BÖLL: Husten im Konzert

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1 BÖLL: Husten im Konzert Mein Vetter Bertram gehört zu jener Gruppe von Neurotikern, die, ohne im geringsten erkältet zu sein, in Konzerten plötzlich zu husten beginnen. Es fängt an als mildes, fast freundliches Räuspern, das dem Stimmen eines Instruments nicht unähnlich ist, steigert sich langsam und wird mit einer aufreibenden Folgerichtigkeit zum explosiven Gebell, das die Haare der vor uns sitzenden Damen wie leichte Segel flattern lässt. Seiner Sensibilität entsprechend, hustet Bertram laut, wenn die Musik leise, und milder, wenn sie laut wird. Er bildet gleichsam mit seinem unerfreulichen Organ einen disharmonischen Kontrapunkt. Und weil er ein vorzügliches Gedächtnis hat und die Partituren genau beherrscht, dient er mir, der ich ungebildet bin, fast wie ein musikalischer Führer. Wenn er zu schwitzen beginnt, seine Ohren sich röten, er den Atem anhält und Hustenbonbons aus seiner Tasche kramt, wenn sich ein penetranter Geruch von Eukalyptus auszubreiten beginnt, dann weiß ich, dass die Musik piano zu werden verspricht, und tatsächlich: der Bogen des Geigers berührt kaum noch das Instrument oder der Pianist scheint den Flügel nur noch zu beschwören. Eine gleichsam sinnlich spürbare deutsche Innerlichkeit breitet sich im Saal aus, und Bertram sitzt da mit geblähten Backen, tiefste Schwermut in den Augen, und plötzlich platzt er aus. Da in unserer Stadt nur wohlerzogene Leute ins Konzert gehen, dreht sich natürlich keiner um, keiner auch flüstert pädagogische Formeln vor sich in, aber es ist spürbar, wie das Publikum mühsam seine Empörung unterdrückt, wie es jedes Mal zusammenzuckt, denn Bertram kennt nun keine Hemmungen mehr. Ein fast ununterbrochenes Blöken geht von ihm aus, das sich langsam mildert, wenn der Piano-Satz endlich zu Ende geht. Dann würgt er den Schwall von Eukalyptussaft hinunter, und sein Adamsapfel geht auf und ab wie ein besonders flinker Aufzug. Schrecklich ist, dass Bertram mit seinem Husten die anderen, mehr latenten Neurotiker auf den Plan zu rufen scheint. Wie Hunde, die sich am Bellen erkennen, antworten sie ihm aus allen Ecken des Saales. Und merkwürdig, auch ich, der ich normalerweise von Erkältungen verschont bleibe und mit den Nerven keineswegs»herunter bin«, auch ich spüre, je länger das Konzert dauert, einen immer unwiderstehlicheren Hustenreiz. Ich spüre, wie meine Hände nass werden, ein innerer Krampf mich erfasst. Und plötzlich weiß ich, dass alle Bemühungen zwecklos sind, dass ich husten werde. Es kratzt mir im Halse, ich kriege keine Luft mehr, mein Körper ist in Schweiß gebadet, mein Geist ausgeschaltet und meine Seele von Existenzangst erfüllt. Ich beginne, falsch zu atmen, zücke unruhig mein Taschentuch, um es gegebenenfalls vor den Mund zu halten, und lausche nicht mehr dem Konzert, sondern dem neurotischen Gebelle sensibler Zeitgenossen, die plötzlich auf den Plan gerufen sind. Kurz vor der Pause spüre ich dann, dass die neurotische Infektion endgültig stattgefunden hat; ich kann dann nicht mehr und beginne Bertram zu assistieren, huste mich bis zum Beginn der Pause durch und renne zur Garderobe, sobald der Applaus einzusetzen beginnt. Völlig in Schweiß gebadet, von Krämpfen geschüttelt, renne ich am Portier vorbei ins Freie. Man wird begreifen, dass ich begonnen habe, mich von Bertrams Einladungen höflich, aber bestimmt zu distanzieren. Nur hin und wieder nehme ich mit ihm zusammen an

