter Herrschaftsmittelpunkt der Familie am oberen Neckar zu greifen. In den 1070er-Jahren geriet Herzog Bertold von Kärnten, ebenso wie Herzog Rudolf von Schwaben und Herzog Welf IV. von Bayern, in Konflikt mit König Heinrich IV.; zugleich öffneten sich alle drei der Kirchenreform und wurden zu Anhängern Papst Gregors VII. Im Jahr 1077 entzog Heinrich IV. den drei süddeutschen Herzögen ihre Ämter und Lehen; mitten im erbitterten Streit der Parteien starb der abgesetzte Herzog Bertold 1078 auf der Limburg. Von den drei Söhnen hatte sich der älteste namens Hermann bereits 1073 von der Welt und seiner Familie zurückgezogen, um Mönch in Cluny zu werden; er wurde zum Stammvater der Markgrafen von Baden. Gebhard wählte den geistlichen Stand und war 112 Mittelalter 23, 2018 / 3

7 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer als Bischof von Konstanz ( ) die Speerspitze des Reformpapsttums in Schwaben. Bertold (II.) schliesslich begründete, in den antisalischen Bahnen des Vaters, die zähringische Linie der Bertolde. Im letzten Jahrzehnt des 11. Jh. wurden die Weichen für die weitere Geschichte der Zähringer gestellt: Bertold II. war mit Agnes, der Tochter König Rudolfs von Rheinfelden, verheiratet und übernahm nach dem Tod von dessen Sohn Herzog Bertold von Schwaben 1090 das Rheinfelder Erbe am Hochrhein und in Burgund mit dem Schwerpunkt Burgdorf und schuf damit gute Voraussetzungen für die spätere Position der Zähringer zwischen Jura und Genfersee. Im nördlichen Breisgau bildete Bertold II. mit der namengebenden Burg Zähringen, der 1091 erstmals erwähnten Burg und frühstädtischen Siedlung Freiburg und mit dem 1093 von Weilheim nach St. Peter im Schwarzwald verlegten Kloster einen neuen Herrschaftsmittelpunkt, der bis zum Ende der Zähringerzeit seine wichtige Funktion behalten sollte. Ab 1092 amtierte Bertold II. gegen den Stauferherzog Friedrich I. seitens der päpstlichen Partei als Herzog von Schwaben. Wenn er wohl 1098 in dem von Kaiser Heinrich IV. arrangierten Ausgleich zugunsten des Staufers auf das Herzogtum Schwaben verzichtete, so war dies zugleich der Startpunkt für eine zunehmend eigenständigere Herzogsherrschaft der Dynastie im westlichen Teil von Schwaben, die von nun an den Namen Zähringer führte. Diese Herrschaft erstreckte sich entlang des Oberrheins über den Breisgau und die Ortenau, über die Baar, den Neckargau und den Schwarzwald bis zum Hochrhein. Im Bereich des für die Bertolde seit alters wichtigen Thurgau erhielt Bertold II. im Zuge des staufisch-zähringischen Friedens aus der Hand Heinrichs IV. Zürich, das nobilissimum Sueviae oppidum, wie Otto von Freising formuliert. 2 Auch wenn an diesem aus der Karolingerzeit stammenden Ort des Reiches noch andere Akteure wie die Grafen von Lenzburg als Vögte der Zürcher Klöster eine Rolle spielten, war dieser Vorort des Königs und Herzogs in Schwaben ein Faustpfand in der Hand Bertolds II. und seiner Nachfolger. Im selben Zusammenhang lässt sich der um die Mitte des 12. Jh. schreibende Chronist darüber aus, dass Bertold II. fortan nur den leeren Herzogstitel führte, den er seinen Nachkommen vererbt habe, die bis zum heutigen Tag Herzöge hiessen, ohne über ein Herzogtum zu verfügen und nur am Titel ohne die Sache teilhätten. Das neue Herzogtum der Zähringer passte offensichtlich nicht ins Bild des an herkömmlichen Herzogtümern wie Schwaben oder Bayern orientierten Autors! Herzöge von Zähringen und Rektoren von Burgund Die von Bertold II. geschaffenen Grundlagen einer neuen Herzogsherrschaft bauten seine Söhne Bertold III. ( ) und Konrad ( ) aus. Sie stützten sich dabei auf den gräflichen und edelfreien Adel, auf ihre, wie in Urkunden des Klosters St. Peter 3 formuliert, zum herzoglichen Haus (domus ducis) gehörenden Ministerialen, auf Burgen wie Zähringen, Freiburg oder Badenweiler, auf Städte wie Freiburg im Breisgau und Villingen auf der Baar und auf die Vogteien der Klöster Gengenbach, St. Georgen im Schwarzwald, St. Peter und (seit 1125) St. Blasien. Dabei spielte St. Peter eine herausgehobene Rolle als Grablege der Familie und als Empfänger zahlreicher Schenkungen zähringischer Gefolgsleute, die dort z.t. Kapellen stifteten und ihre letzte Ruhe in der Nähe der Herzöge fanden, so dass St. Peter mit Fug und Recht als das Hauskloster der Zähringer gelten kann. Man gewinnt den Eindruck, dass besonders der lange Zeit regierende Herzog Konrad die Zähringerherrschaft intensiviert hatte, indem er die Hoheit über den Adel seines Landes beanspruchte und deswegen den Unmut des staufischen Herzogs von Schwaben hervorrief, der sich nun gegenüber früher in seiner Reichweite beeinträchtigt sah. Noch zu Lebzeiten seines Bruders Herzog Bertold III. zeichnete sich Konrad durch dynamische Unternehmungen aus: die Gründung des Marktes 1120 in Freiburg, den 1 Frutolf von Michelsberg, Chronik zu In: Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die anonyme Kaiserchronik, hrsg. von Franz-Josef Schmale/Irene Schmale-Ott. Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 15 (Darmstadt 1972) 74 f. 2 Otto von Freising und Rahewin, Gesta Friderici I. imperatoris, hrsg. von Georg Waitz. MGH SS rer. germ. in usum schol. 46 (Hannover/Leipzig ) I/8 f., Die ältesten Güterverzeichnisse des Klosters Sankt Peter im Schwarzwald. Der Rotulus Sanpetrinus und Fragmente eines Liber monasterii sancti Petri. Edition, Übersetzung, Abbildung, bearb. von Jutta Krimm-Beumann. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg A 54 (Stuttgart 2011) 14 u. ö. Mittelalter 23, 2018 / 3 113

8 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer 4: Siegel Herzog Bertolds IV. von Zähringen. Eingriff in die Abtei St. Gallen mit Durchsetzung seines Kandidaten für den Abtstuhl und, weniger erfolgreich, den Vorstoss nach Schaffhausen. Durch seine Heirat mit Clementia, Tochter Graf Gottfrieds von Namur, spannte er sein personell-verwandtschaftliches Netzwerk weit in den Nordwesten des Reiches, nach Niederlothringen. Eine wichtige Zäsur in der Geschichte der Zähringer bedeutete es, als König Lothar III. Konrad 1127 das Rektorat über Burgund übertrug. Mit diesem Amt einer königlichen Stellvertretung im ehemaligen Königreich Burgund eröffnete sich für die Herzöge von Zähringen ein neues, prestigeträchtiges Tätigkeitsfeld, und dies brachten sie in ihrem Titel fortan mit dem Zusatz «rector Burgundiae» zum Ausdruck, mitunter gar nur mit der Bezeichnung «dux Burgundiae». Allerdings blieb es, nicht zuletzt wegen der Widerstände im burgundischen Adel, zunächst bei einem allgemeinen Hoheitsrecht der Zähringer in Burgund. Während das Verhältnis zwischen dem Stauferkönig Konrad III. und Herzog Konrad insgesamt gut und vertrauensvoll war, kam es zwischen dem Zähringer und Friedrich Barbarossa, dem Sohn Herzog Friedrichs II. von Schwaben, im Jahr 1146 zu einer schweren Fehde: Nach dem Bericht Ottos von Freising 4 besetzte der angehende Schwabenherzog das den Zähringern einst von Heinrich IV. überlassene Zürich, stellte also den Status quo ante her und drang danach in das engere Herrschaftsgebiet (terra ducis) Herzog Konrads ein bis fast zur (West-)Grenze Alemanniens zur Burg Zähringen. Friedrich soll eine andere als uneinnehmbar geltende Burg, vermutlich Rheinfelden, erobert und Herzog Konrad niedergeworfen haben. Im Vorfeld des geplanten Kreuzzugs Konrads III. wurde der Friede im Südwesten des Reiches wiederhergestellt, doch Herzog Konrad schloss sich nicht dem Unternehmen ins Heilige Land an, sondern folgte Herzog Heinrich dem Löwen gegen die Wenden und gab jenem seine Tochter Clementia zur Frau. Damit wurde eine weitreichende zähringisch-welfische Allianz im Reich geknüpft. Als Herzog Konrads Sohn Bertold IV die Nachfolge antrat, kam es zu einer Vereinbarung zwischen ihm und dem gleichfalls neu ins Amt gekommenen König Friedrich Barbarossa über einen gemeinsamen Zug nach Burgund und in die Provence zur Durchsetzung der Rechte des Reiches und des Rektors von Burgund. Dieser Plan wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt, und vier Jahre später beschränkte der Kaiser im Zuge seiner eigenen Burgundpolitik die Rechte des Zähringers auf den Raum zwischen Jura und Genfer See. Da er Bertold dafür das königliche Investiturrecht in den Bistümern Lausanne, Genf und Sitten überliess, schuf der Staufer die Rahmenbedingungen für eine Intensivierung der Zähringerherrschaft in dem umschriebenen Raum. Bertold IV. setzte sogleich ein Zeichen mit der Gründung der Stadt Freiburg im Üchtland 1157, der er den Namen des breisgauischen Freiburg gab. Zugleich übertrug er dessen Rechte und Freiheiten auf die Neugründung ein Verfahren der Identität stiftenden Vernetzung, das ebenso bei den anderen Zähringerstädten zur Anwendung kam. Auch andernorts wurde der Zähringer aktiv: Zwischen 1170 und 1180 rief er die Stadt Neuenburg am Rhein ins Leben, 1171 erlangte er für sich und seinen gleichnamigen Sohn durch Vermittlung Friedrich Barbarossas die erzbischöflich-trierischen Lehen seines Onkels Graf Heinrich von Namur. Nach 1173 kam er in den Besitz der bis dahin von den Grafen von Lenzburg ausgeübten 4 Otto von Freising (wie Anm. 2) I/27, Mittelalter 23, 2018 / 3

9 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer 5: Burgdorf, Schloss, um : Herzog Bertold V. bei der Gründung der Stadt Bern. Private Berner Chronik des Diebold Schilling, 1484/85. Mittelalter 23, 2018 / 3 115

10 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer 7: Breisach, Donjon, um Ansicht von Norden. Zeichnung von Jean-Jacques Arhard, ca Vogteien über das Fraumünster und Grossmünster in Zürich, wodurch er die wichtige Position der Zähringer in Zürich ausbauen konnte. Das Verhältnis zwischen Bertold IV. und Friedrich Barbarossa war ambivalent. Einerseits nahm der Zähringer an mehreren Italienzügen des Kaisers teil, und er empfing bisweilen auch dessen Gunst. Andererseits verwehrte der Staufer um 1162 Bertolds Bruder Rudolf den Mainzer Erzstuhl und betrieb die Scheidung Heinrichs des Löwen von Clementia von Zähringen; in beiden Fällen ging es ihm darum, die Machtstellung der Zähringer im Reich zu schwächen. Die massive Kränkung veranlasste Bertold IV., den französischen König um Unterstützung für Rudolf zu bitten und ihm sogar seine eigene Hilfe anzubieten, sollte der Kaiser gegen den König vorgehen. Im Jahr 1167 akzeptierte Barbarossa dann die Wahl Rudolfs zum Bischof von Lüttich. Damit waren die Zähringer im niederlothringischen Raum präsent, in den Herzog Konrad über seine Gemahlin Clementia Fäden gesponnen hatte. Nach Bertolds IV. Tod 1186 führte sein Sohn Bertold V. die Herrschaft als Herzog von Zähringen und Rektor von Burgund weiter. Hier stiess er um 1190 auf den Widerstand des Adels des Landes, den er gewaltsam niederwarf. An dem von Bertold V. repräsentativ errichteten Schloss in Burgdorf (Abb. 5) kündete eine Inschrift von diesem Sieg. Offenbar in Reaktion auf diesen Aufstand gründete Bertold im Jahr 1191 die Stadt Bern an der Aare, die zur bedeutenden zähringischen Erinnerungsstätte in Burgund und der späteren Schweiz werden sollte (Abb. 6). Auch in Thun, am südlichen Rand der Zähringerherrschaft in Burgund, markierte der Herzog seine Macht mit dem Bau eines massiven Donjons. Auf Reichsebene trat Bertold V. ins Rampenlicht, als er nach dem Tod Kaiser Heinrichs VI. 1197/98 von der antistaufischen Partei um die Erzbischöfe von Köln und Trier als Kandidat für den Königsthron gegen König Philipp von Schwaben ausgesucht wurde; der Zähringerherzog erschien angesichts des feindseligen Verhaltens der Staufer gegenüber seiner Familie durchaus geeignet und willens für diese Aufgabe. Gleichwohl liess sich Bertold nicht auf das Angebot ein, sondern ging auf die Seite des Staufers König Philipps von Schwaben über. Im Gegenzug trat dieser ihm Breisach und Schaffhausen ab, zwei prominente Orte an Ober- und Hochrhein, welche der Zähringer nun seinem zähringischen Herzogtum eingliedern konnte. In Breisach brachte Bertold seine Herrschaft durch die Errichtung eines Donjons zum Ausdruck 116 Mittelalter 23, 2018 / 3

11 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer 8: Freiburg im Breisgau, Bertoldinisches Münster. Ostansicht (Rekonstruktion Rüdiger Becksmann). (Abb. 7). Auch hier liess er seinen Zug gegen die treulosen Burgunder durch eine Inschrift dokumentieren. Statt sich auf das Risiko eines Königtums einzulassen, das noch dazu gegen die staufische Tradition gerichtet gewesen wäre, wandte Bertold V. seine Aufmerksamkeit der Ausgestaltung seiner fürstlichen Herrschaft im ducatus Zaringiae zu, wie Caesarius von Heisterbach 5 um 1220 formuliert. Burgdorf erscheint als Residenz, in Zürich nahm er seine Funktion als Kirchenvogt wahr und stiftete hier ein Spital, auch der Stadt Villingen liess er Förderung angedeihen. In besonderer Weise gestaltete er indes im Breisgau, der zentralen Zähringerlandschaft, Freiburg zur Residenzstadt aus. Durch die vielgliedrige Burg auf dem Schlossberg und vor allem durch den Neubau des Münsters als dreischiffiger Emporenbasilika mit Vierungskuppel und Chorflankentürmen (Abb. 8). Hier fand Bertold seine letzte Ruhe, in Abkehr vom Kloster St. Peter, das bis dahin die zähringische Familiengrablege war. Als Herzog Bertold V starb, ohne einen Sohn zu hinterlassen, ging die Dynastie der Zähringer im Mannesstamm zu Ende. In dieser Situation griff Friedrich II. als König und Verwandter in das Zähringererbe ein, neben dem auch die Grafen von Urach und die Grafen von Kyburg, die über die Heirat mit den beiden Schwestern Bertolds V., Agnes bzw. Anna, ihre Ansprüche anmeldeten. Weder das Herzogtum Zähringen noch das Rektorat Burgund hatten eine politische Zukunft. Gleichwohl wirkten die Zähringer in den Habsburgern und in den Markgrafen und Grossherzögen von Baden fort, die im 11. Jh. als Stammverwandte der Zähringer ihre eigene Linie ausgebildet hatten und sich seit der Mitte des 18. Jh. der gemeinsamen Herkunft erinnerten. 5 Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum, hrsg. von Joseph Strange (Köln 1851) XII/13, 325. Mittelalter 23, 2018 / 3 117

12 Thomas Zotz Eine kurze Geschichte der Zähringer Résumé Les Zähringen comptaient, avec les Hohenstaufen et les Welf, parmi les principales familles nobles du sud-ouest de l Allemagne durant le Moyen Age classique. Historiquement attestée depuis le tournant du millénaire, la famille s éleva au rang ducal au cours du XI e siècle sous le prénom dynastique de Bertold et rejoignit ainsi l élite de la noblesse, d abord en Carinthie, puis plus tard en territoires souabes contre le duc de Hohenstaufen. Après la renonciation au duché de Souabe vers 1100, la famille prit le nom du château de Zähringen et le titre de duc fut préservé. Dans la partie occidentale de la Souabe, et plus tard également en Bourgogne entre le Jura et le lac Léman, les ducs de Zähringen et les recteurs de Bourgogne établirent une seigneurie dotée de sa propre souveraineté, fondée sur les nobles et les ministériels. Le but premier des Zähringen était de consolider leurs terres à travers la création ou plutôt le développement de villes et de châteaux. Dans ce contexte, la candidature au trône du dernier duc Bertold V n est restée qu un épisode spectaculaire. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto Durante il pieno Medioevo gli Zähringen, insieme agli Hohenstaufen e ai Welfen, furono le famiglie nobili principali della Germania sudoccidentale. Sono storicamente attestati a partire dall anno 1000, ed in particolare con Bertold, il quale durante l XI secolo riuscì ad assurgere al titolo di duca, entrando così a far parte della cerchia di famiglie nobili di maggior pre stigio, dapprima in Carinzia, poi in Svevia. Tuttavia in Svevia si trovò a dover concorrere con il duca svevo di Hohenstaufen. Dopo la rinuncia al ducato di Svevia intorno al anno 1000, la famiglia assunse il nome del proprio castello, ossia di Zähringen, mantenendo comuque il titolo ducale. Nella parte occidentale della Svevia, poi anche in Borgogna, tra il Giura ed il lago di Ginevra, i duchi di Zähringen, che erano anche rettori della Borgogna, crearono una signoria sottomessa al loro diretto dominio, imperniata su famiglie nobili e ministeriali. Per consolidare il loro dominio fondarono o ampliarono città ed edificarono castelli. Questo fu uno dei principali obiettivi degli Zähringen. La candidatura al trono da parte del duca Bertold V, ultimo esponente della dinastia suddetta, è da considerarsi un avvenimento eccezionale, ma in questo contesto solo di relativa importanza. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun Ils Zähringers valan dasper ils Staufers ed ils Welfens sco ina da las impurtantas schlattainas aristocraticas dal temp autmedieval en la Germania dal Sidvest. Dapi la midada dal millenni prendan els influenza istorica, e la famiglia cun il num directiv Bertold cuntanscha en il decurs da l 11avel tschientaner il rang da ducas. Uschia fa ella part da la gruppa a la testa da la societad aristocratica, l emprim en la Carinzia, pli tard en la Svevia, qua però cunter il duca dals Staufers da la Svevia. Suenter avair desistì dal ducadi da la Svevia enturn il 1100 surpiglia la famiglia il num dal chastè da Zähringen, il titel da duca la mantegna ella. En la part dal vest da la Svevia, pli tard er en Burgogna tranter il Giura ed il Lai da Genevra, han ils ducas da Zähringen e las magnificenzas da Burgogna construì in domini d atgna suveranitad, sa basond sin aristocrats e ministerials. Cun la fundaziun resp. l amplificaziun da citads e la construcziun da chastels emprovan els da consolidar lur pajais. Quai è stada la finamira suprema dals Zähringers, en quel reguard è la candidatura per il tron da Bertold V, l ultim duca dals Zähringers, sulettamain stada in episoda spectaculara. Lia Rumantscha (Cuira/Chur) Abbildungsnachweise 1: Heinz Krieg, Freiburg 2: 1500 Jahre Bräunlinger Geschichte. Neue Forschungen und Erkenntnisse, hrsg. von der Stadt Bräunlingen. Schriftenreihe der Stadt Bräunlingen 8 (Bräunlingen Grafik: Holger von Briel, Donaueschingen) 3: Alfons Zettler, Graf Berthold, sein kaiserliches Marktprivileg und der Aufstieg der Zähringer in Schwaben. In: Casimir Bumiller (Hrsg.), Menschen Mächte Märkte. Schwaben vor 1000 Jahren und das Villinger Marktrecht. Veröffentlichungen des Stadtarchivs und der Städtischen Museen Villingen-Schwenningens 20 (Villingen-Schwenningen 1999) 22 4: Staatsarchiv Solothurn, Urkunde von : Archäologischer Dienst Kanton Bern 6: Bern, Burgerbibliothek, Mss. hist. helv. I.16, S. 57 7: Augustinermuseum Städtische Museen Freiburg i. Br., D 43/11 8: Das Freiburger Münster, hrsg. vom Freiburger Münsterbauverein (Regensburg 2011) 226 Adresse des Autors Prof. em. Dr. Thomas Zotz Universität Freiburg im Breisgau Historisches Seminar Abt. Landesgeschichte Werthmannstr Freiburg im Breisgau Literatur Jürgen Dendorfer/Heinz Krieg/R. Johanna Regnath (Hrsg.), Die Zähringer. Rang und Herrschaft um Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br. 85 (Ostfildern 2018). Ulrich Parlow, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem südwestdeutschen Herzogsgeschlecht. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg A 50 (Stuttgart 1999). Hans Schadek/Karl Schmid (Hrsg.), Die Zähringer. Anstoß und Wirkung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung II (Sigmaringen 1986). Karl Schmid (Hrsg.), Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung I (Sigmaringen 1986). Karl Schmid (Hrsg.), Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung III (Sigmaringen 1990). Thomas Zotz, Die Zähringer. Dynastie und Herrschaft (Stuttgart 2018). 118 Mittelalter 23, 2018 / 3

13 Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg am Rhein von Bertram Jenisch erreichte sie nie wieder die einstige Bedeutung. Schliesslich war Neuenburg nach Artilleriebeschuss 1940 die erste total kriegszerstörte deutsche Stadt, und was stehen blieb, wurde bei einem Luftangriff 1944 vernichtet. Nach Kriegsende standen nur noch 3 % der früheren Gebäude. Heute sucht man in der Stadt vergeblich nach obertägig erhaltenen, mittelalterlichen Bauten. Deren Reste haben sich allerdings flächig unter bis zu 2 m mächtigen Schichten von Bauschutt erhalten. Lediglich das Strassengefüge erinnert noch an die einstige planmässig angelegte mittelalterliche Stadt (Abb. 1). 1: Neuenburg am Rhein. Luftbild der ehemaligen Altstadt. Von der mittelalterlichen Stadt hat sich lediglich der Strassenraster erhalten. Am linken Bildrand (Westen) ist die Abbruchkante zum Rhein erkennbar. Wie kaum eine andere Stadt im Oberrheingebiet litt Neuenburg unter Naturkatastrophen und Kriegen. 1 Die um 1175 von Bertold V. von Zähringen gegründete Stadt prosperierte zunächst. Im 15. und 16. Jh. wurde ihr die verkehrsgünstige Lage am Rhein zum Verhängnis der Strom riss bei mehreren Hochwassern ein Drittel des Stadtgebietes weg. In den Kriegen des 17. Jh. kam es zu grossen Verwüstungen, so dass die Stadt zwischen 1704 und 1714 nicht bewohnt war. Nach dem Wiederaufbau Historische Quellen zur frühen Stadtgeschichte Die frühe Siedlungsgeschichte Neuenburgs ist weitgehend ungeklärt. Als erster Nachweis gilt ein auf 1171 datierter Beleg, der im 14. Jh. vom Tennenbacher Abt Zenlin im Güterbuch des Klosters niedergeschrieben wurde. 2 Demnach habe der Boden der späteren Stadt Neuenburg der Zisterze gehört; hier lag ein mit einem Brunnen ausgestatteter Wirtschaftshof (grangia). Dieses Gut habe das Kloster Tennenbach von Herzog Bertold wohl um 1161/71 für 30 Mark Silber gekauft und mehr als 10 Jahre ungestört besessen. Dann wurden die Mönche durch den Herzog vertrieben, damit er an Stelle seines einstigen Besitzes am Rheinübergang eine Stadt mit dem programmatischen Namen «Neuenburg» errichten konnte. Die Lage der neuen Stadt wurde so gewählt, dass sie sowohl einen Rheinübergang als auch den Schiffsverkehr auf dem Rhein kontrollieren konnte. 3 Neuenburg hatte mehrere Vorgängersiedlungen. Zum einen das südlich gelegene Steinenstadt und dann den nur vage zwischen Neuenburg und Müllheim zu lokalisierenden Ort Rincka, der 1004 das Marktrecht erhielt. Beide Siedlungen, im 12. Jh. unter dem Einfluss des Basler Bischofs stehend, entwickelten sich trotz rechtlicher Voraussetzungen nicht zur Stadt. Die Stadtgründung 1 Huggle 1876; Schäfer Weber 1969, 385; Generallandesarchiv Karlsruhe 8853, Sp Treffeisen Mittelalter 23, 2018 / 3 119

