OFFENE ADSORPTIONSSPEICHER MIT ZEOLITH
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- Tristan Bauer
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1 OFFENE ADSORPTIONSSPEICHER MIT ZEOLITH Andreas Hauer Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung Abteilung 4: Solarthermie und Biomasse Walther-Meißner-Str. 6, D Garching, Deutschland Tel.: / , Fax: [email protected] 1 Einleitung Ein offenes Adsorptionssystem, das in Verbindung mit der Umgebung steht, kann zur Speicherung thermischer Energie eingesetzt werden. In dieser Anwendung wird der Speicher während der Desorption geladen und während der Adsorption entladen. In offenen Systeme können nur Adsorptive benutzt werden, die in der Atmosphäre vorkommen. Wasserdampf ist hier am geeignetsten. Hohe Energiespeicherdichten sind zu erwarten, da das Adsorptiv nach der Desorption (Ladung) in der Umgebung gespeichert wird. Ein Adsorptionsspeicher ist allerdings nicht autark während der Adsorption (Entladung). Das System muss mit der Umgebung verbunden sein, um den entlassenen Wasserdampf wieder aufnehmen zu können. Diese Technik thermischer Energiespeicherung wird auch thermochemische Speicherung genannt. Der zweifache Einsatz eines thermochemischen Speichers (TCS) zum Heizen im Winter und zur Klimatisierung im Sommer führt zu einer Erhöhung der Betriebsstunden des Systems und damit zu wirtschaftlichen Vorteilen. Ein TCS wurde in München zwischen dem Fernwärmenetz und einem Schulgebäude zum Beheizen und einem Jazz Club zum Kühlen installiert. Fernwärmenetze arbeiten oft an ihrer Kapazitätsgrenze. Adsorptionsspeicher sind in der Lage durch Lastausgleich das Netz besser zu nutzen und neue Verbraucher ohne Netzerweiterung anzuschließen. Die Demonstrationsanlage kann den Heizbedarf für einen Tag im Auslegungsfall (bei -16 C Außentemperatur in München) für das Schulgebäude speichern. Der Kühlbedarf von Gebäuden lässt sich in latente und die sensible Kühllast aufteilen. Der latente Kühlbedarf muss durch Luftentfeuchtung gedeckt werden, die sensible Kühlung wird durch Temperaturabsenkung der Gebäudeinnenflächen bzw. der Raumluft erreicht. Die üblichen Kühlsysteme mit geschlossenem Arbeitmittelkreislauf entfeuchten Luft durch Taupunktsunterschreitung. Dazu wird die Luft zunächst zur Entfeuchtung auf 6 C abgekühlt und muss nach der Kondensation aus Komfortgründen wieder auf C erwärmt werden. Mit offenen Sorptionssystemen dagegen, die den Wasserdampf direkt aus der Luft adsorbieren, lässt sich die Luftentfeuchtung auch bei Temperaturen um 18 C bewerkstelligen. Für die sensible Kühlung der Luft sind Temperaturen von C optimal.. 2 Adsorptionsprozess In Abbildung 1 sind schematisch De- und Adsorption in einem offenen System dargestellt. Bei einem offenen Sorptionssystem transportiert der Luftstrom die Wärme und den Wasserdampf in und aus der Adsorbensschüttung. Somit werden die Lufttemperatur und gleichzeitig der Wasserdampfpartialdruck des Luftstroms durch den Sorptionsprozess beeinflußt. Die umgesetzten Stoff- und Wärmemengen sind in Abbildung 1 angedeutet.
