Meister Eckhart. Von der êwigen geburt. Vier Predigten zur Weihnachstzeit (Der Gottesgeburtszyklus, Pr ).

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1 Meister Eckhart Von der êwigen geburt. Vier Predigten zur Weihnachstzeit (Der Gottesgeburtszyklus, Pr ). Über die Unvergänglichkeit der Werke (Predigt 105) Die Opferstockpredigt (Predigt 109) Text: Meister Eckhart: Die Deutschen und Lateinischen Werke. Meister Eckharts Predigten. Deutsche Werke. Bd. IV,1 u. 2, herausgegeben von Georg Steer. Stuttgart: Kohlhammer Übersetzung von Karl Heinz Witte. Karl Heinz Witte, München, Dezember Nur zum persönlichen Gebrauch.

2 Inhaltsverzeichnis Von der êwigen geburt. Vier Predigten zur Weihnachtszeit (Der Gottesgeburtszyklus ) 3 Predigt 101: Dum medium silentium tenerent omnia et nox in sua cursu medium iter haberet (Sap. 18,14) 3 Predigt 102: Ubi est, qui natus est rex Iudaeorum? (Matth. 2,2) 13 Predigt 103: Cum factus esset Iesus annorum duodecim (Luk. 2,41) 20 Predigt 104: In his, quae patris mei sunt, oportet me esse (Luk. 2,49) 28 Die Unvergänglichkeit der guten Werke 39 Predigt 105: Ich hân gesprochen in einer predige. 39 Die Opferstockpredigt 44 Predigt 109: Nolite timere eos, qui occidunt corpus (Matth. 10,28 33) 44 2

3 Von der êwigen geburt. Vier Predigten zur Weihnachtszeit (Der Gottesgeburtszyklus ) Predigt 101: Dum medium silentium tenerent omnia et nox in sua cursu medium iter haberet (Sap. 18,14) [335] Wir begân hie in der zît von der êwigen geburt, die got der vater hât geborn und gebirt âne underlâz in êwicheit, daz diu selbe geburt nû ist geborn in der zît in menschlîcher natûre. [336] Sant A u- gu s tî n u s sprichet: daz disiu geburt iemer geschehe und aber in mir niht engeschihet, waz hilfet mich daz? Aber daz si in mir geschehe, dâ liget ez allez ane. Nû gebürt uns ze redenne von dirre geburt, wie daz si in uns geschehe und volbrâht werde in der guoten sêle, wâ got der vater sîn êwic wort sprechende sî in der volkomenen sêle. Wan daz ich hie spriche, daz sol man verstân von einem guoten, volkomenen menschen, der [337] in dem wege gotes gewandelt hât und noch wandelt, niht von einem natiurlîchen, ungeüebeten menschen, wan der ist zemâle verre und unwizzende ihtes iht von dirre geburt. [338] Ein wort sprichet der wîse man: dô alliu dinc wâren enmitten in einem swîgenne, dô kam von oben her nider von dem küniclîchen stuole [ ] in mich ein verborgen wort. Hie ûz sol disiu predige gân Wir feiern hier in der Zeit der ewigen Geburt, die Gott der Vater gezeugt hat und ohne Unterlass in der Ewigkeit zeugt, dass dieselbe Geburt jetzt in der Zeit in menschlicher Natur geboren 1 wurde. Der heilige Augustinus spricht: Wenn diese Geburt irgendwann geschieht, aber nicht in mir, was hilft mir das? Aber dass sie in mir geschieht, daran liegt alles. Heute steht es an, darüber zu reden, wie diese Geburt in uns geschieht und in der guten Seele vollendet wird, wo Gott Vater sein ewiges Wort in der vollkommenen Seele spricht. Denn was ich hier sage, das ist im Blick auf einen guten, vollkommenen Menschen zu verstehen, der auf dem Wege Gottes gewandelt ist und noch wandelt (vgl. Deut. 8,6), nicht im Blick auf einen natürlichen, ungeübten Menschen; denn dieser ist davon weit entfernt und weiß von dieser Geburt gar nichts. Im Buch der Weisheit steht ein Wort: Als alle Dinge mitten im Schweigen lagen, kam von oben, von dem königlichen Thron [ ] in mich ein verborgenes Wort hernieder (Sap. 18,14). Davon soll diese Predigt ihren Ausgang nehmen. Driu dinc sol man hie merken. 25 Dabei sind drei Punkte zu beachten. Daz êrste ist, wâ got der vater spreche sîn wort in der sêle und wâ dirre geburt stat sî und [339] wâ si dises werkes enpfenclich sî. Wan daz muoz sîn in dem allerlûtersten, edelsten und subtîlsten, daz diu sêle geleisten mac. In der wârheit: möhte got der vater mit aller sîner almehticheit iht edelers gegeben der sêle in ir natûre und möhte diu sêle iht edelers von im genemen, des selben adels müeste got der vater beiten mit dirre geburt. Dar umbe muoz sich [340] diu sêle, in der disiu geburt geschehen sol, gar lûter halten und gar adellîche leben und gar eine und gar inne, niht ûzloufen durch die vünf sinne in manicvalticheit der crêatûren, mêr: alles inne Erstens: Wo Gott Vater sein Wort in der Seele spricht und wo der Ort dieser Geburt ist und wo die Seele für dieses Wirken [Gottes] aufnahmefähig ist. Denn das muss in dem Allerreinsten, Edelsten und Feinsten sein, das die Seele aufbringen kann. Wahr ist: Könnte Gott Vater mit all seiner Allmacht der Seele in ihrer Natur etwas [noch] Edleres geben, und könnte die Seele etwas [anderes, noch] Edleres von ihm empfangen, so müsste Gott Vater um dieses Edle willen mit seiner Geburt warten. Darum muss sich die Seele, in der diese Geburt geschehen soll, ganz rein halten und ganz edel leben und ganz in Einem und ganz im Innen, [sie darf] nicht durch die fünf Sinne in die Viel- 1 Mittelhochdeutsch geburt, gebern heißt sowohl Geburt, gebären wie zeugen. Der theologische Terminus in der Trinitätslehre ist generare, zeugen. Wenn vom Hervorgang des Sohnes aus Gott Vater die Rede ist, wählt die Übersetzung dementsprechend zeugen, für die Ankunft des Gottessohnes in der Seele hingegen näher bei der Wortwahl Eckharts Geburt, gebären.

4 sîn und ein sîn; und in dem lûtersten dâ ist sîn stat, im versmâhet iht minners. Daz ander teil dirre predige ist, wie sich der mensche ze disem werke sülle halten oder ze disem însprechenne oder geberne: ob im nützer sî, daz er ein mitewürken mit disen habe und dâ mite er werbe und verdiene, daz disiu geburt in im geschehe und geborn werde, alsô daz der mensche in im schepfe ein bilde in sîner vernunft und in sînem gedanke und sich dar ane uebe, alsô gedenkende: got ist guot, wîse, almehtic, êwic, und swaz er alsô erdenken mac von gote, ob daz mê diene und vürdere dise veterlîche geburt, oder daz man sich entziehe und ledic [341] mache von allen gedenken und von allen worten und werken und von allen bilden und verstânnes, und daz man sich zemâle halte in einem lûtern gotlîdenne, und halte sich müezic und lâze got in im würken: in welchem der mensche allermeist diene ze dirre geburt. Daz dritte ist, wie grôz der nutz sî, der an dirre geburt liget. [342] Nû merket ze dem êrsten! Ich wil iu dise rede bewæren mit natiurlîchen reden, daz ir ez selber möhtet grîfen, daz ez alsô ist, wie ich doch der schrift mê gloube dan mir selber. Aber ez gât iu mê în und baz von bewærter rede. [343] Nû nemen wir daz êrste wort, daz er sprichet: enmitten in dem swîgenne wart mir îngesprochen ein verborgen wort. Ach, herre, wâ ist daz swîgen und wâ ist diu stat, dâ diz wort îngesprochen wirt? Sehet aber, als ich vor sprach: ez ist in dem lûtersten, daz diu sêle geleisten mac, in dem edelsten, in dem grunde, jâ, in dem wesene der sêle, daz ist in dem verborgensten der sêle. Dâ ist daz mittel swîgen, wan dar enkam nie crêatûre în noch nie kein bil[344]de, noch diu sêle enhât dâ weder würken noch verstân, noch enweiz dâ umbe kein bilde, weder von ir selber noch von keiner crêatûre. falt der Geschöpfe auslaufen, sondern [muss] ganz innen und eins sein. Im Reinsten ist sein Ort, etwas Geringeres widersteht ihm. Der zweite Teil dieser Predigt handelt davon, wie sich der Mensch diesem Wirken [Got- 45 tes] gegenüber verhalten soll oder diesem Einsprechen oder Gebären gegenüber: Ist es ihm nützlicher, dabei mitzuwirken und damit zu erwerben und zu verdienen, dass diese Geburt 50 in ihm geschieht und geboren wird? Etwa indem der Mensch eine Vorstellung in seiner Vernunft und seinen Gedanken erzeugt und sich darin übt. Indem er [etwa] denkt: Gott ist gut, weise, allmächtig, ewig und was er in ähnlicher 55 Weise über Gott denken kann. Unterstützt und fördert das diese väterliche Zeugung? Oder [nützt es mehr], dass man sich entzieht und ledig macht von allen Gedanken und von allen Worten und Werken und von allem Vorstellen 60 und Verstehen und dass man sich völlig in einem reinen Gotterleiden hält und dass man sich selbst untätig verhält und Gott in sich wirken lässt? Wodurch kann der Mensch zu dieser Geburt am meisten beitragen? 65 Das dritte [Thema] wird sein, wie groß der Nutzen ist, der in dieser Geburt liegt. Hier also das erste Kapitel! Ich will euch diese Ausführungen mit natürlichen Gründen darlegen, damit ihr selbst 70 begreifen könnt, dass es so ist; obwohl ich doch der Schrift mehr glaube als mir selbst. Aber euch leuchtet es in argumentativer Darlegung besser ein. 75 Nun betrachten wir das erste Wort: Mitten im Schweigen wurde mir ein verborgenes Wort eingesprochen. Ach, Herr, wo ist das Schweigen und wo ist der Ort, da dieses Wort eingesprochen wird? 80 Seht wiederum: Wie ich zuvor gesagt habe: Es ist in dem Reinsten, das die Seele aufbringen kann, in dem Edelsten, in dem Grunde, ja im Sein der Seele, das heißt im Verborgensten der Seele. Dort ist das Mittel Schweigen ; denn 85 dahinein kam nie ein Geschöpf noch eine Vorstellung; und dort hat die Seele weder Wirken noch Verstehen, und dort weiß sie um keine Vorstellung weder von sich selbst noch von einem Geschöpf. 4

5 Alliu diu werk, diu diu sêle würket, diu würket si mit den kreften: swaz si verstât, daz verstât si mit verstantnisse; sô si gedenket, daz tuot si mit gehugnisse; sô si minnet, daz tuot si mit dem willen. Und alsô würket si mit den kreften und niht mit dem wesene. Allez ir ûzwürken haftet iemer an etwaz mittels. Diu kraft des sehennes enwürket niht dan durch diu ougen, anders enmac si enkeine wîs gesehen würken noch geben. Und alsô ist ez mit allen andern sinnen: allez ir ûzwürken würket si durch etwaz mittels. Mêr: in dem wesene enist kein werk. Dar umbe enhât diu sêle in dem wesene kein werk. Mêr: die krefte, dâ si mite wür[345] ket, die vliezent ûz dem grunde des wesens. Mêr: in dem grunde dâ ist daz mittel swîgen, hie ist aleine ruowe und ein vîren ze dirre geburt und ze disem werke, daz got der vater aldâ sprichet sîn wort. Wan daz enist von natûre nihtes enpfenclich dan aleine des götlîchen wesens âne allez mittel. Got gât hie in die sêle mit sînem allem, niht mit sînem teile. Got gât hie in [346] den grunt der sêle. Nieman enkumet in den grunt der sêle dan aleine got. Die crêatûren enmügen niht in den grunt der sêle. Sie müezen hie ûze blîben in den kreften. Dâ sihet si wol ir bilde ane, dâ mite si îngezogen ist und herberge hât enpfangen. Wan swenne die krefte der sêle rüerent die crêatûren, sô nement sie und schepfent bilde und glîchnisse von den crêatûren und ziehent die in sich. Und von dem sô bekennent sie die crêatûren. Niht næher [347] enmac diu crêatûre komen in die sêle, noch niemer engenæhete diu sêle keiner crêatûre, si enhæte des êrsten williclîche ir bilde in sich enpfangen. Von den gegenwertigen bilden sô nâhet si sich den crêatûren wan bilde ist ein dinc, daz diu sêle schepfet mit den kreften von den dingen, ez sî ein stein, eine rôse, ein mensche oder swaz ez sî, daz si bekennen wil, sô nimet si daz bilde her vür, daz si vor îngezogen hât, und alsô mac si sich mit in vereinen. [348] Swenne aber der mensche alsô ein bilde enpfæhet, daz muoz von nôt komen von ûzwendic în durch die sinne. Und dar umbe 90 Alle Tätigkeiten, die die Seele ausführt, wirkt sie mit ihren Kräften: Was sie versteht, das versteht sie mit dem Verstand; wenn sie an etwas denkt, tut sie es mit dem Gedächtnis; wenn sie liebt, tut sie es mit dem Willen. Und 95 so arbeitet sie mit ihren Kräften und nicht mit dem Sein. All ihr Wirken nach außen ist immer mit irgendeinem Mittel verbunden. Die Kraft des Sehens wirkt nur durch die Augen; auf keine andere Weise kann sie Sehen bewirken oder 100 erzeugen. Ebenso ist es mit allen anderen Sinnesorganen: All ihr Wirken nach außen vollbringt sie mithilfe eines Mittels. Aber im Sein gibt es keine Tätigkeit. Darum kennt die Seele in ihrem Sein kein Wirken; sondern die Kräfte, 105 mit denen sie wirkt, die fließen [erst] aus dem Grunde des Seins. Aber in dem Grunde da ist das Mittel Schweigen. Hier gibt es nur Ruhe und ein Feiern dieser Geburt und diesem Werk gegenüber: dass Gott Vater dort sein Wort 110 spricht. Denn dieses [Sein der Seele] ist seiner Natur nach für nichts anderes aufnahmefähig als nur für das göttliche Wesen ohne jedes Mittel. Gott geht hier mit allem von sich in die Seele ein, nicht mit einem Teile. Gott geht hier 115 in den Grund der Seele ein. Niemand kommt in den Grund der Seele, nur Gott allein. Die Geschöpfe können nicht in den Grund der Seele. Sie müssen draußen bleiben in den Seelenkräften. Dort hat die Seele wohl ihre 120 Vorstellungen im Blick, mit denen sie [die Kreatur in die Seele] eingezogen ist und worin sie ihre Wohnstätte empfangen hat. Denn sobald die Seelenkräfte die Geschöpfe berühren, so empfangen und erzeugen sie Vorstellungen und 125 Ähnlichkeiten von den Geschöpfen und ziehen diese in sich hinein. Und dadurch erkennen sie die Geschöpfe. Tiefer kann das Geschöpf nicht in die Seele kommen, und niemals ist die Seele einem Geschöpf nahegekommen, sie hätte denn 130 zuerst willentlich [bewusst] dessen Bild in sich aufgenommen. Durch die gegenwärtigen Vorstellungen nähert sie sich den Geschöpfen denn die Vorstellung ist etwas, das die Seele mithilfe ihrer Kräfte von den Dingen schöpft, 135 sei es ein Stein, eine Rose, ein Mensch oder was immer sie erkennen will : so holt sie die Vorstellung hervor, die sie zuvor [in sich] hineingezogen hat, und so kann sich die Seele mit den Geschöpfen vereinen. 140 Aber immer wenn der Mensch auf diese Weise ein Bild empfängt, so muss dies notwendig von außen durch die Sinne hereinkommen. 5

6 sô enist der sêle kein dinc als unbekant als si ir selber. Alsô sprichet ein meister, daz diu sêle kein bilde von ir selber geschepfen enmac noch gewürken. Dar umbe enmac si sich selber mit nihte bekennen, wan bilde koment alles în durch die sinne. Des enmac si kein bilde von ir selber gehaben. Und dâ von weiz si alliu anderiu dinc und sich selber niht. Keines dinges weiz si als wênic als sich selber durch des mittels willen. Und daz wizzet ouch, daz si innen ledic und vrî ist von allem mittel und von allen bil[349]den.und daz ist ouch diu sache, daz sich got lediclîche mit ir vereinen mac sunder bilde oder glîchnisse. Dû enmaht ez niht gelougenen: swaz mügelicheit dû einem werkmeister gibest, dû müestest die selben mügelicheit gote geben sunder alle mâze. Als nû ie ein meister wîser und mehtiger ist, sô ouch sîn werk unmittellîcher geschihet und einveltiger ist. Der mensche hât vil mittels in sînen ûzwendigen werken. Ê er diu volbringe, als er sie in im gebildet hât, dâ hœret vil bereitschaft ze der materien. Mêr: diu sunne in ir meisterschaft und in irm würkenne, daz ist erliuhten, daz tuot si gar snelliclîche. Als schiere als si irn schîn ûzgiuzet, in dem selben ougenblicke sô ist alliu diu werlt vol liehtes an allen enden. Mêr: dar über ist der engel: der bedarf noch minner mittels an sînen werken und hât ouch min[350]ner bilde. Ie hœher der engel ist, ie minner bilde er hât. Der alleroberste Seraphîn der enhât niht dan ein bilde. Alle, die under im sint, waz sie nement in manicvalticheit, daz nimet er allez in einem. Mêr: got bedarf keines bildes noch enhât kein bilde. Got würket in der sêle âne alle mittel, bilde oder glîchnisse, jâ, in dem grunde, dâ nie bilde înkam dan er selber mit sînem eigenen wesene. Daz enmac niht getuon kein crêatûre. Wie gebirt got der vater sînen sun in dem grunde der sêle? Als die crêatûren tuont in bilden und in glîchnissen? Nein, entriuwen! Mêr: in aller der wîse als er in in der êwicheit gebirt, noch minner noch mê. Eyâ, wie gebirt er in dâ? Daz merket! Sehet, got der vater hât [351] ein volkomen însehen in sich selber und ein abgründic durchkennen sîn selbes Und darum ist der Seele nichts so unbekannt wie sie sich selbst. Darum sagt ein Meister, dass die Seele von sich selbst keine Vorstellung schöpfen oder erwirken kann. Darum kann sie sich selbst durch nichts erkennen, denn alle Vorstellungen kommen durch die Sinne in sie hinein. Darum kann sie kein Bild von sich selbst haben. Und darum kennt sie alle anderen Dinge, aber sich selbst nicht. Nichts kennt sie so wenig wie sich selbst, und zwar aufgrund des [fehlenden] Mittels. Ihr sollt aber auch wissen, dass die Seele innerlich ledig und frei ist von jedem Mittel und von allen Vorstellungen. Und das ist auch der Grund dafür, dass sich Gott lediglich mit ihr ohne Bild und Gleichnis vereinen kann. Du kannst nicht abstreiten: Dieselbe Möglichkeit, die du einem Werkmeister einräumst, die müsstest du ohne jede Einschränkung Gott einräumen. Je weiser und fähiger ein Meister ist, desto unmittelbarer und einfacher entsteht auch sein Werk. Der Mensch hat bei seinen äußeren Tätigkeiten viele Mittel [nötig]. Bevor er diese [Werke] vollbringt, wie er es sich vorgestellt hat, bedarf es vieler Vorbereitung des Materials. Aber die Sonne in ihrer Meisterschaft und in ihrer Tätigkeit, das heißt im Erleuchten, ist sehr schnell darin. Sobald sie ihren Schein ausgießt, in demselben Augenblick ist die ganze Welt an allen Enden voll Licht. Aber darüber steht noch der Engel: Der braucht noch weniger Mittel bei seinen Werken und hat auch weniger Vorstellungen. Je höher ein Engel steht, desto weniger Vorstellungen hat er. Der allerhöchste Seraph hat nur ein einziges Erkenntnisbild. Was alle, die unter ihm sind, in Vielfalt aufnehmen, das alles erfasst er in einem. Aber Gott braucht kein Erkenntnisbild und hat auch kein Erkenntnisbild. Gott wirkt in der Seele ohne jedes Mittel, Bild und Gleichnis, ja, [er wirkt] in dem Grund, in den nie ein Bild hineinkam, nur er selbst mit seinem eigenen Wesen. Dazu ist kein Geschöpf imstande. Wie gebiert Gott Vater seinen Sohn im Grunde der Seele? So wie es die Geschöpfe tun, in Bildern und Gleichnissen? Nein, wirklich nicht! Sondern gerade in derselben Weise, wie er in der Ewigkeit zeugt, nicht mehr und nicht weniger. Ja, wie zeugt er denn den Sohn dort? Gebt acht: Seht, Gott Vater hat vollkommenen Einblick in sich selbst und ein abgründiges Durch-und-durch-Kennen seiner selbst 6

7 mit im selber, niht mit keinem bilde. Und alsô gebirt der vater sînen sun in wârer einunge götlîcher na[352]tûre. Sehet, in der selben wîse und in keiner andern gebirt got der vater sînen sun in der sêle grunde und in irm wesene und einiget sich alsô mit ir. Wan wære dâ dehein bilde, sô enwære dâ niht dehein einunge. Und in der wâren einunge liget alliu iriu sælicheit. Nû möhtet ir sprechen, in der sêle ensî niht dan bilde von natûre. Nein, niht! Wan wære daz wâr, sô enwürde diu sêle niemer sælic, wan got enmöhte keine crêatûre machen, in der dû volkomen sælicheit möhtest nemen. Anders enwære got niht diu hœhste sælicheit und daz [353] jüngste ende, daz doch sîn natûre ist, und wil, daz er sî begin und ende aller dinge. Ez enmac keiniu crêatûre dîniu sælicheit sîn, sô enmac si ouch hie niht dîniu volkomenheit gesîn, wan diu volkomenheit dises lebens, daz ist aller tugende, der volget nâch volkomenheit jenes lebens. Und dâ von muost dû von nôt sîn und wonen in dem wesene und in dem grunde. Dâ muoz dich got rüeren mit sînem einvaltigen wesene âne mittel keines bildes. Ein ieglich bilde daz enwîset noch enmeinet sich selber niht. Ez ziuhet und wîset alles dâ hine, des bilde ez ist. Und sît daz man kein bilde enhât dan von dem, daz ûzwendic ist und durch die sinne îngezogen wirt von den crêatûren, und wîset ouch alles dâ hine, des bilde ez ist, sô wære daz unmügelich, daz dû iemer möhtest sælic werden von keinem bilde. Dâ von muoz dâ ein swîgen und ein stille sîn und der vater muoz dâ sprechen und gebern sînen sun und würken sîniu werk âne alliu bilde. [354] Daz ander ist: waz dem menschen gehœre sînes werkes her zuo ze würkenne, dâ mite er erwerbe und verdiene, daz disiu geburt in im geschehe und volbrâht werde; ob daz iht bezzer sî, daz der mensche etwaz sînes werkes dar zuo tuo, als ein înbilden und ein gedenken an got, oder daz der mensche sich halte in einem swîgenne, in einer stille und ruowe und lâze got in im sprechen und würken, und warte er aleine gotes werke in im. Ich spriche aber, als ich vor sprach: disiu rede und disiu wârheit gehœrent aleine guoten und volkomenen menschen zuo, die dâ in sich und an sich gezogen hânt aller durch sich selbst, ohne irgendein Erkenntnisbild. Und darum zeugt der Vater seinen Sohn in der göttlichen Natur in wahrer Einheit. Seht, in derselben Weise und in keiner anderen gebiert Gott Vater seinen Sohn im Seelengrund und im Wesen der Seele und eint sich so mit ihr. Denn gäbe es dort ein Bild, wäre dort keine Einung. In der wahren Einung aber liegt ihre ganze Seligkeit. Nun könntet ihr sagen, in der Seele seien von Natur nur Vorstellungsbilder. Nein, so ist es nicht. Denn wäre das wahr, würde die Seele niemals selig; denn Gott könnte kein Geschöpf schaffen, in dem du vollkommene Seligkeit empfangen könntest. Und dann wäre Gott nicht die höchste Seligkeit und das letzte Ziel, was ja [in Wahrheit] seine Natur ist und [was er sein] will, nämlich Anfang und Ziel aller Dinge. Kein Geschöpf kann deine Seligkeit sein, und so kann es auch hier [im weltlichen Leben] nicht deine Vollkommenheit sein; denn auf die Vollkommenheit dieses Lebens, das heißt aller Tugenden, folgt [erst] die Vollkommenheit jenes Lebens. Und darum musst du notwendig im Sein und im Grunde sein und wohnen. Dort muss dich Gott mit seinem einfachen Sein und ohne das Mittel eines Vorstellungsbildes berühren. Kein Bild zeigt oder meint sich selbst. Es zielt und weist gänzlich auf das hin, dessen Bild es ist. Und da man Bilder nur von dem hat, das außen ist und von den Geschöpfen durch die Sinne eingezogen wird, und da auch alles auf das hinweist, dessen Bild es ist, wäre es unmöglich, dass du je durch ein Bild selig werden könntest. Darum muss es dort Schweigen und Stille geben, und der Vater muss dort seinen Sohn sprechen und gebären und seine Werke ohne alle Bilder wirken. Das zweite Kapitel: Was sollte der Mensch selbst dazu beitragen, um es zu erwerben und zu verdienen, dass diese Geburt in ihm geschieht und vollendet wird? Ist es etwa besser, dass der Mensch von sich selbst her etwas dazu beiträgt, zum Beispiel ein Imaginieren und An-Gott-Denken; oder soll sich der Mensch in Schweigen, in Stille und Ruhe halten und Gott in sich sprechen und wirken lassen und sich selbst allein auf Gottes Wirken in ihm einstellen? Ich wiederhole, was ich zuvor gesagt habe: Diese Ansprache und diese Wahrheit sind nur guten und vollkommenen Menschen angemessen, die das Sein aller Tugenden in sich und an 7