14 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg Neuenburgs durch den Zähringerherzog erfolgte in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesen frühen Zentralorten auf eigenem Grund. Nach dem Aussterben der Zähringer wurde Neuenburg zum Streitobjekt zwischen dem Zähringererben Graf Egino von Freiburg und dem Stauferkönig Friedrich II. In einem 1219 ausgehandelten Vergleich verlor Egino neben Offenburg, Gengenbach sowie den Burgen Zähringen und Ortenberg auch Neuenburg, das nun für kurze Zeit Reichsstadt wurde. Graf Konrad von Freiburg, Parteigänger des Papstes, erhob Anspruch auf die Stadt und bekam seine Rechte zusammen mit Offenburg 1248 bestätigt. Neuenburg, das sich der Partei des Kaisers anschloss, verbündete sich mit den schwäbischen Reichsstädten und wehrte sich zunächst gegen die Ansprüche des Freiburgers, die jedoch 1251 anerkannt werden mussten. Nach dessen Tod 1271 wurde seine Herrschaft unter seinen Söhnen aufgeteilt, wobei Graf Heinrich die Herrschaft Badenweiler mit der Stadt Neuenburg erhielt. Nach einem Vergehen des neuen Stadtherrn suchte die Stadt Schutz beim Basler Bischof. Erst 1274 konnte die Auseinandersetzung durch König Rudolf geschlichtet werden, der Neuenburg wieder dem Reich unterstellte; Graf Heinrich verzichtete aber erst 1281 endgültig auf die Stadt. Durch König Adolf von Nassau erfolgte im Dezember 1292 die Verleihung der Stadtrechte verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer die Städte Breisach und Neuenburg an die Herzöge Otto und Albrecht von Österreich. Neuenburg gehörte damit zu dem sich herausbildenden breisgauischen Territorium Vorderösterreichs. Als 1415 Herzog Friedrich von Österreich in Reichsacht fiel, wurden die vorderösterreichischen Städte kurzfristig Reichsstädte. Nach dem formellen Wiederanschluss an Vorderösterreich wurden in Neuenburg mehrere Landtage abgehalten. Unter Freiburgs Führung schlossen die Breisgaustädte Breisach, Endingen und Neuenburg ein Bündnis auf 10 Jahre, das 1485 um 14 bzw um 10 Jahre verlängert wurde fiel die Stadt an Baden. 4 Archäologische Ausgrabungen in Neuenburg Aufgrund der nachhaltigen Zerstörungen Neuenburgs kommt der Archäologie ein besonderer Stellenwert bei der Erforschung der Stadtgeschichte zu. Bereits beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg kam es vereinzelt zu archäologischen Untersuchungen. Konstantin Schäfer dokumentierte vor allem die Lage von zwei der ehemals vier Stadttore und von Teilstücken der Stadtmauer. 5 Die erste planmässige Rettungsgrabung erfolgte beim Neubau des Rathauses Eine Zwischenbilanz zum Forschungsstand wurde im Archäologischen Stadtkataster gezogen. Dort wurden die bis zu diesem Zeitpunkt bekannten 31 archäologischen Aufschlüsse bearbeitet und kartiert. 7 Zwischen 2012 und 2015 kam es im Zusammenhang mit der Stadtsanierung zu grossflächigen Untersuchungen, die gerade die Frühgeschichte der Stadt in einem neuen Licht erscheinen lassen. Grabung Schlüsselstrasse Im Quartier Schlüsselstrasse/Metzgerstrasse wurde die bislang umfassendste archäologische Grabung in der Zähringerstadt am Rhein durchgeführt. Das für die projektierte Tiefgarage benötigte Baufenster untersuchte die Freiburger archäologische Denkmalpflege in den Jahren in drei im Wesentlichen von der Stadt Neuenburg am Rhein finanzierten Kampagnen. Nach Abschluss der Untersuchungen ergibt sich folgende Bilanz: eine ergrabene Fläche von 3200 m², etwa 8000 m³ bewegtes Erdreich, ca dokumentierte Befunde und Mengen an Fundmaterial, das etwa 80 Normkartons für Funde füllt (Abb. 2). 8 Anfänge der Siedlung Die bislang nur in Schriftquellen belegte Tennenbacher Grangie findet nun erstmals durch Befunde in grösserem Umfang eine archäologische Bestätigung. Die frühe Siedlungsphase ist von einfachen Häusern und Werkplätzen mit Gruben geprägt. Mehrere ineinander und übereinander gelagerte Grubenformationen geben deutliche Hinweise auf eine intensive Nutzung des Geländes schon ab der 2. Hälfte des 12. Jh. Die daraus geborgene Keramik vornehmlich Bruchstücke nachgedrehter Ware lässt den Schluss zu, dass es eine intensivere Vornutzung des Areals als bislang vermutet gegeben haben musste. Mehrere Gruben in relativ dichter Lage zueinander dürften durch die Abfallentsorgung entstanden sein, andere stehen aber in Zusammenhang mit handwerklichen, ver- 120 Mittelalter 23, 2018 / 3

15 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg 2: Neuenburg am Rhein. Überblick zu Beginn der Grabung Schlüsselstrasse. 3: Neuenburg am Rhein. Mit Flusskieseln ausgekleidete Grube aus der zweiten Hälfte des 12. Jh. mutlich metallurgischen Aktivitäten. Die nachfolgende Bebauung des Areals und die damit einhergehende tiefgründige Umschichtung der ältesten Schichten haben die Baubefunde der ersten Häuser nahezu vollständig zerstört. Nur im Bereich der Metzgerstrasse geben noch Spuren schmaler Pfosten Hinweise auf eine einfache Konstruktion ebenerdiger Bauten. In diesem Gelände, das seit dem 13. Jh. als rückwärtige Zufahrt zur Grund- 4 Treffeisen/Busch Schäfer Vedral Jenisch Jenisch/Kaltwasser/Deutscher/Ebrecht Mittelalter 23, 2018 / 3 121

16 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg stückparzelle genutzt wurde, fand bis zur beginnenden Neuzeit keine nennenswerte Bebauung statt. Somit erhielten sich die Planierschichten und Befunde des 12. bis 14. Jh. in diesem Bereich. Die frühen Befunde lassen noch keinen Bezug zur späteren Parzellierung erkennen. Diese zeichnet sich erst in der nachfolgenden Siedlungsphase deutlich ab und wird ein Kennzeichen der Strukturkontinuität des Platzes vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Ein besonders auffälliger Befund aus dieser frühen Phase der Stadtwerdung ist eine mehrphasige trichterartige Grube aus Feld- und Kieselsteinen (Abb. 3). Die nahezu kreisrunde Grube hatte einen Durchmesser von 2,6 m und war etwa 2,4 m tief. Die Grubenwand war in Trockenbauweise mit annähernd gleich grossen Feld- und Kieselsteinen ausgekleidet. Diese waren nur wenig behauen sehr sorgfältig in ein lehmiges Sandbett gesetzt. Der glockenförmig endende Boden war geschlossen. Auch die Keramik aus dieser Grube stammte ausschliesslich aus der Wende vom 12. zum 13. Jh. Weder die Konstruktionsform noch der Grubeninhalt liessen auf die Funktion dieses Bauwerks schliessen. Die Grube war durch einen frühen Bodeneingriff auf der Nordseite gestört worden. Die aus der Verfüllung dieser Störung geborgene Keramik ist ebenfalls dem 12. Jh. zuzu ordnen. 9 Geplante Anlage der Stadt Nur kurz nach der durch Gruben geprägten ersten Siedlungsphase folgt um 1200 die erste planmässige Bebauung. An das Festlegen des Strassensystems und eines einheitlichen Parzellengefüges schloss sich die erste in Steinfundamenten fassbare Wohnbebauung entlang der Schlüsselstrasse an. Die systematische Parzellierung orientierte sich in der Tiefe am Verlauf der Metzgerstrasse. In unserem Grabungsausschnitt konnten vier Hofstätten gleicher Abmessung von 16 38,5 m vollständig und zwei weitere teilweise erfasst werden. Legt man ein Fussmass von 0,32 m zugrunde, ergibt dies ein Hofstättenmass von 50 Fuss Breite und 120 Fuss Tiefe (Abb. 4). Diese grundlegende Grundstücksaufteilung schlägt sich trotz nachhaltiger Zerstörungen noch im heutigen Parzellengefüge nieder und belegt die Strukturkontinuität des Platzes vom Mittelalter bis in die Gegenwart. 10 Aufteilung der Grundstücke im späten Mittelalter Entlang der Schlüsselstrasse bildete sich schon im 13. Jh. eine geschlossene Bebauung mit unterkellerten, traufständigen Steinhäusern heraus. Der älteste Beleg ist ein um 1200 an der Schlüsselstrasse errichtetes, nicht unterkellertes Fachwerkgebäude auf steinernem Fundament. Nach der Aufteilung der Parzelle wurde westlich angrenzend ein unterkellertes Steingebäude erbaut. Dabei wurde die Wand des älteren Gebäudes unterfangen (Abb. 5). 11 Mit der Siedlungsverdichtung ging eine Aufteilung der Urparzellen in zwei bis drei schmale Grundstücke einher. Die Häuser an der Schlüsselstrasse wurden im Spätmittelalter vergrössert und durch Unterfangungen bestehender Wände mit Tiefkellern ausgestattet. Diese waren vom Hof über einen Vorkeller erschlossen. Ältere Nebengebäude integrierte man dabei zum Teil oder liess sie als eigenständige Bauten im Hof bestehen. Zur Metzgerstrasse bildete sich hingegen keine geschlossene Baulinie aus. Von der Wirtschaftsgasse aus konnten über Zufahrtslücken mit mehrlagigen Pflasterwegen die Rückseiten der Gebäude an der Marktstrasse erreicht werden. Nur so waren die Anlieferung und der Abtransport von Gütern zu den Anwesen möglich. Mehr und mehr zeichnete sich schon im 14. und 15. Jh. durch neue Parzellenmauern eine weitere Aufteilung der Grundstücke beider Strassenzüge ab. War dies zunächst Besitzoder Erbteilungen geschuldet, kam es im 16. Jh. zu einer merklichen Nachverdichtung. Dies ist offenbar als Reflex auf den durch Hochwasser bedingten Verlust von einem Drittel des Stadtgebietes um 1500 zu werten. Letztlich sind die vier ursprünglichen Hofstätten unseres Untersuchungsgebietes bis zum 17. Jh. in bis zu 16 Parzellen untergliedert worden. 12 Grabung Ölstrasse 3 9 Die Stadtmauer und der grosse Graben Die Befundlage bei der Rettungsgrabung im Jahr 2012 an der Ölstrasse unterschied sich grundlegend von der Situation im ehemaligen Stadtkern. Auf dem Gelände wurde 9 Jenisch/Kaltwasser/John Jenisch/Kaltwasser/Deutscher/Ebrecht 2016, Abb Jenisch/Kaltwasser Jenisch/Kaltwasser/Deutscher/Ebrecht Mittelalter 23, 2018 / 3

17 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg 4: Neuenburg am Rhein. Schematisierter Gesamtplan der Grabung Schlüsselstrasse mit den rekonstruierten Hofstätten der ursprünglichen Parzellierung. 5: Neuenburg am Rhein. Unterfangung der Westwand des ältesten nachgewiesenen Gebäudes mit einer Kellermauer aus der Mitte des 13. Jh. Mittelalter 23, 2018 / 3 123

18 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg nach Erhebungen im Archäologischen Stadtkataster die an dieser Stelle in Nord-Süd-Richtung verlaufende, ehemalige Stadtbefestigung vermutet. Der exakte Verlauf und die Mächtigkeit der Stadtmauer sowie das Ausmass des Grabens waren indessen noch an keiner Stelle dokumentiert worden. 13 Die mittelalterliche Stadt Neuenburg war von einer geschlossenen Wehranlage umgeben. Vermutlich wurde die Stadtmauer um 1200 errichtet, der früheste urkundliche Hinweis auf die Existenz der Wehranlage findet sich Eine ausführliche Beschreibung erfuhr sie aber erst nach ihrer Zerstörung und wahrscheinlich vollständigen Niederlegung Demnach soll die Stadtmauer von der Innenfläche her gesehen 7 m hoch und 0,9 m breit gewesen sein. Davor läge ein Graben von mehr als zwölf Fuss Tiefe (3,5 m) und 13 bis 14 m Breite. Diese überlieferten Daten konnten im Befund nicht bestätigt werden. Die Stadtmauer wurde im vermuteten Bereich, jedoch in erstaunlicher Tiefe, an mehreren Stellen über eine Länge von 70 m auf dem Gelände angetroffen. Sie verläuft in einer Distanz von ca. 7,50 m parallel zur heutigen Ölstrasse und setzt sich über die Grundstücksgrenze im Süden hinaus fort. In Teilbereichen, wo sie in die spätere Bebauung integriert war, fanden sich bereits wenig unter der Oberfläche Reste. An anderen Stellen wurde die Oberkante von Teilstücken erst in 4 m Tiefe erfasst. In einem 8,50 m breiten Teilbereich wurde versucht, die Mauer bis zur Grabensohle freizulegen. Das Vorhaben musste jedoch in 6 m Tiefe aufgegeben werden (Abb. 6). Die Tiefe des Stadtgrabens ist nicht zu ermitteln, aufgrund von Baugrunduntersuchungen muss die Grabensohle ca. 10 m unter dem mittelalterlichen Laufhorizont gelegen haben. Die Grabenbreite von 16 m lässt sich durch eine parallel ziehende Futtermauer ermitteln. Der Aushub des zu erschliessenden Grabens hatte ein Volumen von etwa m³. Nur ein Teil davon wurde zur Aufschüttung des Rondenwegs verwendet. Einen Grossteil verwendete man vermutlich zu Aufschüttung von Bauland am Rheinufer. Möglicherweise wurde damit die Grundlage zur späteren Geländeerosion bei Flutkatastrophen gelegt. Die Stadtmauer war bis in diese Tiefe gleichförmig mit einer Neigung von ca. 15 gegen die Grabenkante gesetzt, so dass bei einer Tiefe von 6 m ein Versatz von ca. 1,30 m zur Ostkante der Mauerkrone bestand (Abb. 7). Die Anlage erinnert so an die zwischen 1120 und 1140 errichtete Freiburger Stadtmauer mit ihrer charakteristischen Mauerschürze. Die Mauer war schalig aufgebaut und an der Aussenfront mit Kalksteinquadern verkleidet, die in der Vorbergzone im Raum Müllheim gebrochen wurden. In den unteren Partien wiesen Reste darauf hin, dass die Mauer verputzt war. 6: Neuenburg am Rhein. Teilstück der an der Ölstrasse erfassten mittelalterlichen Stadtmauer. 124 Mittelalter 23, 2018 / 3

19 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg 7: Neuenburg am Rhein. Schnitt durch die mittelalterliche Wehranlage. 8: Neuenburg am Rhein. Thematisch mit dem neu nachgewiesenen Verlauf der Befestigungsanlage ergänzter Ausschnitt aus der Karte Historische Topographie aus dem Archäologischen Stadtkataster. A Grabung Schlüsselstrasse/Metzgerstrasse, B Grabung Ölstrasse. Hinter der Stadtmauer ist auf der stadtzugewandten Seite ein angeschütteter Wall erkennbar (Abb. 7). Die kiesigen Schüttschichten legen nahe, dass es sich um Aushub aus dem Stadtgraben gehandelt hat. Dieser als Wehrgang dienende Wallkörper scheint ca. 8 m breit gewesen zu sein. Er wurde von der Ölstrasse begleitet. An seinem Rand wurde an einer Stelle ein wohl öffentlich zugänglicher Tiefbrunnen erfasst. Die Steine der äusseren Schale der Stadtmauer waren im 18. Jh. als leicht verfügbare Bausteine abgetragen wor- 13 Jenisch/Kaltwasser/Mäder Mittelalter 23, 2018 / 3 125

20 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg den. Über die gesamte Fläche der Mauer sind Spuren erkennbar, die auf das Entfernen der zugerichteten Kalksteine hinweisen. Nachdem die Wehranlage in dieser Phase funktionslos geworden war, lehnten sich auch Neubauten an die Stadtmauer an. Der imposante Graben wurde sukzessive mit Bauschutt verfüllt. Aufgrund der Befunde kann im Süden der mittelalterlichen Stadt ein anderer Verlauf der Wehranlage erschlossen werden (Abb. 8). Der Umbruch zum Rhein hin erfolgte erst etwa 70 m weiter südlich. Dies wurde 2017 durch ein neu entdecktes Teilstück der Stadtmauer im Anwesen Speckwinkel 3 bestätigt. Die Fläche der Stadt war demnach erheblich grösser, es ist davon auszugehen, dass im Bereich der heutigen Gleisanlage der Bahn eine weitere Strasse und ein bislang noch nicht bekanntes Stadtquartier lagen. Résumé Les fouilles de grande ampleur menées dans l ancien centre historique de Neuchâtel sur le Rhin ont considérablement élargi nos connaissances sur les débuts de la ville et sa genèse. Une implantation antérieure, attestée par des sources écrites, fut décelée entre la Schlüsselstrasse et la Metzgerstrasse. Cette implantation préurbaine remonte à la seconde moitié du XII e siècle et fournit des preuves évidentes quant à un artisanat métallurgique. Lors de la réorganisation de la ville par les Zähringen à partir de la fin du XII e siècle, le site fut largement remanié. Les grandes quantités de galets issues des déblais de la tranchée furent utilisées pour créer le talus derrière le rempart, mais aussi pour égaliser le périmètre urbain et surtout pour gagner en surface bâtissable sur les rives du Rhin. Ce n est qu après cette préparation que le système des rues et du ruisseau municipal fut établi suivant un plan. Les îlots furent découpés en parcelles uniformes. Sur la Schlüsselstrasse se trouvaient quatre parcelles adjacentes présentant les mêmes dimensions de pieds. Les premières constructions en pierre s orientaient chéneau sur rue. A la fin du Moyen Age, la ville se densifia et des rangées de maisons fermées firent leur apparition. Cela montre clairement, tout comme à Fribourg-en-Brisgau et d autres villes de fondation, qu un concept précis fut suivi durant plusieurs décennies lors de l installation de la ville neuve. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto I vasti scavi archeologici effettuati nel centro storico più antico di Neuenburg am Rhein hanno permesso di approfondire le nostre conoscenze sia sulla storia più remota ma anche sullo sviluppo storico di questa città. L insediamento preesistente, localizzabile solo attraverso le fonti scritte, si estendeva tra la vie denominate Schlüsselstrasse e Metzgerstrasse. Questo insediamento preurbano è attestato nella seconda metà del XII secolo con evidenti prove dell esistenza di un artigianato dedito alla lavorazione del metallo. A partire dal tardo XII secolo, con la nuova configurazione dell assetto urbano ad opera degli Zähringen, il terreno subì profonde modifiche. Le enormi masse di ghiaia ricavate dallo scavo del fossato furono impiegate come terrapieno posto a ridosso della cinta muraria urbana e utilizzate anche per livellare eventuali avvallamenti del terreno, ma soprattutto per aumentare la superficie edificabile lungo la riva del Reno. Solo dopo questi preparativi ebbe inizio la vera e propria pianificazione della rete stradale e l allestimento di un sistema di corsi d acqua. Gli isolati erano distribuiti su lotti di egual forma e misura. Presso la Schlüsselstrasse sono stati riscontrati quattro lotti contigui che presentavano misure identiche, ovvero di piedi cadauno. La gronda degli edifici in pietra più antichi si orientava a seconda del tracciato della strada. Nel tardo Medioevo iniziò a manifestarsi sempre più un addensamento edilizio che portò alla formazione di complessi residenziali chiusi. Questo fenomeno, osservato anche a Freiburg im Breisgau ed in altre città, dimostra che, almeno per alcuni decenni, la fondazione di un nuovo insediamento urbano aveva alla base un determinato modello di pianificazione. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun Las vastas exchavaziuns en l anteriura citad veglia da Neuenburg dasper il Rain han schlargià considerablamain nossa savida davart l istorgia tempriva da la citad e da sia genesa. Ins ha registrà l abitadi precedent reconstruibel mo a maun da funtaunas scrittas tranter la Schlüsselstrasse e la Metzgerstrasse. Quest abitadi preurban pon ins documentar a partir da la mesadad dal 12avel tschientaner ed ins ha chattà cumprovas per l artisanadi cun metal. Cura ch ils Zähringers han construì la nova citad a partir dal 12avel tschientaner tardiv, è il terren vegnì transfurmà considerablamain. Las grondas massas da glera dal stgav dal foss han ins utilisà per eriger il rempar davos il mir, però era per applanir foppas en il territori da la citad e cunzunt per recuperar surfatscha da terren abità a la riva dal Rain. Pir suenter questa preparaziun han ins concepì in sistem da vias e d aual da la citad tenor plan. Ils blocs da construcziun han ins parcellà en curts unifurmas. En la Schlüsselstrasse han ins chattà quatter parcellas vischinas cun las mesiras identicas da pes. Ils stellaschains da las construcziuns da crap temprivas èn drizzads cunter la via. Durant il temp medieval tardiv è l abitadi sa densifitgà ed ins ha construì lingias da chasas serradas. Quai mussa ch ins ha suandà plirs decennis a la lunga in cler concept areguard la construcziun da la nova citad, sumegliantamain sco a Freiburg im Breisgau ed en autras citads fundaturas. Lia Rumantscha (Cuira/Chur) 126 Mittelalter 23, 2018 / 3

21 Bertram Jenisch Aktuelle Ausgrabungsbefunde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg Abbildungsnachweise 1: Landesamt für Denkmalpflege, Otto Braasch 2: Hans-Jürgen van Akkeren 3, 4, 5, 6, 7, 8: Landesamt für Denkmalpflege, Dienstsitz Freiburg Adresse des Autors Dr. Bertram Jenisch Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart Ref. 84.2, Fachbereich Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit Literatur Huggle 1876 Fidelis Huggle, Geschichte der Stadt Neuenburg am Rhein (Freiburg 1876). Bertram Jenisch 2004 Bertram Jenisch, Neuenburg am Rhein. Archäologischer Stadtkataster 37 (Esslingen 2004). Jenisch/Kaltwasser/Mäder 2013 Bertram Jenisch/Stephan Kaltwasser/Stefan Mäder, Neuenburg am Rhein eine Zähringerstadt unter zwei Metern Schutt. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2012 (Stuttgart 2013) Jenisch/Kaltwasser 2014 Bertram Jenisch/Stephan Kaltwasser, Archäologie im Herzen der Zähringerstadt Neuenburg. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2013 (Stuttgart 2014) Jenisch/Kaltwasser/Deutscher/Ebrecht 2016 Bertram Jenisch/ Stephan Kaltwasser/Lisa Deutscher/Daniel Ebrecht, Drei Jahre Grabungen im mittelalterlichen Stadtkern von Neuenburg. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2015 (Darmstadt 2016) Schäfer 1963 Konstantin Schäfer, Die Geschichte einer preisgegebenen Stadt (Freiburg 1963). Treffeisen 1991 Jürgen Treffeisen, Die Breisgaukleinstädte Neuenburg, Kenzingen und Endingen in ihren Beziehungen zu Klöstern, Orden und kirchlichen Institutionen während des Mittelalters. Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte 36 (Freiburg/München 1991). Treffeisen/Busch 2014 Jürgen Treffeisen/Jörg W. Busch, Die Urkunden der Stadt Neuenburg am Rhein (Neuenburg am Rhein 2014). Vedral 1993 Bernd Vedral, Beobachtungen zur mittelalterlichen Stadttopographie in Neuenburg am Rhein. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1992 (Stuttgart 1993) Weber 1969 Max Weber, Das Tennenbacher Güterbuch Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A 19, 1969, 51. Jenisch/Kaltwasser/John 2015 Bertram Jenisch/Stephan Kaltwasser/Esther John, Befunde zu den Anfängen Neuenburgs. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2014 (Stuttgart 2015) Mittelalter 23, 2018 / 3 127