2 Desorption Adsorption Luft + Wasser Kondensationswärme Luft + Wasser Verdampfungswärme Zeolith Luft Desorptionswärme Luft Adsorptionswärme Abbildung 1: Offenes Adsorptionssystem Bei der Desorption wird der Luftstrom durch eine von aussen eingebrachte Desorptionswärme erhitzt. Diese Wärme löst das gebundene Adsorbat (Wasser) im Adsorbens und verdampft es. Der Wasserdampf wird mit der nun abgekühlten Luft aus der Schüttung gebracht. Bei der Adsorption befördert der Luftstrom gasförmiges Adsorptiv (Wasserdampf) in die Adsorbensschüttung. Dort wird es adsorbiert und die Adsorptionswärme wird freigesetzt und an die Luft abgegeben. Die Luft verlässt die Schüttung nun trocken und heiß. Für die Heizanwendung kann während der Adsorption die Adsorptionswärme und während der Desorption u.u. die Kondensationswärme genutzt werden. Die Verdampfungswärme muss während der Adsorption auf einem niedrigen Temperaturniveau zur Verfügung stehen. Für die Raumklimatisierung, die auf der Luftentfeuchtung beruht, kann nur während der Adsorption Nutzkälte bereitgestellt werden. Wärmespeicherung wird realisiert, in dem der Desorptionsschritt von der Adsorption zeitlich (und/oder räumlich) getrennt wird. Das desorbierte Zeolith bleibt geladen bis der Adsorptionsprozess gestartet wird. 2.1 Heizen Um ein hohes Wärmeverhältnis für den Speicherbetrieb zu erreichen, muss die Kondensationswärme während der Desorption genutzt werden können und eine kostenlose Niedertemperaturquelle für die Befeuchtung während der Adsorption muss zur Verfügung stehen. Das thermochemische Speichersystem wird mit Fernwärme (Dampfnetz auf 130 C in München) in Schwachlastzeiten geladen. Zu den Peak-Zeiten wird die Rücklaufleitung des Fernwärmenetzes (Kondensatleitung) zur Befeuchtung als Niedertemperaturquelle genutzt. So wird durch eine weitere Temperaturabsenkung des Kondensats die übertragene Leistung erhöht und die Netzverluste werden reduziert.
3 Laden (Nachts) Entladen(Tag) 130 C TCS Gebäude Fernwärme Fernwärme TCS Gebäude 100 C Zeolith 40 C 25 C Zeolite Dampf Wärmeübertrager 35 C 25 C Kondensat Wärmeübertrager Befeuchter 65 C 30 C Gebläse Gebläse Abbildung 2: Thermochemischer Speicher zur Gebäudeheizung Abbildung 2 zeigt schematisch De- und Adsorption des Speichers. Nachts wird der Speicher mit 130 C aus dem Fernwärmenetz geladen. Damit wird eine Restbeladung von ca. 8 % Wasser im Zeolith erreicht. Die feuchte Luft verlässt den Speicher mit ca. 40 C, wird in einem Wärmetauscher zu Kondensation gebracht und kann durch diese Nutzung der Kondensationswärme ein zu starkes Auskühlen der Schule über Nacht verhindert werden. Der Speicher wird dann zu den Spitzenlastzeiten entladen. Die Luft wird in einem Befeuchter auf ca. 25 C mit Wasserdampf gesättigt. Die hierzu benötigte Verdampfungswärme wird von der Kondensatleitung des Fernwärmenetzes geliefert. Diese Luft wird dann durch die desorbierte Zeolithschüttung geblasen. Dabei wird die Luft getrocknet und durch die frei werdende Adsorptionswärme auf ca. 100 C erhitzt. Die heiße Luft gibt ihre thermische Energie über einen Wärmeübertrager an das Heizungssystem der Schule ab. 2.2 Kühlen Um einen Zeolithspeicher als Klimagerät einsetzen zu können, mussten zwei zusätzliche Komponenten installiert werden. Abbildung 3 zeigt das komplette System schematisch. Ein solcher Aufbau wird im allgemein als desiccant cooling system bezeichnet. Abbildung 3 zeigt neben dem TCS eine Kälterückgewinnungseinheit und einen Zuluftbefeuchter. Der heiße und trockene Luftstrom aus dem TCS muss zunächst abgekühlt werden, bevor er im Zuluftbefeuchter adiabat auf die gewünschte Zulufttemperatur und Feuchte gebracht werden kann. Die Kälterückgewinnung besteht aus einem Abluftbefeuchter mit einem integrierten Wärmeübertrager, der mit dem Zuluftwärmeübertrager über ein Kreislaufverbundsystem verbunden ist. Diese Komponente kann als indirekter Verdunstungskühler beschrieben werden. Durch die hohen Temperaturen nach der Adsorption wird der kühlende Verdampfungsprozess in die Abluft sehr effektiv unterstützt. Es können 83 % der maximal möglichen Enthalpiedifferenz von der Ab- an die Zuluft übertragen werden.