8 tugende wesen, alsô daz die tugende wesenlîche ûz in vliezent sunder ir zuotuon und vor allen dingen [355] daz wirdic leben und diu edel lêre unsers herren Jêsû Kristî in in lebe. Die suln daz wizzen, daz daz aller beste und daz aller edelste, dar man zuo komen mac, in disem lebene ist: dû solt swîgen und lâz got würken und sprechen. Als dâ alle die krefte sint abegezogen von allen irn werken und von allen bilden, alsô wirt diz wort gesprochen. Dar umbe sprach er gar wol: enmitten in dem swîgenne wart mir diz heimlich wort zuogesprochen. Und dar umbe: sô dû alle dîne krefte ie mê maht geziehen in ein und vergezzen aller dinge und ir bilde, diu dû in dich ie gezüge, und ie mê dû dich den crêatûren und irn bilden verrest, ie dû disem næher bist und ie enpfenclîcher. Möhtest dû aller dinge zemâle unwizzende werden, jâ, möhtest dû komen in ein unwizzen dînes eige[356]nen lîbes und lebens, als sant Paulô geschach, dô er sprach: ob ich wære in dem lîbe oder niht, des enweiz ich niht, got der weiz ez. Dô hâte der geist alle die krefte alsô gar in sich gezogen, daz im des lîchamen was vergezzen. Dô enworhte weder gehugnisse noch verstantnisse noch sinne noch ouch die krefte, die irn învluz in der wîse solten haben, daz sie den lîchamen solten vuoren und zieren. Der brant und diu hitze was ûfenthalten. Und dâ von ennam der [357] lîchame niht abe, die wîle er in den drin tagen niht enâz noch entrank. Alsô geschach Moyse, dô er vastete vierzic tage ûf dem berge und er enwart nie deste krenker. Er was des lesten tages alsô stark als des êrsten. Alsô solte der mensche entwîchen allen sinnen und înkêren alle sîne krefte und komen in ein vergezzen aller dinge und sîn selbes. Hie von sprach ein meister ze der sêle: entziuch dich von der unruowe ûzwendiger werke. Dar nâch: vliuch und verbirc dich vor dem gestürme inwendiger gedanke, wan sie unvride machent. Dar umbe, sol got sîn wort sprechen in der sêle, sô muoz si in ruowe und in vride sîn. Und danne sô sprichet er sîn wort und sich selber in der sêle und niht ein bilde, mêr: sich selber. [358] Sant Dionysius sprach: got enhât kein bilde noch glîchnisse sîn selbes, wan er ist wesenlîche allez guot, wârheit und wesen sich gezogen haben, und zwar so, dass die Tugenden in ihrer Wesensform aus ihnen ohne ihr [menschliches] Zutun fließen und dass vor allem das würdige Leben und die edle Lehre unsers Herrn Jesu Christi in ihnen lebt. Diese sollen wissen: Das Allerbeste und Alleredelste, zu dem man in diesem Leben kommen kann, ist: Du sollst schweigen und Gott wirken und sprechen lassen. Wenn alle Seelenkräfte von ihren Tätigkeiten und Vorstellungen abgezogen sind, wird dieses Wort gesprochen. Darum hieß es zu Recht: Mitten im Schweigen wurde mir dies heimliche Wort zugesprochen. Darum: Je mehr du alle deine Kräfte in eins zusammenziehen und alle Dinge und ihre Vorstellungsbilder, die du immerzu in dir gesammelt hast, vergessen kannst, und je mehr du dich von den Geschöpfen und deren Vorstellungen entfernst, desto näher und desto aufnahmebereiter bist du für dieses [Geschehen]. Könntest du aller Dinge zumal unwissend werden, ja sogar in ein Unwissen deines eigenen Leibes und Lebens kommen, wie es dem heiligen Paulus geschah, als er sprach: Ob ich im Leib war oder nicht, ich weiß es nicht, Gott weiß es (2 Kor. 12,2). Da hatte der Geist alle Seelenkräfte so sehr in sich gezogen, dass er den Körper vergessen hatte. Da arbeiteten weder Gedächtnis noch Verstand noch die Sinne, auch nicht jene Kräfte, die mit ihrem Einfluss den Körper führen und zieren sollten. Der [innere] Brand und die Hitze blieben aufrecht erhalten. Darum nahm der Körper nicht ab, während er drei Tage nichts aß und trank. Ebenso erging es Moses, als er vierzig Tage auf dem Berge fastete (vgl. Ex. 24,18; 34,28) und trotzdem nicht schwächer wurde. Er war am letzten Tage ebenso stark wie am ersten. Ebenso soll der Mensch alle Sinneswahrnehmungen meiden und alle seine Kräfte nach innen kehren und ins Vergessen aller Dinge und seiner selbst kommen. Darum sprach ein Meister zu der Seele: Zieh dich von der Unruhe äußerer Werke zurück. Und weiter: Flieh und verbirg dich vor dem Sturm innerer Gedanken, denn sie erzeugen Unfrieden. Darum, soll Gott sein Wort in der Seele sprechen, so muss sie in Ruhe und Frieden sein. Dann spricht er sein Wort und sich selbst in der Seele und nicht eine Vorstellung, sondern sich selbst. Sankt Dionysius hat gesagt: Gott hat kein Bild und Gleichnis seiner selbst, denn er ist dem Wesen nach alles Gute, Wahrheit und 8

9 Got würket alliu sîniu werk in im selber und ûz im selber in einem blicke. Niht enwænet, dô got himel und erde mahte und alliu dinc, daz er hiute einez mahte und daz ander morgen. Aleine schrîbet Moyses alsô: er weste doch daz wol, aber er tete ez durch der liute willen, die ez niht anders enkunden genemen. Got entete niht mê dar zuo, dan aleine er wolte. Er [359] sprach und sie gewurden. Got würket âne mittel und âne bilde. Ie mê dû âne bilde bist, ie mê dû sînes înwürkennes enpfenclîcher bist, und ie mê îngekêret und vergezzener, ie mê disem næher. Hie zuo mânete Dionysius sînen jünger Timotheum und sprach: lieber mîn sun Timothee, dû solt mit umbegekêrten sinnen dich erswingen über dich selber und über alle krefte, über redelicheit und über vernunft, über werk und wîse und wesen in die verborgene [360] stille dünsternisse, ûf daz dû komest in ein bekantnisse des unbekanten übergoteten gotes. Ez muoz ein entziehen sîn von allen dingen. Gote dem versmâhet ze würkenne in bilden. Nû möhtest dû sprechen: swaz got würket âne bilde in dem grunde und in dem wesene, des enmac ich niht gewizzen, wan die krefte niht genemen enkünnen dan in bilden, wan sie alliu dinc müezen nemen und bekennen in irn eigenen bilden. Sie enmügen ein pfert niht [361] erkennen noch genemen in eines menschen bilde. Und dar umbe, wan alliu bilde in sie koment von ûzen her, dar umbe ist ez ir verborgen. Und daz ist ir allernützest. Daz unwizzen ziuhet sie in ein wunder und tuot sie disem nâchjagen, wan si bevindet wol, daz ez ist, und enweiz aber niht, wie noch waz ez ist. Wenne der mensche weiz der dinge sache, alzehant sô ist er der dinge müede und suochet aber ein anderz ze ervarne und ze wizzenne und quilet und jâmert iemer mê alsô nâch wizzenne und enhât doch kein bîblîben. Dar umbe, diz unbekante bekantnisse daz entheltet sie bî disem blîbende und tuot sie disem nâchjagen Sein. Gott wirkt alle seine Werke in ihm selber und außer ihm selber in e i n e m Augenblick. Meint nicht, dass Gott, als er Himmel und Erde und alle Dinge erschuf, heute das eine machte und morgen das andere. Zwar schreibt Moses es so [in der Ordnung der Schöpfungstage]; er wusste es zwar besser, aber er tat es um der Leute willen, die es nicht anders verstehen konnten. Gott tat nicht mehr dazu als nur, dass er wollte. Er sprach, und die Geschöpfe entstanden. Gott wirkt ohne Mittel und ohne Bild. Je mehr du ohne Vorstellungen bist, desto aufnahmefähiger bist du für sein Einwirken; und je mehr du ins Innere gesammelt und [des Äußeren] vergessen bist, desto näher bist du diesem Geschehen. Dazu ermahnte Dionysius seinen Schüler Timotheus: Mein lieber Sohn Timotheus, du sollst dich mit umgekehrten Sinnen über dich selbst hinaus schwingen, über alle Kräfte, über Verstand und Vernunft, über Tätigkeit und Weise und Wesen, [aufschwingen] in die verborgene stille Finsternis, um in ein Erkennen des unerkannten übergöttlichen Gottes zu kommen. Es muss ein Entzug aller Dinge sein. Gott widersteht es, mit Vorstellungen zu arbeiten. Nun könntest du sagen: Was Gott ohne Bilder im Grund und Wesen der Seele wirkt, das kann ich nicht wissen, denn die Seelenkräfte können nur in Bildern etwas aufnehmen; denn sie müssen alle Dinge in deren je eigenen Erkenntnisbildern aufnehmen und erkennen. Sie können ein Pferd nicht im Erkenntnisbild eines Menschen erkennen oder wahrnehmen. Und weil alle Bilder von außen in sie hineinkommen, darum bleibt es der Seele verborgen. Das ist ihr aber sehr nützlich. Das Unwissen bringt sie in eine Fragehaltung und lässt sie dem Wunder nachjagen; denn sie empfindet zwar, dass da etwas ist, aber sie weiß nicht, wie oder was es ist. Wenn der Mensch von etwas den Grund weiß, wird er bald dieser Dinge müde und sucht wieder etwas anderes zu erfahren und zu wissen, und er quält sich und jammert immer weiter nach Wissen und kennt doch kein Dabeibleiben. Darum hält diese unerkannte Erkenntnis sie fest, dabei zu bleiben, und lässt sie diesem [Unerkannten] nachjagen. 9

10 Hie von sprach der wîseman: enmitten in der naht, dô alliu dinc wâren in einer stille und swîgende, dô wart mir zuogesprochen ein verborgen wort, daz kam in einer dieplîchen [362] wîse verstolnlîche. Wie nante er ez ein wort, dô ez verborgen was? Des wortes natûre ist, daz ez offenbâret, daz verborgen ist. Ez offente sich und glenzte mir vor, daz ez etwaz wære offenbârende. Und ez was mir got kunt tuonde. Dâ von heizet ez ein wort. Mêr: ez was mir verborgen, waz ez wære. Daz was sîn verstolnlich komen in einem geriune und in einer stille, umbe daz ez sich offenbârte. Sehet, dar umbe muoz man im und sol im nâchloufen, die wîle ez verborgen ist. Ez schein und was verborgen. Ez meinet, daz wir im nâchjâmern und nâchqueln. Hie zuo manet uns sant Paulus, daz wir disem nâchjagen, biz daz wir ez erspüeren, und niemer ûfhœren, biz daz wir ez begrîfen. Dô er in den dritten himel gezucket wart in die kunt[363]schaft gotes und gesehen hâte alliu dinc und dô er wider kam, dô enwas ez im nihtes niht vergezzen. Mêr: ez was im sô verre inne in dem grunde, dar sîne vernunft niht înkomen enmohte. Ez was im bedecket. Dâ von muoste er nâchloufen und ez ervolgen in im, niht ûzer im. Ez ist zemâle inne, niht ûze, mêr: alles inne. Und wan er daz wol weste, dar umbe sprach er: ich bin sicher, daz noch tôt noch kein arbeit mich dâ von gescheiden enmac, des ich in mir bevinde. Hie von sprach ein heidenischer meister ein schœne wort ze einem andern meister: ich wirde eines in mir gewâr, daz glenzet vor mîner vernunft. Des bevinde ich wol, daz ez etwaz ist. Aber waz ez sî, des enkan ich niht verstân. Denne aleine dünket mich des: künde ich ez begrîfen, ich bekente alle wârheit. Dô sprach der ander meister: eyâ, dem volge nâch! Wan kündest dû ez begrîfen, sô hætest dû eine samenunge aller güete und hætest êwic leben. Von disem sprach ouch sant Augustînus: ich wirde eines in mir gewâr, daz vorspilet und vor[364]blicket mîner sêle. Würde daz volbrâht und bestætiget in mir, daz müeste êwic leben sîn. Ez birget sich und wîset sich doch. Ez komet aber in einer dieplîchen wîse und meinet, ez welle der sêle alliu dinc benemen und versteln. Aber daz ez sich etwaz wîset und offenbâret, dâ mite wolte ez die sêle Dazu sagt das Weisheitsbuch: Mitten in der Nacht, als alle Dinge in einem stillen Schweigen lagen, wurde mir ein verborgenes Wort zugesprochen; das kam heimlich wie ein Dieb (Sap. 18,14 f.). Wieso nannte er es Wort, obwohl es verborgen war? Die Natur des Wortes ist es, das Verborgene zu offenbaren. Es öffnete sich und glänzte mir vor, dass es etwas offenbaren wollte. Und es tat mir Gott kund. Darum heißt es Wort. Aber mir war verborgen, was es war. Das war sein heimliches Kommen im Raunen und in Stille, um sich zu offenbaren. Seht, darum muss man und wird man ihm nachlaufen, solange es verborgen ist. Es hat seinen Schein gezeigt und war verborgen. Das bedeutet, dass wir ihm nachjammern und [uns] ihm nachquälen. Entsprechend mahnt uns der heilige Paulus, dass wir diesem [Erscheinen] nachjagen, bis wir es aufspüren, und niemals aufhören, bis wir es begreifen. Als er in den dritten Himmel, in die Bekanntschaft mit Gott, entrückt worden war und alle Dinge gesehen hatte und als er dann wieder zurückkam, da hatte er nichts vergessen. Aber es war so fern, innen in seinem Grund, in den seine Vernunft nicht eindringen konnte. Es war ihm verdeckt. Darum musste er ihm nachlaufen und es in sich erreichen, nicht außerhalb. Es ist ganz innen, nichts außen, vielmehr alles innen. Und weil er das wohl wusste, darum hat er gesagt: Ich bin sicher, dass weder Tod noch Mühsal mich von dem trennen kann, das ich in mir empfinde" (Röm. 8,38 f.). Darüber sprach ein heidnischer Meister ein schönes Wort zu einem anderen Meister: Ich nehme etwas in mir wahr, das vor meiner Vernunft erstrahlt. Ich empfinde zwar, dass es etwas ist, aber was es ist, das kann ich nicht verstehen. Doch das eine glaube ich: Könnte ich es begreifen, würde ich alle Wahrheit erkennen. Darauf sprach der andere Meister: Ja, dem folge nach! Denn könntest du es begreifen, so besäßest du die Gesamtheit aller Güte und du hättest das ewige Leben. Davon sprach auch der heilige Augustinus: Ich nehme etwas in mir wahr, das spielt und blinkt vor meiner Seele. Würde das vollendet und in mir befestigt, das müsste ewiges Leben sein. Es verbirgt sich und zeigt sich doch. Wiederum kommt es wie ein Dieb und zielt darauf, der Seele alles wegzunehmen und zu stehlen. Aber indem es sich etwas zeigt und offenbart, damit wollte es die Seele reizen und sie sich nachziehen und sie 10

11 reizen und im nâch ziehen und sie ir selbes berouben und benemen. Hie von sprach der prophête: herre, nim in irn geist und gip in wider dînen geist. Diz meinte ouch diu minnende sêle, dô si sprach: mîn sêle zersmalz und zervlôz, dô der liebe sîn wort sprach. Dô er îngienc, dô muoste ich abenemen. Daz meinte ouch Kristus, dô er sprach: der iht læzet durch mich, der sol hundertvalt widernemen. Und wer mich ouch wil haben, der muoz sich sîn selbes und aller dinge verzîhen. Und wer mir wil dienen, der muoz mir volgen. Er ensol niht den sinnen volgen. Nû möhtest dû sprechen: eyâ, herre, ir wellet der sêle irn natiurlîchen louf umbekêren und wider ir natûre tuon. Ir natûre ist, daz si durch die sinne neme und in bilden. Wellet ir den orden umbekêren? [365] Nein! Waz weist dû, waz adels got geleget habe in die natûre, diu noch niht alliu geschriben ensint, mêr: noch verborgen? Wan die von dem adel der sêle schriben, die enwâren noch niht næher komen, dan sie ir natiurlîche vernunft truoc. Sie enwâren nie in den grunt komen. Des muoste in vil verborgen sîn und blîben unbekant. Dar umbe sprach der prophête: ich wil sitzen und wil swîgen und wil hœren, waz got in mir spreche. Wan ez ist sô verborgen und dar umbe kam diz wort in der naht in dem dünsternisse. Dâ von schrîbet sant [366] Johannes: daz lieht liuhtet in dem dünsternisse. Ez kam in sîn eigen, und alle die ez enpfiengen, die wurden gewalticlîche gotes süne: in wart gewalt gegeben, gotes süne ze werdenne. Nû prüeve hie den nutz und die vruht des heimelîchen wortes und dis dünsternisses! Der sun des himelschen vaters enwirt niht aleine geborn in disem dünsternisse, daz sîn eigen ist. Mêr: dû wirst ouch dâ geborn des selben himelschen vaters kint noch keines andern, und er gibet dir die gewalt. Nû merke, welchen nutz! Alle die wârheit, die alle meister ie gelêrten mit irer eigen vernunft und verstantnisse oder iemer mê suln biz an den jüngesten tac, die enverstuonden nie daz allerminste in disem wizzenne und in disem grunde. Swie daz ez doch ein unwizzen heize und ein unbekantheit, sô hât ez doch mê inne dan allez wizzen ihrer selbst berauben und wegnehmen. Darum sprach der Prophet: Herr, nimm ihnen ihren Geist weg und gib ihnen dagegen deinen Geist (Ps. 103,29 f.). Das meinte auch die liebende Seele, als sie sprach: Meine Seele zerschmolz und zerfloss, als der Liebste sein Wort sprach (Hohel. 5,6). Als er eintrat, musste ich abnehmen. Das hat auch Christus gemeint, als er sagte: Wer etwas um meinetwillen lässt, wird hundertfach wieder empfangen. Und wer mich haben will, der muss auf sich selbst und alle Dinge verzichten. Und wer mir dienen will, muss mir nachfolgen. Er soll nicht den Sinnen folgen (Mark. 10,29). Nun könntest du sagen: Ach Herr, Ihr wollt die natürliche Ausrichtung der Seele umkehren und gegen ihre Natur handeln. Ihre Natur ist, durch die Sinne und in Vorstellungen aufzunehmen. Wollt Ihr diese Ordnung umkehren? Nein! Was weißt du, welchen Adel Gott in die Natur gelegt hat, [Möglichkeiten], die noch nicht alle beschrieben, sondern noch verborgen sind? Denn die über den Adel der Seele geschrieben haben, sind der Sache noch nicht näher gekommen, als ihre natürliche Vernunft sie getragen hat. In den Grund sind sie nie gekommen. Darum musste ihnen viel verborgen sein und unbekannt bleiben. Darum sprach der Prophet: Ich will sitzen und schweigen und will hören, was Gott in mir spricht (Ps. 84,9). Weil es so verborgen ist, kam dies Wort in der Nacht, in der Finsternis. Darum schreibt Sankt Johannes: Das Licht leuchtet in der Finsternis. Es kam in sein Eigenes, und alle, die es aufnahmen, wurden machtvoll Gottes Söhne: Ihnen wurde die Macht gegeben, Gottes Söhne zu werden (Joh. 1,5.11 f.). [Drittes Kapitel] Nun beurteile den Nutzen und die Frucht des heimlichen Wortes und dieser Finsternis! Nicht allein wird der Sohn des himmlischen Vaters in dieser Finsternis geboren, die sein eigen ist, sondern du wirst dort auch als desselben himmlischen Vaters Kind geboren und keines anderen, und er gibt dir diese Macht. Nun sieh, welch ein Nutzen: Alle Meister, die je alle Wahrheiten mit ihrer eigenen Vernunft und ihrem Verstand gelehrt haben oder die noch bis zum jüngsten Tag lehren werden, die haben in diesem Wissen und in diesem Grunde nicht das Allergeringste verstanden. Obwohl es Unwissen und Unerkanntheit heißt, so enthält es doch mehr in sich als alles Wissen 11

12 und bekennen ûzwendic disem. Wan diz unwizzen daz reizet und ziuhet dich von allen wizzenden dingen und ouch von dir sel[367]ber. Daz meinte Kristus, dô er sprach: wer sich sîn selbes niht enverlougent und niht enlæzet vater und muoter und allez daz ûzerlich ist, der enist mîn niht wert. Er wil sprechen: wer niht enlæzet alle ûzwendicheit der crêatûren, der enmac in dise götlîche geburt weder enpfangen noch geborn werden. Mêr: daz dû dich dîn selbes beroubest und alles des, daz ûzerlich ist, daz gibet ez dir in der wârheit. Und in der wârheit gloube ich daz und bin des sicher, daz dirre mensche, der hie inne rehte stüende, niemer enmöhte von gote gescheiden werden nihtes niht, in keiner wîse niht. Ich spriche, er enmac in keiner wîse in tôtsünde gevallen. Sie liten ê den allerschentlîchesten tôt, ê daz sie die allerminste tôtsünde tæten, als ouch die heiligen tâten. Ich spriche, sie enmügen einer tegelîcher sünde niht geleisten noch gestaten mit willen an in selber noch an andern liuten, dâ sie ez erwern mügen. Sie werden sô sêre ze disem gereizet und gezogen und gewenet, daz sie sich keinen andern wec niergen enmügen gekêren. Sie kêrent und karment alles her nâch. In dise geburt helfe uns got, der nû geborn ist menschlîche, daz wir kranke menschen in im geborn werden götlîche. Âmen. und Erkennen außerhalb dieses [Unwissens]. Denn dieses Unwissen reizt und zieht dich von allen Wissensdingen und auch von dir selbst 455 fort. Das meinte Christus, als er sprach: Wer sich selbst nicht verleugnet und nicht Vater und Mutter verlässt und alles Äußere, der ist meiner nicht wert (vgl. Matth. 10,37 f.). Er will sagen: Wer nicht alles Außensein der Geschöpfe verlässt, der kann nicht in diese göttliche Geburt 460 hinein empfangen noch geboren werden. Aber dass du dich deiner selbst beraubst und alles dessen, das äußerlich ist, das schenkt es [nämlich die Geburt] dir in Wahrheit. Und in Wahrheit glaube ich und bin dessen sicher, dass der 465 Mensch, der im Innern recht steht, nicht und niemals von Gott getrennt werden kann, in keiner Weise. Ich sage: Er kann in keiner Weise in Todsünde fallen. Sie würden eher den allerschändlichsten Tod erleiden, bevor sie die al- 470 lergeringste Todsünde begingen, wie es auch die Heiligen taten. Ich sage: Sie können willentlich nicht einmal eine lässliche Sünde begehen oder dulden bei sich oder anderen Leuten, sofern sie es verhindern können. Sie werden so 475 sehr zu diesem Geschehen gereizt, gezogen und gewöhnt, dass sie sich nirgends auf einen anderen Weg kehren können. Sie richten alles darauf aus und trauern dem nach. 480 In diese Geburt helfe uns Gott, der jetzt [an Weihnachten] menschlich geboren ist, damit wir schwache Menschen in ihm göttlich geboren werden. Amen. 12

13 Predigt 102: Ubi est, qui natus est rex Iudaeorum? (Matth. 2,2) [407] Wâ ist, der geborn ist der juden künic? Nû merket hie von dirre geburt, wâ si geschehe. Wâ ist, der geborn ist? Ich spriche aber, als ich mê gesprochen hân, daz disiu êwige geburt geschihet in der sêle in aller der wîse, als si geschihet in der êwicheit, noch minner noch mê, wan ez ist éiniu geburt. Und disiu geburt geschihet in dem wesene und in dem grunde der sêle. [408] 5 Wo ist der neugeborene König der Juden? (Matth. 2,2) Nun gebt acht, wo diese Geburt geschieht. Wo ist, der geboren ist? Ich wiederhole, was ich schon öfter gesagt habe: Diese Geburt geschieht in der Seele in genau derselben Weise, wie sie in der Ewigkeit geschieht, nicht mehr und nicht weniger; denn es ist nur eine Geburt. Und diese Geburt geschieht im Wesen und im Grunde der Seele. Sehet, nû vallent vrâgen. 10 Seht, jetzt stehen Fragen an: Ze dem êrsten: sît daz got in allen dingen ist vernünfticlîche und den dingen mê inne ist, dan diu dinc in selber sint, und natiurlîcher und wâ got ist, dâ muoz er würken und sich [409] selben bekennen und sîn wort sprechen, waz eigener eigenschaft diu sêle habe ze disem würkenne gotes vür andern vernünftigen crêatûren, in den got ouch ist. 15 Diz underscheit daz merket! Got ist in allen dingen wesenlîche, würklîche und gewalticlîche, mêr: er ist aleine gebernde in der sêle. Wan alle crêatûren sint ein vuozstaphe [410] gotes, mêr: diu sêle ist natiurlîche nâch gote gebildet. Diz bilde muoz gezieret und volbrâht werden mit dirre geburt. Dises werkes noch dirre geburt enist kein crêatûre enpfenclich dan diu sêle aleine. In der wârheit, swaz volkomenheit in die sêle komen sol, ez sî götlich einförmiclich lieht oder gnâde und sælicheit, daz muoz allez von nôt mit dirre geburt komen in [411] die sêle und niht anders, in keiner wîse. Warte aleine dirre geburt in dir, sô vindest dû allez guot, allen trôst, alle wunne, wesen und wârheit. Versûmest dû diz, sô versûmest dû allez guot und alle sælicheit. Und swaz dir in disem înkumet, daz bringet lûter wesen und stæticheit. Und swaz dû suochest oder minnest ûzwendic disem, daz verdirbet; nim ez, swie dû wilt und swâ dû wilt, ez verdirbet. Aber diz aleine gibet wesen und allez daz ander verdirbet. Aber in dirre geburt sô wirst dû teilhaftic des götlîchen învluzzes und aller sîner gâben. Des enwerdent die crêatûren niht enpfenclich, in den daz bilde gotes niht enist, wan der sêle bilde gehœret sunderlîche ze dirre êwigen geburt, diu eigenlîche und sunderlîche in der sêle geschihet und geborn wirt von dem vater in Erstens: Da Gott in allen Dingen nach Weise der Vernunft ist und da er den Dingen innerlicher und natürlicher ist, als die Dinge in sich selbst sind, und wo Gott ist, da muss er wirken und sich selbst erkennen und sein Wort sprechen, welche besondere Eigenschaft hat denn die Seele bei diesem Wirken Gottes den anderen vernünftigen Geschöpfen voraus, in denen Gott auch ist? Beachtet folgenden Unterschied: Gott ist in allen Dingen dem Wesen und der Wirkung nach und mit Macht. Aber nur in der Seele ist er gebärend. Denn alle Geschöpfe sind Spuren Gottes, aber die Seele ist in ihrer Natur nach Gott gebildet. Dieses Bild muss durch diese Geburt geziert und vollendet werden. Für dieses Wirken und für diese Geburt ist kein anderes Geschöpf aufnahmefähig als nur die Seele. In Wahrheit, jede Vollkommenheit, die in die Seele kommen soll, sei es das göttliche in eins formende Licht oder die Gnade und die Seligkeit, das muss alles notwendig mit dieser Geburt in die Seele kommen und nicht anders, in keiner Weise. Achte allein auf diese Geburt in dir, so findest du alles Gut, allen Trost, alles Glück, Wesen und Wahrheit. Vernachlässigst du dies, dann vernachlässigst du alles Gut und alle Seligkeit. Aber was in diesem [Achten auf die Geburt] in dich hineinkommt, das bringt reines Wesen und Beständigkeit. Was du außerhalb dieser [Geburt] suchst oder liebst, das verdirbt; nimm es, wie und wo du willst: es verdirbt. Doch nur diese [Geburt] gibt Sein und alles andere verdirbt. Aber in dieser Geburt wirst du des göttlichen Einflusses und aller seiner Gaben teilhaftig. Das können die Geschöpfe, in denen das Bild Gottes nicht ist, nicht empfangen; denn das Seelenbild gehört ausschließlich zu dieser ewigen Geburt, die eigentlich und ausschließlich in der Seele geschieht und geboren wird 13

