Fallersleben-Arbeitsdorf

Ähnliche Dokumente
Hannover-Mühlenberg (Hanomag/Linden)

Richard Baer. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Hamburg-Hammerbrook (II. SS-Baubrigade)

Wilhelmshaven (II. SS-Baubrigade)

Bremen (II. SS-Baubrigade) KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Hannover-Misburg. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Walter Eisfeld. (BArch, BDC/RS, Eisfeld, Walter, )

Hannover-Langenhagen. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Philipp Grimm. (BArch, BDC/SSO, Grimm, Philipp, )

Hamburg-Wandsbek (Drägerwerk AG)

Hans G. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Ewald Jauch. (ANg, )

Salzgitter-Drütte. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Hamburg-Langenhorn (Ochsenzoll)

Häftlinge aus Polen. Zwangsarbeiter-Razzia

Wilhelm Bahr (SLG HH, 147 Js 32/65)

Hamburg-Veddel (Dessauer Ufer, Frauen)

Hannover-Ahlem (A 12)

Wilhelm Vorhauer. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Walter Hartwig. (BArch, BDC/RS, Hartwig, Walter, )

Walter Kümmel (TNA (PRO), WO 309/872)

Die Zeugen der Anklage

Bruno Kitt. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Bremen-Obernheide (Bremen-Behelfswohnbau)

Horneburg. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Johann Reese. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Theodor Eicke. (BArch (Koblenz), Bild A)

Karl Truschel 1946 (TNA (PRO), WO 309/399)

Die Wachmannschaften der Konzentrationslager

Martin Weiß. (BArch, BDC/SSO, Weiß, Martin, )

Kuno Schramm. (BArch, BDC/RS, Schramm, Kuno, )

Hamburg-Steinwerder (Stülckenwerft)

Nachbarschaft: Die Justizvollzugsanstalten und die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Max Kierstein. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Allgemeines. Walther-Werke

Hamburg-Veddel (Dessauer Ufer, Frauen)

Die Phrix-Werke im Frühjahr 1944: Ein SS-Wachmann mit Hund beaufsichtigt die Aufräumungsarbeiten. nach einem Bombenangriff. Foto: unbekannt.

Lucille Eichengreen. Aus: Lucille Eichengreen: Von Asche zum Leben, Bremen 2001, S. 178.

Gerhard Poppenhagen. (BArch, BDC/RS, Poppenhagen, Gerhard, )

Juni 1933 Dezember 1937 ab Dezember 1938

Sinti und Roma im KZ Neuengamme

DIE KINDER. Walter Jungleib

Hannover-Stöcken (Accumulatoren-Fabrik)

Arbeitsblätter zum Besuch der KZ-Gedenkstätte Sandhofen

Johann Frahm. (ANg, )

Lieselotte Darnstedt

Die Vergabe von Häftlingsnummern im KZ Neuengamme

Hinrichtungen von Häftlingen des KZ Neuengamme

Friedrich-Wilhelm Rex

Ella Kozlowski, geb. Herschberg

Medizinische Experimente an Häftlingen: Versuche mit Fleckfiebererregern und Belüftungsversuche in Luftschutzbunkern

Neujahrsblätter. des Historischen Archivs der Marktgemeinde Lustenau. 4. Jahrgang 2013/14

Arnold Büscher. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Johannes Nommensen. (BArch, BDC/RS, Nommensen, Johannes, )

Hamburg-Neugraben. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Braunschweig-Vechelde

Verbotsschild. Im Flugzeug

Salzwedel. Wer Lagerführer des Frauenaußenlagers Salzwedel war, ist nicht bekannt.

Allgemeines. Zunächst hatte der Appellplatz keinen Belag. Da der Boden oft matschig war, wurde er im Frühjahr 1941 betoniert.

Helmstedt-Beendorf. (Männer)

Im Krematorium wurden 1942 zwei Öfen zur Verbrennung der Leichen gebaut, allerdings wurden auch immer weiter Leichen offen im Freien verbrannt.

Victor Malbecq. (Privatbesitz Victor Malbecq)

U.E. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Gertrud Heise. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

"Alle Revolutionen fressen ihre eigenen Kinder"

Hendrikus van den Berg

Liste der ermordeten Sinti und Roma aus Herne und Wanne-Eickel

Entlassungen: SS-Sonderformation Dirlewanger

245/2014 Sportplakette der Stadt Castrop-Rauxel Vereine können ihre erfolgreichen Sportler melden. 246/2014 Migrationsberatung im Rathaus

Kammler erhält im Jägerstab die Aufgabe zur Planung und Durchführung aller im Zusammenhang mit der Verlagerung der - 9 -

Adolf Speck 1945/46 (TNA, WO 309/935)

Das Funktionssystem der Häftlinge

Glücks als Chef der Amtsgruppe D; nach Kriegsende durch ein polnisches Gericht zum Tode verurteilt.

Aloisia Regenfelder. Reininghausstraße 28/I. ZeugInnen Jehovas VERBUNDENE GEDENKSTEINE. Josef Regenfelder

Gewalt der SS. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Zwangsarbeit bei Jastram

Jewgeni Myschewski. (ANg, )

Inhaltsverzeichnis. Das Ghetto von Kaunas in Litauen(Kovno) 3 Ghetto Kauen. 3 Besetzung. 4 Ghetto. 4 KZ-Stammlager

Waldemar Nods. (Privatbesitz Sefanja Nods-Muts)

Miroslav Tamchyna. (Privatbesitz Familie Tamchyna)

Livia Fränkel (links) und Hédi Fried

Kriegsgefangenenfriedhof Wietzendorf

W.M. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Friedrich Ebsen 3. Friedrich Ebsen

Boizenburg (Thomsen) KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

Die Außenlager in Porta Westfalica im Lagersystem des KZ Neuengamme

Martin Weiß 3. Martin Weiß

Wolfgang Benz, Barbara Distel. Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager:

Sonderbehandlung 14 f 13 Transport nach Bernburg

S o n n t a g, 5. A u g u s t

R a i n e r N i e u w e n h u i z e n K a p e l l e n s t r G r e v e n T e l / F a x / e

F r e i t a g, 3. J u n i

L 3. L a 3. P a. L a m 3. P a l. L a m a 3. P a l m. P a l m e. P o 4. P o p 4. L a. P o p o 4. L a m. Agnes Klawatsch

S o n n t a g, 2 6. N o v e m b e r

Gustav Jepsen (TNA, WO 235/229)

Krematorium, Verwendung der Asche und Nachlass der Häftlinge

Transkript:

Fallersleben-Arbeitsdorf Der Aufbau des KZ Arbeitsdorf in Fallersleben beim Volkswagenwerk war ein Versuchsprojekt für die Rüstungsproduktion. Das Konzentrationslager Arbeitsdorf war zunächst kein Außenlager, sondern ein eigenständiges KZ, das ebenfalls von dem Kommandanten des KZ Neuengamme, Martin Weiß, geleitet wurde. Anfang April 1942 wurden die ersten 500 von insgesamt 800 Häftlingen aus dem Stammlager Neuengamme dorthin überstellt. Am 26. April 1942 kamen weitere Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen und am 23. Juni aus dem KZ Buchenwald hinzu, hauptsächlich gelernte Bauarbeiter. Die überwiegend mit der Hand zu verrichtenden Planier-, Rohrlege- und Betonierarbeiten führten zu zahlreichen Unfällen. Mindestens sechs Häftlinge starben; die Eintragungen beim Krematorium Braunschweig lauten auf Herz- und Kreislaufversagen, Unfall und Freitod. Die Ernährung war jedoch deutlich besser als in den Lagern, aus denen die Männer kamen. Untergebracht waren die Häftlinge in Luftschutzkellern auf Holzpritschen. Mitte Juli 1942 wurde der Posten des Kommandanten dem bisherigen Schutzhaftlagerführer des KZ Neuengamme, Wilhelm Schitli, übertragen. Doch bereits in der ersten Oktoberhälfte 1942 wurde das Lager Arbeitsdorf aufgelöst, weil die vom Volkswagenwerk dort vorgesehene Alumi-niumfertigung vom Ministerium für Bewaffnung und Munition nicht genehmigt worden war. Das errichtete Fabrikgebäude wurde später für andere Zwecke genutzt. Im Rahmen der Pläne, KZ-Gefangene zum Nutzen der SS in der Rüstungsproduktion einzusetzen, erwies sich das KZ Arbeitsdorf gleichwohl als ein wichtiges Experiment für die systematische Ausbeutung von KZ-Häftlingen für industrielle Zwecke. KZ-Gedenkstätte Neuengamme Reproduktion nicht gestattet

2 Fallersleben-Arbeitsdorf

Fallersleben-Arbeitsdorf 3 Dieses Gebäude wurde von KZ- Häftlingen von Mai 1942 bis Mitte September 1942 für die Produktion von Aluminiumteilen errichtet. Kurz vor der Fertigstellung wurde das Außenlager aufgelöst. Foto: unbekannt, Oktober 1942. (Automuseum Volkswagen)

4 Fallersleben-Arbeitsdorf Auszug aus dem Protokoll einer Besprechung am 16. September 1942 zwischen dem Chef des SS- Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, Oswald Pohl, und dem Reichsminister Albert Speer sowie SS-Brigadeführer Staatsrat Dr. Schieber, Dipl.-Ing. Sauer, Ministerialrat Steffen, Ministerialrat Dr. Briese und dem SS-Brigadeführer Dr.-Ing. Walter Kammler über den geplanten Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen in Großprojekten der Rüstungsindustrie und die damit verbundene Auflösung des Projektes Arbeitsdorf. (BA (Berlin))

Alle Beteiligten waren sich einig, dass die in den Konzentrationslagern vorhandene Arbeitskraft nunmehr für Rüstungsaufgaben von Großformat eingesetzt werden müsse. [...] Wenn wir morgen ein geschlossenes Rüstungswerk mit 5 oder 10 oder 15 tausend Häftlingen übernehmen wollen, so ist es unmöglich, ein solches Werk intra muros zu errichten. Es muss, wie Reichsminister Prof. Speer es richtig bezeichnete, auf der grünen Wiese liegen. Dann wird ein elektrischer Zaun herum gespannt, das bisher leere Werk wird mit der erforderlichen Anzahl Häftlinge durch uns bemannt und läuft alsdann als SS-Rüstungsbetrieb. Die Gesamtheit dieser SS-Rüstungsbetriebe stellt dann einen Beitrag zum Rüstungsprogramm dar [ ]. Soweit freie Betriebe nicht vorhanden sind, sollen Rüstungsbetriebe, welche infolge unzureichender Belegschaft ihre volle Kapazität bisher nicht ausgefüllt haben, ganz geleert und alsdann 100%ig durch unsere Häftlinge aufgefüllt werden. [...] Wir werden also kleinere Rüstungsaufgaben in Zukunft nach Möglichkeit nicht mehr annehmen. Soweit solche Arbeiten aus früherer Zeit laufen, schlage ich vor, sie durchzuführen, bis sie sich von selbst erschöpfen. Zu den größeren Aufgaben können wir rechnen: 1. Karabinerfabrikation in Weimar-Buchenwald. 2. Pistolenfabrikation in Hamburg-Neuengamme. 3. 3,7 cm Flakproduktion in Auschwitz. Diese Vorhaben laufen gut an und stellen, sobald sie auf vollen Touren laufen, einen beachtlichen Beitrag zum Rüstungsprogramm dar. [...] Reichsminister Prof. Speer hat angeordnet, dass ein Ausbau des Rohbaues der Leichmetallgießerei Fallersleben aus kriegswirtschaftlichen Gründen nicht erfolgt. Die [ ] plan- und terminmäßig fertig gestellten Hallen in Fallersleben sollen kriegsentscheidenden Rüstungsaufgaben zugeführt werden. [...] Das in Fallersleben stehende Häftlingseinsatzkommando werde ich deshalb am 10.10.42 zurückziehen und beim Rüstungsbau der Gewehrfabrik im K. L. Weimar- Buchenwald einsetzen.

Fallersleben-Arbeitsdorf 7 Franz-Josef Fischer, ehemaliger Häftling im KZ Arbeitsdorf, ist einer der wenigen Zeitzeugen, die über dieses KZ berichteten. Im VW-Werk waren meistens politische Schutzhäftlinge zum Aufbau tätig. Es war harte, schnelle Arbeit von uns verlangt worden und das Essen war gegenüber Neuengamme VIEL besser und außerdem kam ich zu der Kolonne Eisenbieger, die wiederum Essensonderzulagen alle Tage erhielten! Anfang 1943 [Oktober 1942] kam ich auf Grund der AUFLÖSUNG des Arbeitskommandos in Fallersleben mit allen auf Transport u. zwar in mein Einlieferungslager Sachsenhausen. Franz-Josef Fischer. Bericht, 21.6.1981. (ANg)