4 Kälterückgewinnung Umgebungsluft TCS WÜ Befeuchter Zuluft 30 C 60 % RF 3000 Nm³/h Abluft Gebäude IVK 24 C 50 % RF 3000 Nm³/h TCS ThermoChemischer Speicher IVK Indirekter VerdunstungsKühler WÜ WärmeÜbertrager 3 Adsorptionssystem Abbildung 3: Thermochemischer Speicher zur Klimatisierung 3.1 Thermochemischer Speicher Der thermochemische Speicher ist auf eine Heizleistung von 95 kw über 14 Stunden pro Tag ausgelegt. Dafür wurden 7000 kg Zeolith im Speicherbehälter untergebracht. Der Tank besteht aus drei zylindrischen Modulen (siehe Hintergrund in Abbildung 4). Der Speicher ist mit einem kombinierten Radiator-/Fussboden-Heizungssystem verbunden. Die maximale thermische Leistung beträgt 130 kw bei einem Luftvolumenstrom von 6000 m³/h durch die Zeolithschüttung und die Speicherkapazität kwh bei einer Desorptionstemperatur von 130 C [A. Hauer and W. Schölkopf, (2000)]. Abbildung 4: Thermochemisches Speichersystem
5 3.2 Gebäude Der TCS wurde in einem Schulgebäude in München 1996 installiert. Die Schule hat mit einer Fläche von 1625 m² einen spezifischen Heizwärmebedarf von 65 kwh/m² a. Sie ist an das Fernwärmenetz angeschlossen. Der Speicher liegt in den Kellerräumen unter der Schule. Die Schule befindet sich in einer ehemaligen Brauerei. In den ehemaligen Lagerkellern für das Bier befindet sich heute ein Jazzclub, der über einen erheblichen Kühlbedarf verfügt. Der Club hat eine Fläche von 160 m² und ein Raumvolumen von 800 m³. Maximal befinden sich ca. 200 Menschen in diesem Raum. Eine maximale Kühlleistung von 30 kw wurde berechnet. Sie setzt sich, aufgrund der hohen Personenzahl, aus 73 % latenter und 27 % sensibler Kühllast zusammen. 4 Ergebnisse der Demonstrationsanlage 4.1 Heizen Anfang 1997 wurde mit dem vollautomatischen Betrieb der Heizanwendung begonnen. Seitdem können die geforderten Raumtemperaturen und Heizleistung von dem Zeolithspeicher bereitgestellt werden. Die Regelungstechnik wurde kontinuierlich verbessert. Das Wärmeverhältnis des TCS ist als das Verhältnis der Nutzwärme zu der aufgewandten Desorptionswärme. Als Nutzwärme wurde die tatsächlich an das Heizungssystem abgegebene Wärmemenge gemessen, die alle bis dahin auftretenden Verluste berücksichtigt. Die experimentell erreichte Energiespeicherdichte ist diese Nutzwärme bezogen auf das Volumen der Zeolithschüttung. Tabelle 1 zeigt die experimentell erreichten Ergebnisse im Vergleich mit den theoretisch erreichbaren Werten [Hauer, A. (2000)]. Tabelle 1: Wärmeverhältnis und Energiespeicherdichte beim Heizen Wärmeverhältnis (COP Heiz ) Theoretischer COP Heiz 1,07 Experimenteller COP Heiz 0,92 Energiespeicherdichte (ρ ) Theoretische ρ Experimentelle ρ 153 kwh/m³ 124 kwh/m³ Tabelle 1 zeigt, dass 86 % des theoretischen Maximums für das Wärmeverhältnis und 81 % für die Energiespeicherdichte experimentell erreicht werden konnten. 4.2 Klimatisieren Simulationen des Sorptionsprozesses haben ergeben, dass Desorptionstemperaturen unterhalb der möglichen 130 C aus dem Fernwärmenetz zu höheren Wärmeverhältnissen für die Klimatisierung (COP Kühl ) führen können. Versuche mit 130 C, 100 C und 80 C wur-