14 dem grunde und in dem inwendigesten der sêle, dar nie bilde îngelûhte noch nie kraft îngeluogete. [412] Diu ander vrâge ist: sît daz diz werk dirre geburt geschihet in dem wesene und in dem grunde der sêle, sô geschihet diz alsô wol in einem sünder als in einem guoten menschen. Waz gnâden oder waz nutzes geliget mir denne hie ane, wan der grunt der natûre ist in in beiden glîch, jâ, noch den, die in der helle sint, blîbet der adel der natûre êwiclîche? Nû merket diz underscheit! Eigenschaft dirre geburt ist, daz si alwege geschihet mit niuwem liehte. Si bringet alwege grôz lieht in die sêle, wan der güete art ist, daz si sich muoz ergiezen, swâ si ist. In dirre geburt ergiuzet sich got in die sêle mit liehte alsô, daz daz lieht alsô grôz wirt in dem wesene und in dem grunde der sêle, daz ez sich ûzwirfet und übervliuzet in die krefte und ouch in den ûzern menschen. Alsô geschach sant Paulô, dô in got ruorte mit sînem liehte ûf dem wege und im zuosprach. Ein glîchnisse des liehtes erschein ûzwendic, daz ez sîne gesellen sâhen, und umbevienc Paulum. Alsô spriche ich von den sæligen von übervlüzzicheit des liehtes, daz in der sêle grunde ist, daz übergiuzet sich in den lîchamen und [413] wirt dâ von vol klârheit. Des enmac der sünder niht enpfâhen noch enist sîn niht wirdic, wan er ervüllet ist mit den sünden und mit bôsheit, daz dâ heizet vinsternisse. Dar umbe sprichet er: die vinsternisse enenpfiengen noch enbegriffen niht daz lieht. Daz ist des schult, wan die wege, dâ daz lieht în solte gân, bekümbert und versperret sint mit valscheit und mit vinsternisse, wan lieht und vinsternisse enmügen niht mit einander bestân, noch got und crêatûre. Sol got îngân, sô muoz überein diu crêatûre ûz. Dises liehtes wirt der mensche wol gewar. Swenne er sich ze gote kêret, alzehant glestet und glenzet in im ein lieht und gibet im ze erkennenne, waz er tuon und lâzen sol und vil guoter anewîsunge, dâ er vor niht abe enweste noch enverstuont. Wâ von und wie weist dû daz? Sich, daz merke! Dîn herze wirt dicke berüeret und bekêret von der werlt. Wie möhte daz geschehen wan mit der înliuhtunge? Daz ist sô zart und sô lustic, daz dich alles des ver aus dem Vater im Grunde und Innersten der Seele, wo nie eine Vorstellung oder eine Seelenkraft hineingelugt hat. Die zweite Frage ist: Da das Werk dieser Geburt im Sein und im Grunde der Seele geschieht, so geschieht es sowohl in einem Sünder wie in einem guten Menschen. Welche Gnade oder welcher Nutzen liegt dann für mich darin; denn der Grund der Natur ist in ihnen beiden gleich, ja sogar denen, die in der Hölle sind, bleibt der Adel der Natur ewig [erhalten]? Nun beachtet diesen Unterschied. Die Eigenart dieser Geburt ist, dass sie überall mit neuem Licht geschieht. Sie bringt überaus starkes Licht in die Seele; denn es ist die Eigenart der Güte, dass sie sich ausgießen muss, wo immer sie ist. In dieser Geburt ergießt sich Gott mit Licht so in die Seele, dass das Licht im Wesen und Grunde der Seele so stark wird, dass es sich auswirft und überfließt in die Seelenkräfte und sogar in den äußeren Menschen. So geschah es dem heiligen Paulus, als ihn Gott unterwegs mit seinem Licht berührte und zu ihm sprach. Ein Widerschein des Lichtes erschien außen, sodass seine Gefährten es sahen, und umfing Paulus (Apg. 9,3). So spreche ich bei den Heiligen vom Überfluss des Lichtes, das im Seelengrund ist und sich übergießt in den Leib und dort voll Verklärung wird. Das kann der Sünder nicht empfangen, und er ist dessen auch nicht würdig, denn er ist voll von Sünden und Schlechtigkeit, das heißt von Finsternis. Darum spricht Johannes: Die Finsternisse haben das Licht nicht empfangen noch begriffen (Joh. 1,5). Schuld daran ist, dass die Wege, über die das Licht Eingang finden sollte, belastet und versperrt sind durch Falschheit und Finsternis; denn Licht und Finsternis können miteinander nicht bestehen, ebenso wenig Gott und Geschöpf. Soll Gott eingehen, so muss gleichzeitig das Geschöpf hinaus. Dieses Licht kann der Mensch wohl wahrnehmen. Wenn er sich zu Gott kehrt, schimmert und glänzt in ihm sogleich ein Licht und gibt ihm zu erkennen, was er tun und lassen soll und viele gute Hinweise, von denen er zuvor nichts wusste und die er nicht verstand. Woher und wie weißt du das? Sieh und gib acht! Dein Herz wird oft berührt und von der Welt abgekehrt. Wie könnte das geschehen, wenn nicht durch die Erleuchtung? Das ist so zart und angenehm, dass dich alles verdrießt, 14

15 driuzet, daz got oder götlich niht enist. Ez reizet dich ze gote und wirst vil guoter vermânunge gewar und dû enweist niht, wannen sie dir koment. Daz inwendic neigen enkumet enkeine wîs niht von keiner crêatûre noch von keiner ir anwîsungen, wan [414] waz crêatûre wîset oder würket, daz kumet allez von ûzen zuo. Aber der grunt wirt aleine berüeret von disem werke. Und ie dû dich mê ledic haltest, ie mê dû liehtes und wârheit und underscheides vindest. Und dar umbe enverirrete nie kein mensche an keinen dingen dan aleine umbe daz, daz er disem von êrste entgangen was und sich ûzwendic ze vil behelfen wolte. Dar umbe sprichet sant Augustînus: vil ist der, die lieht und wârheit hânt gesuochet, und aber alles ûzwendic, dâ si niht enwas. Des koment sie ze dem lesten alsô verre ûz, daz sie niemer wider heim noch wider în enkoment. Und des enhânt sie die wârheit niht vunden, wan wârheit ist inwendic in dem grunde und niht ûzwendic. Wer nû wil vinden lieht und underscheit aller wârheit, der warte und neme war dirre geburt in im und in dem grunde, sô werdent alle krefte erliuhtet und der ûzer mensche. Wan alzehant sô got den grunt gerüeret inwendic, mit der vart sô wirfet sich daz lieht in die krefte und kan der mensche mê underwîlen, dan in [415] ieman gelêren mac. Alsô sprichet der prophête: ich hân verstanden über alle, die mich ie gelêrten. Sehet, umbe daz diz lieht niht schînen noch liuhten enmac in dem sünder, dar umbe ist daz unmügelich, daz disiu geburt in im geschehen müge. Disiu geburt enmac niht bestân mit vinsternisse der sünden, aleine si doch niht engeschihet in den kreften, sunder in dem wesene und in dem grunde der sêle. Nû vellet ein vrâge: sît got der vater gebirt aleine in dem wesene und in dem grunde der sêle und niht in den kreften, waz gât ez die krefte ane? Waz sol ir dienst her zuo, daz sie sich her zuo müezigen suln und disem vîren? Waz nôt ist des, sît daz ez in den kreften niht engeschihet? Daz ist wol gevrâget. Nû merke diz underscheit! Ein ieglîchiu crêatûre würket ir werk durch ein ende. Daz ende ist alwege daz êrste in der meinunge und daz leste in dem werke. Alsô meinet got in allen sînen was nicht Gott oder göttlich ist. Es reizt dich zu Gott und du nimmst viele gute Anregungen wahr, und du weißt nicht, woher sie dir kommen. Diese innere Neigung kommt in keiner Weise von irgendeinem Geschöpf noch von dessen Anreizen; denn was das Geschöpf aufzeigt oder bewirkt, das kommt alles von außen herzu. Aber der Seelengrund wird nur von diesem Werk [der Geburt] berührt. Je mehr du dich ledig hältst, desto mehr Licht, Wahrheit und Unterscheidung[svermögen] wirst du finden. Und darum ist nie ein Mensch durch irgendwelche Dinge in die Irre gegangen, sondern nur darum, weil er dieses [Geschehen der Geburt] zuerst verfehlt hat und sich dann zu viel mit Äußerem behelfen wollte. Darum sagt der heilige Augustinus: Viele haben Licht und Wahrheit gesucht, aber nur außen, wo sie nicht sind. Darum geraten sie zum Schluss so weit hinaus, dass sie niemals wieder heim und ins Innere finden. Darum haben sie die Wahrheit nicht gefunden; denn Wahrheit ist innen in dem Grunde und nicht außen. Wer nun Licht und die Unterscheidung aller Wahrheit finden will, der gebe acht und nehme die Geburt in sich und in dem Grunde wahr, so werden alle Seelenkräfte erleuchtet und [sogar] der äußere Mensch. Denn sobald Gott den Grund inwendig berührt, in demselben Zug wirft sich das Licht in die Seelenkräfte, und dann versteht der Mensch manchmal mehr, als ihn jemand lehren könnte. So sagt auch der Prophet: Ich habe mehr verstanden als alle, die mich gelehrt haben (vgl. Pred. 1,16). Seht [also]: Weil dieses Licht im Sünder nicht scheinen und leuchten kann, ist es unmöglich, dass diese Geburt in ihm geschehen könnte. Diese Geburt kann nicht mit der Finsternis der Sünden zusammen bestehen, wenngleich sie nicht in den Seelenkräften geschieht, sondern im Wesen und Grunde der Seele. Nun erhebt sich eine Frage: Da Gott Vater nur im Wesen und Grunde der Seele gebiert und nicht in den Tätigkeiten der Seele, betrifft die Geburt dann überhaupt die Seelenkräfte? Was kann denn ihr Dienst beitragen, wenn sie sich dazu müßigen und bequemen? Wozu ist das nötig, wenn es doch nicht in den Seelenkräften geschieht? Das ist eine gute Frage. Beachte diese Erklärung: Jedes Geschöpf wirkt seine Tätigkeit auf ein Ziel hin. Das Ziel ist immer das erste in der Absicht und das letzte in der Ausführung. Ebenso beabsichtigt Gott bei all seinem Tun ein 15

16 werken gar ein sælic ende, daz ist: sich selben und daz er die sêle mit allen irn kreften in daz ende bringe, daz ist: in sich selben. Durch daz würket got alliu sîniu werk, durch daz gebirt der vater sînen sun in der sêle, daz alle die krefte der sêle in daz selbe komen. Er lâget aleine dem, daz in der sêle ist, und ladet ez allez ze dirre wirtschaft und ze disem hove. Nû hât sich diu sêle ûzgespreitet mit den kreften und zerströuwet ieglîche in ir werk: die kraft des sehennes in daz [416] ouge, die kraft des hœrennes in die ôren, die kraft des sprechennes in die zungen; und alsô sint iriu werk deste krenker inwendic ze wirkenne, wan ein ieglîchiu zerspreitetiu kraft ist unvolkomen. Her umbe, wil si krefticlîche würken inwendic, sô muoz si wider heim ruofen allen irn kreften und samenen von allen zerspreiten dingen in ein inwendic würken. Wan sant Augustînus sprichet: diu sêle ist mê dâ si minnet, dan dâ si in dem lîbe ist, dem si doch leben gibet. Ein glîchnisse: ez was ein heidenischer meister, der was gekêret ûf eine kunst, daz was ein rechenunge. Er hâte alle sîne krefte dar zuo gekêret und saz vor äschen und zalte und suochte die kunst. Dô kam einer und roufte ein swert und er enweste niht, daz ez der meister was, und sprach: balde sprich, wie heizest dû, oder ich tœte dich. Der meister was sô sêre îngezogen, daz er des vîendes weder ensach noch enhôrte noch enmohte gemerken, waz er meinte, noch [417] enkunde sich sô vil geûzern, daz er sprechen möhte ich heize alsô. Und dô der vîent lange und sô vil geruofte und er niht ensprach, dô sluoc er im den hals abe. Diz was umbe eine natiurlîche kunst ze gewinnenne. Wie unglîche mê wir uns entziehen solten von allen dingen und samenen alle unsere krefte ze schouwenne und ze bekennenne die einige, ungemezzene, êwige wârheit! Her zuo samene alle dîne krefte, alle dîne sinne, alle dîne vernunft und allez dîn gehugnisse: daz kêre in den grunt, dâ dirre schatz inne verborgen liget. Sol diz geschehen, sô muost dû allen werken entvallen und komen in ein unwizzen, solt dû diz vinden. Nû vellet ein vrâge: enwære ez niht edeler, daz ein ieglîchiu kraft ir eigen werk behielte und daz einiu die andern niht enhinderte an irn werken, und daz ez ouch got niht enhinderte an sînem werke? In mir enmac seliges Ziel, nämlich sich selbst und dass er die Seele mit all ihren Kräften zu diesem Ziel bringt, nämlich in sich selbst. Darauf hin richtet Gott all sein Tun, darauf hin gebiert der Vater seinen Sohn in der Seele, dass alle Kräfte der Seele zu demselben [Ziel] kommen. Er trachtet allein nach dem, was in der Seele ist, und lädt alles zu dieser Bewirtung und zu diesem Hoftag ein. Nun ist die Seele mit ihren Tätigkeiten versprengt, und jeder Akt ist einzeln in seine Tätigkeit zerstreut: der Akt des Sehens ins Auge, der Akt des Hörens in die Ohren, der Akt des Sprechens in die Zunge; und darum sind ihre Tätigkeiten umso schwächer, im Innern zu wirken, denn jede versprengte Kraft ist unvollkommen. Darum muss die Seele, wenn sie im Innern kräftig wirken will, alle ihre Kräfte wieder heimrufen und aus den versprengten Dingen zum inneren Wirken sammeln. Denn Sankt Augustinus sagt: Die Seele ist mehr dort, wo sie liebt, als in dem Leib, dem sie doch Leben gibt. Ein Beispiel: Ein heidnischer Meister war auf seine Kunst konzentriert, eine Berechnung. Er hatte alle seine Kräfte darauf gerichtet und saß [zeichnend] vor Asche und rechnete und arbeitete an seiner Kunst. Da kam ein [Soldat] und zog sein Schwert; er wusste nicht, dass es der Meister war, und sprach: Schnell, sag, wie du heißt, oder ich töte dich. Der Meister war so versunken, dass er den Feind weder sah noch hörte, noch konnte er erkennen, was dieser wollte, noch konnte er sich so weit äußern, dass er sagen konnte: Ich heiße so und so. Und da der Feind so lange und laut gerufen hatte, der Meister aber nichts sagte, schlug er ihm den Kopf ab. Das geschah ihm, weil er eine natürliche Kunst erwerben wollte. Wie ungleich mehr sollten wir uns von allen Dingen zurückziehen und all unsere Kräfte sammeln, um die einzige unermessliche, ewige Wahrheit zu schauen und zu erkennen. Dazu sammle alle deine Kräfte, alle deine Sinne, all deine Vernunft und dein ganzes Gedächtnis: dies [alles] kehre in den Grund, worin dieser Schatz verborgen liegt. Damit dies geschieht, musst du alle Tätigkeiten aufgeben und in ein Unwissen kommen, um dies zu finden. 205 Nun erhebt sich eine Frage: Wäre es nicht edler, wenn jede Kraft ihre eigene Tätigkeit behielte und eine die andere in ihrer Tätigkeit nicht störte und wenn sie auch Gott nicht bei seinem Tun behinderte? Kann es in mir keiner- 16

17 enkeine wîs sîn crêatiurlîches wizzennes, daz niht enhindere, alsô als got alliu dinc weiz âne hindernisse, alsô als die sæligen tuont. Diz ist ein nütze vrâge. Nû merket diz underscheit! Die sæligen sehent ane in gote ein bilde und in dem bilde bekennent sie alliu dinc; jâ, got selber der sihet alsô in sich und bekennet in im alliu dinc. Er enbedarf sich niht kêren von einem ûf daz ander, als wir müezen. Wære ez alsô in disem lebene, daz wir einen spiegel vor uns hæten alle zît, in dem wir in einem ougenblicke alliu dinc [418] sæhen und bekenten in einem bilde, sô enwære uns würken noch wizzen kein hindernisse. Mêr: wan wir uns kêren müezen von einem ûf daz ander, dar umbe enmac ez niht an uns in einem gesîn âne hindernisse des andern, wan diu sêle ist alsô gar gebunden ze den kreften, daz si mit in hine vliuzet, swar sie hine vliezent, wan in allen den werken, diu sie würkent, dâ muoz diu sêle bî sîn und mit andâht, oder sie enmöhten ir gewürken mit nihte. Vliuzet si denne mit ir andâht ze ûzerlîchen werken, sô muoz si von nôt inwendic deste krenker sîn an irn inwendigen werken, wan ze dirre geburt sô wil got und muoz haben ein ledige, unbekümberte, vrîe sêle, in der niht ensî dan er aleine, noch diu nihtes noch niemannes enwarte dan sîn aleine. Her ûf sprach Kristus: wer iht anders minnet dan mich und zalt vater und muoter und vil anderiu dinc, der enist mîn niht wirdic. Ich enbin niht komen ûf ertrîche vriden ze bringenne, sunder daz swert, umbe daz ich alliu dinc abesnîde und abescheide die swester, den bruoder, daz kint, die muoter, den vriunt, der wærlîche dîn vîent ist. Wan swaz dir heimlich ist und dir inne ist, daz ist wærlîche dîn vîent. Wil dîn ouge alliu dinc sehen und dîn ôre alliu dinc hœren und dîn herze alliu dinc bedenken, in der wârheit: in allen disen dingen muoz dîn [419] sêle zerströuwet werden. Dar umbe sprichet ein meister: swenne der mensche ein inwendic werk sol würken, sô muoz er alle sîne krefte înziehen rehte als in einen winkel sîner sêle und sich verbergen vor allen bilden und formen, und aldâ mac er würken. Hie muoz er komen in ein vergezzen und in ein nihtwizzen. Ez muoz sîn in einer stille und in einem swîgenne, dâ diz wort sol gehœret werden. Man enmac disem worte mit nihte baz gedienen dan mit stilheit und mit swîgenne. Dâ 210 lei geschöpfliches Wissen geben, das nicht hinderlich ist, so wie doch Gott alles ohne Hindernisse weiß und wie es auch die Seligen tun? Das ist eine nützliche Frage. Nun beachtet folgende Erklärung. Die Seligen sehen ein Bild 215 in Gott und in diesem Bilde erkennen sie alle Dinge. Ja, Gott selbst schaut ebenso in sich und erkennt in sich alle Dinge. Er braucht sich nicht von einem auf das andere zu kehren, wie wir es müssen. Wäre es so in diesem Leben, dass wir 220 jederzeit einen Spiegel vor uns hätten, in dem wir in einem Augenblick alle Dinge in einem Bild sehen und erkennen könnten, so wären Tätigsein und Wissen für uns kein Hindernis. Aber da wir uns von einem auf das andere kehren müssen, darum kann uns nicht eines ohne 225 Behinderung des anderen gegenwärtig sein; denn die Seele ist so an ihre Kräfte gebunden, dass sie mit ihnen immer dahin fließt, wo sie hinfließen; denn bei allen Tätigkeiten, die ihre 230 Kräfte verrichten, muss die Seele dabei sein, und zwar mit Aufmerksamkeit, sonst könnten sie nichts ausrichten. Fließt sie nun mit ihrer Aufmerksamkeit zu äußeren Tätigkeiten hin, so muss sie notwendig innen, bei ihren inneren 235 Tätigkeiten umso schwächer sein; denn zu dieser Geburt will und muss Gott eine ledige, unbekümmerte, freie Seele haben, in der nichts ist als er allein und die auf nichts und niemand achtet als allein auf ihn. Hierzu sagte Christus: 240 Wer etwas anderes liebt als mich und auf Vater und Mutter zählt und auf vieles andere, der ist meiner nicht wert. Ich bin nicht auf die Erde gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, sodass ich alles abschneide und trenne, die Schwester, den Bruder, das Kind, die 245 Mutter, den Freund, der in Wahrheit dein Feind ist (Matth. 10,34 36). Denn was dir vertraut und innerlich ist, das ist in Wahrheit dein Feind. Will dein Auge alles sehen, dein Ohr alles hören und dein Herz alles bedenken, in Wahrheit: 250 In all diesen Dingen muss deine Seele zerstreut sein. Darum sagt ein Meister: Wenn der Mensch ein inneres Werk tun soll, muss er alle seine Kräfte zusammenziehen, gerade wie in 255 einen Winkel seiner Seele, und sich vor allen Bildern und Formen verbergen. Dort kann er wirken. Hier muss er in ein Vergessen und Nichtwissen kommen. Er muss in Stille und Schweigen sein; da wird dieses Wort gehört 260 werden. Mit nichts kann man diesem Worte besser dienen als mit Stille und Schweigen. Dort kann man es hören und dort versteht man 17

18 mac man ez gehœren und aldâ verstât man ez rehte in dem unwizzenne. Dâ man niht enweiz, dâ wîset ez sich und offenbâret ez sich. [420] Nû vellet aber ein vrâge: ir möhtet sprechen: herre, ir setzet allez unser heil in ein unwizzen. Daz lûtet als ein gebreste. Got hât den menschen gemachet, daz er wizze, als der prophête sprichet: herre, mache sie wizzende. Wan swâ ein unwizzen ist, dâ ist gebreste und ist îtelkeit ein vihelîcher mensche, ein affe und ein tôre. Daz ist wâr, als verre er in dem unwizzenne blîbet. Mêr: man sol hie komen in ein überformet wizzen. Noch diz unwizzen ensol niht komen von unwizzenne, mêr: von wizzenne sol man komen in ein unwizzen. Danne suln wir werden wizzende mit dem götlîchen wizzenne und danne wirt geadelt und gezieret unser unwizzen mit dem übernatiurlîchen wizzenne. [421] Und hie in disem, dâ wir uns halten lîdende, dâ sîn wir volkomener, dan ob wir würhten. Dar umbe sprichet ein meister, daz diu kraft des hœrennes vil edeler sî dan diu kraft des sehennes, wan man lernet mê wîsheit mit hœrenne dan mit sehenne und lebet hie mê in der wîsheit. Man vindet von einem heidenischen meister: dô er lac und sterben wolte, dô redeten sîne jünger vor im von grôzer kunst, und er huop sîn houbet ûf alsô sterbende und hôrte zuo und sprach: eyâ, lâzet mich noch dise kunst lernen, daz ich ir êwiclîche gebrûche. Daz hœren bringet mê în, aber daz sehen wîset mê ûz, jâ, daz werk des sehennes an im selber. Und dar umbe suln wir in dem êwigen lebene vil sæliger sîn in der kraft des hœrennes dan in der kraft des sehennes. Wan daz werk des hœrennes des êwigen wortes daz ist in mir und daz werk des sehennes daz gât von mir. Und daz hœren bin ich lîdende, aber daz sehen bin ich würkende. [422] Aber unser sælicheit enliget niht an unsern werken, mêr: an dem daz wir got lîden. Wan als vil got edeler ist dan diu crêatûre, als vil ist daz werk gotes edeler dan daz mîn. Jâ, von [423] unmæziger minne hât got unser sælicheit geleget in ein lîden, wan wir mê lîden dan würken und unglîche mê nemen dan geben. Und ein ieglîchiu gâbe bereitet die enpfenclicheit ze einer niuwen gâbe, jâ, ze einer mêrern gâbe. Ein ieglîchiu götlîchiu es richtig: im Unwissen. Wo man nichts weiß, da zeigt und offenbart es sich. Nun erhebt sich wieder eine Frage. Ihr könntet sagen: Herr, Ihr setzt all unser Heil in ein Unwissen. Das klingt wie ein Mangel. Gott hat den Menschen geschaffen, damit er weiß, wie der Prophet sagt: Herr, mach sie wissend (vgl. Ps. 31,9; Spr. 8,33). Denn wo Unwissen ist, da ist Mangel und Vergeblichkeit, ein tierischer Mensch, ein Affe, ein Tor. Das ist wahr, sofern er im Unwissen bleibt. Aber man wird hier in ein überformtes Wissen kommen. Auch soll dieses Unwissen nicht aus Unwissen hervorgehen, sondern man soll aus Wissen ins Unwissen kommen. Dann werden wir mit dem göttlichen Wissen wissend, und dann wird unser Unwissen mit dem übernatürlichen Wissen geadelt und geziert. Und darin, da wir uns leidend [empfangend] halten, da sind wir vollkommener, als wenn wir tätig sind. Darum sagt ein Meister, dass die Kraft des Hörens viel edler sei als die Kraft des Sehens; denn man lernt durch Hören mehr Weisheit als durch Sehen und lebt darin mehr in der Weisheit. Man liest von einem heidnischen Meister, als er im Sterben lag, da redeten seine Schüler vor ihm von einer hohen Kunst, und er hob im Sterben sein Haupt, hörte zu und sprach: Ach, lasst mich diese Kunst noch lernen, sodass ich sie in Ewigkeit ausüben kann. Das Hören bringt mehr herein, aber das Sehen weist mehr hinaus, ja, der Akt des Sehens an sich [weist nach außen]. Und darum werden wir im ewigen Leben in der Kraft des Hörens viel seliger sein als in der Kraft des Sehens. Denn das Werk des Hörens des ewigen Wortes ist in mir, aber das Werk des Sehens geht von mir [weg]. Und das Hören erleide ich, aber das Sehen bewirke ich. Aber unsere Seligkeit liegt nicht in unserm Tun, sondern darin, dass wir Gott erleiden. Denn so viel Gott edler ist als das Geschöpf, umso edler ist das Werk Gottes als meins. Ja, aus unermesslicher Liebe hat Gott unsere Seligkeit ins Leiden gelegt; denn wir erleiden mehr als wir wirken und wir empfangen ungleich mehr als wir geben. Und jede Gabe macht die Empfänglichkeit für eine neue Gabe bereit, ja für eine größere Gabe. Jede göttliche 18

19 gâbe wîtert die enpfenclicheit und die begerunge ze einem mêrern und grœzern ze enpfâhenne. Und her umbe sprechent etlîche meister, daz an dem sî diu sêle gote ebenmæzic. Wan als got unmæzic ist [424] an dem gebenne, alsô ist ouch diu sêle unmæzic an dem nemenne oder enpfâhenne. Und als got ist almehtic an dem würkenne, alsô ist diu sêle abgründic an dem lîdenne. Und dar umbe wirt si überformet mit gote und in gote. Got der sol würken und diu sêle sol lîden: er sol sich selben bekennen und minnen in ir, si sol bekennen mit sîner bekantnisse und sol minnen mit sîner minne. Und dar umbe ist si vil sæliger mit dem sînen dan mit dem irn. Und alsô ist ouch ir sælicheit mê gelegen in sînem würkenne dan in dem irn. Sant Dionysius wart eines gevrâget von sînen jüngern, war umbe sie Timotheus alle vürliefe an volkomenheit. Dô sprach Dionysius: Timotheus ist ein gotlîdender man. Der in dem wol künde, der vürliefe alle menschen. [425] Und alsus enist dîn unwizzen niht ein gebreste, sunder dîn hœhste volkomenheit, und dîn lîden ist alsus dîn oberstez werk. Und alsus in dirre wîse muost dû abeslahen alliu dîniu werk und muost tuon swîgen alle dîne krefte, solt dû in der wârheit bevinden dirre geburt. In dir solt dû vinden den gebornen. Allez daz dû anders vinden maht, daz muost dû vürloufen und zerücke werfen. Daz wir allez daz vürloufen und verliesen, daz disem geborn künige niht wol engevellet, des helfe uns der, der dar umbe ist worden des menschen kint, daz wir werden gotes kint. Âmen Gabe weitet die Empfänglichkeit und das Begehren zu einem höheren und größeren Empfangen. Und darum sagen manche Meister, dass die Seele darin Gott angemessen sei. Denn wie Gott unmäßig ist im Geben, so ist auch die Seele unmäßig im Nehmen oder Empfangen. Und wie Gott allmächtig ist im Wirken, so ist die Seele abgründig im Leiden. Und darum wird sie mit Gott und in Gott überformt. Gott soll wirken, und die Seele soll erleiden. Er soll sich selbst in ihr erkennen und lieben; sie soll mit seiner Erkenntnis erkennen und mit seiner Liebe lieben. Und darum ist sie mit dem Seinen viel seliger als mit dem Ihren. Und so ist auch ihre Seligkeit mehr in seinem Wirken gelegen als in ihrem eigenen. Der heilige Dionysius wurde einst von seinen Schülern gefragt, warum Timotheus sie alle an Vollkommenheit überflügle. Da antwortete Dionysius: Timotheus ist ein gottleidender Mann. Wer sich darauf gut versteht, der kann alle Menschen überflügeln. Und so ist dein Unwissen nicht ein Mangel, sondern deine höchste Vollkommenheit, und dein Leiden ist so dein höchstes Tun. Und darum musst du dich in dieser Weise aller deiner Werke entschlagen, und du musst alle deine Seelenkräfte zum Schweigen bringen, damit du in Wahrheit diese Geburt empfinden kannst. In dir wirst du den Geborenen finden. Alles, was du sonst noch finden kannst, das musst du hinter dir lassen und zurückwerfen. Dass wir alles hinter uns lassen und verlieren, was diesem neugeborenen König nicht gefällt, dazu helfe uns der, der darum des Menschen Kind geworden ist, dass wir Gottes Kinder werden. Amen. 19

20 Predigt 103: Cum factus esset Iesus annorum duodecim (Luk. 2,41) [474] Man liset in dem êwangeliô: dô unser herre zwelf jâr alt wart, dô gienc er mit sînen eltern ze Jêrusalem in den tempel. Und dô sie dannen giengen, dô bleip Jêsus in dem tempel und des enwesten sie niht. Und dô sie heim kâmen und sîn vermisten, dô suochten sie in under den bekanten und under den mâgen und bî der menige und envunden sîn dâ niht, mêr: sie hâten in verlorn under der menige. Und dar umbe muosten sie wider gân, dannen sie her wâren komen. Und dô sie wider in den ursprunc kâmen, in den tempel, dô vunden sie in. [475] Alsô in der wârheit: solt dû dise edele geburt vinden, sô muost dû alle menige lâzen und muost wider in den ursprunc und in den grunt komen, dâ dû ûzkomen bist. Alle die krefte der sêle und alliu iriu werk daz sint allez menige: gehugnisse, verstantnisse und wille, diz allez vermanicvaltiget dich. Dar umbe muost dû sie alle lâzen: sinnelicheit, bildunge und allez daz, dâ dû dich selber inne vindest oder meinest. Dar nâch maht dû vinden dise geburt und anders niht, gewærlîche. Er enwart nie vunden under vriunden noch under mâgen noch bî den bekanten, mêr: alles verliuset man in dâ. Dar umbe sô hân wir hie ein vrâge: ob der mensche dise geburt iht vinden müge in etlîchen dingen, diu doch götlich sint und aber von ûzen îngetragen sint durch die sinne, als etlîche bildunge von gote, alsô daz got guot sî, wîse, erbarmherzic oder swaz des ist, daz diu [476] vernunft in ir schepfen mac, daz doch götlich ist; in der wârheit: ob man in disem allem dise geburt iht vinden müge? In der wârheit: nein, swie daz ez doch allez guot und götlich sî, wan ez ist allez dar îngetragen von ûzen durch die sinne. Ez muoz aleine von innen ûf von gote herûzquellen, sol disiu geburt eigenlîche und lûterlîche dâ liuhten, und muoz allez dîn würken geligen und müezen alle dîne krefte dem sînen dienen, niht dem dînen. Sol diz werk volkomen sîn, sô muoz ez got aleine würken und dû solt ez aleine lîden. Dâ dû dînes willen und wizzennes wærlîche ûzgâst, dâ gât got wærlîche und williclîche în mit sînem wizzenne und liuhtet dâ klærlîche. Dâ Man liest [heute] im Evangelium: Als unser Herr zwölf Jahre alt wurde, ging er mit seinen Eltern in den Tempel zu Jerusalem. Und als sie wieder fortgingen, blieb Jesus im Tempel, aber das wussten die Eltern nicht. Und als sie heimkamen und ihn vermissten, suchten sie ihn unter den Bekannten und Verwandten und in der Menge und fanden ihn da nicht, sondern sie hatten ihn in der Menge verloren. Und darum mussten sie zurückgehen, woher sie gekommen waren. Und als sie wieder in den Ursprung kamen, in den Tempel, da fanden sie ihn (Luk. 2,41 52). Ebenso, inwahrheit, sollst du diese edle Geburt finden, so musst du jede Menge lassen und musst in den Ursprung und in den Grund zurückkommen, aus dem du hervorgekommen bist. Alle Kräfte der Seele und alle ihre Tätigkeiten, das sind alles Menge : Gedächtnis, Verstand und Wille, das alles bringt dich in Vielfalt. Darum musst du sie alle lassen: Sinnlichkeit, Vorstellungen und alles, in dem du dich selbst findest oder suchst. Dann kannst du diese Geburt finden und sonst nicht. Wahrhaftig! Er wurde nie unter Freunden oder unter Verwandten oder bei Bekannten gefunden; vielmehr dort verliert man ihn gänzlich. Darum stellt sich uns hier eine Frage: Kann der Mensch diese Geburt irgendwie in manchen Dingen finden, die doch göttlich sind, die aber von außen durch die Sinne hereingetragen werden, zum Beispiel manche Vorstellungen von Gott: Gott ist gut, weise, barmherzig, oder was es sein mag, das die Vernunft aus sich schöpfen kann das ja auch göttlich ist. In Wahrheit: Kann man in dem allem diese Geburt irgendwie finden? In Wahrheit: Nein, wenngleich das doch alles gut und göttlich ist; denn es ist alles von außen durch die Sinne hereingetragen. Es muss nur von innen herauf aus Gott herausquellen, soll diese Geburt dort eigentlich und rein leuchten, und es muss all dein Wirken ruhen, und es müssen alle deine Seelenkräfte dem Seinen dienen und nicht dem Deinen. Soll dieses Werk vollkommen sein, so muss Gott allein es bewirken, und du musst es nur erleiden. Wo du aus deinem Willen und Wissen wirklich heraustrittst, da tritt Gott wirklich und freiwillig mit seinem Wissen ein und leuchtet dort strah- 20

21 sich got alsô sol wizzen, dâ enmac dîn wizzen niht bestân noch dar zuo dienen. Dû ensolt des niht wænen, daz dîn vernunft dar zuo wahsen müge, daz dû got erkennen mügest. Mêr: sol got götlîche in dir liuhten, dar envürdert dich dîn natiurlich lieht [477] zemâle niht zuo, mêr: ez muoz ze einem lûtern nihte werden und sîn selbes ûzgân zemâle; und danne sô mac got îngân mit sînem liehte und bringet allez daz mit im în, dem dû ûzgegangen bist und tûsentwarbe mê, dar zuo eine niuwe forme, diu al in ir beslozzen hât. Des hân wir ein glîchnisse in dem êwangeliô, dô unser herre ûf dem brunnen vil minniclîche geredete mit der vrouwen und si irn kruoc liez und lief in die stat und kundete dem volke, daz der wâre Messias komen wære. Daz volk gloubte ir und giengen ûz und sâhen in selber. Dô sprâchen sie ze ir: von dînen worten englouben wir nû niht, mêr: von dem, daz wir in selber gesehen hân. Alsô, in der wârheit: aller crêatûren kunst noch dîn eigen wîsheit noch dîn wizzen enmac dich dar zuo niht bringen, daz dû got götlîche mügest wizzen. Solt dû got götlîche wizzen, sô muoz dîn wizzen komen in ein lûter unwizzen und in ein vergezzen dîn selbes und aller crêatûren. [478] Nû möhtest dû sprechen: eyâ, herre, waz sol denne mîn vernunft tuon, sô si alsô gar ledic muoz stân âne allez würken? Ist diz diu næhste wîse, daz ich erhebe mîn gemüete in ein unbekantez bekantnisse, daz doch niht sîn enmac? Wan bekente ich iht, daz enwære niht ein unbekantnisse noch enwære niht ledic und blôz. Sol ich denne zemâle stân in einem dünsternisse? Jâ, sicherlîche! Dû enkanst niemer baz gestân, dan daz dû dich zemâle setzest in ein dünsternisse und in ein unwizzen. Ach, herre, muoz ez allez abe, enmac dâ kein widerkêren sîn? Nein, entriuwen, dâ enmac kein widerkêren sîn. Waz ist aber daz dünsternisse, wie heizet ez oder waz ist sîn name? Sîn name enist niht anders dan ein mügelich enpfenclicheit, diu zemâle wesennes niht enmangelt noch ouch dar[479]bende enist, mêr: aleine ein mügelich enpfenclicheit, in dem dû volbrâht solt werden. Dar umbe enist kein widerkêren dar ûz. Ist aber, daz lend. Wo sich Gott in seiner Weise wissen soll, 55 da kann dein Wissen nicht bestehen noch dazu dienen. Du sollst nicht meinen, dass deine Vernunft dahin wachsen könnte, dass du Gott erkennen kannst. Vielmehr, damit Gott göttlich in dir leuchtet, dazu fördert dich dein natürliches 60 Licht überhaupt nicht, sondern es muss zu einem reinen Nichts werden und sich selbst völlig verlieren. Und dann kann Gott eintreten mit seinem Licht, und er bringt alles das mit sich herein, das du verlassen hast und tausendmal 65 mehr, und dazu eine neue Wesensform, die alles in sich einschließt. Dafür haben wir ein Beispiel im Evangelium (Joh. 4,1 42), als unser Herr am Brunnen liebevoll mit der Frau redete und sie ihren Krug 70 stehen ließ, in die Stadt lief und dem Volk verkündete, der wahre Messias sei gekommen. Das Volk glaubte ihr, und sie gingen hinaus und sahen ihn selbst. Dann sprachen sie zu ihr: Nicht aufgrund deiner Worte glauben wir 75 jetzt, sondern weil wir ihn selbst gesehen haben (Joh. 4,42). Also, in Wahrheit, aller Geschöpfe Kunst noch deine eigene Weisheit noch dein Wissen können dich dazu bringen, Gott göttlich zu wissen. Um Gott göttlich zu 80 wissen, so muss dein Wissen in ein reines Unwissen kommen und ins Vergessen deiner selbst und aller Geschöpfe. Nun könntest du sagen: Ach Herr, was soll denn meine Vernunft tun, wenn sie so völlig 85 ledig, ohne jede Tätigkeit bleiben muss? Ist das die passendste Weise, dass ich mein Herz zu einer unerkannten Erkenntnis erhebe? Das kann doch nicht sein. Denn würde ich etwas erkennen, wäre es nicht unerkannt noch [bliebe 90 ich]ledig und bloß. Soll ich denn ganz in Finsternis stehen bleiben? Ja, sicher! Du kannst niemals besser da stehen, als wenn du ganz in Finsternis und Unwissen sitzt. 95 Ach Herr, muss alles weg? Kann es daraus keine Rückkehr geben? Nein, wirklich nicht. Daraus gibt es kein Zurück. Was ist denn nun diese Finsternis? Wie 100 heißt sie, was ist ihr Name? Ihr Name ist nur mögliche Empfänglichkeit. Ihr mangelt keinerlei Wesen und ihr fehlt nichts; vielmehr [ist sie] nur eine mögliche Empfänglichkeit, in der du vollendet werden 105 sollst. Deshalb gibt es daraus keine Rückkehr. Wenn du aber doch zurückkehrst, kann das 21

22 dû widerkêrest, daz enmac niht sîn von keiner wârheit wegen, ez muoz ein anderz sîn: entweder die sinne oder diu werlt oder der tiuvel. Und volgest dû dem kêre, von nôt vallest dû in gebresten, und dû maht alsô verre kêren, daz dû hâst den êwigen val. Dar umbe enist kein widerkêren, mêr: alles ein vür sich dringen und die mügelicheit erlangen und ervolgen. Si enruowet niemer, si enwerde ervüllet mit vollem wesene. Rehte als diu materie niemer engeruowet, si enwerde denne ervüllet mit allen [480] formen, die ir mügelich sint, alsô engeruowet diu vernunft niemer, si enwerde denne ervüllet mit allem dem, daz ir mügelich ist. [481] Her ûf sprichet ein heidenischer meister: diu natûre enhât niht, daz sneller sî dan der himel; der übersnellet alliu dinc an sînem loufe. Aber sicherlîche des menschen gemüete ist unglouplîche vil sneller an sînem loufe.wære, daz ez in sînem mügenne blibe würklich und daz ez sich hielte unverhœnet und unzerrizzen von nidern dingen und von groben dingen, ez überliefe den obersten himel und erwünde niemer, ez enkæme in daz allerhœhste und enwürde gespîset und gevuoret von dem allerbesten guote. Und dar umbe, swie nütze dirre mügelicheit nâch ze volgenne sî und sich ledic und blôz halten und aleine disem dünsternisse nâchhangen und nâchspüeren und niht widerkêren, sô ist ir wol mügelich ze gewinnenne den, der dâ alliu dinc ist. Und ie mê dû dîn selbes wüester [482] stâst und unwizzende aller dinge, ie næher dû disem komest. Von dirre wüestunge stât geschriben: ich wil mîne vriundinne vüeren in die wüeste und wil ir zuosprechen in ir herze. Daz wâre wort der êwicheit wirt aleine gesprochen in der einicheit, dâ der mensche verwüestet und verellendet ist sîn selbes und aller manicvalticheit. Dirre verwüesteten ellendicheit begerte der prophête, dô er sprach: ach, wer gibet mir vedern als der tûben, daz ich gevliegen müge, dâ ich ruowe vinde? Wâ vindet man ruowe und rast? Daz tuot man wærlîche in der [483] verworfenheit und in der wüeste und ellendicheit aller crêatûren. Her ûf sprichet Dâvît: ich erwelte mê verworfen ze sînne und versmâhet in mînes gotes hûse, dan mit grôzen êren und rîchtuome ze habenne in der sünder tabernakel nicht aufgrund einer Wahrheit sein, sondern es muss etwas anderes [der Grund] sein: entweder die Sinne oder die Welt oder der Teufel. Und wenn du diese Rückkehr verfolgst, fällst du notwendig in Mangel, und du kannst so weit zurückkehren, dass du im ewigen Fall endest. Darum gibt es kein Zurück, sondern nur ein Vorwärtsdringen und die Möglichkeit erlangen und gewinnen. Sie [die Seele] ruht niemals, bis sie mit vollem Wesen erfüllt wird, gerade wie die Materie niemals ruht, bis sie mit allen Formen erfüllt wird, die ihr möglich sind. Ebenso ruht die Vernunft niemals, bis sie mit allem erfüllt wird, das ihr möglich ist. Hierzu sagt ein heidnischer Meister: Die Natur kennt nichts, das schneller wäre als der Himmel; der übereilt alles in seinem Lauf. Aber des Menschen Gemüt ist sicherlich in seiner Bewegung unglaublich viel schneller. Würde sein Vermögen Wirklichkeit und hielte es sich ungeschmäht und unzerrissen von niederen und groben Dingen fern, es liefe schneller als der oberste Himmel und [des Menschen Gemüt] würde es nicht verkraften, nicht in das Allerhöchste zu gelanten und nicht gespeist und genährt zu werden vom allerbesten Gut. Und darum, weil es so nützlich ist, dieser Möglichkeit nachzufolgen und sich ledig und bloß zu halten und nur dieser Finsternis nachzuhängen und nachzuspüren und nicht umzukehren, darum ist es ihr wohl möglich, den zu gewinnen, der alles ist. Und je mehr du mit dir selbst in der Wüste stehst und unwissend aller Dinge, desto näher kommst du diesem [Geschehen]. Von dieser Wüste steht geschrieben: Ich will meine Freundin in die Wüste führen und ihr ins Herz sprechen (Hos. 2,16). Das wahre Wort der Ewigkeit wird nur in der Einheit gesprochen, wo der Mensch sich selbst und aller Vielheit gegenüber verwüstet und vereinsamt ist. Diese wüste Einsamkeit wünschte sich der Prophet, als er sprach: Ach, wer gibt mir Federn wie der Taub, damit ich hinfliegen kann, wo ich Ruhe finde? (Ps. 55,7) Wo findet man Ruhe und Rast? Wirklich in Verworfenheit und in der Wüste und Verbannung von allen Geschöpfen. Hierzu sagt David: Ich zöge es vor, in meines Gottes Haus verworfen und verschmäht zu sein, als mit großer Ehre und Reichtum in der Hütte der Sünder (vgl. Ps. 84,11). 22

23 Nû möhtest dû sprechen: eyâ, herre, muoz daz iemer sîn von nôt, daz man aller dinge verellendet und verwüestet sî ûzerlîche und innerlîche, krefte und ir werk, muoz daz allez abe? Daz ist ein swære stân, ob got den menschen alsô lât stân âne sînen enthalt, als der pr ophête sprichet: wê mir, mîn ellende ist mir erlenget, ob got mîn ellende alsô lenget, daz er mir weder liuhtende noch zuosprechende noch in mir würkende enist, als ir hie lêret und meinet. Sô der mensche alsô stât in einem lûtern nihte, enist denne niht bezzer, er tuo etwaz, daz im daz dünsternisse und daz ellende vertrîbe, alsô daz der mensche bete oder lese oder predige hœre oder ander werk, diu doch tugende sint, daz man sich dâ mite behelfe? Nein! Daz wizzest in der wârheit: aller stillest stân und aller lengest ist dâ dîn aller bestez. [484] Âne schaden enmaht dû dannen niht kêren ze keinen dingen, daz ist sicher. Dû woltest gerne bereit werden ein teil von dir und ein teil von im, daz doch niht gesîn enmac. Mêr: dû enkanst des bereitennes niemer sô schiere gedenken noch begern, got der ensî vor dâ, daz er dich bereite. Nû sî, daz ez geteilet sî, daz dîn sî daz bereiten und sîn sî daz înwürken oder îngiezen, daz doch unmügelich ist, sô wizzest daz, daz got würken und îngiezen muoz, als schiere er dich bereit vindet. Niht enwæne, daz ez sî mit gote als mit einem lîplîchen zimbermanne, der würket und enwürket niht, sô er wil: in sînem willen stât ez, swie in lustet ze tuonne und ze lâzenne. Alsô enist ez niht an gote. Wâ oder wenne dich got bereit vindet, sô muoz er würken und sich in dich ergiezen. Ze glîcher wîse als der luft lûter und rein ist, sô muoz sich diu sunne ergiezen und enmac sich niht enthalten. Sicherlîche, ez wære ein grôz gebreste an gote, ob er niht grôziu werk in dich enwürhte und grôz guot in dich niht engüzze, sô er dich alsô ledic und blôz vindet. [485] Alsô schrîbent die meister, daz in dem selben puncten, sô diu materie des kindes ist bereit in der muoter lîbe, in dem selben ougenblicke sô giuzet got în den lebendigen geist, die sêle, diu des lîbes forme ist. Ez ist Nun könntest du sagen: Ach Herr, muss das immer notwendig so sein, dass man innerlich und äußerlich von allen Dingen verbannt und verwüstet ist? Die Seelenkräfte und ihre Tätigkeiten, muss das alles fort? Das ist ein schwerer Stand, wenn Gott den Menschen ohne seinen Halt stehen lässt wie [auch] der Prophet sagt: Weh mir, meine Verbannung ist mir verlängert (Ps. 120,5, Vulg.), wenn Gott meine Verbannung so in die Länge zieht, dass er mir kein Licht schenkt, mir nicht zuspricht noch in mir wirkt, wie Ihr es hier lehrt und empfehlt. Wenn der Mensch so in einem reinen Nichts steht, ist es für ihn dann nicht besser, etwas zu tun, das ihm die Finsternis und das Elend vertreibt, zum Beispiel, dass er betet oder liest oder eine Predigt hört oder andere Tätigkeiten, die ja doch Tugenden sind, um sich damit zu behelfen? Nein! Du sollst in Wahrheit wissen: Ganz still bleiben und möglichst lange, das ist hier das Allerbeste für dich. Ohne Schaden kannst du dich nicht davon weg zu irgendwelchen Dingen kehren, das ist sicher. Du willst dich wohl gerne so bereit machen: ein Teil von dir und ein Teil von ihm; doch das kann nicht sein. Du kannst vielmehr nie so schnell denken oder wünschen, dich bereit zu machen: Gott ist vorher da, dich bereit zu machen. Angenommen, es wäre geteilt, das Bereitmachen wäre dein und das Einwirken oder Eingießen wäre sein Anteil, obwohl das unmöglich ist, so musst du wissen, dass Gott wirken und eingießen muss, sobald er dich bereit findet. Meine nicht, mit Gott wäre es wie mit einem irdischen Zimmermann, der arbeitet oder nicht arbeitet, wenn er es will: Es steht in seinem Willen, wie es ihm gefällt, es zu tun oder zu lassen. So ist es bei Gott nicht. Wo und wann Gott dich bereit findet, muss er [sogleich] wirken und sich in dich ergießen. Ebenso: Wenn die Luft klar und rein ist, so muss sich die Sonne ergießen und kann sich nicht zurückhalten. Es wäre sicherlich ein großer Fehler in Gott, würde er nicht große Werke in dir vollbringen und würde er nicht großes Gut in dich ergießen, wenn er dich so ledig und bloß findet. So schreiben auch die Meister, dass Gott in demselben Augenblick, da die Materie des Kindes im Mutterleib bereit ist, den lebendigen Geist, die Seele, die die Form des Leibes ist, eingießt. Es ist ein Blitz, das Bereitmachen und 23

