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DEUTSCHES AUSBILDUNGSSYSTEM IN DEN USA Die deutsche Firma Stihl stellt Werkzeuge und Maschinen her auch in den USA. Um die hohe Qualität der Produkte garantieren zu können, hat das Unternehmen an seinem amerikanischen Standort das deutsche Ausbildungssystem für seine Lehrlinge eingeführt. Das Besondere daran ist, dass die Auszubildenden nicht nur praktische Fertigkeiten durch ihre Arbeit im Betrieb erwerben, sondern auch theoretisches Wissen in der Berufsschule vermittelt bekommen. MANUSKRIPT ZUM VIDEO Ein falscher Knopfdruck und Roboter Big Bird würde die ganzen neuen Stihl- Kettensägen kaputt machen. Der Schichtleiter lässt Lehrling Will Grosz deshalb nicht aus den Augen. Aber Grosz ist kein Anfänger mehr, hat schon zwei Jahre Ausbildung hinter sich. In der Lehrlingswerkstatt schneidet er zusammen mit anderen Bolzen auf den Mikrometer genau zu. WILL GROSZ (Lehrling): Ich arbeite gerne mit meinen Händen und als ich gehört habe, was man in der Ausbildung lernen kann, dachte ich, das ist genau das Richtige, um mich bei Stihl voranzubringen. Also hab ich mich beworben und war einer der wenigen, der es geschafft hat. Vier Jahre lang unterrichtet ihn sein Ausbildungsleiter Thomas Kühne. Am Schluss ist Will Grosz Mechatroniker ein in Deutschland etablierter Beruf. Die Mischung aus Mechaniker, Elektriker und Programmierer ist in den USA gerade erst im Kommen. Die Bolzen hat Will Grosz in diesem Roboterarm verbaut. Little Bird heißt der und wer ihn konstruieren kann, ist fit für den modernen Produktionsbetrieb. Diesen Teil der praktischen Ausbildung hat sich Thomas Kühne aus Deutschland abgeschaut. THOMAS KÜHNE (Ausbildungsleiter): Und das Gefühl für nen Mikrometer, für nen Hundertstel und nen Zehntel Millimeter, das hat man nicht, wenn man aus der High School kommt und das wird hier vermittelt in der Lehre. Aber Kühnes Programm hat trotzdem ein Problem: geeignete Lehrlinge finden. Damit sie wenigstens ein paar technische Vorkenntnisse mitbringen, kommen sie oft vom Militär und sind bis zu 40 Jahre alt. Außerdem hat Industriearbeit, sogenannte Blue-Collar-Arbeit, keinen sonderlich guten Ruf. Seite 1/5

THOMAS KÜHNE: Man hat leider vor 30, 40 Jahren in Amerika gesagt: Das Blue Collar, das ist alles nicht mehr so, ihr geht mal alle aufs College, ja? Und jetzt versteht man, man hat zu wenige Fachkräfte, ja? Man braucht diese Kombination von Theorie und Praxis, die es nur im dualen System in Deutschland und Europa gibt. Vor allem für den Theorie-Teil muss Thomas Kühne kreativ sein und alle Möglichkeiten in Virginia Beach ausloten. Die Stadt ist außerhalb der Region vor allem für eines bekannt: den offiziell längsten Freizeitstrand der Welt mit einer fünf Kilometer langen Strandpromenade am Atlantischen Ozean. Jenseits der Touristen und Hotels findet Stihl hier aber auch das notwendige theoretische Know-how, um den Praxis-Teil der Ausbildung zu ergänzen. Vier Abende die Woche muss Will Grosz in die örtliche Berufsschule. Dort besucht er die Kurse, die am besten zu seiner Lehre passen und Grundlagen liefern, wie z. B. Physik für Ingenieure. Will Grosz ist der einzige in der Klasse, der das Stihl-Programm mitmacht. Die meisten hier bekommen nur die reine Theorie mit auf den Weg. Der Lehrling hat also den wohl anstrengendsten Tagesablauf hier, aber Müdigkeit lässt der 32-Jährige nicht gelten, schließlich stand er früher noch bei Stihl am Fließband das hier ist besser. WILL GROSZ: Na ja, ich hab schon immer versucht in diesem Bereich einen Abschluss zu machen. Ich wusste also, irgendwas klappt schon, aber dass ich so tief in die Materie einsteigen würde? Nein. Es ist wirklich was anderes, und ich bin auch ein wenig stolz drauf. Für die Lehrlinge lohnt sich die Ausbildung also, aber was ist mit der Firma selbst? Manager Simon Nance kommt oft in die Produktion. Er will die Personalentwicklung verbessern und holt sich Feedback von den Mitarbeitern. Die USA sind der wichtigste Markt für das deutsche Unternehmen außerhalb Europas. In Virginia-Beach produziert Stihl Werkzeuge mit einem Jahresumsatz von rund 760 Millionen Euro. Nance weiß, dass die Käufer nur bereit sind, die vergleichsweise hohen Preise für Stihl-Produkte zu bezahlen, wenn die Qualität stimmt. Deshalb glaubt er, dass sich das Lehrprogramm auszahlt. SIMON NANCE (Manager): Es ist eine Investition, eine Investition in die Zukunft. Nicht nur für sechs Monate, sondern für sechs Jahre. Dann wird es wirklich einen Unterschied machen bei der Produkt- Qualität und diesen Unterschied werden auch die Kunden erkennen. Made in Germany steht zwar trotzdem nicht auf den Kettensägen von Virginia Beach. Aber zukünftige Fachkräfte wie Will Grosz sollen dafür sorgen, dass sie wenigsten so sägen wie die aus Deutschland. Seite 2/5

GLOSSAR etwas garantieren etwas sicherstellen Lehrling, -e (m.) der Auszubildende; jemand, der einen Beruf lernt Auszubildende, - (m./f.) der Lehrling; jemand, der einen Beruf lernt Betrieb, -e (m.) die Firma Berufsschule, -n (f.) eine Schule, an der Lehrlinge unterrichtet werden, während sie eine Ausbildung machen etwas vermittelt bekommen in etwas unterricht werden Kettensäge, -n (f.) die Motorsäge, deren Sägeblatt aus einer Kette besteht Leiter, -/Leiterin, -nen jemand, der die Verantwortung über eine Gruppe von Menschen z. B. in einer Firma hat und sie führt Bolzen, - (f.) hier: ein Maschinenteil aus Metall in Zylinderform auf (bestimmter Artikel im Akkusativ + Maßangabe) genau sehr exakt/ganz genau im Hinblick auf die gewählte Maßeinheit Mikrometer, - (m.) die technische Maßangabe für 0,001 Millimeter Ausbildungsleiter, -/Ausbildungsleiterin, -innen - die Person, die die Auszubildenden betreut Mechatroniker/in, -/-innen der Beruf, in dem Mechanik, Elektronik und Informatik für die Arbeit verwendet wird etabliert üblich; bekannt im Kommen sein etwas hat wachsenden Erfolg; etwas wird bekannter; etwas wird beliebter etwas verbauen hier: etwas einbauen sich etwas ab schauen etwas genauso machen wie jemand; hier: kopieren; übernehmen ein Hundertstel, - (n.) ein Teil von hundert gleichen Teilen ein Zehntel, - (n.) ein Teil von zehn gleichen Teilen Seite 3/5

High School, -s (f., englisch) die weiterführende Schule in den USA, Australien und anderen Ländern jemandem etwas vermitteln jemanden in etwas unterrichten; jemandem etwas beibringen Lehre, -n (f.) die Berufsausbildung Blue-Collar-Arbeit (f., nur Singular, aus dem Englischen) gemeint ist: die Arbeit als Handwerker oder Industriearbeiter einen guten Ruf haben gut angesehen sein sonderlich besonders College, -s (n., englisch) eine Bildungseinrichtung in England und den USA, die nach dem Schulabschluss besucht wird etwas aus loten etwas testen; etwas ausprobieren Promenade, -n (f.) hier: der breite Weg, der nahe am Wasser oder Strand entlangführt jenseits von etwas weit weg von etwas; abseits von etwas Know-how, -s (n., aus dem Englischen) das Fachwissen darüber, wie etwas angewendet wird etwas mit auf den Weg bekommen hier: etwas bekommen rein hier: bloß; nichts anderes als etwas nicht gelten lassen etwas nicht akzeptieren Fließband, -bänder (n.) das mechanische Band in einer Fabrik, das sich bewegt und auf dem ein Produkt transportiert wird, das von verschiedenen Arbeitern fertig gestellt wird einen Abschluss machen eine Prüfung bestehen und damit erfolgreich die Schule, die Ausbildung, das Studium o. Ä. beenden tief in die Materie einsteigen sich sehr genau mit einem bestimmten Thema oder Bereich beschäftigen Produktion, (f., hier nur Singular) der Bereich der Herstellung in einer Firma Personalentwicklung (f., nur Singular) die Verbesserung der Fähigkeiten und die Weiterbildung der Mitarbeiter eines Unternehmens Seite 4/5

Feedback, -s (n., aus dem Englischen) die Rückmeldung; die Reaktion; die Meinung zu etwas Markt, Märkte (m.) hier: das Gebiet/das Land, in dem etwas verkauft wird Jahresumsatz, Jahresumsätze (m.) das Geld, das eine Firma innerhalb eines Jahres z. B. für den Verkauf von Waren erhält stimmen; etwas stimmt hier: etwas ist gut sich aus zahlen sich lohnen Investition, -en (f.) das Geld, das man ausgibt, um später einen Gewinn zu machen Made in Germany (englisch) in Deutschland hergestellt; gemeint ist auch: Produkte mit einer hohen Qualität aus Deutschland Autoren: Max Hofmann/Michael Stegemann/Benjamin Wirtz Redaktion: Stephanie Schmaus Seite 5/5