Neues Praxiswissen zur Optimierung von Baumstandorten

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1 Neues Praxiswissen zur Optimierung von Baumstandorten Bauweisen Raumbedarf Substrate Sanierung

2 Empfehlungen für Baumpflanzungen Teil 2 Standortvorbereitungen für Neupflanzungen, Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate Hrsg.: Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.v. (FLL) Ausgabe 2004

3 Hinweise zur Straßenbepflanzung in bebauten Gebieten Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. (FGSV) Ausgabe 2006

4 Straßenraumgestaltung Bäume haben eine gestalterische Funktion sie prägen durch ihre Wesensart den Straßenraum

5 Straßenraumgestaltung Kein gestalterisches Mittel erzielt auf Dauer mehr Wirkung als ein Baum Zur Gestaltung unserer Außenräume sind Bäume daher unverzichtbar Wirkung einer Baumpflanzung (links) im Vergleich zur Strauchpflanzung (rechts) aus der Sicht des Autofahrers Quelle: Empfehlungen zur Straßenraumgestaltung innerhalb bebauter Gebiete ESG 96, S. 31 (Hrsg.FGSV), Köln.

6 Straßenraumgestaltung Die Straße prägt den Baumbestand

7 Straßenraumgestaltung Der Lebensraum des Straßenbaumes in der Straße ist Gefahr

8 Straßenraumgestaltung Die Lebensbedingungen der Bäume sind katastrophal

9 Straßenraumgestaltung Bisherige Maßnahmen sind ergebnislos

10 Straßenraumgestaltung und enden häufig frühzeitig und tragisch

11 Funktionen Die Bepflanzung der Verkehrsflächen dient der Straßengestaltung der Verkehrsführung der optischen Abschirmung der optischen Führung sowie zum Schutz der Straße Die Straßenbepflanzung ist Bestandteil der Straße!

12 Problematik vegetationstechnische Anforderungen bautechnische Anforderungen Hohe Ästhetik Lange Lebensdauer Geringe Tragfähigkeit Hohe Tragfähigkeit Material Mischung Einbau Geringe Dichte Große Dichte Großer Porenanteil Geringer Porenanteil Gutes Pflanzenwachstum Schlechtes Pflanzenwachstum

13 Problematik Bau- und vegetationstechnische Anforderungen Entscheidende Faktoren sind: Material Mischung Verdichtung Einbau gutes oder schlechtes Pflanzenwachstum

14 Problematik Bautechnische Anforderungen an die Verdichtung - für den Baugrund E v2 45 MN/m 2 - für den Oberbau E v2 > MN/m 2

15 Bodenverdichtung bedeutet: das Feststoffvolumen bleibt immer konstant das Porenvolumen verringert sich Bodenverdichtung ist somit eine Veränderung des Gesamtporenvolumens bei unverändertem Feststoffvolumen

16 Bodenverdichtung die Verdichtung hat immer Auswirkungen auf: die Bodenluft reduzierter Porenraum das Bodenwasser

17 Bodenverdichtung Anforderungen an den Baugrund/Untergrund die Wasserdurchlässigkeit des Baugrundes soll > k f 1,0 x 10-6 m/s sein

18 Bodenverdichtung Verändern sich die natürlichen Standortbedingungen, verhalten sich die Wurzeln nicht mehr normal sondern weichen von ihrem genetischen Verhalten ab, nehmen den umgekehrten Verlauf und kommen nach oben.

19 Bodenverdichtung Oberflächennahes Wurzelwerk einer etwa 40-jährigen Platane führt zu Schäden am Deckenbe-la der Verkehrsfläche. Neueren Untersuchungen zur Folge weist nahezu jeder Straßenbaum die Tendenz auf, sein Wurzelwerk in Oberflächennähe anzulegen und nicht wie üblich in tiefere Bodenzonen vorzudringen. Die Ursache ist Luftmangel.

20 Grundlagen Wie wachsen Baumwurzeln?

21 Grundlagen Das Eindringen der Wurzel in die Porenräume zwischen den Bodenteilchen übernimmt die an der Spitze der Wurzel sitzende Kalyptra.

22 Grundlagen Jede Wurzel wächst nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes Kayptra Initialzone Die Wurzelhaube (Kalyptra) schützt die Initialzone vor Verletzungen. Dort wächst die Wurzel in die Länge und es werden neue Kalyptrazellen gebildet. Die auf Bodenverdichtungen sehr empfindlich reagierende Wurzelhaube gibt vor, in welche Richtung die Wurzel wachsen wird.

