Nummer 23 Ausgabe 2.2015. lewe aktuell. Das Hausmagazin der. Im Fokus: Wohnen anders: Familienpflege Magazin Werkstattrat wirkt aktiv mit



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lewe aktuell Nummer 23 Ausgabe 2.2015 Das Hausmagazin der Im Fokus: Wohnen anders: Familienpflege Magazin Werkstattrat wirkt aktiv mit

Lesen Sie... Impressum Magazin Mitarbeitergespräch: Der Werkstattrat hat ein neues Mitwirkungsmodell entwickelt ab Seite 14 Magazin Kleinkunst geht: Unser zweiter Varieté-Nachmittag (im Bild Improtheater) kam unglaublich vielfältig daher Seite 22 Im Fokus Betreutes Wohnen in Familien: zu Besuch bei sozial engagierten Menschen und ihren Mitbewohnern ab Seite 6 Magazin Stromspar-Check: wie Beschäftigte im Ambulant Betreuten Wohnen bares Geld sparen Seite 18 Herausgeber: Ledder Werkstätten des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Tecklenburg gemeinnützige GmbH Ledder Dorfstraße 65 49545 Tecklenburg Telefon 05482 72-0 Fax 05482 72-138 info@ledderwerkstaetten.de www.ledderwerkstaetten.de Verantwortlich für den Inhalt: Ralf Hagemeier Geschäftsführung Redaktion und Fotos: Jörg Birgoleit Telefon 05482 72-234 j.birgoleit@ledderwerkstaetten.de Mitarbeit: Susanne Hielscher, Silke Wöhrmann, Manfred Mrugalla, Thorsten Pelster, Heiner Hibbe Gestaltung: Melanie Kother Telefon 05482 72-124 m.kother@ledderwerkstaetten.de Erscheinungsweise: vier Ausgaben pro Jahr Auflage: 3.100 Exemplare Konto: Kreissparkasse Steinfurt Konto 31 000 599 BLZ 403 510 60 Unser Titelfoto zeigt den Beschäftigten Jens Tennert mit seiner Grevener Pflegefamilie, Jeannette und Andree Heuel. Das Editorialfoto zeigt unseren Geschäftsführer mit Landespräses Annette Kurschus. 2 lewe aktuell 2.2015

Editorial Wohnen in der Familie: Das kann gut passen Wohnen bedeutet Intimität, Vertrautheit. Das kennen wir alle, genießen es, schützen unsere Privatsphäre und verwahren uns gegen Eingriffe. Eine Menge Menschen mit Behinderungen haben es auch an dieser Stelle schwerer. Vielleicht können sie ihren Alltag nicht allein strukturieren, kommen mit ihrem Haushalt nicht zurecht, brauchen Hilfe beim Einkaufen oder grundlegenden Dingen wie Hygiene oder Essen und Trinken. Darum machen wir Wohnangebote, die das notwendige Maß an Hilfen und täglicher Unterstützung, wenn nötig rund um die Uhr, vorhalten. Und zugleich ein Maß an Intimität und Vertrautheit wahren, was eigenes Wohnen im Grunde wertvoll macht. Ein Spagat, der umso besser gelingt, je zielgenauer eine Wohnform für die Person formuliert ist: Was braucht sie heute und was nicht? Was kann sich morgen bei ihr verbessern und wo wird ihre Selbstständigkeit nachlassen? Betreutes Wohnen in Familien (BWF) ist eine Nische in unserem Wohnangebot, wenig bekannt und doch mit langer Tradition. Gastfamilien im Tecklenburger Land sind bereit, sich in hohem Maße zu engagieren. Sie nehmen einen Menschen dauerhaft bei sich auf, Inklusion findet quasi permanent statt. Das verlangt Respekt. lewe aktuell hat drei aufnehmende Familien besucht: Was motiviert sie, mit Menschen mit Behinderungen zusammen zu wohnen? Was bedeutet das für die Klienten? Für ein Interview haben wir Thomas Knüpffer gewinnen können. Der BWF- Produktverantwortliche beim LWL in Münster liefert Zahlen und blickt auf die Entwicklung. lewe aktuell 2.2015 Eine effektive Form der Mitwirkung hat unser Werkstattrat für Menschen mit geistigen Behinderungen entwickelt: das Mitarbeitergespräch. Wir organisiert das der Werkstattrat? Welche Fragen stellt er den neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Welchen Nutzen bringt das dem Vertretungsgremium und was bedeutet es für die Qualität unserer Einrichtung? Gleich zwei Mal geht s um Strom in dieser Ausgabe: Unser Elektroprüfer-Team blickt auf eine Dekade erfolgreicher Arbeit zurück und leistet seinen Beitrag zur Arbeitssicherheit. Und lewe aktuell war beim Stromspar-Check der Caritas dabei: Klienten im Ambulant Betreuten Wohnen können mit ein paar Tipps und der richtigen Technik eine Menge Geld sparen. Viel Spaß beim Lesen und einen erholsamen Urlaub, wo immer Sie ihn verbringen! Herzlichst, Ihr Ralf Hagemeier Geschäftsführung 3

Aktuelles LeWe präsent auf Messe Blickpunkt Ibbenbüren Ibbenbüren. Blickpunkt Ibbenbüren die Wirtschaftsschau für Bauen und Wohnen : Zum vierten Mal lockte die Erlebnisausstellung ihr Publikum mit einem bunten Programm aus Unterhaltung und Information. Vom 14. bis 17. Mai präsentierten sich rund 150 Aussteller aus Ibbenbüren und dem Kreis Steinfurt. Die Ledder Werkstätten waren in Halle 5 mit Ausbildungsangeboten für junge Leute, Eigenprodukten wie dem k-lumet und frischem Kaffee in bester Samocca- Qualität dabei. Theaterprojekt: Grundschüler im Wohnbereich Westerkappeln Westerkappeln. Schöne Kooperation mit der Offenen Ganztagsgrundschule (OGGS) Westerkappeln: Über fünf Wochen, jeweils freitags, haben drei Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Wohnbereich Westerkappeln mit Dritt- und Viertklässlern ein kleines Theaterstück eingeübt. Am Freitag, 20. März, wurde der Bus der Emotionen im Wohnbereich aufgeführt. Wie kam die Kooperation zustande? Fünf Studenten der Saxion Hogeschool im holländischen Enschede hatten mit den Bewohnern und den Schülern der OGGS, die die Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (WeSpE) betreibt, geprobt. Die angehenden Sozialpädagogen erarbeiteten im vergangenen Semester ein Projekt in Theorie und Praxis, das musische Aspekte, aber auch die Vernetzung mit einer Kommune oder Einrichtung beinhaltet. Unser Mitarbeiter Stephan Haarlammert, ebenfalls Student in Enschede, gewann die WeSpE, die am Schulzentrum aktuell über 160 Grundschüler betreut, als Partnereinrichtung. Geprobt wurde abwechselnd im Haus der WeSpE oder im Wohnbereich, weshalb die Schüler über die Zeit einige weitere Bewohner kennengelernt haben. Die Studenten Sarah Dreiskemper, Franziska Overmeyer, Nadine Hoof, Jana Eggenkämper und Stephan Haarlammert haben ihr Projekt namens inklusiv-kreativ an der Uni in Enschede vorgestellt. Stapenhorster sammeln wieder Müll mit Schützenverein Exterheide-Meesenburg Lengerich. Müllsammelaktion der Exterheide-Meesenburger Schützen: Zum 29. Mal machte sich der Verein am 2. April auf, achtlos entsorgten Abfall in der Landschaft zwischen Lengerich und Leeden aufzusammeln. Mehr als 50 kleine und große Helfer gingen, begleitet von sechs Treckergespannen, durch die Bauernschaft. Darunter wie in jedem Jahr Beschäftigte und Mitarbeiter von Gut Stapenhorst, die zur Nachbarschaft gehören. Nach getaner Arbeit traf sich die große Schützenfamilie bei der Majestät Heinz Wetter zu Bratwurst, Bier und frisch gebackenem Brot. lewe aktuell 2.2015