24 ein blik bereiten und îngiezen. Wenne diu natûre ûf ir hœhstez kumet, sô gibet got gnâde. In dem selben puncten, sô der geist bereit ist, sô gât got în âne ûfzuc und âne beiten. In dem buoche der tougene stât geschriben, daz unser herre dem [486] volke enbôt: ich stân vor der tür klopfende und beitende. Swer mich înlât, mit dem wil ich haben ein âbentwirtschaft. Dû endarft in niht suochen weder hie noch dâ, er enist niht verrer dan vor der tür. Dâ stât er und beitet und wartet, wen er bereit vinde, der im ûftuo und in înlâ. Dû endarft im niht verre ruofen, er mac ez kûme erbeiten, daz dû ûftuost. Im ist tûsent stunt nœter dan dir. Ez enist niht dan ein puncte daz ûftuon und daz îngân. Nû möhtest dû sprechen: Wie mac daz gesîn? Ich enbevinde sîn doch niht. Nû merke! Daz bevinden enist niht in dînem gewalt, mêr: ez ist in dem sînen, sô ez im vüeget. Er mac sich zöugen, sô er wil, und mac sich bergen, sô er wil. Diz meinte unser herre, dô er sprach ze Nicodemô: der geist geistet, dâ er wil. Sîn stimme hœrest dû und dû enweist, [487] wannen er kumet oder war er vert. Er sprichet: alhie und widersprichet: dû hœrest und enweist doch niht. Mit hœrenne wirt man wizzende. Kristus meinte: mit hœrenne nimet man in oder ziuhet man in în, als ob er sprechen wolte: dû enpfâhest in und enweist des niht. Daz wizzest: got enmac niht lære noch îtel lâzen. Got und diu natûre enmügen daz niht lîden, daz ihtes iht îtel oder lære sî. Dar umbe: wie daz sî, daz dich des dünke, daz dû sîn niht enbevindest und daz dû noch îtel sîst, des enist doch niht. Wan wære iht îtels under dem himel, ez wære swaz ez wære, kleine oder grôz, entweder der himel züge ez ûf an sich oder er müeste sich her nider neigen und ez ervüllen mit im selben. Got, der meister der natûre, enlîdet ez niht, daz ihtes iht îtel oder lære sî. Dar umbe stant alhie stille und enwenke niht von dirre îtelkeit. Wan dû maht dich ze der stunde dâ von ziehen, dû enkumest niemermê dar zuo. Nû möhtest dû sprechen: eyâ, herre, ir meinet alles, ez sülle dar zuo komen, daz disiu geburt geschehe: daz der sun geborn werde in mir. Eyâ, möhte ich des ein zeichen hân, dâ bî ich möhte wizzen, ob ez geschehen wære? [488] das Eingießen. Wenn die Natur ihr Höchstes erreicht, gibt Gott die Gnade. In demselben Punkt, da der Geist bereit ist, geht Gott ohne Verzug und ohne Warten [in ihn] ein. In der Geheimen Offenbarung steht geschrieben, dass unser Herr dem Volke kundtat: Ich stehe vor der Tür, klopfe an und warte. Wer mich einlässt, mit dem will ich ein Abendmahl halten (Apok. 3,20). Du brauchst ihn nicht hier oder da zu suchen. Er ist nicht weiter entfernt als vor deiner Tür. Dort steht er und wartet, wen er bereit findet, ihm aufzutun und ihn einzulassen. Du brauchst ihn nicht von weither zu rufen, er kann es kaum erwarten, dass du aufmachst. Ihm ist es tausendmal dringender als dir. Es ist nur ein Punkt, das Aufmachen und das Eingehen. Nun könntest du sagen: Wie kann das sein? Ich empfinde doch nichts davon. Dazu beachte: Das Empfinden steht nicht in deiner Macht, sondern in seiner, wie es ihm ansteht. Er kann sich zeigen, wenn er will, und er kann sich verbergen, wenn er will. Das meinte unser Herr, als er zu Nikodemus sprach: Der Geist weht, wo er will. Du hörst seine Stimme, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er zieht (Joh. 3,8). Er sagt: Genau hier, und er sagt dagegen: Du hörst [ihn] und du weißt doch nichts. Durch Hören wird man wissend. Christus meinte: Durch Hören nimmt und zieht man ihn herein, als ob er sagen wollte: Du empfängst ihn und weißt es nicht. Du musst wissen: Gott kann nichts leer und vergeblich lassen. Gott und die Natur können es nicht ertragen, dass irgendetwas umsonst oder leer bleibt. Darum: Obwohl es dir scheint, dass du ihn nicht empfindest und dass du noch leer bist, ist es doch nicht so. Denn gäbe es etwas Leeres unter dem Himmel, es sei, wie es sei, klein oder groß, entweder zöge es der Himmel hinauf zu sich oder er müsste sich herunter neigen und es mit sich selber erfüllen. Gott, der Meister der Natur, erträgt es nicht, dass irgendetwas eitel oder leer bleibt. Darum steh hier still und wanke nicht weg von dieser Leere. Denn du kannst dich ihr für diesmal entziehen, du wirst niemals wieder dahin kommen. Nun könntest du sagen: Ach Herr, Ihr meint durchwegs, es werde dazu kommen, dass diese Geburt geschieht, dass der Sohn in mir geboren werde. Ach, könnte ich dafür ein Zeichen haben, an dem ich erkennen kann, ob es geschehen ist?

25 Jâ, sicherlîche! Wârer zeichen wol driu. Der wil ich nû einez sagen. Man vrâget mich dicke, ob der mensche dar zuo komen müge, daz in zît niht enhindere noch menige noch materie. Jâ, in der wârheit, swenne disiu geburt in der wârheit geschehen ist, sô enmügen dich alle crêatûren niht gehindern, mêr: sie wîsent dich alle ze gote und ze dîrre geburt, als wir vinden ein glîchnisse an dem blitzen. Swenne der blitze triffet, sô ersleht er, swaz dâ ist. Ez sî boum oder tier oder mensche, daz kêret er mit der vart ze im. Und hæte ein mensche den rücken dar gekêret, ûf der stunde wirfet er in umbe mit dem antlütze. Hæte ein boum tûsent bleter, sie kêrent sich alliu umbe gegen dem slage mit irm rehten ende. Sich, alsô geschihet allen den, die von dirre geburt werdent berüeret und getroffen: die werdent snelliclîche gekêret ze dirre geburt in einem ieglîchen, daz gegenwertic ist. Jâ, swie grop ez joch ist, jâ, daz dir vor ein hindernisse was, daz vürdert dich nû zemâle. Daz antlütze wirt dir alsô gar gekêret ze dirre geburt; jâ, allez daz dû sihest oder hœrest, swaz daz sî, sô enmaht dû in allen dingen niht anders genemen dan dise geburt; jâ, alliu dinc werdent dir lûter got, wan in allen dingen sô enmeinest noch enminnest dû niht dan lûter got. Rehte als ob ein mensche lange die sunne anesæhe an [489] dem himel, swaz er dar nâch sæhe, dâ bildete sich diu sunne inne. Swâ dir dises gebristet, daz dû got niht ensuochest noch enmeinest noch enminnest in allen dingen und in einem ieglîchen dinge, dâ gebristet dir dirre geburt. Nû möhtest dû vrâgen: sol der mensche iht pênitencie üeben, der in disem stât, oder versûmet er iht, ob er sich niht enüebet in pênitencie? [490] Nû merket! Allez pênitencie leben ist under andern sachen dar umbe vunden, ez sî wachen, vasten, beten, weinen, disciplîne nemen, hærîniu hemede tragen, harte ligen und swaz des ist, daz ist allez dar umbe, wan der lîchame und daz vleisch sich alwege stellet wider den geist. Er ist im dicke ze stark; rehte als ein kampf ist under in, ein êwic strît. Der lîp ist hie küene und stark, wan er ist hie in sînem heimuote. Diu werlt hilfet im, diz ertrîche ist sîn vaterlant, im helfent hie alle sîne mâge: diu spîse, daz trank, diu zartheit; daz ist allez wider den geist. Wan der geist ist hie ellende, aber in Ja, sicherlich! Es gibt drei echte Zeichen. Von denen will ich jetzt nur eins besprechen. Man fragt mich oft, ob der Mensch so weit kommen kann, dass ihn Zeit, Menge und Materie nicht hindern. Ja in Wahrheit, wenn diese Geburt wahrhaftig geschehen ist, so können dich alle Geschöpfe nicht mehr hindern, sondern sie weisen dich alle zu Gott und zu dieser Geburt. Dazu finden wir ein Beispiel an dem Blitze. Wenn der Blitz trifft, erschlägt er alles, was im Wege ist. Sei es Baum oder Tier oder Mensch, alles kehrt er sogleich sich zu. Und hätte ein Mensch dem Blitz den Rücken zugewandt, im Moment wirft er ihn um, das Gesicht [zu ihm gekehrt]. Hätte ein Baum tausend Blätter, sie kehren sich alle mit der Oberseite zu dem Blitzschlag. Sieh, so geschieht es allen, die von dieser Geburt berührt und getroffen werden: Sie werden augenblicklich zu dieser Geburt hingekehrt in jeglichem Umstand, der gerade herrscht. Ja, wie grob es auch ist, was zuvor dein Hindernis war, das alles fördert dich jetzt ganz und gar. Dein Antlitz wird so völlig zu dieser Geburt gekehrt; ja, alles, was du siehst oder hörst, was es auch sei, du kannst in allem nichts anderes annehmen als diese Geburt; ja, alles wird dir lauter Gott, denn in allen Dingen suchst und liebst du nichts als nur Gott. Gerade wie wenn ein Mensch lange in die Sonne am Himmel sieht, in allem, was er danach sieht, bildet sich die Sonne nach. Soweit dir das fehlt, dass du Gott in allem und jedem suchst, meinst und liebst, fehlt dir diese Geburt. 300 Nun könntest du fragen: Soll der Mensch in diesem Stand vielleicht Bußwerke üben, oder versäumt er etwas, wenn er sich nicht in Bußwerken übt? Nun gebt acht! Alles Bußleben, sei es wachen, fasten, beten, weinen, Selbstzüchtigung 305 üben, raue Gewänder tragen, hart liegen oder was immer, das alles wurde darum erfunden, weil der Leib und das Fleisch sich überall gegen den Geist stellen. Der Leib ist dem Geist 310 oft zu stark; es ist geradezu ein Kampf zwischen ihnen, ein ewiger Streit. Der Leib ist hier kühn und stark, denn er ist hier in seiner Heimat. Die Welt hilft ihm, die Erde ist sein Vaterland; ihm helfen hier alle seine Verwandten: 315 die Speise, der Trank, die Weichlichkeit; das ist alles gegen den Geist. Denn der Geist ist hier in Verbannung; aber alle seine Verwandten und 25

26 dem himel sint alle sîne mâge und allez sîn geslehte. Dâ ist er vil wol gevriunt, ob er sich dar gerihtet und geheimlîchet. Und umbe daz, daz man dem geiste ze helfe kome in disem ellende und man daz vleisch etwaz krenke in disem strîte, daz ez dem geiste niht anegesige, her umbe tuot man im ane den zoum der pênitencie und drücket in dar umbe, daz sich der geist sîn erwern müge. [491] Sît daz man im daz tuot umbe gevanc nisse, wilt dû in denne tûsent stunt baz vâhen und beladen, sô lege im ane den zoum und daz bant der minne. Mit der minne überwindest dû in allerschierest und mit der minne beladest dû in allersêrest. Dar umbe enlâget got keinem dinge sô sêre an uns als der minne. Wan ez ist rehte mit der minne als mit dem angele des vischers. Der visch enmac im niht werden, er enhafte denne an dem angele. Wenne er den angel gevâhet, sô ist der vischer des visches sicher; war sich joch der visch hin oder her kêret, sô ist sîn doch der vischer sicher. Alsô spriche ich von der minne: wer von ir wirt gevangen, der hât daz allersterkeste bant und doch eine süeze bürde. Wer dise süeze bürde ûf sich hât [492] genomen, der ervolget mê und kumet ouch dâ mite næher dan mit aller üebunge und herticheit, die alle menschen geüeben möhten. Er mac ouch süeziclîche tragen und lîden allez daz, daz in anegât und got über in verhenget, und mac ouch süeziclîche vergeben, swaz man im übels tuot. Kein dinc enmachet dich gote næher und got dir alsô eigen als diz süeze bant der minne. Der disen wec habe vunden, der ensuoche keinen andern wec. Swer an disem angele haftet, der ist alsô gevangen, daz der vuoz und diu hant, der munt, diu ougen und herze und allez daz, daz an dem menschen ist, daz muoz gotes eigen sîn. Und dar umbe enmaht dû disen vîent niemer baz überwinden, daz er dir niht enschade, dan mit der minne. Dar umbe stât geschriben: diu minne ist stark als der tôt, herte als diu helle. Der tôt scheidet die sêle von dem lîbe, aber diu minne scheidet alliu dinc von der sêle. Swaz got oder götlich niht enist, daz enlîdet si niht. Der in disem stricke gevangen ist und in disem wege wandelt, waz werkes er iemer gewürket oder niht enwürket, daz ist zemâle al ein; er tuo iht oder niht, dâ enliget zemâle niht ane. Doch ist des menschen minstez werk oder üebunge nützer alle seine Angehörigen sind im Himmel. Da hat er viele gute Freunde, wenn er sich dorthin ausrichtet und anvertraut. Und darum, um dem Geist zu Hilfe zu kommen in dieser Fremde und um das Fleisch etwas zu schwächen in diesem Streit, damit es nicht über den Geist siege, darum legt man ihm den Zaum des Bußwerks an und drückt es nieder, damit der Geist sich des Fleisches erwehren kann. Da man das dem Leib um seiner Gefangenschaft willen antut, willst du ihn nun aber tausendmal besser fangen und dienstbar machen, so lege ihm den Zaum und den Zügel der Liebe an. Mit Liebe überwindest du ihn am schnellsten, und mit Liebe machst du ihn am besten dienstbar. Darum lauert Gott bei uns nach nichts anderem so stark wie nach Liebe. Denn mit der Liebe steht es gerade wie mit der Angel des Fischers. Der Fisch kann ihm nicht gehören, wenn er nicht an der Angel hängt. Wenn er den Haken geschnappt hat, ist der Fischer des Fisches sicher; auch wenn der hin und her zappelt, ist der Fischer trotzdem seiner sicher. Und so sage ich von der Liebe: Wer von ihr gefangen wird, den hält das allerstärkste Band und doch eine süße Bürde. Wer diese süße Bürde auf sich genommen hat, der erreicht mehr und kommt damit auch weiter als mit aller Übung und Härte, die alle Menschen ausüben könnten. Er vermag auch alles angenehm zu ertragen und zu erleiden, was ihn anficht und was Gott über ihn verhängt, und er kann auch leichten Herzens vergeben, was man ihm Übles antut. Nichts bringt dich Gott näher und macht dir Gott so zueigen wie dieses süße Band der Liebe. Wer diesen Weg gefunden hat, der suche keinen anderen. Wer an dieser Angel hängt, der ist so gefangen, dass der Fuß und die Hand, der Mund, die Augen und das Herz und alles, was zum Menschen gehört, dann alles Gott zueigen sein muss. Und darum kannst du diesen Feind niemals besser überwinden, sodass er dir nicht schadet, als mit der Liebe. Darum steht geschrieben: Die Liebe ist stark wie der Tod, hart wie die Hölle (Hohel. 8,6). Der Tod scheidet die Seele vom Leibe, aber die Liebe trennt alles von der Seele ab; was nicht Gott oder göttlich ist, das duldet sie nicht. Wer mit diesem Strick gefangen ist und auf diesem Wege wandelt, welches Werk er auch tut oder nicht tut, das ist zumal alles eins. Ob er etwas tut oder nicht, daran liegt gar nichts. Doch ist das geringste Werk oder die geringste Übung 26

27 und fruhtbærer im selber und allen menschen und ist gote lobelîcher dan aller menschen üebunge, die joch âne tôtsünden sint und aber in minner minne stânt. Sîn ruowen ist nützer dan eines andern würken. Dar umbe lâge aleine disem angele, sô wirst dû sæliclîche gevangen, und ie gevangener, ie vrîer. Daz wir alsus gevangen und gevrîet werden, des helfe uns der, der selbe diu minne ist. Âmen. des Menschen nützlicher und ihm selbst und allen Menschen fruchtbringender und vor Gott lobenswerter als die Übungen aller Menschen, 375 die zwar nicht in Todsünde, aber in geringerer Liebe leben. Dessen Ruhen ist nützlicher als das Wirken eines anderen. Darum sei allein auf diese Angel aus, so wirst du selig gefangen und je gefangener, desto freier. 380 Dass wir so gefangen und befreit werden, dazu helfe uns der, der selbst die Liebe ist. Amen. 27

28 Predigt 104: In his, quae patris mei sunt, oportet me esse (Luk. 2,49) [565] Ez ist nôt, daz ich sî in den dingen, diu mînes vaters sint. Diz wort kumet uns gar ebene ze unser rede, die wir ze sprechenne [566] hân von der êwigen geburt, diu zîtlich ist worden und noch tegelîche geborn wirt in der sêle innerstem und in irm grunde âne allen zuoval. Wer dirre geburt sol gewar werden in im, des ist vor allen dingen nôt, daz er in den dingen sî, diu des vaters sint. Waz eigenschaft hât der vater? Man zelt im zuo den gewalt vür die andern persônen. Alsô enmac niemer kein mensche sicherlîche bevinden dirre geburt noch dar zuo genâhen, ez engeschehe denne mit grôzem gewalt. [567] Der mensche enmac niht komen ze dirre geburt, er entziehe sich denne aller sîner sinne in allen dingen. Und daz muoz geschehen mit grôzem gewalt, daz alle krefte ze rücke suln getriben werden und irs werkes abegân. Disem allem muoz gewalt geschehen, ez engât anders niht zuo dan mit gewalt. Her umbe sprichet Kristus: daz himelrîche lîdet gewalt und die gewaltigen begrîfent ez und zuckent ez. [568] Nû vellet ein vrâge în von der geburt, dâ wir von gesprochen hân, ob si geschehe âne underlâz oder underwîlen, sô sich der mensche dar zuo vüeget und alle sîne maht dar zuo tuot, daz er aller dinge vergezze und sich aleine hie inne wizze. Nû nim den underscheit! Der mensche hât eine würkende vernunft und eine lîdende vernunft und eine mügelîche vernunft. 35 Diu würkende ver[569] nunft stât alwege gegenwertic iemer etwaz ze würkenne, [570] ez sî in gote oder in der crêatûre. Swenne si sich vernünfticlîche üebet in der crêatûre als in einer ordenunge und widertragenne der crêatûre wider in irn ursprunc oder sich selber ûftreget ze götlîcher êre und ze götlîchem lobe, daz stât noch allez wol in ir maht und in irm gewalt und heizet noch würkende. Sô sich aber got des werkes underwindet, sô muoz der geist sich halten in einer lîdelicheit Es ist notwendig, dass ich in dem bin, das meines Vaters ist" (Luk. 2,49). Dies Wort kommt uns gerade recht zu der Ansprache, die wir zu halten haben: von der ewigen Geburt, die zeitlich geschehen ist und noch täglich im Innersten der Seele und in ihrem Grunde ohne jeden Umstand geboren wird. Wer diese Geburt in sich erfahren will, der muss vor allem in dem sein, was des Vaters ist. Welche Eigenschaft hat der Vater? Man schreibt ihm mehr als den andern Personen die Macht zu. Und so kann kein Mensch diese Geburt sicher erfahren noch ihr nahe kommen außer mit gewaltiger Kraft. Der Mensch kann zu dieser Geburt nur kommen, wenn er sich in allem von seinen sinnlichen Wahrnehungen zurückzieht. Und dass alle Seelenkräfte zurückgedrängt werden und von ihrem Wirken ablassen, das kann nur mit großer Kraft geschehen. In all diesem muss Gewalt herrschen; es geht nicht anders als mit Gewalt. Darum sagt Christus: Das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewaltigen ergreifen es und reißen es an sich (Matth. 11,12). Nun stellt sich eine Frage über die Geburt, von der wir gesprochen haben: Geschieht sie ununterbrochen oder gelegentlich, wenn der Mensch sich darauf konzentriert und alle seine Kraft dazu anstrengt, alles zu vergessen und sich allein darin zu wissen? Nimm nun hierzu die folgende Erklärung. Der Mensch hat eine wirkende Vernunft und eine erleidende Vernunft und eine mögliche Vernunft. 2 Die wirkende Vernunft ist überall und jederzeit bereit, etwas zu bewirken, sei es in Gott oder im Geschöpf. Wenn sie sich vernunftgemäß in dem Geschöpf betätigt als Hinordnung und Rückbezug des Geschöpfs zurück auf seinen Ursprung oder wenn sie sich selbst aufschwingt zu Ehre und Lob Gottes, dann steht das alles noch in ihrer Macht und ihrem Walten und ist demnach noch wirkende [Vernunft]. Wenn aber Gott das Werk übernimmt, muss der Geist sich in Erleiden halten. 2 Es handelt sich in der aristotelischen Philosophie um zwei Formen, intellectus agens (nous dynamei) und intellectus possibilis, der auch als intellectus passivus (nous pathetikos) bezeichnet wird.

29 Aber diu mügelîche vernunft diu luoget ze in beiden: [571] swaz got gewürken müge und der geist gelîden, daz daz ervolget werde nâch mügelicheit. Einez hât er in einem würkenne, daz ist, sô der geist selber des werkes pfliget. Daz ander hât er in einem lîdenne, daz ist, sô sich got des werkes underwindet, sô sol und muoz sich der geist stille halten und got [572] lâzen würken. Und ê diz anegevangen werde von dem geiste und von gote volbrâht, sô hât der geist ein anesehen dar zuo und ein mügelich erkennen, daz ez allez wol geschehen mac und möhte, und daz heizet diu mügelîche vernunft, aleine daz si doch vil versûmet werde und niemer ze vruht enkome. Sô sich aber der geist üebet nâch sîner maht in rehten triuwen, sô underwindet sich sîn gotes geist und des werkes und denne sô schouwet und lîdet der geist got. Wan aber daz lîden und daz [573] schouwen gotes dem geiste überlestic ist sunderlîche in disem lîbe, dar umbe underziuhet sich got dem geiste underwîlen. Und daz ist, daz er dô sprach: ein kleine sehet ir mich, und ein kleine ensehet ir mich niht. Dô unser herre die drîe jünger mit im hâte gevüeret ûf den berg und in aleine bewîsete die klârheit sînes lîbes, die er hâte von der einunge der gotheit und wir ouch haben suln nâch der urstende, alzehant dô [574] sant Pêter daz ersach, dô wære er gerne iemer mê dâ bliben. Alsô, in der wârheit: swâ der mensche guot vindet, dâ von enmac er sich mit nihte gescheiden, als verre als ez guot ist. Swâ diu bekantnisse daz vindet, dâ muoz diu minne nâchvolgen und daz gehugnisse und diu sêle alzemâle. Und wan unser herre daz wol weiz, dar umbe muoz er sich underwîlen verbergen, [575] wan diu sêle ist ein einvaltigiu forme des lîbes. Und swar si sich hine kêret, dâ kêret si sich zemâle hine. Wære ir denne daz guot, daz got ist, alles âne mittel und âne underlâz bekant, sô enmöhte si sich enkeine wîs dâ von gekêren, daz si dem lîbe keinen învluz engæbe. Alsô geschach sant Paulô: wære er hundert jâr dâ bliben, dâ er daz guot bekante, er enwære die wîle niemer ze dem lîbe gekêret, er hæte sîn zemâle vergezzen. [576] Die mögliche Vernunft aber schaut in beide Richtungen, damit nach Möglichkeit das geschieht, was Gott wirken und was der Geist erleiden kann. Das eine behält er [der Geist] in seinem Wirken, nämlich wenn der Geist selbst das Werk vollbringt. Das andere erhält er im Erleiden, und zwar wenn Gott das Werk übernimmt; dann soll und muss sich der Geist still halten und Gott wirken lassen. Und bevor dies vom Geist angefangen und von Gott vollbracht wird, ist der Geist aufmerksam darauf und hat ein potenzielles Erkennen, damit alles recht geschehen kann oder könnte; dies heißt mögliche Vernunft; wenn sie auch oft vernachlässigt wird und [selbst] niemals Frucht bringt. Wenn sich aber der Geist mit seinem Vermögen in rechter Beharrlichkeit übt, so nimmt sich Gottes Geist seiner und seines Wirkens an, und dann betrachtet und erleidet der Geist Gott. Da aber das Erleiden und Betrachten Gottes dem Geiste zu schwer fällt, besonders in diesem Leibe, darum entzieht sich Gott manchmal dem Geiste. Darum sprach er: Eine kleine Weile seht ihr mich und eine kleine Weile seht ihr mich nicht (Joh. 16,16). Als unser Herr die drei Jünger mit sich auf den Berg geführt hatte und ihnen allein die Verklärung seines Leibes zeigte, die er durch die Vereinigung [mit] der Gottheit hatte und die auch wir nach der Auferstehung erhalten sollen, sobald nun Sankt Petrus das sah, wäre er gerne immer dort geblieben. Und so, in Wahrheit, wo immer der Mensch Gutes findet, da kann er sich davon in keiner Weise trennen, sofern es gut ist. Wo die Erkenntnis das [Gute] findet, da muss die Liebe nachfolgen und ebenso das Gedächtnis und die ganze Seele. Und da unser Herrr das wohl weiß, darum muss er sich gelegentlich verbergen, denn die Seele ist eine einfache Form des Leibes, und wohin sie sich wendet, dahin wendet sich sich ganz und gar. Wäre ihr nun das Gute, das Gott ist, ganz ohne Vermittlung und ohne Unterlass bekannt, dann könnte sie sich in keiner Weise davon abwenden, und so würde sie dem Leibe keinen Einfluss gewähren. So geschah es Sankt Paulus: Wäre er hundert Jahre dort geblieben, wo er das Gute erkannte, er wäre dann nie mehr in den Leib zurückgekehrt, er hätte ihn ganz vergessen. 29

