ISSN K Nr. 2/Juni Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes SAUERLAND STÜTINGS MÜHLE IN BELECKE

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1 ISSN K 2767 Nr. 2/Juni 2008 Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes SAUERLAND STÜTINGS MÜHLE IN BELECKE

2 Geschenkidee! Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Verlag zum Preis von 16,50 Euro. ISBN Neu! becker druck, F. W. Becker GmbH Grafenstraße Arnsberg Tel / Fax /

3 SAUERLAND NR. 2/ SAUERLAND Nr. 2/Juni 2008 Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes Aus dem Inhalt Mitgliederversammlung des Sauerländer Heimatbundes in Warstein-Belecke am 30. August 2008 ab 10 Uhr Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde, im großen Festsaal der Belecker Schützenhalle findet die diesjährige Mitgliederversammlung des Sauerländer Heimatbundes auf Einladung des Bürgermeisters Manfred Gödde, der Ortsvorsteherin Elke Bertling und des Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins Badulikum Joseph Friederizi statt. Wir können uns darauf freuen, unseren Heimattag in dieser traditionsbewussten, geschichtsträchtigen und zukunftsfähigen Stadt Warstein-Belecke, worüber der Innenteil der Zeitschrift hinreichend Auskunft gibt, durchzuführen. Unsere Gastgeber haben sich intensiv darauf vorbereitet und werden dafür sorgen, dass zur Zufriedenheit aller Heimatfreunde dieser Tag gestaltet wird. Wir alle können durch zahlreiche Teilnahme die kurkölnische Verbundenheit im Heimatgebiet des Sauerländer Heimatbundes dokumentieren. In diesem 1050-jährigen Ackerbürgerstädtchen Belecke mit benediktinischer Tradition liegt es nahe, dass der Festredner Prof. Pater Michael Hermes, OSB der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, das Thema Unser benediktinisches Erbe im kurkölnischen Sauerland näher beleuchtet und dadurch in unserer immer stärker säkularisierten Zeit in den Fokus rückt. Nach den notwendigen Regularien mit dem wichtigen Tages ord - nungspunkt Beitragserhöhung kann dann das traditionelle Ein - topfgericht als Mittagsmahl genossen werden. Das reichhaltige und vielfältige Exkursionsprogramm für den Nachmittag ab Uhr unter fachkundiger Führung wird hoffentlich den unterschiedlichen Wünschen gerecht. Im einzelnen sind vorgesehen: 1. Das 1050-jährige Ackerbürgerstädtchen Belecke 2. Technisches Baudenkmal Stütings Mühle 3. Zwischen Sauerland und Münsterland 4. Siepmann-Werke Gesenkschmiede 5. Zauber der Unterwelt Bilsteinhöhle Um Uhr wird zum krönenden Abschluss in der Heilig-Kreuz-Kirche Erzbischof Hans-Josef Becker den plattdeutschen Gottesdienst zelebrieren. Beteiligt sind an der Messgestaltung der Plattdeutsche Arbeitskreis, die Plattdeutsche Schule und der Organist Peter Huneke. Grußworte werden Pastor Markus Gudermann von der Katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius und Pfarrer Günter Bergholz von der evangelischen Kirchengemeinde an uns richten. In Vorfreude auf einen gut besuchten und viel versprechenden Heimattag bei den Heimatfreunden in Belecke, mit heimatlichen Grüßen Geschichte Kirche in Belecke und ihr benediktinisches Erbe S. 58 Eine typische kurkölnische Ackerbürgerstadt S. 61 Ein Kreuzwegbild erfährt nach 400 Jahren, im Jahr 2008, eine Aufwertung S. 70 Ursachen und Folgen der Revolution von 1848 in Sundern S. 72 Eversberger Schwesternstation S. 79 Christine Koch Versuch eines Lebensbildes S Jahre Landesvermessung im Grenzgebiet zwischen kurkölnischem und märkischem Sauerland S. 86 Vom Waldarbeiter zum Finanzprokurator S. 92 Heimat Kultur Belecke Tor zum Sauerland S. 56 Historische Wegemarken am nördlichen Ortsrand S. 63 Bedeutender Industriestandort im Möhnetal S. 64 Brauchtum in Belecke S. 66 Lörmecke-Turm auf dem Arnsberger Wald S. 84 Natur Landschaft Siedlung Hespecke ein vergessener Adelssitz im Eckenbachtal bei Attendorn S. 68 Sprache und Literatur PLATTDEUTSCH Nach Katalanisch zweitgrößte europäische Mundartsprache S. 96 Religion Glaube Morgenland im Sauerland S. 78 Rezensionen Personalien BÜCHER SCHRIFTTUM S. 97 PERSONALIEN S. 101 Dieter Wurm,1. Vorsitzender Unser Titelbild fotografierte Wolfgang Heppekausen in Belecke Mitarbeiter dieses Heftes finden Sie auf S. 67

4 56 SAUERLAND NR. 2/2008 Belecke Tor zum Sauerland von Joseph Friederizi Belecke mit seinen über 6000 Einwohnern liegt in malerischer Grup - pierung um den Zusammenfluss von Wester und Möhne und bildet mit der B 55 eines der Tore zum Sauerland. Seit der kommunalen Neugliederung ist Belecke ein Ortsteil der Stadt Warstein. Schon 938 wurde eine Burg Belecke Castellum Baduliki von drei namhaften Geschichtsschreiber(n/in) genannt: der Nonne Roswitha von Gandersheim, dem Mönch Widukind von Corvey und dem Erzbischof Adalbert von Magdeburg. Sie berichten, dass Thangmar, der Halb bruder Ottos des Großen, diese Burg überfiel und dessen jüngeren Bruder Heinrich gefangen nahm und ihn zur Eresburg (Marsberg) brachte. Um 980 machte Kaiser Otto II. seiner Gemahlin Theophanou den Locus Pateleke zum Geschenk erwarb Kaiser Heinrich II. den Ort Curtis Badelicka vom Kloster Gandersheim als Königsgut zurück. Nach ihm ist auch das Kaiser- Heinrich-Bad mit seiner Heilquelle benannt. Erzbischof Anno II. von Köln vermachte 1064 dem Kloster Siegburg den Zehnten zu Belecke, der 1072 auf das ebenfalls von ihm gegründete Kloster Grafschaft übertragen wurde. Zur Ver - waltung des Klostergutes errichtete Graf schaft in Belecke eine Propstei, die mit einem Propst und mit 5-6 Mönchen besetzt war. Die enge Verbindung zu die- Belecke durch Urkunde vom 12. Dezember 1296 das Stadtrecht. Im gleichen Jahr löste sich Belecke als eigenständige Pfarrei von der Mutterpfarrei Altenrüthen. Der Propst wurde gleichzeitig Pfarrer von Belecke. Während der Soester Fehde ( ) wehrten die Belecker Bürger am Mittwoch vor Pfingsten 1448 einen Angriff der Soester erfolgreich ab; allerdings verloren sie dabei ihren Bür germeister. Zur Erinnerung an dieses Ersem Kloster hielt bis zur Säkularisation im Jahre 1803 an. Noch heute zeugen zahlreiche Spuren (u. a. Propsteikirche, Stadtmuseum Schatzkammer Propstei) vom segensreichen Wirken Grafschafter Benediktiner. Die Gründung der Stadt Belecke mit 60 Hausstätten erfolgte in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts auf dem Prop s - teiberg, der zum Besitz des Klosters gehörte. Der Kölner Erzbischof und Kur - fürst Siegfried II. von Westerburg verlieh Blick zum Propsteiberg Foto: Michael Sprenger Luftaufnahme: Gerd Flaig

5 SAUERLAND NR. 2/ BELECKE der Austragungsort unserer dies jäh - rigen Hauptversamm lung, informiert unsere Mitglieder und Leser in 7 Ar - tikeln von 6 Auto ren und 4 Foto - grafen umfassend von der frühzeitlichen Er wäh nung bis zum heutigen Industrie standort im Möhnetal. Red. eignis wird dieser Tag als Sturmtag bis heute mit Gedenkfeier und Gottes dienst begangen. Beim letzten großen Stadtbrand 1805 brannten 58 Häuser (2/3 der Stadt) ab. Für den Neuaufbau forderte die damalige hessische Regierung eine offene Bauweise mit breiten, sich rechtwinklig kreuzenden Straßen. Diese klassizistische Aufbaustruktur bestimmt noch heute das Bild der historischen Altstadt und ist städtebaulich über unsere Stadt grenzen hinaus bedeutsam. Bis weit in das vorige Jahrhundert war Belecke eine kleine Ackerbürgerstadt mit einem geringen Anteil an Handwerk und Handel, obwohl es Mitglied der Hanse war. Mit dem Bau fester Straßen Meschede-Lippstadt (B 55) 1823/26 und Brilon-Neheim (B 516) 1849/50 sowie der Eisenbahnlinien Lippstadt-Warstein 1883 und Soest-Brilon 1898 war Belecke zu einem wichtigen Ver kehrsknotenpunkt geworden. Die industrielle Entwicklung konnte eingeleitet werden. Der eigentliche Industrialisie rungs - prozess setzte jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg ein (AEG, Erweiterung Blick auf das jüngere Belecke mit der Heilig-Kreuz-Kirche Foto: Michael Sprenger Siepmann-Werke, Stahl-Armaturen PERSTA). Der Ort erlebte eine rasante Entwicklung, die Einwohnerzahl verdreifachte sich, neue Wohngebiete wurden erschlossen, Handel, Hand werk, Gewerbe und Dienst - leistung prägen neben den großen Industrie wer ken das Leben in dieser Stadt weihte die ev. Kirchen - ge mein de ihr Gotteshaus, die Christus-Kirche, ein und Liebe Sauerländerinnen und Sauerländer, wir freuen uns sehr darüber, dass in diesem Jahr der Sauerländer Heimatbund seine Mit glie derversammlung in Warstein-Belecke durchführt. Dies ist vor allen Dingen der Initiative der Belecker Heimatfreunde zu verdanken. Mit viel Engagement sind die Heimatfreunde dabei, die Versammlung sowie das Rahmenprogramm zu gestalten. Das große Engagement der unterschiedlichsten Warsteiner Vereine macht zu einem großen Teil unsere Heimatstadt mit ihren neun Ortsteilen aus. Man kann solche freiwilligen und uneigennützigen Arbeiten unserer Bürgerinnen und Bürger nicht hoch genug bewerten. In der Ihnen vorliegenden Ausgabe der Zeitschrift Sauerland können Sie unter anderem Berichte über die Belecker Mühlen, den Sturmtag, das Brauchtum und über die Entwicklung Beleckes im Allgemeinen lesen. In Belecke und in ganz Warstein werden Brauchtum und Traditionen gepflegt. Das bedeutet aber nicht, dass wir in der Vergangenheit leben. Handwerks- und Industriebetriebe, die ihre Waren und Dienstleistungen überregional und teilweise sogar weltweit anbieten, prägen das moderne Gesicht unserer Stadt. Es ist uns gelungen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gekonnt miteinander zu verbinden. Warstein ist zwar nur ein kleines, aber dafür starkes Stück Sauerland, und darauf sind wir mit Recht stolz. Wir heißen die Mitglieder des Sauerländer Heimatbundes, alle Gäste und Besucher am 30. August in Belecke herzlich willkommen Mit Sauerländer Grüßen Manfred Gödde Bürgermeister Elke Bertling Ortsvorsteherin auch für die kath. Kirchen ge mein de ergab sich die Notwendigkeit eines zweiten Got tes hauses 1961 wurde die Hl.- Kreuz-Kirche eingeweiht. Neben Kindergärten und Grundschule runden die Haupt- und Realschule das schulische Angebot ab. Die Theateraula mit ihren Theater- und Konzertveranstaltungen ist zu einem kulturellen Mittelpunkt der Stadt Warstein geworden. Die Belecker Innenstadt wird zurzeit neu gestaltet. So gewinnt unsere Hei - mat stadt weiter an Attraktivität, Atmo - sphäre und Lebensqualität. Dazu tragen auch die zahlreichen, aktiven Vereine und Gemeinschaften mit ihren traditionellen Festen, sportlichen Akti vitäten und kulturellen Veran staltungen bei.

6 58 SAUERLAND NR. 2/2008 Kirche in Belecke und ihr benediktinisches Erbe von Dietmar Lange..daß die Probstei zu Belecke zugleich mit der Abtei Graf schaft im Jahre 1072 unter Kaiser Heinrich IVten errichtet sei, heißt es schon in einer 1824 von dem damaligen Bürgermeister Bele - ck es, Caspar Anton Seißenschmidt, erstellten Chronik über die Entstehung der mittelalterlichen Kirche. Hier errichtete die Benediktinerabtei Grafschaft kurz nach eigener Gründung eine klösterliche Propstei als Nieder lassung und begründete somit benediktinisches Leben im nördlichen Sauerland. Die spätere An siedlung der Stadt und die Entstehung pfarrlicher Strukturen waren eng mit der benediktinischen Propstei verbunden, das kirchliche Leben gestaltete sich immer im Spannungsfeld klösterlicher und städtischer Strukturen. Beleckes Bürgerschaft spricht noch heute wie selbstverständlich von seiner Propsteikirche; 1992 wurde unter großer Teilnahme der Öffentlichkeit in den Räumlichkeiten des ehemaligen Wirt - schaftsgebäudes der Propstei das Stadt museum Schatzkammer Propstei Be lecke eröffnet. Neben einer Reihe stadtgeschichtlicher Zeugnisse werden hier vor allem Exponate klösterlicher Pro venienz gezeigt, die seit Jahr - hunderten in Besitz der Propstei oder des Klosters Grafschaft waren und damit bis auf den heutigen Tag ein wichtiges Stück sauerländischer Kir chen- und Kloster ge schichte in Belecke dokumentieren. Wappen der Benediktinerabtei Grafschaft Wie war es dazu gekommen? Ein ursprünglich hier gelegenes Reichsgut kam im 11. Jahrhundert in den Besitz der Kölner Kirche und schon 1064 überwies Erzbischof Anno von Köln dem Kloster Siegburg den Zehnten dieser Einkünfte. Dieser Zehnte gehörte dann zur Grundausstattung des 1072 errichteten Klosters Grafschaft, dessen Abt nur kurze Zeit später von einem gewissen Iclen in Belecke Eigen gut erwarb. Die sich hier entwickelnde Propstei als Filialgründung Grafschafts kannte in dem Benediktiner Propst Heinrich 1244 den ersten namentlich erwähnten Vor steher dieser klösterlichen Gründung, die mehrere Mön che umfasste. Die etwas abseits des mittelalterlichen Stadtzen trums mit Marktplatz und Rathaus gelegene Lage der Propstei verdeutlicht den benediktinischen Geist seiner Erbauer, die ihre Chorgebete in einer Hauskapelle verrichteten. Das heutige Aussehen des Gebäudeensembles ist im Wesentlichen durch den Wiederaufbau ab 1810 und durch einen Umbau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. An Sonn- und Feiertagen fanden das Chorgebet und die Gottesdienste in der nahe gelegenen Propsteikirche statt, deren Errichtung ebenso auf Kloster Grafschaft zurückgeht. Für die Bür gerschaft Be leckes übernahm seit mittelalterlicher Zeit der Propst die Seelsorge, die Propsteikirche galt als Pfarrkirche, die Propstei war Pfarrhaus Beleckes und in neuerer Zeit bürgerte sich gar der doppeldeutige Name Pfarrpropst für den Seelsorger Beleckes ein. Den Mittelpunkt dieser früh begründeten und Jahrhunderte währenden kirchlichen Strukturen bildete die Propstei kirche, deren spätromanischer Turm aus dem 12. Jahrhundert noch heute an die Wichtigkeit der städtischen Wehr - hoheit erinnert. Den mittelalterlichen Kirchbau ersetzte 1749/50 ein Neubau des Künstlers Dietrich Hermann Röper, der in elegant repräsentativer Anlage ein barockes Abbild himmlischer Herr - lich keit dokumentiert. Seine Ausstattung ist benediktinischer Herkunft und stammt überwiegend aus dem Mutterkloster Graf schaft. Als dort ein neuer Bau der Abteikirche entstand, gelangten Hoch altar und Seitenaltäre von 1665 mit auswechselbaren Ge mälden und weiteren Inventarien nach Belecke. Die mit reichen Intarsien arbeiten versehene Kom mu nionbank von 1754 stellte man nach der Aufhe bung Grafschafts ebenfalls in der Belecker Kirche auf, deren Pfarr pröpste sich gerade in dieser Umbruch zeit sehr nachhaltig dafür einsetzten, das geistige Erbe des Bene dik - tinerklosters wach zu halten und nach Kräften fortzuführen. Die Pfarrpröpste Florentinus Pape ( ), Beda Behr ( ) und Karl Böckler ( ) bewahrten den Einklang von pfarrlicher und klösterlicher Identi- Ein Blick in das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei Fotos: Wolfgang Heppekausen

7 SAUERLAND NR. 2/ Mühlenwesen Ursprung und Bedeutung von Peter Wessel Seit altersher gehören Mühlen zum Landschaftsbild aller Regionen. Über Jahrhunderte wurden Mühlen einzig durch Wasserkraft angetrieben, bevor auch Windkraft genutzt wurde. Erst im 19./20. Jh. konnten Dampfkraft und Strom das Wasser und den Wind ersetzen. Wenn wir in unserer Gegend von Mühlen sprechen, sind durchweg die Mahl- und Sägemühlen in den Tälern gemeint, bei denen Wasserräder mittels Wellbäumen, Zahnrädern usw. die Mühl steine bzw. das Vertikal- oder Horizontal sägegatter bewegten. In Belecke gab es auch eine Ölmühle, bei der das Wasserrad die verschiedenen Werkzeuge und eine Presse antrieb, um aus Bucheckern, Raps, Lein oder Rüb - samen Öl zu pressen, das als Speiseöl, Lam penöl oder Schmieröl diente. Doch Der Arbeitskreis Mühlrad pflegt und erhält seit 25 Jahren das Mühlrad, Sägegatter und Turbine an Stütings Mühle (siehe auch unsere Titelseite) wurde im 19. Jh. die Ölmühle zur Loh - mühle umgebaut. Dabei diente die Kraft des Wasserrades zum Zerkleinern der Eichen rinde zu Lohe, einer Flüssig keit, die beim Gerben des Leders gebraucht wurde. Verwandt mit der Loh mühle ist die Walkmühle. Die Lohmühle gehört zum Lederhandwerk, die Walk mühle zum Textilhandwerk. In einer Walk - mühle werden mit Hilfe des Wasser - rades, der Wasserkraft, gewebte Tuche gewalkt, d. h. gestampft. Dadurch wird eine dichte Verfilzung der Stoffe bewirkt. In unserer Stadt hören wir schon im 14. Jh. von zwei Mühlen unterhalb des Propsteiberges. Dieser Berg wird westlich von dem nie gefrierenden Wester - fluss begrenzt. Selbst im strengsten Winter bleibt die Wester eisfrei. Mit 14 Grad (Lesen Sie weiter auf Seite 60) Foto: Michael Sprenger tätslinie, indem sie sich bemühten, Teile des kostbaren klösterlichen Nach lasses für Belecke zu retten. Dazu fügte sich der letzte Wille des letzten Grafschafter Abtes Edmun dus Rustige - nach seinen letzten Lebens jahren auf dem früher klösterlichen Zehnthof in Warstein und seinem Tod in Belecke bestattet zu werden. Eine Reihe wichtiger im privaten Besitz des Abtes befindlichen klösterlichen Stücke machte damit seinen Weg nach Belecke. Und ein vielverehrtes Mutter gottesbild, die Odacker-Ma- donna, und einige Altar bilder benediktinischer Aus sage gelangten mit der Aufhebung des bei Hirsch berg gelegenen Benedik tinerinnen klosters Odacker durch dessen aus Belecke stammende letzte Äbtissin Maria Walburgis Köller nach Belecke. Einstiges klösterliches Inventar diente fortan als pfarrliches Gebrauchsstück. Die Pontifikalgewänder der Äbte wurden von den Belecker Pfarrern zu hohen Festtagen getragen und der berühmte Abtskelch von 1508 tat und tut seinen Dienst an den kirchlichen Feiertagen. Das vielfache Interesse an der reichen klösterlichen Vergangenheit Beleckes bewegten die Pfarrgemeinde St. Pan - kratius, die Stadt Warstein, das Erz - bistum Paderborn und den Land schafts - verband Westfalen-Lippe in der früheren landwirtschaftlich genutzten Deele der Propstei 1992 ein Museum einzurichten, das die klösterlich-kirchliche Ge schichte mit der Geschichte der Stadt Belecke und ihrer Bürger zu verbinden sucht. Dabei nehmen die geschichtlichen Zusammenhänge von Kloster-, Propstei und Stadtgründung im unteren Geschoss ihren Raum ein, während im oberen Geschoss die wertvollen liturgischen Geräte wie der Abtskelch oder Mon stranzen aus dem Jahrhundert, die barocken Kaseln und Pontifi kal ge wänder mit der rekonstruierten Abts mitra beeindrucken. Die Abtskapelle im östlichen Ober geschoss weist bis heute auf das Chor ge bet seiner einstigen klösterlichen In sas sen zurück. Auch die benachbarte Propsteikirche dokumentiert in ihrer barocken Pracht das einstige Selbstverständnis klösterlichen Lebens. Wie seit Jahrhunderten künden Gemälde berühmter Künstler der Barockzeit wie Johann Georg Rudolphi in jahreszeitlichem Wechsel von der Aussage der hohen Feiertage des Kirchenjahres. Trotz alledem wollen sie mehr als historisches Erbe sein und dessen ist sich die heutige Pfarr ge - meinde St. Pankratius bewusst mit ihrer altehrwürdigen, den hl. Pankratius, Alexander und Anno geweihten Propsteikirche, mit der in den 1960er Jahren im neuen Stadtteil Beleckes errichteten und an die jahrhundertelange Kreuz - verehrung in Belecke erinnernden Hl.- Kreuz-Kirche, mit der Kreuz kapelle am früheren Badehaus des Kaiser-Heinrich- Bades und mit der von weitem leuchtenden Kapelle auf der Külbe.

8 60 SAUERLAND NR. 2/2008 Celsius steigt das Westerwasser aus 450 m Tiefe auf. Die Wärmekraft der in die Möhne mündenden Wester reicht aus, dass auch die Möhne noch ca. 1 km unterhalb der Wester-Einmündung im Winter nicht gefriert. Diese günstigen Bedingungen waren Grund, dass auch das Rittergut Welschenbeck an diesem Abschnitt schon vor Jahrhunderten eine Mahl- und Sägemühle erbaute. An der warmen Wester wurden von der Oberen Mühle am Warsteiner Bullerteich, bekannt als Tacken-Mahl - mühle, bis zur Stiftfabrik und Drahtwalze in Belecke weitere Anlagen errichtet, die alle durch Wasserkraft angetrieben wurden. Es seien nur die bekanntesten genannt: Kupferhammer, Eisenhammer, Reckhammer und Puddelhammer. Im Jahre 1307 wird in einer Urkunde dokumentiert, dass der Erzbischof Hein - rich II. von Köln als hiesiger Landesherr dem Propst von Belecke (Propst als Vertreter des Abtes von Kloster Graf schaft) das alleinige Recht zuspricht, Mahl-, Säge- und Ölmühlen zu errichten. Jedoch verlangte der Erzbischof von den Einnahmen der Mahlmühlen jährlich 1 Malt Frucht (oder Mehl). Malt wurde damals nach Hohlmaß, nicht nach Gewicht gemessen. Ein Malt entsprach 660 Li tern, das wären ca. 600 kg Roggen oder Gerste gewesen. Weizen wurde damals noch nicht in unserer Gegend angebaut. Dazu traf der Erzbischof eine andere weittragende Entscheidung, nämlich den Mahlzwang. Das heißt konkret: Die Anwohner rund um Belecke, bis weit auf die Haar, mussten ihr Getreide in der Propsteimühle in Belecke mahlen lassen. So heißen noch heute zwei Feld - wege von Belecke auf die Haar Uelder Mühlenweg bzw. Effelner Mühlen - weg. Selbst das Kloster Grafschaft musste eine Zeit lang sein Korn in Belecke mahlen lassen. Dank des Multerns man bezahlte das Mahlen statt mit Geld mit einer genau festgelegten Menge Getreide profitierte der Propst als Eigentümer der Mühle gewaltig. Die Säkularisation (ab 1803) hob auf Anordnung des französischen Kaisers Napoleon alle geistlich-kirchlichen Herr - schaftsansprüche in Deutschland auf und unterstellte alle politische Macht den weltlichen Herren. Die Propstei - güter blieben zwar im Besitz der Belecker Pfarrei durch das geschickte Verhan deln der beiden Pfarrpröpste Florentinus Pape, gestorben 1802, und Beda Behr, gestorben 1830, aber die dazugehörigen Säge-, Mahl- und Lohmühlen wurden eingezogen und der Domänen- Kammer unterstellt. Als Entschädigung zahlte die damals zuständige Hessisch- Darmstädter Regierung nur 116 Thaler. Der reale Wert wurde auf wenigstens Thaler geschätzt! Erst unter der Preußischen Regierung wurde im Jahre 1829 dieser Wert anerkannt und teilweise ersetzt. Was geschah mit den Mühlen? Die beiden Propstei-Säge- und Mahl - mühlen wurden im Jahre 1813 von Familie Stüting gepachtet und im Jahre 1845 käuflich erworben. (Die Lohmühle wurde noch lange Zeit von Familie Röper betrieben). Aus dem Jahre 1850 wissen wir, dass die Stüting sche Mahlmühle von drei Wasserrädern angetrieben wurde und entsprechend drei parallele Mahlgänge hatte. Die Sägemühle und der neu dazu gekommene Lohndreschkasten erhielten ihren Antrieb von dem großen Wasserrad, das ein Gewicht von 2,5 t hatte, einen Durchmesser von 4,50 m und eine Radbreite von 1,50 m. Dieses mittelschlächtige Wasserrad hatte 36 Wasser- Taschen /-Schaufeln wurden die drei Wasserräder der Mahlmühle demontiert. Stattdessen wurde eine Francis-Schachtturbine eingebaut als Ersatz, die aber einen deutlich höheren Wirkungsgrad besaß als die drei Räder. Nun wurde Strom erzeugt mittels Turbine und Dynamo und zwar so viel, dass nicht nur die zwei verbliebenen Mahlgänge versorgt werden konnten, sondern ein Teil des Stromes in die Belecker Straßenbeleuchtung eingespeist wurde wurde der Mahl - betrieb eingestellt und 1962 die Sägerei und das Lohndreschen erfolgte der Abbruch der alten Mahlmühle, an deren Stelle ein neues Wohnhaus errichtet wurde. Aber der alte Antriebskeller mit der Turbine blieb verdeckt erhalten. Zum Bedauern der Belecker Bevölkerung ruhte der Mühlenbetrieb, kein Mühlrad drehte sich mehr, im Gegenteil, man beobachtete den fortschreitenden Zerfall des einst so prächtigen Wasserra- des und befürchtete seinen baldigen Abbruch. Da bildete sich aus einer Stamm - tischrunde des Belecker Männerchores der Arbeitskreis Mühlrad, bestehend aus zwölf Männern. Ihr Ziel: Rettung dieses alten Wahrzeichens. Wir schreiben das Jahr Mit körperlicher Schwerstarbeit und ausgezeichnetem handwerklichen Können wird das mehrere Tonnen schwere Wasserrad neu zusammengebaut. Am Sturmtag (6. Juni) 1984 wurde Richtfest gefeiert, der Bürgermeister konnte das große Rad per Knopfdruck wieder in Bewegung setzen. Das gesamte Anwesen des Mühlenge ländes ging 1986, nach dem Tode von Dr. med. Heinrich Stüting, als Erbgut in den Besitz der Stadt Warstein über. Der Arbeitskreis Mühlrad arbeitete jedoch weiter. Das Gebäude der alten Säge mühle wurde von ihm restauriert wie immer in Freizeitarbeit. Noch wichtiger und imponierender: Diese fleißigen Männer setzten das Horizontalgatter mit dem Antrieb durch das Wasserrad wieder instand. Es sägte zum ersten Mal am Sturmtag (3. Juni) 1987, und ist das zurzeit einzige mit Wasserkraft und Wasser rad betriebene Horizontalgatter in NRW. Es arbeitet zum Schausägen und beliefert den Bauhof der Stadt Warstein - wenn gewünscht - mit Balken und Bohlen. Nun blieb dem AK noch ein ehrgeiziges Ziel. Man wollte auch die Turbine im Keller neben der abgerissenen Mahl - müh le restaurieren. Und dieser Plan gelang. In Präzisionsarbeit wurde ab 1991 die alte Turbine überholt und bis zum Jahre 1993 auf den neusten Stand gebracht, modernisiert und automatisiert für einen wärterlosen Betrieb. Der Erfolg: Je nach Wasserstand der Wester können nun jährlich ca kw Strom in das VEW-RWE-Netz eingespeist werden. Im Jahre 2007 waren es genau kw Stunden, kw Stunden mehr als im Jahre Die Belecker wissen, was sie dem Arbeitskreis Mühlenrad des Jahres 1983 und inzwischen auch neuen Mitgliedern zu verdanken haben: Diese Männer haben ein Stück wertvoller Tradition unserer Heimat gerettet!

9 SAUERLAND NR. 2/ Eine typische kurkölnische Ackerbürgerstadt von Theo Büchter Schon vor der ersten urkundlichen Erwähnung siedelten Menschen in der Umgebung Beleckes. Da das Möhnetal sehr sumpfig war, lagen die Felder und Äcker sicherlich auf der Haar, was auch durch die Namensgebung des kaiserlichen, später kurkölnischen Gutes Harkampe deutlich wird. Während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts (Inter - reg num ) fühlten sich die Bauern in der Feldflur nicht mehr sicher und der Kölner Bischof erlaubte eine Besiedlung auf dem Berg. Siegfried II. verlieh 1296 Belecke die Stadtrechte. Aus einer Ergänzungsurkunde geht hervor, dass der Bischof das Gut Harkampe aufteilte und jeder Hausstatt jeweils 13 alte Morgen Acker- und Waldland übertrug. 1. Entwicklung und Bedeutung der Landwirtschaft Mit der großzügigen Schenkung des Landesherrn bei der Stadtgründung Beleckes war für alle Bürger die Lebensgrundlage geschaffen worden und für Belecke begann somit die Entwicklung zu einer typischen Acker bürgerstadt im kurkölnischen Sauerland. Noch um 1650 betrugen die bischöflichen Erbländer durchschnittlich 13 Morgen. Wiesen und Weiden hatten die Belecker Bauern kaum, da sie Anteile an der Allmende besaßen. Weiterhin hatten sie schon früh auch Pachtländer erworben, wobei vor allen Dingen die Stadt und die Propstei Verpächter waren. Aus diesen Gründen bewirtschafteten Bele cker Bauern schon vor Jahr hunderten Morgen Land. Da Grund und Boden wichtige Voraussetzungen für das tägliche Brot waren, konnte Landbesitz nicht hoch genug bewertet werden. Und Erschlei chung von Landeigentum wurde streng bestraft. So heißt es bereits in einem Ratsbeschluss von 1555: Wer einem anderen Wiesen, Länder oder Gärten unerwinne (widerrechtlich wegnehmen), der habe der Stadt 5 Mark Strafe zu zahlen und sei für ehrlos, treulos und meineidig anzusehen. 1) Im Jahre 1678 wurde dieser Beschluss noch dahingehend erweitert, dass bei Zuwiderhandlung der Ausschluss aus der Bürgerschaft zu erfolgen habe. In dieser Zeit war in unserem Land weitgehend die Dreifelderwirtschaft verbreitet. Nach zweijähriger Bearbeitung lag der Acker Belecker Altstadt mit Propsteikirche St. Pankratius Foto: Michael Sprenger im dritten Jahr brach. Die Bauern unserer Gegend betrieben aber schon sehr früh eine Fünffelderwirtschaft. Diese fortschrittliche Form des Ackerbaus ist sicherlich auf den Einfluss der Bene - diktiner (Kloster Grafschaft, Propstei Belecke) zurückzuführen. Um 1825 etwa wurde in dieser Gegend die Fünf - felderwirtschaft abgelöst und im Brache - jahr wurden Klee oder Kartoffeln angebaut. Ackerbau und Viehzucht bedingen einander und so entwickelte sich seit der Stadtgründung ein ansehnlicher Vieh - bestand und dieser war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Ackerbürgerstadt Belecke. Bis in diese Zeit kannten die Bauern in Belecke fast keine Haus - fütterung. Heu und Grummet wurden kaum geerntet, da Wiesen und Weiden nicht im Privatbesitz waren (Allmende). Man schlachtete damals im Herbst und bei Einbruch des Winters so viel Vieh, wie eben möglich war. Wir können uns heute kaum noch vorstellen, welche Probleme der Nahrungsbeschaffung im Winter für Menschen und Tiere bestanden. In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass zwei weitere Ereignisse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die landwirtschaftliche Situation in Belecke stark verändert haben: 1. Mit Ratsbeschluss vom wurden die im Besitz der Stadt sich befindenden Wiesen, Wälder und Wei den, die insgesamt 586 ha ausmachten, aufgeteilt. 2. Bereits zwischen 1860 und 1880 versuchte man in Belecke die unwirtschaftliche Streulage der Felder durch Zusammenlegung von benachbarten Grundstücken durch eine Flurbereinigung/Separation zu verbessern. Für die Ackerbürgerstadt Belecke war der 13. April 1805 (Karsamstag) im Hinblick auf die städtebauliche Ent - wicklung, aber auch für die Land wirt - schaft ganz allgemein, von großer Bedeutung. Bei einem Großbrand sind von den 87 Häusern der Stadt 58 Häuser zerstört worden. Eine für uns unvorstellbare Katastrophe, die auch nur aus der damaligen Zeit zu verstehen ist. Im Jahre 1805 gehörte Belecke nach der Säkularisation politisch zu Hessen-Darmstadt. Unmittelbar nach dieser Katastrophe beauftragte die Regierung den damaligen Landes baumeister Her mann Sandfort mit der Neuplanung Beleckes. Und das Ergebnis dieser Planung ist die historische Altstadt in Belecke, so wie wir sie in ihren Grund zügen heute noch

10 62 SAUERLAND NR. 2/2008 nach über 200 Jahren vorfinden. Außerdem entwickelte er den Haustyp des Ackerbürgerhauses. Küche und Wohnräume liegen nach vorn zur Straße, danach folgt die Querdeele und dahinter befinden sich die Stallungen für Kühe und Schweine. Es sind Fach werkhäuser. Die Gefache haben in der Regel eine Größe von 95 x 100 cm. Beim Einfahren in die Deele zum Abladen von Heu und Stroh gab es wegen der Enge besondere Schwierig keiten. Dieses Ackerbürgerhaus war über 150 Jahre Wohnund Wirt schafts haus für die Bauern und prägt heute noch das wunderschön erhaltene Ge samt bild der Altstadt. 2. Strukturwandel, Flurbereinigung und Aussiedlung Der wohl größte Strukturwandel in der Landwirtschaft hat nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden. Auch in Belecke war dieser Wandel an verschiedenen Aspekten deutlich spürbar: Veränderungen im Viehbestand, Mecha - nisierung und Einsatz von landwirtschaftlichen Großmaschinen, Spezialisierung in der Produktion (Milch- und Fleisch produktion) und die Zahl der Be - schäftigten in der Belecker Land - wirtschaft, die von 368 im Jahre 1938 auf 38 im Jahre 1969 gesunken ist. Für die Wirtschaftlichkeit eines landwirtschaftlichen Betriebes sind neben der Größe auch die Flurlage und die Hoflage von Bedeutung. Seit der Stadtgründung im Jahre 1296 befanden sich die Höfe nicht auf der Haar, sondern im Schutze der Stadt und nach dem großen Stadtbrand von 1805 waren die Höfe großzügig und feuersicherer in der Altstadt neu errichtet worden. Sie entsprachen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr den Anforderungen eines modernen landwirtschaftlichen Betrie bes. So hatten die Höfe hier in Oberbelecke nicht die geringste Mög lichkeit der Erweiterung, die Hofräume waren sehr klein und boten den Maschinen und Ackergeräten kaum Platz. Schwierigkeiten gab es besonders in der Erntezeit. Auch die Wirt schaftsgebäude genügten nicht mehr den damaligen Anforderungen, die Stallungen waren zu klein. Die Flur- und Hoflage mit der schlechten Verkehrsan bindung wirkte sich durch hohe Kosten betriebswirtschaftlich sehr nachteilig auf die Belecker Bauern aus und bedrohte die Existenz mehrerer Betriebe. In dieser schwierigen Situation bot sich allein die Aussiedlung der Betriebe an. Anfang 1956 wurden die ersten Gespräche geführt, Beschlüsse gefasst und am bereits die Anträge auf Aussiedlung gestellt. Es war ein langer Weg mit vielen Schwierigkeiten, Ein wänden, finanziellen Einschrän kungen und nach fast vier Jahren kam endlich am 6. Oktober 1959 die lang ersehnte Nachricht, dass alle mit dem Bau beginnen konnten. Im Jahre 1960 konnten sieben Bauern von der Altstadt in ihre Aussiedlerhöfe auf der Haar umziehen. Bis Oktober 1965 folgten drei weitere Bauern. Die Aussiedlung war dringend notwendig, zeugte vom Weitblick der Verantwortlichen und brachte in den folgenden Jahren allen bessere Arbeits bedin - gungen und wirtschaftlichen Erfolg. Jedoch bedeutete die Aussiedlung für alle beteiligten Bauern auch große Veränderungen im sozialen und familiären Bereich. Die Altstadt in Belecke veränderte in einem Jahr ihre Wirt schaftsund Sozialstruktur. Zugleich schließt sich mit der Aussiedlung auf die Haar im Jah- Autorensitzung in Olpe Das geplante zweibändige Werk über das Herzogtum Westfalen macht Fortschritte. Am 21. April 2008 trafen sich die Autoren von Band 1 und Band 2 auf Einladung des Sauerländer Heimatbundes im Kreishaus Olpe, wo sie von Landrat Frank Beckehoff herzlich begrüßt wurden, zu einer 2. Autorensitzung unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Harm Klueting Köln/Fri bourg und seinem Mitarbeiter Dr. Jens Foken. Nach einer kurzen Vorstellung der Anwesenden, inzwischen ergänzt durch drei weitere junge Wissen schaft lerinnen, folgte ein Rundgespräch über die einzelnen Kapitel des Gesamtwerkes. Im Anschluss an das Mittagessen im Kreishaus fuhren die Teilnehmer/innen re 1960 der Kreislauf unserer Betrachtungen. Angefangen war alles in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als die Bauern der Umgebung die Schutz bietende Stadt auf dem Berg gründeten. Über 650 Jahre blieben sie dort und prägten alle Bereiche des wirtschaftlichen, kulturellen, kirchlichen und sozialen Lebens in der Ackerbürgerstadt Belecke entscheidend mit. Wie lange werden sie auf der Haar bleiben? Sicherlich keine 650 Jahre! Knapp 50 Jahre nach der Aussiedlung ist die Situation für die Belecker Landwirte nicht einfacher geworden, denn Spezialisierung und Globalisierung bedingen immer neue Anforderungen und Herausforderungen. Heute sind in Belecke nur noch wenige in der Landwirtschaft tätig. Und auch für die verbliebenen Bauern stellt sich die Frage nach der Zukunft ständig neu. Wie lange gibt es in der Ackerbürgerstadt Belecke noch landwirtschaftliche Betrie be? Wie schnelllebig ist doch unsere Zeit geworden! 1) Dalhoff, Walter, Praesidium Baduliki, Belecke 1970, Seite 187 zur Wendener Hütte und lernten dort durch die fachkundige Leitung von Frau Monika Löcken die bisher meist unterschätzte Montangeschichte des kurkölnischen Sauerlandes am Beispiel dieses inzwischen als Museum ausgestalteten Industriedenkmals kennen. Anschließend hörten sie einen Vortrag von Dr. Eberhard Fricke, Hilden über Die Veme im südlichen West - falen, worüber er auch in dem genannten Werk berichten wird. Weitere Au to - rensitzungen sind vorgesehen. Schon jetzt wurde auch auf das Aus stellungs - projekt im Sauerland-Museum Arnsberg im Jahr 2009 hingewiesen, das der Geschichte des Herzogtums Westfalen gilt. Darüber wird in der Folge noch mehr zu berichten sein. Erika Richter

11 SAUERLAND NR. 2/ Historische Wegemarken am nördlichen Ortsrand von Bernhard Müller Hat man aus nördlicher Richtung kommend auf der B 55 die Höhe des Haarstrangs bei Be - lecke erreicht, breitet sich nach Süden das unverwechselbare Pa - no rama des Landes der tausend Berge aus. Im Vordergrund erkennt man am Ortseingang Bele - ckes schon aus der Ferne die Külben - kapelle. Der jüngste Orkan Kyrill hat sie ungewollt wieder freigelegt, denn eine Baumgruppe von Lärchen, Fich ten, Birken und Buchen An der Kreuzung von B 55 und B 516 steht die Kreuzkapelle Foto: Michael Sprenger hatte dieses Bauwerk, welches im Jahre 1866 Pfarr - propst Carl Böckler zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes erbauen ließ, den Blicken des Betrachters weitgehend entzogen. Ursprünglich sollte hier ein Eremit angesiedelt werden, der täglich dreimal das Ave Maria läuten sollte. Der Bischof erteilte allerdings dafür keine Erlaubnis. Die Belecker Katholiken feiern am etwa die Externsteine als Sachsenopferstätte gedient haben könnten. Die Belecker Jugend erprobt und erprobte hier immer wieder ihre Kletterfertigkeiten. In besonderen Mondnächten gewinnen die Karne valisten an den Külbensteinen ihr Material für den Külbensteinorden, mit dem sie alljährlich verdienstvolle Helfer im Belecker Karneval auszeichnen. 2. Pfingsttag, falls es das Wetter zulässt, vor der Kapelle ihren festlichen Gottesdienst unter freiem Himmel. Die Umgebung der Kapelle bildet einen beliebten Treffpunkt für jedermann, zumal der Besucher von dieser Stelle einen besonders reizvollen Blick auf das alte Belecke genießen kann. Alljährlich wird an der Külbenkapelle auch das traditionelle Osterfeuer abgebrannt. Wendet man sich auf dem Franz- Kesting-Weg weiter nach Westen, so türmen sich plötzlich zwei große Felsensteine am Wege auf, die Kül bensteine. Sie gelten als Natur denkmale, die man leider im 19. Jahrhundert geschleift hat, um Material für den Stra ßenbau zu gewinnen; sie waren ursprünglich also sehr viel höher. Walter Dalhoff 1) vermutet, dass diese Steine womöglich wie Unweit der Külbensteine, wo sich die Bundesstraßen 55 und 516 kreuzen, findet man inmitten des Verkehrsgewirrs die wohl älteste Kapelle Beleckes, die Kreuzkapelle. Schon um 1300 wird an dieser Stelle eine Kapelle in den Annalen erwähnt, die als Spitalkapelle all denen für gottesdienstliche Zwecke diente, die an unheilbaren Krankheiten, vor allem an Seuchen wie Pest, Cholera, etc. litten. Sie waren aus der städt. Ge meinschaft ausgeschlossen und fristeten ihr Leben in einem Siechenhause vor den Toren der Stadt. Die derzeitige Kapelle wurde wohl nach 1724 erbaut. Sie wurde benannt nach einem wundertätigen Kruzifix (Pest kreuz aus dem Jahre 1350), das als Wallfahrtskreuz aus der Pfarrkirche dorthin überführt wurde. Heute kann der Besucher dieses Kreuz wieder in der Belecker Propsteikirche bewundern. Im Siebenjährigen Krieg ( ) diente die Kreuzkapelle sogar als Pulvermagazin. Sie wurde dann im 19. Jahr hundert zeitweilig den Belecker evan ge - lischen Mitchri sten zur Be nut zung überlassen. Später ( ) war sie Haus ka - pelle für das Studienheim spätberufener Pries ter - amts kan dida ten (Clemens heim), das dann nach Bad Driburg übersiedelte. An besonderen Ta gen feiert die Belecker katholische Kirchen ge meinde hier Got tes - dienste. In der Nach barschaft der Kreuzkapelle sprudelt seit alter Zeit eine kochsalzhaltige Quelle, die bis in jüngster Zeit den Menschen aus nah und fern Heilung und Gesundheit versprach. Beleckes Kaiser-Heinrich-Bad, dessen Name auf Kaiser Heinrich II. ( ) zurückgeführt wird, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ob Kaiser Heinrich mit seiner Gemahlin Kuni gunde auf seinen weiten Reisen durch Deutschland wirklich hier Heilung fand, lässt sich nicht belegen. Zweifellos kann sich das Quellwasser durchaus messen mit anderen Heil quellen der Umgebung. Bestrebungen nach dem 2. Weltkrieg, Belecke zu einem anerkannten Badeort umzugestalten, mussten scheitern, weil sich die damaligen Stadtväter Beleckes - der Not gehorchend - für den Ausbau Beleckes als Industriestandort entschieden. Immerhin zeigen viele Berichte von Ärzten, Dankesschreiben von Patienten und andere Belege, dass die ambulanten Kuren vielen Menschen geholfen haben. Durch den Einsatz des Belecker Küsters und Dirigenten Caspar Bracht mit seinen Musikern des Kolpingorchesters

12 64 SAUERLAND NR. 2/2008 Bedeutender Industriestandort im Möhnetal von Theo Büchter Landwirtschaft, Handwerk und Han - del prägten über 600 Jahre das Bild der Stadt Belecke. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch gab es durch die Ansiedlung von Industriebetrieben für unsere Stadt größere Veränderungen, als in den vergangenen Jahrhunderten zusammen. In dieser Zeit hat Belecke die Entwicklung von einem Ackerbür ger städtchen zum wichtigsten Industrie stand ort im oberen Möhnetal erfahren. Angefangen hatte alles mit der Gründung der Firma Linnhoff, die im Jahre 1829 eine Konzession für eine Drahtwalze im Belecker Westertal erhielt. Eine wichtige Entscheidung für die Entwicklung der Stadt Belecke war aber die Verlegung der Siepmann-Werke (Fortsetzung von Seite 63) wurde im Jahre 1932 die durch Straßen bauarbeiten im Jahre 1850 versiegte Quelle wieder entdeckt. Seit dem Jahr 2007 bietet ein Rückenfitness-Zentrum in den Räumen des Bade hauses ein Gesundheitstraining im rehabilitativen und präventiven Bereich an. Propst Carl Böckler berichtet in seinen Mittheilungen über Beleke und die dortige Propstei: Über Welschenbeck (Schloss Welschenbeck) finden sich erst Nachrichten, als der am 7. November 1225 gestorbene Erzbischof Engelbert der Heilige selbest nebst dem Sennhoff und Gütern in Uelde und Hevinghausen aus eigenen Mitteln angekauft und 1222 seiner Nichte, der Gräfin W. de Kessel, Ehefrau des Edelherrn Bertold von Büren, geschenkt hat 2). Viel später gelangte das Haus Welschenbeck in den Besitz von Nagel-Doornick zu Vornholz. Der ganze Rittersitz Welschenbeck, so Böckler, gehöre in den Pfarrbezirk Belecke. In der Tat gilt das Haus heute, nachdem in den unteren Räumlichkeiten ein gemütliches Restaurant mit Café eingerichtet wurde, für die Bürger Beleckes und das angrenzende Möhnetal als lohnendes Ausflugsziel. Besonders im Früh - ling und Sommer bevölkern Radfahrer, die auf der Möhnetrasse Belecke passieren, oder Familien mit Kindern den großzügigen Biergarten. Von alters her verschönt ein idyllisches Teichambiente das geschichtsträchtige Gemäuer. 1) W. Dalhoff, in Praesidium Baduliki, Belecke 1970, p.71 2) Carl Böckler, Geschichtl. Mittheilungen, 1866, Neuauflage 1988, Stadt Warstein, p. 4 von Warstein nach Belecke im Jahre Die bereits 1891 gegründete Firma, die sich auf das Schmieden von Schaufeln, Spaten und Gabeln spezialisiert hatte, erkannte damals schon, dass die Zukunft im Gesenkschmieden lag. So wurde die neue Fabrik in Belecke gebaut und bereits 1916 gehörte die Firma zur Spitze der deutschen Gesenkschmieden, aber durch Inflation und Weltwirtschaftskrise sanken Produktions- und Beschäfti - gungszahlen drastisch. Jedoch erlebte die Firma im Zuge der Rüstungsindustrie einen neuen Aufschwung und hatte 1945 über 1700 Beschäftigte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam der Betrieb völlig zum Erliegen. Die größte Entwicklung vollzog sich jedoch in Belecke nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei große Industriebetriebe siedelten im Möhnetal und der Zufall spielte dabei eine ungeheure Rolle. Die Siepmann- Werke erlebten einen Pro duk tionsboom, in der Gesenkschmiede wurden Teile für den Fahrzeug-, Motoren-, Maschinenund Arma tu renbau geschmiedet, so dass die Zahl der Mitarbeiter von 450 im Jahre 1950 auf 1300 im Jahre 1960 angestiegen war. Bereits 1946 kam es zur Gründung der Tochtergesellschaft Stahl- Armaturen PERSTA. Aus den im Gesenk geschmiedeten Teilen wurden Armaturen für Chemie, Schiffsbau, Kraftwerke usw. hergestellt, so dass diese Firma eine gute Ergänzung zu den Siepmann-Werken war. Im Jahre 1961 konnte der neue Betrieb im Möhnetal eingeweiht werden und technisch hoch entwickelte Trans - ferstraßen wurden zur Produktion der Armaturen eingesetzt. Die Nachfrage war groß und so hatte die Firma 1970 bereits 600 Mitarbeiter beschäftigt. Viele Firmen suchten nach dem Zweiten Weltkrieg neue Fertigungs stätten. So kamen auch 1945 Mitar beiter der AEG- Röhrenfabrik Berlin nach Belecke. Hier fanden sie bei den Siepmann-Werken durch Demontage leer stehende Hallen mit Strom- und Gasanschluss. Die Verhandlungen verliefen positiv und ab Herbst 1945 begann die AEG mit ein paar Mitarbeitern, Halbleiter zu entwickeln und zu produzieren. Niemand ahnte damals, welche Folgen diese Betriebsansiedlung für die Stadt Belecke haben könnte, denn aus den bescheidenen Anfängen entwickelte sich eine der größten Produktionsstätten der Welt für Leistungshalbleiter. Man begegnete AEG- Produkten überall dort, wo Gleichstrom benötigt wurde. Im Jahre 1970 hatte die AEG bereits 1700 Mitarbeiter. Die wirtschaftliche Expansion dieser drei Betriebe war so rasant, dass um 1970 ca Menschen im Möhnetal beschäftigt waren. Und diese Entwick - lung hatte nun endgültig den Charakter der ehemaligen Ackerbürgerstadt in jeder Hinsicht verändert. Die Einwoh - nerzahl hatte sich verdreifacht und war 1970 auf 7150 gestiegen. Die gesamte Bevölkerungsstruktur hatte sich ebenso gewandelt, denn neben den 2500 alteingesessenen Beleckern wohnten nun ca Flüchtlinge und Umsiedler und ebenfalls ca Industriesiedler, die vor allem aus dem Ruhrgebiet kamen, in unserer Stadt. Die Wirtschaftlichkeit einer Stadt ist in erster Linie von der Anzahl der angebotenen Arbeitsplätze abhängig. In Belecke überstieg diese bei weitem die Zahl der einheimischen Erwerbstätigen. So entwickelte sich Belecke mit ca Pendlern zu einem Beschäftigungszentrum, was letztlich auch eine große Verkehrsdichte in den Stoßzeiten bedeutete. Für den Industriestandort Belecke waren die 80er Jahre von großer Be - deutung. Der AEG-Konzern hatte wirtschaftliche Probleme. Davon war auch das Belecker Werk betroffen. Aus der Belecker AEG sind drei neue Firmen hervorgegangen: Die AEG Elek tro fotografie GmbH (EFO), die in den Geschäftsbereichen Entwicklung, Pro duk tion und Vertrieb elektrofotografischer Bildträger tätig ist. Heute hat die Firma rund 230 Beschäftigte. Weiterhin wurde die Firma AEG SVS Power Supply Systems GmbH gegründet. Sie ist ein führender Anbieter von Strom versorgungs-systemen für die unterschiedlichsten Branchen. Der weltweite Spezialist für Stromversorgung beschäftigt rund 360 Mitarbeiter. Als dritte Firma wurde zum die Eupec gegründet, die heute Infineon Techno - logies AG heißt. Schwerpunkt der Produktion sind Silicium-Leistungshalb leiter, die in vielen Bereichen der An triebs- und Transporttechnik benötigt werden. Im Bereich der erneuerbaren Energien werden Silicium-Halbleiter ebenfalls eingesetzt. Die Produktion findet weltweiten

13 SAUERLAND NR. 2/ Siepmann Schmiederoboter vor einem Drehherdofen Werksfoto: Siepmann-Werke Absatz. Die Firma Infineon verfügt über 60 Jahre Know-how und Erfahrung, ist führend auf dem Weltmarkt und hat zurzeit 1300 Beschäftigte. Auch bei den Siepmann-Werken hat es in den vergangenen Jahren einen Strukturwandel gegeben. Heute produziert man nicht mehr für die Auto - industrie, sondern für Maschi nenbau, Nutzfahrzeuge und Windkraftanlagen und gleichzeitig hat sich die Firma auf die Produktion schwerer Gesenkschmiede - stücke spezialisiert. Es gab in letzter Zeit große Produktions- und Umsatzsteige - rungen, hohe Investitionen und Kapa - zitätserweiterungen, so dass die Siep - mann-werke mit ihren Produkten auf dem gesamten Weltmarkt konkurrenzfähig sind. Das gleiche gilt für die Tochtergesellschaft Stahl-Armaturen PERSTA, deren Produkte zu mehr als 50% in den Export gehen. Industrie-Armaturen aus Belecke finden wir in Europa und der ganzen Welt. Attraktive Märkte sind un- (Lesen Sie weiter auf Seite 66) Infineon Bedampfen von Halbleitern im Infineon-Werk in Belecke Werksfoto: Infineon

14 66 SAUERLAND NR. 2/2008 Brauchtum in Belecke von Hans-Jürgen Hense Bräuche sind jährlich wiederkehrende besondere Ereignisse oder Veranstaltun gen, die vor langer Zeit von den Vor - fahren ins Leben gerufen und durchgehend begangen worden sind und auch weiterhin gepflegt werden. Es gibt aber auch Brauchtum, das zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten oder bewusst nicht gelebt worden ist. Auch in Belecke finden wir beide Arten von Brauchtum: Bräuche, die seit Jahrhun der ten jähr lich begangen werden, und solche, die in den letzten Jahr zehn - ten wieder belebt worden sind. Ein besonders hohes Maß an Kontinuität weisen die kirchlichen ter anderem Indien und China und langfristig soll der Export auf 70% erweitert werden. Außerdem haben sich in jüngster Zeit in Belecke zwei größere Industrie - standorte entwickelt: Zum einen das Gewerbe- und Industriegebiet Wiebusch mit einer Größe von 15 ha, 23 Firmen und ca. 200 Beschäftigten. Und im Haar - bereich nördlich von Belecke liegt der Industriepark Warstein-Belecke, deren Verkehrsanbindung (Autobahn) besonders optimal ist. Hier hatten sich bis April 2008 schon 32 Unternehmen mit ca. 650 Arbeitsplätzen angesiedelt. So kann man sicherlich mit gutem Recht sagen, dass Belecke der bedeutendste Industriestandort im oberen Möhnetal ist und durch seine Produkte Made in Belecke zur weltweiten Globa - lisierung beiträgt. Daneben bestimmen aber auch Handwerk, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen das Wirtschafts - leben und machen Belecke zu einer lebens- und liebenswerten Stadt. Bräuche auf, hier besonders die traditionellen Prozes si onen: Die Him mel - fahrtspro zes sion führt durch die historische Alt stadt, im An schluss daran lädt die Musikvereinigung Belecke zu einem Jeden Mittwoch vor Pfingsten erinnern die Sturmtagskanoniere mit ihrer Kanone an den Sturmtag von 1448, dann wird ab fünf Uhr geböllert. (Fortsetzung von Seite 65) festlichen Konzert ins Jungendheim ein. Die Fronleichnamsprozession beginnt in der Pankratiuskirche und endet in der Hl.-Kreuz-Kirche, verbindet quasi beide bisherigen Pfarrgemeinden. Von der ehemaligen Feldprozession zu Pfingsten ist heute noch das feierliche Pfingst - hochamt unter freiem Himmel an der Külbenkapelle erhalten geblieben, bei dem im Wechsel herausragende geistliche Persönlichkeiten (Äbte, Bischöfe u. a.) jeweils mitzelebrieren und die Predigt halten. Seit 1971 findet im Einzugsbereich der Hl.-Kreuz-Kirche Anfang Mai anlässlich des Festes Kreuz-Auffindung die Kreuzprozession statt, anknüpfend an die früheren Prozessionen zur Kreuz - kapelle an der Külbe. Im Laufe der letzten Jahre sind weitere Bräuche wieder ins Leben gerufen worden: Der Gang zur Mutterkirche nach Altenrüthen, Palm binden vor Palmsonntag, Sternsinger, Agapefeier in der Osternacht und Kräu terweihe am 15. August. Das weltliche Brauchtum spielt im Belecker Leben eine große Rolle. All - jährlich am Sonntag nach dem 15. Juli feiert die Bürgerschützengesellschaft von 1712, deren erste Erwähnung bis in das Jahr 1448 zurückgeht, das traditionelle Schützenfest. Der Belecker Karneval, organisiert von der Großen Belecker Karnevalsgesellschaft von 1905, gehört seit Jahrzehnten zu den Höhepunkten des sauerländischen Karnevals. Heraus ragende Veranstaltung ist hierbei der traditionelle Rosenmontagszug, an dem sich neben Belecker Vereinen und Grup pen seit vielen Jahren Aktive und Vereine aus den umliegenden Dörfern des Möhnetals und der Haar beteiligen. Die Große Belecker Karnevalsge- Foto: Michael Sprenger sell schaft hat nach dem Zweiten Weltkrieg den alten Brauch der Verteilung des Döbberstutens wieder belebt. Am Lüttkefastnachtstag wird dieses bei den Kindern beliebte Gebäck in den Belecker Kindergärten und der Grundschule von den Karnevalisten verteilt. Dieser Brauch geht auf die Familie Döbber zurück, die im 15. Jahrhundert in Belecke lebte. Nach ihrem Tod vermachte sie der Belecker Kirche 16 Morgen Land. Dafür mussten zum Gedächtnis jährlich zwei Messen gelesen werden. Geistliche, Kirchendiener und Schulkinder erhielten nach dem Gottes dienst Semmeln aus Weizenmehl (Döb berstuten). Zentraler Brauchtumstag in Belecke und wohl einmalig im Sauerland ist der Belecker Sturmtag: Am Mittwoch vor Pfingsten gedenkt die Belecker Bevöl - kerung der Soester Fehde ( ), hier besonders des Tages, an dem die Männer und Frauen Beleckes den Angriff der Soester mit Mut und Klugheit abgewehrt haben. Der Tag wird früh - mor gens eröffnet durch die Böller - schüsse der Belecker Sturm tagskano - niere. Am Abend findet in der Pan -

15 SAUERLAND NR. 2/ kratiuskirche ein Hochamt im Wech sel mit einem ökumenischen Gottes dienst statt. An schließend geht es im Festzug zum Heimatabend in die Belecker Schützen halle, an dem viele Gruppie - rungen und Vereine teilnehmen. Hier wird seit 1989 alljährlich in Erin ne rung an den Bürgermeister Wilke, der bei dem Kampf gegen die Soester sein Leben ließ, der Bürgermeister Wilke Preis an Einzelpersonen, Gruppierun - gen und Vereine verliehen, die sich um Belecke besonders verdient gemacht haben. Anlässlich der 1050-Jahr-Feier Be - leckes gründete sich 1988 die Belecker Nachtwächterzunft, die die Tradition des mittelalterlichen Nachtwächterberufes wieder aufleben lässt: Am Vorabend des Sturmtags kündigen sie mit ihren Lie - dern in der Altstadt dieses besondere Fest an, am Heimatabend wirken sie aktiv mit. Am Tag vor Heiligabend stimmen sie gemeinsam mit einer Bläser - gruppe an verschiedenen Stationen im Ort mit Weihnachtsliedern die Bevöl - kerung auf das bevorstehende Weih - nachtsfest ein. Im Mittelalter kontrollierten Rat und Bürgerschaft alle Jahre in einem feierlichen Schnadezug (Schnot = Gren - ze) die Grenzen der eigenen Gemarkung zu den Nachbargemeinden, da es zu dieser Zeit noch keine katastermäßigen Fluraufnahmen und Karten gab. In Belecke ist dieser alte Brauch Anfang der siebziger Jahre wieder ins Leben gerufen worden und somit überprüfen die Belecker Bürger im Abstand von drei Jahren im Schnadezug mit Musik und Fahnen die richtige Position der Grenzsteine zu den Nachbargemeinden. Auch das Osterfeuer an der Kül - benkapelle hat seinen festen Platz im Belecker Leben. Gab es vor Jahrzehnten noch etliche Osterfeuer an verschiedenen markanten Punkten Beleckes, so hat es sich im Laufe der letzten Jahre auf den weithin sichtbaren Platz an der Külbe zentriert, neuerdings entzündet nach einem Fackellauf mit dem Feuer der Osterkerze in der Pankratiuskirche. Erfreulich bleibt festzustellen, dass das Interesse an den Volksbräuchen, die uns Aufschluss geben über Leben, Denken und Sitten unserer Vorfahren, im Laufe der letzten Jahrzehnte in Belecke zugenommen hat und auch in den Kindern das Interesse an Traditionen geweckt werden kann. Besuchen Sie uns im Internet: Baden Wellness Mitarbeiter dieser Ausgabe Joseph Friederizi, Warstein Dietmar Lange, Warstein Peter Wessel, Warstein Theo Büchter, Warstein Bernhard Müller, Warstein Dr. Erika Richter, Meschede Hans-Jürgen Hense, Warstein Werner F. Cordes, Attendorn Werner Ahrens, Balve Werner Neuhaus, Sundern Friedhelm Walter, Arnsberg Hermann Kesting, Meschede Christel Hoberg-Hesse, Winterberg Reinhard Köhne, Meschede Hans Frölich, Bochum Albert H. Hoffmann, Müschede Karin Kraft, Brilon Manfred Raffenberg, Schmallenberg Michael Schmitt, Sundern Hans Jürgen Rade, Paderborn Dr. Adalbert Müllmann, Brilon Prof. Dr. Hubertus Halbfas, Drolshagen Sauna Öffnungszeiten Bad Sauna Montag Uhr (Frauenschwimmen) Uhr Uhr (Frauensauna) Dienstag-Freitag Uhr (Frühschwimmen) Dienstag-Samstag Uhr Uhr Sonntag, Feiertag Uhr Uhr Unser Sauna-Sommer-Spezial 6x saunen 5x zahlen gültig vom 1. Juni bis 31. August

16 68 SAUERLAND NR. 2/2008 Hespecke ein vergessener Adelssitz im Eckenbachtal bei Attendorn von Werner F. Cordes Auf weit verbreiteten gedruckten Landkarten des 18. Jahrhunderts findet man an der alten Straße von Leipzig nach Köln, die auch als Heiden straße" bezeichnet wird, nahe der Stadt Atten - dorn und benachbart zum ehemaligen Augustiner-Chorherren-Kloster Ewig, die Ortsbezeichnung Hespecke 1. Ab seits der heute ausgebauten Strecke von Attendorn nach Meinerzhagen durch das Ihnetal scheint dieser Ort untergegangen zu sein und wird in den offiziellen Karten nicht mehr genannt. Die alte Trasse der Kölner Straße knickte an der als Hespecke bezeichneten Stelle ab und führte über eine leichte Anhöhe hinunter in das Ihnetal nach Merklinghausen. An dem Knickpunkt ist ein verhältnismäßig großes einzelnes Gebäude zu sehen, das zuletzt in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als Stall und Scheune genutzt wurde und seitdem leer steht. Albert Hömberg nennt Hespecke ein kölnisches Lehn - gut, das bereits im 13. Jahrhundert Sitz einer Dienstmannenfamilie von Hersebeke 2 war. In den Regesten des ehemaligen Klosters Ewig kommt es bereits in einem Kaufvertrag vom 1. Januar 1376 als Hersebeike vor. 3 Am 15. Januar 1405 versetzen Godert van Ewich und seine Frau Patze zur Absicherung einer Schuld ihren Anteil Landes Volmershyed bei Herßebeke. 4 Weitere Urkunden mit der Erwähnung des Namens finden sich zu den Jahren 1448 (Hof zu Herßbeke) 5, 1456 und 1457 (Hertzebeck) 6, 1467 (an den Weg nach Herspyke stoßend) 7 und 1680 (Heßpecke) 8. Der Grund für die Nennung des Namens auf den alten Landkarten liegt also darin, dass er einen traditionsreichen und früher wohl auch repräsentativen Adels sitz kennzeichnet, der unmittelbar an der Köl ner Straße lag. Von der Fa - milie v. Hersebeke gelangte das Lehn - gut über die v. Steinen und v. Ostentrop gen. Bockemolle an den Bilsteiner Drosten Kaspar v. Fürsten - berg, dessen Tage bücher die ergiebigste Quelle für die Geschichte des ehemaligen Ritterguts sind. 9 So erfahren wir, wie Fürstenberg sich nach einem freundschaftlichen Hinweis das durch ein Versäumnis der bisherigen Inhaber freigewordene Lehen von dem Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß v. Wald burg übertragen lässt. 10 Er verwickelt sich dadurch in langjährige Auseinan der - setzungen mit der Familie seines Vor - gängers, setzt sich aber durch und schreibt zum Abschluss des Jahres 1607 in den Kalender: Ich hab mit 1500 und mehe talern friden... von wegen der hofe zu Herßbecke gemacht. 11 Noch am 28. Januar dieses Jahres hatte er notiert: Wilhelm vom Neuen hove zu Ahausen schreibt und warnet mich für Lodowigh Dresch zu hüten, dan er hab sich öffentlich verlauten laßen, mich odir Hespecke, Stall- und Scheunengebäude von SW (2008) (1) meinen son von wegen der furderung der höve zu Hesbecke zu erschießen. 12 Bereits unter dem 29. März 1581 hatte Kaspar von Fürstenberg vermerkt: Der gogreve schreibt an mich belan - gendt die Gelegenheit des guts zu Hesbecke ist ein ansehentlich stuck. 13 Aus dem Tagebuch geht auch hervor, dass es sich um zwei Höfe und einen Teich handelt. Vom 5. Oktober 1592 berichtet er: Ich zihe uf meine hove zu Hesbeke mit dem gogreven und fische daselbst. 14 Vom 18. März 1599 findet sich die Notiz: Laß den deich zu Hesbecke fischen. 15 Mit den Pächtern und den Chor - herren des benachbarten Klosters Ewig hatte er schon früh Kontakt aufgenommen und daselbst suppen geßen sowie im selben Jahr 1581 am 4. September ein ansehentlich gelach mit den nachpurn gehalten. Des abents zusamen uf Ewigh geruckt. 16 Hespecke von NO vor dem Umbau (um I960) (2) 1595 fertiggestelltes Haus der Familie von Stockhausen in Olpe (1974) (3)

17 SAUERLAND NR. 2/ Alte Eiche oberhalb des Hauses Hespecke (2008) (4) Der Attendorner Pfarrer Johannes Zeppenfeld, der nach den Wirren der ers - ten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Renten der Pfarrei neu erfasst hat, registriert in der Alveringhauser Bauer - schaft auch Hespecke und führt aus: dis sein bey meiner zeith noch 2 follencommene guter gewesen... nach dem aber das oberste haus ab gebrendt, hat sey lassen drost furstenberg, dem sie zu gehoeren, in ene coloney zihen. 17 baut und durch weitere, von außen nicht sichtbare Maueranker mit dem Ur - sprungsbau verklammert. Die Zugänge lagen jeweils auf den Giebelseiten. Talaufwärts öffnete sich der Bau in einem großen rundbogigen, heute durch Mauerwerk verschlossenen Tor, dessen Keilstein und Umriss sich deutlich im Putz abzeichnen, während auf der talabwärts gerichteten, früher das kleine Tal beherrschenden Schauseite sich ein repräsentatives Portal mit einer mehrstufigen Treppe befand. Vom Typ her ähnelt der Kernbau von Hespecke, welcher ein Walmdach gehabt hat, sehr stark dem 1595 für den Olper Richter Ludwig v. Stockhausen, einen Schwiegersohn Kaspars v. Für s - tenberg, fertiggestellten Haus. 18 Man kann sich nach den Ausfüh rungen der Tagebücher gut eine Vor stellung vom Leben auf den ehemaligen Hespecker Höfen machen. Ältere Leute erinnern sich Zep penfeld muss damit das heute in Hespecke vorhandene Anwesen gemeint haben, denn in dem erwähnten unscheinbaren Funktionsgebäude, das in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg noch bewohnt wurde, verbirgt sich der eindrucksvolle Kern eines herrschaftlichen Hauses aus der Barockzeit, von dem zwei volle Geschosse über massiven Gewölbekellern erhalten sind. Das Dach wurde offensichtlich durch Aufrichtung von Giebeln später geändert. Bei entsprechendem Tageslicht zeigen sich in den starken Bruchsteinmauern aus heimischer Grauwacke, in denen jetzt moderne Stahlluken und Ventilatoren zu sehen sind, die Umrisse von Segment - bögen vermauerter Fenster. Auffällig sind zwei Reihen geschmiedeter Anker auf der NO- und SW-Seite, welche auf zwei verschiedene Bauperioden hinweisen. Der südöstliche, talwärts gerichtete Teil mit drei Fensterachsen auf jeder Seite ist selbständig unterkellert und hat einen Außengrundriss von etwa 12 mal 12 Metern. Der nordwestliche, größere Bereich wurde anscheinend später angenoch an den jetzt verschwundenen Vorgarten und den Teich mit der großen Insel, von deren Baum bestand nur noch eine alte Eiche übriggeblieben ist. Fotonachweis 1 u. 4 Anka Cordes-Leick; 2 Archiv Prof. Dr. Erich Lehr; 3 Stadtarchiv Olpe Anmerkungen 1 Vgl. dazu Johann Baptist Homann, Nova Ducatus Westfaliae Tabula, Nürnberg Ferner: A. u. H. Schmoranzer, H. L. Knau, E. Loch, Wandern und Pilgern auf der Heiden - straße, Paderborn 2007, S. 16, Karte von Christoph Max. Pronner, Nürnberg 1754 und S Albert K. Hömberg, Geschichte des Kreises Olpe bis 1800, in: Heimatchronik des Kreises Olpe, Köln 1958, S Norbert Scheele, Regesten des ehemaligen Klosters Ewig, Olpe 1963, S. 2, Nr N. Scheele (wie Anm. 3), S. 6, Nr N. Scheele (wie Anm. 3), S. 20, Nr N. Scheele (wie Anm. 3), S. 25, Nr. 95 u. S. 27, Nr N. Scheele (wie Anm. 3), S. 39, Nr N. Scheele (wie Anm. 3), S. 146, Nr Albert K. Hömberg, Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen, Heft 9, Münster 1975, S In einem Aufsatz des Autors zur Heidenstraße (Sauerland 1/2008, S. 16 f.) wurde versehentlich die Familie von Heygen als frühere Besitzerin des Gutes Hespecke genannt. 10 Alfred Bruns (Bearb.), Die Tagebücher Kaspars v. Fürstenberg, Teil 1, Münster 1987, S. 124, 25. u. 28. März. 11 Alfred Bruns (Bearb.), Die Tagebücher Kaspars v. Fürstenberg, Teil 2, Münster 1987, S A. Bruns (wie Anm. 11), S. 348, 28. Januar. 13 A. Bruns (wie Anm. 10), S. 124, 29. März. 14 A. Bruns (wie Anm. 10), S. 492, 5. Oktober. 15 A. Bruns (wie Anm. 10), S. 784, 18. März. 16 A. Bruns (wie Anm. 10), S. 140, 4. September. 17 Johannes Zeppenfeld, Pastorath Renthen Buch, Renovirt 1658, Handschrift im Pfarrarchiv Attendorn, B 45. Zu Einzelheiten der Besitzgeschichte siehe Wingolf Scherer, Gut Hespecke bei Ewig/Attendorn und seine Besitzer, in: HSO, 167. Folge, Olpe 1992, S A. Bruns (wie Anm. 10), S. 624, 17. Oktober. Für freundliche Auskünfte und die Überlassung von Bildmaterial danke ich Herrn Horst Arens in Atten - dorn, Herrn Prof. Dr. Erich Lehr in Waldalgesheim und Herrn Stadtarchivar Josef Wermert in Olpe. EXCLUSIVE HERRENMODE SEIT 1928 Lange Wende 94 Mendener Straße 8 Tel / Tel / Arnsberg-Neheim

18 70 SAUERLAND NR. 2/2008 Ein Kreuzwegbild erfährt nach 400 Jahren, im Jahr 2008, eine Aufwertung von Werner Ahrens Im Jahr 1498 schuf ALBRECHT DÜRER den Holzschnitt:»Kreuztragung Christi«, Größe 389 x 282 mm. Mit seinen Holzschnitten hatte Dürer einen lebhaften Handel in ganz Europa getrieben. Noch heute sind fast alle Holz schnitte von ihm verfügbar und sogar auch noch einige Druckstöcke. So ist es nicht verwunderlich, dass dem Maler Heinrich Strotmann aus Arns berg dieser Holzschnitt bekannt war oder sogar vorlag, als er von Johannes von Plettenberg den Auftrag zu einem Bild für einen Stif - tungs altar für seinen tödlich verunglückten, mächtigen Schwa ger, Land droste Hermann von Hatzfeld, bekam. Schon vor dem 30-jährigen Krieg wütete im Balver Land der Irrsinn der Hexenverfolgung. Auch Hermann von Hatzfeld war der Hexenverfolgung im Balver Land verfallen. Für alle Menschen war das damalige Leben ein Kreuzweg In der Kunstgeschichte kommt es oft vor, dass Maler von ihren Vorbildern Motive übernommen haben, d. h. nicht, dass sie einfach alles nachgemalt haben, sie haben bildliche Darstellungen abgewandelt, neue Ausdrucksmittel und einen neuen Bezug zum Thema geschaffen. Diese Freiheit hat sich, ca. 100 Jahre nach Dürers Holzschnitt, auch der mutige Maler Heinrich Strotmann mit der»verdeckten«abführung der Hexen, genommen. Der Landdroste Hermann von Hatzfeld wird als Simon von Cyrene dargestellt, der noch nicht richtig helfend zufasst. In diesem Zusammenhang gewinnt das Kreuzwegbild von Heinrich Strot - mann in der Balver romanischen Pfarr - kirche St. Blasius heute eine interessante Aufwertung. Der Maler Heinrich Strotmann übt mit diesem Bild Kritik am religiösen Leben, dem allgemeinen Zustand. Man will das Böse vernichten, die Menchen zum Guten führen, aber erreicht das Gegenteil. Die Menschen werden hilflos. Dürer zeigt den historischen Ablauf. Eine bildliche Beschreibung, wie Jesus auf dem Weg zur Richtstätte den weinenden Frauen begegnet. Links unten: Veronika reicht das Schweißtuch, Maria, Maria Magdalena, Johannes und ein Mann mit einer Leiter folgen dem kreuztragenden Christus. Simon hilft Jesus das Kreuz zu tragen. Gestalterisch bildet die Gruppe ein Dreieck. Schergen mit Lanzen und Spießen kommen von links aus dem Stadttor. Die Abbildung soll ehrliches Mitgefühl wecken für den schweren Weg, den Jesus gehen musste. Das Bild von Heinrich Strotmann zeigt eine zeitgenössische, politische Szene der Kreuztragung Jesu und gleichzeitig zurückhaltend den»kreuz weg der Frauen«, die als Hexen zum Tod verurteilt sind. Die Kreuztragung, an sich ist ein bekanntes Motiv, steht optisch im Vordergrund und»verdeckt«so den Blick auf den zentralen Punkt der Szene, die Abführung der Hexen! Dieses Bild unterliegt einer anderen Absicht: Kein ergriffenes Volk, nur die Wut der Schergen wird gezeigt! Kein

19 SAUERLAND NR. 2/ leidtragendes Umfeld, nur Christus leidet. Hier wird eine absurde Tat angeklagt, ein Teufelskreis! Die Bildproportion und der Bildaufbau ist bei beiden Bildern gleich. Wenn wir zum näheren Vergleich noch ein Gestaltungsgitter darüber decken, erkennen wir, dass fünf Teile fast identisch sind und sich auch noch an der gleichen Stelle befinden. 14. September 2008 Tag des offenen Denkmals Der bundesweite Tag des offenen Denkmals findet jedes Jahr am 2. Sonntag im September statt. Ziel des Tages ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken. Der Denkmaltag bietet dabei auf sehr unterschiedliche Weise Geschichte zum Anfassen und lädt Architektur- und Geschichtsliebhaber zu Streifzügen in die Vergangenheit ein. Der Tag des offenen Denkmals kommt nur dank vieler Institutionen, Kreise, Städte, Gemein den, Verbände, Vereine, privater Denk maleigentümer und Bürgerinitiativen zustande. Die lokale Presse berichtet darüber und unterstützt so die Idee des Denkmalschutzes. Merken Sie sich die Termine vor Ort vor. Ein bundesweite Veranstaltungsprogramm wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in gedruckter Version und im Internet unter verfügbar gemacht. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 15. August 2008

20 72 SAUERLAND NR. 2/2008 Von Rochuskapelle und Revolution: Ursachen und Folgen der Revolution von 1848 in Sundern von Werner Neuhaus Vor fast genau 160 Jahren ging, ausgehend von Paris, eine Welle von revolutionären Ereignissen auch über die Einzelstaaten des Deutschen Bundes hinweg. Zwar lagen die Zentren dort zu - nächst in Haupt- und Großstädten wie Berlin, Wien und Frankfurt, aber die Revolution strahlte von dort auch in eine Reihe der rasch wachsenden Industrie - städte sowie auf das noch weitgehend vorindustrielle platte Land aus. 1 Auch das Sauerland erlebte, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Intensität, die Ausläufer dieser Bewegungen. Im Folgenden sollen vor dem Hintergrund regionaler und lokaler sozialer und wirtschaftlicher Ent - wicklungen die Ereignisse der Revo - lutionszeit in Sundern näher ins Auge gefasst werden. Wie in vielen anderen Regionen, so waren die 1840er Jahre auch in dem Gebiet um Sundern von einer Reihe von krisenhaften Entwicklungen geprägt. So war die Bevölkerung im Zeitraum von 1818 bis 1843 zwar von 620 auf 855 gestiegen, 2 aber diesem in erster Linie auf die hohe Gebürtigkeit der einheimischen Bevölkerung sowie die Zu wan - derung aus umliegenden Dörfern zu - rückzuführenden Bevölkerungswachs - tum entsprach nicht eine angemessene Erweiterung der Verdienstmöglich kei - ten. Die mit Wasserkraft und Holzkohle betriebenen Eisenhämmer und Hütten dieses Raumes kämpften einen aussichtslosen Kampf gegen die übermächtige Konkurrenz des nahen Ruhr ge - bietes, so dass einige von ihnen in den 1840er Jahren schließen mussten. 3 Da - gegen nahmen die teilweise auf dem Gelände dieser protoindustriellen An lagen gegründeten Papierfabriken häufig erst in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Betrieb auf. 4 Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Auswan - derungswillige in den 1840er Jahren in Sundern häufig aus der Gruppe der Köhler, Hammerschmiede und Tagelöh ner kamen, 5 denn offensichtlich fühlten die Angehörigen dieser unteren Gesell - schaftsschicht die Auswirkungen der Krise am schärfsten. Eine gut entwickelte Heimindustrie, etwa in den Bereichen Spinnerei und Leineweberei, existierte in Sundern nicht, auch wenn einige Tagelöhner sich durch diese hausindustriellen Beschäftigungen ein Zubrot verdienten und ihre häufig kinderreichen Familien ernährten. Eine nennenswerte Eisen verarbeitende Industrie gab es nicht und auch das häufig überbesetzte Handwerk bot kaum Möglichkeiten, die zahlreichen, aber häufig nicht entsprechend ausgebildeten Arbeitssuchenden angemessen zu beschäftigen. Zu diesen Problemen im sekundären Sektor gesellten sich seit langer Zeit bestehende und sich teilweise verschärfende Konflikte im landwirtschaftlichen Bereich. Wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch führend war die Schicht der 62 markberechtigten Bauern. Ihnen standen die Gruppen der mit weniger Grundbesitz ausgestatteten Anbauern sowie die häufig völlig landlosen Bei lieger oder Beisassen gegenüber. Zwi schen diesen Gruppen gab es Ausein - andersetzungen um Mast- und Hude - rechte im Gemeindewald, die Berech - tigung zum Holzsammeln oder den Beitrag zur Gemeinde- und Schul steuer, um nur einige Konfliktherde der ländlichen Gesellschaft zu nennen. Zu diesen strukturellen Krisenherden in Industrie und Landwirtschaft traten in den 1840er Jahren kurzfristig auftretende Probleme. So kam es in Westfalen zu einer witterungsbedingten Agrarkrise, so dass es auch hier zu weit verbreiteter Armut und Hungersnöten kam. 6 Auch der Sunderner Gemeindevorstand sah sich angesichts der Tatsache, dass die Noth unter den hiesigen Armen zur Zeit außerordentlich groß sei, mehrfach gezwungen, das von der Arnsberger Regie rung angebotene verbilligte Getreide anzukaufen, um die hungernde Bevölke rung halbwegs angemessen ernähren zu können. 7 Vor diesem Hintergrund sollen nun die Ereignisse in Sundern in der Revo lutionszeit dargestellt werden. Zwar waren Westfalen und insbesondere das Sauerland keine Zentren revolutionärer Betätigungen und Ereignisse, aber auch hier gab es eine Reihe von Aktivitäten, die sich gegen politische, wirtschaftliche und soziale Missstände in den jeweils betroffenen Regionen, Städten und Gemeinden richteten. Aus den Ämtern Balve, Hüsten, Grevenstein, Meschede, Brilon und Freienohl häuften sich in den Märztagen des Jahres 1848 die für die Obrigkeit beängstigenden Nachrichten von Zusammenrottungen und Aufruhr auch auf dem platten Lande, wo man teilweise einen neuen Bauernkrieg fürchtete. 8 Besonders richtete sich der offensichtlich lang aufgestaute Zorn der Landbevölkerung gegen die Schlösser und Landsitze des Adels sowie die dort residierenden Guts - verwalter und Förster. 9 Auch in der unmittelbaren Nachbarschaft von Sun dern, in der kleinen Titularstadt Allen dorf, machten sich eine Reihe aufgebrachter Bürger auf den Weg zum nahe gelegenen Schloss des Freiherrn von Wrede in Amecke, um ihre Jagdgewehre zurückzufordern. Nach Erfüllung ihrer For - derungen ließen sie sich ihren revolutionären Elan allerdings schnell mit Schnaps und Schinkenbroten abkaufen, wie eine folkloristisch angehauchte Lo - kal geschichtsschreibung noch heute stolz berichtet. 10 Immerhin hatte man aber auch in Sundern gehörigen Respekt vor revolutionären Ereignissen, denn der Gemeindevorstand befand am 27. März 1848, dass es nach den jetzigen Zeit - ver hältnissen dringend erforderlich sei, dass zum Schutze hiesiger Gemeinde, zum Schutze des Eigenthums und zur Aufrechterhaltung der Ordnung gegen jedwede Störung ( ) die geeigneten Vorkehrungen zu treffen seien. 11 Ob der deshalb eingestellte Nachtwächter ein geeignetes Mittel gegen eine politische und soziale Revolution war, soll hier nicht näher diskutiert werden, aber offensichtlich gab es auch in Sundern eine gehörige Portion Sorgen vor revolutionären Umtrieben. Deshalb sah man offensichtlich auch nach dem Abflauen der ersten Welle und dem Wieder erstarken der konservativ-monarchischen Kräfte in Berlin in Sundern die Notwendigkeit, eine Bürgerwehr einzurichten, um zukünftigen Unruhen tatkräftig vorzubeugen. Zwar hatte Amt mann Riedel sofort nach dem Allen dorfer Sturm auf das Amecker Schloss nach Arnsberg gemeldet, dass nichts Ernsthaftes vorgefallen sei, und auch gegenüber Landrat von Lilien betonte er die gänzliche Ruhe, die in den hiesigen Gemeinden geherrscht hat. 12 Dennoch bleibt festzuhalten, dass den oberen Schichten in und um Sundern die Revo lutionsfurcht gehörig in die Knochen gefahren war. Diese Fakten gilt es im Auge zu behalten, wenn wir uns nun den konkreten Ereignissen in Sundern während und nach

21 SAUERLAND NR. 2/ der Revolutionszeit zuwenden. Offen - sichtlich war es gegen Ende der 40er Jahre zu einem tiefgreifenden Zerwürfnis zwischen Pfarrer Kleff und dem Küster, Organisten und Lehrer Anton Hümmeler gekommen, der seit 1822 die Stelle des Sunderner Schul meisters innehatte. Ende Februar 1850 schickte der Pfarrer ein von ihm selbst und einem weiteren Kirchenvorstands mitglied unterzeichnetes 16 Seiten langes Schreiben an das Paderborner Ge neralvikariat. 13 Zunächst wurde darin Hümmelers mangelhafte Arbeit als Küster und Organist in scharfen Worten gerügt, denn er sei unzuverlässig, faul und inkompetent. Außerdem versuche er, die Pfarreingesessenen gegen den unterzeichneten Pfarrer zu stimmen. Dabei erfahre er hauptsächlich Hülfe an seinem wegen seiner demokratischen Wühlereien hier weit bekannten Schwie gersohn, Kaufmann Schütte hierselbst. Weiterhin sei er durchaus unqualifiziert für das Amt eines Lehrers, und so seien seine Schüler in den nothwendigs - ten Unterrichtsgegenständen ungeheuer zurück, da der Lehrer seine Auf ga ben bei seinem beschränkten Ver stan de nicht erfüllen könne. In seinem Antwortschreiben vom wehrte sich der angegriffene Lehrer gegen seine beiden Wider - sacher, die ihre Zwecke auf dem faulen Moor grunde grober Unwahrheiten und entstellter Thatsachen gegen ihn verfolgten. Um seinen Argumenten mehr Durchschlagskraft zu verleihen, legte er seinem Schreiben ein Gutachten des früheren Sunderner Pfarrers Flüter vom bei, der Hümmeler tadellose Arbeit als Küster und Organist bestätigte. Außerdem fügte der Lehrer eine Liste mit 138 Unterschriften Sunderner Bür - ger hinzu, die ihre Zufriedenheit mit Hümmelers Arbeit als Küster, Organist und Lehrer zum Ausdruck brachten. Im April des gleichen Jahres hatte bereits der Allendorfer Amtmann Riedel die Meinung vertreten, Hümmeler habe schon 28 Jahre als Lehrer fungiert und zur ziemlichen Zufriedenheit der Schule vorgestanden, so dass der Antrag Kleffs auf Dienstentlassung des Lehrers nicht gerechtfertigt sei. 14 Somit standen im Sommer 1850 die Chancen des altgedienten Schulmeisters Erste Seite der Unterschriftenliste für Lehrer Hümmeler nicht schlecht, zumindest sein Amt als Lehrer behalten zu können, aber Pfarrer Kleff gab sich natürlich nicht widerstandslos geschlagen. Gegenüber dem Allendorfer Amtmann klagte er, Hümmeler habe entgegen geltendem Recht ohne Erlaubnis kirchlicher oder kommunaler Gremien einen völlig ungeeigneten Ersatzlehrer eingestellt, als er längere Zeit erkrankt gewesen sei. Außerdem habe er an der Rochus kapelle eigenmächtig einen Opfer kasten anbringen lassen und die dort gestifteten Gelder ohne Zustim mung des Pfarrers ausgegeben. Später präzisierte er diesen Vorwurf dahingehend, dass in den politisch aufgeregten Jahren der Revolutionzeit der demokratischer Umtriebe verdächtigte Eleve an der Malerakademie Düssel dorf, namens Joseph Bergen thal, bei seinem Vor munde, dem Wirte und Kauf mann Schütte, Schwiegersohn des Lehrers Hüm me ler, sein Domicil aufgeschlagen und in der Rochus kapelle gearbeitet habe. 15 Aus Hümmelers Sicht stellte sich die Sachlage allerdings völlig anders dar. Ausgangspunkt seiner Argumentation ist die Tatsache, dass die Kapelle auf eine private Stif tung zurückging und folglich nicht als Eigentum der Kirchengemeinde betrachtet werden könne. Da die Kapelle nach seinen Worten in einem ihrer Würde nicht entsprechenden Zustand dastand, habe er einen Opferkasten anbringen lassen und die milden Gaben zur Beschaffung der nöthigen Materi alien zum Anstreichen und Vergolden verwendet sowie den Rest aus (seiner eigenen) Tasche zugeschossen. Er habe außerdem den aus Sundern stammenden Joseph Bergenthal, Maler der Academie zu Düsseldorf, der zur Zeit in (s)einem Hause wohnte, veranlasst, die Altarbildung zu malen. 16 Auch in Paderborn ging der Streit zwischen Pfarrer und Lehrer weiter. Im Namen des Kirchenvorstandes versuchte Kleff am Hümmelers Argu - ment, dass seine Arbeit bei weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert würde, zu widerlegen, indem er Namen von Bürgern auflistete, die Hümmelers klägliche Amtsführung bestätigen könnten, darunter die Lehrerin Caroline Nottebohm und den Gemeindevorsteher Falke. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass der Ortsvorsteher definitiv gegen ein Wei - terverbleiben Hümmelers im Amte sei, während im Gegensatz zur Behaup -

22 74 SAUERLAND NR. 2/2008 Ganz offensichtlich waren es die grundsätzlichen politischen Bedenken gegen die liberalen Überzeugungen und revolutionären Tätigkeiten Lehrer Hüm - melers und nicht die privaten Querelen mit Pfarrer und Bürgermeister, die die konservative preußische Bürokratie, für die in der Zeit der Reaktion die Volks - schulpolitik ein Zentralstück im Kampf gegen die Revolution 22 war, dazu bewogen, den langjährigen Lehrer nicht weiter zu beschäftigen. So hatte schon im Jahre 1849 König Wilhelm IV. in einer berühmt-berüchtigten Rede gegen die in seinen Augen falsche Ausbildung der Elementarschullehrer durch die Semi nar - leiter vom Leder gezogen. All das Elend, das im verflossenen Jahre über Preußen hereingebrochen, ist Ihre, einzig Ihre Schuld, die Schuld der After - bildung, der irreligiösen Menschen weis - heit, die Sie als echte Weisheit verbreitung des Lehrers nur der stellvertretende Gemeindevorsteher für diesen sei. Damit wäre ein weiterer Problembereich für Hümmeler angesprochen. Ganz offensichtlich hatte er sich auch den langjährigen Schultheißen und Gemein - devorsteher Caspar Falke zum Gegner gemacht, als dieser beanspruchte, durch den Kauf des alten Rathauses der Frei - heit Sundern auch an der Nutzung der Gemeindewaldungen berechtigt zu sein. Diesem Anspruch war Hümmeler als langjähriges Gemeindevorstandsmitglied energisch entgegengetreten und hatte sich dadurch den Unwillen des Gemein - devorstehers zugezogen. Somit waren in dieser Angelegenheit Kirchen-, Schulund Gemeindevorstand gespalten, und in Anbetracht der von beiden Seiten ins Feld geführten Namenslisten ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass der Riss durch das ganze Dorf ging. Gegen Ende seines 27 Seiten umfassenden Schreibens vom führte Pfarrer Kleff dem Generalvikariat in Paderborn gegenüber einen weiteren Aspekt der Tätigkeit Hümmelers vor Augen, der jetzt immer mehr ins Zen trum der Auseinandersetzung rückte. Er informierte Paderborn, dass, sicherer Nachricht zufolge, gegen den Hümmeler von der Königlichen Regierung wegen seines politischen Verhaltens, rechtlich eingeschritten und dass seine baldige Entlassung zu erwarten sein soll. Diesen Aspekt hatte bereits der von Pfarrer Kleff genau informierte Arnsberger Landrat von Lilien in einem Schreiben vom an die preußische Königliche Regierung, Abtheilung des Inneren ausführlich behandelt. 17 Darin berichtet der Verwaltungsbeamte über den Sunderner Lehrer: Der Hümmeler unterzog sich im Monate November 1848 der Samm - lung von Unterschriften für die ihm von hiesigen Demokraten zugesandte Zu - stim mungsadresse an diejenigen Mitglie - der der preußischen National-Versamm - lung, welche am 15. November 1848 die Steuerverweigerung beschlossen und zur Ausführung zu bringen versucht haben. Weiterhin habe er, als auf dem Höhepunkt der Revolution im Mai 1848 der Michael Blome gnt. Fricke zu Sundern behauptete, dass dem Lande eine wahre Wohltat geschehen sei, wenn der König erschossen worden sei, gegen den Protest des Gemeindevertreters Heinrich Scheffer gnt. Hoppenhöfers der Aussage Blomes zugestimmt. Auch habe Hümmeler die bekannten wühlerischen Paderborner Blätter, die West - phälische Zeitung und den Paderborner Volksboten, gehalten, was namhafte Sunderner Bürger bezeugen könnten. Außerdem stünde der Hümmeler im Verdachte, bei Gelegenheit des Iserloh - ner Aufstandes im Mai (1849) mit den Anführern der Aufständischen korrespondiert zu haben sowie aus Allendorf verdächtige Schreiben von Revolutions - sympathisanten bekommen zu haben. Der gleiche Vorwurf werde Hümmelers Schwiegersohn, dem Kaufmann und Wirt Schütte, gemacht. Zudem habe der Lehrer in der politisch bewegten Zeit des Jahres 1848 in der Schule beim Unterrichten der Kinder geraucht und Zeitungen gelesen und den Kindern daraus politische Vorträge gehalten. Diese Dinge seien in Sundern allbekannt und könnten von der Lehrerin Nottebohm sowie einer Reihe von Schülern bezeugt werden. Zum Abschluss kam der Landrat noch auf die bereits erwähnten Strei - tigkeiten um die Renovierung der Rochus kapelle sowie eine private Ver - leumdungsklage Kleffs gegen Hüm meler vor dem Amtsgericht in Arnsberg zu sprechen. Daraufhin bat das Generalvikariat am den Oberstaatsanwalt in Arnsberg um Auskunft, da Hümmeler der Majestätsbeleidigung und der Con - spiration mit den Iserlohner Aufrüh rern beschuldigt würde. Einen Monat später bestätigte die Staatsanwaltschaft gegenüber dem Generalvikariat diesen Sach - verhalt 18 und teilte außerdem mit, dass Hümmeler wegen Beleidigung Kleffs zu einer Geldstrafe verurteilt worden sei. Als der Lehrer in die Berufung ging, bestätigte auch die zweite Instanz dieses Urteil, wie der Arnsberger Vertreter der Staatsanwaltschaft am 3. Februar 1851 dem Amtmann in Allendorf mitteilte. 19 Als das bischöfliche Generalvikariat mit Verfügung vom 26. März 1851 Hüm - meler als Organist und Küster entließ und diese Entscheidung am 20. Mai dem preußischen Innenministerium mitteilte, war offensichtlich auch dessen Position als Lehrer nicht mehr haltbar. Am 2. Juni 1851 teilte die zuständige Abteilung des Inneren dem Landrat mit, dass dem Lehrer auch die von uns bisher nur nach sichtlich gestattete bisherige Ver - waltung der Elementarlehrer-Stelle zu Sundern, wie hiermit geschieht, zu entziehen sei. 20 Man nannte also keinen inhaltlichen Entlassungsgrund, sondern berief sich lediglich auf das formalrechtliche Argument, Hümmeler sei 1822 nur kommissarisch eingestellt worden, habe also fast 30 Jahre lang gar keine feste Anstellung gehabt und könne deshalb auch jederzeit wieder entlassen werden! 21

23 SAUERLAND NR. 2/ Lehrer Anton Hümmeler ten, mit der Sie den Glauben und die Treue in dem Gemüthe meiner Unter - thanen ausgerottet und deren Herzen von mir abgewandt haben. Er werde solches Unwesen zu steuern wissen, damit die angehenden Lehrer den unheilvollen Einflüssen eines verpesteten Zeitgeistes entzogen würden. 23 Was Seine Majestät damit meinte, wurde sofort für jedermann klar: Gerichts ver - fahren, Disziplinarstrafen, Entlassun gen das war die Quittung, welche die siegreiche Gegenrevolution unverzüglich präsentierte wurden die Lehrer vor den Landtagswahlen auf die Pflicht der Treue gegenüber den regierungsnahen Kandidaten eingeschworen; jede Verletzung der Dienstpflicht sei sofort mit der Entfernung aus dem Amte zu ahnden. 24 Dabei spielten auch die Pfar - rer, die auf dem Lande traditionell als Schulinspektoren arbeiteten, eine ent - schei dende Rolle: Die geistliche Schulaufsicht war 1848 nicht demontiert, sondern die Schulinspektoren waren sogar aufgefordert worden, gerade über das Verhalten ihrer Schutz be fohlenen während der Revolutionsereig nisse rückhaltlos zu berichten und mögliche Verfehlungen zur Anzeige zu bringen. 25 So konnte auch in Sundern Pfarrer Kleff, nachdem er maßgeblich an der Entlassung des bei ihm in Misskredit geratenen Schulmeisters mitgewirkt hatte, den Schulamtskandidaten Carl Bürmann als kommissarischen Vertreter Hümme - lers vorschlagen und durchsetzen, nicht ohne gegenüber den Behörden ausdrücklich zu betonen, dass Bürmann in politischer Beziehung auf sehr gutem Boden stehe. 26 Ebenso musste die Lehrerin Caroline Nottebohm bei ihrer definitiven Anstellung im März 1851 unterschreiben, die Kinder nicht nur angemessen zu unterrichten, sondern auch zu verständigen und gottesfürchtigen Menschen und zu getreuen und nützlichen Unterthanen zu bilden. 27 Lehrer Anton Hümmeler tauchte nach seiner fristlosen Entlassung, die auch noch ohne Bewilligung einer Pen - sion durchgedrückt worden war, in den Akten im Stadt- bzw. Pfarrarchiv kaum noch auf. Da er keinerlei Altersbezüge bekam, musste er sich und seine Familie anderweitig ernähren. So wurde er im Jahre 1867 im Verzeichnis der Wähler für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus des Norddeutschen Bundes als Bäcker in der dritten und damit untersten Wählergruppe aufgeführt. 28 Er hatte sich durch seine vielfältigen politischen, schulischen, kirchlichen und kommunalen Tätigkeiten offensichtlich zwischen alle Stühle gesetzt. Trotz seiner Ver dienste als Lehrer, Küster, Organist, Gemeindeverordneter und Schulvor standsmitglied war er der mächtigen Koalition seiner Gegner in der Reak tionszeit nicht gewachsen. Anders als seine Achtundvierziger Mitstreiter der Student Theodor Canisius aus Allendorf oder der Kunstmaler Josef Bergenthal aus Sundern 29 war er auch nicht in der Lage oder Willens, nach Amerika auszuwandern und dort seinen Traum von politischer Freiheit zu verwirklichen. Er starb im Jahre 1882 in Sundern im Alter von 84 Jahren. Einleitend haben wir auf einige Faktoren hingewiesen, die dem Aus bruch sozialer und politischer Unruhen in Sundern gegen Ende der 1840er Jahre förderlich waren. Versuchen wir abschließend eine knappe Würdigung der Gründe, die für das Scheitern aller liberalen Bemühungen in Sundern und Umgebung während und nach der Revolutionszeit verantwortlich gemacht werden können. Zunächst einmal fehlten fast alle sozialen Voraussetzungen für eine erfolgreiche liberale oder gar demokratische politische Betätigung. Die gesellschaftliche Trägerschicht der meisten emanzipatori- Lehrer Carl Bürmann schen Bewegungen des Vormärz, das Besitz- und Bildungsbürgertum, war in Sundern nur in Spurenelementen vorhanden. Anders als in Nachbarstädten wie Arnsberg, Neheim oder Meschede gab es keine Akademiker, Ärzte, Apo - the ker, Juristen oder Journalisten, die durch ihre Studentenzeiten mit aufklärerischem Gedankengut, mit liberalen Ver - fassungsforderungen und nationalistischem Gedankengut in Kontakt gekommen waren und während der Revo - lutionszeit zumindest zeitweilig für eine Beschränkung des monarchischen Absolutismus und die Errichtung eines Nationalstaates eintraten. 30 Es ist bezeichnend, dass die Handvoll Männer, die sich in jener Zeit im Raum Sundern als Anhänger einer liberalen Bewegung auch öffentlich positionierte, allesamt der dünnen Schicht der dörflichen In - telligenz entstammte: Lehrer Canisius und sein studierender Sohn aus Allen - dorf sowie Lehrer Hümmeler und der Kunststudent Bergenthal aus Sundern. Ebenso wichtig war, dass die amorphe Gruppe der Tagelöhner und Beisassen, Handwerker und Hammerschmiede, Köhler und Knechte selbst Jahrzehnte später noch keine Ansätze zur For - mierung einer tendenziell homogenen Arbeiterklasse zeigte. 31 Zwar gab es Abhängigkeit und Entbehrung, Hunger und soziale Unzufriedenheit, aber die ländliche Gesellschaft bot, besser als die entstehenden Industriemetropolen, den unteren Gesellschaftsgruppen Möglich kei - ten einer wenn auch ärmlichen Existenz-

24 76 SAUERLAND NR. 2/2008 sicherung. Häufig bearbeiteten Tagelöhner, Handwerker und Beisassen noch einen eigenen Garten oder einen kleinen Acker, außerdem hielten viele von ihnen Geflügel, Ziegen, Schafe und Schweine. Letztlich boten in Zeiten wirtschaftlicher Krisen Hilfsarbeiten in den Steinbrüchen in der Nähe Sunderns, in Feld und Wald Möglichkeiten einer wenn auch prekären Existenzsicherung für diese sozialen Gruppen, was sie von einer gewalttätigen sozialen Eruption zurückschrecken ließ. Ebenso wichtig wie diese sozialen Strukturen waren die teilweise an sie geknüpften und durch sie bedingten Men - talitäten. Hier paarten sich der traditionelle Konservatismus der ländlichen Bevölkerung mit einem katholisch geprägten Weltbild, das sich durch die Jahrhunderte alte kurkölnische Herr schaft herausgebildet und tief eingeschliffen hatte. In beiden Sichtweisen herrschte für Liberalismus und Parla mentarismus, Demokratie und Parteien herrschaft wenig Sympathie. So kann es, wie wir am Beispiel der Behandlung Lehrer Hümmelers durch Pfarrer Kleff und Bürgermeister Falke gesehen haben, nicht überraschen, dass Gemein devorstand und Pastor als gleichsam unterste Ebene des antirevolutionären Bündnisses von Thron und Altar gemeinsam Front machten gegen das, was sie als Kräfte des Umsturzes ansahen. Allerdings hatten sich in der Zeit vor der Reichsgründung 1871 angesichts noch nicht bestehender Parteien im Sauerland die politischen Lager noch nicht fest herauskristallisiert, und der politische Einfluss der katholischen Geist lich keit war noch relativ begrenzt. 32 So wurde in Sundern bei der Reichs tags wahl zum Norddeutschen Bund im Februar1868 der liberaldemokratische Kandidat Elven mit großer Mehrheit vor den konservativen bzw. katholischen Kandidaten gewählt. 33 Dieser Trend zeigte sich auch noch bei den Wahlen zum ersten Deutschen Reichstag nach der Reichsgründung. Hier machte Pfar rer Kleff den liberalen Kaufmann Theodor Schütte, den Schwiegersohn Lehrer Hümmelers, für das schlechte Abschneiden des katholischen Kandi daten Peter Reichensperger in Sundern verantwortlich: Schütte habe bei seinem Eintreten für den liberal-konservativen Kandidaten den Leuten vorgeschwindelt, dass wir durch Sundern eine Eisen bahn bekämen und dass der katholische Klerus Deutschland zum Krieg gegen Italien treiben wolle, weil dort das Papsttum vom Staat bedroht sei. 34 Hier klangen bereits Töne an, die wenige Jahre später im Kulturkampf die Ge müter auch und gerade im katholischen Sauerland erhitzen sollten. Nicht die Revolutionszeit hat die entscheidenden politischen und mentalen Weichen für die Zukunft in Sundern gestellt, sondern die unmittelbare Zeit nach der Reichs gründung. Diesem katholisch untermauerten Antiliberalismus haben auch Industria - lisierung, Säkularisierung und demographischer Wandel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wenig anhaben können, und erst recht haben Sozial - demokratie und eine ihr nahe stehende Gewerkschaftsbewegung in Sundern und Umgebung bis heute nicht recht Fuß fassen können. Letztendlich ist es das Fortwirken dieser in einem zutiefst katholischen Milieu wurzelnden konservativen Mentalität, das über das Bismarckreich und die Weimarer Republik, den National sozia lismus und den Zweiten Weltkrieg hinaus bis in die heutige Zeit hinein zu den erstaunlichen Kontinuitäten im Raum Sundern gehört. 1) Als Überblick zu den im Folgenden angedeuteten Zusammenhängen von sozialen Krisen der 1840er Jahre und dem Ausbruch der Revolution vgl. Wolfram Siemann, Die deutsche Revolution von 1848/49, Frankfurt a. M. 1985; Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 2, München 1987, S ; Wilfried Reining - haus, Sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Aspek - te des Vormärz in Westfalen und Lippe, in: ders., Horst Conrad, Hg., Für Freiheit und Recht. Westfalen und Lippe in der Revolution 1848/49, Münster 1999, S ; Hans-Joachim Behr, Revolution auf dem Lande. Bauern und ländliche Unterschichten 1848/49, in: Westfälische Zeitschrift 150, 2000, S ) Die Angaben zur Bevölkerung stammen aus den Unterlagen im Pfarrarchiv St. Johannes, Sundern. 3) Vgl. hierzu die Angaben zum Niedergang der Endorfer Hüttenindustrie bei Maria Rörig, Endorf. Geschichte einer Landgemeinde im Sauerland, Sundern 1981, S. 140; für Allendorf siehe Bern - hard Riering, Chronik der Stadt Allendorf, Dortmund 1972, S. 84f.; zu wirtschaftlichen Problemen des Sunderner Eisenhammers vgl. Hubert Schmidt, Der Hammer obig Sondern (oberhalb Sunderns), in: Stadt Sundern, Hg., Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern, Sundern 1996, S , S. 190f. 4) Vgl. Hubert Schmidt, Bearb., Papiermühlen in Sundern, (Typoskript) Sundern ) Siehe hierzu die Unterlagen im Stadtarchiv Sundern (=StASu), B ) Vgl. hierzu Hans-Heinrich Bass, Hungerkrisen in Preußen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, St. Katharinen 1991; Clemens Wischermann, Hungerkrisen im vormärzlichen Westfalen, in: Kurt Düwell, Wolfgang Köllmann, Hg., Rheinland-Westfalen im Industriezeitalter, Bd. 1, Wuppertal 1893, S ; für die hiesige Region: Günter Schulte, Es ist wohl Hunger unter den Menschen und dem Vieh vorauszusehen. Witterung, Ernte, Teuerung und Hunger in den Chroniken des Odilo Girsch, in: Westfälisches Schieferbergbau- und Heimatmuseum Schmallen berg- Holthausen e.v., Hg., Bauern im südwestfälischen Bergland, Bd. 1, Münster 2006, S ) Vgl. Protokollbuch der Gemeinde Sundern, StA- Su, Reihe grün, 4-2, Eintragungen vom 11. Mai 1847; 28. Mai 1847; 6. Juli ) Vgl. Erika Richter, Hier sind beinahe alle Demokraten. Streiflichter aus der Revolution von 1848 im oberen Sauerland, in: Jahrbuch Hoch - sauerlandkreis 1998, S ; Jens Hahnwald, Tagelöhner, Arbeiter und soziale Bewegungen in der katholischen Provinz. Das Beispiel des (kölnischen) Sauerlandes , Phil. Diss. Bochum 2002, Typoskript, bes. S. 67ff., 71ff. 9) Für Beispiele aus dem Sauerland vgl. E. Richter, (wie Anm. 8), S. 79, allgemein: Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte (wie Anm. 1), S. 706ff. 10) Fickeltünnes e.v. 600 Jahre Stadt Allendorf., Hg., Allendorfer Lesebuch, Arnsberg 2007, S ) StASu, Protokollbuch der Gemeinde Sundern, Reihe grün, 4-2, Eintragung vom ) Vgl. das Material im StASu, B 295, hier die Schreiben vom 14. u ) Erzbischöfliches Archiv Paderborn (=EAP), Pfarrei St. Johannes Sundern, Acta Specialia, Nr. 8, ; im Folgenden wird bei allen in Paderborn befindlichen Schriftstücken aus dieser Akte zitiert. 14) StASu, B 236, ) Pfarrarchiv St. Johannes, Sundern (=PASu), IV, 3, ) PASu, IV, 3, ) EAP, Acta Specialia, Nr. 8, Als erster hat Hubert Schmidt auf diese Zusammenhänge hingewiesen: Vgl. seine beiden Artikel im Sunderner Lokalteil der Westfalenpost vom 23. und Landrat von Lilien hatte von Pfarrer Kleff eine Kopie von dessen Beschwerden gegen Hümmeler erhalten: StASu B 236, (von Lilien an Riedel); Die Aussage Scheffer- Hoppenhöfers über das Verhalten Michael Blomes und Anton Hümmelers findet sich im EAP, Acta Specialia, Nr. 8, Protokoll vom Zu den von von Lilien angesprochenen revolutionären Ereignissen in Berlin vgl. Rüdiger Hachtmann, Berlin Eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Revolution, Bonn 1997, S , bes. S. 764ff.; zu den Ereignissen in Iserlohn vgl. Wilfried Reininghaus, Axel Eilts, Fünfzehn Revolutionsmonate: Die Provinz Westfalen vom März 1848 bis Mai 1849, in: Wilfried Reininghaus, Horst Conrad, Hg., Für Freiheit und Recht. Westfalen und Lippe in der Revolution 1848/49, S ) EAP, Acta Specialia, Nr. 8, ) StASu, B 236, ) Ebd., ) Bezeichnenderweise hatte Pfarrer Kleff schon diese Begründung in seinem Schreiben vom auf diese Lösung verwiesen, während sich Hümmeler immer auf seine endgültige Anstellung

25 SAUERLAND NR. 2/ Jahre Hochsauerlandmarsch von Friedhelm Walter Ein besonderes Jubiläum konnte in diesem Jahr die Re ser - vistenkame radschaft Hallenberg-Liesen begehen. Ge meinsam mit dem Landeskommando Nordrhein-West falen mit Sitz in Düsseldorf war der Hochsauer landmarsch zu planen und durchzuführen. Aus kleinen Anfängen beim Beginn 1982, damals noch unter Führung des Verteidigungsbezirkskommandos 34 in Arnsberg ist der größte militärische Vielseitigkeitswettbewerb in der Bundesrepublik Deutschland entstanden. In diesem Jahr gingen 107 Mannschaften an den Start, Reservistenkameradschaften aus Deutschland und aktive Bundes - wehrmannschaften, aber auch 12 Teams aus dem benachbarten Ausland waren im Sauerland zu Gast, rangen um den Wanderpokal des Minister präsidenten Nordrhein- West falen. Den weitesten Anmarschweg hatte eine Mann schaft aus Lettland. Auch ein russisches Beobachterteam hatte sich eingefunden. Mannschaft beim Hindernislauf, Anstrengungsbereitschaft ist gefragt Sie ließen sich einfangen von der reizvollen Landschaft in der Umgebung von Hallenberg, das Wetter ließ in diesem Jahr keine Wünsche offen, obwohl sonst oft genug Schnee die Wettkämpfer stark forderte. Fünfzehn Kilometer Marschstrecke galt es in kürzester Zeit zu marschieren, 7,5 kg Gepäck ständig dabei, reichliche Höhenmeter nicht gerechnet. Physische Grundfertigkeiten, aber auch allgemeine militärische Fähigkeiten wie Schießen, Sanitätsausbildung und auch verteidigungs- und sicherheitspolitische Fragen waren unter Beweis zu stellen. Auch eine Frage mit lokalem Bezug war eingeflochten. Wussten sie, dass die Bobpilotin Sandra Kiriasis aktive Angehörige der Bundeswehr ist? Zur Siegerehrung war man sich schnell einig, wir kommen im nächsten Jahr wieder. Pokalübergabe, im Bild Hubert Kleff (MdL), Eckhard Scholz, stv. Landrat und Mannschaftsführer RK Westmünsterland, Oberstleutnant d. R. Klaus Peters Bilderauswahl: LKdo NW berief. Vgl. dazu den ausführlichen Schriftverkehr im PASu, IV, 3. 22) Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte , München 1983, S. 467; weiterhin: ders., Volksschule und Revolution im Vormärz, in: Kurt Kluxen, Wolfgang J. Mommsen, Hg., Politische Ideo logien und nationalstaatliche Ordnung. Festschrift für Theodor Schieder, München 1968, S ) Zitiert nach Berthold Michael, Heinz-Hermann Schepp, Hg., Politik und Schule von der Franzö - sischen Revolution bis zur Gegenwart, Bd. 1, Frankfurt a. M. 1973, S. 313f. 24) Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschafts - geschichte, Bd. 3, München 1995, S ) Folkert Meyer, Schule der Untertanen. Lehrer und Politik in Preußen , Hamburg 1976, S ) StASu, B 223, ) PASu VIII,6, ) StASu, B 488, ) Zu Canisius vgl. Riering (wie Anm. 3), S. 138ff.; zu seinem Sohn siehe Friedrich Schütte, Theodor Canisius, Parteifreund von A. Lincoln, in Fickel - tünnes e.v., Hg. Allendorfer Lesebuch (wie Anm. 10), S. 452f..; zu Bergenthal siehe Michael Senger, Josef Bergenthal, in: Schmallenberger Sauerland. Almanach 2002, hrsg. v. West fä lischen Schiefer- und Heimatmuseum Schmallen berg- Holthausen e.v., S ) Zum auch im Sauerland bestehenden Zusammen - hang von Studenten und Bildungsbürgertum einerseits sowie Liberalismus und Nationalismus in Vormärz und Revolution andererseits vgl. die Beispiele bei Erika Richter, Hier sind beinahe alle Demokraten, (wie Anm. 8), S. 77f, S. 81ff. 31) Vgl. hierzu Jürgen Kocka, Arbeitsverhältnisse und Arbeiterexistenzen. Grundlagen der Klassen - bildung im 19. Jahrhundert, Bonn 1990; Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde, Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914, Bonn 1992, bes. S , , ) Vgl. hierzu J. Hahnwald, Tagelöhner, (wie Anm. 8), S ) StASu, B 488, ) Chronik der Pfarre Sundern, aufgestellt am 1. Mai 1851 vom dortigen Pfarrer Joseph Kleff aus Brilon, 81, im PASu (ohne Aktenzeichen) - Sicherlich ist es kein Zufall, dass es sich bei dem liberalen Rädelsführer um den gleichen Theodor Schütte, einen Schwiegersohn Lehrer Hümme - lers, handelte, der Pfarrer Kleff schon 1848/49 politisch verdächtig vorgekommen war. Neue Mitglieder bzw. Abonnenten Drüggelter Kapelle: Forscher- & Förderkreis Möhnesee e. V. Peter Sukkau, Soest Gernot Blache, Arnsberg Christel Sobkowiak, Warstein Walter Mönig, Sankt Augustin Svenja Gierse, Bamberg Gerd Korbella, Sundern Paul Patt, Kirchhundem Josef Prass, Mönchengladbach Georg Schulte, Balve Hannelore Schmitz, Schmallenberg Ursula Hansknecht, Kirchhundem Peter Kretschmer, Warstein Karl-Friedrich Hillesheim, Münster Friedrich Nagel, Meschede Kai Oliver Nickel, Erwitte Bernd Dreisbusch, Unna Eberhard Borghoff, Meschede Martina Werth-Mühl, Koblenz

26 78 SAUERLAND NR. 2/2008 Morgenland im Sauerland von Dr. Erika Richter Vor knapp sieben Jahren wurde in Meschede der Türkisch-Islamische Ver ein gegründet. Seinen langen und schmalen Weg" so der Verein selbst krönte nun am 10. Mai 2008 die offizielle Eröffnungsfeier der Moschee bei strahlend sommerlichem Wetter. Eine Bühne war neben der Moschee aufgebaut, so dass die zahlreichen Be sucher draußen, von Son nen schir men geschützt, die Ver an staltung auf angenehme Art verfolgen konnten. Durch das Programm führte Dr. Ahmet Arslan, der Dialog-Beauf - tragte. Eine farbenfrohe Einstimmung gab eine türkische Mäd chengruppe mit reizvollen Tänzen. Eine Ko ran rezitation, übersetzt von einer türkischen Schülerin, betonte den religiösen Cha rak ter der Feier, während das Singen der türkischen und deutschen National hymne auf den politischen Bezug verwies. Das Ziel, mit der Mo schee nicht nur einen Gebetsort zu schaffen, sondern eine Friedensbrücke zu errichten, die durch ihre Angebote die Christen und Muslime in einer interkulturellen Begegnung intensiv zusammenführen sollte, damit sie sich gegenseitig besser kennenlernten und Vorurteile ausräumten, kam in den anschließenden Gruß worten immer wieder zum Aus - druck. Zunächst begrüßte der Vor - sitzende des islamisch-türkischen Vereins Hüseyin Yavuz die Anwesenden. Hohe Gä ste waren zur Würdigung des Tages aus Essen angereist. Es sprachen der türkische Gene ralkonsul Hakan Akbulut, aber auch der Bot - schafts rat und der Religions-Attaché vom türkischen Gene ralkonsulat betonten, dass hier eine Chance für ein tieferes Verstehen und gegenseitiger Bildung von vorher Frem den geschaffen sei. Auch die Vertreter des Hochsauerlandkreises und der Stadt Meschede, stellv. Landrat Heine - mann und stellv. Bürgermeister Wrede sowie der Landtagsabgeordnete Dr. Rudolph richteten herzliche Gruß worte aus, in denen ein aufgeschlossenes, der Integra tion dienendes Mitein - ander von Mus limen und Christen, speziell von Türken und Sauerländern, beschworen wurde. Im gleichen Sinne äußerten sich auch evangelische, katholische und muslimische Geistliche. Kinder, die mit ihren hellen Stimmen Sprüche aus der Bibel und dem Koran vortrugen und übersetzten, lockerten die Beiträge der Er wachsenen erfrischend auf. Eines der Ornamente aus dem Moschee-Innenraum Fotos: Ahmet Arslan Nachdem durch das symbolische Zerschneiden eines Bandes die Moschee eröffnet war, konnten alle Besucher die prachtvolle Innenarchitektur des Ge - bäudes bewundern, dessen Besonder - heiten Dr. Arslan in seiner Führung erläuterte. Anschließend wurden alle Gäste durch ein türkisches Mittagessen kulinarisch verwöhnt. Der Abend des Feier - tages endete mit einem ungewöhnlichen Angebot. Ein Männer-Ensemble aus Köln brachte mystische Musik: religiöse Gesänge zu instrumentaler Begleitung. Die fremdartigen Rhythmen und Klänge, unterbrochen von Tänzen einer Gruppe in fantasievollen Kostü men, zauberten zwar morgenländische Atmosphäre in die Mescheder Welt, waren aber auch eine mahnende Erinnerung an die deutschen Zuhörer, die fremde Kultur mit der eigenen in Toleranz, Offenheit und mit Verständnis - bereitschaft zu verbinden. Es geht nicht darum, mit der Moschee das Morgenland als eine Art orientalischer Insel zu kultivieren, sondern den Muslimen ein Stück Heimat im Sauer land zu gewähren.

27 SAUERLAND NR. 2/ Eversberger Schwesternstation Erste-Hilfe-Station in unserer Bergstadt Eversberg von 1939 bis 1983 von Hermann Kesting Zwei Garanten für die Erste Hilfe in diesen Jahren waren die Caritas schwestern, die dem Orden Zum Zeugnis der Liebe Christi in Hattingen- Bredenscheid angehörten, und Dr. Josef Mahal aus Wehrstapel. Unsere Schwesternstation war von 1939 bis 1983 in dem lang gestreckten, doppelgeschossigen Fachwerk trau - fenbau in der Mittelstraße 1 untergebracht. Das mit Natur - schiefer gedeckte Satteldach mit seinen abgewalmten Dach häuschen sowie die durchfensterte Fassadenfront sind die Zeichen eines typischen Fachwerkhauses aus der Mitte des 19ten Jahrhunderts. Erste Erwäh nungen sprechen jedoch schon von Die Stadt erwarb dieses Gebäude 1912 für die städtischen Angestellten, Lehrer, Vikar usw zogen dann hier die Caritasschwestern aus Hattingen-Bredenscheid ein. Sie waren für uns Eversberger die erste Anlaufstelle in allen Notlagen. Auch Dr. Josef Mahal aus Wehrstapel hielt hier seine Sprech stunde ab. Deshalb gab der Volksmund diesem Haus den Namen Schwes ternhaus. Der Orden Schwestern zum Zeugnis der Liebe Christi wurde von Theresia Albers, die am 5. August 1872 in Dornheim bei Kirchrarbach (Stadt Schmallenberg) geboren wurde, gegründet. Sie nannte ihn damals Schwestern vom göttlichen Kinderfreund, was wohl auf ihre Arbeit als Lehrerin mit Hilfsschülerinnen zurück zu führen ist. Erst 1962 wurde die Schwestern gemeinschaft mit der Zustimmung des Bischofs von Essen, Franz Kardinal Hengsbach, der aus unserer Nach bargemeinde Velmede stammte, eine Kongregation bischöflichen Rechts und nahm den Namen Schwes- tern zum Zeugnis der Liebe Christi an. In der Industriestadt Dortmund erkannte die Lehrerin Theresia Albers die Perspektivlosigkeit ihrer hilfebedürftigen Schülerinnen und fühlte sich angesprochen, ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. So kaufte sie 1920 einen abgebrannten Bauernhof in Bredenscheid und begann mit dem Aufbau einer Aus- Schwesternstation von 1939 bis 1983 bildungsstätte. Am 14. September 1924 weihte man das von ihr erbaute Antoniusheim ein, in dem dann die ers ten jungen Mädchen eine Unterkunft fanden waren es dann schon vierzig Mädchen, die bei Theresia Albers eine neue Heimat fanden. Theresia Albers baute aber nicht nur das Mutterhaus in Bredenscheid weiter aus, nein sie begann auch Niederlassungen im ganzen Lande zu gründen. So wurde auch die Verbindung mit unserer Heimatstadt Eversberg aufgenommen. Unsere Kirchengemeinde St. Johannes Evan - gelist, die seinerzeit für das Sozial - wesen in der Gemeinde verantwortlich war, schloss am 15. Nov / 21. Januar 1940 einen Vertrag mit den Schwestern in Bredenscheid. Sie sollten, so der Vertrag: Sorge tragen für die lösenden Cari - tas aufgaben in der Gemeinde. Eine Schwester wurde für Kirchenwäsche und Kirchendienste, besonders die Rei ni - gung, verpflichtet. Die andere Schwester besorgt die Krankenpflege in der Gemeinde. Im ersten Jahr ihrer Arbeit in Eversberg leisteten die Schwestern 1558 Krankenbesuche, 1139 Hilfelei s tungen, 428 Verbände, 175 Bera ungen, 99 Tagespflegen, 66 Nachtwa chen und 11 Krankenbegleitungen. Aus dem Jahr 1949 besagt eine Liste, die Schwester Maria Walburgis geschrieben hat, dass 3445-mal Pflege an Kranken vorgenommen wurde. In den Fünfziger Jahren begannen die Schwestern damit, eine Nähschule anzubieten, die von zahlreichen jungen Mädchen aus unserer Heimat angenommen wurde. Nachstehendes Bild zeigt die Mit glieder der Nähschule von 1957 mit Schwester Alwina unten links und Schwes - ter Irmina oben links. Dass die Schwesternge - mein schaft auf die jungen Mäd chen aus unserer Heimat große Anziehungskraft bewirkte, zeigt nicht nur das Bei- Nähschule 1957 spiel der Nähschule, sondern auch, dass vier junge Mädchen aus Eversberg und Wehrstapel sich entschlossen, der Schwesterngemeinschaft beizutreten. Dies waren: Schwester Maria Gerhaldis Name: Elisabeth Gördes; Spuikers Titel: Von der Sanftmut Jesu Ordenseintritt: 2. Mai 1944 * 17. Sept Mai 1998 Die zweite Generaloberin, Schwester M. Ursula, berief Schwester M. Gerhaldis 1958 als Noviziatsbegleiterin in das Mutterhaus nach Bredenscheid zurück. Sie wurde für die ihr anvertrauten jungen Schwestern ein wegweisendes Vorbild. Nach dem Tode von Schwester M. Ursula berief sie die Gemeinschaft der Schwestern 1973 zur 3. Generaloberin. Wegen Nach wuchsmangels war sie als Oberin

28 80 SAUERLAND NR. 2/2008 Termine Termine Termine Termine bald dazu gezwungen, Nie - der lassungen der Schwestern zu schließen. Die Schwestern - ge meinschaft wurde durch den Tod vieler Mitglieder immer kleiner. Auf dem Friedhof der Gemein schaft, der 1936 von Theresia Albers am Paasbach nahe des Antoniusheimes eingeweiht wurde, befinden sich schon über 100 Schwe sterngräber. Sie erkannte, dass ihre Schwesterngemeinschaft die bisherigen Aufgaben bald nicht mehr allein wahrnehmen konnte. So gründete Sie 1996 die THERESIA-ALBERS-STIF- TUNG, in dessen Trägerschaft die ordenseigenen Häuser überführt wurden. Somit war von den Schwestern eine wesentliche Last genommen. Es blieb, und bleibt auch für ihre Nachfolgerinnen das große Problem des Nachwuchses. 25 Jahre führte die gebürtige Eversbergerin mit liebevoller und fürsorglicher Hand den Orden. Wie viel sie in diesen Jahren bewegt hat, wie viel Kraft und Mühe ihr dieser Weg, geprägt durch ihre Menschlichkeit, Aufop ferungs bereit - schaft und Sorge über den Fortbestand ihrer Gemeinschaft gekostet hat, weiß allein der liebe Gott. Er wird ihr das im Himmelreich vergelten! Schwester Maria Xaveria Name: Franziska Rüth Titel: Von der Verlassenheit des Gekreuzigten Ordenseintritt: 5. Nov * 20. März Juli 1970 Schwester Maria Hermana Name: Ernestine Rüth Titel: Vom heiligen Haupt * 1. Juni Okt Eintritt: 13. Januar 1944 Schwester Maria Agnes Name: Hedwig Spork Geburtsort: Wehrstapel Titel: Von der Hingabe an Gott Ordenseintritt: 1. März 1960 * 23. Mai Juni Der Freundeskreís Oelinghausen e. V. feiert sein 25-jähriges Jubiläum Maschinen - und Heimatmuseum Eslohe e.v. Eslohe Info unter: / /28. Sept. Dampftage von Uhr 7. Dezember Der Nikolaus kommt mit der Dampfeisenbahn von Uhr Termine der Christine-Koch-Gesellschaft 17. August Die Christine-Koch-Gesellschaft führt eine Literaturfahrt auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff nach Schloss Krottorf durch. Heidenstraße 6. Sept. Winterberg-Altastenberg: Einweihung des 16. Pilgersteins an der Heidenstraße und des historischen Parks im Rahmen des Dorfgemeinschaftsfestes 7. Sept. Marienheide gegenüber dem Kloster: Einweihung des 17. Pilgersteins an der Heidenstraße. Termine aus Allendorf Sept. Historische Wanderung Auf den Spuren des Fuhrmann F. Clute-Simon im Jahr 1803 von Allendorf nach Köln mit dem Fuhrmann Friedrich Clute-Simon, der den Drei-Könige-Schrein (Nachbildung in Originalgröße) mit seinem Pferdefuhrwerk von Wedinghausen nach Köln bringt. 7. Sept. Einzug in den Dom zum Sonntagsgottesdienst um Uhr Veranstalter: Fickeltünnes e.v. 600 Jahre Stadt Allendorf und SGV Abt. Allendorf weitere Infos unter Tel.: /8 24 oder / Die Redaktion bittet um Mitteilung weiterer Termine Bestens bekannt ist den Eversbergern aber noch Schwester Maria Bertoldis Name: Elisabeth Feldmann Titel: Vom Leben in Gott Ordenseintritt: 2. Mai 1937 * 4. Febuar Aug die von 1964 bis 1983, Auf lösung der Schwestern station, bei uns in Evers berg segensreich gewirkt hat. Sie war uns Eversber gern sehr ans Herz gewachsen, denn ihre liebenswerte, bescheidene Art hat so manchen Kummer schon im Keim zerdrückt. Wir Eversberger werden sie, und alle anderen Schwestern aus Bre denscheid in bester, dankbarer Erin nerung behalten. Die Schwesterngemeinschaft in Hat - tingen-bredenscheid im Bistum Essen unter der jetzigen Führung von Oberin M. Dorothea bemüht sich derzeit unter Mitwirkung des Prälat Dr. Martin Patzeck um die Seligsprechungen ihrer Grün - derin Theresia Albers Anmerkung: Einen ganz besonderen Dank gilt an dieser Stelle der Schwester Oberin M. Dorothea im Mutterhaus Bredenscheid, die wie selbstverständlich mir mit Materialien über ihre Schwesterngemeinschaft behilflich war. Auch Schwester Agnes, gebürtig aus Wehrstapel, trug viel zum Gelingen dieser Seiten bei. Quellen: Kirchenchronik St. Johannes Ev. Evers - berg; Archiv / Museum im Mutterhaus der Schwes - tern zum Zeugnis der Liebe Christi in Hattingen-Bredenscheid

29 SAUERLAND NR. 2/ Christine Koch Versuch eines Lebensbildes *) von Christel Hoberg-Heese Christine Koch wer war diese Frau, die einer Literaturgesellschaft den Na men gab, einer Gesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Literatur im Sauerland zu fördern und zu verbreiten. Wer war die Frau, bei deren Namens - nennung so manchem Sauerländer spon tan ein paar Verse, eine Strophe oder auch der Titel eines ihrer Gedichte einfallen? Zwar wird der Name Christine Koch nicht selten mit dem Vorbehalt verbunden, dass die Stär ke ihrer Dichtung einzig auf dem Plattdeutschen beruhe und sich ihr Wirkungsbereich nur auf den heimatlichen Raum und eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Interessenten beschrän ke. Aber wäre es nicht gerecht, im gleichen Atemzug ihre Verdienste um die plattdeutsche Dichtung herauszustellen? Zu sagen, dass sie es verstanden hat, der bäuerlichen Alltagsspra che, die im Dienste der Zweckmäßigkeit stand, poetische Töne abzulauschen und sie künst le risch umzusetzen? Ein paar Daten, die ihren Lebensweg belegen, sind schnell aneinander gereiht: 1869 wurde die Dichterin als Chri s - tine Wüllner in Herhagen geboren, ihre Schulbildung er hielt sie in Reiste, die Weiterbildung erfolgte in einem Internat in Duderstadt. Das Lehrerin nenexamen legte sie in Hannover ab. In Padberg begann sie ihre Lehrerinnentätigkeit, von da ließ sie sich nach dreizehnjähriger Tätigkeit nach Vogelheim bei Essen-Borbeck versetzen. Dort leitete sie die Volksschule bis zum 1. Januar Im Mai des gleichen Jahres heiratete sie den Land- und Gastwirt Wilhelm Koch in Bracht. Sie verstarb dort im Jahr Was aber steht hinter den äußeren Lebensdaten? Wer war diese Christine Wüllner, die mit 36 Jahren, zu einem Zeitpunkt also, an dem man normalerweise seinen Platz im Leben gefunden hat, ihren angesehenen Beruf aufgab, einen Land- und Gastwirt heiratete und zwischen Kü che, Keller und Schanktisch Gedichte schrieb? Da wäre zunächst ein kurzer Blick auf die Zeit in dem Pensionat in Duderstadt zu werfen, auf eine Zeit, in der sich die sechszehnjährige Bauerntochter vom Lande einen Platz zwischen den meist reichen Fabrikantentöchtern sichern musste. Christine als junge Lehrerin im Jahre 1896 Es waren schwierige Verhältnisse, unter denen sie ihre Tätigkeit in Padberg aufnehmen und ausüben musste. Aus dieser Zeit existiert eine Fotographie, auf der sie schmal, schlank, die Geige vor den Körper haltend, an einer Brüstung lehnt. Das Bild wirkt gestellt, sie selbst zu geknöpft, wie sie, bis zum Hals in ein steifes Kleid gesteckt, an dem Betrachter vorbei sieht. So gut geschnitten und dabei fein und sensibel ihr Gesicht auch wirkt, ihm fehlt auf dem Foto die Unmittelbarkeit des Ausdrucks, der einmal so typisch für Christines Lyrik werden sollte. Die Klas - sen waren groß, die Bezahlung bescheiden, hinzu kam das Leben in einer primitiven Dienstwohnung, die aus zwei feuchten Zimmern bestand. Christine kam von einem wohlha benden Bauern - hof. Und nun eine Behausung, so karg und unwirtlich, dass sie sich darin eine Erkrankung der Luftwege holte, die sie ein Leben lang verfolgte. Wie manche Nacht mag es hustend aufrecht im Bett gesessen haben, das Fräulein Lehrerin, das noch schlechter bezahlt wurde, als das sprichwörtlich arme Dorfschulmeis - terlein. Ob Christine Heimweh hatte, Heimweh nach dem stattlichen Bau - ernhaus, in dem sie an langen Winter - abenden mit Mutter und Geschwistern musizierte? Ein Klavier war im Haus, Bücher und weitere Instrumente. Sie sei ein ausgesprochen pflichtbewusster Mensch gewesen, verraten spätere Be - richte also wird sich das Fräulein Wüllner sicherlich nach durchhusteter Nacht in ihr Klassenzimmer ge schleppt haben. Krankheit und Tod waren um die Jahrhundertwende unübersehbarer Teil des Lebens. Einmal musste Christine erleben, dass im Dorf in kürzester Zeit zweiunddreißig Kin der während einer Diphtherie-Epidemie starben, Kinder, die sie kannte, die zum Teil vor ihr auf der Schulbank gesessen hatten und nie wieder dort sitzen würden. Ob ein junger Mensch derartige Erfahrungen wie eine latente Krankheit mit durch sein Leben trägt? Ob sie die ersten Falten in das Gesicht gegraben haben, das wir von der Fotographie kennen? Nach dreizehnjähriger Tätigkeit ließ sich Christine nach Vogelheim bei Essen-Borbeck ver - setzen, weil sie sich von der milderen Luft eine Besserung ihrer angegriffenen Gesund heit versprach. Aber schon zum 1. Ja nuar 1905 gab sie so die spätere Begründung ihres Pensi onsanspruches ihre Tätigkeit dort aus gesundheitlichen Gründen auf. Bereits im Mai heirate te sie den Land- und Gastwirt Wilhelm Koch aus Bracht, einem hochgelegenen, in den langen Wintern abgeschiedenen Dorf, und obschon sie vier Jahre zuvor dem ihrer Gesundheit nicht zuträglichen Klima entflohen war, kehrt sie ins Sauerland zurück. Waren es möglicherweise nicht nur gesundheitliche Gründe, die sie die angesehene Stellung einer Hauptlehrerin aufge ben ließ? In Essen-Borbeck wohnte auch ihre jüngere Schwester und führte mit einem Mann und sechs Kindern ein gelungenes Fami lienleben vor. Könnte das Beispiel nicht Wünsche nach einem eigenen Haus stand, einem ähnlichen Zuhause geweckt haben? Über das Alter einer romantischen Liebe war Christine hinaus. Ausgeschieden aus dem Schuldienst, hätte sie nach damaligen Vorstellungen als spätes Mädchen gegolten, das mit einer spärlichen Pensi on wahrscheinlich eine Heimstatt auf dem elterlichen Hof gefunden hätte. Aber was wäre das für ein Leben gewesen? Auch Wilhelm Koch hatte das normale Heiratsalter weit hinter sich gelassen. Könnten die zukünftigen Eheleute in ihrer späten Verbindung nicht eine gute Lösung für beider Zukunft gesehen haben, zumal sich zwischen ihnen eine seelische und

30 82 SAUERLAND NR. 2/2008 geistige Verwandtschaft abzeichnete. Beider Müt ter waren Schwestern und stammten aus einem kulti vierten Lehrerhaus, in dem der Bücherschrank gefüllt war und die Musik gepflegt wurde. Land- und Gastwirt war Wilhelm Koch nur wegen des frühen Todes seines Vaters geworden. Erst fünfzehn Jahre alt, musste er, der gerne Musik studiert hätte, den elterlichen Besitz über nehmen und zusehen, wie seine jüngeren Geschwister das Dorf verlassen, studieren konnten und in angesehenen Berufen erfolgreich wurden. Allerdings bestanden in der Familie Beden ken wegen des nahen Ver wandt - schaftsgrades, für eine Heirat musste sogar ein Dispens des Bischofs eingeholt werden. Nun, er wurde erteilt. Im Mai 1905 hielt Christine Einzug in Bracht, bereits ein Jahr später brachte sie ihr erstes Kind zur Welt. Siebenunddreißig Jahre alt war sie bereits. Ob das kleine Mäd chen die Erfüllung eines Wunsches war, dessen Realisierung in ihrem Alter nicht unbe - dingt selbstverständlich war? Ob sie als Spätgebärende ihrer Entbindung mit Ängsten ent gegensah? Im frühen 20. Jahrhundert stand oft der Tod am Wochenbett. Auf die Frage, ob Christine ein Arzt, eine Hebamme, eine Nach barin bei der Geburt zur Seite gestanden haben, findet sich in Briefen und Le - bensbeschreibungen keine Antwort. Auf dem Lande liefen die Geburten oft fern vom nächsten Krankenhaus ab, und einer schnellen ärztlichen Hilfe standen schwerfällige Verkehrsmittel und schwierige Straßenverhältnisse im Wege. In nur sechs Jah ren brachte Christine vier Kinder zur Welt. Eine Fotographie aus eben dieser Zeit sagt einiges über sie, die mittlerweile eine Mittvierzigerin geworden ist, aus. Ihre Körpersprache vermittelt das Bild einer müden, aber gelösten, in sich gekehrten und in sich ruhenden Frau. Auf einem Gartenstuhl sitzt sie vor oder neben dem Haus. Das jüngste Töchterchen steht neben ihr, strahlt schelmisch in die Kamera, während die Mutter auf das Körbchen hinunterblickt, das die Kleine ihr zugetragen und auf den Schoß gestellt haben mag. Fünfund - vierzig Jahre ist Christine alt, mehr als die Hälfte des Lebens ist vorüber. Noch ahnte niemand, dass sie in aller Heim lichkeit Christine Koch mit ihrer jüngsten Tochter Maria (1915) Gedichte, auch Prosa schrieb am Küchentisch, auf der Fensterbank schnell aufs Papier geworfen. Am Abend, wenn es still um sie herum geworden war, überarbeitete sie, was der Tag ihr eingab. Aber noch mussten die wilden Rosen im Verborgenen blühen. Nicht nur Wilhelm, auch sein Bruder Franz-Josef, Rektor in Essen, schrieb plattdeutsche Tex te, so dass sich bei seinen häufigen Besuchen anregende Gespräche ergaben. Hin und wieder erschienen in Zeitungen und Zeitschriften heimatbezogene Texte sowohl in mundartlicher Sprache als auch in Hoch deutsch. Und musiziert wurde im Lin denhaus! Vornehmlich inner halb des Familienkreises, Christine und Wilhelm spielten beide Klavier und Geige, aber zu den wöchentlichen Musikstunden fand sich auch der Sohn des Lehrers ein. Das Lindenhaus erwies sich als gastfrei in diesen Jahren, denn nicht nur die Herhagener Verwandten waren gern gesehene Gäste, auch die Schwäger fanden sich zu Jagdzeiten gerne ein. Und noch eine ganz andere Art von Gästen klopfte an die Tür und wurde bewirtet. Zum fahrenden Volk ge hörten sie und baten um eine Mahlzeit, einen Platz zum Übernachten in der Scheune. Und mitten in diesem für die Hausfrau arbeitsreichen Leben schrieb Christine ihre Gedichte. Aber erst 1924, als sie bereits 55 Jahre alt war, erschien ihr erster Gedichtband Wille Räusen. Voraus gegangen war die Veröffentlichung von einigen Gedichten in der Zeitschrift Trutz nachtigall, auf die der Musik lehrer und Komponist Georg Nellius gestoßen war, der als der Entdecker der Sauerländer Nachtigall gilt, die in dem Bergdorf Bracht Gedichte schrieb, für die die Natur, das bäuerliche Leben, die Kinder, die sie umgaben, Motiv und Anstoß waren. Im Plattdeutschen fand sie die den Inhalten entsprechende sprachliche Ausdrucksform, den Boden für deren poetische Gestaltung. Dank ihrer Bildauswahl und dem harmonischen Zu sammenspiel von Reim und Rhyth mus fand sie wunderbar schlichte und dabei ausdrucksstar ke Töne. Es scheint zur Tragik der späteren Jahre zu gehören, dass die Freude über Christines Erfolge von Krankheit und Sorge verdunkelt wurden. Mitte der zwanziger Jahre legte sich der Schat ten der Verschuldung über Haus und Hof. Das Studium der Schwäger hatte gekostet. Das großzügig in Kriegsanleihen angelegte Geld war verloren. Die Inflation fraß die Holzerträge auf. Die vormals wohlhabenden Kochs verarmten. So tief trieb die Verschuldung sie in den Ruin, dass sie am Ende nur noch froh sein konnten, dass ihnen wenigstens das Wohnhaus er halten blieb. Spott und Häme der Dorfbewohner kamen hinzu, als Sorge und Armut einzogen. Christine hätte lieber Rüben hacken und Schweine füttern, als dichten sollen, tuschelten sie. Die Brachter hatten immer wenig Verständnis für die Bewohner des Lindenhauses aufge bracht, in dem Studierte ein- und ausgingen und ein gepflegtes Hochdeutsch gesprochen wurde. Zwar besang Christine ihre Kinder liebevoll Platt, gesprochen wurde es nicht mit - einander. Sei es, dass die ehemalige Lehrerin grundsätzlich auf die Pflege der deutschen Spra che Wert legte und ihren Kindern zusätzlich den Weg zur schulischen Weiterbildung erleich tern wollte; sei es, dass ihr ein gewisser Abstand zur Dorfbevölkerung ratsam erschien. Und war es nicht klug, als Gastwirtin eine gewisse Distanz am Schanktisch zu halten, zumal das Platt deutsch die Anrede Sie nicht kennt und aus dem Du oder Ihr leicht eine unange messene Vertrau - lichkeit erwächst? In den dunklen Tagen der existenziellen Not suchte Josefa Berens-Totenohl,

31 SAUERLAND NR. 2/ Christine Koch Mitte der 30er Jahre nen ihr die Gedichte nicht mehr gut genug? War sie eine zu strenge Richterin? Niemand kann sagen, was uns möglicherweise verloren ging. Arme Chri s tine! Ob sie manchmal am Fenster gestanden hat und über die Berge hinweg in Richtung Herhagen sah? Ob die frühen Spaziergänge mit dem Vetter, ihre Gespräche dort an ihr vorüber gezogen sind? Wieviel sorgenfreier wäre ihr Leben als angesehene Hauptlehrerin verlaufen. Aber die Kinder, der Mann, die Vogelstimmen am Morgen, die Lin den am Haus, die wilden Rosen am Weg, der Duft von Heu und Holunder, im Hochsommer der Fingerhut... Ob sie jemals gerechnet hat mit der Entscheidung für den Vetter in Bracht? Oder war es ihre tiefe Religiosität, die sie mit den Widrigkeiten ihres Lebens versöhnte? Es gibt so Im Alter von 75 Jahren Malerin, Lehre rin und Schriftstellerin das Lindenhaus auf und fand, wie sie sagte, eine schüchterne, verhärmte Wirtsfrau vor, deren wunderbar anrührende Ge - dichte sie kannte. Aus der Begegnung wuchs eine tiefe, lebenslange Freund - schaft, obschon die beiden Frauen in religiösen und weltan schaulichen Fragen auf unterschiedlichen Wegen gingen. Als ein Glanzlicht ragte Christines sechzigster Geburtstag aus den sorgenvollen Zeiten heraus. Nach nur fünf Jahren des Erscheinens der Wille Räusen waren ihre Gedichte im westfälischen Raum bekannt geworden. Mit hundert Sängern aus Neheim und Minden erschien Georg Nellius. Verwandte und Freunde versammelten sich, die Erbsensuppe köchelte, die Fässer waren angestochen. Und Christine? Sie ahnte nichts von den Ehrungen, die sie erwarteten, als die Tochter sie aus dem Hause rief. Im Alltagskleid mit Schürze und Sandalen - nicht die Studierte, nicht die Dichterin - eine schlichte Landfrau blickte überrascht in die Menge und lauschte den von Freund Nellius vertonten Gedichten. Vor Ergriffenheit stumm nahm sie aus seinen Händen den soeben gedruckten neuen Gedichtband Sunnenried entgegen. Ein Glückwunschschreiben des Oberpräsidenten wurde vorgelesen. Aus den umliegenden Dörfern strömten die Bewohner herbei. Christine wurde gefeiert. Ein Tag heller Freude war das. Dann wurde es wieder dunkel im Lindenhaus. Einer der dunkelsten Tage war der, an dem die Nachricht vom Tode des einzigen Sohnes ein traf. Vier Wochen hatte die Familie vergebens auf ein Lebens - zeichen von ihm gewartet, nachdem er das Haus überraschend verlassen hatte. Dann kam die Botschaft: Wilhelm ist tot. Selbstmord. In der Nähe Berlins hatte man ihn aufgefunden. Die Umstände des Todes ver schwieg man der Mutter. Der Schicksalsschlag traf Christine, als sie sechsundsechzig Jahre alt war. Die Zeit und die tiefe Gläubigkeit mögen ihren Schmerz gelindert haben, aber Chris tine verstummte; jedenfalls für die Öffentlichkeit. Was an Gedichten entstand, legte sie sorg fältig in eine Mappe, später verbrannte sie sie. Schienen ihr die späten Gedichte zu düster? Wollte sie niemanden in sich hineinsehen lassen? Waren sie nur noch Hilfe zur Überwindung des Leides im Selbstgespräch? Oder schieviele offene Fragen, so viele Leerstellen in einem Leben, das vom 19. bis in die Hälfte des 20. Jahrhunderts hineinreichte. Ein Kaiserreich, zwei Welt kriege, zwei Inflationen, eine Diktatur und zwei Demokratien bildeten den politischen und sozialen Hinter grund für Christines langes Leben. Das Tempo des technischen Fortschritts erschwert es, sich in die Mühen des Alltags einer Land- und Hausfrau hineinzudenken, bevor die Waschmaschinen das Waschbrett und ein Druck auf den Knopf das Feuern des Herdes ersetzte. Von Personal ist nach dem Tode der alten Hilfe Therese Teitmorg nicht mehr die Rede. Dass sie nur noch in ihrer Behausung lebensfähig sei, sagte Chri stine in späteren Jahren, in denen sie sich durch die Hinfälligkeit oft auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod bewegte. Ihr 70. Geburtstag brachte erneut Ehrungen. Ihre plattdeutsche Lyrik und der mund artliche Prosatext Rund ümm n Stimmstamm rümme hatten über den westfälischen Raum hinaus im niederdeutschen Beachtung gefunden. Als Anerkennung erhielt sie den Klaus-Groth-Preis. In Hamburg entgegennehmen konnte sie ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht. Ihr 75. Geburtstag bot Anlass zur Überreichung des Westf ä lischen Literaturpreises. Ein Jahr zuvor war ihr Mann, nach einem Schlaganfall pflegebedürftig, verstorben. Wieder ein Schat ten, der auf die Ehrung fiel? Oder war Christine den Eitelkeiten der Welt schon so weit ent rückt, dass Licht und Schatten ineinanderflossen? Als sich zu ihrem 80. Geburtstag zahlreiche Heimatfreunde einfanden, zeigte sie sich nur am Fenster. Sie wollte nur in Ruhe gelassen werden, überlieferte die älteste Tochter, die die Mut ter in den letzten Jahren liebevoll pflegte. Der Aus gang des Lebens sei eine gute Zeit gewe sen, versicherte sie. Die Enkelkinder hätten noch einmal Freude ins Lindenhaus gebracht. Es ist schön, wenn die Sonne golden untergeht, fand Christine ein versöhnliches Sinnbild für ihren Abschied vom Leben, sprach aus ihr noch einmal die Dichterin, die sich seit Jahren hin ter der schlichten Landfrau versteckte. *) Die dem Artikel zugrunde liegenden Informationen wurden zum großen Teil übernommen aus: Christine Koch: Liäwensbauk. Bearb. v. Peter Bürger. Fredeburg: Grobbel 1993.

32 84 SAUERLAND NR. 2/2008 Lörmecke-Turm auf dem Arnsberger Wald Überblick bringt Einsichten von Reinhard Köhne 1. Der Lörmecke-Turm Der Lörmecke-Turm steht unweit der Lörmeckequelle auf dem höchsten Punkt des Arnsberger Waldes in 580 Metern Höhe am alten Plackweg zwischen Warstein und Eversberg. Der Wanderer erreicht den Turm vom Parkplatz des Naturparks Arnsberger Wald am Stimmstamm nach einer Stunde. Aus Richtung Eversberg bietet sich der Parkplatz Buchsplitt an. Von Warstein aus können die Parkplätze Herrlichkeit oder Enkebruch empfohlen werden. Der neue Turm ermöglicht einen Pano ramablick auf die Großlandschaften des waldreichen sauerländischen Süder - gebirges und zur Westfälischen Bucht. Im Süden fällt der Blick über den Steilabfall zum Ruhrtal auf das Me scheder Berg - land mit dem lebhaften Wechsel von Höhenrücken und Längsmulden, die von den Nebenflüssen der Ruhr zertalt worden sind. Im Hintergrund zeichnet sich die gewellte Kammlinie des Rothaargebirges ab. Die vielfach gefalteten geologischen Schich ten sind im Erdaltertum vor 380 Millionen Jahren aus einem Meerestrog aufgewölbt worden. Nach Norden überwiegen die horizontalen Linien der sanft abfallenden Flächen der Warsteiner Hochfläche und weiter entfernt die waldarme Schicht - stufe der Hohen Haar am Rande der Westfälischen Bucht. Während die Mas - senkalke der Warsteiner Hochfläche noch von einem Korallenriff des alten Devonmeeres aufgebaut wurden, sind die am Rande des Münsterlandes leicht hochgestellten Kreideschichten wäh rend einer jüngeren Meeresüberflutung des Erdmittelalters vor 100 Millionen Jahren abgelagert worden. 2. Der Plackweg - Wissenswertes am Wege Der Plackweg ist ein alter Grenz- und Fernweg, der vom ehemaligen Kloster Himmelpforten bei Niederense im Möhnetal über die Kammlinie des Arnsberger Waldes auf der Wasser scheide zwischen Ruhr und Möhne nach Brilon führte. Der Name kommt vom Kennzeichnen der Grenzbäume, dem Anplag gen, wobei mit der Axt ein Zeichen in die Rinde eingehauen wurde. Die Plack weghöhen haben im Unter grund harte Sandsteine des flözleeren Karbons, die zu nährstoffarmen, steinreichen Lehm böden verwittert sind. Daher überwiegt die Waldnutzung mit Rotfichten und Rotbuchen. Der Wald ist Lebens raum für Rot-, Sika-, Schwarzund Rehwild. 3. Das Naturschutzgebiet Hamorsbruch In der Quellmulde des Bilsteinbaches liegt mit 64 Hektar eines der größten Moorgebiete Westfalens. Schon 1942 wurde das Hamorsbruch mit seinen bis zu zwei Meter mächtigen Torfschichten und dem darauf stockenden Karpatenbirkenbruchwald unter Naturschutz gestellt. Nicht nur die seltene Waldgesellschaft ist schützenswert, die Torfschichten bewahren mit ihren Blütenpollen auch ein einzigartiges Vegetations- und Klimaarchiv, da die Hangvermoorungen bereits vor 9000 Jahren begonnen haben. Durch Sperr ung von Entwässerungsgräben, Vernet zung mit Erlenbruchwäldern und Um wandlung von Fichtenforsten soll das Feuchtgebiet optimiert werden. 4. Der Stimmstamm Ein knorriger Stamm markierte einst den Grenzpunkt, an dem die Grenzlinien der Gemarkungen Warstein, Eversberg und Meschede zusammentreffen. Am so

33 SAUERLAND NR. 2/ schen Suche nach dem Ort der Varusschlacht ließ Professor Hülsenbeck bereits 1878 einige vermeintliche Grabhügel öffnen. Er fand aber nur ungestörte Bodenprofile, Stein packungen und Holzkohle. Die nächste Grabungskampagne finanzierte der Sau erländische Gebirgsverein in den Jahren 1910/11. Unter der Leitung des Geheimen Baurats Biermann und der Professoren Koepp und Dragendorf wurden die hier und an anderen Stellen des Arnsberger Waldes entdeckten Steinhaufen angegraben. Allerdings wurden weder Leichenbrand noch Grabbeigaben gefunden. Offensichtlich handelt es sich um Lesesteinhaufen mittelalterlicher Rodungen. Etwa 230 Meter westlich des Turmes erinnert ein Gedenkstein memento mori am alten Plackweg an den plötzlichen Herztod eines Lippstädter Sommer - gastes am 24. September 1931 wäh - rend einer Wanderung. 7. Markes Kreuz Markens Kruize an der Kreuzung Warsteiner Fußpfad mit dem neuen Plackweg ist für den Jüngling Johann Friedrich Bongartz errichtet worden, der hier am 9. Januar 1739 von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. Das Gedenkkreuz verdeutlicht die Gefahr, die von umstürzenden Bäumen ausgehen kann und durch den Orkan Kyrill erneut bestätigt wurde. genannten Sassenstein oder Stimp - stampf war 1726 Treffpunkt der Schna - dezüge ist auf der Urka tasterkarte oberhalb vom Berkenbruch und Hamorsbruch der Stimmstamp eingezeichnet, ein Flurname, der mit stampfen vielleicht vor dem anmoorigen Untergrund warnen sollte. Das Land-Gasthaus an der B 55 gleichen Namens ist eine ehemalige Zoll- und Poststation von Etwa 500 Meter weiter östlich wurde 1899 der Her mannsturm für Wanderer errichtet, der wegen seiner Holzkonstruktion verfallen ist. 5. Kapellenplatz Ein kleiner Pfad mit Jahresbäumen führt von der Plackweghöhe nach Nor - den zu einer 2004 errichteten Wege - kapelle, wo zur Zeit des Kölner Kur - fürsten Clemens August ( ) in exponierter Höhenlage eine inzwischen verfallene Kapelle errichtet wurde. Ein Vorgängerbau ist auf einer Jagdkarte des Arnsberger Waldes von 1630 als Ruin eingetragen. Die Kapelle könnte während der tagelangen Jagden der Kurfürsten im Arnsberger Wald für liturgische Zwecke genutzt worden sein. 6. Judenkirchhof Die Entstehung des Flurnamens Judenkirchof auf der Hangfläche südlich des Lörmecketurms liegt im Dunkel. Der Ursprung ist vermutlich in der abgelegenen Lage, der Kreuzung vom Warstein-Eversberger Fußpfad mit dem alten Plackweg und den dort gefundenen Steinhaufen zu suchen. Steine erinnern nach jüdischem Brauch an die Ver stor benen oder sollen Bestattungen schüt zen. Auf der patrioti-...mit Sicherheit! Pflegerente + Krankenzusatz-Versicherung + Unfall-Versicherung + Reise-Rücktrittskosten-Versicherung + Bestattungsvorsorge nur 81,95 Euro monatlich* *Beispiel: 50 jähriger Mann Sparkasse Hochsauerland

34 86 SAUERLAND NR. 2/ Jahre Landesvermessung im Grenzgebiet zwischen kurkölnischem und märkischem Sauerland von Hans Fröhlich 1. Einleitung Anfang des 19. Jahrhunderts waren der Wunsch des Militärs nach Land - karten und der Gesellschaft nach einer gerechten Grundbesteuerung Anlass und Triebfeder für intensive Landesvermes sungen, so auch im Grenzgebiet zwischen märkischem und kurkölnischem Sauerland. Da heutzutage Vermessun gen fast ausschließlich nur noch satellitengestützt durchgeführt werden, liegt es nahe, 200 Jahre klassische Landes vermessung Revue passieren zu lassen. Diesen Rückblick möchte der Autor 1) am Beispiel des Gebietes zwischen Pletten berg und Wildewiese (zu Sundern ge hörig) nachvollziehen, da in diesem Gebiet im Laufe der beiden Jahrhun - derte mehrfach Landesvermessungen durchgeführt wurden. 2. Grundzüge der Landesvermessung (Triangulation) Sollen von einem Gebiet Landkarten erstellt oder ein Grundstückskataster aufgebaut werden, so lassen sich eine Flä chendeckung, Aktualität und hohe Genauigkeit nur erzielen, wenn gleichzeitig viele Vermessungstrupps an verschiedenen Stellen mit der Gelände - aufnahme beginnen. Werden dann die Ergebnisse der einzelnen Vermessungen zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefügt, dürfen an den Nahtstellen keine Spannungen auftreten. Dies gewährleistet ein Feld von Festpunkten, die sogenannten trigonometrischen Punkte, kurz: TP. Sie werden von eigens für dieses Handwerk ausgebildeten Vermes sungsingenieuren, den Trigonometern, so im Gelände ausgewählt, dass zwischen benachbarten Punkten Sichtver bindungen bestehen. Indem der Trigo nometer dann von jedem Standpunkt aus zu den benachbarten Punkten mit dem Theodolit (Winkelmessinstrument) die Winkel misst, spannt er sozusagen ein Dreiecksnetz über das Gelände, man spricht von einer Triangulation. Be - stimmt man zusätzlich noch die Länge einer Dreiecksseite, lassen sich mit den Formeln der Trigonometrie die Punkt - lagen (Koordinaten) aller Dreieckspunkte zueinander berechnen. Werden dann die vielen Detailvermessungen an diesen Festpunktrahmen angeschlossen, ist ein spannungsfreies Aneinanderpassen der einzelnen Vermessungen garantiert. Abb. 2: Geländerelief mit den TP; links TP(2) Hemberg, mittig TP(2) Heiligenstuhl, rechts TP (2) Wildewiese, im Hintergrund die Sorpetalsperre Dieses Festpunktfeld gliedert sich in verschiedene Stufen. Zunächst baut man ein weitmaschiges Netz 1. Ordnung auf mit Seitenlängen von 30 bis 70 km (z. B. TP (1) Homert bei Eslohe und TP (1) Nordhelle bei Herscheid), das man anschließend durch die TP 2. Ordnung mit Punktabständen von 6 bis 10 km verdichtet, bis man schließlich in der 4. Ordnung zu Punktabständen von 1 bis 2 km gelangt man arbeitet in der Fachsprache vom Großen ins Kleine. Die folgende Rückschau bezieht sich auf die TP (2): Sundern-Wildewiese, Schomberg 648 m ü. M, Plettenberg-Eiringhausen, Hemberg 535 m ü. M. und auf der anderen Seite des tief eingeschnittenen Lennetals Plettenberg, Heiligenstuhl 584 m ü. M. Anhand der Topographie in diesem Gebiet lässt sich das Verständnis für eine Landesvermessung mit all seinen Schwierigkeiten am ehesten nacherleben und durch seine Bebilderung eindrucksvoll darstellen. 3. Die großherzoglich-hessische Triangulation 1812/16 In den Wirren der napoleonischen Zeit musste das Erzbistum Köln sein Herzogtum Westfalen mit dem kurkölnischen Sauerland an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt als Entschädigung für dessen linksrheinische Gebietsverluste abtreten. Abb. 4: Christian Leonhard Philipp Eckardt [2]

35 SAUERLAND NR. 2/ Als dann 1809 der Geograph und Astronom Christian Leonhard Philipp Eckardt ( ) von der großherzoglich-hessischen Regierung mit der Leitung der Katasteraufnahme im Herzogtum Westfalen betraut wurde, gründete er noch im gleichen Jahr in Arnsberg ein Katasterbüro [1]. Als Grundlage für die Stückver - messung plante er ein Dreiecksnetz, dessen Maßstab er über eine Dreieckskette von Darmstadt her abzuleiten gedachte. Diese Triangulation 1. Ordnung, die auch den TP (1) Homert bei Eslohe mit einbezog, erfolgte in den Jahren 1810 bis Die Triangulation 2. Ordnung in dem zur Rede stehenden Gebiet erfolgte durch den inzwischen zum Regie - rungsrat aufgestiegenen Eckardt zwischen 1812 und Eckardts Weit - sicht ist es zu verdanken, dass die Ver - messungspunkte auch dauerhaft (nicht nur durch verwesliche Holz pflöcke) vermarkt wurden. Die Dreieckspunkte wurden örtlich zunächst nur mit etwa 50 cm tiefen Gruben versehen, auf deren Grund sich eine künstliche Pflasterung befand, welche den Mittelpunktstein einschlossen. Um jedoch diesen vor Zerstörung zu sichern, sind alle Gruben zugeworfen worden. Mit dem Ende der napoleonischen Zeit und als Ergebnis des Wiener Kon - gresses kam auch das Herzogtum West - falen zum Preußischen Staat und die schon begonnenen Vermessungen für das Rheinisch-Westfälische Grundsteuer - kataster wurden Schritt für Schritt mit den inzwischen neu berechneten TP in Verbindung gebracht. 4. Die Triangulation der Generalkommission Münster 1890/94 Im Laufe der Jahrzehnte nach der Erstellung des preußischen Urkatasters stellte sich heraus, dass eine Aktualisie - rung und Qualitätsverbesserung des Katasterbestandes erforderlich sei. Hier mit einhergehend sah man auch eine Neuordnung des ländlichen Raumes als zwingend gegeben an. Dies veranlasste die schon 1820 für die Regelung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhält nis se geschaffene Generalkommission in Münster (Vorgängereinrichtung der oberen Flurbereinigungsbehörde) auch im Gebiet zwischen Plettenberg und Wildewiese triangulatorisch tätig zu werden. In den Kreisen Arnsberg und Meschede erfolgten diese Arbeiten in den Jahren 1890/94 [1]. Abb. 9: Katasterpyramide der General - kommission Münster [4] 5. Die Triangulation der Königlich-Preußischen Landesauf - nahme 1897 Schon im Jahre 1875 hatte die Königlich-Preußische Landesaufnahme (kurz: PrLA) beschlossen, die westlich der Elbe gelegenen Gebiete neu zu triangulieren, da die Einheitlichkeit und Qualität der TP- Netze nicht mehr dem Stand der Zeit entsprachen. Nachdem das TP-Netz 1. Ordnung ab 1886 im Sauerland durch Hauptmann Hans Bendemann [5] geschaffen Abb. 5: Eckardt sche Vermarkung des TP Wildewiese [3] Abb. 7: Ausschnitt TP-Netzbild 2. Ordnung der Generalkommission Münster [1] Um gute Dreieckskonfigurationen und eine Flächendeckung zu erlangen, musste Eckardt teilweise TP jenseits der Gebietsgrenze, also auf märkischem Ge - biet, aussuchen, so auch auf dem Heiligenstuhl bei Plettenberg. Diese TP wurden aber nur von außen angezielt, Messungen dortselbst fanden nicht statt. Anders als bei Eckardt wurden die TP nicht nur unterirdisch (sicher) vermarkt sondern auch oberirdisch durch einen Sandsteinpfeiler sichtbar gemacht und um das Anzielen der Punkte zu vereinfachen, wurden über den Vermarkungen sogenannte hölzerne Pyramiden errichtet. war, wurde Mitte der 1890er Jahre der Trigo nometer Lefèvre mit der Triangulation II. Ordnung beauftragt. Seinen Beobach tungsschriften (Feldbüchern) lassen sich eine Vielzahl von Details fachlicher und persönlicher Art entnehmen [4]: Die von ihm erkundeten TP und Sichtverbindungen stellt das nachste-

36 88 SAUERLAND NR. 2/2008 Abb. 13: Lefèvre s Stationsbeschreibung vom 10. Juni 1897 Abb. 10: TP-Netzbild 2. Ordnung der PrLA [4] Abb. 14: Eiringhausen um 1885, Gasthof Ostermann im Vordergrund [7] Abb. 11: Katasterpyramide mit Hängepfeiler [6] Abb. 12: Preußische TP-Vermarkung [4] hende Netzbild dar, mit den TP (1) Balverwald, Homert und Nordhelle als Anschlusspunkte Um für den Theodoliten einen festen Aufstellungspunkt zu garantieren, ließ er in die noch vorgefundenen Katasterpyramiden einen zweiten, sogenannten hölzernen Hängepfeiler einziehen. Alle TP wurden mit der in Preußen üblichen Standardvermarkung, bestehend aus (Granit-)Pfeiler und Platte, vermarkt bzw. vorgefundene ersetzt. Station II. Ordnung Hemberg Das Signal Hemberg liegt auf dem höchsten Punkte des Hembergs bei Eiringhausen. Das Signal ist eine hohe Katasterpyramide, in welche ein 3,93 m hoher Hängepfeiler eingezogen wurde, damit man über den Hau - wald hinwegsehen kann. Die vorgefundene Festlegung der Gene ral - kommis sion Münster wurde unter Beibe haltung des Centrums durch die vorschriftsmäßige Festlegung ersetzt Be sitzer: Jos. Schulte, Büringsen bei Abb. 15: Wilhelm Ostermann ( ) 2) [8]

37 SAUERLAND NR. 2/ Affeln, Stummelstr. 70, Flurschaden nicht entstanden, Pacht wird seitens der General - kom mis sion bezahlt. Quartier: Eiringhausen, Gasthof Ostermann Station II. Ordnung: Heiligenstuhl 11. Juni 1897 Der Punkt Heiligenstuhl liegt auf dem höchsten Punkte des Berges Auf m Kröpfchen 1 km südlich von Pasel, 3 km östlich von Plettenberg. Es ist kein Signal gebaut worden, sondern in der einen Ecke des Thurmes (Nord westecke) eine 6 m hohe Tafel angebracht worden. Für Beobachtung wurde das Meßinstrument auf den sehr festen Thurm aufgestellt. Für den Beobachter ein isolierter Stand geschaffen. Besitzer: Wilhelm Frommann, Landemert No. 143 Flurschaden nicht entstanden, Pacht nicht zu zahlen. Die Benutzung des Thurmes 3) wurde Seitens des S.G.V. auf das Be reit - willigste zur Verfügung gestellt. Station II. Ordnung Wildewiese 12. Juni 1897 Das Signal Wildewiese liegt auf dem höchsten Punkte des Schombergs nahe dem Dorfe Wildewiese. Das Signal ist eine hohe Katasterpyramide. Die vorgefundene Festlegung der General kommission Münster wurde unter Beibehalt des Centrums durch die vorschriftsmäßige Festlegung II. O. ersetzt. Besitzer: Kaspar Kaiser, Wildewiese Haus No. 2 ½ Flurschaden nicht entstanden, Pacht wird noch gezahlt. Abb. 16: Schutzhütte mit Aussichtsplattform und nebenstehendem Vermessungsgerüst [9] Abb. 17: Baumtafel [10] 6. Die Triangulation des Landesvermessungsamtes Nordrhein- Westfalen 1949 Während in der Zeit zwischen den Arbeiten des Trigonometers Lefèvre und dem Ende des Zweiten Weltkrieges keine Triangulationen mehr stattfanden, nahm 1949 das nunmehr neu gegründete Lan desvermessungsamt Nordrhein-Westfa len (LVermA) mit seiner Außenstelle in Münster die TP-Netzverdichtung bis zur untersten Stufe im Großraum Pletten berg in Angriff. Die Arbeiten wurden vom Diplomingenieur Thiel und dem Ingenieur für Vermessungstechnik Hu ster durchgeführt. Da die Bewaldung die Sichten zu den Nachbarpunkten teilweise stark behinderte, kam dem Signalbau eine besondere Rolle zu. Obwohl der S.G.V. schon 1936 auf dem Heiligen stuhl eine Schutzhütte mit Aussichts platt form errichtet hatte, musste der Bautrupp des LVermA ein eigens für Winkelbeobachtungen stabiles Beobach tungsgerüst aus Holz erstellen. Auf dem Hemberg signalisierte man den Vermessungspunkt durch eine Baum tafel. Hierbei wurde ein Baum des umstehenden Bestandes auf einer Seite zunächst enttästet. Dann zog man eine lange Holzstange, an deren Spitze man ein Tafelkreuz angenagelt hatte, am Stamm soweit hoch, dass das Tafelkreuz den Baumbestand um ein Beträchtliches überragte. Zur Stabilisierung wurde die Tafelstange mit Drähten und Erdankern nach drei Seiten verspannt. Mit der Triangulationsarbeit von Thiel und Huster lagen nun für die städtische Entwicklung und die große Siedlungs - tätigkeit nach dem Krieg die vermessungstechnischen Grundlagen für den gesamten Raum Plettenberg vor. 7. Die Trilateration des Landesvermessungsamtes Nordrhein- Westfalen 1984 Mitte der 1960er Jahre revolutionierte eine technische Entwicklung die Lan - desvermessung derart, dass man sich entschloss, durch eine weitere TP-Netz - erneuerung die Qualität des vorhandenen Netzes zu verbessern. Die elektronische Distanzmessung hatte Einzug in die Landesvermessung gehalten. Mit einem Mal war man in der Lage, Distanzen von

38 90 SAUERLAND NR. 2/2008 zig Kilometern auf Knopfdruck und auf wenige Zentimeter genau zu bestimmen, ein Traum, den Eckardt, Lefèvre, Thiel und Huster nicht gewagt hätten zu träumen, mussten sie doch Strecken z. T. Abb. 18: Beobachtungsleiter von 20 m Höhe am TP Heiligenstuhl; eine ähnliche Konstruktion stand auf dem Hemberg [8] und die Streckenlängen zwischen ihnen mit sogenannten Mikrowellen-Distanz - messgeräten bestimmt. Da die Schutz - hütte mit Aussichtsplattform auf dem Heiligenstuhl schon seit etwa 1960 nicht mehr existierte, musste auch dort eine Beobachtungsleiter errichtet werden. Dass das Gerüst auf der Wilden- wiese einem schweren Herbststurm zum Opfer fiel, sei nur beiläufig erwähnt. Mit diesem neuen Streckenmess - verfahren (Trilateration) und noch nachfolgenden Netzverdichtungen schuf das Landesvermessungsamt, unterstützt durch die Vermessungstrupps der Be zirks - regierung Arnsberg, die Grundlage für ein modernes und genaues Karten werk und für das neue Liegenschafts kataster, das bis heute seine Gültigkeit hat. Für die eingesetzten Trigonometer waren diese Arbeiten oftmals mit großen Mühen, Plackereien und Widerständen verbunden; aber würde man sie heute alle fragen Wie war s, ließe sich die Antwort wohl einheitlich mit der vierten Strophe aus Wolfgang von Goethes Türmerlied von 1831 zusammenfassen: Ihr glücklichen Augen, Was je ihr gesehn, Es sei, wie es wolle, Es war doch so schön! 8. Ausblick Von diesen 200 Jahren klassischer Landesvermessung konnte der Autor selber sieben Jahre fruchtbar mitgestalten. Die weiten Fernsichten faszinieren Abb. 21: Vodafone-Richtfunkturm auf dem Schomberg [11] ihn noch heute und so ist es nur verständlich, dass er das Preisausschreiben für den neuen Stahlturm mit Aussichts - plattform auf dem Schomberg bei Wilde wiese auslobte, denn bisher gab es noch kein Foto von der (bei sehr klarem Wetter möglichen) Fernsicht bis zu den 85 km entfernten Gipfeln des Sieben - gebirges. Seit etwa 1985 bedarf es keiner Sicht freiheit mehr zwischen den Vermes sungs punkten (TP), sondern nur noch freier Sicht zu den GPS-Satelliten Abb. 19: Beobachtungsgerüst von ca. 15 m Höhe aus Mannesmann-Stahlrohren am TP Schomberg [8] durch Aneinanderlegen von Holzlatten mühsam ableiten. Im Jahre 1984 war es dann im Lennetal soweit. Mit einer neuen Art von stählernen, wiederverwendbaren, beobachtungsfähigen Gerüsten wurden die TP 2. Ordnung signalisiert Abb. 22: Fernsichtfoto mit dem Ölberg/Siebengebirge [12] 4)

39 SAUERLAND NR. 2/ am Himmel. Für die Landesver - messungs verfahren Triangulation und Trilateration gilt: Es war einmal Tempi passati! Literatur- und Abbildungsverzeichnis 1] Schmidt, R. (1960): Die Triangulationen in Nordrhein-Westfalen, Druck: Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn - Bad Godesberg 2] Geodätisches Institut, Bonn 3] Spata, M. und H. Röcken (1990): Privatsammlung, Bonn und Herscheid 4] Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn; seit zum Regierungspräsidenten Köln gehörig 5] Fröhlich, H. und M. Spata (2004): Das Reisetagebuch des Hauptmanns Bendemann, Sankt Augustin 6] Die Königlich-Preußische Landes-Triangulation Hauptdreiecke Neunter Teil, Berlin ] Pape, G. (2007): Privatsammlung historischer Fotographien, Plettenberg 8] Fröhlich, H. (2007) Privatsammlung, Sankt Augustin 9] Fröhlich, H. (1985) Aussichtstürme im Sauer - land und Siegerland, Münster 10] Landesamt für Vermessung und Geoinformation München (2006): Sammlung historischer Fotographien, München 11] Freiburg, F. (2006): Privatsammlung von Wildewiese-Fotographien, Finnentrop-Rönkhausen 12] Weisser F. (2008): Fabian Weisser, Teilnehmer am Schomberg-Turm-Preisausschreiben, 11. Feb. 2008, Sundern 1) Professor für Landesvermessung an der Hochschule Bochum, der seine Kindheit von 1947 bis 1965 im märkischen und kurkölnischen Sauerland verbrachte - Plettenberg und Warstein 2) Urgroßvater des Autors; hinter dem Gasthof verläuft die 1861 gebaute Bahnlinie Hagen-Siegen. 3) Von diesem ersten Aussichtsturm auf dem Heiligenstuhl konnte leider trotz aller Recherchen bis heute kein Bild gefunden werden. 4) Am 20. Dezember 2007 hatten der Autor, Friedrich Freiburg, Rönkhausen und Manfred Spata, Bonn bei einer Inversionswetterlage sogar die Sicht bis zur 120 km entfernten Hohen Acht in der Eifel. Seit über 25 Jahren. Wir bieten alles, was mit Reisen zu tun hat! Flug-Pauschal-Reisen PKW-Reisen Bahn-Reisen Bus-Reisen Fern-Reisen Individual-Reisen Sport-Reisen Club-Reisen Städte-Reisen LAST-MINUTE-REISEN Flüge weltweit Rund- und Studien-Reisen Kreuzfahrten Trekkings Wohnmobile Mietwagen Reiseversicherungen Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder auf einen Besuch. DIENSTLEISTUNG wird bei uns groß geschrieben. Fordern Sie uns. Lange Wende Arnsberg Telefon ( ) Telefax

40 92 SAUERLAND NR. 2/2008 Vom Waldarbeiter zum Finanzprokurator Der Müscheder Br. Rudolph Hoffmann FMMA verstarb vor 70 Jahren von Albert H. Hoffmann Als Rentner hat man nun doch Zeit, in alten Familienunterlagen zu kramen. Meine Vorfahren haben wirklich Vieles geachtet, geschätzt und gehütet. Kürz - lich beschäftigte ich mich mit den Ge - schwistern meines Großvaters. Es waren insgesamt acht. Mein aus der Flamke bei Sundern stammender Urgroßvater Jo - hannes Josephus Hoffmann gen. Buiker heiratete Anna-Maria-Elisabeth Till - mann- Synn, sie starb 44-jährig. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. Der Sohn Anton fiel 1871 bei der Schlacht um Verdun. Einige Jahre später heiratete er dann die Schwester Maria-Mar ga - rethe Tillmann-Synn. Diese Ehe war mit sechs Kindern gesegnet. Der Älteste war mein Groß vater Johann Franz und der Viert geborene war Ferdinand späterer Bruder Rudolph FMMA. Über ihn wird berichtet. Er wurde geboren am 23. Januar 1864 in Müschede und am selben Tag in der Hüstener St.-Petri -Kirche getauft. (In der Müscheder St.-Hubertus- Kirche wurde erst ab dem Jahre 1904 getauft). In den Orden der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf trat er am in Luxemburg ein. Eingekleidet wurde er am , er erhielt den Klosternamen Bruder Rudolph. Die ewigen Gelübde legte er am 2. Februar 1893 ab. Er verstarb am 22. Juli 1938 im 75. Lebensjahr in Trier. Es ist nicht mein Verdienst gläubiger Christ geworden zu sein. Mein Christ sein wurde mir geschenkt. In ers - ter Linie von meinen Eltern, aber auch Dortmund tätig. Zunächst erfuhr er eine gediegene Ausbildung in der Krankenpflege. Im Januar 1916 erhielt der inzwischen zum Bureau vorsteher beförderte Br. Rudolph eine besondere Auszeichnung. Des Königs Majestät haben allergnädigst geruht, Ihnen die Rote-Kreuz- Medaille zu verleihen. Der Oberpräsident überreichte sie im Namen des Kaiserlichen Kommissars und Militärinspekteurs der freiwilligen Krankenpflege auf Vorschlag des Terri torial-delegierten. Schon 1897 wurde er zum Assi s - tenten seines Ordens gewählt und versah gleichzeitig das Amt des Vorstehers des Mutterhauses. Damals war er 33 Jahre alt. Im Jahre 1915 wurde er Vorsteher des Koblenzer Hauses. Als Kaiser Wilhelm II. zu Anfang des 1. Weltkrieges die verwundeten Soldaten im Koblenzer Haus besuchte, hatte Br. Rudolph die Ehre, den Kaiser durch das Krankenhaus zu führen. Vom Jahre 1927 bis zu seinem Tode bekleidete er das Amt des Generalschaffners (Finanz prokurator) der Genossenschaft und wurde in dieser Position mit weitreichenden Vollmach ten ausgestattet. In allen Stel lun gen entfaltete er eine rege Tätigkeit. In den letzten Jahren dieser Aufgabe hat er sich zuviel Arbeit zugemutet, was ihm Kreuz und Leid eingebracht hat. Aber auch im tiefsten Leid leuchteten sein Gottver trauen und seine Frömmigkeit, die ihm über alle Schwierigkeiten hinweg halfen. Seine Liebe zum allerheiligsten Sakra ment des Altares war sehr groß. Seine Aufzeichnungen aber auch die des Ordens geben ein Bild von seiner lauteren Seele. Am 22. Juli 1938 starb er im 75. Ledurch die Gemeinde Müschede, in der ich meine Jugendzeit verbrachte, so seine Aus sage. Zum 70. Mal jährt sich der Todestag des Br. Rudolph Hoffmann, er war mein Großonkel. Als Schulentlassener betätigte er sich bis zu seinem 18. Lebensjahr in der Landwirtschaft und später wurde er Waldarbeiter. Im Jahre 1883 war er und sein Bruder Franz Mitgründer des Müscheder Männer-Gesangvereins, der ihn schon bald zum 1. Vorsitzenden wählte. Zu dieser Zeit übte er sich im Orgel spiel in seiner Heimatkirche. Im Alter von 22 Jahren trat er wie oben berichtet in den Klosterorden ein. Er hoffte, im Kloster seine Seele sicherer retten zu können, Gott wohl zugefallen und dem Nächsten zu dienen. Bruder Rudolph war außer in Luxemburg auch in Trier, Koblenz, Pa derborn und

41 SAUERLAND NR. 2/ bensjahr und im 52. Jahr seines gottgesegneten Ordenslebens, so berichtet die Ordensgemeinschaft im August 1938 in einem fünfseitigen Be richt nach seinem Tode. Einbezogen wird in diesen Bericht auch ein Schrei ben seines Schulfreundes Josef Dahme, der Aufschluss über viele Jugendak tivitäten gibt. Mit Christus werde ich dereinst auferstehen und verherrlicht werden, das ist doch die große christliche Hoffnung und Zuversicht, das war seine Auffassung. Der Konflikt mit dem Nazi-Regime. In seiner Position als Finanzpro - kurator bereiste Br. Rudolph häufig die europäischen Nachbarländer. Der noch im Original erhaltene Reisepass gibt Aufschluss darüber, dass er in den Jah ren insgesamt etwa Reisen in die Schweiz, nach Frank reich, ins Saarland, nach Belgien und Rom und in die Niederlande unternehmen musste. Er wurde am 23. April 1927 mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, die vom Trierer Notar Block beurkundet wurden. So konnte er die Ordensgemeinschaft vor allen öffentlichen Stellen, Behörden und Gerichten alleine vertreten, ferner alle Grund stücks angelegen - rechts: Haus Buiker-Hoffmann (Geburtshaus Bruder Rudolph) links: Haus Tillmann-Synn; mitte: Haus Gierse u. Kriegerdenkmal heiten regeln. Durch diese herausragende Stellung und die damit verbundenen Aktivitäten, die auch die finanzielle Betreuung von Häusern des Ordens in den Nachbarländern einschloss, geriet er in Schwierigkeiten mit den Rechtsvorstellungen des Nazi-Re gimes. Am 17. April 1935 wurde er verhaftet und am 6. Dezember des Jahres zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Während seiner Haft erlitt er am 2. Mai 1937 einen Schlaganfall und wurde am 12. Mai wegen Haftun fähigkeit entlassen. Die Haftzeit verbrachte er mit einer großen Anzahl weiterer Ordensbrüder in den Zuchthäusern Rheinbach und Ber lin-brandenburg, was dem (so das Mut terhaus des Klosters) sehr geachteten, von großer und hagerer Gestalt, dabei vornehm und gebildet, nicht ängstlichem Br. Rudolph viel Kreuz und Leid einbrachte. Wieder hol - te Gna den versuche der Or - dens gemeinschaft und seiner Angehörigen, insbesondere seiner Nich te Johanna Telgenbüscher geb. Hoff - mann an die höchsten Stellen der Naziherrschaft (Reichsminister Dr. Göbbels, Führer und Reichskanzler Adolf Hitler) blieben ohne Erfolg. Der umfangreiche Schrift wechsel aus dieser Zeit wird bis heute im Hause Hoff mann aufbewahrt. Im Jahre 1937 wurde ebenfalls durch seine vorgenannte Nichte während der am ersten Mai sonntag stattfindenden Neheimer Wie den bergpro - zession für seine Entlassung besonders gebetet. Am 12. Mai 1937 konnte er dann die Haftanstalt verlassen und kehrte schwer krank in das Trierer Kloster zurück. Die Gefangenschaft hatte seine tiefe Frömmigkeit nicht erschüttert. Denn nach Aussagen des Ordens hatte er im Grunde nichts Unrechtes getan. Die kurze Zeit vor seinem Tod lebte er zurückgezogen, schrieb seine von Fröm migkeit geprägten Gedanken und zahlreiche Gebete nieder, die später von seinem Orden in den Mitteilungsblättern der Barmherzigen Brüder veröffentlicht wurden. In dieser letzten, besinnlichen Phase seines bewegten Lebens erlitt er einen zweiten Schlaganfall, an diesen Folgen starb er am 22. Juli Am Montag, dem 25. Juli 1938, wurde er auf dem Hauptfriedhof in Trier beigesetzt. Seine Angehörigen stellten anlässlich seines 50. Todestages im Juli 1988 auf der Müscheder Familiengruft einen Gedenkstein auf. Friedhof der Ordensleute in Trier

42 94 SAUERLAND NR. 2/2008 Aus dem Vorstand Beliebter Tagungsort unseres Vorstandes ist nach wie vor der traditionsreiche Landgasthof Wüllner im Golddorf Oberhennebom. In der Sitzung am 29. Februar 2008 waren unter der Leitung unseres Vorsitzenden Dieter Wurm wieder einige interessante Tagesordnungspunkte abzuwickeln, wie man heutzutage gerne sagt. Wichtigster Punkt war die Vorbereitung der Mitgliederversammlung am 30. August in Warstein-Belecke. Welche Bedeutung man in Belecke dieser Tagung beimisst, zeigte sich schon daran, das der gastgebende Verein mit mehreren Personen vertreten war, darunter die Ortsvorsteherin Elke Bertling. Zunächst wiederholte der Warsteiner Bürgermeister Manfred Gödde in sehr herzlicher Form die Einladung der Stadt und versprach seine aktive Mitarbeit an den Vorbereitungen. Für den Kultur- und Heimatverein Badulikum gab der Heimatfreund Joseph Friederizi sachkundig und eloquent einen Überblick über die bisherigen Planungen. Für das Nachmittagsprogramm sind immerhin sechs Exkursionen vorgesehen, die selbstverständlich seniorengerecht durchgeführt werden sollen. Zum Mundartarchiv in Cobbenrode trug Dr. Beckmann den neuesten Stand der Archivarbeiten vor. Besondere Anerkennung fand die Fertigstellung von Unterrichtsmaterial für die Primarstufe unserer Schulen. In Zusammenarbeit mit Georg Scheuerlein, dem Leiter der HSK-Musikschule, sind einige plattdeutsche Texte sogar kindgerecht vertont worden. Diese Arbeiten sollen sowohl in unserer Zeitschrift als auch im Internet vorgestellt werden. Schwieriger als erwartet stellt sich nach dem Bericht von Wilma Ohly die Durchführung des geplanten Seminartages zur Zusammenarbeit mit dem SGV und der Sauerland-Touristik dar. Die Tagung soll jetzt im Herbst stattfinden, und zwar nicht am Biggesee, wie zunächst geplant, sondern in Arnsberg. Hans Wevering gab in gewohnt gestraffter und überzeugender Weise einen Überblick über die Redaktionsarbeit. Es ist nicht von ungefähr, dass seinen Ausführungen spontaner Beifall der Vorstandsmitglieder folgte. Die Finanzlage unseres Heimatbundes ist zwar zurzeit noch nicht angespannt. Mit Rücksicht auf die steigenden Kosten unserer Zeitschrift beschließt der Vorstand jedoch, der Mitgliederversammlung eine maßvolle Erhöhung des Jahresbeitrages vorzuschlagen. Der letzte Punkt der Tagesordnung galt dem geplanten Register für alle Hefte seit Gründung des SHB im Jahre Unter dem Vorsitz unseres Heimatfreundes Bernd Follmann und mit sachkundiger Hilfe von Karin Kraft und Wolfgang Meier vom Kulturbüro Sauerland sind schon wichtige Erfassungsarbeiten geleistet worden. Immerhin sind rund Seiten einzuscannen. Erfreulicherweise konnte unser Vorsitzender zu Beginn der Sitzung den neuen Kreisheimatpfleger des Kreises Soest, Peter Sukkau, begrüßen, der sich in Zukunft verstärkt der Zusammenarbeit mit dem kurkölnischen Sauerland annehmen wird. Dr. Adalbert Müllmann Berg-, Hütten- und Ham - merwerke im Herzogtum Westfalen Das kölnische Sauerland, Land der tausend Berge, war ein wichtiges Mon - tanrevier in vorindustrieller Zeit. Bereits seit dem frühen Mittelalter haben hier Bergleute in Gruben und Schächten kostbare Erze gefördert. Eisen wurde für Metallwerkzeuge aller Art benötigt, Kupfer für Kanonen und Waffen, Blei für die Salinenproduktionen am Hellweg. In Rennfeueröfen und später in Hütten- und Hammerwerken an den Bächen und Flüssen verarbeiteten Schmiede die Erze für die Weiter - verarbeitung. Im 16. und 17. Jahrhundert war der Montansektor im Herzogtum Westfalen europaweit bekannt. Auf der Grundlage der Boden befunde sowie der Akten und Urkunden aus 40 Archiven wird die Geschichte des Bergbaus in 29 Städten und Gemeinden des ehemaligen Herzogtums Westfalen dargestellt. Die Zusammen fassung der Ortsgeschichten behandelt die Kon junkturen und strukturellen Verände rungen seit 800, die Auswirkungen des Bergbaus auf Siedlung und Gesellschaft, die Montan politik der Kölner Kurfürsten, die Geschichte der Bergbauunternehmer aus Adel und Bürgertum wie die Ge schichte der Berg- und Hüttenleute. 41 Abbildungen und acht Karten illustrieren den Band, den eine ausführliche Bib lio - graphie und ein Personen- und Orts re - gister erschließt. Wilfried Reininghaus/Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen. Aschendorff Verlag

43 SAUERLAND NR. 2/ Peter Sukkau ist neuer Kreisheimatpfleger in Soest Zum neuen Kreis heimat pfle - ger für den Kreis Soest wählten die Vertre ter der Heimatverei ne und die Orts heimat - pfleger am 25. Januar 2008 den 68jährigen Pe ter Sukkau aus Soest. Er ist damit Nachfolger von Dr. Wolfgang Maron, der sein Amt zum Ende letzten Jahres aus beruflichen Gründen niedergelegt hat. Der in Soest geborene Vermes - sungsingenieur entdeckte sein Interesse für die regionale Geschichte während seiner Dienstzeit beim Hochsauer - landkreis, wo er bis 2000 beim Ver - messungs- und Katasteramt beschäftigt war. In dieser Zeit hat er auch die Herren Dr. Phillip Hömberg und Dr. Uwe Lobbedey vom Amt für Boden denk - malpflege kennen gelernt. Mit diesen hat er im Sauerland etliche Wallburgen und Burgruinen aufgemessen. Nach seiner Pensionierung hat Peter Sukkau sich zunächst auf die Suche nach alten Vermessungspunkten aus der Napoleonischen Zeit gemacht. Mit rechnerischem Geschick und dem Glück des Tüchtigen hat er solch einen Haupt - punkt in 90 cm Tiefe, mitten im Ge - werbegebiet Möhnesse-Süd, wieder aufdecken können. Der trigonometrische Punkt wurde zwischenzeitlich als technisch-historisches Denkmal unter Schutz gestellt. Über diese Arbeit kam Peter Sukkau zur Heimatforschung. Sein Ziel war es, herauszufinden, wo in der Soester Börde der historische Hellweg verlaufen ist. Über das Ergebnis seiner Forschung hat er Lichtbildervorträge bei Vereinen, Gruppen und auch bei der Volkshochschule gehalten und mehrere geschichtliche Fahrradtouren dazu angeboten. Bei seinen Recherchen konnte Peter Sukkau auch den legendären Nasenstein an der Lohner Warte bei Schmerleke wiederfinden. Dieser große Findling wurde wieder an seinen ursprünglichen Platz gebracht. Qualität und Umfang unserer Zeitschrift SAUERLAND erhalten Liebe Heimatfreundinnen und -freunde, wenn sich der Kassenführer des Sauerländer Heimatbundes einmal persönlich zu Wort meldet, geht es meistens um das liebe Geld, so auch diesmal. Der Jahresbeitrag für den Sauerländer Heimatbund, der ja auch die Bezugsgebühren für die viermal jährlich erscheinende hervorragende Zeitschrift SAUERLAND beinhaltet, ist seit 2002 unverändert geblieben. In der Zwischenzeit haben sich die Druckkosten spürbar erhöht, während die Einnahmen aus Werbeanzeigen trotz aller Bemühungen mehr oder weniger stagnierten oder sogar verringerten. Auch sonstige Aus gaben, die zur Erfüllung unserer vielfältigen Aufgaben erforderlich sind, stiegen an, während andererseits die Einnahmen aus den Mitglieds - beiträgen leicht rückläufig waren. Diese verschiedenen Entwicklungen haben dazu geführt, dass der Sauerländer Heimatbund im vergangenen Jahr erstmals seit langem ein leichtes Defizit als Ergebnis ausweisen musste. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand in seiner letzten Sitzung in Oberhenneborn beschlossen, der nächsten Mitgliederversammlung im August vorzuschlagen, ab 2009 den Jahresbeitrag von bisher 12, auf 15, zu erhöhen, also um 3, pro Jahr oder 25 Cent pro Monat. Der Vorstand ist sich bewusst, dass auch eine solche moderate Beitragserhöhung für viele Mitglieder schmerzlich ist, zumal die Lebenshaltungskosten in fast allen Bereichen besonders für Energie und Lebensmittel in jüngster Zeit stark gestiegen sind. Andererseits sehen wir aber keine andere Möglichkeit als diese Beitragsanhebung, wenn wir die Qualität, den Umfang und den Erscheinungsrhythmus unserer Zeitschrift erhalten wollen und um auch in Zukunft etwas Spielraum für die Erreichung der vielen Ziele des Sauerlände Heimatbundes zu behalten. Wir hoffen, dass alle Heimatfreunde hierfür Verständnis haben und bitten schon jetzt um Zustimmung in der nächsten Mitgliederver - sammlung. Hans-Dieter Löffler (Kassenführer) Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sich Peter Sukkau mit der Registrierung und Beschreibung aller vorhandenen Karten und Pläne im Stadtarchiv Soest. Dies macht er nach eigenen Aussagen zwar ehrenamtlich, aber nicht ganz uneigennützig, denn alte Landkarten sind sein Hobby. Ein weiteres Hobby von Herrn Sukkau ist das Tennisspielen. In den 70er und 80er Jahren hat er sich bei Lehrgängen und Seminaren des Lan - dessportbundes organisatorische Fähig - keiten angeeignet. Im Soester Turn-Verein übernahm er im Hauptvorstand die Funktion des Jugendwartes. Über die Verbindung zum Landesportbund hat er einen modellhaften Jugendaustausch mit der südfranz. Stadt Montpellier aufgebaut und auch eine Skifreizeit in die Pyrenäen organisiert. Herr Peter Sukkau möchte bei seiner zukünftigen Arbeit als Kreisheimat - pfleger die Zusammenarbeit der westlichen und östlichen Heimatvereine stärken. Schwerpunkte seiner zukünftigen Arbeit sollen durch einen zu bildenden Beirat herausgearbeitet werden. Wege sind dazu da, Orte mit einander zu verbinden so Peter Sukkau in seiner Antrittsrede, dies will er durch seine Arbeit erreichen. Der Vorstand des Sauerländer Heimatbundes gratuliert Herrn Peter Sukkau herzlich zur Wahl in dieses für die Heimatpflege verantwortungsvolle Amt und freut sich auf die fruchtbare Zusammenarbeit! Karin Kraft

44 96 SAUERLAND NR. 2/2008 PLATTDEUTSCH Nach Katalanisch zweitgrößte europäische Mundartsprache von Manfred Raffenberg Der Beitritt Deutschlands zur Euro - päischen Charta der Regional- oder Mundartensprachen 1999 hat den Be - mühungen um die Erhaltung und Förderung des Plattdeutschen praktische und bildungspolitische Möglichkeiten eröffnet. Nach einem dpa-bericht vom Oktober 2007 hat der vor 5 Jahren gegründete Bundesrat für Niederdeutsch ers - te Initiativen in dieser Richtung ergriffen. Er versteht sich als sprach-politische Vertretung der Plattdeutschen, deren Mundart flächendeckend in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Bremen und Hamburg sowie in geringem Umfang in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen lebendig ist. Eine Niederdeutsch-Ausbildung an den Hochschulen (derzeit 100 Studen ten in Mecklenburg-Vorpommern) sowie der Kindertagesstätten-Erzieherinnen (200 ebendort) entspricht der Überzeugung des Rates, dass ohne Förderung im Bildungswesen, ohne Schriftsprache und Bücher... heute in Europa eine Sprache nicht zu erhalten sei. So hat auch Schles - wig-holstein dem Platt deutschen in der Lehrerbildung einen gebührenden Platz eingeräumt und Ham burg die Beschäftigung mit der Mundart in den Schulen verpflichtend gemacht. Dem Bundesrat zufolge sprechen in Nord deutschland 3,5 bis 4 Millionen Men schen gut oder sehr gut Platt, in Meck lenburg-vorpommern rund 50% der jungen Leute, mehr als noch vor 30 Jahren. Soweit dpa. Das Plattdeutsche gehört zur origi - nären und lange Zeit identitätsstiftenden Kultur unserer Region, in der aufwändige, denkmalschützende Maßnahmen vielerorts sichtbar und spürbar sind. Es wäre wünschenswert, wenn auch der Erhalt unserer Mundart den Status denkmalpflegerischer Bemühungen erhalten wür de. Ihn der Privatinitiative von Ver - einen, Arbeitskreisen und engagierten Einzelpersonen zu überlassen, reicht nicht aus und deutet auf das stille Einverständnis mit ihrem Aussterben. Daß wir politisch mit Nordrhein an einen z. T. anderen Sprachraum gebunden sind (und daher wohl kaum wie die Bür gerschaft Bremen vor ein paar Jahren unsere Landesverfassung ins Platt deut sche übersetzen können), sollte für unsere Volksvertreter kein Grund zur Resig nation sein, sondern sie doppelt zur Rettung der westfälischen und vor allem auch der sauerländischen Mundart anspornen. Von der jedenfalls 2004 ausschließlich mit Münsterländern besetzten Fachstelle Niederdeutsche Sprachpfle ge haben uns m. E. bisher keine Impu l se erreicht. Vielleicht könnte die anstehende Regionale eine Chance eröffnen. Unabhängig davon aber sollten wir mit allen Mitteln den Trägerverein Mundartarchiv Sauerland unterstützen, dessen gerade erschienenes Projekt Unterrichtsmaterialien für die Primar stufe, erstellt von Dr. Werner Beck mann und Herbert Grunwald, erste Schritte zur Einbeziehung des Platt deutschen in regional orientierte Bil dungsmöglichkeiten aufzeigt. Unver zicht bar in diesem Zusammenhang erscheinen mir die Anregungen, die Willy Knoppe in seiner an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vorgelegten Dissertation zu Christine Koch erarbeitet hat ( Un bey allem is wuat. Orien tierungssuche in einer regionalen Sprach form. Eine literaturpädagogische Untersuchung zu den Werthaltungen in der niederdeutschen Lyrik von Christine Koch), Hrsg. Schie- ferbergbau- und Hei matmuseum Schmallenberg-Holt hau sen, Cullivier- Verlag Göttingen Besprechung in Sauerland Nr. 11 Juni 2006, S Wenn man weiter bedenkt, dass nach Erscheinen des Plattdeutschen Wörterbuchs für das Kurkölnische Sauerland (1988) in den vergangenen 10 bis 15 Jahren etliche regionalbestimmte plattdeutsche Wör ter bücher entstanden sind (u. a. für Bri lon, Rüthen, Belecke, Störmede, Gar feln Kreis Lippstadt, Schmallenberg-Grafschaft, Menden) und Peter Bürger gerade eine Geschichte der sauerländischen Mundart und ihrer klassischen Autoren erarbeitet hat (Strunzerdal, Die sauerländische Mundartliteratur des 19. Jahrhunderts und ihre Klassiker Friedrich Wilhelm Grimme und Joseph Pape, Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe 2007), so darf man mit aller Vorsicht behaupten, dass die materiellen Voraussetzungen für die Förderung - und den Erhalt der Sauerländer Mund - art durch Unterrichts- und Bildungs - programme nie günstiger gewesen sein dürften. Wo aber finden sich die bildungspolitischen und behördlichen Institutionen, die diese Chance ergreifen? Ausstellung mit Fotografien von Friedhelm Ackermann Einen kleinen Einblick in die über Jahrzehnte dauernde professionale Arbeit unseres vor drei Jahren verstor - bebenen Vorstandsmitgliedes gibt eine ständige Ausstellung mit wechselnden Motiven unter dem Titel Sauerland-Impressionen im Foyer des Sauerland - theaters in Arnsberg. Die Ausstellung kann an den jeweiligen Veranstaltungstagen ab eine Stunde vor Einlass besucht werden. Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Arnsberger Heima t bundes, des Stadt- und Landstände archivs und der Familie Ackermann. Red.

45 SAUERLAND NR. 2/ BÜCHER SCHRIFTTUM Plattdeutsch im Sauerland Einsendungen zum Nachschlage - werk sind noch bis Ende Juli 2008 möglich Ende 2008 soll das Nachschlagewerk Im reypen Koren zur sauerländischen Mundartliteratur erscheinen. Mit diesem Titel wird die seit 2006 im Druck vorgelegte dreiteilige Mundartliteratur-Reihe des Esloher Museums abgeschlossen. Das Werk konzentriert sich vor allem auf plattdeutsche Autoren/innen im kölnischen Sauerland (Kreis Olpe, Hoch - sauerlandkreis, Menden und Balve, Kreis Soest südlich des Haarstrangs ). Im Rahmen eines Aufrufes von 1996 erreichten viele Einsendungen das Chr.- Koch-Mundartarchiv des Esloher Maschinen- und Heimatmuseums. Sie werden in dem Buchprojekt berücksichtigt. Bis Ende Juli 2008 sind jetzt auch noch letzte Nachträge möglich. Be - rücksichtigt werden: 1. Örtliche Bibliografien bzw. Zu - sammenstellungen zu plattdeutschen Zeugnissen eines Ortes/Gemeinde - gebietes (aus Ortschroniken, Festschrif - ten, Dorfzeitungen, Gottesdienstheften, lokalen Archiven etc.). Von Interesse sind auch Hinweise auf veröffentlichte Tonträger. 2. Ergänzungen zu schon bekannten Namen oder ganz neue Beiträge zu Mundartautoren (Lebensdaten, Bio - graphisches, Liste der Werke & Ver - öffentlichungen, Textproben, Por trät - foto). Erwünscht ist bei noch lebenden Autoren besonders auch eine Be - schreibung des eigenen Hinter grundes zum Plattdeutsch-schreiben (dazu kann ein Fragebogen angefordert werden). 3. Mitteilungen zum Sprachstand vor Ort: Wer spricht im jeweiligen Dorf noch Platt? Welche Initiativen/Gruppen kümmern sich um Plattdeutsches? Kontaktadressen für Einsendungen zum Nachschlagewerk Plattdeutsch : Chr.-Koch-Mundartarchiv am Museum Eslohe oder direkt an: Peter Bürger, Kiefernstraße 33, Düsseldorf, Pressekontakt : Christine-Koch-Mundartarchiv am Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe c./o. Peter Bürger, Kiefernstr. 33, Düsseldorf Tel Mailkontakt - bilder.de An Ruhr, Valme und Elpe Heimatkundliche Beiträge aus den Dörfern der Gemeinde Bestwig 2. Ausgabe Dezember Schwester T. Lehmeier / Dr. U. Bock: 200 Jahre Schwestern der hl. Mag dalena Postel / 30 Jahre Bergkloster Bestwig. F. Schroeder: Von Giersdorf in Schlesien nach Ramsbeck in Westfalen. S. Haas: Die Kapelle St. Peter und Paul in Berlar. Dr. W. Kuhne: Kärreken versteigerte den Hahn. H. Assmann: 100 Jahre katholischer Kindergarten in Velmede. D. Finke: Titan Aluminium Feinguß GmbH, Bestwig. F. Schroeder: Duarp-Schützenfest in Ramsbeck. W. Hohmann / A. Wegener: Nuttlar Industriegeschichte im oberen Ruhrtal. S. Haas: Rätselhafte Mauerreste an der Plästerlegge. W. Gödde: Die Dreifal tigkeitskapelle in Velmede. R. Schmidt mann: Prof. Dr. Dr. Gottfried Hoberg. Dr. D. Hegemann: Som - mergedicht. F. Schroeder: Kaiser Wil helm I. Ein Denkmal für Ramsbeck. P. Mengelers: Kyrill und seine nachhaltigen Aus wir kungen innerhalb der Ge meinde Best wig. S. Haas: Rekul tivierung des Schlamm teiches bei Andreasberg. F.-E. Prein: Ramsbecker und Bestwiger Apo - thekengeschichte. E. Dünschede: Wahl - fieber bei Velmede-Bestwigs Kickern. R. Römer: Zigar renherstellung in Velmede. Herausgeber: Heimatbund der Gemeinde Bestwig e. V. De Fitterkiste Geschichtliches aus Winterberg und seinen Dörfern Band 16 Ausgabe Msgr. Dr. W. Kuhne: 725 Jahre Silbach Unsere Heimat unser Reichtum. P. Aust: Traditionen reichen bis ins 18. Jahrhundert Fahnengesellschaften sind die ältesten Vereine im Stadtgebiet Winterbergs. G. Bartz: Feldkreuze und Bildstöcke in der Winterberger Flur (Teil 2). R. Ahlers: Eisenzeitliche Funde aus Siedlinghausen-Altenfeld. J. Schmidt: Der Erdmannsche Graben Geschichte eines Grenzgrabens. Dr. W. Herold: Wüstung Neuer Hagen als geschützte Bodendenkmale Vorstellung der Do kumentationstafel am Dr. F. Opes: Auf geschichtlicher Spu rensuche in Nordwaldeck Bericht über die Tagesfahrt des HGV. E. Stahl - schmidt: Das Grönebacher Steinzeitbeil. U. Lange: Von Steinhelle nach Medeach Ein Fuß- und Radwanderweg auf den Spuren der ehemaligen Kleinbahn Steinhelle-Medebach. C. Caspari: Die richtige Quelle der Namenlose. D. Huhne, Dr. F. Opes: Ein Kaufvertrag von 1767 oder: Wie Johannes Lauber der jüngere Mitbesitzer von Bürgers in Hoheleye wurde. A. Hitzegrad: Weih nachtsgeschichten aus schwerer Zeit Feldpostbriefe aus dem Zweiten Welt krieg. A. Kießler: Alte Grönebacher Hausnamen. R. Braun: Sprechen Sie Denglisch?... oder der zeitgemäße Umgang mit der deutschen Sprache. H. Dinklage: Das Wetter Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Winterberg e. V.

46 98 SAUERLAND NR. 2/2008 Der Schwammklöpper Fredeburger Heimatblätter 19/2008 H. Gierse: Zum Geleit. U. Mertens: Geomatie in Bad Fredeburg. G. Schulte: Antoniusdienstage in Fre - deburg eine vergessene fromme Stiftung. H. Gierse: Kurze Winter freuden in den sechziger Jahren Sprungschanze im Januar 1967 eingeweiht. E. Hölscher: Weichnachten im Schnee? Ein alljährlich diskutiertes Thema. E. Hölscher: Der Orkan Kyrill Auswirkungen auf Wald und Wan derwege. M. Hagedorn: Die Frede burger Schriftenreihe. J. Amelunxen: Meyn Görken. H. Gierse: Ein Hauch von Poesie aus alter Zeit. H. Gierse: 200 Jahre Zeitreise. Es geschah vor...g. Schulte: Ausgegraben. H. Gierse: Über Ziegenzucht und mehr - Mescheder Zeitung vom 12. Juli H. Gierse: Architekt Joseph Lehmenkühler Arbeiten von in Fredeburg. H. Gierse: Abbruch der alten Pfarrkirche Kirchenvorstand: Außenre novierung der St.-Georg-Pfarrkirche in Bad Fredeburg U. Schüttler: Fahne Mariens M. Schüttler: Pater Friedrich Vogt-Sasse Missionar in Südamerika. G. Schulte: Pater Schneider Erinnerungen an einen Seelsorger. C. Fromme: Rückblick Firmvorbereitungen Sr. M. A. Lingemann MSC: Jugend gegen Auftritte der SA in Fredeburg Episoden aus längst vergangener Zeit. H. Gierse: Ein frohes Wiedersehen in der Heimat Schuljahrgänge 1906/07 und 1907/08 Treffen vor 50 Jahren. W. Schultz: Spuren einer Schule... Redaktion: Bad Fredeburg hat keine Hauptschule mehr. G. Schulte: Pädagogium Mungenas Geschichte und Entwicklung Redaktion: Sozialwerk St. Georg übernimmt Internat. H. Gierse: Foto-Rahmen im Rudolf- Becker-Park. H. Gierse: Es tut sich was in Fredeburg. S. Hennecke + A. Vogt: Einradclub Die Gummibärchen aus Rädern. C. Schüttler: Jugendrotkreis Bad Fre deburg. B. Linn: 175 Jahre St. Georg-Schützenbruderschaft 1832 e. V. Fredeburg. B. Siepe: 60 Jahre Drogerie-Parfümerie-Foto Siepe. J.-G. Pollmann: Kriegsgefangene im Sauerland Eine Beitrag zur Stadtgeschichte von Fredeburg. St. M. A. Lingemann MSC: Parallelen. U. Schüttler: Bad Fredeburg im Rückblick. Hrsg. vom Arbeitskreis Heimat der S. G. V. Abteilung Bad Fredeburg 14, Schmallenberg Südsauerland Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe. 4/2007 Folge 229. S. Falk: Le - bensphasen gestern und heute: das Alter. R. Kirsch-Stracke: Ein Wort vorneweg. M. Baales: 25 Jahre Archäologie in Olpe. G. Isenberg: Die Wüste lebt... Festvortrag aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen am 25. August 2007 im Rathaus in Olpe. A. Zembala: Ein neues St.-Martinus-Denkmal für Olpe. O. Höffer: Funde und Hinweise aus dem Archiv des Freiherrn von Fürstenberg-Herdringen (Teil 14). D. Clemens: Der Flugplatz Hünsborn mehr als 50 Jahre lebendige Geschichte (Teil 1). M. Köster: Er war dann mal weg Ein mittelalterlicher Jakobspilger aus Attendorn und was er uns heute noch erzählen kann. M. Cordes und R. Kirsch- Stracke: Die Imkerei im Kreis Olpe Unterlagen gesucht! E. Hoberg: Weihnachtszeit in Oberveischede vor 60 Jahren und früher. D. Tröps: Vor 65 Jahren Letzte Nachricht eines Finnen tropers aus Stalingrad Weih nachten D. Tröps: Mitglie derversammlung 2007 des Kreis heimatbundes Olpe e. V. H.-W. Voß: Heimatchronik vom 1. Juli 2007 bis 30. September. Buchbe - sprechungen. Neu erscheinungen in der Schriften reihe des Kreises Olpe. Anschriften der Mitarbeiter, Termine. Hrsg. vom Kreisheimatbund Olpe e. V., Geschäfts - stelle: Kreisarchiv Olpe, Danziger Straße, Olpe, Tel.: / Südsauerland - Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 1/2008 Folge 230. S. Falk: Feier - abend: Freizeit und Muße - gestern und heute: das Alter. R. Kirsch-Stracke: Ein Wort vorneweg. M. Ohm und M. Schulte-Brinker: Rehringhausen: Bun - desgolddorf 2007 in NRW. Ein Dorf auf Erfolgskurs. R. Rottwinkel: LANDRAT Kunst am Wanderweg. B. Reißner: Förderpreis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für Günther Becker. Ein Interview mit dem Preis träger. M. Vormberg: Paul Josef Cordes der Kardinal aus Kirchhundem. H.-J. Beckmann: Der 100. Geburtstag von Pfarrer i. R. Josef Löcker. W. Acker schrott: Edith Jung. M. Vormberg: Karl-Josef Luster-Haggeney. U. Selter: Sportgeschichte(n). Bobfahrer Dieter Hundt aus Attendorn. O. Höffer: Funde und Hinweise aus dem Archiv des Freiherrn von Fürstenberg, Herdringen (Teil 15). Aufgezeichnet von G. Baumhoff, mitgeteilt von S. Falk: Vater kommt wieder. Erlebnisse und Rückkehr des Gefreiten Josef Baumhoff nach Röllecken. D. Clemens: Der Flugplatz Hünsborn mehr als 50 Jahre lebendige Geschichte (Teil 2). H.- W. Voß: Heimatchronik vom 1. Oktober 2007 bis 31. Dezember D. Tröps: Neuerscheinungen des Jahres 2007 (mit Nachträgen aus früheren Jahren). Hrsg. vom Kreisheimatbund Olpe e. V., Geschäfts - stelle: Kreisarchiv Olpe, Danziger Straße, Olpe, Tel.: / Jahre Uentrop Ein Buch zur Geschichte des Dorfes und der Mark Uentrop Was ein kleiner Sauerländer Ort auf die Beine stellen kann, zeigte das Ortsjubiläum des heutigen Arnsberger Stadtteils Uentrop. Über die Jubilä - umsfeierlichkeiten im Oktober 2007 hinaus zeugt die 225 Seiten starke Chronik 800 Jahre Uentrop Ein Buch zur Geschichte des Dorfes und der Mark Uentrop davon. Das reich bebilderte und vom Arbeitskreis 800 Jahre Uentrop herausgegebene Buch gliedert sich in die vier Bereiche Ursprung, Entwicklung, dörfliches Umfeld und Dorfleben. Es vermittelt einen gelungenen Einblick in die Geschichte und Gegenwart des Gemeindelebens an der Ruhr. Ein Band, der zum Lesen, Be trachten und Schmökern einlädt und das gekonnte Layout unseres verdienstvollen Heimatfreundes und Vor stands kollegen des SHB Hans Wevering verrät. Es ist zum Preis von 20, EURO bei Fritz Vetter, Dorfstraße 30, Arnsberg, Tel / zu erwerben. Michael Schmitt