Aktuelles AZAV-Überprüfungsaudit erfolgreich absolviert Tecklenburg-Ledde. Wir sind Anerkannter Bildungsträger für Maßnahmen der Arbeitsförderung. Seit März 2013 ist der Berufsbildungsbereich (BBB) nach AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung gemäß Sozialgesetzbuch III von 2012) zertifiziert. Dieses für alle Werkstätten verpflichtende Zertifikat ist jährlich von unabhängiger Stelle nachzuprüfen. Im Auftrag des TÜV-Nord hat Lutz Strenger (2. v. r.) unsere Leistungsfähigkeit turnusgemäß am 23. April überprüft. Der Auditbericht: Die LeWe bieten vielfältige Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote für Menschen mit Behinderungen an. Das Unternehmen ist seit 2013 erfolgreich nach der AZAV zertifiziert. Einmal jährlich wird dieses Zertifikat in einem Überwachungsaudit überprüft. Die diesjährige Überprüfung ließ eine sehr gute Vorbereitung, Systematik und Nachverfolgbarkeit in allen eingesehenen Prozessen erkennen. Alle am Prozess der Beruflichen Bildung Beteiligten zeigen hohes fachliches, innovatives und systemorientiertes Denken und Handeln auf. Angehörigennachmittag und Themenabend gut besucht Ledde/Ibbenbüren. Sich den Arbeitsplatz des Angehörigen anschauen, andere Eltern oder Betreuer kennenlernen, Infos aus erster Hand bekommen: Die Angehörigennachmittage in den beiden Arbeitsbereichen für schwerstund mehrfachbehinderte Menschen (AB SMB) erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Über 40 Personen hatten sich zum 21. Mai im AB SMB Ledde angemeldet. Eltern und Betreuer zeigten sich immer wieder angetan von den Möglichkeiten dieses vor drei Jahren neu gestalteten Bereiches, berichtet Ilka Steinigeweg. Als zuständige Bereichsleitung begrüßte sie die Gäste. Für Gespräche zur Verfügung standen auch Angelika Narendorf vom Sozialen Dienst und Physiotherapeutin Anne Eggemeier aus der hauseigenen Praxis vita p lus in Ladbergen. Ebenfalls (mit über 100 Gästen) gut besucht war der alljährliche Themenabend für Eltern, weitere Angehörige und Betreuer. Am 20. Mai referierte Katja Alfing (Referentin Wohnen und Beratung in der Behindertenarbeit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe) zum Thema Pflegegesetz SGB XI Relevanz für die Eingliederungshilfe in der Betriebsstätte Maybachstraße. lewe aktuell 2.2015 5

Im Fokus Betreutes Wohnen in Familien: vertraut, privat, rund um die Uhr Jens Tennert ist tagsüber in unserer Betriebsstätte Maybachstraße in Ibbenbüren beschäftigt. Sein Zuhause hat er bei Jeannette und Andree Heuel in Greven. Seit zwei Jahren lebt er in seiner Pflegefamilie. Er redet einfach mehr, manchmal in Sätzen, oder?! Ja, ist mir auch aufgefallen. Und er zieht sich selbst an. Selbst essen tut er auch, wenn ich ihm das Brot klein schneide. Klar, das braucht alles viel Zeit. Macht doch nichts, ihm geht s echt gut! Jeannette und Andree Heuel unterhalten sich ganz offen, während sie Jens Tennert beobachten. Was geht, was nicht? Jens Tennert lacht laut, wie zur Bestätigung, und spricht einige der gehörten Worte nach. Dann erkundet er mit seinem Rollstuhl wieder mal den kleinen, umfriedeten Garten. Eine nette Familie keine pädagogischen Profis mit einem behinderten Menschen, der offensichtlich kleine persönliche Fortschritte macht und sich wohl fühlt. In einer sehr vertrauten Umgebung, in der privaten Situation eines hübsch renovierten Siedlungshauses. Jens Tennert ist beschäftigt in unserem Arbeitsbereich für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen. Nach Feierabend, an den Wochenenden, immer dann, wenn er die Werkstatt verlässt, ist die Familie von Jeannette und Andree Heuel sein Zuhause. Vor zwei Jahren hat ihn das Grevener Ehepaar aufgenommen im Rahmen des Betreuten Woh- lewe aktuell 2.2015

Im Fokus ZUM THEMA Besonderes Wohnangebot mit wachsender Tendenz Das Betreute Wohnen in Gastfamilien/Familienpflege (BWF) ist eine besondere Form des Ambulanten Betreuten Wohnens im Rahmen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen gemäß Sozialgesetzbuch XII. Es bietet erwachsenen behinderten Menschen eine ihren Bedürfnissen entsprechende, familienbezogene individuelle Betreuung. Der Klient findet statt der sonst möglicherweise erforderlichen Hilfe im Stationären Wohnen Aufnahme in einer Gastfamilie. In Westfalen-Lippe, Einzugsgebiet des LWL, waren mit Stand Februar 56 professionelle Familienpflegeteams im Einsatz. Sie bringen Klienten und Familien zusammen, beraten und begleiten die Entwicklung von der Aufnahme in die Familie bis zum Erreichen definierter Ziele. Aktuell kümmern sich die Teams um 514 Klienten in 460 Gastfamilien in Westfalen-Lippe. Bis Ende 2016 möchte der LWL nach eigenen Angaben die Marke von 580 Klienten erreichen. Für BWF-Teams kommen Träger von Einrichtungen der stationären Behindertenhilfe in Frage, die durch ihre fachliche Kompetenz und wirtschaftliche Situation in der Wohnen in Familien. Von ihrem Lengericher Büro aus begleitet sie die Klienten Silke Wöhrmann, unsere zuständige Mitarbeiterin für das Angebot Betreutes Lage sind, professionelle Betreuung zu und ihre Pflegefamiien, kümmert sich um Anträge oder Urlaubsvertretungen. leisten. Wichtig: Der Träger muss gewährleisten, dass BWF ein Element im Gesamtangebot der Betreuung darstellt und mit anderen Wohnangeboten eng und durchlässig vernetzt sind. Die Vorbereitung und Auswahl der Gastfamilien leistet ausschließlich das BWF-Team. lewe aktuell 2.2015 7

Im Fokus nens in Familien (BWF). Dieses Nischenangebot zwischen Stationärem Wohnen und Ambulant Betreuten Wohnen kann für ausgewählte Personen in der passenden Pflegefamilie ein hohes Maß an sozialer Integration bedeuten. BWF gehört organisatorisch zu unserem Ambulant Betreuten Wohnen und wird von Mitarbeiterin Silke Wöhrmann begleitet. Die Heilerziehungspflegerin kümmert sich aktuell um zehn Klienten, die in Gastfamilien in Lotte, Mettingen, Hörstel, Ibbenbüren, Saerbeck, Greven oder Emsdetten leben. Personen zwischen 20 und 50 Jahren mit geistigen und psychischen Behinderungen. Deutschlandweit nutzen etwa 2500 Personen in fast allen Bundesländern BWF. BWF, früher Familienpflege betitelt, ergibt sich durchaus häufiger aus persönlichen Bezügen: Jens Tennert ist ein Onkel von Jeannette Heuel, den sie seit ihrer Kindheit kennt, als er noch mit seiner Mutter Elli auf dem Hof bei Berlin lebte, wo die kleine Jeannette oft zu Besuch war. Jahrzehnte später wurde Elli Tennert schwer krank; die Heuels holten beide zu sich nach Greven. Die alte Dame starb vor Jahren. Wo sollte Jens hin? Die Heuels entschlossen sich, Michael Spellmeyer (rechts) lebt seit 2012 in der Familie von Rudolf Cirkel in Ibbenbüren. Er fühlt sich auf dem umgenutzten Bauernhof wohl. Zur Pflegefamilie gehört außerdem auch noch ein Pflegekind. 8 lewe aktuell 2.2015

Im Fokus ZUM THEMA BWF wie geht das und was tun wir? Vom Stationären Wohnen mit durchgehender Begleitung (zirka 200 Plätze) über das Hausgemeinschaftskonzept bis zum Ambulant Betreuten Wohnen (200 Plätze) reicht die Bandbreite unserer Wohnangebote. Das BWF mit aktuellen zehn Klienten ist da eine Nische. Betreutes Wohnen in Familien haben wir seit vielen Jahren im Leistungsspektrum. Familienanaloge Unterbringung nennen das die Fachleute. Der Klient bekommt eine sehr individualisierte Hilfeleistung, denn er lebt permanent in der Familie. Auf deren Seite setzt das entsprechenden Wohnraum, soziales Engagement und das personenbedingt nötige Zeitbudget für den Klienten, allerdings keine pädagogische Ausbildung, voraus. Mitarbeiterin Silke Wöhrmann steht als Ansprechpartnerin zur Seite. Sie visitiert die Familien, wickelt Antragsverfahren ab oder kümmert sich um Kurzzeitpflege, denn der Gastfamilie stehen 28 Tage Jahresurlaub bei Fortzahlung der Leistungen zu. Für die Aufnahme bekommt sie ein Betreuungsgeld, das sich inklusiv der Kosten für die Unterbringung auf rund 1000 Euro monatlich beläuft. Am 27. April haben sich 56 BWF-Teams aus Westfalen-Lippe zur Jahrestagung in der LWL-Klinik Lengerich getroffen. Wir waren vor Ort Organisator der Veranstaltung. Weitere Infos bei Silke Wöhrmann (Telefon 01761 720-1077). ihn aufzunehmen. Das funktioniert gut: Der Bungalow ist barrierefrei umgebaut und die Lebenshilfe Greven schickt sporadisch eine stundenweise Betreuung, wenn das Ehepaar mal etwas zu zweit unternehmen möchte. Heute ist Silke Wöhrmann da, um den Zeitraum für einen geplanten Urlaub zu besprechen. Urlaub steht Pflegefamilien zu und die Verhinderungspflege ist zu organisieren. Wir können hier sehr personenbezogen arbeiten und eine große Kontinuität bieten, beschreibt Rudolf Cirkel den Alltag mit seinem Mitbewohner: Seit 2012 nutzt Michael Spellmeyer unser BWF und lebt auf dem umgenutzten Bauernhof Cirkel in Ibbenbüren. Zur Familie als solche bezeichnen sich hier alle gehört auch Pflegesohn Jason, der gerade von der Schule kommt. Treffpunkt ist die große Küche, wo die anderen schon beim Mittagessen sitzen. Rudolf Cirkel hat Eintopf gekocht und nun wird über den Tag und das, was nachmittags anliegt, geredet. Das Geld, das die Familie für die Betreuung bekomme, sei Nebensache gewesen, als er sich mit seiner Partnerin zur Aufnahme entschlossen habe, berichtet er. Wir wollten eine Wohngemeinschaft für Menschen in einer besonderen Lebensituation gründen. Platz genug haben wir ja hier. Michael lewe aktuell 2.2015 Spellmeyer hat ein neues, dauerhaftes Zuhause gesucht. Das Engagement der Familie Cirkel schafft ein verlässliches Umfeld für den heute 52-Jährigen, der sich wohl fühlt auf dem Hof. Hat BWF ein Alleinstellungsmerkmal? Ja, insofern als dass andere Wohnangebote nicht diese besonderen sozialen Bezüge bieten können. Mit der sorgfältig ausgewählten, passenden Gastfamilie erschließt sich dem Klienten im besten Fall automatisch der Zugang zu deren Verwandten, Freunden, Nachbarn oder Kollegen. Umgekehrt wird der Klient durch seine alltägliche Präsenz als normaler Teil der Familie wahrgenommen. Inklusion wird nicht erzeugt, sondern geschieht einfach. Welche Eigenschaften braucht nun eine Pflegefamilie, um einen Menschen mit Behinderung dauerhaft bei sich aufnehmen zu können? Toleranz sei wichtig, betont Cirkel. Und Einfühlungsvermögen in die Lebenssituation des neuen Klienten, die sich mit dem Umzug beispielsweise aus einem Wohnheim natürlich gravierend ändere. Lebenserfahrung sei hilfreich, ebenso sicherlich Erfahrung mit eigenen Kindern, die aber nicht zwingend sei. Die rein fachliche Qualifikation sei im BWF keine Voraussetzung, wobei natürlich die Fähigkeit zur Organisation und 9

Im Fokus ZUM THEMA Historie der Familienpflege reicht weit zurück Die historischen Wurzeln der Familienpflege datiert die Fachliteratur (Herausgeber Michael Konrad, Jo Becker, Reinhold Eisenhut: Inklusion leben, Freiburg 2012) auf den Beginn des 20. Jahrhunderts. Einige Heilanstalten, die Vorläufer der heutigen psychiatrischen Fachkliniken, richteten damals regelrechte Familienpflege-Kolonien in ihrer unmittelbaren räumlichen Umgebung ein. Dies aber nicht unbedingt als eine planvolle Alternative zu bisherigen hospitalen Versorgungsformen, sondern eher als eine notwendige Reaktion auf die Überbelegung: Der Verbleib behinderter Menschen in der Großfamilie des fortschreitenden Industriealisierungsprozesses wurde zumindest in den Städten zunehmend schwieriger. Wohnraum war äußerst knapp und Arbeits- und Wohnort waren nun in der Regel getrennt. Alternative Möglichkeiten der Betreuung gab es nicht. Während der Zeit des Nationalsozialismus und bis in die 1980er Jahre gab es zunächst regimebedingt keine und nach dem Krieg nur wenige Initiativen moderner Familienpflege und selbst danach begegnete die psychiatrische Fachwelt dieser vermeintlich antiquierten Form der Versorgung in der bürgerlichen Familie vielfach skeptisch und distanziert. Tatsächlich sah Familienpflege über Jahrzehnte praktisch oft so aus: Menschen mit Behinderungen kamen auf Anforderung auf Bauernhöfe, wo sie mitarbeiteten und dafür Kost, Logis und ein Taschengeld, aber keineswegs immer echten Familienanschluss, erhielten. Fachliche Begleitung erfolgte gar nicht oder sporadisch. In den 1990er Jahren entstanden beispielsweise in Süd-Württemberg Initiativen, die dieses Bild grundlegend revidierten, Menschen mit geistigen Behinderungen in sorgfältig ausgewählte Gastfamilien vermittelten und diese dann professionell und kontinuierlich begleiteten. Der LWL verabschiedete 2002 eigene BWF-Richtlinien, woraufhin immer mehr Träger in NRW ein Angebot installierten, was wiederum durch den Trend zur Ambulantisierung und Kostenersparnis befördert worden sein dürfte. Insgesamt ist bis heute ein Aufwärtstrend bei der Zahl der Klienten zu konstatieren. Zugewandtheit grundlegend seien. Wie bei den Heuels in Greven, die das intuitiv Richtige tun, weil sie ihren Jens einfach gerne mögen. Ortswechsel: Andre Loheide ist heute 36 Jahre alt und nennt Maria Loheide Mutti : Mit einem Jahr hat sie ihn als Pflegekind aufgenommen und mit Erreichen der Volljährigkeit ins BWF übernehmen können. Im Laufe von fast 50 Jahren hätten drei weitere Pflegekinder und vier eigene Kinder das Saerbecker Eigenheim durchlaufen, berichtet Maria Loheide. Die ältere Dame darf man als echten Profi für Familiepflege und Familie ansich bezeichnen. Zeitweise waren Zivildienstleistende im Hause, um die ganze Logistik des Alltags mit so vielen Personen zu bewältigen. Vor ein paar Jahren ist im Garten ein schmucker Neubau entstanden, wo Andre sein Appartment in Dachgeschoss hat und weitgehend selbstständig lebt. Die Arbeit mit Holz in unserer Betriebsstätte Settel gefällt ihm und den Kaffee nach Feierabend, mit Mutti, genießt er sehr. Dann wird viel geredet über die Arbeit und anderes. Pflegekinder und BWF-Klienten zu haben ist für Maria Loheide vollkommen normal. Schon ihre Mutter habe Pflegekinder gehabt, erzählt die Saerbeckerin, die für ihr soziales Engagement an vielen weiteren Stellen im Ort mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Jens Tennert, Michael Spellmeyer und Andre Loheide drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten in drei vollkommen unterschiedlichen Pflegefamilien. Gleich ist allen drei Klienten, dass sie von der Lebenssituation einer verlässlichen sozialen Gemeinschaft profitieren und tägliche Normalität erfahren. Gut vorbereitet und begleitet durch unsere Fachleute kann BWF als Wohnform ein hohes Maß an Alltags- Inklusion generieren und auch für die Pflegefamilien gewinnbringend wirken. 10 lewe aktuell 2.2015