30 Her umbe, wan daz ze disem lebene niht envüeget noch zuogehœret, dar umbe bedecket ez der getriuwe got, sô er wil, und wîset ez ouch, sô er wil und sô er weiz, daz ez aller nützest ist und uns aller beste vüeget, als ein getriuwer arzât. Diz entziehen enist dîn niht, sunder des, des ouch daz werk ist. Der mac ouch tuon und lâzen, swaz er wil, wan er wol weiz, wanne ez dir aller beste vüeget. In sîner hant stât ez ze wîsenne und ze lâzenne, und als er weiz, daz ez dir lîdelich ist. Wan got enist niht ein zerstœrer der natûre, mêr: er volbringet sie. Und daz tuot got ie mê und ie mê, dar nâch dû dich ie mê und ie mê dar zuo vüegest. [577] Nû möhtest dû sprechen: ach, herre, sît daz man hie zuo bedarf eines ledigen gemüetes von allen bilden und von allen werken, diu nochdenne in den kreften sint joch von natûre, wie sol ez denne ergân von den ûzern werken, diu man doch underwîlen tuon muoz, als minnewerk, diu alliu ûzwendic geschehent, als lêren [578] und trœsten die dürftigen, sol man in disem beroubet werden, als die jünger unsers herren sich dicke unmüezic mahten, als sant Augustînus sprichet, daz sant Paulus alsô sêre mit den liuten beladen und bekümbert was, als ob er sie alle ze der werlt geborn hæte? Sol man dises grôzen guotes her umbe beroubet sîn, daz man sich alsô üebet an tugentlîchen werken? Nû merke hie underscheit dirre vrâge! Einez ist gar edel, daz ander ist sêre nütze. Marîâ was sêre gelobet, daz si daz beste hæte erwelt, sô was ouch Marthen leben gar nütze, wan si die[579]nete Kristô und sînen jüngern. Meister Thomas sprichet: dâ sî daz würkende leben bezzer dan daz schouwende leben, [580] dâ man in der würklicheit ûzgiuzet von minne, daz man îngenomen hât in der schouwunge. Dâ enist niht dan einez, wan man engrîfet niergen/dan in dem selben grunde der schouwunge und maht daz vruhtbære in der würkunge; und dâ wirt diu meinunge der schouwunge volbrâht. Aleine beschehent dâ bewegunge, ez enist niht dan einez: ez kumet ûz einem ende, daz got ist, und gât wider in daz selbe, als ob ich gienge in dem hûse von einem ende an daz ander. Daz wære wol bewegunge und enwære doch Darum nun, da das [die immerwährende Ekstase] zu diesem Leben nicht passt und gehört, verdeckt es der getreue Gott, wenn er es will, und offenbart es auch, wenn er es will und wenn er weiß, dass es am nützlichsten ist und uns am meisten gut tut wie ein treuer Arzt. Dieser Entzug ist nicht deine Sache, sondern dessen, dem auch das Tun zugehört. Der kann auch tun und lassen, was er will, da er wohl weiß, wann es dir zum allerbesten gereicht. In seiner Hand liegt es, es zu offenbaren oder es zu lassen, und zwar wann er weiß, dass es dir bekömmlich ist. Denn Gott ist nicht ein Zerstörer der Natur, sondern er vollendet sie. Und das tut Gott je mehr und mehr, in dem Maße, wie du dich mehr und mehr darein fügst. Nun könntest du fragen: Ach, lieber Herr, da man hierzu ein Gemüt braucht, das von allen Bildern und Handlungen frei ist, die aber doch von Natur in den Seelenkräften sind, wie soll es denn mit den äußeren Handlungen zugehen, die man doch manchmal tun muss, zum Beispiel Werke der Liebe, die ja alle äußerlich geschehen, etwa unterrichten und die Bedürftigen trösten. Soll man in diesen [Werken die Versunkenheit] verlieren, wie ja auch die Jünger unsers Herrn sich oft betätigten, wie Sankt Augustinus sagt, dass Sankt Paulus sich so sehr um die Leute gesorgt und gekümmert hätte, als ob er sie alle zur Welt gebracht hätte? Soll man dieses große Gut [der inneren Leere] verlieren, indem man sich so [äußerlich] in den Werken der Tugend übt? Nun höre die Erklärung zu dieser Frage! Das eine ist sehr edel, das andere ist sehr nützlich. Maria wurde sehr gelobt, dass sie das Beste erwählt hätte, auch Marthas Leben war sehr nützlich, denn sie diente Christus und seinen Jüngern. Meister Thomas [von Aquin] sagt, das tätige Leben sei besser als das beschauende Leben, da man im Wirken aus Liebe ausgießt, was man in der Kontemplation hereingenommen hat. Da gibt es nur eins; denn man ergreift [dasselbe] nur im Grunde der Kontemplation und macht es im Tätigsein fruchtbar, und darin wird der Sinn der Kontemplation vollendet. Auch wenn da Bewegung geschieht, es ist nur eines. Es kommt aus einem Ziel, das Gott ist, und kehrt wieder in dasselbe zurück, als ob ich in einem Haus von einer Seite zur anderen ginge. Das ist zwar Bewegung, wäre aber doch nur eins in einem. So hat man auch in diesem Wirken nichts anders 30

31 niht dan einez in einem. Alsô in dirre würklicheit enhât man anders niht [581] dan eine schouwelicheit in gote: daz eine ruowet in dem andern und volbringet daz ander. Wan got meinet in der einicheit der schouwunge die vruhtbærkeit der würkunge. Wan in der schouwunge dienest dû aleine dir selber, aber in der tugentlîchen würkunge dâ dienest dû der menige. Hie zuo manet uns Kristus mit allem sînem lebene und mit dem lebene aller sîner heiligen, die er alle hât ûzgetriben ze dienenne der menige. [582] Sant Paulus sprichet ze Timotheô: lieber vriunt Timothee, dû solt ûzpredigen daz wort. Meinet er daz ûzer wort, daz den luft sleht? Nein, sicherlîche. Er meinet daz inwendic geborn und doch verborgen wort, daz dâ liget bedecket in der sêle: daz heizet er in ûzpredigen, daz ez den kreften kunt werde und dar abe gespîset [583] werden, und sich ouch der ûzer mensche her ûz gebe in allez daz ûzer leben, dâ ez der ebenmensche bedürfe, daz man daz allez an dir vinde volvüerende nâch dîner maht. Ez sol in dir sîn in dem gedanke, in der vernunft und in dem willen, und sol ouch ûzliuhten an den werken. Alsô sprach Kristus: iuwer lieht sol liuhten vor den liuten. Er meinte die liute, die aleine ahtent der schou[584]welicheit und niht enahtent tugentlîcher würkunge und sprechent, sie enbedürfen sîn niht, sie sîn dar über komen. Die enmeinte Kristus niht, dô er sprach: der sâme viel in ein guot ertrîche und brâhte hundertveltige vruht. Mêr: ez sint die, die er meinte, dô er sprach: der boum, der niht vruht enbringet, den sol man abehouwen. Nû möhtest dû sprechen: ach, herre, waz sol ez denne sîn mit dem stilleswîgenne, von dem ir uns sô vil gesaget hât? Wan hie zuo gehœrent vil bilde, wan ein ieglich werk muoz geschehen in sînem eigenen [585] bilde, ez sîn inwendigiu oder ûzwendigiu werk, ez sî, daz ich disen lêre oder den trœste und diz und daz berihte. Waz stille mac ich dâ gehaben? Wan sô diu vernunft bekennet und bildet und daz der wille wil und denne daz gehugnisse sich dar ane heftet, ensint diz niht allez bilde? Nû merket! Wir hân dâ vor gesprochen als ein Schauen in Gott: Das eine ruht in dem anderen und vollendet das andere. Denn Gott zielt in der Einheit der Kontemplation auf die Fruchtbarkeit des Tuns. Denn in der Kontemplation dienst du nur dir selbst, aber im Tugenhandeln dienst du vielen. Dazu ermahnt uns Christus mit seinem ganzen Leben und mit dem Leben aller seiner Heiligen, die er alle ausgeschickt hat, den Vielen zu dienen. Der heilige Paulus spricht zu Timotheus: Lieber Freund Timotheus, du sollst das Wort auspredigen (2 Ti. 4,2). Meint er das äußere Wort, das durch die Luft dringt? Sicher nicht. Er meint das inwendig geborene und doch verborgene Wort, das in der Seele zugedeckt liegt, das heißt er ihn auspredigen, damit es den Seelenkräften bekannt werde und [sie] davon gespeist werden, und damit auch der äußere Mensch sich hinausgebe in das ganze äußere Leben, wo es der Mitmensch braucht, dass man das alles bei dir ausgeführt finde nach deinem Vermögen. Es soll in dir im Gedächtnis, in der Vernunft und in dem Willen sein, und es soll auch in den Taten hinausleuchten. Darum sprach Christus: Euer Licht soll leuchten vor den Menschen (vgl. Matth. 5,16). Er zielte [hiermit] auf die Menschen, die nur auf die Kontemplation achten und die nicht auf Tugendwerke achten und die sagen, sie brauchten diese nicht, sie seien darüber hinausgewachsen. Die hat Christus nicht gemeint, als er sprach: Der Samen fiel auf guten Boden und brachte hundertfältige Frucht (vgl. Luk. 8,8). Vielmehr, solche Menschen meinte er, als er sagte: Der Baum, der keine Frucht bringt, den soll man abhauen (Matth. 3,10). Nun könntest du sagen: Ach, Herr, was soll denn mit dem Stillschweigen sein, von dem Ihr uns so viel gesprochen habt? Denn dazu [zu den Tugendwerken] gehören viele Vorstellungen; denn ein jegliches Handeln muss in seiner eigenen Vorstellung geschehen, sei es ein inwendiger oder äußerer Akt, sei es, dass ich jemand belehre oder tröste oder dies und das richtigstelle. Welche Stille kann ich dabei halten? Denn wenn die Vernunft erkennt und vorstellt und was der Wille will und woran das Gedächtnis sich dann heftet, sind das nicht alles Vorstellungen? Nun gebt acht! Wir haben zuvor von der 31

32 von einer würkender vernunft und von einer lîdender vernunft. Diu würkende vernunft houwet diu bilde abe von den ûzern dingen und entkleidet sie von materie und von zuovalle und setzet sie in die [586] lîdende vernunft, und diu gebirt ir geistlîchiu bilde in sie. Und sô diu lîdende vernunft von der würkenden swanger worden ist, sô behebet und bekennet si diu dinc mit helfe der würkenden vernunft. Nochdenne enmac diu lîdende vernunft diu dinc niht behalten in bekantnisse, diu [587] würkende enmüeze sie anderwerbe erliuhten. Sehet, allez daz diu würkende vernunft tuot an einem natiurlîchen menschen, daz selbe und verre mê tuot got an einem abegescheiden menschen. Er nimet im abe die würkende vernunft und setzet sich selber an ir stat wider und würket selber dâ allez daz, daz diu würkende vernunft solte würken. Eyâ, swenne sich der mensche zemâle müe[588]ziget und diu würkende vernunft an im gesîget, sô muoz sich got von nôt des werkes [589] underwinden und muoz selber dâ werkmeister sîn und sich selber gebern in die lîdende vernunft. Und daz merket, ob ez alsô sî. Diu würkende vernunft enmac niht geben, daz si niht enhât, noch si enmac niht zwei bilde mit einander gehaben. Si hât wol einez vor und daz ander nâch. Der luft und daz lieht zeigent wol vil bilde und vil varwe mit einander, doch enmaht dû niht sehen noch bekennen dan einez [590] nâch dem andern. Alsô tuot diu würkende vernunft, wan si ouch alsô ist. Aber sô got würket an der stat der würkenden vernunft, sô gebirt er manigiu bilde mit einander in einem puncten. Wan als got dich beweget ze einem guoten werke, zehant sô erbietent sich alle dîne krefte ze allen guoten werken: dîn gemüete gât mit der vart ûf allez guot. Waz dû guotes vermaht, daz erbildet sich und erbiutet sich dâ allez mit einander in einem blicke und in einem puncten. Entriuwen, daz offenbâret und bewæret, daz ez der vernunft werk niht enist, wan si enhât des adels noch der rîcheit niht, mêr: ez ist des werk und des geburt, der alliu bilde mit einander in im selber hât. Alsô sprach der edel Paulus: ich vermac alliu dinc in dem, der mich sterket. In im vermac ich niht aleine diz oder [591] daz, wirkenden und der leidenden Vernunft gesprochen. Die wirkende Vernunft trennt die Erkenntnisbilder von den äußeren Dingen ab und entkleidet sie von Materie und Eigenschaften und versetzt sie in die passive Vernunft, und diese gebiert ihre geistigen Vorstellungen in ihr selbst. Und sobald die passive Vernunft von der wirkenden Vernunft schwanger geworden ist, so behält und erkennt sie die Dinge mit Hilfe der wirkenden Vernunft. Jedoch kann die passive Vernunft die Dinge dann nicht in der Erkenntnis festhalten, wenn die wirkende sie nicht ihrerseits erleuchtet. Seht, alles, was die wirkende Vernunft in einem natürlichen Menschen bewirkt, dasselbe und viel mehr tut Gott in einem abgeschiedenen Menschen. Er nimmt ihm die wirkende Vernunft ab und setzt sich selber in deren Stelle und wirkt da selbst alles, was die wirkende Vernunft wirken würde. Ja, wenn der Mensch sich ganz und gar ruhig hält und die wirkende Vernunft in ihm niedersinkt, so muss Gott notwendig das Werk übernehmen und muss selbst dort der Werkmeister sein und sich selbst in die passive Vernunft gebären. Und achtet darauf, ob es so ist. Die wirkende Vernunft kann nichts geben, das sie nicht hat, auch kann sie nicht zwei Vorstellungen zugleich halten. Sie hat vielmehr zuerst eine und die andere danach. Die Luft und das Licht weisen zwar viele Bilder und viele Farben zugleich auf; doch kannst du nur eines nach dem anderen erkennen. So macht es auch die wirkende Vernunft, denn sie ist ebenso geartet. Aber wenn Gott anstelle der wirkenden Vernunft wirkt, dann gebiert er zahlreiche Bilder zugleich in einem Punkt. Denn wenn Gott dich zu einem guten Werk bewegt, bieten sich sogleich alle deine Seelenkräfte zu allen guten Werken auf: Dein Geist richtet sich sogleich auf alles Gute. Was du Gutes vermagst, das formt sich und erweist sich alles zugleich in einem Augenblick und in einem Punkt. Fürwahr, das offenbart und bestätigt, dass es nicht das Werk der Venunft ist, denn sie hat nicht solchen Adel noch solchen Reichtum; sondern es ist das Werk und die Geburt dessen, der alle Bilder zugleich in sich selbst hält. Darum sprach der edle Paulus: Ich vermag alle Dinge in dem, der mich stärkt (Phil. 4,13). In ihm vermag ich nicht nur dies oder das, son- 32

33 sunder alliu dinc und in im ungescheiden. Hie bî solt dû wizzen, daz disiu bilde dirre werke niht dîn ensint noch der natûre, mêr: sie sint des werkmeisters der natûre, der daz werk und daz bilde dar în geleget hât. Niht ennim dich sîn ane, wan ez ist sîn und niht dîn. Aleine ez zîtlîche von dir wirt enpfangen, doch wirt ez von gote geborn und gegeben über zît und in êwicheit über alliu bilde. Nû möhtest dû vrâgen: sît dem mâle daz sich mîn vernunft hât beroubet irs natiurlîchen werkes und daz si kein eigen bilde noch werk niht enhât, war ûf ist denne ir enthalten? Wan si muoz sich iemer ûf etwaz enthalten. Die krefte wellent sich iemer [592] etwâ aneheften und dar inne würken, ez sî gehugnisse, vernunft und wille. Nû merket dise berihtunge! Der vernunft vürwurf und ir enthalt ist wesen und niht zuoval, sunder daz blôz lûter wesen in im selber. Swenne diu vernunft bekennet [593] ein wârheit eines wesens, zehant sô neiget si sich dar ûf und lât sich dâ in ein ruowe, und dâ sprichet si ir wort vernünfticlîche von dem vürwurfe, den si dâ hât. Mêr: alsô lange diu vernunft des wesens wârheit eigenlîche niht envindet, noch daz si den grunt niht enrüeret, alsô daz si müge sprechen: diz ist diz und ist alsô und anders niht, alsô lange stât si alles in einem suochenne und in einem beitenne und enneiget sich niht noch enruowet niht, mêr: si arbeitet noch alles und leget abe alles suochende in einem beitenne. [594] Und alsô ist si etwenne ein jâr oder mê in einem arbeitenne in einer natiurlîchen wârheit, swaz ez sî, jâ, si muoz noch lange arbeiten in einem abelegenne, waz ez niht ensî. Und als lange stât si âne allen enthalt und ensprichet ouch kein wort von keinen dingen, die wîle si den grunt der wârheit niht vunden enhât mit wârem bekantnisse. Dar umbe gerüeret diu vernunft niemer in disem lebene den grunt der übernatiurlîchen wârheit, diu got ist. Und dar umbe sô stât si alles in einem beitenne und in einem arbeitenne. Und daz muoz mê heizen ein unwizzen dan ein wizzen alles, daz si hie haben mac von gote. Got offenbâret sich niemer sô sêre in disem lebene, ez ensî nochdenne ein niht gegen dem, daz er ist. Wie daz diu wârheit sî dern alle Dinge [zugleich] und in ihm ununterschieden. Damit sollst du wissen, dass diese Vorstellungen dieser Werke nicht dir gehören noch deiner Natur; vielmehr, sie gehören dem Werkmeister der Natur, der das Werk und die Vorstellung da hinein gelegt hat. Eigne sie dir nicht an, denn sie gehören ihm und nicht dir. Zwar werden sie in der Zeit von dir empfangen; doch werden sie von Gott geboren und gegeben jenseits der Zeit und in Ewigkeit jenseits aller Vorstellungen. Nun könntest du fragen: Da nun meine Vernunft ihr natürliches Werk verloren hat und sie keine eigene Vorstellung noch Handlung mehr hat, woran kann sie sich dann halten? Denn sie muss sich ja immer an etwas halten. Die Seelenkräfte wollen sich immer wo anheften und darin wirken, sei es Gedächtnis, Vernunft oder Wille. Nun achtet auf diese Richtigstellung. Das Objekt der Vernunft und ihr Anhalt ist Sein und nicht Eigenschaft, sondern das bloße lautere Sein in sich selbst. Wenn die Vernunft die Wahrheit eines Wesens erkennt, neigt sie sich sogleich darauf und lässt sich dort zur Ruhe kommen, und dort spricht sie von dem Objekt, das sie dort hat, ihr Wort in Vernunft. Jedoch solange die Vernunft die Wahrheit des Wesens nicht in ihrer Eigentlichkeit findet und solange sie den Grund nicht berührt, indem sie spricht: Dies ist dies, und es ist so und nicht anders, so lange hält sie sich ganz im Suchen und Warten und neigt sich nicht und kommt nicht zur Ruhe, sondern sie müht sich noch ab und legt suchend alles in das Warten hinein. Und so müht sie sich manchmal ein [ganzes] Jahr oder mehr an einer natürlichen Wahrheit ab, was es wohl sei; ja, sie muss sich noch lange mühen, abzulegen, was es nicht ist. Und so lange steht sie ohne jeden Anhalt da und spricht auch kein Wort von einem Ding, dieweil sie den Grund der Wahrheit nicht gefunden hat in wahrer Erkenntnis. Darum berührt die Vernunft in diesem Leben niemals den Grund der übernatürlichen Wahrheit, die Gott ist. Und darum steht sie völlig im Warten und Mühen. Und das muss mehr Unwissen heißen als Wissen von allem, das sie von Gott erhalten kann. Gott offenbart sich niemals so sehr in diesem Leben, allenfalls ist es nur ein Nichts demgegenüber, was er ist. Zwar ist die Wahrheit in dem Grunde, sie ist aber für die Vernunft ver- 33

34 in dem grunde, si ist aber bedecket [595] und verborgen der vernunft. Und alle die wîle sô daz ist, sô enwirt diu vernunft niht enthalten, daz si niht ruowe enhabe als in einem unwandellîchen vürwurfe. Si enruowet noch niht, mêr: si beitet und bereitet sich noch ze einem, daz noch bekant sol werden und noch verborgen ist. Alsô enmac der mensche zemâle niht wizzen, waz got ist, mêr: etwaz weiz er wol, waz got niht enist. Und daz selbe scheidet der vernünftic mensche allez abe. Die wîle enwirt diu vernunft niht enthalten in keinem wesenlîchen vürwurfe, mêr: si beitet alles als diu materie der forme. Wan als diu materie niht enruowet, si enwerde denne ervüllet mit allen formen, alsô enruowet diu [596] vernunft niht dan aleine in der wesenlîchen wârheit, diu alliu dinc in ir beslozzen hât. Des wesens benüeget sie aleine. Und daz ziuhet ir got vürbaz und vürbaz, umbe daz er irn vlîz erwecke, und reizet sie, ie vürbaz ze gânne und mê ze ervolgenne und ze begrîfenne daz gewâre gruntlôse guot, und daz si ir niht enlâze benüegen mit keinen dingen, mêr: alles queln und jâmern nâch dem allerhœhsten. Nû möhtest dû sprechen: ach, herre, ir hât uns gar vil gesaget, daz alle krefte suln [597] swîgen, und alliu dinc setzet ir nû in ein queln und in ein begern hie in dirre stille. Daz wære ein michel geruofe und ein grôz gespræche, daz alsô ein queln und ein harren wære ûf etwaz, daz man niht enhæte. Daz benæme dise ruowe und dise stille, ez wære begerunge oder meinunge oder loben oder danken, oder swaz sich dar inne erzeigete oder erbildete, daz enwære noch enhiez niht lûter ruowe noch ganziu stille. Des nemet ein underscheit! Swenne dû dich alzemâle entblœzet hâst von dir selber und von allen dingen und von aller eigenschaft in aller wîse [598] und dû dich gote ûfgetragen und geeigenet und gelâzen hâst mit aller triuwe und in ganzer minne, swaz denne in dir geborn wirt und dich begrîfet, ich spriche: ez sî joch ûzerlich oder innerlich, ez sî liep oder leit, sûr oder süeze, daz enist alzemâle niht dîn, mêr: ez ist alzemâle dînes gotes, dem dû dich gelâzen hâst. Sage mir: weder ist daz wort, daz dâ gesprochen wirt, des, der ez sprichet, oder des, der ez hœret? Aleine ez vellet in den, der ez hœret, deckt und verborgen. Und solange das so ist, findet die Vernunft keinen Halt und kommt nur zur Ruhe in einem unwandelbaren Gegenstand. Sie hat noch keine Ruhe, sondern sie wartet und bereitet sich auf etwas vor, das noch erkannt werden soll und noch verborgen ist. So kann der Mensch überhaupt nicht wissen, was Gott ist, sondern er weiß wohl etwas, was Gott nicht ist. Das aber trennt der vernünftige Mensch alles ab. So lange findet die Vernunft keinen Halt in einem wesenden Objekt, sondern sie wartet ganz wie die Materie auf die Formung. Denn wie auch die Materie nicht zur Ruhe kommt, solange sie nicht mit aller Form erfüllt ist, so ruht auch die Vernunft nur in der wesenden Wahrheit, die alle Dinge in sich eingeschlossen hält. Sie hat nur am Sein Genüge. Und damit zieht Gott sie voran und voran, um ihren Eifer zu erwecken, und er reizt sie, immer weiter voran zu gehen und das wahrhaft grundlose Gut zu erlangen und zu ergreifen, sodass sie sich s nicht genügen lässt mit irgendwelchen Dingen, sondern sich stets quält und jammert nach dem Allerhöchsten. Nun könntest du sagen: Ach, Herr, Ihr habt uns so viel gesagt, dass alle Kräfte schweigen sollen und alles setzt Ihr nun auf ein Quälen und Begehren hier in dieser Stille. Das wäre ein großes Lärmen und ein großes Gerede, wenn es so ein Quälen und ein Harren gäbe auf etwas, das man nicht hat. Das würde gerade die Ruhe und Stille rauben; es wäre Begehren oder Streben oder Loben oder Danken, oder was immer sich darin spiegelte oder formte: es wäre und hieße nicht reine Ruhe noch volle Stille. Hört hierzu die Erklärung. Wenn du dich ganz von dir selber entblößt hast und von allen Dingen und in jeder Weise von allem Eigensein und wenn du dich Gott übergeben und zugeeignet und gelassen hast in aller Treue und ganzer Liebe: was dann in dir geboren wird und dich ergreift, ich sage [dir]: es sei nun äußerlich oder innerlich, es sei lieb oder leid, sauer oder süß, es gehört alles nicht dir, sondern es gehört ganz und gar deinem Gott, dem du dich überlassen hast. Sage mir: Gehört das Wort, das gesprochen wird, dem der es spricht, oder dem, der es hört? Es fällt zwar in den, der es hört, aber es gehört doch in eigentlicher Weise dem, der es 34

35 ez ist doch eigenlîche des, der ez sprichet oder gebirt. [599] Nim ein glîchnisse! Diu sunne wirfet irn schîn in den luft und der luft enpfæhet daz lieht und gibet ez dem ertrîche und gibet uns in dem selben, daz wir bekennen underscheit aller varwen. Swie nû daz lieht sî formelîche in dem luft, sô ist ez doch wesenlîche in der sunnen. Der schîn gât eigenlîche ûz der sunnen und entspringet in der sunnen und niht in dem luft, mêr: ez wirt von dem luft enpfangen und von dem luft vürbaz geboten allem dem, daz liehtes enpfenclich ist. Rehte alsô ist ez in der sêle: got gebirt in der sêle sîn geburt und sîn wort, und diu sêle enpfæhet ez und gibet ez vürbaz den kreften in maniger wîse: nû in einer begerunge, nû in guoter meinunge, nû in min[600]newerken, nû in dankbærkeit, oder swie ez dich rüeret. Ez ist allez sîn und niht dîn mit nihte. Swaz got dâ würket, daz nim allez als daz sîn und niht als daz dîn, als geschriben ist: der heilic geist heischet in ungestüeme unzellîche siuften. Er betet in uns, und niht wir. Sant Paulus sprichet: nieman enmac gesprechen herre Jêsû Kriste wan in dem heiligen geiste. Dir ist nôt vor allen dingen, daz dû dich nihtes anenemest, sunder lâz dich alzemâle und lâz got mit dir würken und in dir, swaz er wil. Diz werk ist sîn, diz wort ist sîn, disiu geburt ist sîn und allez, daz dû bist alzemâle. Wan dû hâst [601] dich gelâzen und bist ûzgegangen dînen kreften und ir werke und dînes wesens eigenschaft, dar umbe muoz got alzemâle îngân in wesen und in krefte umbe daz, wan dû dich aller eigenschaft hâst beroubet und verwüestet, als geschriben stât: diu stimme ruofet in der wüeste. Lâz dise êwige stimme in dir ruofen, als ez ir behaget, und habe dû dich dir selber und aller dinge wüeste. [602] Nû möhtest dû sprechen: ach, herre, wie sol sich der mensche halten, der sîn selbes und aller dinge zemâle sol ledic und wüeste werden: weder sol der mensche alzît in einem wartenne sîn des werkes gotes und niht würken, oder sol er etwenne selber etwaz würken als beten und lesen und anderiu tugentlîchiu werk würken, ez sî predige spricht oder gebiert. Höre ein Beispiel! Die Sonne wirft ihren Schein in die Luft und die Luft empfängt das Licht und gibt es dem Erdreich und vermittelt uns darin, dass wir die verschiedenen Farben erkennen. Wenn auch das Licht formgebend in der Luft ist, so ist es doch dem Wesen nach in der Sonne. Der Schein geht in eigentlicher Weise aus der Sonne hervor, entspringt in der Sonne und nicht in der Luft, sondern er wird von der Luft aufgenommen und durch die Luft weiter allem dargeboten, das das Licht aufnehmen kann. Gerade so ist es in der Seele: Gott zeugt in der Seele seine Geburt und sein Wort, und die Seele nimmt es auf und gibt es den Seelenkräften in vielfältiger Weise weiter: jetzt in einem Begehren, jetzt in gutem Streben, jetzt in Werken der Liebe, jetzt in Dankbarkeit, oder wie immer es dich anrührt. Es gehört alles ihm und in keiner Weise dir. Was immer Gott da wirkt, das nimm ganz als das Seine und nicht als Deines, wie geschrieben steht: Der heilige Geist fordert mit ungestümem und unzählbarem Seufzen (Röm. 8,26). Er betet in uns nd nicht wir. Sankt Paulus spricht: Niemand kann sprechen: Herr Jesus Christus, außer im heiligen Geist (1 Kor. 12,3). Vor allen Dingen ist es notwendig, dass du dich um nichts kümmerst, sondern lass dich ganz und gar und lass Gott mit dir und in dir wirken, was er will. Dieses Tun gehört ihm, dieses Wort gehört ihm, diese Geburt gehört ihm und alles, was du bist. Denn du hast dich gelassen und bist aus deinen Seelenkräften herausgetreten und aus ihrem Tun und aus deinen Wesenseigenschaften. Darum muss Gott ganz eingehen in das Wesen und in die Kräfte, darum weil du alle deine Eigenschaft verloren und verwüstet hast, wie geschrieben steht: Die Stimme ruft in der Wüste (Is. 40,3). Lass diese ewige Stimme in dir rufen, wie es ihr gefällt, und halte du dich für dich selber und alle Dinge wüst [und leer]. Nun könntest du sagen: Ach, Herr, wie soll sich der Mensch verhalten, der seiner selbst und aller Dinge im Ganzen ledig und wüst werden soll: Soll der Mensch immer in einem Warten auf das Werk Gottes bleiben und nichts tun? Oder soll er manchmal selbst etwas tun, zum Beispiel beten und lesen und andere Tugendwerke tun, vielleicht die Predigt hören oder sich 35

36 hœren oder die geschrift üeben? Sît daz dirre mensche niht nemen ensol von ûzwendicheit, mêr: allez von inwendicheit von sînem gote, und ob dirre mensche disiu werk niht entuot, versûmet er denne iht? [603] Daz merke! Alliu ûzwendigiu werk sint dar umbe gesetzet und geordent, daz der ûzer mensche dâ mite werde in got gerihtet und geordent und ze geistlîchem lebene und ze guoten dingen, daz er im selber niht entgê ze keiner unglîcheit, daz er hie mite gezemet werde, daz er im selber iht entloufe in vremdiu dinc, swenne got sîniu werk welle würken, daz er den menschen bereit vinde und in niht von verren und von groben dingen endürfe wider ziehen. Wan sô der gelust ze ûzern dingen ie grœzer wære, sô daz vonkêren ie swærer wære, wan sô ie grœzer liep, ie grœzer leit, sô ez an ein scheiden gât. Sehet, dar umbe ist allez würken vunden umbe üebunge der tugende: beten, lesen, singen, vasten, wachen und swaz tugentlîcher üebunge ist, daz der mensche dâ mite werde gevangen und enthalten von vremden und ungötlîchen dingen. Dar umbe wan der mensche gewar [604] wirt, daz der geist gotes in im niht enwürket und daz der inner mensche von gote gelâzen ist, sô ist ez gar nôt, daz sich der ûzer mensche in allen tugenden üebe und sunderlîche an den, die im aller mügelîchest sint und aller nützest und nôtdürftigest, und niht in keiner eigenschaft im selber, mêr: der wârheit ze einer êre, umbe daz daz er niht gezogen noch verleitet enwerde von groben dingen, mêr: daz er alsô gote anehafte, daz in got nâhe vinde, swenne er wider komen wil und sîn werk würken in der sêle, daz er sie denne niht verre endürfe suochen. Swenne sich aber der mensche vindet wol geordent ze wârer innerkeit, sô lâz küenlîche abe alle ûzwendicheit, und wæren ez joch solche üebunge, ze den dû dich mit gelübede verbunden hætest, diu dir [605] weder bâbest noch bischof abenemen enmöhten. Wan diu gelübede, diu ein mensche gote tuot, diu enmac im nieman abenemen, mêr: man wandelt sie wol in ein anderz, wan ein ieglich gelübede ist ein verbinden sich ze gote. Hæte nû ein mensche vil gelobet beten, vasten, pilgrînverte, vert er dar nâch in einen orden, sô ist er der gelübede aller ledic worden, wan in dem orden wirt er aller in der [heiligen] Schrift üben? Da dieser Mensch nichts von außen nehmen soll, sondern alles aus dem Inneren von seinem Gott, versäumt dieser Mensch denn nichts, wenn der er solche Werke nicht tut? Gib acht! Alle äußeren Werke sind darauf gesetzt und hingeordnet, dass der äußere Mensch dadurch auf Gott gerichtet und geordnet wird und zu geistlichem Leben und zu guten Dingen, dass er sich selbst zu nichts Bösem verloren geht, sondern dass er dadurch geübt werde und dass er sich selbst nicht zu fremden Dingen verlaufe. Wenn Gott seine Werke tun will, soll er den Menschen bereit finden und ihn nicht aus der Ferne und von groben Dingen wieder zurückziehen müssen. Denn je größer die Lust an äußeren Dingen ist, umso schwerer ist es, sich davon abzuwenden; denn je größer die Freude, desto größer das Leid, wenn es ans Scheiden geht. Seht, darum wurde alles Tätigsein zur Übung der Tugend erfunden: Beten, Lesen, Singen, Fasten, Wachen und welche Tugendübung es sonst noch gibt. Der Mensch soll damit gefangen und von fremden und ungöttlichen Dingen ferngehalten werden. Und darum, wenn der Mensch bemerkt, dass der Geist Gottes in ihm nicht wirkt und dass der innere Mensch von Gott verlassen ist, so ist es für ihn ganz notwendig, dass der äußere Mensch sich in allen Tugenden übt und besonders in denen, die ihm am besten möglich und am nützlichsten und notwendigsten sind, und zwar nicht in Eigenmacht für sich selbst, sondern der Wahrheit zur Ehre, damit er nicht in grobe Sachen gezogen und verleitet werde, sondern dass er Gott so anhängt, dass ihn Gott nahe findet, wenn er wieder kommen will, sein Werk in der Seele zu wirken, und dass er sie dann nicht in der Ferne suchen muss. Wenn sich aber der Mensch zu wahrer Innerlichkeit gut geordnet findet, dann lass mutig von aller Äußerlichkeit ab, und wären es auch solche Übungen, zu denen du dich mit einem Gelübde verpflichtet hast, das dir weder der Papst noch ein Bischof abnehmen könnte. Denn das Gelübde, das ein Mensch Gott widmet, das kann ihm niemand abnehmen, vielmehr, man verwandle es wohl in ein anderes; denn ein jedes Gelübde ist ein Sich-mit-Gott-Verbinden. Hätte nun ein Mensch viel gelobt Beten, Fasten, Pilgerschaft und tritt er danach in einen Orden ein, so ist er von allen solchen Gelübden frei geworden, denn in dem Orden wird er ganz 36

37 tugende und gote zuoge[606]bunden. Rehte alsô spriche ich ouch hie: swie vil sich ein mensche verbunden hæte ze manigen dingen, kumet er rehte in die wâren innerkeit, er ist ir aller ledic. Alle die wîle diu innerkeit weret, und wære, daz ez werte eine woche, einen mânôt, ein jâr, alle die wîle versûmet weder münich noch nunne niemer enkein zît, wan got, von dem sie gevangen sint und îngenomen, der muoz vür sie gelten. Mêr: sô der mensche wider ze im selber kumet, sô verbringet er diu gelübede von der zît, in dem er sich nû vindet. Aber von dem vergangen zît, waz dar inne versûmet sî, des dich dünket, dem endarft dû niemer nâch gedenken, daz dû ez ervüllest, wan got ervüllet ez, die wîle er dich unmüezic machte. Noch dû ensoltest niht wellen, daz ez mit aller crêatûren werk ervüllet wære, wan [607] daz allerminste von gote getân, ist bezzer dan aller crêatûren werk. Diz ist gesaget gelêrten und erliuhteten liuten, die von gote und von der geschrift gelêret und erliuhtet sint. Waz sol ez aber sîn von einem lûtern leien, der niht enweiz noch enverstât dan von lîplîcher üebunge, und er doch etwaz gelübede getân hât und ûf sich genomen hât, ez sî gebet oder ander dinc? Ich spriche alsô: vindet er in im, daz ez in hindert und daz in daz næher in got setzet, daz er ledic sî, sô sî küenlîche ledic, wan ein ieglîchez daz dich næher ze gote bringet und dich næher ze gote setzet, daz ist daz aller beste. [608] Und daz meinte sant Paulus, dô er sprach: swenne daz kumet, daz dâ vol ist, sô vergât, daz dâ halbez ist. Ez ist verre und unglîch einander: diu gelübede, diu man tuot in eines priesters hant und diu man gote selber tuot in einer einvalticheit. Sô einer gote alsô iht gelobet, daz ist ein guotiu meinunge, daz er sich alsô ze gote verbinden wil und hât daz die wîle vür daz beste. Ist aber, daz dem menschen ein bezzerz bekant wirt, daz er weiz und bevindet, daz ez bezzer ist, sô sî des êrsten zemâle ledic und ze vriden. Diz ist gar lîhte ze bewærenne, wan man sol mê anesehen die vruht und die innern wârheit dan [609] daz ûzer werk. Alsô sprichet sant Paulus: diu geschrift tœtet, daz ist alliu ûzerlîchiu üebunge, aber der geist ma an die Tugenden und an Gott gebunden. Gerade so spreche ich auch in diesem Fall: Wie viel sich ein Mensch zu zahlreichen Dingen verpflichtet hätte, wenn er richtig in die wahre Innerlichkeit kommt, ist er von ihnen allen frei. Solange die Innerlichkeit währt, und sei es, dass es eine Woche, einen Monat, ein Jahr dauert, so lange versäumt weder ein Mönch noch eine Nonne keinerlei Zeit, denn Gott, von dem sie gefangen und eingenommen sind, der muss für sie gerade stehen. Aber wenn der Mensch wieder zu sich selber kommt, so verrichtet er das Gelübde in der Zeit, in der er sich nun befindet. Aber über die vergangene Zeit und was darin versäumt wäre, wie es dich dünken mag, darüber solltest du nicht meinen, dass du es nachholen müsstest, denn Gott erfüllt es, während er dich [mit sich] beschäftigt hat. Du sollst auch nicht wollen, dass es mit dem Werk aller Geschöpfe erfüllt würde, denn das Geringste, das von Gott getan wird, ist besser als das Werk aller Geschöpfe. Dies ist für den gelehrten und erleuchteten Menschen gesagt, die von Gott und von der Schrift belehrt und erleuchtet sind. Was soll aber für einen reinen Laien gelten, der nur etwas von leiblicher Übung weiß und versteht, der aber ein Gelübde getan und auf sich genommen hat, es sei Gebet oder andere Dinge? Ich sage: Findet er in sich etwas, das ihn behindert, und wenn es ihn näher zu Gott bringt, dass er frei ist, dann sei er mutig frei, denn ein jegliches, das dich näher zu Gott bringt, das ist das Allerbeste. Und das meinte Sankt Paulus, als er sprach: Wenn das kommt, das voll ist, dann vergeht, was halb ist (1 Kor. 13,10). Es liegt fern voneinander und ist ungleich: das Gelüde, das man 510 in eines Priesters Hand verspricht und das man Gott selbst in einer [inneren] Einfachheit widmet. Wenn einer so Gott etwas gelobt, das ist eine gute Absicht, dass er sich so an Gott binden will, und er hält das in diesem Moment für 515 das Beste. Wenn aber diesem Menschen etwas Besseres bekannt wird, von dem er weiß und spürt, dass es besser ist, so sei er von dem Ersten völlig frei und zufrieden. 520 Das ist leicht zu bestätigen, denn man soll die Frucht mehr ansehen und die innere Wahrheit als das äußere Werk. So spricht Sankt Paulus: Die Schrift tötet, das heißt alle äußeren Übungen, aber der Geist macht lebendig (2 37

38 chet lebendic, daz ist ein innerlich bevinden der wârheit. Des solt dû vil listiclîche war nemen, und waz dich aller næhest dâr zuo vüege, dem solt dû volgen vor allen dingen. Dû solt haben ein ûferhaben gemüete, niht ein niderhangendez, mêr: ein brinnendez, und daz in einer lîdender swîgender stilheit. Dû endarft gote niht sagen, wes dû begerst oder bedarft, er weiz ez allez vor, als unser herre sprach ze sînen jüngern: sô ir betet, sô ensult ir niht vil wort haben [610] in iuwerm gebete als die pharisêi, die wænent erhœret werden in irm vilsprechenne. Daz wir hie dirre ruowe und disem inwendigen swîgenne alsô volgen, daz daz êwic wort in uns gesprochen werde und verstanden, daz wir einez werden mit im, des helfe uns der vater und daz selbe wort und ir beider geist. Âmen Kor. 3,6), das ist das innere Erfahren der Wahrheit. Darauf sollst du ganz klug acht geben, und was dich am besten dazu fügt, dem sollst du vor allen Dingen folgen. Du sollst ein aufrechtes Gemüt haben, nicht ein niedergedrücktes, sondern ein brennendes, und zwar in einer erleidenden schweigenden Stille. Du brauchst Gott nicht zu sagen, was du begehrst oder brauchst, er weiß es alles zuvor, wie unser Herr zu seinen Jüngern sprach: Wenn ihr betet, so sollt ihr nicht viele Worte in eurem Gebet sprechen wie die Pharisäer, die meinen im Vielsprechen erhört zu werden (Matth. 6,7 f.). Dass wir hier dieser Ruhe und dem inneren Schweigen so folgen, dass das ewige Wort in uns gesprochen und verstanden werde, dass wir eins werden mit ihm, dazu helfe uns der Vater und dasselbe Wort und ihr beider Geist. Amen. 38

39 Die Unvergänglichkeit der guten Werke Predigt 105: Ich hân gesprochen in einer predige. Version A Ich hân gesprochen in einer predige, daz ich wolte lêren den menschen, der guotiu [634] werk hete getân, die wîle er in tôtsünden was, wie diu lebende wider ûf mügen stân mit der zît, in der sie wurden getân. Und daz wil ich nû bewîsen, als ez in der wârheit ist, wan ich bin gebeten, daz ich den sin erliuhte. Und daz wil ich tuon, und doch ist ez wider alle die meister, die nû lebent. Die meister sprechent alle gemeinlîche: die wîle der mensche in der gnâde ist, diu werk diu er danne tuot, diu sint êwiges lônes wert. Und daz ist wâr, wan got tuot diu werk in der gnâde. Und ich spriche ez ouch mit in. Die meister sprechent ouch alle gemeinlîche: vellet der mensche in tôtsünde, alliu diu werk diu er danne würket, die wîle er in tôtsünden ist, diu sint alzemâle tôt, [635] als er selber tôt ist, und ensint niht êwiges lônes wert, wan er niht enlebet in der gnâde. Und ez ist wâr in disem sinne. Und ich spriche ez ouch mit in. Die meister sprechent: swenne got die gnâde wider gibt dem menschen, dem sîne sünde leit sint, alliu diu werk, diu er ie getete in der gnâde, ê er in tôtsünde viel, diu stânt alzemâle wider ûf in der niuwen [636] gnâde und lebent, als sie vor tâten. Und daz spriche ich ouch mit in. Sie sprechent aber mê: alliu diu werk, diu der mensche tete, die wîle er in tôtsünden was, diu sint alliu verlorn êwiclîche und ouch diu [637]zît, in der sie geschâhen.diz widerspriche ich zemâle und spriche alsô: alliu diu guoten werk, diu der mensche getân hât, die wîle er in tôtsünden was, der enist [638] keinez verlorn noch ouch diu zît, in der sie geschâhen, ob er gnâde wider enpfæhet. Sehet, diz ist wider alle die meister, die nû lebent. Ich habe in einer Predigt gesagt, dass ich den Menschen, der gute Werke getan hat, als er in Todsünde stand, unterweisen wollte, wie diese guten Werke lebendig wieder aufstehen können 5 mit jener Zeit, in der sie getan wurden. Das will ich nun darlegen, wie es sich in Wahrheit verhält; denn ich bin gebeten worden, den Zusammenhang aufzuhellen. Und das will ich tun, obwohl es gegen alle Meister ist, die zurzeit leben. 10 Die Meister sagen allesamt: Solange der Mensch in der Gnade ist, die Werke, die er dann tut, die sind ewigen Lohn wert. Und das ist wahr; denn Gott tut diese Werke in der Gnade. Und das sage ich mit ihnen gemeinsam. 15 Die Meister sagen auch allesamt: Fällt ein Mensch in Todsünde, sind alle Werke, die er dann tut, solange er in Todsünden ist, die sind gänzlich tot, wie er selbst tot ist, und sie sind nicht des ewigen Lohn wert; denn er lebt nicht in 20 der Gnade. Und in diesem Sinne ist es wahr, und [so] sage ich es auch mit ihnen. Die Meister sagen, wenn Gott die Gnade dem Menschen, der seine Sünden bereut, wiedergibt, alle Werke, die er je in der Gnade tat, bevor er 25 in Todsünde gefallen war, die stehen alle wieder auf in der neuen Gnade und sie leben, wie sie es zuvor taten. Auch das sage ich mit ihnen. Sie sagen aber weiterhin: Alle Werke, die der Mensch tat, während er in Totsünden war. Die 35 sind alle ewig verloren und auch die Zeit, in der die Werke geschahen. Dem widerspreche ich völlig und sage: Alle guten Werke, die der Mensch getan hat, während er in Totsünden war, von denen ist keines verloren, und auch nicht die 40 Zeit, in der sie geschahen, wenn er die Gnade wieder empfängt. Seht, das ist gegen alle Meister, die jetzt leben. 39

40 Nû merket mit vlîze, wâ ich diu wort hine meine, sô mügent ir den sin verstân. [639] Ich spriche einvalticlîche, daz alliu diu guoten werk, diu ie wurden getân und iemermê getân suln werden, und [640] alliu diu zît, in der sie geschehen sint und geschehen suln, beidiu werk und zît, diu sint alzemâle verlorn, daz nie kein sô guot werk engeschach noch geschehen ensol : ez ist allez verlorn, werk und zît mit einander, jâ, werk als werk und zît als zît. Ich spriche ouch mê, daz nie kein werk guot noch heilic noch sælic enwart, daz zît noch guot noch heilic noch sælic nie enwart, noch niemermê werden ensol. Daz eine noch daz ander, wie möhte ez denne behalten blîben, sô ez noch guot noch sælic noch heilic enist? Sît denne diu guoten werk und diu zît, in der sie geschehen sint, verlorn sint alzemâle, wie möhten denne diu werk behalten sîn, diu in tôtsünden geschehen sint, und diu zît, in der sie geschehen sint? [641] Ich spriche mê: sie sint verlorn, werk und zît mit einander, bœsiu und guotiu, werk als werk und zît als zît. Sie sint verlorn mit einander êwiclîche. Nû ist ein vrâge: war umbe heizet ein werk ein werk und ein guot werk, ein heilic und ein sælic werk, und ouch diu zît, in der daz werk geschach? Sehet, als ich ê sprach: daz werk und diu zît, in der ez geschach, enist noch heilic noch sælic noch guot, wan güete, heilicheit und sælicheit ist ein zuovallender name des werkes und der zît, und enist sîn eigen niht. War umbe? Ein werk als ein werk daz enist [642]von im selber niht,ez enist ouch umbe sînes selbes willen niht, ez engeschihet ouch von im selber niht, ez engeschihet ouch umbe sîn selbes willen niht, ez enweiz ouch umbe sich [643]selber niht.dar umbe sô enist ez weder guot noch bœse von im selber noch sælic noch unsælic. Mêr: der geist, ûz dem daz werk geschihet, der lediget sich des bildes, und daz enkumet [644]niht wider în. Wan als ez werk was, sô ist ez alzehant ze nihte worden und ouch diu zît, in der ez geschach, und enist noch hie noch dort, wan der geist enhât des werkes niht mê ze tuonne. Sol er iht mê würken, daz muoz Nun gebt gut acht, in welche Richtung ich diese Worte meine, dann könnt ihr ihren Sinn verstehen. Ich spreche einfach, dass alle guten Werke, die je getan wurden und jemals getan werden, und die ganze Zeit, in der sie geschehen sind und geschehen werden, beides Werk und Zeit, die sind gänzlich verloren, sodass nie ein noch so gutes Werk geschehen ist oder geschehen wird: es ist alles verloren, Werk und Zeit miteinander, und zwar Werk als Werk und Zeit als Zeit. Ich sage weiterhin, dass nie ein Werk gut oder heilig oder selig war, [und ebenso] dass die Zeit weder gut noch heilig noch selig war, noch jemals werden wird. Das eine oder andere, wie könnte es denn bestehen bleiben, wenn es weder gut noch selig noch heilig ist? Da nun die guten Werke und die Zeit, in der sie geschehen sind, gänzlich verloren sind, wie könnten denn die Werke bestehen bleiben, die in Totsünden geschehen sind, wie auch die Zeit, in der sie geschehen sind. Ich sage weiterhin: Sie sind verloren, Werke und Zeit miteinander, böse und gute, [und zwar] Werk als Werk, Zeit als Zeit. Sie sind ewig miteinander verloren. Nun stellt sich die Frage: Warum heißt ein Werk Werk, und ein gutes Werk, ein heiliges und ein seliges Werk, ebenso auch die Zeit, in der das Werk geschah? Seht, wie ich vorher gesagt habe: Das Werk und die Zeit, in der es geschah ist weder heilig noch seig noch gut; denn Güte, Heiligkeit und Seligkeit sind akzidentelle Namen des Werkes und der Zeit, und ist nicht dessen eigen. Warum? Ein Werk als Werk, das ist nicht von ihm selbst, es ist auch nicht um seiner selbst willen, es geschieht auch nicht von sich selbst her, es geschieht auch nicht um seiner selbst willen. Es weiß auch nicht um sich selbst. Darum ist es weder gut noch böse durch sich selbst noch selig oder unselig. Sondern der Geist, aus dem das Werk geschieht, der entledigt sich des Bildes, und das kommt nicht wieder hinein. Denn als es Werk war, so ist es völlig zu nichts geworden und auch die Zeit, in der es geschah, und es ist weder hier noch dort; denn der Geist hat nichts mehr mit dem Werk zu tun. Soll er etwas Weiteres wirken, dann muss das mit anderen Werken 40

41 sîn mit andern werken und ouch in einer andern zît. 95 [645] Her umbe sô werdent werk und zît einez mit dem andern verlorn, bœsiu und guotiu. Sie sint doch glîche verlorn, wan sie enhânt in dem geiste kein blîben noch an in selber wesen noch stat, und got enbedarf ir ouch 100 ze nihte. Dar umbe werdent sie an in selber ze nihte, und alsô sint sie verlorn. Geschihet ein guot werk von einem menschen, mit dem werke lediget sich der mensche. Und von der ledicheit sô ist er sînem 105 beginne glîcher und næher, dan er vor was, ê daz diu ledicheit geschæhe. Und als vil ist er sæliger und bezzer, dan er was vor, ê daz diu ledicheit geschæhe. Dannen abe heizet man daz werk guot, heilic und sælic und ouch die 110 zît, in der ez geschach. Und daz enist niht wâr, wan daz werk enhât kein wesen noch ouch [646]diu zît, in der ez geschach,wan ez vergât an im selber. Dar umbe enist ez noch guot noch heilic noch sælic, mêr: der mensche ist sælic, 115 in dem diu vruht des werkes blîbende ist, niht als werk und als zît, sunder als ein guot getât, diu dâ êwic ist mit dem geiste, als der geist êwic ist, und ist der geist selbe. Sehet, in dirre wîse enwart nie guot 120 getât verlorn noch diu zît, in der si geschach. Niht daz si behalten werde als werk und als zît, mêr: âne werk und âne zît mit der getât in dem geiste, dar inne si êwic ist, als der geist êwic ist in im selber. 125 [647] Sehet, nû merket von den werken, diu dâ geschehent in tôtsünden, alsô als ir gehœret hât, die mich verstanden hânt. Nâch dem werke und nâch der zît sô sint diu guoten werk alzemâle verlorn, diu in tôtsünden 130 geschehent, werk und zît mit einander. Nû hân ich ouch gesprochen, daz werk und zît an in selber niht ensint. Enist danne werk und zît niht an in selber, sehet, sô enverliuset er ouch niht, der sie verliuset. 135 Daz ist wâr. Ich spriche ez aber und hân ez mê gesproochen: werk und zît enhânt noch wesen noch stat noch leben an in selber; ez ist gevallen [648]würklîche ûz dem geiste in der zît.sol der geist 140 mê würken, daz muoz von nôt ein ander werk sîn und in einer andern zît geschehen. Dar umbe enmac ez niemer in den geist komen, und auch in einer anderen Zeit sein. Darum werden Werk und Zeit eines mit dem andern verloren, böse und gute. Sie sind doch gleich verloren; denn sie haben im Geist kein Bleiben noch an sich selbst Sein und Ort, und Gott braucht sie auch zu nichts. Darum werden sie an und für sich selbst zunichte, und so sind sie verloren. Geschieht ein gutes Werk von einem Menschen, so entledigt sich der Mensch mit dem Werk. Und durch dieses Leersein ist er seinem Ursprung gleicher und näher, als er es voher war, bevor die Leere eintrat. Und umso seliger und besser ist er, als er zuvor war, bevor die Leere geschah. Und von daher nennt man das Werk gut, heilig und selig und auch die Zeit, in der es geschah. Und darum ist es [anders] nicht wahr; denn das Werk hat kein Sein noch auch die Zeit, in der es geschah, denn an sich selbst vergeht es. Darum ist es weder gut noch heilig noch selig, sondern der Mensch ist selig, in dem die Frucht des Werkes bleibt: nicht als Werk und als Zeit, sondern als eine gute Tat, die da ewig ist mit dem Geist, wie der Geist ewig ist, und sie ist der Geist selbst. Seht; in dieser Weise wurde nie eine gute Tat verloren noch die Zeit, in der sie geschah. Nicht dass sie bestehen bliebe als Werk und als Zeit, sondern ohne Werk und ohne Zeit mit der Tat in dem Geiste, [bleibt sie bestehen], in dem sie ewig ist wie der Geist ewig ist in ihm selbst. Seht, nun beachtet über die Werke, die in Todsünden geschehen, wie ihr gehört habt [alle], die mich verstanden haben. Dem Werk und der Zeit nach sind die guten Werke gänzlich verloren, die in Todsünden geschehen, Werk und Zeit miteinander. Nun habe ich aber auch gesagt, dass Werk und Zeit an ihnen selbst nichts sind. Sind aber Werke und Zeit an ihnen selber nichts, so verliert der auch nichts, der sie verliert. Das ist wahr. Ich sage es wiederum und habe es öfter gesagt: Werk und Zeit haben an ihnen selbst weder Sein noch Ort noch Leben: Es ist wirklich aus dem Geist in der Zeit gefallen. Soll der Geist mehr wirken, muss das notwendig ein anderes Werk sein und in einer anderen Zeit geschehen. Darum kann es niemals in den Geist kommen, insofern 41