22 «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte von Armand Baeriswyl 1: Der zähringische Gründungsplan als Schema-Darstellung von Paul Hofer. Eine Seite aus dem Manuskript «Studie Bern» von 1977, das 1980 gedruckt wurde. Einleitung «Zähringerstadt» ein klingender Begriff! Zum einen schmücken sich heute zwölf Städte in Baden-Württemberg und in der Schweiz mit diesem Titel und evozieren damit eine ruhmreiche Vergangenheit. Es sind Bern, Bräunlingen, Burgdorf, Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland, Murten, Neuenburg am Rhein, Rheinfelden, St. Peter im Schwarzwald, Thun, Villingen-Schwenningen und Weilheim an der Teck. 1 Zum anderen verbinden viele Menschen diesen Begriff mit einem bestimmten Typus von mittelalterlicher Stadt, von den Zähringern gegründet und auf einem gemeinsamen Plan errichtet. Aus den Schriftquellen wissen wir, dass diese Städte einst tatsächlich für eine kürzere oder längere Zeit im Besitz der Zähringer waren. Aber: Haben sie alle diese Städte auch gegründet? Und: Was heisst das für ihre Entstehung, ihre Form oder ihre Geschichte? Gibt es die «Zähringerstadt» als städtebaulichen Typus? Als Gründungsstadt bezeichnet die Forschung eine Stadt, die durch einen Entscheid einer Person der geistlichen oder weltlichen Oberschicht neu entstanden ist. 2 Zur Gründung gehört in der Vorstellung der Forschung immer auch eine Stadtplanung eine gegründete Stadt gilt also auch als eine vom Gründer geplante Stadt. Als 128 Mittelalter 23, 2018 / 3

23 Armand Baeriswyl «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte noch ablesbar seien. Für seine Analysen stützte er sich vor allem auf den ältesten erhaltenen Katasterplan aus dem 18. Jh. und auf einen von ihm erarbeiteten Grundriss aller bestehenden historischen Keller. 6 Seine Ideen fussen auf der damaligen Forschungsannahme, der Grundriss einer Stadt sei eine wichtige historische Quelle und zwar eine, die den mittelalterlichen Zustand dieser Stadt spiegele. Die stadtarchäologische Forschung der letzten Jahrzehnte in Zähringerstädten, aber auch in anderen städtischen Siedlungen des Alten Reiches haben zur Einsicht geführt, dass diese Annahme so nicht haltbar ist, im Gegenteil. Es zeigt sich immer wieder, dass zwischen dem Entstehen der Stadt, habe sie römische Wurzeln oder sei sie im Zug der hochmittelalterlichen Stadtentstehungswelle entstanden, und dem baulichen Zustand der Stadt an der Schwelle der Moderne so viele Veränderungen stattgefunden haben können, dass im Normalfall ohne 2: Rekonstruktion der Stadt Freiburg i. Br. im mittleren 12. Jh. In Grün die präurbanen Siedlungen und frühe Stadt aus der Zeit um 1090; die Ummauerung der ab 1120 entstehenden Stadt mit den primär aufgesiedelten Bereichen in Rot. typische Vertreter dieser Art von Städten im Mittelalter gelten die Städte der Herzöge von Zähringen, und Freiburg im Breisgau war eine der ersten Städte dieses um 1100 neuartigen Typs. 3 Die Erforschung des zähringischen Städtebaus ist bis heute mit dem Namen Paul Hofer verbunden. 4 Er hat die Idee eines «zähringischen Gründungsplans» entwickelt, von dem er annahm, die Herzöge hätten diesen bei allen Stadtgründungen mehr oder weniger konsequent umgesetzt (Abb. 1). 5 Seine wesentlichen Merkmale seien gemäss Hofer die Rechteckfigur des Stadtgrundrisses, das Gassenkreuz, der breite Gassenmarkt, ein Hofstättenraster und geschlossene Häuserzeilen. Diese Merkmale zeigte Paul Hofer gerne am Beispiel der Stadt Bern, das er als Hauptwerk zähringischen Städtebaus betrachtete. Wichtigste Quelle für seine Hypothesen war der vormoderne Stadtgrundriss, an dem seiner Meinung nach die gründungszeitlichen Elemente immer 1 Dieser Aufsatz ist eine gekürzte und überarbeitete Version von: Armand Baeriswyl, Zähringerstädte. Ein städtebaulicher Mythos unter der Lupe der Archäologie. In: Jürgen Dendorfer/Heinz Krieg/R. Johanna Regnath (Hrsg.), Die Zähringer. Rang und Herrschaft um Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br. 85 (Ostfildern 2018) Armand Baeriswyl/Adriano Boschetti, Städte. In: Archäologie der Zeit von 800 bis 1350, hrsg. von Archäologie Schweiz. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum Mittelalter VII (Basel 2014) Theodor Mayer, Der Staat der Herzoge von Zähringen. Freiburger Universitätsreden 20 (Freiburg 1935); Thomas Zotz, Das Zähringerhaus unter Kaiser Heinrich V. und die Freiburger Marktgründung In: Hermann Schäfer (Hrsg.), Geschichte in Verantwortung. Festschrift Hugo Ott (Frankfurt/New York 1996) 25 52; Armand Baeriswyl, Stadt, Vorstadt und Stadterweiterung im Mittelalter. Archäologische und historische Studien zum Wachstum der drei Zähringerstädte Burgdorf, Bern und Freiburg im Breisgau. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 30 (Basel 2003) Paul Hofer, Strukturanalysen zu Anlage und Entwicklung des Berner Stadtkerns. In: Heinrich Helfenstein/Christina Reble, Paul Hofer an der Architekturschule. In der historischen Stadt das produktiv Lebendige, in der gegenwärtigen das Fortwirken des Vorausgegangenen, Katalog der Ausstellung «Geschichte Stadt Entwurf» in der ETH Zürich (Zürich 1980) Berent Schwineköper, Die Problematik von Begriffen wie Stauferstädte, Zähringerstädte und ähnliche Bezeichnungen. In: Erich Maschke/Jürgen Sydow (Hrsg.), Südwestdeutsche Städte im Zeitalter der Staufer. Stadt in der Geschichte 6 (Sigmaringen 1980) Paul Hofer/Beat Gassner/Janine Mathez u.a., Der Kellerplan der Berner Altstadt, Aufnahme eines Stadtplans auf Kellerniveau. Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 44 (1982) Mittelalter 23, 2018 / 3 129

24 Armand Baeriswyl «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte 3: Rekonstruktion der Region Bern um 1200 mit archäologisch oder urkundlich nachweisbar bestehenden Siedlungen (Kirchen, Gräber, curtes, Burgen); Wegnetz hypothetisch. archäologische Hilfsmittel nicht zuverlässig feststellbar ist, welche der heute noch bestehenden Strukturen wie alt sind und was sie bedeuten. Es gibt viele Beispiele dafür, wie stark sich im 12./13. Jh. neu gegründete Städte im Laufe der Zeit deutlich verändern konnten, wie stark ältere Strukturen unter Umständen so sehr von jüngeren überlagert wurden, dass sie vollständig aus dem Stadtgrundriss verschwanden oder ihre Spuren erst nach einer archäologischen Wiederentdeckung richtig verstanden werden können. Die Zähringer als Stadtgründer? Entstanden Zähringerstädte tatsächlich, wie von der Forschung angenommen, auf der berühmten «grünen Wiese», sind es also Gründungen, oder wuchsen sie aus älteren bestehenden Siedlungen? Die Antwort, um es gleich vorwegzunehmen, fällt zwiespältig aus. So entstand Freiburg im Breisgau im späten 11. Jh. als Siedlung von frühstädtischem Charakter, die bereits Planungselemente enthielt und in der ersten Hälfte des 12. Jh. ummauert wurde (Abb. 2). 7 Alle Versuche, ältere Siedlungsstrukturen auf dem Stadtareal zu finden, waren bislang vergebens. Aber: Freiburg i. Br. wurde keineswegs im Niemandsland gegründet. Archäologische Befunde belegen, dass die Siedlung neben und in Bezug zu bestehenden hochmittelalterlichen Siedlungen entstand. Ähnliches gilt für Bern, das gemäss archäologischer Erkenntnisse um 1200 auf einer Aarehalbinsel entstand, über die zuvor keine Strasse verlief und auf der keine Spuren älterer Besiedlung nachweisbar sind. 8 Aber: Bern wurde keines- 130 Mittelalter 23, 2018 / 3

25 Armand Baeriswyl «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte 4: Rekonstruktion der Stadt Burgdorf um 1200 mit bestehender Besiedlung (1, 2 und 4) und Gründungsstadt (3). wegs im wilden Eichenwald gegründet. Die Stadt entstand in einer dicht besiedelten Region und wurde als zusätzliches Element zwischen mehreren weniger als eine Wegstunde entfernten Siedlungen platziert (Abb. 3). Bei Burgdorf gehen die archäologischen Erkenntnisse von einer Stadtentstehung um 1200 aus. 9 Auf dem Areal der Stadt fanden sich bislang keine Reste älterer Besiedlung. Aber auch Burgdorf wurde keinesfalls auf der grünen Wiese gegründet, sondern unmittelbar neben der seit dem späten 11. Jh. fassbaren Burg mit Burgsiedlung platziert (Abb. 4). Anders in Villingen: Die Stadt entstand unter Einbezug eines zähringischen Herrenhofes im Lauf des 12. Jh. 10 Doch Villingen ist nicht einfach gewachsen. Die archäologischen Erkenntnisse lassen im Gegenteil zwei zeitlich klar umrissene Etappen erkennen. Um die Mitte des 12. Jh. entstanden ein planvoller Gassenraster und das Stadtbachnetz, an dem sich die später errichteten Gebäude im gesamten Stadtgebiet orientierten. Eine zweite Etappe ist der Bau der Stadtummauerung in einem Guss um Freiburg im Üchtland ist noch einmal anders (Abb. 5). Bei der zwischen 1152 und 1178 entstandenen Stadt fehlen alle älteren archäologischen Spuren nicht nur auf dem Stadtareal. Im Umkreis von mehreren Kilometern gibt es keine Verkehrswege, Burgen, Kirchen oder andere Siedlungen, an die die Stadt hätte anknüpfen können. 11 Sie ist offenbar tatsächlich eine Neugründung. Bei 7 Baeriswyl 2003 (wie Anm. 3) Baeriswyl 2003 (wie Anm. 3) Baeriswyl 2003 (wie Anm. 3) Bertram Jenisch, Die Entstehung der Stadt Villingen. Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 22 (Stuttgart 1999). 11 Gilles Bourgarel, Fribourg, Le Bourg de fondation sous la loupe des archéologues. Freiburger Archäologie 13 (Freiburg/Ü. 1998). Mittelalter 23, 2018 / 3 131

26 Armand Baeriswyl «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte 5: Plan der Stadt Freiburg im Üchtland mit archäologisch nachgewiesenen Resten des 12. Jh. anderen «Zähringerstädten» ist die Gründung durch die Herzöge gar generell in Frage zu stellen, so etwa bei Murten 12 und Moudon 13. Die Zähringer als Stadtplaner? Zur Frage einer zähringischen Stadtplanung fällt die Antwort der Archäologen eindeutig aus. Ausgrabungen in Städten in ganz Mitteleuropa haben zwar gezeigt, dass Stadtplanung im archäologischen Befund durchaus feststellbar ist. 14 Allerdings lassen sich diese Befunde weder auf bestimmte Dynastien noch auf Stadtgründungen beschränken, sondern sie sind in vielen Städten ganz unterschiedlicher Herrschaften feststellbar, ebenso in Stadterweiterungen, welche als geplante neue Strukturen zur beabsichtigten Vergrösserung einer Stadt angelegt wurden. 15 Damit ist inzwischen klar: Es gibt keine «Zähringerstädte» als Stadttypus, weil es keine spezifisch zähringische Stadtplanung gab. Mittelalterliche Stadtplanung hing nicht vom Stadtgründer ab, sondern folgte anderen Gesetzmässigkeiten. So ist der Grundriss einer Stadt immer sehr stark von der Topografie beeinflusst. Darüber hinaus ist oft ein Bemühen um Regularität spürbar. In der Regel definierten die Stadtmauern und Gassen als erste Baumassnahmen die Gestalt der Gründungsstadt. Dabei dominierten bis zum mittleren 13. Jh. mehr oder weniger halbrunde, rundliche oder ovaloide Formen, ab 1250 tendierte man oft zu Vierecken und Quadraten. Diese Grundformen sind allerdings immer mehr oder weniger stark verzogen, nicht nur durch den genannten Einfluss der Topografie, sondern oft auch durch die Anpassung an bestehende Siedlungsstrukturen, Verkehrswege, Burgen, Kirchen oder Klöster. 132 Mittelalter 23, 2018 / 3

27 Armand Baeriswyl «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte Ebenfalls zur Regularität trägt das Gassenraster bei. Oft verlaufen die Gassen parallel zu den Stadtmauern oder zur Hauptgasse. Diese Raster finden sich in frühen Städten genauso wie in den späten Gründungen. Wieder können aber Anpassungen an die Topografie und allenfalls bestehende präurbane Siedlungsstrukturen zu mehr oder weniger starkem Verzug führen, denn man gewinnt immer wieder den Eindruck, dass versucht wurde, Bestehendes so weit als möglich zu berücksichtigen und einzubeziehen oder auch darum herum zu planen. Ungeklärt ist bis heute, warum die meisten Gründungsstädte im Südwesten des Alten Reiches ursprünglich keine Stadtplätze aufwiesen, sondern eine mehr oder weniger dominierende zentrale Hauptgasse. In anderen Regionen des Reiches dominierten von Anfang an zentrale, meist rechteckige Stadtplätze den Kern der Gründungsstadt. Zur Frage der Parzellierungen fehlen immer noch viele Antworten. Grundsätzlich muss man sich von der Idee lösen, bei einer Stadtgründung seien alle Parzellen von Anfang an durchgängig abgesteckt worden, es ist im Gegenteil von einer «abschnittsweisen» Planung nach Bedarf auszugehen. 16 Aber es scheint inzwischen ebenfalls klar, dass vor der Bebauung eines Quartiers die jeweilige Parzellierung stand. Ebenso scheint es zwar Vorstellungen von einheitlichen Parzellenbreiten gegeben zu haben, da diese Breiten aber bis zu plus/minus 20 % schwanken, erscheint es fraglich, wie genau ausgemessen wurde. Vielerorts bildete sich die Parzellierung des 12. und 13. Jh. in Form von grossen ummauerten bzw. umzäunten Grundstücken mit Einzelbauten und einem Hofareal ab. In diesen Fällen verdichtete sich die Bebauung erst im Lauf der Zeit durch Grundstücksteilungen, Aufstockungen und Hofüberbauungen bis hin zu geschlossenen Zeilen mit schmalen, langgestreckten Häusern. Anderswo sind bereits im 12. Jh. geschlossene Häuserzeilen zu beobachten. Fazit: Es gibt von den Zähringern gegründete Städte, aber es gibt keine «Zähringerstädte» Kehren wir zum Schluss zu den «Zähringerstädten» und ihren angeblich spezifisch zähringischen Merkmalen zurück. Die Stadtarchäologie hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass weder die Rechteckfigur des Stadtgrundrisses, das Gassenkreuz, der Gassenmarkt, das Hofstätten- raster noch die geschlossenen Häuserzeilen typisch für zähringische Gründungsstädte sind. Der städtebauliche Mythos ist und bleibt eine falsche Vereinfachung, die Wirklichkeit war viel komplexer, vielfältiger und von Faktoren abhängig, die wir kaum kennen. Denn es ist bis heute weitgehend unbekannt, wer oder was neben der Topografie und bestehenden präurbanen Strukturen den Grundriss und den Aufriss der jeweiligen Stadt bestimmte. Die Stadtgründer hatten zweifellos viele Städte gesehen, so kannte Herzog Bertold IV. nicht nur die grossen Bischofsstädte an Rhein und Maas, sondern auch viele Städte Italiens. Das hatte sicherlich einen wesentlichen Einfluss auf die zähringische Städtepolitik, aber ob und wieweit die Herzöge persönlich auf konkrete planerische und bauliche Aspekte einwirkten, ist unbekannt. Wahrscheinlicher ist, dass für diese Belange die lokalen Vertreter des Stadtgründers, Ministerialen etwa, wie sie manchmal schlaglichtartig in Urkunden erkennbar werden, zuständig waren. Vielleicht noch wichtiger waren die tatsächlichen Erbauer, nennen wir sie Architekten oder Werkmeister, und ihre Bauhütten. Über sie wissen wir aber fast nichts, und hier kann die Archäologie auch nur sehr wenig beitragen. 12 Hermann Schöpfer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Freiburg, Land 5: Der Seebezirk II. Die Kunstdenkmäler der Schweiz 95 (Basel 2000) Monique Fontannaz, Les monuments d art et d histoire du canton de Vaud 6: La ville de Moudon. Die Kunstdenkmäler der Schweiz 107 (Basel 2006). 14 Matthias Untermann, Strassen, Areae, Stadtmauern, Mittelalterliche Stadtplanung im Licht der Archäologie. In: Bruno Fritzsche/ Hans-Jörg Gilomen/Martina Stercken (Hrsg.), Städteplanung Planungsstädte (Zürich 2006) Armand Baeriswyl, Die geplante Stadterweiterung, Befunde und Hypothesen an einigen Beispielen. In: Die vermessene Stadt, Mittelalterliche Stadtplanung zwischen Mythos und Befund. Mitteilungsblatt der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit 15 (Paderborn 2004) Matthias Untermann, Planstadt, Gründungsstadt, Parzelle, Archäologische Forschung im Spannungsfeld von Urbanistik und Geschichte In: Die vermessene Stadt 2004 (wie Anm. 15) Mittelalter 23, 2018 / 3 133

28 Armand Baeriswyl «Zähringerstädte» Ein Mythos der Stadtgeschichte Résumé Le terme de «cité des Zähringen» est aujourd hui encore, pour une large partie du public, synonyme d une ville médiévale fondée ex nihilo par les ducs de Zähringen selon un plan qui leur est propre. Cette hypothèse fut développée au XX e siècle, principalement par l historien de l architecture bernois Paul Hofer. Des fouilles archéologiques menées dans ces villes et dans d autres au cours des dernières décennies ont montré que ces conceptions sont désormais dépassées. D une part, de nombreuses villes, qu il s agisse de possessions des Zähringen ou d autres seigneurs, virent le jour dans les environs plus ou moins immédiats d implantations déjà existantes. D autre part, il devient de plus en plus évident que même si l émergence des villes médiévales était bel et bien fondée sur un concept d urbanisme, celui-ci ne dépendait pas du fondateur ou du seigneur de la ville, mais répondait à d autres critères. Ces derniers s observent en partie dans toute l Europe, mais peuvent être aussi typiques d une époque ou d une région. Enfin, il ne faut pas oublier que ce ne sont ni les Zähringen, ni d autres dynasties qui bâtirent des villes, mais essentiellement des architectes, des ingénieurs et des contremaîtres inconnus. La «cité des Zähringen» est un mythe. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto Ancora oggi l opinione pubblica considera sovente il concetto di «città degli Zähringen» come il sinonimo di una città medievale, fondata dai duchi di Zähringen su dei verdi prati, secondo un loro preciso schema. Questa ipotesi nasce nel XX secolo ad opera del bernese Paul Hofer, noto storico dell architettura. I risultati delle indagini archeologiche, effettuate negli ultimi decenni in diverse città, dimostrano invece il contrario. Da una parte sorsero città sia degli Zähringen come di altri nobili, vicino o perlomeno nelle immediate vicinanze di insediamenti preesistenti. D altro canto risulta anche sempre più chiaro che alla base di una città medievale vi era una pianificazione urbanistica, la quale però non dipendeva da un determinato fondatore o da un signore locale, bensì da altri presupposti legali. Questo fenomeno è riscontrabile pressoché in tutta l Europa, sebbene vi siano anche casi legati al fattore tempo o a peculiarità regionali. In conclusione va ricordato che né gli Zähringen né altre dinastie hanno mai eretto città, bensì persone totalmente anonime, come architetti, ingenieri o capomastri. Pertanto, «le città degli Zähringen» sono da considerare un semplice mito. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun La noziun «citad dals Zähringers» vala anc oz per blers sco sinonim per ina citad medievala construida oriundamain dals ducas da Zähringen tenor in agen plan orizontal. Questa ipotesa è vegnida sviluppada il 20avel tschientaner sut l egida da l istoricher da l architectura bernais Paul Hofer. Exchavaziuns archeologicas dals ultims decennis en questas ed en autras citads han mussà che questa idea è antiquada. Per l ina èn sa furmadas bleras citads citads dals Zähringers sco era talas en possess d auters signurs sur, gist daspera u almain en vischinanza d abitadis gia existents. Per l autra vegni pli e pli evident che citads medievalas vegnivan en mintga cas construidas tenor ina planisaziun urbana, che quella na derivava però betg dal fundatur resp. dal signur da la citad, mabain ch ella suandava autras regularitads. Quellas chatt ins per part en tut l Europa, per part èn ellas però er apparentamain tipicas per il temp e la regiun. Per finir na dastg ins betg emblidar che betg ils Zähringers u autras dinastias aristocraticas construivan citads, mabain per gronda part architects, inschigners e maisters nunenconuschents. La «citad dals Zähringers» è in mitus. Lia Rumantscha (Cuira/Chur) Abbildungsnachweise 1: Hofer 1980 (wie Anm. 4) 2: Armand Baeriswyl 3, 4: Armand Baeriswyl, Archäologischer Dienst des Kantons Bern 5: Gilles Bourgarel, Archäologischer Dienst des Kantons Freiburg Adresse des Autors PD Dr. Armand Baeriswyl Archäologischer Dienst des Kantons Bern Brünnenstrasse 66, Postfach 3001 Bern 134 Mittelalter 23, 2018 / 3

29 Die Zähringer in Zürich von Claudia Moddelmog und Andreas Motschi 1: Zürich-Lindenhof. Die Königspfalz mit dem zweigeschossigen Saal im Haupttrakt wird im 12. Jh. durch den Einbau von Türmen, das Zumauern der ebenerdigen Eingänge und das Anlegen eines Grabensystems zur Stadtburg befestigt. Links St. Peter, rechts der mutmassliche Verlauf der älteren umfassenden Stadtmauer unmittelbar nördlich des Lindenhofes. Die Zähringer und «ihre» Städte sind ein altes Forschungsthema und auch in aktuellen Geschichtsbildern von «Zähringerstädten» noch präsent. Allein die Bezeichnung suggeriert, dass die Zähringer massgeblich an der Formung dieser Städte beteiligt waren. Für Zürich lässt sich die Stadtwerdung nicht von den Zähringern her erzählen. Der «Fall» Zürich ist aber bestens geeignet, städtische Geschichte von verschiedenen Anfängen, Autoritäten und Siedlungsstrukturen her zu denken. Vorgeschichten: Siedlungsplatz, Herrschaftsund Kultort Der älteste Kern der städtischen Siedlung Zürich ist der Lindenhofhügel westlich der Limmat. 1 Schon das keltische Oppidum des 1. Jh. v. Chr. hatte zentralörtliche Funktionen. Die spätere römische Kleinstadt Turicum dehnte sich beidseits der Limmat aus. An einer überregionalen Nord-Süd-Verbindung zwischen Oberitalien und dem Hochrheingebiet gelegen, war sie ein Warenumschlagplatz mit Zollstation, der inschriftlich bezeugten statio Turicensis. In spätrömischer Zeit, um 300, wurde auf dem Lindenhofhügel zum Schutz der Bewohner ein Kastell errichtet ein wichtiger Faktor für die folgende Siedlungskontinuität. 1 Vgl. Andreas Motschi, Pfalzen und frühe Stadtentwicklung in Zürich. In: Uwe Gross et al. (Hrsg.), Frühe Pfalzen Frühe Städte. Kolloquium Ulm. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 58 (2009) Mittelalter 23, 2018 / 3 135

30 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich Die Mauer des Kastells wurde im 7./8. Jh. auf eine bestimmte Höhe abgetragen und der Innenraum zu einer ebenen Terrasse aufplaniert. Im Inneren sind mehrere Steinbauten dieser Zeit archäologisch fassbar. Im 8. Jh. wurde das ummauerte castrum/castellum vom offenen, nicht ummauerten vicus unterschieden. Zürich wurde damals Mittelpunkt von ausgedehntem Königsbesitz der Karolinger. Der Ort hatte mit Felix und Regula nicht zuletzt zwei «eigene» Heilige aufzuweisen, deren Verehrung vor allem mit dem späteren Gross- und Fraumünster verbunden war. Die Karolinger knüpften hier an, zuerst mit der Förderung des Grossmünsters. Später wurde das Fraumünster mit umfangreichem Königsgut ausgestattet und zu einer Reichsabtei erhoben, die enge personelle Beziehungen zum Herrscherhaus hatte. Die Kirche St. Peter, Pfarrkirche der Königsleute vor Ort, wurde dem Fraumünster übergeben. Als weltliches Machtzentrum wurde auf dem Lindenhof eine Königspfalz errichtet ein Monumentalbau mit Haupt- und Seitentrakt, der die älteren kleineren Steinbauten ablöste. Dieser Bau war wohl gemeint, als 873 ein Königsvasall und der Abt von St. Gallen einen Gütertausch «im königlichen Hof Zürich» (in curte regia Zurich) beurkundeten. 2 Im 10. Jh. war Zürich Markt-, Zoll- und Münzstätte und ein Residenzort der Herzöge von Schwaben, deren Verfügungsgewalt das Reichsgut und damit die Pfalz umfasste. 3 Doch beanspruchten auch die Könige den Ort weiterhin für sich. Besonders intensiv band Heinrich III. Zürich in seine Herrschaft ein, der sich in den 1040erund 1050er-Jahren oft hier aufhielt und grosse Versamm- 2: Idealisierte Darstellung der im 12. Jh. erstmals umfassend befestigten Stadt Zürich. Im gleichen Zeitraum sind ein Stadttor sowie die Bezeichnungen der rechtsufrigen Stadtteile erstmals schriftlich überliefert: 1150 Niederdorf, 1145 Neumarkt, 1161 Oberdorf. 136 Mittelalter 23, 2018 / 3

31 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich lungen mit geistlichen und weltlichen Grossen aus Italien abhielt. 4 Der Aufwertung der Zürcher Pfalz dürfte architektonisch der Neubau der königlichen Residenz auf dem Lindenhof entsprechen. Dieser jüngere Monumentalbau (Abb. 1) ähnelte seinem Vorgänger in der Anlage eines Haupt- und Seitentrakts, war mit 75 Metern aber deutlich länger. 5 Im Haupttrakt lag der grosse, zweigeschossig zu rekonstruierende Kaisersaal mit Arkadenbögen in der Mitte. Diese vermittelten wie auch die durch Vorlagen gegliederten Fassaden den Eindruck repräsentativer Eleganz. Eine nordwestlich angelehnte kleine Kapelle machte das Raumprogramm eines königlichen Palatium komplett. Zürichs hochadlige Herren und ihre Mitspieler Im späteren 11. Jh. mehrten sich in Schwaben die Königsgegner. Mehrfach umstritten war dabei gerade die Herzogswürde. Erst 1098 wurde ein Kompromiss gefunden, der tragfähig blieb. Als Herzog von Schwaben setzte sich der Staufer Friedrich durch, Schwiegersohn und Verbündeter König Heinrichs IV. Sein Rivale Bertold (von Zähringen) durfte aber weiterhin den Titel eines Herzogs führen. Ausserdem überliess ihm der König Zürich, das er damit aus dem Herzogtum Schwaben herauslöste. 6 Wahrscheinlich sollte es Bertolds Stellung als Herzog legitimieren, dass er mit Zürich auf einen Ort mit königlicher und herzoglicher Tradition zugreifen konnte. Wie Bertold seine Herrschaft in Zürich zur Geltung brachte, liegt im Dunkeln. Seine Möglichkeiten waren jedenfalls stark begrenzt: Die Vogtei über Gross- und Fraumünster lag weiterhin bei Parteigängern des Königs, den regional begüterten und gut vernetzten Grafen von Lenzburg. In Zürich bestand damit eine Pattsituation, die eine Urkunde Heinrichs V. von 1114 noch verfestigte: Der König bestätigte den Geistlichen am Grossmünster das Recht der freien Propstwahl und bestimmte, der Kirchenvogt dürfe keinen Untervogt einsetzen, was die Herrschaftsdelegation und -intensivierung der Lenzburger einschränkte. Für Recht sollten vor Ort weiterhin die Königsleute sorgen, die dem Pfalzbezirk und damit wohl dem Herzog (von Zähringen) zugehörten. 7 In der Urkunde tritt neben Herzog und Kirchenvogt das Grossmünster als gewichtiger kollektiver Akteur vor Ort hervor, der die Nähe des Königs suchte. Das gilt auch für das Fraumünster mit seiner reichen, in karolingische Zeit zurückreichende Ausstattung. 8 Wie stark die Grafen von Lenzburg als Vögte davon profitierten, ist kaum genauer zu fassen. Ihre Position in der werdenden Stadt zeigt sich aber auch in der Gründung und im Ausbau neuer Kirchen (St. Martin, Wasserkirche), die sie im Verein mit wohlhabenden Einwohnern förderten und das wohl demonstrativ feierlich in der Pfalz beurkundeten. 9 Dass sie die Pfalz über solche Rechtsakte hinaus nutzen konnten, ist unwahrscheinlich. Eher darf ihnen das um 1150 erwähnte «Haus des Grafen» (domus comitis) als Residenz zugeschrieben werden, das an der Stelle des späteren Hottingerturms unmittelbar bei der Wasserkirche lag. 10 Dazu würde eine Gräbergruppe des 11./12. Jh. im Innern der Kirche passen, wo in der Nähe des Märtyrersteins ein privilegierter, miteinander verwandter Personenkreis bestattet wurde. 11 Ungeachtet der starken lenzburgischen Präsenz galt Zürich den Zeitgenossen aber auch als zähringischer Ort. Nur so erklärt sich, warum 1146 Herzog Friedrich von Schwaben, der mächtigste Konkurrent Herzog Konrads von Zähringen, Zürich angriff und vorübergehend eine Besatzung vor Ort zurückliess Thomas Zotz, Turegum nobilissimum Sueviae oppidum. Zürich als salischer Pfalzort auf karolingischer Basis. Frühmittelalterliche Studien 36 (2002) , hier Helmut Maurer, Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonisch-salischer und staufischer Zeit (Sigmaringen 1978) Zotz 2002 (wie Anm. 2) Andreas Motschi, Palatium imperiale. Neue Befunde zur jüngeren Königspfalz auf dem Lindenhof in Zürich. Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins 16 (2011) Vgl. Karl Schmid, Zürich und der staufisch-zähringische Ausgleich In: Ders. (Hrsg.), Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Veröffentlichungen der Zähringer-Ausstellung 3 (Sigmaringen 1990) Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich 1, bearbeitet von Jakob Escher/Paul Schweizer (Zürich ) , Nr Zum Gross- und Fraumünster in dieser Zeit zuletzt Werner Gysel, Das Chorherrenstift am Grossmünster. Von den Anfängen im 9. Jahrhundert bis zur Zürcher Reformation unter Huldrych Zwingli (Zürich 2010) Urkundenbuch Zürich 1 (wie Anm. 7) 172 Nr. 285; 176 f. Nr. 292; 204 f. Nr. 326 aus den Jahren 1145, 1149, Urkundenbuch Zürich 1 (wie Anm. 7) 181 f. Nr Andreas Motschi/Elisabeth Langenegger/Dölf Wild, Die Wasserkirche als Bestattungsplatz. Stadt Zürich, Archäologie und Denkmalpflege (Zürich 2006) Vgl. Schmid 1990 (wie Anm. 6) 62. Mittelalter 23, 2018 / 3 137

32 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich 3: Zürich-Mühlegasse 5. Im mittleren 11. Jh. (Siedlungsphase 3, Plan links) entsteht ein eingeschossig gemauerter Steinbau, der bereits die Ausrichtung der spätmittelalterlichen Nachfolgebauten vorwegnimmt. Die älteste, bis heute im Untersuchungsperimeter bestehende Brandmauer stammt aus der 2. Hälfte des 12. Jh. Sie gehört zu einem Steinbau, der die östliche Parzellengrenze festsetzte (Siedlungsphase 8, Plan rechts, Nr. 345). Der Weg zur zähringischen Stadtherrschaft Nach dem Tod des letzten Grafen von Lenzburg im Jahr 1173 konnte Herzog Bertold IV. eine stärkere Position in Zürich aufbauen. 13 Ausschlaggebend dafür war, dass er sich als Vogt der Zürcher Reichskirchen durchsetzte. Sein damit verbundener Versuch, die bislang vom Grossmünster betreute Leutpriesterstelle selbst zu besetzen, scheiterte aber auch am Widerstand der Einwohner. Mit mehr Erfolg konnte Bertold V. gegenüber der Fraumünsteräbtissin eine Aufsicht über deren Gütergeschäfte durchsetzen. Deren Münzrecht jedoch blieb unangetastet: Die Münzbilder verweisen seit dem späteren 11. Jh., als das Münzrecht wohl an die Äbtissin übertragen worden war, kontinuierlich auf eine geistliche Münzherrschaft. Allein die Veränderungen in Gewicht und Form (von runden zu viereckigen Pfennigen) könnten als Anpassung an die zähringischen Münzen aus Breisgauer Prägungen verstanden werden und als Versuch, in einer grösseren Region den Münztyp zu vereinheitlichen. 14 Ein Medium der Herrschaftsintensivierung war auch die Spitalgründung, die Bertold IV. oder dessen Sohn vor dem Jahr 1204 in Gang setzte. Der Herzog erwies sich damit als fürsorglicher Herr der Stadt und etablierte rechts der Limmat zugleich eine wichtige Institution neben dem Grossmünster. Denn nicht den Chorherren, sondern dem Papst unterstellte er das Spital. Wie Bertold IV. und Bertold V. ihre Position demonstrierten, lassen die Titel gut erkennen, die sich beide in ihren Zürcher Urkunden zulegten nannte sich Bertold IV. «nur» Herzog und Rektor von Burgund, 1185 fügte er 138 Mittelalter 23, 2018 / 3

33 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich den Titel des Kirchenvogts hinzu. Sein Sohn Bertold V. formulierte 1187, er sei durch göttliche und kaiserliche Gnade Vogt des Ortes Zürich. Gesteigerten Anspruch versinnbildlicht auch das Reiterrelief, das in dieser Zeit am Südturm des Grossmünsters eingefügt wurde (vgl. dazu den Beitrag Jetzler in diesem Heft). In den Zürcher Urkunden Bertolds IV. und Bertolds V. wurden, wie schon zur Zeit der Grafen von Lenzburg, auch die cives, Bürger oder Einwohner, als Zeugen aufgeführt und ihre Einbeziehung in wichtige städtische Vorgänge damit anerkannt. In den dabei namentlich Genannten ist denn auch die städtische Führungsriege zu sehen, die sich nach dem Aussterben der Zähringer 1218 sehr schnell als städtischer Rat formierte: Kaufleute und Dienstleute des Frau- und Grossmünsters. Nur für einen Zürcher Bürger namens Heinrich Kistler lassen sich engere Beziehungen zu Herzog Bertold V. erweisen; die herzogliche Klientel unter den führenden Bewohnern dürfte aber grösser gewesen sein. Im Jahr 1200 ist erstmals ein Schultheiss belegt, der als Vertreter des Herzogs in der Stadt amtete. Die beiden letzten Zähringerherzöge waren auf ihrem Weg zur Herrschaft über die Stadt also durchaus erfolgreich. Die schriftlichen Quellen zeigen aber, dass viele verschiedene Akteure am Prozess der Stadtwerdung beteiligt waren und dabei eigene Autorität geltend machten. In diese Richtung deuten auch die archäologischen Befunde. Die bauliche Stadtwerdung Die bauarchäologischen Belege zum städtischen Hausbau dieser Zeit sind nicht zahlreich, legen aber nahe, dass bereits die Bebauung des 11. Jh. einer Parzelleneinteilung folgte, wobei die abgegrenzte Fläche zunächst nur teilweise bebaut wurde. Im 12. Jh. setzte die bauliche «Verdichtung» ein, die auf die geschlossenen Gassenzüge des Spätmittelalters hinführte: vollständige Überbauung der Parzellen, Schliessen der Fassadenlinien an den Gassen und rückseitig allenfalls an den Ehgräben, Ausführung als Steinbauten über mehrere Geschosse. Die Baukomplexe im Oberdorfquartier erwecken den Eindruck einer planmässigen Anlage mit vorgegebenen Baulinien, wie es für die Bauabfolge des mittleren 12. bis 14. Jh. an der Rössligasse besonders gut dokumentiert ist. 15 Für eine Parzellierung noch vor dem 12. Jh. spricht der Grabungsbefund an der Mühlegasse 5 im Niederdorf (Abb. 3). Der älteste dort nachgewiesene Steinbau wurde im mittleren 11. Jh. errichtet, 16 im mittleren 12. Jh. abgebrochen und wiederum durch Steinbauten ersetzt, die nun die Fläche der bestehenden Parzelle besser ausnützten. Zu den Repräsentationsbauten unter den Stadthäusern der Zeit um 1200 zählt der Glentnerturm an der Ecke Limmatquai/Rosengasse 17. Mit 16 Meter hohen, teilweise aus bossiertem Sandstein gemauerten Fassaden und Pyramidendach ragte der damalige, unmittelbar an der Limmat stehende Bau in imposanter Weise aus seiner Umgebung heraus. Der herrschaftliche Gestus war also nicht nur dem monumentalen Bau auf dem Lindenhof vorbehalten, der sich direkt gegenüber erhob. Besitzer des Wohnturms war 1312 ein Mitglied der Ritter- und Ratsherrenfamilie Biber(li), der noch weitere Grundstücke an der Gasse gehörten. Ein Vorfahre des Geschlechts dürfte ein Werner Biber gewesen sein, der um 1150 belegt ist, zwar nicht als Bauherr, aber als Zeuge von Beurkundungen unter den «nennenswerten» Bewohnern. 18 Weitere Hinweise auf die städtische Bebauung gibt ein Verzeichnis des Grossmünsters aus dem mittleren 12. Jh. Es listete die städtischen territoria Grundstücke auf, die Lehen des Grossmünsters waren, im Niederdorf (in inferiori villa) etwa «alle territoria vom Steinhaus des 13 Zum Folgenden Paul Kläui, Zürich und die letzten Zähringer. In: Aus Verfassungs- und Landesgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Theodor Mayer 2 (Lindau/Konstanz 1955) Michael Matzke, Siegel und Münzen der Zähringer. In: Jürgen Dendorfer/Heinz Krieg/R. Johanna Regnath (Hrsg.), Die Zähringer. Rang und Herrschaft um Veröffentlichung des Alemannischen Instituts 85 (Ostfildern 2018) , hier Jürg. E. Schneider/Jürg Hanser, Die «Glocken», das «Glätteisen» und der «Weisse Adler». Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins 65 (1992) Andreas Motschi/Werner Wild, Städtische Siedlungen Überblick zu Siedlungsentwicklung und Siedlungstopografie: Zürich, Winterthur, Weesen. In: Siedlungsbefunde und Fundkomplexe der Zeit zwischen 800 und Akten Kolloquium Frauenfeld 2010 (Basel 2011) 71 82, hier 75 f. 16 Christoph Rösch, mit einem Beitrag von Benedikt Zäch, Die Ausgrabungen an der Mühlegasse 5 in Zürich Jahre Siedlungsgeschichte im Niederdorf. Online-Publikation der Archäologie Stadt Zürich 2013, 18 ff. 17 Limmatquai 74, 76/Rosengasse 4: Jürg E. Schneider/Jürg Hanser, Der «Glentnerturm» in Zürich. Ein Beitrag zur Monumentenarchäologie in der Zürcher Altstadt. Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins 61 (1988) 50 63; Motschi/Wild 2011 (wie Anm. 15) Vgl. etwa Urkundenbuch Zürich 1 (wie Anm. 7) Nr. 292; Nr Mittelalter 23, 2018 / 3 139

34 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich 4: Zürich-Limmatquai 40/ Römergasse 3. Gemäss Dendrodatierung seiner Deckenbalken im Erdgeschoss wurde der Kernbau des Zunfthauses «Zur Zimmerleuten» im Jahr 1156 erbaut. Er entstand an der Stelle von Holzund Steinbauten des 9. bis frühen 12. Jh. Werner von Ulm in der Niederen Gasse bis ans Ufer des Flusses». 19 Die Grundstücke wurden nicht einzeln verzeichnet, sondern als benachbart und aneinandergereiht beschrieben. Markante Gebäude und Namen von einzelnen Inhabern darunter bekannte Einwohner ebenso wie Chorherren reichten für die Identifizierung. Komplementär zu den archäologischen Befunden lassen sich hier an der Parzellierung orientierte Aufsichtsrechte (und Zinsansprüche) fassen. Umgekehrt dürften die Lehensnehmer bei der später verdichteten Aufteilung und Bebauung der Grundstücke ihrerseits Gestaltungsraum beansprucht haben. Dass die Erstellung des Verzeichnisses für nötig befunden wurde, weist schliesslich darauf hin, dass der Grossmünsterprobst im Bebauungsprozess nur über einige, keineswegs jedoch über alle Parzellen Rechte geltend machen konnte. Eine wichtige Konkurrentin dürfte die Fraumünsteräbtissin gewesen sein, auch wenn ihre massierten Zinsrechte im Bereich der Stadt erst sehr viel später zu fassen sind. Gross- und Fraumünster standen auch beim Kirchenbau in Konkurrenz. Der zwischen 1100 und 1230 errichtete spätromanische Neubau des Grossmünsters unterstrich mit Quaderbauweise, Doppelturmfassade und hochwertiger Bauplastik den Anspruch des Chorherrenstiftes. Das Fraumünster zog gegen Mitte des 12. Jh. mit dem Neubau eines aufwändig gestalteten Kreuzgangs und dem Bau des Südturms nach. Auch die St. Peterkirche wurde gegen Ende des 12. Jh. neu erbaut; sie erhielt dabei den charakteristischen Chorturm. Die verschiedenen Autoritäten in der Stadt mussten aber auch als Partner agieren. Anders wäre kaum möglich gewesen, dass seit dem späteren 11. oder 12. Jh. eine die ganze Stadt umfassende Befestigungsanlage errichtet wurde (Abb. 2). Die wenigen Stellen, an denen sie gefasst werden kann, belegen einen künstlich angelegten Wall, eine darauf gesetzte Mauer und einen davor liegenden Graben wird erstmals ein Zürcher Stadttor urkundlich erwähnt. Ausserdem konnte die Ufermauer aus Bossenquadern, die am Limmatquai 82 freigelegt wurde, archäologisch ins mittlere 12. Jh. datiert werden. Sie ist damit älter als zuvor angenommen. 21 Konkrete Hinweise für das Eingreifen der Zähringer in die Planung und bauliche Entwicklung der mittelalterlichen Stadt liessen sich bisher nicht beibringen. Für das vermeintliche «zähringische Strassenkreuz» im Rennwegquartier ist inzwischen erwiesen, dass es erst Mitte des 13. Jh. entstand und der Strassenverlauf oberer Rennweg und Fortuna- sowie Kuttelgasse schlicht älteren Befestigungsgräben folgte, die dafür zugeschüttet worden waren. 22 Selbst in Hinblick auf den herrschaftlichen Monumentalbau auf dem Lindenhof fehlen ein- 140 Mittelalter 23, 2018 / 3

35 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich deutige Zeugnisse zur Bauherrschaft und genaueren Datierung. Der Baukörper des Palatium wurde im Wesentlichen erhalten, sein Erscheinungsbild aber massiv verändert. Der Einbau von wuchtigen Doppeltürmen, das Zumauern ebenerdiger Durchgänge und das Ausheben von Gräben formte aus der Palastarchitektur eine wehrhafte «Pfalzburg» (vgl. Abb. 1). 23 Die Massnahme lag im Trend der Zeit, in der feste, steinerne Türme und Burgen zum Kennzeichen der aristokratischen Position wurden. Zugleich war der Umbau geeignet, die gewandelten Herrschaftsverhältnisse in der Stadt eindrücklich zu demonstrieren. In den schriftlichen Dokumenten wird die Pfalz oder Pfalzburg? letztmalig 1172 als bestehender Bau erwähnt, als Graf Arnold von Lenzburg im «Palast des König» (in palatio regis) eine Urkunde besiegelte hält eine Urkunde des Bischofs von Konstanz fest, die Kapelle der kaiserlichen Pfalz wie auch das Castrum selbst seien gänzlich zerstört worden vor vielen Jahren schon, so dass sich niemand mehr daran erinnern könne. Die Verburgung der Pfalz den Zähringern zuzuweisen und die Abtragung der Pfalzburg bald dem Tod Bertolds V. im Jahr 1218 anzusetzen, hat aber höhere Wahrscheinlichkeit als andere Annahmen. 24 In der Zusammenschau lässt sich festhalten: Der zähringische Einfluss auf Zürich, das Mitte des 12. Jh. von Otto von Freising als «vornehmste (oder: sehr vornehme) Stadt in Schwaben» bezeichnet wurde, war mehrfach begrenzt, die Stadtherrschaft des letzten Herzogs von Zähringen blieb Episode. Die Zürcher Situation verstärkte wohl eine Konstellation oder lässt sie nur besser erkennen, die mit der Rede von «Zähringerstädten» gerade verdeckt wird. Die Stadtwerdung verwirklichte sich in der Interaktion von verschiedenen Herren und Herrinnen untereinander, mit den Dienstleuten der Herrschaft und mit anderen potentiellen Aufsteigern am Ort. 19 Urkundenbuch Zürich 1 (wie Anm. 7) 181 f. Nr Gabi Meier Mohamed, Das Franziskanerkloster in Zürich und seine baugeschichtliche Entwicklung bis zum Gerichtsgebäude. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 44 (Zürich und Egg 2014) Petra Ohnsorg, Die hochmittelalterliche Bebauung am Limmatufer. Archäologische Befunde und Funde von Zürich-Limmatquai 82. Online-Beitrag zum Bericht Stadt Zürich, Archäologie und Denkmalpflege (2010). 22 Dölf Wild, Der Rennweg, Paul Hofer und die Archäologie. Eine Diskussion um mittelalterliche Stadtplanung im Zürcher Rennwegquartier. In: Bruno Fritzsche et al. (Hrsg.), Städteplanung Planungsstädte (Zürich 2006) Emil Vogt, Der Lindenhof in Zürich. Zwölf Jahrhunderte Stadtgeschichte auf Grund der Ausgrabungen 1937/38 (Zürich 1948) Zusammengestellt bei Reinhold Kaiser, Castrum und Pfalz in Zürich: Ein Widerstreit des archäologischen Befundes und der schriftlichen Überlieferung? In: Lutz Fenske (Hrsg.), Deutsche Königspfalzen. Beiträge zu ihrer historischen und archäologischen Erforschung 4, Pfalzen Reichsgut Königshöfe (Göttingen 1996) , hier 106 f. mit Anm Mittelalter 23, 2018 / 3 141

36 Claudia Moddelmog und Andreas Motschi Die Zähringer in Zürich Résumé C est en 1098, durant la première phase du développement médiéval de la ville, que Zurich, ancien siège de ducs et de rois, fut transmise aux ducs de Zähringen. Ces derniers n y sont toutefois attestés qu à partir de 1170, lorsque s éteignit la lignée des comtes de Lenzbourg, leurs principaux rivaux dans la région. Une quelconque influence significative de leur part sur la formation de la population et le développement architectural de la ville ne peut être prouvée. Il se pourrait néanmoins qu ils soient à l origine de la conversion du palatinat monumental sur le Lindenhof en château qui fut rasé à titre symbolique probablement en 1218 à la mort de Bertold V. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto Nel 1098, agli albori dello sviluppo urbano bassomedievale di Zurigo, i duchi di Zähringen ottennero i diritti su questa città, che precedentemente aveva già funto da sede a duchi e re. Tuttavia la loro presenza è riscontrabile solo a partire dal 1170, ossia dopo l estinzione del casato dei conti di Lenzburg, loro concorrenti. Non è comunque possibile stabilire in quale misura abbiano contribuito allo sviluppo urbano e alla formazione della comunità residente. Probabilmente la trasformazione della monumentale Pfalz sul Lindenhof in un castello è riconducibile a questi duchi. Con ogni probabilità il castello venne demolito dopo la morte di Bertold V nell anno Ciò potrebbe avere un significato simbolico. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun La transmissiun da quest vegl lieu da ducas e retgs als ducas da Zähringen il 1098 croda en la fasa tempriva dal svilup da citad autmedieval da Turitg. Influenza prendan els qua però pir a partir dals onns 1170, cura ch ils conts da Lenzburg concurrents impurtants svaneschan. Ins na po betg cumprovar ch els han influenzà decisivamain la populaziun e la furmaziun architectonica da la citad. Cartaivlamain han els però procurà per la transfurmaziun da la residenza monumentala sin il Lindenhof ad in chastè ch ins ha probablamain disfatg suenter la mort da Bertold V il 1218 in act simbolic. Abbildungsnachweise 1: Stadtarchäologie Zürich/archaeolab 2: Stadtarchäologie Zürich/Oliver Lüde 3: Stadtarchäologie Zürich/ProSpect 4: Kantonsarchäologie Zürich/Marcus Moser Adresse des Autors Andreas Motschi und Claudia Moddelmog Amt für Städtebau Lindenhofstr Zürich Lia Rumantscha (Cuira/Chur) 142 Mittelalter 23, 2018 / 3