2 2 Manifestationen unserer Kultur teil: wenn ich überzeugt bin, dass im Orchester die Blechbläser überwiegen oder Männerchöre Gesänge wie»donnergrollen«oder»die Lawine«zum Besten geben; Kunstwerke, bei denen ein gewisses Quantum an Fortissimo garantiert ist. Aber gerade diese Art der Musik interessiert mich weniger. Es ist völlig sinnlos, wenn die Ärzte mich überzeugen wollen, dass es reine Nervensache sei, dass ich mich zusammenreißen soll. Ich weiß ja, dass es Nervensache ist, aber meine Nerven versagen eben, wenn ich neben Bertram sitze. Und vom Zusammenreißen zu sprechen ist überflüssig. Ich kann es einfach nicht. Wahrscheinlich ist mir an der Wiege gesungen worden, dass ich kein Zusammenreißer werden würde. Betrübt sehe ich nun die Prospekte der Konzertgesellschaften durch. Ich kann ihre freundlichen Angebote nicht annehmen, weil ich weiß, Bertram wird dort sein. Und sobald ich sein erstes Räuspern gehört habe, ist es mit meiner Fassung vorbei. Finden wir den Ausdruck! 1. Obwohl mein Vetter Bertram nicht ist, beginnt er in Konzerten immer zu. 2. Sein Husten wird immer starker, er wird zu einem, das die Haare der vor uns sitzenden Damen lässt. 3. Sein Interesse für die kurze Frisur erscheint mir. 4. Er hat ein und beherrscht die Partitur ganz genau, mir dient er als ein 5. Wenn er fühlt, dass er husten wird er Hustenbonbons aus der Tasche, und es beginnt nach zu riechen. 6. Wenn der Pianist zu spielen beginnt und eine deutsche sich im Saale, platzt er aus. 7. Natürlich sich keiner, da in unserer Stadt Leute leben. 8. Bertram kennt dann keine mehr und hustet ununterbrochen. 9. Mit seinem Blöken ruft er auch andere Neurotiker auf, die ihm antworten. 10. Plötzlich empfinde auch ich einen, der unwiderstehlich ist. 11. Meine Seele wird von erfüllt. 12. Sobald der Applaus beginnt, renne ich zur Garderobe. 13. Seit einer Zeit ich von den Einladungen von Bertram. 14. Obwohl diese Konzerte eine unserer Kultur sind, wage ich nicht an ihnen teilzunehmen. 15. Nur wenn Kunstwerke gegeben werden, bei denen die Lautstarke garantiert ist, gehe ich ins Konzert.

3 3 16. Meine Nerven versagen, wenn ich neben Bertram sitze, trotz der Meinung der Ärzte, dass es eine sei. 17. Wenn ich das erste Räuspern Bertrams höre, ist es vorbei. Arbeit an den Ausdrücken I. Sagen Sie den Inhalt der unterstrichenen Satzglieder mit den gelernten Ausdrücken des Textes "'Husten im Konzert"! /Das ist eine mündliche Aufgabe!/ 1. Mein Vetter Bertram hustet in Konzerten auch dann, wenn er gar nicht erkältet ist. 2. Sein Husten wird immer stärker, am Ende bellt er schon explosionsartig. 3. Da Bertram sehr sensibel ist, hustet er laut, wenn die Musik leise - und etwas milder, wenn sie laut wird. 4. Bertram hat ein sehr gutes Gedächtnis, kennt die Partituren ganz genau, er ist mein musikalischer Führer. 5. Manchmal kramt er Hustenbonbons aus der Tasche, und der Saal wird vom Eukalyptusgeruch erfüllt. 6. Mit seinem Blöken reizt Bertram auch die anderen verborgenen Neurotiker zum Husten. 7. Auch ich spüre einen unwiderstehlichen Hustenreiz, obwohl meine Nerven ganz in Ordnung sind. 8. Ich lehne Bertrams Einladungen höflich, aber immer öfter ab. 9. Die Ärzte versuchen mich zu überzeugen, dass es nur an meinen Nerven liege. 10. Wahrscheinlich stand es schon in meiner Kindheit fest, dass ich kein Zusammenreißer sein werde. 11. Wenn ich das Räuspern von Bertram in einem Konzert höre, verliere ich gleich die Nerven. 12. Der Pianist spielte ganz leise, er suggerierte nur den Flügel. II. Übersetzen Sie ins Ungarische! Heinrich Böll wurde 1917 in Köln am Rhein geboren. Sein Vater war ein Kunsttischler. Böll verlebte seine Kinder- und Jugendjahre im katholisch geprägten Milieu. Er besuchte Volksschule und Gymnasium in Köln und machte 1937 sein Abitur. Eine Buchhändlerlehre hat er abgebrochen. Seine ersten schriftstellerischen Versuche machte er in den späten 30er Jahren mu3te er zum Reichsarbeitsdienst, im Sommer Semester 1939 begann er,