23 Grundlagen an der Dichtegrenze wächst die Wurzel immer in das weniger dichte Substrat hinein

24 Grundlagen Wurzeln wachsen in die Poren zwischen den Gesteinskörnern Der Porenraum im Bodengefüge

25 Luft ist das A & O

26 Anforderungen bautechnische Anforderungen an die Vegetationstragschicht Günstigste Voraussetzungen beim Baugrund E v2 45 MN/m 2 Vegetationstragschichten für den Oberbau die eine Verdichtungsleistung von E v2 > MN/m 2 erbringen sind technisch nicht herstellbar!

27 Anforderungen bautechnische Anforderungen an den Untergrund Vegetationstragschicht als Unterbau gemäß ZTV E-StB

28 Bodenverdichtung Voraussetzungen für den Baugrund E v2 45 MN/m 2 Das bedeutet: 1 Millionen N/m 2 = 1MN/m 2 = 10 bar = 101,97 mws Verformungsmodul von E V2 45 MN/m 2 bedeutet = 45 Millionen N/m 2 = 450 bar = 4.588,65 mws

29 Bodenverdichtung Verformungsmodul E V2 bedeutet eine Komprimierung die einer Wassersäule von: 4.588,65 m m auf eine Bodenfläche von nur einem Quadratmeter entspricht. Anforderungen nach: FLL ZTV-Vegtra Mü

30 Bauweisen die herkömmliche Bauweise führt immer zu Durchwurzelungen von Oberbau und Decke! standardmäßige Pflanzgrube 2 x 2 x 1 m bei hochgezogener Pflanzgrube sind Einwurzelungen in den Oberbau unvermeidbar

31 Bauweisen Baum Luftspalt Einwuchs im Oberbau Durchwurzelungen bei Hochborden und Randeinfassungen

32 Bauweisen Einwuchs im Oberbau Wurzeln dringen problemlos in ungebundene Tragschichten ein

33 Bauweisen Neue Pflanzgrubenbauweise in Verkehrsflächen Die Pflanzgrube wird als Unterbau hergestellt darüber befindet sich der Oberbau Pflanzgrube mind. 12 m 3

34 Bauweisen Vegetationstragschicht als Unterbau gemäß ZTV E-StB Oberbau Baugrund E v2 45 MN/m 2

35 Die Kenntnis über den Charakter und die Dynamik von Pflanzen ist Voraussetzung für die Pflanzenverwendung Raumbedarf

36 Raumbedarf Platane m 3

37 Raumbedarf Platane 300 m 3

38 Die Pflanzgrubengröße Raumbedarf 12 m 3 Baumsubstrat pro Baum! Pflanzgrube 12 m 3 verfüllt

39 Substrate

40 Substrate verschärfte Anforderungen überarbeiteter Kornverteilungsbereich

41 Substrate verschärfte Anforderungen Anforderungen der FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen Teil 2 Eigenschaften Gesamtporenvolumen (GPV) ist 35 Vol.-% soll 40 Vol.-% Luftvolumen (LV) Wasserkapazität (WKmax) Wasserdurchlässigkeit (k f ) 1/3 vom GPV 25 Vol.-% min m/s 15 Vol.-% 35 Vol.-% 45 Vol.-% min max erhöhte Anforderungen an den Bodenluft und Wasserhaushalt

42 Raumbedarf Durchwurzelung Wie in allen anderen Städten muß festgestellt werden, daß spätestens im zweiten Jahr nach der Pflanzung die laterale Wurzelausbreitung den seitlichen Grubenrand erreicht hat. KRIETER

43 Erweiterung des durchwurzelbaren Bodenraumes Bauweisen Wurzelraumerweiterung Platane

44 Erweiterung des durchwurzelbaren Bodenraumes Grabenbelüftung Durch die Bereitstellung von Belüftungsgräben außerhalb der Pflanzgruben, werden tieferliegende Bodenzonen von den Wurzeln erschlossen.

45 Erweiterung des durchwurzelbaren Bodenraumes Tiefenbelüftung Durch die Bereitstellung von Tiefbohrungen unterhalb der Pflanzgruben, werden selbst große Bodentiefen noch erschlossen.

46 Schutz vor Einwuchs

47 Schutz vor Einwuchs Wurzeln wachsen immer radial. Eckfugen sind besonders betroffen.

48 Schutz vor Einwuchs Einwuchs in die Bettung Platane

49 Rissbildung im Deckenbelag Schutz vor Einwuchs Einwuchs im Oberbau Einwuchs im Oberbau Starkwurzeln im Oberbau Substrat nach ZTV-Vegtra Mü Sieblinienband B (oberbautauglich)

50 Schutz vor Einwuchs Wurzelglocke Wurzelglocke als Durchwurzelungsschutz für den Oberbau Platane

51 Schutz vor Wurzeleinwuchs Bauweise mit konischer Wandung 100 % tiefgründige Durchwurzelung

52 Herstellung und Einbau Belüftung der Pflanzgrube Platane

53 Herstellung und Einbau verdichtete Pflanzgrube Platane

54 Herstellung und Einbau Oberbau Wurzelglocke auf der verdichteten Pflanzgrube Platane

55 Herstellung und Einbau Belüftungsgraben als Wurzelraumerweiterung außerhalb der Pflanzgrube

56 Herstellung und Einbau Humus Es existiert eine direkte Beziehung zwischen dem Wurzelwachstum und der Verfügbarkeit von organischer Substanz. Fugen Wurzeln

57 Herstellung und Einbau Wurzellockstoff Wurzellockstoff ist ein mobiler Ionenadsorber, der durch Adhäsion an einem offenporigen Trägerstoff festgelegt ist. Wurzellockstoff als Depot im Sohlbereich des Wurzelgrabens verhindert, dass es zu einem oberflächigen Wurzelwachstum kommt.

58 Spezielle Bauweisen Mittelstreifen Der Irokese Reeperbahn Hamburg

59 Spezielle Bauweisen Mittelstreifen

60 Mittelstreifen Spezielle Bauweisen Vegetationstragschicht als Unterbau unter der Fahrbahn Harvesthuder Weg Hamburg

61 Spezielle Bauweisen Mittelstreifen

62 Spezielle Bauweisen Einwuchs in den Oberbau Vegetationstragschicht als Unterbau unter der Fahrbahn

63 Sanierung von Wurzelschäden

64 Sanierung von Wurzelschäden Platane Pflasterschäden durch Baumwurzeln.

65 Sanierung von Wurzelschäden fugenarme Decken bewirken strangförmige Wurzelwerke Hochbord Platane

66 Sanierung von Wurzelschäden Kappungen bei Maßnahmen ohne baumpflegerische Begleitung Platane

67 Sanierung von Wurzelschäden Platane Kappungen bei Maßnahmen mit baumpflegerische Begleitung (Wurzelvorhang)

68 Sanierung von Wurzelschäden Wurzelvorhang Wurzelkappung

69 Normen und Regelwerke RAS-LP 4 Wurzelkappung Wurzelkappung

70 Stand der Technik Manchmal muss im unmittelbaren Wurzelbereich gearbeitet werden. Schonend werden hier die Wurzeln mit Druckluft freigelegt. Die freigelegten Wurzeln werden mit sauberem Gerät nachgeschnitten. So kann einer Pilzinfektion weitgehend vorgebeugt werden. Quelle Vita arborea GmbH 2007

71 Bauweise 2 Rad- und Fußweg; BK VI RStO (Platten- oder Klinkerbelag) Starkwurzel in das Bauwerk einbauen!

72 Sanierung von Wurzelschäden Starkwurzeln werden unterfüttert und überdeckt. Je nach Bauweise kann dazu Schotter oder Substrat verwendet werden

73 Sanierung von Wurzelschäden bei großer Wurzeldichte ist eine Flächenbelüftung erforderlich.

74 Sanierung von Wurzelschäden wiederhergestellte Verkehrsfläche

75 Spezielles Wissen Fixierungshilfen schaffen

76 Fazit Bäume sind zur Gestaltung unserer Städte unverzichtbar. Kein gestalterisches Mittel erzielt auf Dauer mehr Wirkung als ein Baum. Wurzeln wachsen nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes. Sie meiden verdichtete Bodenzonen und bevorzugen lockere Bereiche. Durch bau- und vegetationstechnische Maßnahmen lassen sich Wurzeln lenken. Schäden durch Wurzelwerke von Altbäumen lassen sich durch Umbettungen sanieren. Die bestehenden Regelwerke sind dazu wichtige Instrumente. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Sachverständigen und Vegetationstechnikern wird bei Baumpflanzungen dringend empfohlen.

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