37 Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung von Peter Jezler An Kunstwerken ist von den Zähringern wenig erhalten. 1 Umso mehr sticht ein künstlerisch überregional bedeutendes Reiterrelief heraus, dessen Entstehung Adolf Reinle mit Sachkenntnis und Scharfsinn in einen Zusammenhang mit dem Zähringer Herzog Bertold IV. ( ) gebracht hat (Umschlagbild). 2 Zur Entstehung des so genannten Grossmünster-Reiters ist kein Wort überliefert, nichts zu seiner Funktion, kein Zeichen zu seiner Bedeutung. Alles was zur Entschlüsselung führen könnte, muss aus der Materialität und künstlerischen Fertigung des Steinreliefs oder aus seiner Einordnung in den kulturhistorischen Kontext gezogen werden. Diesen Deutungsansatz hat Reinle gewählt. Er sieht Bertold IV. als Auftraggeber des Reliefs und versteht den Reiter als «Pfalzsymbol» für die quasi zähringische Stadtherrschaft über Zürich. Reinle argumentierte in seinen Publikationen von 1969, 1990 und 1992 so umfassend, dass seither niemand wesentlich Neues zum Reiter beizutragen vermochte. 3 Das gilt in weiten Teilen auch für den vorliegenden Text. Überlieferungszustand des Reliefs Das Reiterrelief befindet sich am Nordturm des Zürcher Grossmünsters, etwa 21 Meter über dem Boden (Abb. 1). Aus Bildern vor der Turmsanierung von 1936 lässt sich der originale Steinquader-Versatz ablesen. Die Figur wurde zweifelsfrei für diesen Ort geplant und geschaffen. Stilistisch ist das Relief der Zeit der späten Romanik zuzuordnen. Es besteht aus drei Blöcken von Bolliger Sandstein. Gemessen an dessen üblicher Verwitterung wirkt der herausragende Erhaltungszustand des Reliefs wie ein 1 Vgl. den Katalog in: Hans Schadek/Karl Schmid (Hrsg.), Die Zähringer 2 (Sigmaringen 1986). 2 Adolf Reinle, Der Reiter am Zürcher Grossmünster. Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 26 (1969) 21 46; ders., Der romanische Reiter am Zürcher Grossmünster. In: Karl Schmid (Hrsg.): Die Zähringer 3 (Sigmaringen 1990) 3 13; ders., Hauptwerke der Schweizer Kunst: der romanische Reiter am Zürcher Grossmünster. Unsere Kunstdenkmäler 43 (1992) Als jüngste konzise Darstellung: Regine Abegg/Christine Barraud/ Karl Grunder, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Die Stadt Zürich III.1 (Bern 2007) : Lage des Reiterreliefs am Nordturm des Grossmünsters. Mittelalter 23, 2018 / 3 143

38 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 2: Reiterstandbild von Kaiser Marc Aurel, um 165/180 entstanden. Im Mittelalter als Kaiser Konstantin gedeutet vor dem Lateran, von Michelangelo ins Zentrum des neugestalteten Kapitols versetzt, heute in den Kapitolinischen Museen. Die Reitergruppe prägt die Bildgattung vom Mittelalter bis ins 19. Jh. Wunder. 4 Der Bildhauer muss eine besondere Materialwahl oder eine heute nicht mehr bekannte Methode der Steinfestigung vorgenommen haben. Die Nase des Reiters scheint mutwillig abgeschlagen oder abgeschossen, vielleicht in der Absicht, dem Werk seine Bedeutungswirksamkeit zu nehmen. Beschreibung des Zürcher Reiterbildes Weil Datierungshilfen wie Inschriften oder Holz für die Dendrochronologie fehlen, bleibt nur die Stilkritik mit sorgfältiger Objektbeschreibung für eine zeitliche Einordnung. Vier feine Konsolen tragen das Pferd mit seinem Herrn, wie wenn es sich um ein freistehendes Reiterstandbild handelt. Der gedrungene Kopf des Tieres, konvexe Nasenlinie und kurzer Hals lassen an einen Berberhengst denken und damit an ein sehr hochwertiges Reittier. Einige Vertreter der Berberrasse sind Naturtölter, was den Passgang im Relief rechtfertigt. Als leicht schwebende, besonders bequeme Gangart verhilft der Passgang dem Reiter zu angenehmem Vorankommen. Im Grossmünster-Relief hält der Hengst den Kopf gesenkt, hebt die rechte Vorderhand und erinnert damit an antike Reiterstandbilder wie jenes des Kaisers Marc Aurel (Abb. 2). Obschon in Stein gearbeitet, wirken die Nüstern weich und sam- 144 Mittelalter 23, 2018 / 3

39 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 3: Kreuzabnahme-Relief im Dom von Parma. Die Inschrift bezeichnet es als Werk Antelamis von Das Werk ist das nächstverwandte Stück zum Grossmünster-Reiter. ten. Der lange, mit Sorgfalt gekämmte Schweif fällt in eleganten Wellen. Die Darstellung des Zaumzeugs mit Riemen und Kandarre ist in allen Details nachvollziehbar. Schmuckvoll hängen Ziermedaillons (oder Glöckchen) am Brustriemen. Beim Sattel handelt es sich um einen Bocksattel mit Vorder- und Hintersteg. Mit einem Wort: Es liegt dem Künstler an einer detaillierten Wiedergabe der geschauten Eigenheiten des Reittiers. Auf den ersten Blick mag bei der Reiterfigur der verkürzte Rumpf stören, ein Eindruck, der sich jedoch aus der Untersicht mildert. Der junge Mann steht kräftig im Steigbügel. Er hält die Rechte zum Gruss ausgestreckt und führt sein Pferd mit der Linken. Der edel gestaltete Kopf trägt dichtes, gewelltes Haar, das kappenartig aufgesetzt erscheint. Er trägt einen ärmellosen Reitermantel. Sein Unterkleid zeigt am Oberarm charakteristische, wabenartige Stauchfalten und am Handgelenk eine parallel gefältelte Borte. Als einzige Attribute seiner sozialen Stellung trägt er Schwert und Sporen. Mitte der 1990er-Jahre liessen sich in Augenhöhe vom Gerüst aus keine Spuren einer einst angebrachten Kopfbedeckung erkennen. Der Reiter trug weder Hut noch Krone. Nichts deutet auf eine Heiligenfigur hin. Zu einem Georg fehlt der Drache, zu einem Mauritius ein entsprechendes Attribut. In seiner absichtsvoll gegebenen Form stellt der Künstler einen Adligen dar, der auf vornehmem Pferd von Westen kommend gen Osten reitet und seine Rechte ähnlich einer römischen Allokutionsgeste zur Ansprache erhoben hält. Stilistische Verwandtschaft: Werkstatt des Antelami von Parma Die stilistische Zuordnung des Grossmünster-Reiters ist Reinle überzeugend gelungen. Als Urheberkreis kommt kein Geringerer als der berühmte lombardische Bildhauer Antelami mit seiner Werkstatt in Frage. Die Tätigkeit oberitalienischer Bauleute und Bildhauer nördlich der Alpen ist im 12. Jh. nicht aussergewöhnlich. Das Grossmünster selbst wurde von italienischen Bauleuten geschaffen, die mit Sant Ambrogio in Mailand und San Michele in Pavia vertraut waren. Antelamis Name wird nur in zwei Inschriften, 1178 und 1196, in Parma fassbar. 5 Die für uns entscheidende findet sich auf dem Relief der Kreuzabnahme im Dom von Parma (Abb. 3): 4 Francis de Quervain/Konrad Zehnder, Der Reiter am Grossmünster. Betrachtung über seinen Erhaltungszustand. Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 39 (1982) Zum Künstler vgl. Moritz Woelk, Benedetto Antelami. Die Werke in Parma und Fidenza (Münster 1995). Mittelalter 23, 2018 / 3 145

40 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 4: Gegenüberstellung von Motiven des Zürcher Grossmünster-Reiters und Antelamis Kreuzabnahme von 1178 in Parma. Unten rechts das Königin-von-Saba-Kapitell aus der Antelami-Werkstatt, im Diözesanmuseum Parma. ANNO MILLENO CENTENO SEPTUAGENO OC- TAVO SCULPTOR PATUIT MENSE SECUNDO / AN- TELAMI DICTUS SCULPTOR FUIT HIC BENEDICTUS. Ob mit «Benedictus» Antelamis Vorname gemeint ist oder der Segen erhofft wird, bleibt zweideutig. Das verwendete Latein lässt übersetzt verschiedene Varianten zu, z.b.: «Im Februar 1178 tritt ein Bildhauer in Erscheinung / der Bildhauer genannt Antelami war hier, er sei gesegnet.» 6 Die formalen Analogien der Kreuzabnahme von Parma zum Reiterrelief in Zürich sind frappant (Abb. 4). Die Gestaltung der Hand und der Gewandfalten am ausgestreckten Arm des Grossmünster-Reiters findet sich fast identisch in der Gruppe, die in der Kreuzabnahme von Parma um Jesu Mantel würfelt. Ähnliche Ärmelgestaltung findet man allerdings auch in der Anbetung von La Charité-sur-Loire oder in Chartres. Enger wird die Beziehung Parma/Zürich, wenn man auch das kappenartige Haar oder die füllige Form der Gesichter beizieht. Vergleichbare Zierscheiben am Brustriemen des Pferdes zeigt das Königin-von-Saba-Kapitell in Parma (vgl. Abb. 4). Antelamis Stil hat sich zwischen den beiden überlieferten Daten 1178 und 1196 deutlich entwickelt und wird sich in weiteren zugeschriebenen Arbeiten noch stärker von der frühen Kreuzabnahme entfernen. Nichts spricht dagegen, den Zürcher Grossmünster-Reiter in die Nähe des Kreuzabnahme-Reliefs von 1178 zu rücken. Eine Entstehung in den Jahren um 1180 ist plausibel. Der Grossmünster-Reiter in der Tradition des Reiterstandbildes Von der Antike bis ins 19. Jh. bleibt das Reiterstandbild neben dem Thronbild die Herrschaftsdarstellung schlechthin. Aus der Antike hat sich nur das bronzene, vergoldete Reiterstandbild von Kaiser Marc Aurel vollständig erhalten (um 165/180, vgl. Abb. 2). Sein Überleben im Mittelalter verdankte es der mittelalterlichen Aufstellung vor der Lateranskirche und der irrtümlichen Identifikation als Reiterbild von Konstantin dem Grossen. Als erster christlicher Kaiser ( ) wurde Konstantin als Heiliger verehrt. Sein Standbild zu zerstören wäre einem Sakrileg gleichgekommen. Wer auch immer sich nach Rom begab, ob auf einer Pilgerfahrt 146 Mittelalter 23, 2018 / 3

41 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 5: Bronze-Statuette von Karl dem Grossen, um 800, Louvre. Karl orientiert sich direkt an den antiken Werken wie dem Reiterstandbild von Marc Aurel (Abb. 2). oder einem Romzug zur Kaiserkrönung, muss die Statue wahrgenommen haben. Sie wurde seit dem frühen Mittelalter zum Vorbild aller künftigen Reiterstandbilder. Als Karl der Grosse Aachen zum neuen Rom machen wollte, schmückte er seine Pfalz analog zum Lateran. Er liess die Bronzefigur des reitenden Theoderich aus Ravenna nach Aachen überführen. Sein eigenes Reiterbild ist in starker Anlehnung an jenes von Marc Aurel als Kleinstatuette im Louvre erhalten (Abb. 5). Wie Karl der Grosse verschaffte sich auch die Stadt Pavia in Ravenna eine spätantike Reiterstatue, die als Regisole, Sonnenkönig, in die Geschichte einging (vgl. Abb. 7). Unter den mittelalterlichen Figuren im Römisch-Deutschen Reich überlebte der Grossmünster-Reiter (um 1180) als frühestes Beispiel. Berühmt sind der Bamberger Reiter (um 1230) und der Magdeburger Reiter (um 1240). Während in Bamberg und Magdeburg eine Identifizierung der Figuren unsicher bleibt, bestehen am Broletto in Mailand aufgrund der Inschrift keine Zweifel (Abb. 6) 7 : «Anno Domini An den Podestà von Mailand, Oldrado di Tresseno. Wenn du durch den königlichen Portikus des grossen Palastes gehst, wirst du dich immer an die Verdienste des Podestà erinnern. Oldrado, Bürger von Lodi, Verteidiger des Glaubens und des Schwertes, der den Palast erbaute und, wie er musste, die Katharer verbrannte.» Der Regisole von Pavia Als mögliches direktes ikonografisches Urbild zum Grossmünster-Reiter führt Reinle besagten Regisole von Pavia an (Abb. 7). 8 Über das Schicksal dieser Bronzefigur sind wir gut unterrichtet. Sie zeigt beispielhaft, welche Symbolmacht sich in einem Reiterstandbild verdichten kann. Wie oben erwähnt, wurde dieses spätantike Werk aus Ravenna nach Pavia überführt und zunächst im Vorhof und Gerichtsort des Königspalastes aufgestellt, möglicherweise um anzuzeigen, dass nun Pavia der Krönungsort in Oberitalien war. Irgendwann zwischen der Zerstörung des Königspalastes 1024 und dem Beginn des 12. Jh. versetzte man den Regisole vor den Dom. Benzo di Alessandria schreibt 1335 in seinem Chronicon: «Pferd und Reiter aus Erz gegossen und vergoldet, vom Volk Regisolium genannt, auf einer Ziegelsteinsäule vor der Kathedrale aufgestellt. Der Reiter hält mit der einen Hand die Zügel, die andere streckt er aus. Dem einen abgehobenen Fuss des Pferdes dient ein Hündchen als Stütze. Die Einwohner der Stadt halten das Bild für ein decus civitatis» 9, eine Auszeichnung der Stadt entführten die Mailänder den Regisole als Kriegstrophäe und schlugen ihn in Stücke. Den Pavesen gelang zwanzig Jahre später die Rückführung der Fragmente. Wieder zusammengefügt und vergoldet, stellten sie das Standbild vor dem Dom auf. Hier wird deutlich: Im Sinne eines Palladiums, 6 Matthias Müller, Der Künstler betritt das Stifterbild Normen der Auftraggeber- und Künstlerpräsentation in religiösen Bildwerken des hohen und späten Mittelalters ( ). In: Doris Ruhe/ Karl-Heinz Spiess, Prozesse der Normbildung und Normveränderung im mittelalterlichen Europa (Stuttgart 2000), 27 53, hier Reinle 1969 (wie Anm. 2) Reinle 1969 (wie Anm. 2) Zitiert nach Reinle 1969 (wie Anm. 2) 32. Mittelalter 23, 2018 / 3 147

42 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 6: Denkmal des Podestà Oldrado di Tresseno am Broletto in Mailand, 1233 datiert. d.h. als Unterpfand für die Wohlfahrt der Kommune, hatte das Bildwerk für die Stadt identitätsstiftende Bedeutung. Es wurde als Wahrzeichen durch Jahrhunderte in Quellen und Beschreibungen gewürdigt, unter anderen auch von Leonardo. 10 Die Figur überlebte, bis sie 1796 im Zug der Französischen Revolution als nunmehr ungeliebtes Herrschaftszeichen zerstört wurde. Die revolutionäre Stimmung gegen das Bild hielt sich nicht lange und 1832 wurden illustrierte Erinnerungsblätter gedruckt (Abb. 8) beauftragte die Stadt den Bildhauer Francesco Messina mit der Erstellung jener Replik, die heute auf dem Domplatz steht. Der Grossmünster-Reiter als Monument der Zähringer Für die zähringische Urheberschaft des Grossmünster-Reiters sprechen mehrere Gründe. Im staufischen Ausgleich von 1098 hatten die Zähringer die Reichsrechte über Zürich erlangt kam nach dem Aussterben der Lenzburger auch die Reichsvogtei über das Gross- und Fraumünster hinzu. Die Zähringer nahmen somit zwischen 1173 und ihrem Aussterben 1218 eine quasi stadtherrliche Position ein. Sie festigten ihre Macht mit dem Ausbau der Lindenhof-Pfalz zu einer Burg mit Bergfried. Wie wir gesehen haben, fällt mit seiner stilistischen Einordnung um 1180 auch der Grossmünster-Reiter in diese Zeit. Dass der damals herrschende Bertold IV. von Zähringen ( 1186) als Urheber in Betracht fällt, führt Reinle mit folgenden Überlegungen aus: Im Dienst von Friedrich I. Barbarossa durchreist Bertold IV. Oberitalien mehrfach, 1155 und 1158 anlässlich der lombardischen Königskrönung in Pavia und Monza, 1159 als kaiserlicher Bannerträger gegen die Mailänder, 1160 als Teilnehmer an der 148 Mittelalter 23, 2018 / 3

43 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung 7: Ausschnitt aus: Opicinus de Canistris: Zeichnung der Domfassade von Pavia mit dem spätantiken Reiterstandbild Regisole im Vordergrund, zwischen 1335 und 1354, Vaticana Pal. lat v. Bertold IV. von Zähringen hat den Regisole bei seinen mindestens drei Besuchen in Pavia gesehen. Er diente ihm wohl als Vorbild für den Grossmünster-Reiter. Synode von Pavia und 1166 auf dem Romzug mit Rückkehr über Pavia. «In Pavia», schreibt Reinle, «weilte er mindestens dreimal. Vor dem Dom von Pavia, in welchem er der Synode beiwohnte, stand auf hoher Säule das Reiterbild des Regisole. Es ist unmöglich, dass er es nicht zur Kenntnis genommen hat.» 11 Vor einer Deutung des Zürcher Reiterbildes als Abbild von Bertold IV. hütet sich Reinle, denn dazu fehlt dem Reiter ein entsprechendes Attribut. Weder trägt er eine Herzogskrone, noch führt er eine Lanze mit Standarte wie auf den zeitnahen zähringischen Siegeln. Am plausibelsten bleibt die Interpretation als ein Zeichen weltlicher Herrschaft. Dafür spricht auch, dass der Nordturm des Grossmünsters nicht unter der Hoheit des Stiftes, 8: Erinnerungsblatt an den 1796 zerstörten Regisole von Padua, sondern jener der Stadt stand, wie es aus der Läutordnung im Zürcher Richtebrief von 1304 und der städtischen Baulast hervorgeht. Mit seiner Lage am Stadtturm über der Reichsstrasse und über dem Hauptportal auf der Nordseite des Kirchenschiffs konnte das Relief auf den Stadtherrn verweisen und seinen Hoheitsanspruch über 10 Codex Atlanticus, vgl. Jean-Pierre Isbouts/Christopher Heath Brown, Young Leonardo. The Evolution of a revolutionary Artist, (New York 2017) Reinle 1969 (wie Anm. 2) 39. Mittelalter 23, 2018 / 3 149

44 Peter Jezler Das Reiterrelief am Zürcher Grossmünster Ausdruck der zähringischen Herrschaftsfestigung den Turm zum Ausdruck bringen. Reinle führt dafür den Begriff «Pfalzsymbol» ein, allerdings ohne auszuführen, was im Detail damit gemeint ist. Wir dürfen darunter wohl ein stellvertretendes Bild verstehen, das ähnlich der Pfalz königliche Rechtsansprüche zum Ausdruck bringt. Diese Rechte werden stellvertretend von den Zähringern ausgeübt. Zürich, das «nobile Turegum multarum copia rerum» (Otto von Freising) 12, bildet mit seiner günstigen Verkehrslage an den Wasserwegen vor der Alpenüberquerung nach Italien einen Herrschaftsschwerpunkt. Dieses Zentrum mit einem antikisierenden Reiterstandbild ähnlich wie in Rom, Aachen und Pavia auszustatten zeugt vom weltläufigen Herrschaftsverständnis seines mutmasslichen Auftraggebers. Vielleicht mag Bertold, so er es war, darin ein Mittel gesehen haben, den Makel vom Herzog ohne Herzogtum 13 zu kompensieren. 12 Vgl. Verena Pliha, Nobile Turegum. Die Erwähnung Zürichs in den «Gesta Friderici» Ottos von Freising (1157/58). In: Peter Stotz, Turicensia Latina. Lateinische Texte zur Geschichte Zürichs aus Altertum, Mittelalter und Neuzeit (Zürich 2003) Gerd Althoff, Die Zähringer Herzöge ohne Herzogtum. In: Die Zähringer 3 (wie Anm. 2) Résumé Peu d œuvres d art de la période des Zähringen nous sont parvenues. L existence d un relief équestre d une valeur artistique suprarégionale, dont l origine fut reliée par Adolf Reinle avec connaissance et perspicacité au duc Bertold IV de Zähringen ( ), est donc d autant plus remarquable. Aucune indication sur l origine, la fonction et la signification du dit «Cavalier du Grossmünster» ne nous a été transmise. D un point de vue stylistique, il est étroitement lié aux premières œuvres du sculpteur Antelami de Parme et peut être daté autour de Le «Regisole de Pavie», une statue équestre datant de l antiquité tardive, servit vraisemblablement de modèle. Pour des raisons historiques, il est fort probable que le commanditaire soit le duc Bertold IV de Zähringen. Le cavalier semble avoir incarné la quasi-domination des Zähringen sur la ville de Zurich. A l image des statues équestres de Rome, Aix-la-Chapelle et Pavie, Bertold IV pourrait, avec ce relief, avoir distingué la ville de Zurich comme un centre du pouvoir des Zähringen. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto Degli Zähringen sono giunte poche opere d arte fino ai nostri giorni. Per questa ragione il bassorilievo raffigurante un cavaliere, la cui origine Adolf Reinle, con sagacia e competenza, la fa risalire al duca Bertold IV di Zähringen ( ), ha assunto, dal punto di vista artistico, un importanza a livello nazionale. Sulla funzione, la realizzazione e l importanza di quest opera d arte non è stato tramandato nulla. Dal punto di vista stilistico è in stretta relazione con le prime opere dello scultore Antelami di Parma e pertanto databile al Come modello ha funto probabilmente la statua equestre tardoantica denominata Regisole, conservata a Pavia. Per motivi storici il committente potrebbe essere stato il duca Bertold IV di Zähringen stesso. Il cavaliere sembrerebbe rappresentare in un certo senso il potere signorile sulla città di Zurigo. Analogamente alle statue equestri di Roma, Aachen e Pavia, Bertold IV tramite il suo bassorilievo potrebbe aver designato la città di Zurigo quale centro di potere degli Zähringen. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun Paucas ovras d art dals Zähringers èn sa mantegnidas. Tant pli dat en egl in reliev da chavalier d impurtanza artistica surregiunala, il qual Adolf Reinle ha mess en connex grazia a sia enconuschientscha professiunala e perspicacitad cun il duca dals Zähringers Bertold IV ( ). Davart l origin, la funcziun e la significaziun da l uschenumnà chavalier dal Grossmünster n è tradì nagut. Quai che reguarda il stil è el stretgamain parentà cun las ovras temprivas dal sculptur Antelami a Parma e da datar enturn il Sco exempel ha probablamain servì la statua dal chavalier Regisole a Pavia da l antica tardiva. Sco incumbensader vegn il pli cartaivel en dumonda per motivs istorics il duca Bertold IV da Zähringen. Il chavalier para da persunifitgar il quasi-domini dals Zähringers da la citad da Turitg. Sa fundond sin las statuas da chavaliers a Roma, ad Aachen ed a Pavia èsi pussaivel che Bertold IV ha undrà la citad da Turitg cun il reliev sco in center da pussanza zähringica. Lia Rumantscha (Cuira/Chur) Abbildungsnachweise 1 3, 6: Peter Jezler 4: CC BY-SA 3.0, I. Sailko 5: Grossmünster-Reiter: Peter Jezler (Grossmünster-Reiter) / Antelami: CC BY-SA 3.0, I. Sailko 7: Giovanni Dall Orto 8: Biblioteca Vaticana Pal lat v Adresse des Autors Dr. h.c. Peter Jezler Vordergasse 51, 8200 Schaffhausen 150 Mittelalter 23, 2018 / 3