47 SAUERLAND NR. 2/ Das Haarmännchen Sagen aus der Region um Haar und Möhne Auf der Grundlage der Original- Sammlung des Rüthener Ehrenbürgers Eberhard Henneböle ( ) gab nun Ulrich Grun den fast 100 Seiten umfassenden Band Das Haarmännchen Sagen aus der Region um Haar und Möhne heraus und ergänzte ihn um weitere Werke. Das schwarz-weiß bebilderte Lesebuch zieht einen regional weiten Kreis über das Rüthener Stadtgebiet hinaus. Ein Ortsverzeichnis hilft dabei dem interessierten Leser, es sich auch unter diesem Gesichtspunkt zu erschließen. Eine schöne Lektüre, die den Sagenschatz des nördlichen Sauer lan - des, der Haar- und Hellweggegend bis ins Paderborner Land erschließt sowie das Andenken an den verdienstvollen langjährigen Schulrektor und Heimat - freund Henneböle wach hält. Der Erlös kommt obendrein der Schönstätter Afri - ka-mission zugute. Das im Geiger verlag in Horb am Neckar erschienene Buch (ISBN ) ist zum Preis von 16,50 EURO zu erwerben. Michael Schmitt Vögel am Möhnesee Die Möhnetalsperre ist das größte westfälische Gewässer und ein besonders beliebtes Touristenziel unseres Raumes. Besucherscharen bevölkern die Seeufer an Sommerwochenenden und Wassersportfreunde finden hier immer reizvolle Möglichkeiten für ihre Aktivitäten. Nur wenige wissen aber, dass der Möhnesee auch ein Wasser - vogelparadies ist, für sie ein Winter - quartier und ein Rastplatz von sogar internationaler Bedeutung. Das erfahren wir von dem Ehepaar Wilfried und Ursula Stichmann, seit mehr als 50 Jahren ausgewiesene Beobachter und Kenner der Vogelwelt am Möhnesee. Sie haben darüber im Februar 2008 ein handliches Bändchen mit dem Titel: Der Möhnesee. Ein Wasservogelpara dies im Wandel der Zeit veröffentlicht, eindrucksvoll bebildert von dem Tier fotograf Bernd Stemmer. Für vogelkundlich Interessierte bietet das kleine Buch eine enorme Fülle von Informationen, hier können nur wenige Daten festgehalten werden, um einen ersten Ein druck zu vermitteln. Wer weiß schon, dass in jedem Winterhalbjahr zwischen 5000 und Wasservögel auf dem Möhnesee weilen, die vielen Tausend Möwen gar nicht mitgerechnet. Über die sechs häufigsten Arten wird in einem eigenen Abschnitt (S ) referiert, besonders bemerkenswert dabei der Haubentaucher, ein Charaktervogel der Talsperre. Weitere Abschnitte widmen die Verfasser den Neuan kömmlingen und Gewinnern (S ) und den Verlierern (S ) bei den mehr als 60 an Wasser gebundenen Vogelarten. Zu den Neuankömm lingen wird z. B. der Kormoran gezählt, bis 1990 hier eher selten, inzwischen konzentrieren sich so die Verfasser in den Sommer monaten bis zu 1400 Kormorane auf dem See, nicht zur Freude der Berufs fischer und Angler, denn sie sind unersättliche Raubfischer. Mittlerweile sind nun Vergrä- mungsmaßnahmen eingeführt worden. Der Ruhrverband verzichtet zwar auf den Einsatz von Schuss waffen, versucht jetzt jedoch das Aus ufern der Bestände an ihren Schlaf plätzen in den Bäumen am Seeufer naturschutzverträglich zu unterbinden. Wie er das schafft, wird nicht geschildert. Unter den Verlierern sei hier der Singschwan genannt, der früher ein Wintergast der Talsperre war, inzwischen aber ausbleibt. Als Grund werden die letzten milden Winter vermutet, nun können die Schwäne schon in nördlicheren Gebieten die kalte Jahreszeit verbringen. Diese möglichen Anzeichen des Klimawandels mögen auch Ursache für das Ausbleiben anderer Wasservögel sein. Als Kostbarkeiten für Kenner werden nur gelegentlich auftauchende gefiederte Besucher vorgeführt, die regelmäßiger an der Nord- und Ostsee leben wie die Eiderenten oder nordische See - taucher, außerdem die Silberreiher und sogar Kraniche. Nicht nur auf die kleinen Bachbewohner wie Wasseramsel und Eisvogel wird verwiesen, auch Vier - beiner, die in der Uferregion auftauchen, sind erwähnt. Abschließend erfolgt eine Übersicht Wie sich das Bild veränderte, wobei u. a. die Zunahme der Diver sität betont wird, also gegenüber der bis vor 30 Jahren bestehenden Einseitigkeit der Stockenten sind nun die Anteile anderer Vogelarten viel ausgeglichener. Diese Veränderung wird auch in einer optischen Darstellung (S. 80) gut veranschaulicht, wie überhaupt die didaktische Gestaltung insgesamt sehr gelungen ist, nicht nur in der allgemeinen Ver ständ lichkeit der Sprache, sondern auch durch die zahlreichen Diagramme der Bestandsentwicklung und die ausführliche Karte aller erwähnten Örtlichkeiten in dem aufklappbaren Buch - deckel. Auch das pädagogische Bemü - hen ist ausgeprägt: Die Leser werden zu eigenen Be obachtungen angeregt und immer wieder aufgefordert, durch verantwortungsvolles Verhalten die paradiesische Zu kunft für die Vogelwelt des Möhnesees zu sichern. Man wünscht das mit spürbarer Liebe und Kennerschaft geschriebene Buch in die Hand jedes Naturfreundes, der sich zu einem Besuch der Möhnetalsperre aufmacht. Dr. Erika Richter Wilfried Stichmann und Ursula Stichmann-Marny: Der Möhnesee - Ein Wasservogel-Paradies im Wandel der Zeit, erhältlich im Buchhandel oder beim Heimatverein Möhnesee, Postfach 59, Möhnesee, 84 S., 6,80 Euro. Das adlige Kanonissenstift zu Geseke Im Januar 2008 wurde in Geseke als 50. Band in der vom Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen herausgegebenen renommierten Reihe Germania Sacra die Geschichte des Geseker adligen-freiweltlich-kaiserlichen Damenstifts vorgestellt. Erstmals liegt damit eine lange überfällige Monographie über das Geseker Stift vor. Sie umfasst die Ge schichte dieser historischen Einrichtung im Köln-Paderborner Grenzraum von ihrer Gründung in der Mitte des 10. Jahr hunderts über die sich lange hinziehende faktische Auflösung durch die Verei nigung mit dem Stift Keppel im Siegerland im Zuge der Säkularisation im 19. Jahrhundert bis zu den in Folge der Umwandlung entstandenen Rechtsstrei tigkeiten des 20. Jahrhunderts. Der historischen Übersicht über die Entwick lung des 946 vom sächsischen Edlen Haold und seinen Geschwistern gestifteten und in den Anfängen durch kaiserliche Protektion geförderten Frauen-Instituts klösterlich-stän-

48 100 SAUERLAND NR. 2/2008 discher Prägung gehen zwei Kapitel voraus, in denen die umfangreichen schriftlichen Quellen, die bisher erschienene Literatur, die baulichen und künstlerischen Denkmäler sowie das vormalige Stiftsarchiv samt seiner Bibliothek gewürdigt werden. Die Kapitel 4 bis 6 widmen sich der inneren Verfassung einschließlich des Verhält nisses zum Landesherrn, zum Bischof und zu den Vögten, der Beschreibung der Ämter, der Zuordnung der Stifts kleriker zum Frauenkapitel, dem religiösen und geistigen Leben sowie der Besitzgeschichte. Das letzte Kapitel präsentiert mit zahlreichen Informationen angereicherte Personallisten. Durchge hend quellenmäßig fundiert werden alle Bereiche des stiftischen Lebens erstmals in einer differenzierten Gesamtschau erfasst und in ihrer Entwicklung und Veränderung nachgezeichnet. In den Personallisten werden ebenso zum ersten Mal alle in den Archivalien des Stiftes fassbaren Kanonissen mit ihren jeweiligen Funktionen aufgelistet. Nach Ein schätzung des Autors stammten sie bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu gleichen Teilen aus den landständischen Adelsfamilien des Herzogtums Westfalen und des Fürstbistums Paderborn. Auch alle Pfarrer, Kanoniker und Benefiziaten der Stiftskirche, die von der Äbtissin ebenfalls berufenen Pfarrer der Geseker Stadtkirche St. Petri, die Verwaltungs beamten, Küster, Organisten und sogar die Stiftsbäcker werden in biographischen Skizzen vorgestellt. Tabellen und Übersichten über die im 18. Jahrhundert gefeierten liturgischen Fest- und Ge denktage (S. 194ff) und Memorien (S. 220ff) oder den weitgestreuten Besitz in und außerhalb Gesekes (S. 265ff) ergänzen die Ausführungen. Das Buch lebt von der beeindruckenden Fülle an Detailinformation, die der Autor bei der Durcharbeitung der Archivalien des ehemaligen Stiftsarchivs gewonnen hat, welche die Lesbarkeit jedoch in keiner Weise beeinträchtigen. Da das Buch den Anspruch eines Standardwerkes erhebt, muss es sich Rückfragen, Anmerkungen und Hin - weise auf Fehlstellen gefallen lassen. Im Vorwort startet der Autor mit der Diskussion preußischer Beamter über die zukünftige Nutzung des Stiftsbesitzes (S. V-VI). Bereits hier drängt sich der Eindruck auf, der Autor schaue auf das Stift mit den Augen der nach der Nütz - lichkeit solcher Einrichtungen fragenden Spätaufklärer, die kein Verständnis für klösterlich geprägtes Leben, die Pflege von Familientraditionen in gottesdienstlicher Gestalt sowie die Selbstverwaltung von durch emanzipierte Frauen geleiteten und verantworteten Einrichtungen zeigten. Ausdrücklich verneint der Autor im Blick auf die Auflösung des Stifts sowohl eine Beutegier als auch antikirchliche Tendenzen der neuen Landes herren. Vielmehr hätten die Umstände im Damenstift, die kaum zu beobachtende Gemeinschaft im Chordienst sowie die unübersichtliche Verwaltung der Güter und Kapitalien das Eingreifen der preußischen Beamten beschleunigt (S. 106). Hier wird Geschichte aus der Sicht der Sieger geschrieben. Denn wer anders als die neuen Landesherren haben dem katholischen Stift, das sich zuvor weitgehend eigenständig ergänzte, protestantische Damen aufgezwungen, die verständlicherweise kein Interesse an katholischer Liturgie zeigten? Wer anders als die fortschrittlichen preußischen Beamten haben durch massive Eingriffe dafür gesorgt, dass der Besitz schließlich im Moloch des Staatsfiskus unterging? Keine der hehren Vorstellungen von einer nützlichen Verwendung des Besitzes und der Einkünfte des Stiftes erwies sich als tragfähig. Geschweige denn, dass die neuen Herren auf die Idee gekommen wären, die letzte Äbtissin Bernhardine von Plettenberg-Lenhausen oder die letzten katholischen Stiftsdamen aktiv in ihre Überlegungen zur Modernisierung und Umwandlung einzubeziehen. Tapfer leisteten sie und insbesondere die Äbtissin nicht nur Widerstand gegen die darmstädtische und später preußische Macht, sondern legten zugleich konkrete Gegenvorschläge vor, die geeignet waren, die Effizienz vieler Abläufe zu steigern. Was die Stiftsdamen über 850 Jahre souverän und erfolgreich zu verwalten, zu erhalten und zu vermehren mochten, zerschlug die aufgeklärte Moderne in kürzester Zeit. Zudem fällt auf, wie der Autor den vom Duktus der Aufklärung geprägten Berichten des gegen das Recht und den Willen der Äbtissin durch die Darmstädter Regierung eingesetzten Geseker Siftspfarrers Franz Kösters ( ) aus Rüthen unkritisch Glauben schenkt, der sich ausschließlich negativ über die Zustände im Stift äußerte, vehement Veränderungen einforderte und durchzusetzen versuchte. Dass Franz Kösters für seinen unangemessenen Reform-Elan von den kirchlichen Autoritäten streng gemaßregelt wurde und auch staatlicherseits keine Resonanz fand, verschweigt der Autor hingegen. Wie ein roter Faden durchzieht das Buch die Vorstellung, das Stift habe sich stets im Niedergang befunden und nur mühsam durch die Zeiten retten können. Besonders deutlich zeige sich dies im Bereich des religiösen Lebens, das von Aberglaube, Selbstdarstellung und Strei tigkeiten um den Vorrang bei Prozes sionen wie der mit dem Gnadenbild aus Verne gekennzeichnet gewesen sei. Sind die Stiftung der neuen spätbarocken Altäre ( ) aus der Werkstatt von Christophel Papen und die Schaffung der großformatigen illustrierten, für den Damenchor gestifteten Stundenbücher im 18. Jahrhundert nicht als Zeugnis vitaler Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu deuten, die gerade dem liturgischen Dienst im 18. Jahr hundert entgegengebracht wurde? Dazu passt, dass man in der Rubrik Per sonallisten vergeblich nach einer Auf stellung der Psalterleserinnen sucht, die abwesende Stiftsdamen zu vertreten hatten, damit das Stundengebet keine Einbuße erlitt. Es mag an schriftlichen Belegen mangeln, doch wäre eine Annäherung an die Frage wünschenswert gewesen, wie die im Stift den jungen Damen vermittelte adelige Erzie hung dazu beitrug, das ständische weibliche Selbstbewusstsein zu prägen und zu stärken. Auch die Akzente in der Behandlung der Matrizitätsfrage, d. h. der Abhängigkeit der Geseker Stadt kirche vom Stift und der sich daraus ergebenden Rang- und Ordnungsstrei tigkeiten zwischen den Autoritäten des Stifts und der Zivilgemeinde bzw. den Geistlichen der Stiftsund Stadtkirche, die sich insbesondere bei Prozessionen zeigte, verstellen den Blick für die nicht behandelte Frage, wie die Stadt politisch, wirtschaftlich und kulturell vom Stift profitierte. Aufgrund der Fülle der verarbeiteten Daten sind zahlreiche Details der Aufmerksamkeit des Autors entgangen. Bei

49 SAUERLAND NR. 2/ PERSONALIEN der Bestandserhebung der Archi valien hat er 17 Urkunden aus der Zeit von 1450 bis 1902 aus dem Archiv des Stiftspfarramtes zwar als ehemals vorhanden wahrgenommen, aber nicht registriert, dass sie seit 1974 als Depo - situm im Erzbistumsarchiv Paderborn lagern (S. 56). Dort befinden sich auch 13 ebenfalls nicht genannte und genutzte Originalurkunden, die zwischen 1277 und 1591 ausgestellt wurden, heute dem Pfarrarchiv der Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde, Paderborn-Schloss Neuhaus angehören, aber aus dem Archiv der Geseker Stiftspfarrei stammen dürften (Michael Pavlicic, Geseker Urkunden im Archiv der Pfarrgemeinde St. Heinrich und Kunigunde Schloss Neuhaus, Ge seker Heimatblätter, Nr. 419, S ). Im Erzbistumsarchiv Paderborn lassen sich auch 17 (nicht 13) Bände der Kirchenbücher der Stiftspfarrei von 1621 bis 1860/1862 (und nicht 1826) einsehen (S. 3 u. 56). Vergeblich sucht man in der Aufstellung der Äbtissinnen den Namen der 1501 testierenden Mette von Berninchus, auf die Michael Streit 2004 in den Geseker Heimat blättern (Nr. 456, S. 19f) aufmerksam gemacht hat. Außer den genannten Beiträgen fehlen weitere im Litera - turverzeichnis. Beispielhaft seien hier angeführt die Artikel von Hermann Hinteler, zum Thema Geseker Stifts - damen : Kleidung und Insignien, (Gese - ker Heimatblätter, Nr. 358, S ) und: Ein Gitter aus der Geseker Stifts - kirche in Kassel (Geseker Heimatblätter, Nr. 372, S ) sowie von Alexan - der Arens: Über die Entstehung des Münzrechts der Geseker Äbtissin in der älteren Heimatforschung (Geseker Heimatblätter, Nr. 325, S ), wiewohl das letzte Thema behandelt wird (S. 149). Wünschenswert gewesen wäre auch die Abbildung einer Stiftsdame. Ein Beispiel führt Evelyn Richter 2004 in den Hinweisen und Mitteilungen der Geseker Heimatblätter (Nr. 454, S. 8) an. Im Sakramentshaus der Stiftskirche befindet sich heute eine Kreuzreliquie, von der der Autor offen lassen musste, ob sie schon zur Ausstattung der Kirche zu stiftischer Zeit gehörte (S. 28). Tat - sächlich ist die Reliquie eine private Leihgabe eines ehemaligen Gesekers. Die Vornamen des Stifters der errichteten Geseker Maria-Hilf- Kapelle, Dr. theol. Brüll, werden mit Gerhard Jodokus wiedergegeben, obwohl er Bernhard Jodokus hieß (S. 39), und die Namen in zahllosen Artikeln nicht nur der Geseker Heimatblätter leicht nachzulesen sind soll sich der Organist Ignatius Siebeneicher an dem Judenkind Heinemann Nathan vergangen (S. 460) haben. Die als Quelle angeführte Akte 326 aus dem Bestand des Stiftsarchivs im Staatsarchiv Münster nennt hierfür nicht einmal einen Verdacht. Unverständlich ist schließlich, dass die Namen der Mitarbeiterin im Pfarrbüro der Stiftsgemeinde sowie des Mitarbeiters im Erzbistumsarchiv Pader - born, bei denen sich der Autor im Vorwort bedankt, in falscher Schreib weise wiedergegeben werden. Richtig zustellen ist weiterhin, dass Pfarrer Gerald Haringhaus bereits 2001 mit den Aufgaben eines Pfarrverwalters der Stiftspfarrei betraut wurde und diese Funktion nicht erst seit 2003 ausfüllt (S. VIII). Die angeführten Beispiele, die ergänzt werden könnten, lassen es dringend geraten erscheinen, den vorliegenden Ausführungen und Wertungen insgesamt gegenüber kritisch zu sein und bei näherer Beschäftigung mit einem Themenkomplex sowohl die angeführten Quellen sorgfältig zu überprüfen und ihre Deutung zu hinterfragen als auch nach Ergänzungen Ausschau zu halten, die das Bild durchaus noch verändern könnten. Dem altehrwürdigen Stift Geseke bleibt zu wünschen, dass das vorliegende Buch sowohl in Fachkreisen als auch bei interessierten Laien eine durchgehend kritische Würdigung erfährt. Eine unkritische Rezeption des in diesem Buch gezeichneten Bildes würde dem Selbstver ständnis und der Leistung der Stifts damen sowie der Bedeutung des Stiftes nicht gerecht. Hans Jürgen Rade Ulrich Löer, Das adlige Kanonissenstift St. Cyriakus zu Geseke (Germania Sacra, Neue Folge 50, Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln, Das Erzbistum Köln 6), Berlin New York 2007, 508 Seiten, 8 Tafeln, 128,00 Euro. ISBN Dr. Hubert Schmidt 80 Jahre Man bleibt jung, solange man noch lernen, neue Ge wohn hei ten annehmen und Wi der spruch ertragen kann. Mit diesem nachdenkenswerten Spruch von Marie v. Ebner-Eschen - bach lud unser Heimatfreund zur Feier seines 80. Ge burts - tages ein. Auch wer an der festlichen Veranstaltung nicht teilnehmen konnte, der weiß, wie groß die Resonanz ist, die Dr. Hubert Schmidt in den langen Jahren seines beruflichen und seines heimatbezogenen Wirkens nicht nur in seiner Heimatgemeinde, sondern im ganzen oberen Sauerland gefunden hat. Oberstudiendirektor a.d. Dr. Hubert Schmidt wurde am 17. April 1927 in Dörnholthausen bei Sundern geboren. An der Universität Marburg studierte er Ge schichte, Latein, Pädagogik und Erd - kunde. Nach ersten Berufsjahren im Sauer land und im Ruhrgebiet war er von 1962 bis 1970 am Gymnasium in Marsberg tätig. Er übernahm dann die Leitung des neu errichteten Gymna siums in Sun dern, dessen Ausbau er bis zu seiner Pensionierung 1989 in vorbildlicher Weise leitete. Es ist erstaunlich, dass er neben diesen Leitungsaufgaben noch Zeit für umfang reiche heimatkundliche und regionalgeschichtliche Arbeiten fand. In Marsberg erinnert man sich noch heute gern an seine fundierten Beiträge zur Lokalge schichte. In Sundern ist er seit Gründung des Heimatvereins 1977 Leiter des Fachbereichs Geschichte. Für seine Verdienste wurde er zum Ehren - mitglied er nannt. Seit 1981 füngiert er als Beauftragter für Denkmal pflege in Sundern. Dem Vorstand des Sauerlän - der Heimatbundes gehört er schon seit 1967 an wurde er in die Historische Kommission für Westfalen berufen. Wir dürfen darin die verdiente Anerken-

50 102 SAUERLAND NR. 2/2008 nung seiner wissenschaftlichen Arbeiten auf der Orts-, der Regional- und der Landesebene sehen. Für den Sauerländer Heimatbund hat unser Vorsitzender Dieter Wurm den Dank aller Heimatfreunde für die langjährige gute Zusammenarbeit übermittelt. Ad multos annos! Dr. Adalbert Müllmann Auszeichnung für Ulrich Lange Wohl alle Wanderfreunde,, aber auch viele Heimatfreunde im oberen Sau - erland kennen Uli Lange aus Gröne - bach, seit langem Mitglied des Sauer - iänder Hei matbundes. Beruflich als Lehrer an der Hauptschule in Medebach tätig, ist er seit vielen Jahren Bezirks - wanderwart des SGV. In dieser Funktion hatte er schon vor zwanzig Jahren mitgeholfen, die ersten Waldjugendspiele auf Kreis ebene zu organisieren. Er setzte sich besonders für die Förderung des Schulwan-dems ein und leitete viele Fortbildungsver an staltungen für Lehrer. Bei der Gründung des Rothaarsteig-Vereins war er führend tätig. Ebenso ist ihm die Konzeption neuer großräumiger Wander wege unter der umfassenden Bezeich nung Bergwanderpark Hoch - sau erland zu danken. Die Landesregierung misst den Wald - jugendspielen besondere Bedeutung zu. Das kommt darin zum Ausdruck, dass die Landtagspräsidentin Regina von Dinther die beteiligten Schulen kürzlich zur Siegerehrung in den Landtag einge - laden hatte. In diesem festlichen Rah - men überreichte die Schulministerin Barba ra Sommer unserem Heimat - freund Ulrich Lange den ersten Ehrenring des Rothaarsteig-Vereins. Auch die Klasse 4b der Grundschule Medebach wurde in diesem Rahmen ausgezeichnet. Immerhin haben an den Waldjugendspielen 2007 über Grundschüler teilgenommen. Der Sauerländer Heimatbund strebt bekanntlich einen engeren Kontakt mit dem Sauerländer Gebirgsverein - SGV - an. Deshalb freut er sich besonders über die Auszeichnung für unseren Heimat - freund Ulrich Lange. Dr. Adalbert Müllmann Landschaftsverband Westfalen-Lippe ehrt Günther Becker Am 22. April erhielt Günther Becker, Lennestadt, aus der Hand von Landes - rätin und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale den Förder preis für westfälische Landeskunde. Für das südliche Sauerland sind Sie der wichtigste Experte und Kenner regionalgeographischer Geschichte und For schung, sagte die Landesrätin in ihrer Begründung der Preisverleihung. Das Spektrum der Arbeiten von Günther Becker reiche von der Wüstungs for schung über die Entwicklung der Siedlungs- und Sozialstrukturen bis zu wirtschaftsgeographischen Themen. Nicht zu vergessen sind dabei die Arbeiten zur Geschichte zahlreicher Ortschaften im Kreis Olpe einschließlich die jahrzehntelange Tätigkeit Beckers als Schriftleiter der Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe. Günther Becker war von 1977 bis 2003 Kreisheimatpfleger sowie Mitbe - gründer des Kreisheimatbundes Olpe und ebenfalls bis 2003 dessen Ge schäfts - führer. Über die Region hinaus hat er sein Wissen als korrespondierendes Mitglied der Historischen Kom mission und der Geographischen Kom mission im LWL eingebracht. Prof. Dr. Heinz Heineberg, Vorsitzende der Geo graphischen Kommission, erklärte, Günther Becker habe in die gesamte landeskundliche und regionalgeographische Forschung Westfalens hineingewirkt und zähle damit zu den namhaftesten Vertretern dieser Forschung auf Lan desebene. Zu der Festveranstaltung im Großen Saal des Olper Kreishauses waren zahlreiche Gäste aus dem Kreis Olpe, dem kölnischen Sauerland und aus Münster angereist. Der Landrat des Kreises Olpe, Frank Beckehoff, gratulierte Günther Becker zu seiner Auszeichnung. Sie, lieber Herr Becker, haben sich in der Heimatpflege im Kreis Olpe bleibende Verdienste erworben. Über die Ehrung hinaus, die Günther Beckers landeskundliche Forschung fand, aber dürften seine zahllosen Einsätze in der örtlichen Heimatpflege sein, seine Kontinuität und unermüdliche Präsenz, mit der er vier Jahrzehnte hindurch das heimatbezogene Interesse und Engagement in den Städten, Gemeinden und Vereinen des Kreises Ol- pe angeregt, konkret gefördert und lebendig gehalten hat. Hubertus Halbfas SAUERLAND Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes (früher Trutznachtigall, Heimwacht und Sauerlandruf) 41. Jahrgang Heft 2. Juni 2008 ISSN Herausgeber und Verlag: Sauerländer Heimatbund e. V., Postfach 14 65, Meschede Vorsitzender: Dieter Wurm, Am Hainberg 8 a, Meschede, Tel. (02 91) p, Fax (02 91) p, d, Fax Stellv. Vorsitzende: Wilma Ohly, Goerdelerweg 7, Olpe, Tel. ( ) Ehrenvorsitzender: Dr. Adalbert Müllmann, Jupiterweg 7, Brilon, Tel. ( ) Geschäftsstelle: Hochsauerlandkreis, Fachdienst Kultur/Musikschule, Ulla Schmalt/Karin Kraft, Telefon (02 91) , Telefax (02 91) , Anja Hagedorn, Telefon (02 91) , Postfach 14 65, Meschede Internet: Konten: Sparkasse Arnsberg-Sundern (BLZ ) Jahresbeitrag zum Sauerländer Heimatbund einschließlich des Bezuges dieser Zeitschrift 12, EUR. Einzelpreis 3,50 EUR. Erscheinungsweise vierteljährlich. Redaktion: Günther Becker, Lennestadt. Werner Cordes, Attendorn. Dr. Theo Bönemann, Menden. Su sanne Falk, Lennestadt. Norbert Föckeler, Brilon. Professor Dr. Hubertus Halbfas, Drolshagen. Heinz Lettermann, Bigge-Olsberg. Dr. Adalbert Müllmann, Brilon. Heinz-Josef Padberg, Meschede. Dr. Erika Rich ter, Meschede. Michael Schmitt, Sundern. Dr. Jür gen Schulte-Hobein, Arnsberg. Dieter Wiethoff, Meschede. Dieter Wurm, Meschede. Schlussredaktion: Hans Wevering, Schloßstr. 54, Arnsberg, Tel. ( ) 32 62, Fax ( ) , Martin Reuther, Alter Soestweg 85, Arnsberg, Tel. (0291) , Redaktionsanschrift: Sauerländer Heimatbund, Postfach 14 65, Meschede Lithografie, Layout und techn. Redaktion: Hans Wevering, Schloßstraße 54, Arnsberg, Tel. ( ) 32 62, Fax ( ) , Druck: becker druck, F. W. Becker GmbH, Grafenstraße 46, Arnsberg, Tel. ( ) Anzeigenverwaltung: becker druck, F. W. Becker GmbH, Grafenstr. 46, Arnsberg, Tel. ( ) , Fax ( ) Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 9 vom 1. Jan

51 & Dieser Edel-Kornbrannt mit 38 % vol. lagert mindestens 2 Jahre in kleinen Sherry- Holzfässern. So bekommt er seinen besonderen bernstein-farbenen Glanz und die milde, feine und weiche Note. Dieser delikate Halbbitter mit 35 % vol. definiert sich über die genussvolle Kombination verschiedener Waldbeeren, Kräuter und Wurzeln. Seine über Jahrzehnte gereifte und verfeinerte Rezeptur hat nicht nur einen besonderen Geschmack hervorgebracht, er ist zudem noch sehr bekömmlich.

52 Die pure Freude.

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