Im Fokus Andre Loheide mit seiner Pflegemutter, Maria Loheide. Andre kam als kleines Kind in die Familie und wuchs mit weiteren eigenen Kindern und mehreren Pflegekindern auf. Tagsüber geht er mit dem Werkstoff Holz in unserer Lengericher Betriebsstätte Settel um. Vom 11. bis 27. Juli haben wir Sommerpause! Ihnen und Ihrer Familie wünschen wir eine schöne Ferienzeit! Viele Grüße aus dem Café Samocca und Visavis-Samocca Café Samocca Ledder Werkstätten gemeinnützige GmbH Münsterstraße 14 49525 Lengerich Telefon 05481 305631 www.ledderwerkstaetten.de Visavis Samocca Ledder Werkstätten gemeinnützige GmbH Wielandstraße 24 49525 Lengerich Telefon 05481 3049895 www.ledderwerkstaetten.de lewe aktuell 2.2015 11

Fünf Fragen an...... Thomas Knüpffer Herr Knüpffer, wie sieht Ihr Arbeitsbereich beim LWL aus und welche Aufgabe hat der LWL innerhalb des Netzwerkes Betreutes Wohnen in Familien (BWF)? Der LWL - als überörtlicher Träger der Sozialhilfe - ermöglicht Menschen mit wesentlichen Behinderungen das Wohnen in einer Gastfamilie, indem er die Kosten trägt, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Gleichzeitig wirkt der LWL aktiv bei der inhaltlichen und strukturellen Gestaltung des BWF mit. Konkret heißt das zum Beispiel, das BWF bei Einrichtungsträgern bekannt zu machen, weitere BWF- Teams zu gewinnen, Abläufe und Verfahren zu vereinfachen. Außerdem kümmert sich der LWL um die leistungsrechtlichen Rahmenbedingungen. Die Aufgabe im BWF ist insgesamt also eine Mischung aus der Anwendung des Sozialhilferechts und dem Balancieren von fachlichen und ökonomischen Erwägungen. Mein Arbeitsplatz ist der Sachbereich Wohnangebote für Menschen mit Behinderungen. Meine Kollegen und ich sind für die 27 LWL-Mitgliedsregionen zuständig. Wir sind dort jeweils Ansprechpartner für die Träger von ambulanten und stationären Wohnangeboten, sind gemeinsam mit kommunalen Partnern vor Ort in der nachhaltigen Sozialplanung aktiv und helfen dabei, politische Zielsetzungen, die die Situation von Menschen mit Behinderungen verbessern sollen, umzusetzen. In dieser Funktion bin ich für zwei Städte im Ruhrgebiet zuständig. Daneben bin ich mit ähnlicher Zielsetzung - Ansprechpartner für alle grundsätzlichen Angelegenheiten im BWF für ganz Westfalen-Lippe. Diese Aufgabe nennt sich bei uns Produktverantwortung klingt etwas technisch. Inhaltlich ist hier alles zu finden, was ich oben als Aufgabe beschrieben habe. Welchen Stellenwert nimmt das BWF aus Ihrer Sicht angesichts der Bandbreite der Wohnangebote ein? Bleibt es eine spezielle Nische? Thomas Knüpffer, Produktverantwortlicher für Betreute beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Auf 27. April begrüßte er 56 BWF-Teams in der LW Das BWF ist mit zurzeit rund 510 Menschen in Gastfamilien in Westfalen-Lippe ein kleiner Bereich. Der LWL trägt die Kosten für rund 23.000 Menschen in stationären Wohnformen und für rund 24.000 Menschen im Ambulant betreuten Wohnen. Der Begriff Nische ist also richtig. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt aber einen klaren Aufwärtstrend. Die Zahl der Menschen in Gastfamilien hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. BWF ist nach meiner Überzeugung ein wichtiger Baustein in der Palette der Wohnhilfen. Ich bin sicher, dass sich in den nächsten Jahren weitere Menschen mit Hilfebedarf dafür entscheiden, Anschluss an eine Familie zu finden. Genießt das BWF für die Klienten einen besonderen Stellenwert? Sind das besondere Beziehungen zu ihren Pflegefamilien und umgekehrt? Klares Ja. Aus den Jahresberichten der BWF- Teams, aus Kontakten vor Ort oder wenn ich mit BWF-Klienten unmittelbar ins Gespräch komme erfahre ich immer wieder von außergewöhnlichen und eindrucksvollen Verbindungen. Das BWF bietet beteiligten Menschen einen enormen Fundus für Entwicklungen. Für den Mensch mit Behinderung kön- 12 lewe aktuell 2.2015