45 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? von Peter Niederhäuser 1: Einzug von König Friedrich II in Konstanz der Bürgermeister präsentiert die Schlüssel der Stadt. Phantasievolle Historienmalerei am Rathaus von Konstanz. Ferdinand Wagner, Der Flecken Schwyz und die Bodenseestadt Konstanz scheinen auf den ersten Blick kaum historische Gemeinsamkeiten aufzuweisen mit einer Ausnahme. An beiden Rathäusern finden sich grossflächige Historienbilder, welche die Vergangenheit des Ortes mit der staufischen Geschichte verbinden. Während in der Innerschweiz Friedrich II. den Schwyzern einen Freiheitsbrief übergibt (1240; vgl. Abb. 3), so zeigt am Bodensee die Fassade (Abb. 1) den Hoftag von Friedrich Barbarossa (1183) sowie den Einzug Friedrichs II. in Konstanz (1212). Beide Werke stammen von Ferdinand Wagner, einem Münchner und einem Passauer Kunstmaler mit identischem Namen. 1 Reichs- und Regionalgeschichte werden auf künstlerische Weise verknüpft und dabei auf die besondere Nähe zum staufischen Herrscherhaus hingewiesen. Vergleichbare Darstellungen fehlen hingegen in Bern, Zürich, Solothurn oder in anderen Städten. Diese Orte hätten aber ebenso stolz auf ihre staufische Geschichte und vor allem auf den Kontakt zu Kaiser Friedrich II. sein können, verdankten sie doch dieser letzten grossen staufischen Herrscherpersönlichkeit ihren besonderen rechtlichen Rang. Das Aussterben der Zähringer bedeutete in dieser Hinsicht eine Zäsur in der Geschichte des schwäbischen Raumes, zu dem im Hochmittelalter auch das schweizerische Mittelland zählte. Um 1218 erfolgten durch den Staufer wichtige Weichenstellungen mit Folgen für die Geschichte. Überspitzt gesagt: Nicht Wilhelm Tell, sondern Friedrich II. verdient einen Platz als «Freiheitsheld» der Schweizer Geschichte. Mit-, Neben- und Gegeneinander: Staufer und Zähringer Als höchst vornehme Stadt in Schwaben würdigte der Chronist Otto von Freising Zürich in seinem um Zu Wagner: Christian Hecht, Ferdinand Wagner Historienmaler. In: Ostbairische Lebensbilder. Neue Veröffentlichungen des Instituts für Ostbairische Heimatforschung der Universität Passau 54/2 (Passau 2005) Mittelalter 23, 2018 / 3 151

46 Peter Niederhäuser 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? 2: Die Goldene Handfeste Berns von 1218 dürfte nach neuesten Erkenntnissen einige Jahrzehnte später entstanden sein. Suchte Bern mit dieser «Fälschung» seine gefährdete Rechtsstellung reichsrechtlich abzusichern? verfassten Werk über Friedrich Barbarossa. 2 Tatsächlich spielte Zürich nicht nur als kirchliches und städtisches Zentrum eine Rolle, sondern war zeitweilig auch Sitz der salischen Könige. Erst die mit dem Investiturstreit verknüpften Auseinandersetzungen um den Vorrang im Reich und im Herzogtum Schwaben sorgten für Veränderungen. In Schwaben etablierten sich mit den Staufern, Rheinfelden-Zähringen und Welfen drei hochadlige Geschlechter, die den Herzogstitel trugen, ohne aber alle auch Herzöge von Schwaben zu sein. Aus der besonderen historischen Konstellation heraus festigten sich unterschiedliche Einflussgebiete, wobei sich die Zähringer als Nachfolger der Rheinfelden am Oberrhein und in «Burgund», der Landschaft um Bern, festsetzten. Mit dem Ausgleich von 1098 kam auch Zürich unter die Vorherrschaft der Zähringer, auch wenn sich die Herzöge nicht eindeutig durchsetzen konnten. Als Rektoren in Burgund gewannen die Zähringer eine herausragende Stellung, das Verhältnis zu den Staufern blieb allerdings ambivalent. Hinzu kam die Konkurrenz anderer Geschlechter wie der Grafen von Lenzburg, die dank staufischem Rückhalt ihren Rang zu wahren wussten Mittelalter 23, 2018 / 3

47 Peter Niederhäuser 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? 3: Der Dank für Waffenhilfe? Friedrich II. nimmt 1240 die Leute von Schwyz in den Schutz des Reiches. Historienbild am Rathaus von Schwyz. Ferdinand Wagner, Der eingeschränkte Zugriff der Zähringer zeigte sich deutlich beim Lenzburger Erbe 1172/73. Kaiser Friedrich Barbarossa kam persönlich auf die Lenzburg, um den Nachlass dieses wichtigen Adelsgeschlechtes zugunsten der eigenen Nachkommen zu regeln. Sein Sohn Otto, der spätere Pfalzgraf von Burgund, übernahm einen schönen Teil der Güter der Lenzburger samt der namensgebenden Burg. 4 Schon vorher begannen sich dank der Heirat Barbarossas mit Beatrix von Burgund staufischer und zähringischer Einfluss in der Westschweiz zu überlappen. Diese Gemengelage führte mit dem Tod des letzten Zähringers am 18. Februar 1218 zu einer offenen Situation, die letztlich zu neuen Machtstrukturen führen sollte. Reich und Region Rund zwei Jahrhunderte nach den Ereignissen lobte der Berner Chronist Konrad Justinger in den 1420er-Jahren Kaiser Friedrich II. als grossen Förderer seiner Stadt, die zwar von Bertold von Zähringen gegründet worden sei, ihre Freiheiten aber vor allem dem Reich verdanke: «Keyser Fridrich gab der stat berne grosse friheit [ ] und gab der stat ein müntz, und erliess sie aller stüren; und gab der stat darumb ein hantvesti mit siner guldinen Magestat insigel versiglet» 5 Die auffallend detaillierte, auf den 15. April 1218 datierte Handfeste gilt als zentrales Dokument bernischer Eigenständigkeit (Abb. 2). Der schon im 19. Jh. geäusserte Verdacht einer Fälschung wird nun durch neue naturwissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Dieses imposante Schriftstück dürfte einige Jahrzehnte nach 1218 hergestellt worden sein, um die enge Verbindung zum Reich unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen. Aber auch wenn die Freiheiten erst 2 Otto von Freising und Rahewin, Gesta Friderici I. imperatoris, hrsg. von Georg Waitz und Bernhard von Simson. MGH SSrG 46 (Hannover/Leipzig 1912) Überblick: Heinrich Büttner, Staufer und Zähringer im politischen Kräftespiel zwischen Bodensee und Genfersee während des 12. Jahrhunderts. Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 40 (1961); Thomas Zotz, Die Zähringer. Dynastie und Herrschaft (Stuttgart 1981); Ders., Von Zürich 1098 bis Breisach Zum Stellenwert der Städte für die Herrschaft der Zähringer im Südwesten des Regnum Teutonicum und in Burgund. In: Hans- Joachim Schmidt (Hrsg.), Stadtgründung und Stadtplanung Freiburg/Fribourg während des Mittelalters (Wien/Berlin 2010) Peter Niederhäuser, Die Lenzburg als Fürstensitz. Mittelalter. Moyen Age. Medioevo. Temp medieval 23 (2018) 61 74; Walther Merz, Die Lenzburg (Aarau 1904). 5 Conrad Justinger, Die Berner Chronik, hrsg. von Gottlieb Studer (Bern 1871) 5. Dazu neuerdings Regula Schmid, Die Berner Handfeste von Eine Fälschung schafft Wissen. Berner Zeitschrift für Geschichte 80 (2018) Mittelalter 23, 2018 / 3 153

48 Peter Niederhäuser 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? nachträglich in schriftliche Form gefasst wurden, dürfte die besondere reichsrechtliche Stellung von Bern durchaus auf das Jahr 1218 zurückgehen. Bern, aber auch Zürich, Murten, Solothurn, Rheinfelden, Schaffhausen, Breisach oder Villingen dürften nach 1218 gezielt von Friedrich II. gefördert worden sein. Der Kaiser hielt sich wohl nie in den Städten im schweizerischen Mittelland auf, wahrte aber mit seinem Anspruch auf Reichsrechte und mit seiner Privilegienpolitik geschickt seine Interessen. Dahinter stand eine länderübergreifende Familien- und Reichspolitik, die Friedrich II. zu einer der herausragendsten Gestalten der mittelalterlichen Geschichte macht. 6 Die Person Friedrichs II. ( ) ist vor allem mit der süditalienischen Geschichte verknüpft. Der Enkel Friedrich Barbarossas hielt sich tatsächlich nur selten nördlich der Alpen auf. In Zusammenhang mit der Königskrönung kam er 1212 nach Konstanz, woran die Wandmalerei am Rathaus erinnert (Abb. 1), und bereiste dann bis 1220 den deutschen Raum, ehe er seinen Sohn Heinrich zum Stellvertreter ernannte und wieder in den Süden zog. Der königliche Rang kontrastierte mit der tatsächlichen Macht der Staufer, hatten sich doch in der Zwischenzeit die regionalen Fürstentümer längst als Konkurrenten etabliert. Die Staufer mussten sich der Loyalität der Bischöfe, Äbte und Hochadligen versichern. Die in schriftlicher Form verfassten Zugeständnisse der 1230er-Jahre, vor allem das «Gesetz zugunsten der Fürsten», machen die Teilung und Verlagerung der Macht deutlich. 7 Die beschränkte herrschaftliche Grundlage zwang König Friedrich II. zu Kompromissen, aber auch zu neuen Formen der Politik. Er griff dabei mit der Privilegierung auf noch wenig übliche Mittel der Städtepolitik zurück. Dabei dürfte er das Vorbild der Salier in Speyer (Freiheiten von 1111) oder Friedrich Barbarossas in Worms (Freiheiten von 1184) wie auch der Zähringer vor Augen gehabt haben. Er förderte wiederholt Städte, so unterstellte Friedrich II. etwa Lübeck 1226 dem Schutz des Reiches. Er förderte aber auch Klöster oder kleinere Adelsgeschlechter und setzte damit einen Kontrapunkt zum fürstlichen Machtanspruch der möglichen Rivalen. Ob gewollt oder nicht mit ihrer Privilegienpolitik hatten die Staufer grossen Anteil an der Zerstückelung der Machtverhältnisse und an der Ausbildung eines herrschaftlichen Flickenteppichs. 8 Der Kampf ums Erbe In diesen Zusammenhang passen die Vorgänge im schweizerischen Mittelland 1218, wo keine «eindeutige» Erbregelung stattfand, die unterschiedlichen Schriftstücke aber durchaus das Bild einer unklaren, entfernt mit der Lenzburger Erbregelung 1172/73 vergleichbaren Situation zeichnen. Die Zähringer hatten sich als Herzoge und Rektoren am Oberrhein und Hochrhein, vor allem aber in Burgund dank dem Rheinfelder Erbe und dank Reichsrechten eine dominante Stellung gesichert. Diese Stellung stand mit dem Tod des letzten Herzogs nun zur Diskussion, wobei sich die beiden Schwestern Bertolds V., Agnes (verheiratet mit Egino IV. von Urach-Freiburg) und Anna (verheiratet mit Ulrich III. von Kyburg), als nächste Verwandte berechtigte Hoffnungen machen konnten. Tatsächlich spricht die traditionelle Sichtweise den beiden verschwägerten Grafenfamilien den Grossteil des Erbes zu. Historiker wie Carl Brun oder Ernst Diener sahen dabei einen enormen kyburgischen Machtzuwachs; diese Familie sei zum «mächtigsten Dynastengeschlecht zwischen Rhein und Alpen» aufgestiegen und besetzte fortan «einen der hervorragendsten Plätze» innerhalb der Schweizer Adelslandschaft. 9 Dazu passend beschlossen Thomas I. von Savoyen und Ulrich IV. von Kyburg am 1. Juni 1218 die Heirat ihrer beiden Kinder Margarethe und Hartmann und markierten so ihr Interesse an einer gemeinsamen Politik in der Westschweiz. Die Habsburger als weitere wichtige, mit den Zähringern allerdings nicht direkt verwandte Hochadelsfamilie blieben aussen vor, schenkt man dieser Interpretation Vertrauen. Die mit dem Zähringererbe 1218 zusammenhängenden Vorgänge lassen sich aber durchaus auch anders sehen, denn König Friedrich II. griff sehr wohl in die regionalen Strukturen ein. Wie weit ein König gezielt Entscheidungen plante und welchen Spielraum die Staufer hier überhaupt besassen, bleibt offen. 10 Es lässt sich aber durchaus ein bewusstes politisches Handeln feststellen, das direkt oder indirekt langfristig die Stellung der Zähringererben zumindest südlich des Rheins schwächen sollte. Hier trafen sich die Interessen der Staufer 154 Mittelalter 23, 2018 / 3

49 Peter Niederhäuser 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? wie der lokalen Herrschaftsträger. Wer das genau war, ob Adlige, Klöster oder neue Ratsherren, lässt sich wie zum Beispiel in Zürich nicht immer präzise sagen sicher ist aber, dass der Bezug zum Reich eine neue politische Realität schuf. Grundlage waren jene Reichsrechte, die nach dem Tod Bertolds von Zähringen wieder ans Reich bzw. an Friedrich II. zurückfielen. Dazu gehörten die Vogtei über Abteien oder die Schirm von Städten oder Gebieten. Am 17. März 1218 unterstellte der Staufer das Zürcher Grossmünster seinem besonderen Schutz ausgestellt wurde diese Urkunde bezeichnenderweise in Breisach, einer anderen wichtigen zähringischen Stadt. 11 Und Ende 1218 bezeichnete er Villingen, Anfang 1219 dann Zürich als «seine Stadt». Ob Bern und andere burgundische Städte Schirmbriefe erhalten hatten oder ob hier die Reichsrechte mehr oder weniger Teil der faktischen Politik wurden, lässt sich im Einzelfall nicht immer klären. Sicher ist hingegen, dass die Grafen von Urach und Kyburg wohl die zähringischen Eigengüter, nicht aber die Reichsrechte übernehmen konnten und damit auf einen wichtigen Teil des Erbes verzichten mussten das Herzogtum der Zähringer verschwand ersatzlos. König Friedrich II. war ein ferner Herrscher und dürfte sich nie auf dem Gebiet des schweizerischen Mittellandes aufgehalten haben. Seine Aufmerksamkeit galt aber zweifellos dem nördlichen Zugang zu den Alpenpässen. Wie gezielt die Staufer die regionalen Machtverhältnisse zu beeinflussen versuchten, muss auch mit Blick auf Heinrich (VII.) differenziert betrachtet werden, der eine fürstenfreundlichere Haltung als sein Vater einnahm und ab 1220, nach der Abreise Friedrichs II. nach Italien, die staufischen Ansprüche zu wahren hatte. Im Rückblick wird jedoch deutlich, dass die Grafen von Kyburg gerade über ihr zähringisches Erbe in Burgund in immer stärkeren Gegensatz zu den Staufern gerieten. Für die Suche nach einem Kompromiss könnte die Anwesenheit am königlichen Hof im September 1219 stehen, als Graf Ulrich von Kyburg wie Graf Egon von Urach mit vielen anderen geistlichen und adligen Würdenträgern die Privilegierung der Stadt Strassburg bezeugten. 12 Anders als etwa die Habsburger positionierten sich die Kyburger jedoch bald im antistaufischen Lager, suchten später den Kontakt zum Papsttum und zu den Gegenkönigen und strebten einen Ausbau ihrer Herrschaft vor allem auf Kosten von Bern, weniger von Zürich an. 13 Dabei scheinen die Kyburger allerdings ihre Fähigkeiten massiv überschätzt zu haben. So eindrücklich sich ihre Machtstellung präsentierte, so erfolglos blieben ihre Bemühungen. Dank savoyischer Hilfe wehrte Bern den kyburgischen Zugriff ab, was letztlich «nichts anderes bedeutete als das endgültige Scheitern kyburgischer Ausbauabsichten». 14 Den Grafen von Kyburg gelang es auf jeden Fall nicht, in die Fussstapfen der Zähringer zu treten und eine herzogliche Landeshoheit zu gewinnen. Gestützt auf staufische Freiheitsbriefe, verteidigten Städte 6 Überblick bei: Klaus von Eickels, Friedrich II. ( ). Mit Heinrich (VII.) ( ). In: Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter (Hrsg.), Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. ( ) (München 2003) Stefan Weinfurter, Konkurrierende Herrschaftskonzepte und Ordnungsvorstellungen in den Stauferreichen nördlich und südlich der Alpen. In: Alfried Wieczorek/Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter (Hrsg.), Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa 1 (Mannheim/Darmstadt 2010) Unterschiedliche Einschätzungen bei Zotz, Zähringer (wie Anm. 3) , und Knut Görich, Friedrich II. und das Reich im Jahr Königliches Handeln zwischen Planung, Erwartung und Zufällen. In: Jürgen Dendorfer/Heinz Krieg/R. Johanna Regnath (Hrsg.), Die Zähringer. Rang und Herrschaft um Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br. 85 (Ostfildern 2018) Carl Brun, Geschichte der Grafen von Kyburg bis 1264 (Zürich 1913) 66; Ernst Diener, Die Grafen von Kiburg aus dem Hause Dillingen. Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte 1 (Zürich 1900) 8. Vgl. dazu auch Peter Niederhäuser (Hrsg.), Die Grafen von Kyburg. Eine Adelsgeschichte mit Brüchen. Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 82 (Zürich 2015). 10 Vgl. Görich (wie Anm. 8). 11 Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, bearbeitet von Jakob Escher und Paul Schweizer 1 (Zürich 1888) Nr. 385; vgl. auch Zotz, Zähringer (wie Anm. 3). 12 Vgl. Eintrag in den Regesta Imperii: de/regesten/5-1-1-staufer/nr/ _1_0_5_1_1_1706_1052. html?tx_hisodat_sources%5bitemsperpage%5d=50&tx_hiso- dat_sources%5borderby%5d=50&tx_hisodat_sources%5basc- Desc%5D=10&tx_hisodat_sources%5B%40wid- get_0%5d%5bcurrentpage%5d=35&chash=f0aef1c9305bdb- 7f190816e01a0bbb11#rinav (abgerufen am 4. Juli 2018). 13 Grundsätzlich Roger Sablonier, Kyburgische Herrschaftsbildung im 13. Jahrhundert. In: Die Grafen von Kyburg. Kyburger-Tagung 1980 in Winterthur. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 8 (Olten/Freiburg im Breisgau 1981) Sablonier (wie Anm. 13) 45. Zu Bern auch die Beiträge in Rainer C. Schwinges (Hrsg.), Berns mutige Zeit. Das 13. und 14. Jahrhundert neu entdeckt (Bern 2003). Mittelalter 23, 2018 / 3 155

50 Peter Niederhäuser 1218 ein Schlüsseljahr der Schweizer Geschichte? wie Bern ihre Unabhängigkeit, umgekehrt trug Friedrich II. mit der Privilegierung von Städten, Klöstern oder auch Talschaften wie Schwyz 1240 zu einer Fragmentierung der Herrschaftsverhältnisse bei. Das Reich wurde damit zwar kaum gestärkt, dafür aber die Konkurrenz geschwächt ein Schlüsseljahr? Ausgehend vom Kampf um das zähringische Erbe änderte sich im südwestdeutschen Raum um 1218 die politische Landkarte. Während das zähringische Herzogtum unterging, etablierte sich eine Vielzahl neuer Mächte, von adligen Aufsteigern über Reichsstädte und Reichsklöster bis zu Talschaften wie Schwyz oder Hasli. Die Legitimation durch das Reich bot einzelnen Würdenträgern, aber auch den sich formierenden Räten die Möglichkeit, Schritt für Schritt ihren Spielraum und ihre Autonomie auszubauen. Statt einer Verdichtung zu einem Fürstentum erlebte der schweizerische Raum vielmehr eine Aufsplitterung der politischen Rechte hin zu einem Flickenteppich, der die künftige Entwicklung prägen sollte. Auch den Habsburgern als Erben der Kyburger sollte es nicht gelingen, das herrschaftliche Defizit zu decken und die Herrschaft zu verdichten. Die Fragmentierung der Macht bestimmte den weiteren Lauf einer Geschichte, die sich ab 1300 mit regionalen Bündnissen, dem Zusammenschluss von Städten und Talschaften und der Berufung auf die reichsrechtlichen Privilegien immer mehr in Richtung späterer Eidgenossenschaft zu verfestigen begann. Aus dem Rückblick kommt dabei der Frage des Zähringererbes entscheidende Bedeutung zu. Da sich keine hochadlige Familie als unbestrittene Nachkommen der Zähringer durchsetzen konnte und König Friedrich II. seinerseits gezielt den Einfluss des Reiches über Privilegien und Schutzbriefe stärkte, entstanden politische Strukturen mit einer Vielzahl von Akteuren, was eine landesherrliche Durchdringung und Zentralisierung nachhaltig blockierte. Wäre jedoch ein eidgenössischer «Sonderweg» denkbar gewesen ohne das Aussterben der Zähringer und der Weichenstellung von 1218? Résumé Quelle fut l importance de la disparition des Zähringen pour l histoire de la Suisse? Un retour sur l année 1218 montre clairement que cela fut bien plus que la disparition d une puissante dynastie. Divers conflits d intérêts se heurtèrent lors des différends liés à la succession des Zähringen. Les héritiers directs, les comtes de Kybourg et d Urach/Fribourg-en-Brisgau, purent revendiquer une belle part de l héritage, à l exception du rang ducal. Le roi Frédéric II de la dynastie des Hohenstaufen s empara des droits impériaux et promut, par le biais de privilèges accordés, des villes, des monastères, des nobles, mais également des vallées. C est ainsi qu une véritable mosaïque seigneuriale vit le jour. Celle-ci constitua la base de la formation ultérieure des villes et des pays fédéraux, qui se légitimèrent grâce à des libertés octroyées par l empire. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto Che importanza ebbe l estinzione del casato degli Zähringen per la storia svizzera? Uno sguardo sull anno 1218 dimostra che l estinzione di questa potente dinastia portò anche a notevoli cambiamenti nel quadro politico del tempo. Difatti l eredità di questa dinastia fu contesa da più pretendenti. Gli eredi più diretti, ossia i conti di Kyburg e i von Urach-Freiburg poterono comunque assicurarsi una parte di questa eredità, ma non aspirare al titolo ducale. Re Federico II di Hohenstaufen reclamò i diritti imperiali e concesse privilegi a città, conventi, a nobili ma anche a delle comunità di valle (Talschaften). Ciò portò inesorabilmente alla creazione di una moltitudine di nuove signorie. Queste saranno la base che permetterà alle città confederate e ad altre comunità politiche di espandersi, legittimate dall immediatezza imperiale. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun Quant impurtant èsi stà per l istorgia svizra ch ils Zähringers èn svanids? In sguard retrospectiv sin l onn 1218 mussa ch igl è ì per dapli che mo per la spariziun d ina dinastia pussanta. En la dispita per l ierta zähringica èn fruntads in sin l auter differents interess. Ils ertavels directs ils conts da Kyburg e da von Urach-Freiburg han bain pudì pretender ina buna part dal relasch, però betg il rang da ducas. Il retg dals Staufers Friedrich II è sa patrunà dals dretgs imperials ed ha promovì cun privilegis citads, claustras, aristocrats e vals. Uschia è sa furmà in tarpun da pezs signuril. Quel è stà la basa per la furmaziun posteriura da citads e chantuns federals che sa legitimavan a maun da libertads imperialas. Lia Rumantscha (Cuira/Chur) Abbildungsnachweise 1 und 3: Peter Niederhäuser 2: Staatsarchiv des Kantons Bern, F. Freiheiten Adresse des Autors Peter Niederhäuser, lic. phil. I Brauerstr Winterthur 156 Mittelalter 23, 2018 / 3

