Landeskrankenhaus Leoben Zentralröntgeninstitut Vorstand: Univ. Prof. Prim. Dr. Uggowitzer Steiermärkische Krankenanstalten Ges. m b. H. EMBOLISATION VON GEBÄRMUTTERMYOMEN Was versteht man unter Myomembolisation? Myome sind gutartige Wucherungen der Gebärmutter und kommen bei 20 bis 40% aller Frauen vor. Die Embolisation von Gebärmuttermyomen ist eine neue und moderne Methode, gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur zu behandeln. Gebärmuttermyome können Ursache heftiger Blutungen, ausgedehnter Beckenschmerzen oder auch eines Druckgefühls auf den Darm und die Harnblase sein. Die Embolisation von Gebäßmuttermyomen wurde zuerst durchgeführt um den Blutverlust, der bei operativer Entfernung dieser Tumore häufig entsteht zu vermindern. Dabei fand man, daß sich die Beschwerden der Patienten nach der Embolisation deutlich besserten bzw. verschwanden und somit die Operation nicht mehr notwendig war. Die Embolisation von Myomen ist eine angiografische Methode ähnlich einer Gefäßdarstellung der Bauchschlagader oder der Beinarterien, wird unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) durchgeführt und ist weniger aufwendig als die operative Entfernung. Mittels einem Katheter wird in jede der beiden, die Gebärmutter versorgenden Arterien kleine Kunststoffpartikel (0,5-1mm) injiziert, die die Blutversorgung des Myoms ausschalten und das Myomgewebe zum absterben bringen, während die gesunde Gebärmutter nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Heutzutage stellt die Embolisation von beschwerdeverursachenden Gebärmuttermyomen eine akzeptierte Behandlungsalternative zur Operation dar. Wann wird die Embolisationsbehandlung durchgeführt Der häufigste Grund ist die Behandlung von Symptomen, die von diesen Tumoren hervorgerufen werden. Die Effekte der Embolisation auf die Fruchtbarkeit (Fertilität) sind bis jetzt noch nicht vollständig bekannt. Die Methode ist besonders geeignet bei Frauen mit Regelblutungen, die aber keine Schwangerschaft mehr plant und die eine Operation ablehnt.
Die Embolisation von Gebärmuttermyomen stellt außerdem eine sehr gute Alternative für Frauen dar, die aus religiösen oder gesundheitlichen Gründen Bluttransfusionen, die mitunter beim operativen Vorgang notwendig sind, ablehnen. Des weiteren ist eine Embolisationsbehandlung geeignet für Patientinnen, die ein erhöhtes Risiko für eine Allgemeinnarkose aufweisen. