Drogensucht und Arbeitsmarkt



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Transkript:

Drogensucht und Arbeitsmarkt Gedanken zur Schnittmenge aus der Sicht des Jobcenters Dortmund

2 Zu meiner Person: Reinhard Wojahn berufliche Herkunft: berufliche Vita: 50 Jahre alt Dipl. Sozialarbeiter, Familientherapeut seit 1989 Beschäftigter der Stadt Dortmund - Sozial-und Jugendamt seit 2005 Bereichsleiter in der ARGE/Jobcenter DO - Leiter eines regionalen Bereiches in DO - plus fachlicher Leiter der Sozialen Arbeit im JC - plus fachlicher Leiter des beschäftigungsorientierten s im JC E-Mail: Reinhard.Wojahn@jobcenter-ge.de Telefon: 0231/ 842 2100

3 Der Kunde / der Klient ein Beispiel Manfred Süchtiger 36 Jahre alt Reha- Einrichtungen

4 Die Arbeitsvermittlung Das Profiling Reha- Einrichtungen Herr Süchtiger ist seit 2007 Kunde der ARGE / des Jobcenters kommt nur unzuverlässig zu den Terminen riecht manchmal nach Alkohol hat damit aber kein Problem (eigene Aussage) keine besonderen Aktivitäten, aber: 1 Bewerbungstraining (2009) 1 AGH (Abbruch nach sechs Wochen; 2010) mehrere Vermittlungshemmnisse keine Integrationswahrscheinlichkeit in den nächsten 2 Jahren Hilfen nach 16a eingeschaltet

5 kommunale Hilfen nach 16 a SGB II Reha- Einrichtungen die kommunalen Eingliederungsleistungen nach 16a SGB II: die Betreuung minderjähriger oder behinderter Kinder die häusliche Pflege von Angehörigen die Schuldnerberatung die psychosoziale Betreuung die Suchtberatung Herr Süchtiger soll eine Suchtberatungsstelle aufsuchen Jobcenter wird Herrn Süchtiger bald wieder einladen

6 kommunale Hilfen nach 16 a SGB II Reha- Einrichtungen Herr Süchtiger ist dann erstmal weg

7 kommunale Hilfen nach 16 a SGB II Reha- Einrichtungen eine Black Box und viele Fragen: was will die mit dem Kunden erreichen? wie lange dauert die Beratung voraussichtlich? wie leistungsfähig (arbeitsmarktnah) ist der Kunde tatsächlich? soll die Kontaktanzahl im JC erhöht oder ausgesetzt werden? ist Beschäftigung oder Arbeit eher therapiefördernd oder hemmend? was kann dem Kunden an Tätigkeit maximal zugetraut werden?

8 kommunale Hilfen 16 a SGB II in Dortmund Reha-Einrichtungen die Dortmunder Lösung: die Stadt Dortmund stellt dem Jobcenter folgende Leistungen zur Verfügung: ca. 25,00 Fachkräfte der Sozialen Arbeit (Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagog/innen) die Inanspruchnahme der Sozialen Dienste von Stadt und Trägerlandschaft in Dortmund Budget von 270.000 pro Jahr für die externe Schuldnerberatung (Budgetverwaltung durch Jobcenter)

9 kommunale Hilfen 16 a SGB II in Dortmund Reha-Einrichtungen Königshof Königshof Steinstraße Steinstraße Steinstr. Südwall Kaiserhain Kaiserhain Bereich NO A Bereich NO B Bereich NW A Bereich NW B Bereich U25 Bereich Reha/SB Bereich SW Bereich SO TL / TL /

10 kommunale Hilfen 16 a SGB II in Dortmund Reha-Einrichtungen fünf Termine in 10 Wochen für zwei Gespräche ein Hausbesuch Clemens Süchtiger 36 Jahre alt häufiger Alkoholkonsum, meist mit Freunden gelegentlicher Marihuana-Konsum keine Berufs- oder Lebensperspektive gewisse Bereitschaft, an der Sucht zu arbeiten Aufforderung an Kunden, eine Suchtberatungsstelle auszuwählen und aufzusuchen Nachhaltung des Beratungsbeginns

11 kommunale Hilfen 16 a SGB II in Dortmund Reha-Einrichtungen Wir öffnen die Black Box gemeinsam: Zielsetzungen ab- und angleichen bzgl. der Auswirkungen der Suchterkrankung im Hinblick auf die tatsächliche Verwendbarkeit auf dem Arbeitsmarkt Auftrag des Jobcenters einzelfallbezogen und eindeutig formulieren Kommunikation über den Einzelfall standardisiert festlegen und sicherstellen Datenschutz und Schweigepflichtsentbindung beachten und engagiert und begründet beim Kunden einfordern eindeutige, klare gutachterliche Rückmeldung an die Arbeitsvermittlung bzw. das zum Arbeits- und Beschäftigungspotenzial des Kunden