51 Die Zähringer ein Fall fürs Museum? von Casimir Bumiller 1: Kloster St. Peter im Hochschwarzwald auf einer modernen Aufnahme. Historische Jubiläen werden gerne dazu genutzt, um das entsprechende Ereignis oder den geschichtlichen Einschnitt mit einer Jubiläumsausstellung zu würdigen. Auch das Jahr 1218, das mit dem Tod Herzog Bertolds V. das Ende der Zähringerherrschaft in Südwestdeutschland und der westlichen Schweiz markiert, dient aktuell als Anlass, um der Geschichte der Dynastie und der Herrschaft der Zähringer zu gedenken. Eine vom Alemannischen Institut in Freiburg i. Br. initiierte und von der Sparkasse Freiburg gesponserte Zähringer-Ausstellung wird ab Herbst 2018 durch verschiedene Zähringerstädte in Deutschland und der Schweiz touren. Diese ganz auf Text-Tafeln reduzierte und ohne Sachexponate auskommende Ausstellung ist in gewisser Hinsicht das Abfallprodukt eines grösseren musealen Projekts, das leider nicht realisiert werden konnte und das in dieser Form wenigstens ansatzweise gerettet werden kann. Ein Zähringermuseum? Die Rede ist von dem ambitionierten Konzept für ein «Haus der Zähringer», das in den Jahren 2008 bis 2015 in St. Peter entwickelt worden ist. Die Schwarzwaldgemeinde St. Peter, Mitglied des internationalen Verbundes der «Zähringerstädte», ist Standort des ehemaligen, 1093 gegründeten Klosters St. Peter, das der Dynastie der Zähringer als Grablege diente und somit ein Herzstück der zähringischen Traditionspflege und Geschichtsschreibung ist (Abb. 1). Seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in der Schwarzwaldgemeinde Bestrebungen, in unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters eine Art «Zähringermuseum» oder «Zähringerzentrum» zu errichten, in dem die Bedeutung der Zähringerdynastie nicht nur für den Ort, sondern für den gesamten südwestdeutschen Raum und die westliche Schweiz dargestellt werden sollte. Aus einer zunächst lockeren Arbeitsgruppe interessierter Bürger entstand im Jahr 2010 der Verein Zähringer Zentrum e.v., dessen Zweck die Förderung eines «Hauses der Zähringer» war. In zwei Anläufen von 2008 und 2012 entwickelte ein dreiköpfiges Projektteam, begleitet von einem wissenschaftlichen Beirat bestehend aus historischen Fachexperten der Freiburger Universität, eine Konzeption für das «Haus der Zähringer». Didaktisch aufbereitet werden sollten folgende Themen: Mittelalter 23, 2018 / 3 157

52 Casimir Bumiller Die Zähringer ein Fall fürs Museum? 1. «Die Zeit der Zähringer», also ein Überblick über die globalen Themen des Hochmittelalters zwischen 1000 und 1250 wie der Konflikt zwischen Reich und Papsttum (Investiturstreit), wirtschaftlicher Aufbruch und Entstehung der Städtelandschaft, Entstehung des Rittertums und der Burgenlandschaft 2. «Die Dynastie der Zähringer» mit einem Blick auf die Genealogie und exemplarische Lebensgeschichten, auf die Heiratspolitik und den gesellschaftlichen Rang der Familie in der Reichspolitik 3. «Die Herrschaft der Zähringer», also der Charakter der Zähringerherrschaft und deren territoriale Reichweite sowie die Bedeutung von Klöstern, Städten und Adel im zähringischen Herrschaftsaufbau 4. «Das Kloster St. Peter» als Grablege der Zähringerdynastie und als Hort zähringischer Traditionspflege und Geschichtsschreibung bis in die Gegenwart 5. «Zähringertraditionen» mit einem Überblick über die zähringische Traditionspflege seit dem Mittelalter bis hin zur modernen Geschichtsschreibung. Obwohl das Konzept jeweils den Beifall der potentiellen Geldgeber fand, scheiterte das ehrgeizige Projekt 2015 endgültig an der Finanzierung. Damit dürften sich die Bemühungen um ein wie auch immer geartetes Zähringermuseum in St. Peter zumindest vorläufig erledigt haben. Nicht erledigt ist damit freilich das weitere Nachdenken über eine allfällige museale Aufbereitung der Zähringergeschichte. Voraussetzung für ein Museum zur Zähringergeschichte wäre die Erkenntnis, dass die Zähringer sowohl auf dem Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg als auch auf dem Gebiet der Schweiz im Hochmittelalter eine prägende Wirkung entfalteten, dass es also wert wäre, sich der Zähringer zu erinnern. Diese Erkenntnis kann heute sowohl in den Regionen der westlichen Schweiz als auch in Südwestdeutschland vorausgesetzt werden, zumal die Wirkung der Zähringer bis heute in vielen Stadtbildern nicht zu übersehen ist. Staatlichkeit und Städtewesen Sucht man nach Ansätzen und Möglichkeiten der Vermittlung mittelalterlicher Geschichte am Beispiel der Zähringer, so seien insbesondere zwei grosse Themen herausgestrichen, an denen sich die historische Bedeutung der Zähringer im Wesentlichen festmachen lässt. Da wäre zunächst einmal die Frage nach der Reichweite und dem Durchdringungsgrad zähringischer Herrschaft in der Zeit zwischen 1100 und 1200 zu stellen, also die Frage der Territorialisierung. Auch wenn wir heute um die Fragwürdigkeit von Theodor Mayers anachronistischer These von einem «Staat der Herzoge von Zähringen» (1936) wissen, so lohnt sich die Auseinandersetzung mit der zähringischen Herrschaftsbildung in der Fläche. Die Frage könnte lauten: Gab es im 12. Jh. so etwas wie ein «Zähringerland» zwischen Mittlerem Schwarzwald und Genfer See? Der provokante Begriff der «Staatlichkeit» zwingt uns und auch die Besucher eines künftigen Zähringermuseums dazu, sich mit der Geschichtlichkeit von «Staat» und «Staatsbildung» auseinanderzusetzen. Die Erkenntnis könnte die sein: Trotz aller «Löcherigkeit» ihrer Herrschaft hatten die Zähringer um 1200 mit ihrer Verfügungsgewalt über Adel, Klöster und Städte einen Stand «staatlicher» Macht realisiert, der vielerorts erst 300 Jahre nach dem Untergang der Zähringer wieder erreicht wurde. Man kann demnach die Herrschaft der Zähringer mit aller gebotenen Vorsicht als «modern», als zukunftweisend beschreiben. Auch wenn dieser Diskurs vordergründig akademisch anmutet, so könnte gerade dieses Thema mit den didaktischen Möglichkeiten gut aufbereiteter Karten durchaus «nutzerfreundlich» dargeboten werden. Definitiv zukunftweisend waren die Zähringer in ihrer Städtepolitik. Gerade die zahlreichen «Zähringerstädte» (zur Problematik dieses Begriffs siehe den Beitrag von Armand Baeriswyl in diesem Heft) gehören zu den prägnanten «Punkten» auf einer Karte der Zähringerherrschaft und markieren deren territoriale Reichweite. Mit ihren Stadtgründungen Ortsnamen wie «Neuenburg», «Freiburg» oder «Fribourg» wirken da programmatisch haben die Zähringer gewissermassen ein neuartiges soziales Gebilde und einen gesellschaftlichen Organismus gefördert, der dank der ihm gewährten Freiheiten die Kraft entfaltete, sich zu emanzipieren und den Feudalismus zu transzendieren. Auch wenn dies vielleicht nicht in der Absicht der Zähringer (und anderer feudaler Stadtgründer) lag, so bildeten die kommunalen Frei- 158 Mittelalter 23, 2018 / 3

53 Casimir Bumiller Die Zähringer ein Fall fürs Museum? 2: Rotulus Sanpetrinus, einzigartiges Besitzverzeichnis des Klosters St. Peter aus dem 12. Jh. in Form einer Pergamentrolle. heiten des 12. Jh. einen Kern republikanischer Visionen. Vielleicht ist dies das Geheimnis, weshalb Schweizer Zähringerstädte wie Bern, Fribourg, Thun, Burgdorf oder Murten sich jenseits ihres eidgenössischen, also antifeudalen Selbstverständnisses bis heute mit dieser mittelalterlichen Feudalmacht anfreunden können. Jedenfalls hat der Name der Zähringer in der Schweiz einen deutlich besseren Klang als derjenige der Habsburger. Man muss freilich in diesem Zusammenhang dies als Klammerbemerkung berücksichtigen, dass die entstehende Eidgenossenschaft ihre Auseinandersetzungen nicht mit den viel zu früh verschwundenen Zähringern, sondern mit den erst im 13. Jh. aufgestiegenen Habsburgern zu führen hatte. Welche Präsentation für welches Publikum? Städtegründungen und Herrschaftsaufbau wären jedenfalls zwei der zentralen Themen, die man in einem Zähringermuseum vermitteln müsste. Dabei stellt sich jedoch die berechtigte Frage, wie solche abstrakten Themen zu veranschaulichen sind oder anders formuliert: mit welchen Exponaten diese zu veranschaulichen wäre. Und damit sind wir beim zentralen Problem unserer Fragestellung angelangt. Ein traditionelles Museum arbeitet bekanntlich von seiner Definition her mit Originalgegenständen, die einen abstrakten Sachverhalt anschaulich werden lassen. Nun lässt sich hochmittelalterliche Geschichte in aller Regel mangels entsprechender Sachüberlieferung nur schwer mit Exponaten verlebendigen, und schon gar nicht, wenn es darum geht, ein neu zu errichtendes Museum auszustatten. Museen und Archive, die über Dokumente und Sachüberreste dieser Zeit verfügen, werden kaum bereit sein, aus ihren Beständen dauerhaft Objekte zu verleihen. Die für die Zähringergeschichte zur Verfügung stehenden Exponate sind: zahlreiche Urkunden, darunter solche mit beeindruckendem zähringischem Reitersiegel etwa aus Zürich oder Solothurn (vgl. Umschlagbild), Münzen in stattlicher Zahl, liturgische Gerätschaften und religiöse Kunstwerke aus dem Wirkungsbereich der Zähringer, illuminierte, also bebilderte Handschriften aus zähringerzeitlichen Klöstern, Skulpturen und Bauplastik von mittelalterlichen Kirchen, Klöstern und Burgen, archäologische Funde zur Bewaffnung hochmittelalterlicher Ritter oder zum Alltag der bäuerlichen und adligen Welt. Ein ganz ungewöhnliches Dokument aus zähringischer Zeit ist der sogenannte Rotulus Sanpetrinus, also ein Besitzverzeichnis des Klosters St. Peter auf einer beeindruckend langen Pergamentrolle (Abb. 2). All diese Objekte, Dokumente und Kunstschätze waren schon einmal vereinigt, und zwar im Rahmen der Zähringer-Ausstellung 1986 in Freiburg im Breisgau. Die damals vom Stadtarchiv Freiburg und der Abteilung für Geschichtliche Landeskunde am Historischen Seminar der Mittelalter 23, 2018 / 3 159

54 Casimir Bumiller Die Zähringer ein Fall fürs Museum? Universität Freiburg verantwortete Schau geriet mit ihren insgesamt 368 Exponaten zu einer Art «Forschungs-Ausstellung», die alles zusammenführte, was das Herz der historischen Fachleute höher schlagen liess. Für den historisch durchschnittlich interessierten Besucher, der mit Urkunden, Münzen und Codices in der Regel weniger anzufangen weiss, war die Freiburger Ausstellung nicht ganz so attraktiv. Aber die Ausstellung, die Besucher zählte, war trotz allem überaus verdienstvoll und bedeutete einen enormen Schub für die Forschung. Der Katalog, der all jene Exponate dokumentierte, die nach der Ausstellung wieder in den Archiven und Museen der Schweiz und Südwestdeutschlands verschwanden, bildet bis heute die Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Zähringern bis hin zum frisch vorliegenden Band von Thomas Zotz über «Die Zähringer» (2018). 3: Ruine der Stammburg der Zähringer (um 1840). Eine dauerhafte Einrichtung wie das in St. Peter konzipierte «Haus der Zähringer» stand natürlich von Anfang an vor dem Problem, dass man nur in ganz geringem Umfang mit Originalexponaten rechnen konnte. Man hätte zwar durchaus ein paar Säulen aus dem von den Zähringern beschirmten Kloster St. Georgen im Schwarzwald oder Gipsabgüsse der schönen Bilderfriese aus dem Freiburger Münster zeigen können. Auch eine ansehnliche Zahl archäologisch ermittelter Sachüberreste zum mittelalterlichen Alltag hätten zur Verfügung gestanden. Originalurkunden auszustellen wäre schon aus konservatorischen Gründen kaum denkbar gewesen, zumal kein Archiv in Karlsruhe, Zürich oder Solothurn bereit wäre, Zähringerurkunden dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Wären aber gut gestaltete Faksimile befriedigende Ersatzobjekte der Originaldokumente? Ein grundlegendes Problem besteht darin, dass die Hauptexponate des Themas «Zähringer», jene zahllosen Burgen, Städte und Klöster der Zähringer, weit gestreut auf zwei Länder verteilt sind: so beispielsweise die Limburg, Stammburg der Zähringer, oder die Burgen Zähringen (Abb. 3), Thun oder Burgdorf (Abb. 4); die Städte Freiburg, Villingen, Bern oder Fribourg; die Klöster St. Peter, St. Blasien, Allerheiligen in Schaffhausen oder Interlaken; das Freiburger Münster oder das Grossmünster in Zürich. Auch bedeutende Skulpturen wie der Reiter am Zürcher Grossmünster (siehe den Beitrag von Peter Jezler im vorliegenden Heft) oder die barocken Zähringerfiguren in der Klosterkirche St. Peter sind ja nicht translozierbar. All diese steinernen Zeugen zähringischer Herrschaft und Kultur könnten allenfalls im Einzelfall als Modell, als Abguss oder mit repräsentativen Bildern und Fotografien ins Museum gebracht werden. Aus all diesen Gründen hatte man bei der Entwicklung des «Hauses der Zähringer» in St. Peter von vorneherein auf den Begriff des Museums verzichtet. Man wollte aber wohl in unmittelbarer Nähe der Zähringergruft ein atmosphärisch ansprechendes «Haus der Zähringer» schaffen, in dem Besucher aus alles Welt St. Peter ist ein touristisches Highlight des südlichen Schwarzwaldes sich über die Geschichte und die historische Bedeutung dieser Herzogsdynastie hätten informieren können. Mangels originalen Exponaten hätte 160 Mittelalter 23, 2018 / 3

55 Casimir Bumiller Die Zähringer ein Fall fürs Museum? 4: Burgdorf, Vorort der zähringischen Herrschaft im Rektorat Burgund. folgende Präsentation das «Haus» bestimmen müssen: kurze prägnante Texte mit den Grundinformationen, Faksimile einiger bedeutender Urkunden, sehr gute fotografische Reproduktionen von Städten, Gebäuden oder Skulpturen, Karten mit grafischer Aufbereitung, interaktive digitale Animationen und nicht zuletzt kurze oder längere Filmsequenzen. Ein digitales Museum? Nun ist aber die Chance, ein «Haus der Zähringer» zum Jubiläumsjahr 2018 zu eröffnen, vertan worden. Was wäre noch denkbar? Sollte die Idee einer musealen Einrichtung vielleicht mit anderem, jüngerem Personal in absehbarer Zeit nochmals aufgegriffen werden, so müsste man das Projekt «grösser» denken. Man müsste vom Denken in eher regionalen Kategorien wegkommen und als Hauptpartner nicht nur für die Finanzierung auf deutscher Seite das Land Baden-Württemberg gewinnen. Aus historischer Seite wäre deutlich zu machen, dass die Zähringer für die historische Identität zumindest des südwestlichen badischen Teils unseres Bundeslandes eine vergleichbare Bedeutung haben wie die Staufer für den östlichen württembergischen Teil und dass es dem Land insgesamt gut anstünde, auf die in diesem Raum sicherlich prägende Traditionslinie zu verweisen. So wie die Staufer, die sich mit ihren zähringischen Rivalen seit 1098 das Herzogtum Schwaben teilten, nach Italien ausgriffen und damit den schwäbischen Raum «international» überschritten, so erlangten die Zähringer das «Rektorat Burgund», das die Verfügungsgewalt über die westliche Schweiz bis zum Genfer See umfasste. Die Tatsache, dass sich das Herrschaftsgebiet der Zähringer in modernen nationalen Grenzen gedacht auf zwei Staaten, Deutschland und die Schweiz, verteilt, macht es natürlich nicht leichter, eine museale Einrichtung zu etablieren: Die Deutschen sehen nicht ein, dass man in einem deutschen Museum «Schweizer» Geschichte beleuchten soll, und die Schweizer sind höchst zurückhaltend, wenn es darum geht, ein Museum auf deutschem Boden zu fördern. Berücksichtigt man diese politische Konstellation, so erscheint eine Alternative überlegenswert: Wäre es in unseren mediengeleiteten Zeiten nicht sinnvoller, ein virtuelles Zähringermuseum zu «errichten»? Damit wäre zugleich das Problem mangelnder Originalexponate behoben. Jede bedeutende Zähringer-Urkunde, jede Chro- Mittelalter 23, 2018 / 3 161

56 Casimir Bumiller Die Zähringer ein Fall fürs Museum? nik, jeder Eintrag im Rotulus Sanpetrinus, jede Münze, jedes Siegel, jede Stadt zwischen Freiburg und Fribourg, jede Burg zwischen Zähringen und Burgdorf, jede Torinschrift und jede Brunnenfigur, jedes Kloster und jede barocke Zähringerfigur in der Klosterkirche St. Peter liesse sich in einem entsprechenden Computerprogramm besser betrachten und lesen als auf mittelmässigen musea len Reproduktionen. Ein didaktisch kluger Aufbau und ein «geführter» Durchgang liessen sich programmieren, Verknüpfungen herstellen von der Stammtafel der Zähringer zu den Kurzbiographien der angesteuerten Prot agonisten, von der Herrschaftskarte zu ausgewählten Orten und dem dort sitzenden Adel. Über Links zu einem kleinen Wörterbuch mittelalterlicher Geschichte kann der Nutzer sich die Grundbegriffe feudaler Geschichte erläutern lassen: von Feudalismus und Lehnswesen über Herzog und Königtum, Kloster und Investiturstreit bis hin zu Grundherrschaft, Rittertum und Stadt. Aber auch ein virtuelles Museum will geplant und konzipiert werden, auch hier müssen Texte verfasst, Karten gestaltet, Bilder beschafft und Abläufe programmiert werden. Auch ein virtuelles Museum kostet erheblichen Planungs- und Beschaffungsaufwand, mithin Zeit und Geld. Die Frage der Finanzierung bleibt damit der Schlüsselpunkt jeder weiteren «musealen» Planung. Résumé Entre 2008 et 2015, deux initiatives visant à construire une «Maison des Zähringen» à Saint-Pierre dans la Forêt Noire échouèrent pour des raisons de financement. Le «musée» aurait dû ouvrir à temps pour la commémoration des Zähringen en Après l échec de ces projets, la question se pose de savoir si une autre initiative serait sensée malgré une constellation politique défavorable. Face à cette situation, l auteur soulève la question de la création d un musée numérique consacré aux Zähringen. Aurélie Gorgerat (Bâle) Riassunto Negli anni tra il 2008 ed il 2015 due iniziative, che avrebbero avuto lo scopo di far erigere una «Casa degli Zähringen» a St. Peter im Schwarzwald, fallirono a causa di problemi legati ai finanziamenti. Il «museo» avrebbe dovuto aprire i battenti puntualmente per l anniversario dell anno 2018 in onore degli Zähringen. Dopo il fallimento di questo progetto è sorta la questione se sia cosa appropriata lanciare una nuova iniziativa o meno, soprattutto in considerazione della situazione politica non del tutto favorevole. Pertanto, l autore non scarterebbe l idea della creazione di un museo sugli Zähringen in formato digitale. Christian Saladin (Basilea/Origlio) Resumaziun Ils onns 2008 fin 2015 han fatg naufragi duas iniziativas per construir ina «Chasa dals Zähringers» a St. Peter en il Guaud Nair e quai omaduas giadas pervi da la finanziaziun. Il «museum» avess duì avrir sias portas l onn 2018, l onn da giubileum zähringic. Suenter ch il project è dà en l aua, sa tschenta la dumonda sch ina ulteriura iniziativa fiss raschunaivla era pervi da la constellaziun politica disfavuraivla. En vista a la situaziun sa dumonda l autur, sch i faschess senn d endrizzar in museum digital dals Zähringers. Lia Rumantscha (Cuira/Chur) Der vorliegende Beitrag stützt sich auf folgenden Artikel (mit weiterführender Literatur) ab: Casimir Bumiller, Die Zähringer museumsreif? Von der Zähringerausstellung 1896 zum «Haus der Zähringer». In: Jürgen Dendorfer/Heinz Krieg/R. Johanna Regnath (Hrsg.), Die Zähringer. Rang und Herrschaft um Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br. 85 (Ostfildern 2018) Abbildungsnachweise 1: wikimedia.org/wikipedia/commons/6/65/klosterkirche_st._ Peter_-_Gesamtansicht.jpg 2: Generallandesarchiv Karlsruhe, 14/4 3: aus: Universal-Lexikon vom Grossherzogthum Baden. Bearbeitet und herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten und Vaterlandsfreunden (Karlsruhe 1844) commons.wikimedia.org/wiki/ <(Ghzgt. Baden) ZÄHRINGEN. jpg> 4: Archiv SBV, Thomas Bitterli Adresse des Autors Dr. Casimir Bumiller Hexentalstrasse 32 D Bollschweil 162 Mittelalter 23, 2018 / 3

57 Kurzberichte Kurzberichte Basel Spiegelhof Eine mittelalterliche «Playmobil»-Figur entdeckt Wegen des Umbaus des Spiegelhofs sind bis Ende 2018 umfangreiche Rettungsgrabungen im Gange. Unter dem Gebäude liegen bis zu 1,5 Meter archäologische Schichten, die bis in die römische Zeit zurückreichen und durch die Tiefersetzung der Einstellhalle zerstört werden. Für den Bau des Spiegelhofs in den Jahren 1937 bis 1939 mussten am Petersberg zahlreiche Häuser weichen. Damit ging ein noch von der spätmittelalterlichen Baustruktur geprägtes Altstadtviertel mit engräumiger Bebauung und verwinkelten Gassen verloren. Beim Aushub der Baugrube entdeckte man fast 1000 Jahre alte Hausgrundrisse aus Holz, die sich dank einer in Basel seltenen Bodenbeschaffenheit (Feuchtboden) hervorragend erhalten haben. Diese Befunde sind für Basel und die Schweiz einzigartig, aber auch europaweit weitgehend ohne Parallelen. Sie gehören, wie zahlreiche Lederfragmente belegen, zu einem Handwerkerviertel aus der Frühzeit der mittelalterlichen Stadt, in dem vermutlich bereits seit dem 10. Jahrhundert Schuhmacher tätig waren. Das Viertel lag innerhalb der um 1080 durch Bischof Burkhart errichteten Stadtmauer. Unter den mittelalterlichen Holzbauten liegen zudem bis zu einem Meter mächtige spätrömische Schichten. Als besonderer Fund aus der aktuellen Grabung sei ein mittelalterlicher Spielzeugritter aus Ton erwähnt. Die Figur ist rund 7 cm hoch. Wie ein Loch in der rechten Brusthälfte zeigt, konnte der Ritter mit einer hölzernen Lanze ausgerüstet werden, die beim Spielen hier eingesteckt wurde. (Basler Zeitung, ) Schaffhausen Ausgrabungen im Fischerzunftareal Zurzeit legt die Kantonsarchäologie Funde und Schichten frei, die bis ins 12. Jh. und damit vor die ältesten schriftlichen Überlieferungen zu diesem Stadtteil zurückreichen. Neben Überresten einstiger Häuser kommt auch Überraschendes zutage; eingegrabene Holzfässer, Steinpflästerungen und Spielzeug für junge Ritter. Seit Anfang Juni 2018 gräbt die Kantonsarchäologie im Areal Fischerzunft. Vor den anstehenden Umbau- und Abbrucharbeiten werden die hier noch erhaltenen archäologischen Schichten kontrolliert abgetragen und dokumentiert. Die Grabungsfläche im Hinterhofbereich des ehemaligen Restaurants Fischerzunft ist einer der wenigen Orte im gesamten Fischerhäuserquartier, welche von modernen Bodeneingriffen weitgehend verschont geblieben sind. Damit besteht die einmalige Gelegenheit, Informationen über die Entwicklung dieses Quartiers und seiner Bewohner zu gewinnen. Das Fischerhäuserquartier wird im späten 13. Jh. erstmals schriftlich erwähnt. Hier waren Fischer und Schiffsleute ausserhalb der Stadtmauern angesiedelt. Diese beiden Berufsgruppen waren für die Entwicklung und den Wohlstand der mittelalterlichen Stadt Schaffhausen von grosser Bedeutung. Die bisherigen Grabungserkenntnisse bestätigen diesen Sachverhalt, haben aber auch Erstaunliches zu Tage gebracht. So kann über das Fundmaterial belegt werden, dass die Besiedlung spätestens im 12. Jh. beginnt und seither kontinuierlich anhält. Die frühesten gefassten Gebäude aus dem Hochmittelalter waren Holzhäuser mit Lehmböden. Zu jüngeren Bebauungsphasen gehören mehrere Mauern und zwei sorgfältig gesetzte Steinpflästerungen. Zwei in den Boden eingegrabene Holzfässer dienten wohl der Vorratshaltung. In eine Mauer der «Fischerzunft» war ein Sodbrunnen eingebaut, der die komfortable Wassergewinnung im Hausinnern gestattete. Viele Werk- und Abfallgruben zeugen von unterschiedlichen Handwerken. Dabei lassen sich alltägliche und spezialisierte Tätigkeiten nachweisen, etwa das Verspinnen von Wolle zu Garn, Schmiedearbeiten und die Herstellung von Knochenperlen. Das Fundmaterial ist reichhaltig und qualitativ hochstehend. Neben sehr viel Keramik wurden Glas, Knochen und etliche Eisen- und Bronzeobjekte sowie Kacheln von mindestens sechs verschiedenen Kachelöfen geborgen. Zahlreiche Fragmente von Weinflaschen und Glasbechern stammen aus der Trinkstube der Fischer. Spielzeugfiguren für angehende Ritter Als herausragend zu nennen sind drei Tonfigürchen: Bruchstücke eines Ritters mit Helm, eines Turnierpferdes und einer Dame im langen Kleid. Solche Tonfiguren sind vor allem aus dem Umfeld des Adels bekannt und dienten unter anderem den Knaben in ihrer Ausbildung zum Ritter. Auf welchen Wegen sie ins Fischerhäuserquartier gelangten, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wird durch die laufenden Grabungen deutlich, dass das Fischerhäuserquartier mindestens hundert Jahre vor seine schriftliche Ersterwähnung zurückreicht und die dort ansässige Bevölkerung nicht zu den ärmsten Schaffhausern gehörte. (Medienmitteilung Baudepartement Schaffhausen, ) Mittelalter 23, 2018 / 3 163