6 den durchgeführt. Es wurden zwei verschiedene Wärmeverhältnisse für die Entfeuchtung und die Klimatisierung definiert. COP Entfeucht = Entfeucht Des and COP Kühl = Kühl Des mit Des als Desorptionswärme, wobei Entfeucht und Kühl wie folgt definiert sind: Entfeucht t f = H Entfeucht m& Luft dt Kühl = H t i t t f i Kühl m& Luft dt H Entfeucht ist die Enthalpiedifferenz des Luftstroms, die durch die Adsorption in der Zeolithschüttung alleine verursacht wurde. H Kühl bezieht den Kühleffekt durch den indirekten Verdunstungskühler mit ein (siehe Abbildung 3). Die Energiespeicherdichte ρ ist die nutzbare Kühlenergie pro Volumen Zeolith. Die Ergebnisse für COP Kühl, COP Entfeucht und ρ sind für die verschiedenen Desorptionstemperaturen in Tabelle 2 aufgeführt [Hauer, A. (2001)]. Tabelle 2: Wärmeverhältnis und Energiespeicherdichte beim Klimatisieren Desorptionstemperatur 130 C 100 C 80 C COP Entfeucht 0,45 0,48 0,5 COP Kühl, 0,67 0,80 0,87 ρ 168 kwh/m³ 105 kwh/m³ 100 kwh/m³ Das höchste Wärmeverhältnis konnte bei einer Desorptionstemperatur von 80 C erreicht werden. Bei tieferen Temperaturen konnte fast keine Entfeuchtung mehr während der Adsorption beobachtet werden. Zwischen den Werten für COP Entfeucht und COP Kühl, ist ein deutlicher Unterschied zu verzeichnen, der durch die Kälterückgewinnung zustande kommt. Die hohen Austrittstemperaturen aus dem TCS während der Adsorption unterstützen den Verdampfungsprozess im indirekten Verdunstungskühler sehr effektiv. Bei einer Desorptionstemperatur von 80 C können 87 % der eingespeicherten Fernwärme als Kühlenergie an den Jazz Club abgegeben werden. Abbildung 5 zeigt den gemessenen Temperatur- und Feuchtigkeitsverlauf im Jazz Club während ausverkaufter Konzerte mit und ohne Kühlung durch den TCS. Im ungekühlten Fall steigen Temperatur und Feuchtigkeit über das gesamte Konzert kontinuierlich an (nach ca. 1,5 h gab es ein kurze Pause, in der die Feuchtigkeit leicht abfiel). Die bestehende Lüftungsanlage war nicht in der Lage den Kühlbedarf zu decken. Die Höchstwerte der Temperatur von fast 20 C und 74 % relativer Feuchte sind weit ausserhalb der Behaglichkeitsbereichs (26 C / 50%). Mit Einsatz des TCS zur Klimatisierung konnten die Werte über das ganze Konzert im Behaglichkeitsbereich gehalten werden.
7 Temperatur [ C] ungekühlt gekühlt 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 Zeit [h] Rel. Feuchtigkeit [%] Abbildung 5: Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Jazz Club 5 Zusammenfassung und Ausblick Die Demonstrationsanlage des thermochemischen Speichers lieferte Ergebnisse, die in guter Übereinstimmung mit den theoretisch berechneten Werten liegen. Die Regelungsstrategien wurden kontinuierlich verbessert. Sie müssen aber auch weiterhin angepasst und vor allem vereinfacht werden. Eine grobe Betrachtung der Wirtschaftlichkeit zeigt, dass die Amortisationszeit stark von der zu erzielenden Preisreduktion für die thermische Energie zu Schwachlastzeiten, von den Investitionskosten und von der Zyklenzahl des Speichers abhängt. Unter der Annahme, dass der Preis pro MWh Fernwärme in Lasttälern im Winter 40 % und im Sommer 60 % günstiger ist, die Investitionskosten für das beschriebene System betragen und 150 Speicherzyklen im Heiz- und 100 im Kühletrieb gefahren werden, ergibt sich eine A- mortisationszeit von 7-8 Jahren. Dies zeigt, dass thermochemische Wärmespeicher in naher Zukunft aufgrund ihres Entwicklungspotentials konkurrenzfähig werden können. 6 Literatur
8 A. Hauer and W. Schölkopf, (2000) Thermochemical Energy Storage for Heating and Cooling First Results of a Demonstration Project, 8 th International Conference on Thermal Energy Storage TERRASTOCK 2000, August, 2000, Stuttgart, Germany Hauer, A. (2000) Heating, Cooling and Heat Storage in Open Sorption Systems for Residential Use. Proceedings of the Second Pacific Basin Conference on Adsorption Science and Technology, May 14-18, 2000, Brisbane, Australia. Hauer, A. (2001) Thermal Energy Storage with Zeolite for Heating and Cooling Applications, Proceedings of the 2 nd International Heat Powered Cycles Conference, Paris, France, September 2001.
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