Fünf Fragen an... s Wohnen in Familien (BWF) der Jahrestagung am L-Klinik in Lengerich. lewe aktuell 2.2015 nen im BWF Kontakte entstehen, die weit übers BWF als Maßnahme hinaus tragen und stützen können. Aber auch Beteiligte des Familien-Systems (erwachsene Kinder, Nachbarn, Freunde) werden im Zuge des BWF viele Möglichkeiten für Begegnungen geboten. Es passiert durchaus, dass sich Skepsis auflöst und sich Ansichten über Behinderte nachhaltig ändern. Im BWF passiert gesellschaftliche Inklusion ganz nebenbei. Der historische Vorläufer des BWF hat einen durchaus auch zwiespältigen Hintergrund: Früher gab es Menschen mit Behinderungen, die auf Bauernhöfen lebten und arbeiteten und mitunter ausgebeutet wurden. Gibt es solche Klischees noch in den Köpfen? Sind die Hürden eigentlich hoch, um Pflegefamilie werden zu können? Unmittelbar in Gesprächen sind mir Vorbehalte zum BWF, die aus dieser Phase in den 50er Jahren stammen, noch nicht begegnet. In der Literatur zum BWF ( Inklusion leben von Michael Konrad, Jo Becker, Reinhold Eisenhut, Lambertus-Verlag 2012) gibt es Hinweise zur Geschichte. Unfaire Bedingungen entstanden bei der Kopplung von Arbeit und Betreuung in dieser Zeit schon dadurch, dass Beschäftigte nicht rentenversichert waren und sie so trotz umfangreicher Tätigkeit später von Sozialhilfe abhängig blieben. Heute undenkbar. Ich erlebe häufig, dass diese Form der Wohnhilfe gar nicht bekannt ist. Selbst von langjährig in der Eingliederungshilfe tätigen Mitarbeitern habe ich schon ein erstauntes Wie? Sowas gibt s? gehört. Es existiert ganz bewusst keine Anforderung an die fachliche Qualifikation an eine Gastfamilie. Es ist auch nicht erforderlich, dass Familien zunächst einen Gastfamilien-Kursus oder so absolvieren. Im BWF geht es im Unterschied zur Vollzeitpflege im Rahmen der Jugendhilfe um erwachsene Menschen. Der Klient, wenn notwendig mit seinem rechtlichen Betreuer, handelt eigenverantwortlich und hat auch ein eigenes Kündigungsrecht. Die Zuordnung (welcher Klient passt in welche Familie?) ist ein wesentliches Qualitätskriterium im BWF. Die Anbahnung, Auswahl und Feststellung der Eignung einer Gastfamilie wird von den BWF-Fachteams vor Ort begleitet. Ebenso die Vermittlung von geeigneten Klienten an Gastfamilien. So ein BWF- Team gibt es ja seit vielen Jahren auch bei den Ledder Werkstätten. Die Teams gehen mit Sorgfalt vor und würdigen alle relevanten Aspekte und individuellen Strukturen sowohl bei Klienten als auch Gastfamilien. Wird vom BWF-Team die Eignung bejaht, kann grundsätzliche jede Familie Gastfamilie werden. Stationär, Ambulant, Hausgemeinschaftskonzepte, BWF: Wie sehen Sie die Zukunft der Wohnformen? Bedeutet Inklusion, Menschen mit Behinderungen alle Möglichkeiten anzubieten? Ja! Menschen mit Behinderungen sollen, wie nicht behinderte Menschen auch, die Möglichkeit haben, möglichst frei zu wählen, wie, wo und mit wem sie wohnen wollen. Diese Forderung aus Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention macht deutlich, dass es eine Angebotsvielfalt geben muss. Ich glaube, dass man noch mehr Mobilität zwischen verschiedenen Wohnformen braucht. Was heute für einen Menschen gut und richtig ist, kann in zwei Jahren anders aussehen. Für mich erschließt sich Eingliederungshilfe immer dann, wenn man sie nicht als statisch begreift ( endlich haben wir den richtigen Platz gefunden ), sondern immer zielorientiert denkt. Wohnhilfen der Eingliederungshilfe sind schließlich Teil der Sozialhilfe. Die soll grundsätzlich so weit wie möglich befähigen, unabhängig von ihr zu leben. Ich persönlich glaube, dass dieser Gedanke, auch mit Wohnformen, in denen Menschen selbstständiger leben können, deutlicher in Erscheinung treten könnte. 13

Magazin Pflichttermin Mitarbeitergespräch: Werkstattrat entwickelt ein eigenes Mitwirkungsmodell Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden während ihrer Probezeit von einem Werkstattrat-Team (rechts) zu einem Kennenlerngespräch mit vorbereiteten Fragen eingeladen. Seit 2008 ist Susanne Hielscher Vorsitzende des Werkstattrates für Menschen mit geistigen Behinderungen. Sie und ihre acht Mitstreiter setzen sich vielfältig ein für ihre Kolleginnen und Kollegen, sind Sprachrohr, Interessenvertretung und manchmal auch Kummerkasten für private Dinge. Seit 2012 nutzt der Werkstattrat ein neues Instrument der Mitwirkung: die Mitarbeitergespräche. Was hat es damit auf sich? Mitwirkung in Behinderteneinrichtungen schreibt die Werkstättenmitwirkungsverordnung (WMVO) vor: Darin steht zum Beispiel, dass die Werkstattleitung den Werkstattrat über Einstellungen und Versetzungen des Fachpersonals zu unterrichten hat. Das war dem Werkstattrat aber zu wenig. Zunächst initiativ, unterstützt von der ebenfalls gesetzlich vorgeschriebenen und assistierenden Vertrauensperson (aus der Mitarbeiterschaft), später dann auch kooperativ mit der Geschäftsführung, wurde ein weiterführendes Modell entwickelt: Mitarbeitergespräche gibt es seit dem Sommer 2012. Ausnahmslos alle neu eingestellten Fachkräfte im Gruppendienst der Werkstatt für Menschen mit geistigen Behinderungen und intern wechselnde Fachkräfte haben diesen Termin auf ihrem Plan. Effekte: Alle Neuen nehmen die Interessenvertretung wahr und der Werkstattrat bekommt die Gelegenheit, sich ein Bild zu machen. Und damit eine aktivere Rolle in Fragen der langfristigen Personalentwicklung. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen? Der Ablauf ist exakt festgelegt und vereinbart: Mitarbeitergespräche finden während der Probezeit der Aspiranten oder in den ersten Wochen der neuen inhaltlichen Tätigkeit statt. Die Person bekommt rechtzeitig eine schriftliche Einladung. Mit dem jeweiligen Vorgesetzten ist der Termin bereits abgestimmt. Der Werkstattrat kümmert sich nun um den Raum (Barrierefreiheit mit Blick auf körperbehinderte WR-Mitglieder; möglichst in Arbeitsplatznähe der Person). Teilnehmer des Gespräches, Dauer, einladendes Ambiente, mögliche Terminkollisionen alles Dinge, die er vorab klärt. Den Termin nimmt eines der beiden festen Interview-Teams wahr. Diese Teams bestehen aus jeweils zwei Personen, die sich in ihren Fähigkeiten der Gesprächsführung und des schriftlichen Nachhaltens (als Ergebnis einer entsprechenden Ausbildung) ergänzen. Gesprächsziel sei immer, den Gemeinsam hat der Werkstattrat für Menschen mit geistiger Behinderung einen Fragenkatalog entwickelt. Gut vorbereitet gehen die beiden Teams in die Mitarbeitergespräche. 14 lewe aktuell 2.2015