12 Die Arbeitsvermittlung der Integrationsplan Reha-Einrichtungen Herr Süchtiger hatte zwei Entgiftungen gemacht Er wartet auf einen Therapieplatz ist trocken (nach einem Rückfall) benötigt viel Zuwendung und Ansprache Manfred Süchtiger ist wieder da wird dem übergeben im mehr Zeit pro Kunden und mehr psychosoziale Kompetenzen und schlagen weiteres Vorgehen vor ambulante oder stationäre Therapie geplant

13 Die Therapie Reha-Einrichtungen ambulante medizinische Rehabilitation stationäre medizinische Rehabilitation Kurzintervention psychosoziale Beratung Soziotherapie Stabilisierung Nachsorge Arbeitsgelegenheit? Beschäftigung oder Arbeit?

14 Die Arbeitsvermittlung der Integrationsplan Reha-Einrichtungen kann Herr Süchtiger jetzt mehr als vorher? einfach so arbeiten geht ja immer noch nicht was braucht Herr Süchtiger jetzt? das Jobcenter ist so ratlos wie vorher wir haben ein Interesse an dem Fachwissen der n und Therapieeinrichtungen wir wollen die Fortsetzung eines differenzierten Integrationsplanes für Herrn Süchtiger wir wollen im Rahmen der Nachsorge eine enge Zusammenarbeit mit den Fachleuten

15 Integrationsplanung Reha-Einrichtungen Soziale Arbeit, der Dortmunder Ansatz: bindet sich als Schnittstelle zwischen oder Therapieeinrichtung einerseits und Arbeitsverwaltung Jobcenter andererseits ein psychosoziale Kompetenz der Sozialen Arbeit sorgt für angemessene Berücksichtigung des Status quo die Arbeitsverwaltung Jobcenter wird ent-anonymisiert die Kunden gehen nicht verloren die kennt das Jobcenter und ist selbst Teil der Arbeitsverwaltung

16 Integrationsplanung Reha-Einrichtungen Soziale Arbeit, der Dortmunder Ansatz: spezielle Maßnahmeangebote und Arbeitsgelegenheiten für Suchtkranke (und auch für psychisch Kranke) vor und während einer Therapie bzw. nachhaltigen Stabilisierung übliche Maßnahmeangebote, Arbeitsgelegenheiten oder Beschäftigung nach der Therapie bzw. Stabilisierung schriftliche Kooperationsvereinbarung der beteiligten Dienstleister im gemeinsamen Netzwerk gemeinsamer Wille der intensiven Kommunikation und der arbeitsmarkt- und beschäftigungsorientierten Ausrichtung

17 Die Arbeitsvermittlung der Integrationsplan Reha-Einrichtungen Soziale Arbeit, und was ist mit Herrn Clemens Süchtiger? Herr Süchtiger hat nach der Therapie eine AGH über 14 Monate ausgeübt war ein Monat arbeitsunfähig (Rückfall) war 6 Monate arbeitslos hat 5 Jahre über die JobPerspektive mit Beschäftigungszuschuss eine Arbeit in den haushaltsnahen Dienstleistungen bei einem öffentlichen Träger ausgeübt wurde wegen allgemeiner Verschlechterung im Krankheitsbild gekündigt

Daten und Fakten wir wissen bei der Problematik Sucht nicht wie viele süchtige Kunden im SGB II sind wie viele Kunden davon in der oder dem sind wie oft die eingeschaltet ist wir kennen nur Einzelfälle, die gut und erfolgreich waren die Länder und Kommunen wollen eine statistische Erfassung erreichen die Vorbereitungen und Vorüberlegungen dazu laufen in den Regionaldirektionen auf Hochtouren

Fazit Sie brauchen in den Jobcentern qualifizierte Case-Manager als Ansprechpartner (das sind Fallmanager/innen oder Sozialarbeiter/innen sein) als personifizierte Schnittstelle verbessern diese den sinnvollen Weg aus dem Jobcenter rein in Beratung und Therapie sowie wieder zurück in das Jobcenter in sinnvolle und mögliche Beschäftigung oder Arbeit Kommunikation ist alles nur dem, der spricht, kann auch geholfen werden Sie sind die Experten im Hinblick auf die Suchtkranken, nicht wir das Jobcenter hat ein hohes Interesse an den fachlichen Einschätzungen der Sucht-Einrichtungen im Hinblick auf die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit äußern Sie Ihre Ideen und Vorstellungen für die sinnvolle und angemessene Beschäftigung oder Erwerbsarbeit des jeweiligen Suchtkranken im Rahmen von rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten setzen wir das um

DANKE für die Aufmerksamkeit ------------------ Auf ein gutes Gelingen