42 als ez werk und zît was. Ez enmac ouch mit nihte in got komen, wan ez enkam nie zît noch zîtlich werk in got. Dar umbe sô muoz ez von nôt ze nihte werden und verlorn sîn. Nû hân ich doch gesprochen, daz alliu diu guoten werk, diu der mensche tuot, die wîle er in tôtsünden ist, daz der keinez enblîbet verlorn, weder zît noch werk. Und daz ist wâr nâch dem sinne und ich iu bewîsen wil. Und als ich ê sprach, sô ist ez wider alle die meister, die nû lebent. [649] Nû merket den sin kurzlîche, als ez in der wârheit ist: diu werk, diu der mensche tuot, die wîle er in tôtsünden ist, sô entuot er doch diu werk niht ûz tôtsünden. Wan disiu werk sint guot, sô sint tôtsünde bœse. Mêr: er würket sie ûz dem grunde sînes geistes, der guot ist in im selber natiurlîche, aleine er niht enist in der gnâde. Und enverdienent diu werk niht himelrîche in in selber in der zît, in der sie geschehent, ez enschadet doch dem geiste niht, wan die vrühte des werkes âne werk und âne zît blîbent in dem geiste, und ist geist mit dem geiste, und wirt als lützel ze nihte, als lützel dem geiste sîn wesen ze nihte wirt. Mêr: der geist lediget sîn wesen mit dem ûzwürkenne der bilde, diu dâ guot sint, als wærlîche er tæte, ob er in der gnâde wære. Aleine er doch niht von den werken himelrîche enpfæhet, als er tæte, ob er in der [650]gnâde wære, sô machet er doch die selben bereitschaft ze der einunge und ze der glîcheit, als vil ez an im ist als vor, wan werk und zît ze nihte nütze ensint, wan daz sich der mensche ûzwürke. Und als vil sich der mensche ledigende ist und ûzwürkende, als vil nâhet er gote, der ledic ist in im selber. Und als verre sich der mensche ledigende ist, als verre verliuset er weder werk noch zît. Und swenne gnâde wider kumet: allez daz natiurlîche in im stuont, daz stât nû gnædiclîche in im zemâle. Und als vil er sich gelediget hât mit guoten werken, die wîle er in tôtsünden was, als vil tuot er einen glîchen înslac, mit gote sich [651] ze vereinenne, daz er niht getuon enmöhte, ob er sich vor niht gelediget enhæte mit den werken, die wîle er in tôtsünden was. Und solte er sie nû ûzwürken, sô müeste er zît dar zuo tuon. Und swenne er sich gelediget hât in es Werk oder Zeit war. Es kann auch nicht in Gott kommen, denn es kamen nie Zeit oder zeitliche Werke in Gott. Darum mus es notwendig zunichte werden und verloren sein. Nun habe ich jedoch gesprochen, dass alle guten Werke, die der Mensch tut, während er in Todsünden ist, dass keins von ihnen verloren bleibt, weder Zeit noch Werk. Und das ist in dem Sinne wahr, den ich euch aufzeigen will. Und wie ich zuvor sagte, so ist es gegen alle Meister, die jetzt leben. Nun beachtet den Sinn in Kürze, wie es in Wahrheit ist: Die Werke, die der Mensch tut, während er in Todsünden ist, diese Werke tut er nicht aus Todsünde. Denn diese Werke sind gut; Todsünden aber sind böse. Aber er wirkt sie aus dem Grund seines Geistes, der an sich selbst von Natur gut ist, auch wenn er nicht in der Gnade ist. Und wenn diese Werke auch in ihnen selbst in der Zeit das Himmelreicht nicht verdiene, es schadet doch dem Geiste nicht, denn die Früchte des Werkes ohne Werk und ohne Zeit bleiben in dem Geist und das ist Geist mit dem Geiste und wird so wenig zunichte, so wenig dem Geiste sein Sein zunichte wird. Aber der Geist entledigt sein Wesen durch die Auswirkung der Vorstellungen, die da gut sind, wie er es wahrlich auch tät, wenn er in der Gnade wäre. Auch wenn er von den Werken das Himmelreich nicht empfängt, wie er es täte, wenn er in der Gnade wäre, so wirkt er doch dieselbe Bereitschaft zur Einigung und zu der Gleichheit, so viel es an ihm ist, wie zuvor; denn Werk und Zeit sind sind zu nichts nütze, als dass sich der Mensch [dadurch] auswirkt. Und so sehr sich der Mensch entledigt und auswirkt, so sehr nähert er sich Gott, der ledig ist in ihm selbst. Und soweit sich der Mensch entledigt, so weit verliert er weder Werk noch Zeit. Und wenn die Gnade wiederkommt, ersteht nun alles, was von Natur in ihm stand, genauso gnadenweise in ihm. Und so sehr er sich mit guten Werken entledigt hat, während er in Todsünden war, so sehr geht er darauf zu, sich mit Gott zu vereinen, was er nicht tun könnte, wenn er sich zuvor nicht entledigt hätte mit den Werken, während er in Todsünden war. Und um sie nun auszuwirken, müsste er Zeit hinzu geben. Und wenn er sich entledigt hat in der vorausgehenden Zeit, während er in Todsünden 42

43 der vorgânden zît, die wîle er in tôtsünden was, sô hât er im gewunnen die zît, dar inne er nû ledic ist. Dar umbe enist diu zît niht verlorn, in der er nû ledic ist, wan er hât dise zît gewunnen und mac anderiu werk würken in dirre zît, diu in noch næher vereinent in got. Die vrühte der werke, diu er tete in dem geiste, diu sint blîbende in dem geiste und sint geist mit dem geiste. Aleine diu werk und diu zît enwec sint, sô lebet doch der geist, ûz dem sie geschâhen, und diu vruht der [652]werke âne werk und âne zît vol gnâden, als ouch der geist vol gnâden ist: Sehet, alsus hân wir den sin bewæret, als ez in der wârheit wâr ist. Und alle, die hie widersprechent, den ist zemâle widersprochen, und ich enahte ir niht ein hâr. Wan daz ich gesprochen hân, daz ist wâr und diu wârheit sprichet ez selber. Verstüenden sie, waz geist ist und in welher wîse daz werk antwürtet dem geiste [653]und waz werk und zît an im selber ist, sô enspræchen sie mit nihte, daz kein guot werk oder getât iemer verlorn werde oder möhte verlorn werden, aleine gât werk hine mit der zît und wirt ze nihte. Aber als ez dem geiste antwürtet in sînem wesene, sô enwirt ez niemer ze nihte. Wan daz antwürten enist niht anders, wan daz der geist gelediget ist von der getât, diu dâ geschehen ist in den werken. Daz ist diu kraft des werkes, dar umbe ez ist geschehen. Diz blîbet in dem geiste und enkam nie her ûz, und enmac als wênic vergân als der geist an im selber, wan er ist ez selber. [654] Sehet, der diz verstüende, wie möhte der iemer gesprechen, daz dekein guot werk verlorn würde, die wîle der geist sîn wesen hât und lebet in der niuwen gnâde! war, so hat er sich die Zeit gewonnen, in der er nun ledig ist. Darum ist die Zeit nicht verloren, in der er nun ledig ist; denn er hat diese Zeit gewonnen und kann in dieser Zeit andere Werke tun, die ihn noch näher in Gott vereinigen. Die Früchte der Werke, die er in dem Geiste tat, die bleiben in dem Geiste und sind Geist mit Geist. Obwohl die Werke und die Zeit fort sind, so lebt doch der Geist, aus dem sie geschahen, und die Frucht der Werke ohne Werk und ohne Zeit ist voll Gnaden, wie auch der Geist voll Gnaden ist. Seht, so haben wir den Sinn erwiesen, wie es wirklich wahr ist, Und allen, die dem widersprechen, denen ist gänzlich widersprochen und ich kümmere mich nicht ein Haar um sie. Denn was ich gesagt habe, das ist wahr und die Wahrheit sagt es selbst. Verstünden sie, was Geist ist und in welcher Weise das Werk dem Geiste entspricht, und was Werk und Zeit an sich selbst sind, so sagten sie keineswegs, dass irgendein gutes Werk oder eine Tat je verloren würden, auch wenn das Werk mit der Zeit vergeht und zunichte wird. Aber sofern es dem Geist entspricht in seinem Sein, so wird es niemals zunichte. Denn das Entsprechen ist nichts anderes, als dass der Geist entledigt ist von der Tat, die da geschehen ist in den Werken. Das ist die Kraft des Werkes, um derentwillen es geschieht. Dies bleibt in dem Geist und kam nie heraus und kann so wenig vergehen wie der Geist an ihm selbst; der ist es [das Werk] selbst. Seht, wer dies verstünde, wie könnte der je sprechen, dass irgendein gutes Werk verloren würde, während der Geist sein Sein hat und lebt in der neuen Gnade. 43

44 Die Opferstockpredigt Predigt 109: Nolite timere eos, qui occidunt corpus (Matth. 10,28 33) [761] Envürhtet niht die iuch tœten wellent an dem lîbe, wan geist entœtet niht geist. Geist gibet geiste leben. Die iuch tœten wellent, daz ist bluot und vleisch. Daz dâ ist bluot und vleisch, daz stirbet mit einander. Daz edelste daz an dem menschen ist, daz ist daz bluot, swenne ez wol wil. Aber daz ergeste, daz an dem menschen ist, daz ist daz bluot, sô ez übel wil. Gesiget aber daz bluot dem vleische ane, sô ist der mensche dêmüetic und geduldic und kiusche und hât alle tugende an im. Gesiget aber daz vleisch dem bluote ane, sô wirt der mensche hôchvertic und zornic und unkiusche und hât alle untugende an im. Hie ist gelobet mîn herre sant Johannes. [762] Ich enkan in niht mê geloben, got hât in mê gelobet. Nû bite ich, daz ir vernemet, wan ich wil sprechen, daz ich nie mê engesprach: Dô got himel und erde geschuof und alle crêatûren, dô enworhte got niht. Er enhâte niht ze würkenne. In im enwas ouch kein werk. Dô sprach got: wir machen einen glîchen. Schepfen daz ist ein [763] lîht dinc. Daz tuot man, swenne man wil und swie man wil. Aber daz ich mache, daz mache ich selber und mit mir selber und in mir selber und drücke mîn bilde zemâle dar în. Wir machen einen glîchen : niht dû, vater, noch dû, sun, noch dû, heiliger geist, wir in dem râte der heiligen drîvalticheit, wir machen einen glîchen. Dô got den menschen gemachete, dô worhte er in der [764] sêle sîn glîch werk und sîn würkendez werk und sîn iemerwerndez werk. Daz werk was sô grôz, daz daz werk anders niht enwas dan diu sêle, und diu sêle enwas anders niht dan daz werk gotes. Gotes natûre und sîn wesen und sîn gotheit die hangent dar ane, daz er muoz würken in [765] der sêle. Got segen, got segen! Dâ got würket in der sêle, dâ minnet er sîn werk. Wâ ist nû diu sêle, dâ got sîn werk inne würket? Daz werk ist sô grôz, daz daz werk anders niht enist dan diu minne, und diu minne enist anders niht dan got. Got minnet sich selber und sîn natûre und sîn wesen und sîn gotheit. In der minne, dâ sich Fürchtet nicht, die euern Leib töten wollen; denn Geist tötet nicht Geist. Geist gibt dem Geist Leben. "Die euch töten wollen", das sind Blut und Fleisch. Was Blut und Fleisch ist, das stirbt miteinander. Das Edelste am Menschen ist das Blut, wenn es denn wohl gesonnen ist; aber das Schlimmste am Menschen ist das Blut, wenn es übel will. Wenn aber das Blut über das Fleisch herrscht, ist der Mensch demütig und geduldig und keusch und hat alle Tugenden an sich. Herrscht aber das Fleisch über das Blut, wird der Mensch hochmütig und zornig und unkeusch und hat alle Untugenden an sich. Das Lob gilt dem Herrn Sankt Johannes [dem Täufer]. Ich kann ihn nicht mehr loben, Gott hat ihn mehr gelobt. Nun bitte ich, dass ihr aufhorcht; denn ich will sagen, was ich noch nie gesagt habe. Als Gott Himmel und Erde und alle Geschöpfe schuf, da wirkte Gott nicht. Er hatte auch nichts zu wirken. In ihm war auch kein Werk. Gott sprach: "Wir machen einen Gleichen." Schaffen ist eine leichte Sache. Das tut man, wenn man es will und wie man will. Aber was ich mache, das mache ich selbst und mit mir selbst und in mir selbst, und ich drücke mein Bild völlig da hinein. "Wir machen einen Gleichen": nicht du, Vater, noch du, Sohn, noch du, heiliger Geist, wir im Rat der Heiligen Dreifaltigkeit. "Wir machen einen Gleichen." Als Gott den Menschen machte, da wirkte er in der Seele sein ihm gleiches Werk und sein wirkendes Werk und sein immerwährendes Werk. Das Werk war so groß, dass das Werk nichts anderes war als die Seele, und die Seele war nichts anders als das Werk Gottes. Gottes Natur, sein Wesen und seine Gottheit hängen davon ab, dass er in der Seele wirken muss. Gott Lob! Gott Lob! Wo Gott in der Seele wirkt, da liebt er sein Werk. Wo ist nun die Seele, darin Gott sein Werk wirkt? Dies Werk ist so groß, dass das Werk nicht anderes ist als die Liebe, und die Liebe ist nichts anderes als Gott. Gott liebt sich selbst und seine Natur und sein Wesen und seine Gottheit. In der Liebe, in der sich Gott 44

45 got inne minnet, dâ inne minnet er alle crêatûren. Mit der minne, dâ sich got inne minnet, dâ mite minnet er alle crêatûren, niht als crêatûren, mêr: crêatûren als got. In der minne, dâ sich got inne minnet, dâ inne minnet er alliu dinc. Got segen, got segen! liebt, darin liebt er alle Geschöpfe. Mit der Liebe, in der sich Gott liebt, damit liebt er alle Geschöpfe, nicht als Geschöpfe, sondern die Geschöpfe als Gott. In der Liebe, darin sich Gott liebt, darin liebt er alle Dinge. Gott Lob! Gott Lob! [766] Nû bite ich iuch, daz ir vernemet, wan ich wil sprechen, daz ich nie mê engesprach: Got smacket im selber. In dem smacke, 55 Nun bitte ich euch, dass ihr aufhorcht, denn ich will sprechen, was ist zuvor nie gesprochen habe. Gott schmeckt sich selbst. dâ sich got inne smacket, dâ inne sma- In dem Geschmack, darin sich Gott cket er alle crêatûren. Mit dem smacke, dâ sich got mite smacket, dâ mite smacket er alle crêatûren, niht als crêatûren, mer: crêatûren als got. In dem smacke, dâ sich got inne smacket, dâ inne smacket er alliu dinc. 60 schmeckt, darin schmeckt er alle Geschöpfe. Mit dem Geschmack, mit dem sich Gott schmeckt, damit schmeckt er alle Geschöpfe, nicht als Geschöpfe, sondern die Geschöpfe als Gott. In dem Geschmack, darin sich Gott schmeckt, darin schmeckt er alle Dinge. [767] Nû merket! Alle crêatûren hânt irn louf ûf ir hœhste volkomenheit. 65 Nun gebt acht: Alle Geschöpfe laufen auf ihre höchste Vollkommenheit zu. Nû bite ich iuch, daz ir vernemet bî der êwigen wârheit und bî iemerwernder wârheit und bî mîner sêle, wan ich wil sprechen, daz ich nie mê engesprach: Got und gotheit hânt underscheit [768] als verre als himel und erde. Ich spriche ein anderz und spriche mê: Der inner mensche und der ûzer mensche die hânt als verre underscheit als himel und erde. Got hât vil tûsent mîle dar obe: Got der wirt und entwirt. Nû kume ich wider ûf mîne rede: Got smacket im selber in allen dingen. Diu sunne wirfet ûz irn liehten schîn ûf alle crêatûren. Und dâ diu sunne irn schîn ûf wirfet, daz ziuhet si in sich und enverliuset doch niht ir sunnelicheit. Alle crêatûren verzîhent sich irs bekennennes ûf ir wesen. Alle crêatûren tragent sich in mîn vernunft, daz sie in mir vernünf[769]tic sîn. Ich aleine bereite alle crêatûren wider ze gote. Wartet, waz ir alle tuot! Nû kume ich wider ûf mînen innern menschen und ûf mînen ûzern menschen. Ich sihe [770] ane die liljen ûf dem velde und ane irn liehten schîn und ane ir varwe und ane alliu iriu bleter, aber ir swelgen ensihe ich niht. War umbe? Dâ ist ir swelge in mir. Aber daz ich spriche, daz ist in mir und ich spriche ez ûzer mir. Alle crêatûren die smackent mînem ûzern menschen als crêatûren: wîn als wîn, brôt als brôt, vleisch als vleisch. Aber mînem [771] innern men Nun bitte ich euch, dass ihr aufhorcht bei der ewigen Wahrheit und bei der immerwährenden Wahrheit und bei meiner Seele; denn ich will sagen, was ich zuvor nie gesprochen habe: Gott und Gottheit haben so viel Unterschied wie Himmel und Erde. Ich sage noch ein zweites und sage [damit noch] mehr: Der innere Mensch und der äußere Mensch, die haben ebenso großen Unterschied wie Himmel und Erde. Gott steht tausend Meilen darüber: Gott wird und entwird [vergeht]. Nun komme ich zurück auf das, was ich sagte: Gott schmeckt sich selbst in allen Dingen. Die Sonne wirft ihren hellen Schein auf alle Geschöpfe aus. Und worauf die Sonne ihren Schein wirft, das zieht sich in sich und verliert dabei doch nicht ihr Sonnenwesen. Alle Geschöpfe müssen auf die Erkenntnis ihres Wesens verzichten. Alle Geschöpfe tragen sich in meine Vernunft ein, sodass sie in mir vernünftig sind. Ich allein bereite alle Geschöpfe wieder zu Gott. Schaut, was ihr alle tut! Nun komme ich wieder auf meinen inneren und äußeren Menschen zurück. Ich schaue die Linien auf dem Felde an und ihr Leuchten und ihre Farbe und all ihre Blätter. Aber ihr Schwelgen sehe ich nicht. Warum? Weil das Schwelgen in mir ist. Aber was ich spreche, das ist in mir und ich spreche es aus mir heraus. Alle Geschöpfe schmecken meinem äußeren Menschen als Geschöpfe: Wein als Wein, Brot als Brot, Fleisch als Fleisch. Aber meinem inneren Menschen

46 schen ensmacket ez niht als crêatûren, mêr: als gâben gotes. Aber mînem innersten menschen ensmacket ez niht als gâben gotes, mêr: als ie und iemer. Ich nime ein becke mit wazzer und lege einen spiegel dar în und setze ez under daz rat der sunnen: sô wirfet diu sunne ûz irn liehten schîn ûz dem rade und ûz dem bodem der sunnen und envergât doch niht. Daz widerspil des spiegels in der sunnen daz ist in der sunnen sunne. Und er ist doch daz er ist. Alsô ist ez umbe got. Got ist in der sêle mit sîner natûre und mit sînem wesene und mit sîner gotheit. Und er enist doch niht diu sêle. Daz widerspil der sêle daz ist in gote got. Und si ist doch daz si ist. Got der wirt. Dô alle crêatûren gotes sprechent, dô wirt got. Dô ich stuont in dem grunde, in dem bodem, in dem rivier und in dem quellenne der gotheit, dô envrâgete mich nieman, [772] war ich wölte oder waz ich tæte. Dô enwas nieman, der mich vrâgete. Dô ich ûzvlôz, dô sprâchen alle crêatûren got. Vrâgete man mich: Bruoder Eckart, wannen gienget ir ûz dem hûse? ', dô was ich dâ inne. Alsô sprechent alle crêatûren von gote. Und war umbe ensprechent sie niht von der gotheit? Allez daz in der gotheit ist, daz ist ein. Und dâ enist niht von ze sprechenne. Got der würket, diu gotheit enwürket niht. Si enhât ouch niht ze würkenne. In ir enist ouch kein werk. Si engeluoget ouch ûf kein werk. Got und gotheit hânt underscheit an würkenne und an niht[773]würkenne. Swenne ich widerkume in got, enblîbe ich dâ niht, sô ist mîn durchbrechen edeler dan mîn ûzvliezen. Ich aleine bringe alle crêatûren ûz ir vernunft in mîn vernunft, daz sie in mir ein sint. Swenne ich kume in den grunt, in den bodem, in den rivier und in daz quellen der gotheit, sô envrâget mich nieman, wannen ich kume oder wâ ich sî gewesen. Dâ envermiste mîn nieman. Dâ entwirt got. [774] Swer dise predige hât verstanden, dem gan ich ir wol. Enwære hie nieman gewesen, ich müeste sie disem stocke geprediget hân schmecken sie nicht als Geschöpfe, sondern als Gaben Gottes. Aber meinem innersten Menschen schmecken sie nicht als Gaben Gottes, sondern als je und immer. Ich nehme ein Becken mit Wasser und lege einen Spiegel hinein und setze es unter das Rad der Sonne: Nun wirft die Sonne ihren hellen Schein aus dem Rad und Boden der Sonne heraus, aber sie vergeht [dabei] doch nicht. Der Widerschein des Spiegels in der Sonne ist in der Sonne: Sonne. Und doch ist er, was er ist. So steht es auch mit Gott. Gott ist in der Seele mit seiner Natur und mit seinem Sein und mit seiner Gottheit. Und doch ist er nicht die Seele. Der Widerschein der Seele ist in Gott Gott. Und doch ist sie, was sie ist. Gott wird. Wo alle Geschöpfe von Gott sprechen, da wird Gott. Als ich in dem Grund, in dem Boden, in dem Fluss und in dem Quellen der Gottheit stand, fragte mie niemand, wohin ich wollte oder was ich tue. Da war niemand, der mich fragen konnte. Als ich ausfloss, da sprachen alle Geschöpfe Gott. Wenn man mich fragte: Bruder Eckhart, von wo seid ihr aus dem Haus herausgetreten?, so bin drinnen gewesen. So sprechen alle Geschöpfe von Gott. Und warum sprechen sie nicht von der Gottheit? Alles, was in der gottheit ist, das ist eins. Und davon ist nichts zu sagen. Gott wirkt, die Gottheit wirkt nicht. Sie hat auch nichts zu wirken. In ihr ist auch kein Werk. Sie schaut auch auf kein Werk. Gott und Gottheit unterscheiden sich im Wirken und Nicht-Wirken. Wenn ich zurückkomme in Gott, [und] bleibe ich da nicht, dann ist mein Durchbreche edler als mein Ausfließen. Ich alleine bringe alle Geschöpfe aus ihrer Vernunft in meine Vernunft, so dass sie in mir eins sind. Wenn ich in den Grund, in den Boden, in den Fluss und in das Quellen der Gottheit komme, fragt mich niemand, woher ich komme oder wo ich gewesen bin. Da hat mich niemand vermisst. Da vergeht Gott. Wer denn diese Predigt verstanden hat, dem gönne ich sie von Herzen. Und wäre niemand hier gewesen, ist hätte sie diesem Opferstock predigen müssen. 46

47 Ez sint etlîche arme liute, die kêrent wider heim und sprechent: Ich wil sitzen ûf ein stat und ezzen min brôt und dienen gote. Ich spriche bî der êwigen wârheit, daz die liute müezen verirret sîn und blîben, wan sie enmügen niemer ervolgen noch erkriegen, daz die ervolgent oder erkriegent, die gote nâchvolgent in armuot und in ellendicheit. Daz wir her zuo komen, des helfe uns got. Âmen Es gibt manche arme Leute, die gehen zurück nach Hause und sagen: Ich will sitzen bleiben, wohin ich gehöre, und mein Brot essen und Gott dienen. Ich sage bei der ewigen Wahrheit: Diese Leute müssen verirrt sein und bleiben; denn sie können niemals erreichen und erlangen, was die erreichen und erlangen, die Gott nachfolgen ind Armut und Entfremdung. Dass wir dahin kommen, dazu helfe uns Gott. Amen. 47

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