Magazin ZUM THEMA Warum Mitarbeitergespräche? Von der Personalentwicklung im Gruppendienst betroffen sind Beschäftigte täglich und unmittelbar. Das Modell lässt sie im internen Kommunikationsprozess tatsächlich und verbindlich erkennbarer werden. Das in der WMVO garantierte Recht auf Mitwirkung versetzt den Werkstattrat in die Lage der strukturierten Einbeziehung in Personalentscheidungen. Das Modell verbessere den Prozess der Personalfindung, sagt Ralf Hagemeier. Im Verfahren fest installiert sei die Rückmeldung an die Einrichtungsleitung in Form eines Auswertungsgespräches, das nach einem selbstgewählten, festgelegten Fragemuster verlaufe. Das sei auch wichtig zur verlässlichen Vorbereitung für den Werkstattrat. Dieses Gespräch sei das einzige Feedback an Leitung, während die Dokumentation des tatsächlichen Gesprächsverlaufes im Eigentum des Werkstattrates bleibe, erklärt der Geschäftsführer. Hagemeier: Personalauswahlverfahren werden qualifiziert. Welchen Mitarbeiter suchen wir und was wird tatsächlich an Personal gebraucht? Seit 2001 schreibt die WMVO Arbeit, Wahlverfahren, Pflichten und Rechte des Werkstattrates fest. Im LeWe-Geschäftsbericht taucht die damalige Beschäftigten-Vertretung erstmals 1983 auf. Als Werkstattrat firmiert das Gremium seit 1993. Person. Dass kein Mitarbeitergespräch wie das andere sei und die Zeitvorgabe zum Beispiel im Fall gegenseitiger Sympathie aus dem Ruder laufe, gibt Hielscher gerne zu. Aber: Am Ende stünden Antworten auf klar umrissene Fragen. Hier liegt der Unterschied zu anderen Formen der Mitwirkung. Wenn beispielsweise Werkstatträte an Bewerbungsgesprächen mit Leitung teilnehmen, die sprachlich und inhaltlich auf anderer, fachlicher Ebene laufen, muss das nicht zielführend im Sinne der Mitwirkung sein: Sie trauen sich vielleicht nicht, selbst etwas zu fragen, weil es ihnen viel zu profan erscheint. Hielscher: Wir hätten dort zu wenig Zeit und Raum für unsere Fragen. Die Aufgabenverteilung in den Interviewteams sei klar geregelt, berichtet sie. Einer frage, einer schreibe. Schulungen, immer wieder Schulungen, Workshops, der Besuch von Fachvorträgen auf der Werkstätten:Messe in Nürnberg, viele Diskussionen hinter verschlossener Tür, Input durch die Vertrauensperson es war ein weiter Weg bis zum fertigen Konzept. Inzwischen weit über ein Dutzend neue oder intern wechselnde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich seit 2012 dem Gespräch gestellt. Und auch der Arbeitsbereich für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen ist durch Petra Keller dabei. Als Werkstatträtin vertritt sie die Interessen von über 70 Beschäftigten und gehört zu einem der beiden Interviewteams. vorbereiteten Fragenkatalog abzuarbeiten, erklärt Hielscher. Wichtig seien formale Essentials wie die Begrüßung mit Handschlag, die Anrede per Sie, das Angebot, Platz zu nehmen oder stets den Blickkontakt zu halten. Und dann werde es konkret, etwa so: Was haben Sie für eine Ausbildung gemacht? Warum haben Sie sich bei den Ledder Werkstätten beworben? Was meinen Sie, welche Fähigkeiten braucht man, wenn man mit behinderten Menschen arbeitet? Der Fragenkatalog ist mit der Vertrauensperson entwickelt worden. Er gibt den Teams, Menschen mit geistigen Behinderungen, Sicherheit in der Kommunikation mit einer vielleicht vollkommen fremden lewe aktuell 2.2015 Susanne Hielscher (Vorsitzende) und Michael Otte (Vertreter, links) haben regelmäßig Termine mit Rudolf Schönrock (Geschäftsleitung Werkstatt für geistig behinderte Menschen). 15

Magazin Sicherheit geht vor: Elektroprüfer sind seit zehn Jahren unterwegs Mitarbeiter und Elektrotechniker Markus Aulkemeier (rechts) mit der aktuellen Elektroprüfer-Gruppe. Zehn Jahre Prüfung ortsveränderbarer Elektrogeräte haben die Männer am 23. April im Lengericher Samocca beim gemeinsamen Mittagessen Revue passieren lassen. Inzwischen kommen ihre Aufträge auch von außerhalb der Werkstatt. Zehn Jahre Prüfung ortsveränderbarer Elektrogeräte: 2005 haben wir damit begonnen, werkstattund wohnbereichsweit alles mit Stecker in regelmäßigen Abständen selbst zu prüfen und kommen damit einer gesetzlichen Auflage nach. Zum Start war eine durchaus umfangreiche Unterweisung der Beschäftigten, die diese Aufgabe inzwischen komplett selbstständig leisten, notwendig: Markus Aulkemeier, Bereichsleitung der Betriebsstätten an der Glücksburger Straße in Ibbenbüren und von Haus aus Elektrotechniker, hat bis heute in mehreren Ausbildungsgängen 18 Prüfern das notwendige Fachwissen vermittelt. Ein halbes Jahr dauere so eine Ausbildung. Der wöchentliche Unterricht sei umfassend, aber auch werkstatt-spezifisch, berichtet Aulkemeier, der unter den Prüfern auch Beschäftigte mit den früheren Berufsbildern Elektroinstallateur und -techniker hat. Inzwischen finden jährlich Auffrischungsschulungen auch durch externe Kräfte statt. Widerstand des Schutzleiters, Differenzstrom, Schäden am Kabel und natürlich der Blick aufs Gerät: Die Elektroprüfer schauen genau hin und messen exakt. Dafür wurden zwei professionelle Prüfgeräte angeschafft, die permanent im Einsatz sind. Das wiederum liegt ganz einfach daran, dass an den insgesamt mehr als 40 LeWe-Standorten über 5000 ortsveränderliche elektrische Geräte in Gebrauch sind, die Arbeit für die Prüfer also nie abreißt. Etwa 40 Geräte am Tag könne man durchmessen, be- 16 lewe aktuell 2.2015

Magazin richtet Bernd von der Assen, Beschäftigter und seit Anfang an im Projekt. Nach seiner Prüfung bekommt beispielsweise der mobile Tellerwärmer unserer Großküche ein gut sichtbares Prüfsiegel und einen Barcode, aus dem sich bei der Wiederholungsprüfung alle Daten auslesen lassen. Gesperrt -Aufkleber hat er auch im Koffer und ist berechtigt, beispielsweise den Toaster im Wohnbereich mit brüchigem Kabel stillzulegen. Es gibt festgelegte Prüfintervalle, die von der Nutzungsintensitität der Geräte abhängen, und ein Archivierungsprogramm mit der Liste aller vorhandenen Bernd von der Assen im Kellergeschoss unter der Ledder Großküche. Gerade überprüft er einen Geschirrwärmer. Mehr als 5000 solcher ortsveränderbaren elektrischen Geräte gibt es in den Ledder Werkstätten - viel Arbeit für die Geräteprüfer! Mit zwei solcher Geräte der Marke Secutest sind die Elektrogeräteprüfer quasi permanent unterwegs. Das setzt technische Kenntnis und Mobilität voraus. Geräte samt anstehender Wiederholungsprüfungen. Die Pflege dieser Datenbank fürs gesamte Projekt hat wiederum einen stundenweisen Computerarbeitsplatz in der Betriebsstätte Schnieders generiert. Weil die Elektroprüfer inzwischen über alle nötigen Routinen und einiges Fachwissen verfügen, machen die LeWe ein externes Dienstleistungsangebot: Seit 2007 gehören mehrere Kindertageseinrichtungen, Seniorenheime, eine Arztpraxis, eine Entsorgungsfirma oder eine Wohngemeinschaft zu den Kunden. Einige aus dem Prüfteam sowie Mitarbeiter absolvierten 2007 einen Lehrgang zum deutlich aufwändigeren Testen sogenannter Festanlagen. Bernd von der Assen meint zum Projekt Stromprüfer: Es ist eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle Arbeit, die vor Ort immer positiv bewertet wird. Zur Sicherheit der Geräte und der damit arbeitenden Personen. lewe aktuell 2.2015 17

Magazin Stromspar-Check bringt ABW bares Geld und Energiebewusstsein Unsere ABW-Fallmanager (hier im Bild: Heiner Hibbe, rechts) begleiten auch Aktionen wie den Stromspar-Check. Man kann was für sich selbst sparen und man spart Energie. Kerstin Ballmann erklärt, warum sie und ihre Mitbewohner an der Großen Straße, Anna Naumann und Björn Czayka, beim Stromspar-Check mitmachen. Das bundesweite Projekt hat die Caritas Rheine nach Ibbenbüren geholt. Drei Berater-Teams waren jetzt in zwölf Wohnungen zu Gast, in denen 25 Beschäftigte im Ambulant Betreuten Wohnen (ABW) leben und von ihren Fallmanagern begleitet werden. Heiner Hibbe ist Fallmanager und kennt die Risiken, die die autarke Wohnsituation für Menschen mit oft schmalem Budget bedeuten kann. Ihnen drohe sogenannte Energiearmut, weil sie dauerhaft mehr verbrauchten, als sie zu bezahlen in der Lage seien. Das bestätigt Karolina Augustjanska-Meier, Caritas-Anleiterin für den Stromspar-Check. Nachforderungen des Stromanbieters seien finanziell nicht mehr darstellbar, wenn man über einige Monate ins Minus geraten sei. Konsequenz: Der Anbieter stelle die Stromlieferung ein. Das Caritas-Projekt erzielt echte Einspareffekte: Kosten für Kochen und Betrieb elektrischer Geräte gehören zum Regelsatz der Grundsicherung. Strom- oder Gasenergie, die Kerstin Ballmann und die anderen am Herd, fürs Licht und den Betrieb von Kühlschrank und Waschmaschine verbrauchen, müssen sie daraus selbst zahlen. Strom zu sparen, macht für die Wohngemeinschaft doppelt Sinn: Zum einen werden erzielte Guthaben nicht von ihrer Hilfeleistung abgezogen. Zum anderen geht es um sinnvollen Umgang mit Energie und den persönlichen Beitrag zum Umweltschutz. Die WG besprach alles mit Fallmanager Hibbe, der die Caritas anrief. Inzwischen waren Ulrich Karl und Robert Krupski an der Großen Straße. Die Stromrechnung schauten sich die Stromsparhelfer an, maßen die Kühlschranktemperatur, überprüften Glühbirnen, suchten Einspareffekte durch Stand by-schalter. Im Mai kamen sie wieder und brachten Artikel im Wert von bis zu 70 Euro mit. Energiesparleuchten, abschaltbare Steckerleisten oder Durchflussbegrenzer für die Dusche zum Beispiel. Und Tipps für den sparsamen Umgang mit Energie. Das kostete Kerstin Ballmann und ihre Mitbewohner keinen Cent. Augustjanska-Meier gibt den Einspareffekt für die Wohnung Wochen später mit über 300 Euro an. 100 Euro pro Person klingt wenig, doch in Relation zum Hartz IV-Regelsatz (nur Empfänger der Leistung sind teilnahmeberechtigt) ist das viel. Das Trio spart jetzt aktiv Strom: Der Fernseher bleibt aus, wenn keiner im Wohnzimmer ist. Licht in ungenutzten Räumen gibt es nicht mehr. Im Kühlschrank lagern nur Lebensmittel, die zwingend gekühlt werden müssen. Kerstin Ballmann: Wir haben einiges gelernt dadurch. 18 lewe aktuell 2.2015

Magazin Landespräses Annette Kurschus im Rahmen der Kirchenkreis-Visitation zu Gast Die Landespräses, Annette Kurschus (rechts), hat uns im Rahmen der landeskirchlichen Visitation besucht. Hier zeigt unsere Mitarbeiterin Meike Hagemann die Industriefilter, die wir in der Textilabteilung in Ledde in großen Stückzahlen nähen. Was für Arbeitszeiten haben Beschäftigte? Wechseln die Menschen auch mal die Abteilung? Wer sind Auftraggeber und was ist der Anreiz für Unternehmen, die LeWe zu beauftragen? Wie eng ist der Kontakt zu den Kirchengemeinden im Tecklenburger Land? Viele konkrete Fragen brachte Annette Kurschus am Mittwoch, 15. April, mit. Mit einer 20-köpfigen Delegation führte die Landespräses über eine ganze Woche eine Visitation der Landeskirche im Kirchenkreis Tecklenburg durch. Dass die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen bei so einem Besuch der kirchlichen Praxis einer ganzen Region auch die Diakonie unter die Lupe nimmt, versteht sich von selbst. Über 200 Termine absolvierten die Visitatoren in Gemeinden, Kirchen, Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen, Unternehmerrunden und an vielen weiteren Orten. Sie wolle gerne etwas sehen von der Werkstatt, betonte die Präses gleich bei der Begrüßung. Geschäftsführer Ralf Hagemeier unternahm eine informative Runde durch den neu gestalteten Café- Bereich, den ebenfalls neuen Arbeitsbereich für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen und die Textilabteilung in Ledde. Damit bekam die Theologin gleich einen Einblick in die enorme Diversifizierung einer modernen Werkstatt für Menschen mit Behinderungen: hier der Bereich der besonderen Betreuung mit hohem Pflegeanteil und Personalschlüssel und der Aufgabe, Teilhabe durch Arbeit äußerst kleinteilig zu gestalten. Dort der Textilbereich mit seiner produktionsorientierten Arbeit und großen Aufträgen aus der Industrie. Später, beim Fachgespräch mit Geschäftsleitung, Susanne Hielscher als Vertreterin des Werkstattrates und Mitgliedern des LeWe-Aufsichtsrates, ging es um diese Fragen: Sicherung der Produktqualität, die Auftraggeber natürlich erwarten; Abwanderung von einfacher Arbeit in Billig-Lohn-Länder; der enorm wichtige und gewollte Sozialraumbezug einer dezentral organisierten Einrichtung; Einbindung junger Menschen etwa durch Freiwilligendienste und nachhaltige Personalentwicklung. Etwas davon, was sich hinter der Marke LeWe verberge, habe sie sehen können, sagte die Landespräses zum Abschluss dieses Visitationstermins. Zum Abschied überreichte ihr Hagemeier das Fotobuch Freiraum Perspektive Mensch der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen. Darin auch einige Aufnahmen von LeWe-Beschäftigten. lewe aktuell 2.2015 19

Magazin Borussia Dortmund unterstützt 10. Integratives Fußballturnier Tolle Unterstützung von den Profis: Borussia Dortmund hat uns 15 Karten für ein Heimspiel der nächsten Saison im Signal Iduna Park spendiert. Ende Februar hatten wir unser Projekt Fußballturnier beim BVB schriftlich vorgestellt. Innerhalb von 14 Tagen kam die erfreuliche Zusage der Abteilung Corporate Social Responsibility für das Kartenkontingent. Vielen Dank an den BVB! Die Freude darüber beim Sieger unseres zehnten Integrativen Fußballturniers war natürlich riesengroß. Neun integrative Mannschaften mit über 50 Menschen mit Behinderungen traten am 13. Juni im Stadion Ost an. 29 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer waren an diesem Tag auf dem Sportgelände der ISV dabei. Geschäftsführer Ralf Hagemeier dankte Spielern und Helfern für ihren Einsatz und überreichte Pokale und Preise an die Teams. Integrativ Fußball zu spielen bedeutet: In den sechsköpfigen Mannschaften sind jeweils maximal ein Vereinsspieler und mindestens ein (meistens aber mehr) Beschäftigter, also ein Mensch mit Behinderung, vertreten. Damit so ein großes Turnier mit fast 100 Spielerinnen und Spielern reibungslos übers Spielfeld geht, sind viele Hände nötig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten Zelte aufgebaut, für Getränke gesorgt und die nötige Technik für die Wertung installiert. Nach 2014 erneut Turniersieger: Der Wohnbereich Westerkappeln holte wieder den Wanderpokal. Beim Benefizturnier im Sportfreunde-Team am Ball: Uwe Spellmeyer (hinten), hier gegen Ex-Werder Bremen-Profi Ivan Klasnic. Nach der Vorrunde setzte heftiger Regen ein, sodass die Finals verkürzt wurden auf Elfmeterschießen. Turniersieger wurde nach 2014 zum zweiten Mal der Wohnbereich Westerkappeln. Platz zwei holten die Holzwürmer, Team unserer holzverarbeitenden Betriebsstätte Settel in Lengerich. Auf Platz drei kam der Ibbenbürener Wohnbereich Waldfrieden. Den Torjägerpokal überreichte der Geschäftsführer an den Lengericher Daniel Stockhammer, der sechs Mal traf und sich auf eine Ballonfahrt beim LeWe-Erntefest am 27. September auf Gut Stapenhorst in Lengerich freuen kann. Fans der Sportfreunde Lotte, mit denen wir seit über zwei Jahren erfolgreich kooperieren, kamen ebenfalls auf ihre Kosten: Der langjährige Lotter Spieler Henning Grieneisen trat als Tages-Trainer mit dem Team Sportfreunde Lotte alles Menschen mit Behinderungen an. Am Abend dieses Tages haben wir teilgenommen an einem Benefizspiel der Auswahl Sportfreunde Lotte und einer Traditionsmannschaft mit ehemaligen Bundesliga-Profis wie Ivan Klasnic (Ex-Werder Bremen) zugunsten der Lotter Nachwuchsförderung. Im SF-Team aus Vereinsfunktionären und Sponsoren haben unser Beschäftigter Uwe Spellmeyer und Mitarbeiter Thorsten Pelster mitgespielt. 20 lewe lewe aktuell aktuell 2.2015 1.2007