4 4 Germanistik und Altphilologie zu studieren, mit Kriegsbeginn wurde er zur Wehrmacht einberufen. Als Soldat war er in Frankreich, der Sowjetunion, in Rumänien und in Ungarn. Hier lag er als Verwundeter wochenlang in einem Lazarett. In der Schlussphase des Krieges ist er wieder in Westdeutschland. Kurze Zeit verbringt er in französischen und englischen Gefangenenlagern heiratete er die Lehrerin Annemarie Cech. I. Übung durch Übersetzung ARBEIT AM TEXT 1. Barátom a nagy és kényelmes kocsikat részesíti előnyben áprilisában Kossuth kiállt/síkraszállt a jobbágyfelszabadítás mellett. /Aufhebung der Leibeigenschaft/ 3. Mindenkinek a képességeinek megfelelően kellene tanulnia, hogy sikeres lehessen az életben. 4. Sok polgár számára a nemesi életmód szolgált példaképül, minden áron azt akarták utánozni. /die Lebensführung des Adels/ 5. Amikor belépett Kovács, aki szeretett felönteni a garatra, iszonyatos pálinkaszag áradt szét a szobában. 6. Matekórán a szomszédom mesélt egy állati jó viccet. Először megpróbáltam visszafojtani a nevetést, de végül kirobbant belőlem. - Intőt kaptam érte. 7. A politikus javaslata az ellenzéket is mozgósította, melynek szónokai több törvénymódosítást is beterjesztettek. /einen Änderungsantrag stellen/ 8. Az öreg tanárnak már nagyon rosszak az idegei, a legkisebb zajt sem képes elviselni az osztályban. 9. Henry Fordról senki sem sejtette gyermekkorában, hogy egyszer majd milliomos lesz. /jm. nicht an der Wiege gesungen worden sein/ 10. Elvesztettem az önuralmamat, amikor megláttam a barátnőmet egy magas szőke férfivel. Odaléptem hozzájuk és bemostam egyet a pasinak. /jm. eine in die Fresse geben/ II. NEUROSE:... durch unverarbeitete seelische Konflikte mit der Umwelt entstandene krankhafte Verhaltensanomalie... Welche Symptomen hatte die Neurose von Bertram? Welche seelischen Konflikte kennst du? Gibt es Neurotiker auch unter den Kindern? Warum?

5 5 Wie könnte man diese Situationen vermeiden? Wie urteilt Böll über das Publikum? IV. Übersetzen Sie den Text ins Ungarische! Der Name Mildred Scheel steht in Deutschland für die große gesellschaftliche Aufgabe des Kampfes gegen den Krebs, Als Frau des damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel gründete die Röntgenärztin 1974 in Bonn die Deutsche Krebshilfe. Unermüdlich sammelte sie Spendergelder, um damit die Krebsforschung und Krebshandlung zu verbessern. Aber auch Menschen, die durch eine Krebserkrankung in finanzielle Not gerieten, erhalten von ihrer Stiftung Unterstützung. Heute honorieren die Bürger den beispiellosen Einsatz jährlich mit rund 70 Millionen Mark an Spenden. Mildred Scheel erlag 1985 selbst einer Krebserkrankung. Arbeit am Text I. Rekonstruieren Sie den möglichen Textinhalt! 1. vorgestern- sein-ich-konzert-wo-ein /bekannt,deutsch/ Streichquartett-spielen-Werke von Mozart 2. neben-ich-sitzen-ein /älter/ Herr-der-als-die Musik-einsetzen-be-ginnen-husten 3. seine Ohren-sich röten-er-schwitzen-beginnen-seine Backen-gebläht sein-und-er-kramenaus der Tasche-Hustenbonbons 4. im Saal-sich ausbreiten-ein /penetrant/ Eukaliptusgeruch 5. das /wohlerzogen/ Publikum-können-seine Empörung-unterdrücken-mühsam-nur 6. obwohl-noch-ich-mit den Nerven herunter sein-verschont werden-ich-von der Ansteckung-ich-spüren-langsam-in-Hustenreiz-Hals 7. ich-baden-in Schweiß-geschüttelt werden-von Krämpfen-sich durch-husten-die Pause-bisich 8. vom Husten-mein Nachbar-auf den Plan rufen-andere latente Neurotiker-die-auchbeginnen-husten 9. meine Ärzte sagen-dass-ich-brauchen-sich künunern-weil-es-sein-eine /rein/ Nervensacheund-dass-ich-sollen-sich zusammenreißen-einfach nur 10. ich-jm. ist an der Wiege gesungen worden-aber-dass-kein Zusammenreißer-ich-sein

6 6 in der Pause-vorbeirennen-ins Freie-ich-der Portier-um-sich beruhigen 12. seitdem-sich setzen-ich-das Konzert-in-neben-/hübsch/ Damen-die-kein-Hustenreizergriffen werden-von-wahrscheinlich II. Beschreiben Sie den Attentäter! Man hat Sie im Park überfallen. Beschreiben Sie den Täter! Alter: Gestalt: hager, dünn, mager, dürr, athletisch, kräftig, untersetzt, breit, dick, groß, klein Aussehen: südländisch, norddeutsch Gesichtsform: oval, rund, breit, schmal Stirn: hoch, flach, Geheimratsecken, fliehen Augenbrauen: buschig, schmal, zusammengewachsen Augenform: Schlitzaugen, Mandelaugen, hervor stehend, eingefallen Augenfarbe: braun, grau, grün, blau Nasenform: gebogen, Himmelfahrtsnase, Adlernase, scharf Lippen: wulstig, hervorstehend, dick, schmal Zähne: auseinander stehend, Pferdegebiss, unauffällig, Goldzähne Kinn: spitz, hervorstehend, Doppelkinn. Haarfarbe: blond, brünett, dunkel, schwarz, rötlich, braun Frisur: Pony, Igel, Scheitel, straffes Haar, zurückgekämmt. Locken Kleidung: JR

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