58 Veranstaltungen / Publikationen Veranstaltungen Glaubenswelten des Mittelalters Basel, Historisches Museum Die neue Präsentation mittelalterlicher Kunst im Historischen Museum Basel bietet faszinierende Einblicke in die Allgegenwart des christlichen Glaubens. Erlesene Bildwerke des 11. bis 16. Jh. entfalten im Chor der Barfüsserkirche ihre Schönheit und spirituelle Kraft. Ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Stadt wird so auf neue Weise erlebbar. Der neu eingerichtete Chor der ehemaligen Franziskanerkirche ist der erste Teil einer Gesamterneuerung der Sammlungspräsentation in der Barfüsserkirche. Gezeigt werden eindrückliche Denkmäler des Mittelalters. Dabei berichten Bildwerke aus Basel, dem Gebiet des Oberrheins, der Schweiz und Süddeutschlands von Glaubenswelten, in denen die Kirche das tägliche Leben dominierte. Sie sind aussagekräftige Zeugnisse der Alltagsfrömmigkeit und des Heiligenkultes. Hochkarätige Kunstwerke geben Einblick in Ausstattung und Bildprogramme mittelalterlicher Kirchen und verweisen auf liturgische Zwecke und religiöse Vorstellungen. Wichtige Motive der mittelalterlichen Kunst wie der Kruzifixus und das Marienbild werden thematisiert und führen uns zu Liebe, Leid und Hoffnung, aber auch zu Glanz und Elend einer längst vergangenen Zeit. Damit erschliesst die Ausstellung Zusammenhänge und religiöse Werte, die vielleicht in unserer vorwiegend konfessionslos gewordenen Gesellschaft fremd geworden sind. Erstmals kommen zahlreiche Objekte aus dem Depot des Historischen Museums Basel wieder ans Licht der Öffentlichkeit. Ergänzend werden ausgewählte Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen präsentiert. Als Pars pro Toto erinnert zudem ein Fragment eines jüdischen Grabsteins aus dem 13. Jh. dar an, dass im mittelalterlichen Basel nicht nur Christen lebten. Die Präsentation der Kunstwerke gruppiert sich in fünf Themen: I. Christus und das Kreuz: Zentrum und Symbol einer Religion II. Maria: Mutter Gottes, Jungfrau, Himmelskönigin III. Heilige für alle Fälle: Vorbilder, Ansprechpartner, Helfer in der Not IV. Stifter und Schenkungen: Erinnerung und Hoffnung auf das Paradies V. In Stein gemeisselt: Taufe, Weihe, letzter Segen Die fünf Themen ermöglichen eine niederschwellige Annäherung an die zentralen Figuren der christlichen Glaubenswelten des Mittelalters, an ihre Geschichten und ihre Verehrung. Damit erklärt das Historische Museum Basel eine der Grundlagen der europäischen Kultur. Die freie und flexible Aufstellung einzelner Skulpturen eröffnet neue Sichtweisen und bietet Spielraum für Abwechslung, was dem derzeitigen Besucherverhalten entgegenkommt. Der monumentale Marienaltar aus Santa Maria in Calanca von 1512 der zweitgrösste erhaltene Wandelaltar der Schweiz wird in eigens produzierten Animationsfilmen auf spannende und zeitgemässe Weise neu erschlossen. In unterhaltsamer Form können so die komplexen Inhalte einem breiten Publikum verständlich gemacht werden. In der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, entstehen alternative Glaubenswelten (z.b. Fussball, Technologie etc.). Doch nach wie vor ist unser Jahresverlauf durch kirchliche Feiertage strukturiert, und manch einer mag noch eine Christophorus-Plakette im Auto hängen haben. Das Wissen über die Geschichten in der Bibel und Heiligenlegenden geht immer mehr verloren. Im Museum erhalten die Besucherinnen und Besucher jenseits eines religiösen Kultes Informationen zum christlichen Glauben. Mit der beachtlichen Sammlung sakraler Kunst ist das Historische Museum Basel ein zentraler Ort in der Stadt, wo man plastische Bildzeugnisse des Mittelalters sehen kann. Die im 14. Jh. errichtete Klosterkirche des Franziskaner ordens bietet hier den passenden Rahmen. So bildet die neue Präsentation «Glaubenswelten des Mittelalters» eine prädestinierte Plattform für die Auseinandersetzung mit Glaubensfragen und dem persönlichen Bezug zu Gott und anderen «höheren Wesen». Publikationen Teuflisches Werkzeug Thüringer Burgen im Krieg Begleitbuch zur Sonderausstellung auf Burg Kapellendorf Hrsg. von Marie Linz und Michael Kirchschlager, Hardcover, 180 Seiten, 108 Abb., Fadenheftung; 18,00 Euro, ISBN Bei keinem anderen Bauwerk stossen wir auf solch vielfältige Funktionen und Funktionsänderungen wie bei der «Burg», jenem symbolhaften, befestigten und multifunktional genutzten Wohnund Wehrbau des Mittelalters. Die Unterschiede in der Funktion und dem Funktionswandel einer Burg können beträchtlich sein, egal ob es sich um einen kleinen Wohnturm wie den von Wandersleben, einer kleinen «Turmburg», wie die Kemenate zu Schwallungen oder eine landgräfliche, prächtige «Grossburg» wie die Runneburg in Weissensee handelt. Heute erfreuen sich dank einer boomenden Mittelalterbegeisterung die Burganlagen grösster Beliebtheit. Das war nicht immer so. Obwohl die moderne Burgenforschung heute davon ausgeht, dass die 164 Mittelalter 23, 2018 / 3

59 Publikationen wenigsten Burgen tatsächlich Belagerungen standhalten mussten, so schlug doch für manches Bauwerk die Stunde der Bewährung. In unsicheren Zeiten lebend, wähnten sich die Menschen des Mittelalters, hier besonders die Schicht der Herrschenden, in Burgen sicher. Doch der Schein konnte trügerisch sein. In Thüringen lassen sich für alle Burgentypen, egal ob es sich um einen kleinen Wohnturm in der Niederung oder eine Burg auf spitzem Berg handelt, kriegerische Ereignisse festmachen. Und wenn auch der kleine Wohnturm von Wandersleben wohl nicht belagert worden ist, so wie wir uns eine Belagerung vorstellen, mit Belagerungsmaschinen, Steinschleudern etc., so wurde offensichtlich im Zuge der Belagerung 1450 der benachbarten Burg Gleichen im Sächsischen Bruderkrieg das dort wohnende Herrenpaar bestialisch massakriert. Um die vielen Toten, die es im Kampf um Weissensee 1212 gegeben hat, trauerte sogar ein Papst. Chronikalische Erwähnung fanden auch die 878 Bewohner Bad Langesalzas, die im Rahmen einer Belagerung des Thüringer Landgrafen 1346 im Feuer verbrannten. Zahlreiche Burganlagen überstanden diese Kämpfe, wurden später Opfer des Vergessens und des Desinteresses und gerieten in einen Dornröschenschlaf. Bürgerinitiativen war es zu verdanken, dass so manche «abrissreife» Burg heute noch steht. Aber noch mehr Burganlagen verschwanden: aufgegeben, ungenutzt, zerbrochen. Letztere sind seit geraumer Zeit Objekte archäologischer Ausgrabungen. Auch an anderen Burgen wurde bauarchäologisch geforscht, mit zumeist sensationellen Ergebnissen. Der Band «Teuflisches Werkzeug Thüringer Burgen im Krieg» versteht sich als ein weiterer Schritt im Bemühen um die Erforschung der Geschichte Thüringens. In einem allgemeinen Teil behandelt der Historiker Michael Kirchschlager die Entwicklung mittelalterlicher Kriegsmaschinen, den Nachbau einer Steinschleuder-Maschine und ausgewählte Belagerungen anhand schriftlicher Quellen. Der Archäologe Christian Tannhäuser, der über die Grabungsergebnisse der Wysburg und Saalburg promovierte, stellt den Untergang der Wysburg im Namen des Kaisers vor. Matthias Rupp, Stadtarchäologe und Denkmalschützer, widmet sich den schweren Kämpfen um den Jenaer Hausberg zu Beginn des 14. Jh. Dr. Ines Spazier, die bei Ausgrabungen auf dem Schloss Greiz ein sensationelles Depot an Armbrustbolzen entdeckte, gibt einen Überblick über die Grabungsergebnisse und die Typologie der Geschossspitzen. Schliesslich stellt die Leiterin des Museums der Wasserburg Kapellendorf, Marie Linz, die Geschichte der Wasserburg Kapellendorf (Ldkr. Weimarer Land) vor. Jürgen Dendorfer / Heinz Krieg / R. Johanna Regnath (Hrsg.) Die Zähringer. Rang und Herrschaft um 1200 Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Nr. 85 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern Format cm, 544 Seiten, Hardcover, mit 220 mehrheitlich farbigen Abbildungen. ISBN Das vorliegende Buch führt zum Gedenkjahr 2018, 800 Jahre nach dem Tod des letzten Zähringers, alle wesentlichen Aspekte der Zähringerherrschaft auf dem aktuellen Forschungsstand zusammen. Der Sammelband dokumentiert eine grosse wissenschaftliche Tagung zum Stand der Zähringerforschung, die im September 2016 in St. Peter im Schwarzwald, im Hauskloster der Zähringer, stattfand. Die historische Forschung konnte in den letzten Jahrzehnten zahlreiche neue Erkenntnisse zu diesem nur scheinbar vielbehandelten Thema ans Licht bringen. So trafen sich in St. Peter renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um sich über ihre Ergebnisse auszutauschen und auf der Basis jahrzehntelanger Forschungen ein Resümee zu ziehen. Die Beiträge zeigen zahlreiche neue Perspektiven auf: die Stellung der Zähringer im europäischen Rahmen, ihre Herrschaftsrepräsentation in heute noch sichtbaren, beeindruckenden Formen wie dem ersten Bau des Freiburger Münsters oder neue Erkenntnisse zur Geschichte des Böcklinkreuzes. Nicht zuletzt werfen sie am Zähringer Erbfall ganz grundlegende Fragen der Herrschaftsstruktur des Reiches um 1218 auf. Inhaltsverzeichnis: Jürgen Dendorfer, Heinz Krieg: Einleitung. I. Zähringer-Geschichten Heinz Krieg: Die Zähringer in der Historiographie des 12. und frühen 13. Jahrhunderts. Clemens Joos: Komplementäre Konstruktionen Die Zähringer in den Chroniken Konrad Justingers und Johannes Sattlers. Claudius Sieber- Lehmann: «Gute» Zähringer «böse» Habsburger. Die Zähringer im Schweizer Geschichtsbild. Thomas Zotz: Von Badischer Hausgeschichte zur Neuen Deutschen Verfassungsgeschichte Ansätze der Zähringerforschung vom 18. bis 20. Jahrhundert. Casimir Bumiller: Die Zähringer museumsreif? Von der Zähringerausstellung 1986 zum «Haus der Zähringer». II. Herrschaft zwischen personalen Bindungen und Raum (um 1200) Tobie Walther: Die Zähringer und die Anderen Beziehungen zum Adel im Breisgau. Petra Skoda: Personale Aspekte der Zähringerherrschaft. Gerhard Lubich: Die Zähringer Phasen und Charakteristika der Formierung eines «Adelshauses». Armand Baeriswyl: «Zähringerstädte» Ein städtebaulicher Mythos unter der Lupe der Archäologie. Martina Stercken: Die Figur des Stadtgründers Zähringer und Habsburger im Vergleich. Clemens Regenbogen: Das Burgundische Rektorat Anspruch und Wirklichkeit. III. Der Rang der Zähringer um 1200 im reichsfürstlichen Kontext Jörg Peltzer: Locus nomen gloria. Zum Rang Bertolds V. Robert Gramsch- Stehfest: Aussenseiterchancen Die Königswahl von 1198, die Zähringer und das Netzwerk der Reichsfürsten in staufischer Zeit. Tobias Weller: Die Gemahlinnen der Zähringer Konnubium und Rang. Rudolf Denk: Höfische Dichtung im Umkreis der Zähringer? Clementia von Zähringen als Mäzenatin. Michael Matzke: Siegel und Münzen der Zähringer. Alfons Zettler: Donjons Repräsentationsarchitektur der Zährin- Mittelalter 23, 2018 / 3 165

60 Publikationen ger? Hans W. Hubert: Das Münster Bertolds V. ( ) Baugestalt und Anspruchsniveau im überregionalen Vergleich. Katharina Christa Schüppel: Göttlicher Glanz und heiliger Ort Das Böcklinkreuz im Freiburger Münster als zähringische Erinnerungsstiftung? Sebastian Bock: Das Böcklin-Kreuz im Freiburger Münster als Problemfall der jüngeren Zähringer-Forschung. IV. Das Jahr 1218 Aushandlungsprozesse und Akteure Jürgen Dendorfer: Erbrecht, Lehnrecht, Konsens der Fürsten Der zähringische Erbfall und die Etablierung neuer normativer Ordnungen um Mathias Kälble: Die Stadt Freiburg und das Jahr Michael Kolinski: Die zähringische Ministerialität und der Umbruch von Eva-Maria Butz: Die Grafen von Urach Der lange Kampf um das zähringische Erbe. Knut Görich: Friedrich II. und das Reich im Jahr 1218 Königliches Handeln zwischen Planung, Erwartung und Zufällen. Le nomadisme châtelain, IX e XVII e siècles Actes du sixième colloque international au château de Bellecroix, octobre 2016, sous la direction de Nicolas Faucherre, Delphine Gautier, Hervé Mouillebouche, Chagny, ,7 cm, 374 p.; 30,00 ISBN Nicolas FAUCHERRE, Introduction. Jean-François BOYER, «Palais en mouvement»: l exemple du royaume carolingien d Aquitaine. Tristan MARTINE, Des mobilités contraires? La naissance du nomadisme châtelain dans la Lotharingie méridionale des X e et XI e s. Fanny MADELINE, Logistique et approvisionnement des demeures royales en Angleterre au XII e s. Marlène POIRIER, Hiérarchisation des demeures seigneuriales et nomadisme chez les seigneurs des Baux. Vianney MULLER, La mobilité des seigneurs de Neuchâtel-Bourgogne. Charles KRAEMER, Des grandes déambulations aux voyages fantasmés: les princes de Bar en mouvement. Matthieu PINETTE, Le château de Germolles: l organisation d une résidence de Marguerite de Flandre. Victorien LEMAN, Mobilités et villégiatures princières: l exemple des ducs Valois de Bourgogne. Hervé MOUILLEBOUCHE, La cour ducale à Dijon aux XIV e et XV e s. Préparations, installations et départs. Florentin BRIFFAZ, Le nomadisme châtelain des sires de Thoire-Villars au miroir des registres de comptes. Pratiques seigneuriales et culture nobiliaire au XIV e siècle. Daniela CEREIA, Les réseaux d eau et de terre et les déplacements de la cour de Savoie (fin du XIV e début du XV e s.). Alain KERSUZAN, «Le prince arrive, faisons le ménage». Jean- Michel POISSON, L installation et la résidence des officiers châtelains dans les châteaux comtaux savoyards au XIV e siècle. Emmanuel LITOUX, Maîtrise d ouvrage et itinérance: les chantiers angevins du roi René. Yves COATIVY, D un château l autre. Le nomadisme châtelain des ducs de Bretagne aux XIII e et XIV e s. Jean MESQUI, Châteaux et chasses royales dans les forêts de l Orléanais au Moyen Âge. Le nomadisme résidentiel et ses effets sur l activité castrale. Alain SALAMAGNE, Louis XI, le roi itinérant. Bruno BENTZ, Les voyages de Marly sous Louis XIV. Pierre SCHOEFFLER, Le détenu nomade, ou la gestion des prisonniers lors de l itinérance du châtelain. Michel HUYNH, Une approche matérielle du voyage des princes. Monique CHATENET, Conclusion. L itinérance à la cour de France au XVI e s. Peter Niederhäuser (Hrsg.) Krise, Krieg und Koexistenz 1415 und die Folgen für Habsburg und die Eidgenossenschaft Mit Beiträgen von Bettina Fürderer, Rudolf Gamper, Andre Gutmann, Günter Katzler, Oliver Landolt, Bruno Meier, Peter Niederhäuser, Alois Niederstätter, Gustav Pfeifer, Willy Schulze, Dieter Speck, Basil Vollenweider. Verlag Hier und Jetzt, Baden Seiten, 23 farbige und 9 sw Abbildungen, 16 24,5 cm ISBN Das Jahr 1415 gilt in der habsburgischen Geschichte als Jahr des Schreckens. Nachdem Herzog Friedrich IV. von Österreich und Papst Johannes XXIII. aus Konstanz geflüchtet waren und König Sigismund zum Kampf gegen den Habsburger aufgerufen hatte, fielen die habsburgischen Vorlande rasch in sich zusammen. In Erinnerung geblieben ist vor allem die eidgenössische Besetzung des Aargaus. Weit weniger bekannt sind die Folgen für andere habsburgische Gebiete. Vom Elsass bis ins Tirol wurden die traditionellen Herrschaftsverhältnisse infrage gestellt mit Folgen für die weitere Entwicklung dieser Gebiete. Der Band nähert sich aus habsburgischer Perspektive dem Jahr Erstmals stellt er die Ereignisse in den verschiedenen Regionen in einem breiten Überblick vor und untersucht die langfristigen Auswirkungen im Spannungsfeld von Krise und Krisenbewältigung. 166 Mittelalter 23, 2018 / 3

61 Vereinsmitteilungen Vereinsmitteilungen 91. Jahresversammlung des Schweizerischen Burgenvereins in Lenzburg, 25. August 2018 Die Mitgliederversammlung wurde um 10 Uhr im Burghaldenhaus am Fuss von Schloss Lenzburg eröffnet. Die 37 anwesenden Mitglieder bestätigten jeweils zügig und einstimmig die ordentlichen Traktanden (Jahresbericht, Rechnung, Bilanz und Budget). Merkenswert ist die Tatsache, dass die Anzahl der Mitglieder auf 995 (Stand ) sank; wir also jene magische Grenze von «tausend» unterschritten. Das Statement der Jahresversammlung 2017 in Chur behält damit seine Gültigkeit: Die wirksamste Form ist immer noch das aktive Einwerben von neuen Mitgliedern im Bekanntenkreis. Der Quästor verdankte in seiner Präsentation von Jahresrechnung und Bilanz 2017 das Legat Peter Strässle ( ), dessen Betrag zu einem Teil für eine neue Homepage des Burgenvereins verwendet wird. Auf diese Jahresversammlung lief die vierjährige Amtsperiode des Vorstandes ab; es stand also die Wahl eines Präsidenten und der Vorstandsmitglieder an. Unter der Leitung des Tagespräsidenten, Dr. Heinrich Boxler, wurden der Präsident und die vorgeschlagenen Vorstandsmitglieder mit Akklamation für weitere vier Jahre ( ) bestätigt. Aus dem bisherigen Vorstand trat Prof. Gaëtan Cassina zurück; als Ersatz wurde Sophie Providoli aus Siders in den Vorstand gewählt. Ebenfalls für diese Jahresversammlung hatte der Vorstand eine kleine Statutenrevision beantragt. Sie betrifft die Regelung der Rechnungsrevision und die Wahl einer professionellen Revisionsstelle. Es wurde beschlossen, dass die Rechnung des Burgenvereins für die nächsten drei Jahre nach den Regeln des Schweizerischen Revisionsrechtes in Form eines «Review» von der Lienhard Audit AG durchgeführt wird. Die Jahresversammlung schloss mit einem Apéro, offeriert von der Stadt Lenzburg. Nach der Mitgliederversammlung setzten sich die Teilnehmenden im Restaurant Krone zu Tisch, um gemeinsam das Mittagessen zu geniessen. Das Nachmittagsprogramm begann mit einer Führung durch die Gassen von Lenzburg. Eingehend diskutiert wurde die Situation an der Kirchgasse, wo ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer mit Zinnenkrone erhalten geblieben ist. Die grosse Lücke in der Stadtmauer wurde mit einer Neubebauung geschlossen, die in ihrer Formensprache den Zinnenkranz in vergrösserter Form übernahm. Danach wechselten wir zum Schloss Lenzburg, das momentan mit Gerüst und grossem Baukran «verziert» ist. Nach einer Einführung in die Problematik der Sanierung früherer Restaurierungen (bis in die 1980er Jahre) konnten wir auf dem Gerüst die Problemstellen direkt vor Ort ansehen. Bei einer zweiten Führung nahmen wir einen Einblick in die verschiedenen Lebensumstände aus der Landvogtzeit (17./18. Jh.) und der Zeit ab 1853, als das Schloss von privaten Besitzern bewohnt und entsprechend ihren Ansprüchen verändert wurde. Die Besichtigung wurde mit einem Apéro im Bistro im südlichen Bergfried beendet. Am Sonntag, 26. August 2018, führte uns die Exkursion nach Schloss Hallwyl. An ausgewählten Standorten wurden uns einzelne Etappen der Geschichte der Burg und des späteren Schlosses erläutert. Festgemacht wurden die einzelnen Epochen an zur jeweiligen Zeit lebenden Persönlichkeiten der Familie von Hallwyl, die während rund 800 Jahren das Schloss bewohnte. Auf die Schloss- und Familiengeschichte Hallwyl folgte am Nachmittag der Besuch der reformierten Kirche Staufberg. Auf einer markanten Hügelkuppe gelegen, bildet die Baugruppe von Kirche, Pfarr- und Sigristenhaus den geistlichen Gegenpol zum benachbarten Schloss Lenzburg als dem weltlichen Pol dieser Region. Bis 1565 war die Kirche auf dem Staufberg nämlich rechtlich die Pfarrkirche der Stadt Lenzburg. Ausführlich erläutert wurden die erhaltenen Glasfenster aus der Zeit um 1440, als die Herrschaft Lenzburg mit Schloss und Kirche in die Verwaltung von Berner Landvögten gelangte. Eindrücklich war auch das grosse Tretrad im Brunnenhaus, mit dem das Wasser aus dem 45 m tiefen Sodbrunnen heraufgebracht wurde. Den Abschluss der Exkursion bildete das Schloss Schafisheim. Bei der Eroberung des Aargaus 1415 durch die Berner wurde (versehentlich) auch der ursprüngliche Sitz der Herren von Baldegg «geschlissen». Nach zähen Verhandlungen erhielten die Baldegger das Recht, an dieser Stelle ein neues Schloss zu erbauen: ein turmartiger Mauerbau mit Steilwalmdach und einen vorkragenden schindelverkleideten Dachgeschoss. An das Schloss angebaut wurde um 1740 von den damaligen hugenottischen Schlossbesitzern Samuel und Etienne Brütel ein dreigeschossiger Bau, der in seiner Formensprache an das «Pfaffhaus» anschliesst. Genutzt wurde dieses Haus allerdings als Indienne-Manufaktur, ein damals erfolgreicher Zweig der Textilindustrie. Thomas Bitterli Geschäftsstelle Burgenverein Mittelalter 23, 2018 / 3 167

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