Magazin Fußball: Saisonauftakt in Lotte und Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft Saisonauftakt für die LeWe-Kicker: Am 18. April hat der erste Spieltag der Regionalliga 4/Westfalen des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Nordrhein-Westfalen (BRSNW) stattgefunden. Ausrichter waren die Ledder W e r k s t ä t - ten mit den Spor tfreunden Lotte auf Lotter Kunstrasen. Seit über zwei Jahren ist der Viertligist unser Kooperationspartner. Zehn Mannschaften waren gemeldet und traten jeweils vier Mal an, wobei auf leistungsgerechte Spielp a a r ungen geachtet wurde. Für unsere zweite Mannschaft lief es mit zwei Unentschieden und zwei Niederlagen nicht so gut, doch der Spaß am gemeinsamen Kicken zählt schließlich. Für das richtige Umfeld und die gute Organisation war gesorgt: Der BRSNW stellte mit Daniel Niewerth, Robin Linhard und Andreas Pietrasz routinierte Schiris. Mit Marco Hansmann, Gerrit Nauber, Jannyk Dauth, Jesse Weißenfels und Henning Grieneisen hatten die Sportfreunde gleich fünf Profis abgestellt, die Tipps und Autogramme gaben. Wichtiger Teil unserer Kooperation mit den Sportfreunden sind die Besuche aller Heimspiele in Lotte. Zum Match gegen Viktoria Köln am 17. April beispielsweise hatten sich fünf Beschäftigte in Eigenregie per Bus aufgemacht. Das Training der Ersten läuft seit Ostern wieder auf Lotter Kunstrasen. Dieses Team vertrat die LeWe wenig später auch in der Vorrunde der Deutschen Fußballmeisterschaft der Werkstätten: Im Beckumer Jahn-Stadion liefen Sebastian Brink, Andre Büker, Jörg Fübbeker, Alexander Holden, Besir Kantar, Daniel Kempkes, Adrian Meta, Ron Norkowski, Uwe Spellmeyer, M a r k u s V o r m b r o - cke, Michael Vorsthoven und Manuel Zischka auf. G e m e l d e t waren die Spieler, begleitet von den Trainern Torsten Lubinski und Harald Lambers, erstmals als Mannschaft S p o r t - freunde Lotte. Den NRW- Entscheid in Beckum hatten die Freckenhorster Werkstätten gut organisiert. Begleitet wurde die Mannschaft von unserem Projektverantwortlichen Fußball, Thorsten Pelster, und Marco Prütz, der bei den Sportfreunden für Marketing, Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sportlich lief es nicht rund fürs LeWe- Team: 0:2 gegen die Werkstatt Herne/Castrop-Rauxel, 3:4 gegen die Freckenhorster Werkstätten und 4:5 gegen die Hellweg Werkstätten. Der Weg zum DM-Finale führt über die Landesmeisterschaft. Zum Finalturnier vom 7. bis 10. September in Duisburg treten 16 Landesmeister an. Die Finalrunde wird organisiert von der Sepp Herberger- Stiftung im DFB, dem Deutschen Behindertensportverband, Special Olympics Deutschland und der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen. Mannschaftsposter für alle: Die Gastmannschaften freuten sich beim Regionalliga-Spieltag über Lotter Fanartikel. Inzwischen haben LeWe-Beschäftigte einen eigenen Fanclub gegründet. lewe aktuell 1.2007 2.2015 21 21

Magazin Varieté-Nachmittag Nummer zwei sorgt für restlos besetzte Therapiehalle Auch Auflage Nummer zwei, nach der Premiere im März 2014, war ein voller Erfolg: Unser zweiter Varieté-Nachmittag am 3. Mai überraschte das Publikum in der restlos gefüllten Ledder Therapiehalle mit einem abwechslungsreichen Programm. Fast zwei Stunden lang erlebten rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer ganz viel handgemachte Kleinkunst und Kultur von und mit Menschen mit Behinderungen. Den stimmgewaltigen Auftakt machte der integrative Chor Miteinander von Julia Prigge und Marc Rogge: 30 Beschäftigte und zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten in mehreren gemeinsamen Proben zwei Songs für diesen Nachmittag vorbereitet und trugen sie auf der professionell ausgeleuchteten Bühne mit musikalischer Begleitung vor. Fast schon akrobatisch: die LeWe-Breakdancer um Daniele Spaziani. Aktuell vier junge Männer und eine junge Frau üben alle 14 Tage mit ihrem Trainer, der auch für die Jugendkunstschule Ibbenbüren und den TVI trainiert. Wieder im Varieté-Programm: die Bauchtanzgruppe von Katja Jürkenbeck, die mehrere Choreografien vorführte und inzwischen zehn Frauen mit ganz Wow! Als die Breakdancer auftreten, staunt das Publikum. Gerade zeigt Daniele Spaziani, was er kann. Da sind selbst seine Jungs aus der LeWe- Truppe (links) baff. Auch das übrige Programm kommt richtig gut an. Geschäftsführer Ralf Hagemeier (links) und Heinz Bischoff (Freizeitverein) danken Eva-Maria Daudel für ihre Spende. Das Geld fließt in neue Musikprojekte. unterschiedlichen Fähigkeiten, darunter auch eine Rollstuhlfahrerin, auf die Bühne bringt. Farbenfrohe Kleider, glitzernde Pailletten und orientalische Musik sorgen für exotisches Flair. Schließlich die Impro-Aktiv-Werkstatt mit Verena Jannaber und unserem Mitarbeiter Christian Flechsig, die auf Stichworte urkomische Szenen entwickelte und das Publikum hervorragend unterhielt. Große Gefühle, munteres Beruferaten oder der sportliche Wettkampf in Zeitlupe die IAW hat inzwischen ein Niveau erreicht, dass selbst semiprofessionelle Improtheaterspieler im Publikum begeisterte. Wir möchten unseren Akteuren eine Bühne geben. Sie sind heute ein ganz tolles Publikum, sagte Ralf Hagemeier zur Pause. Vor allem aber bedankte sich unser Geschäftsführer bei Eva-Maria Daudel, die aus Anlass ihres Geburtstags Geld gesammelt und die Summe selbst auf 1000 Euro aufgestockt hatte. Die Spende überreichte die Bielefelderin dem Freizeit- und Kulturverein für weitere musikalische Projekte. Dankeschön! 22 lewe aktuell 2.2015 1.2007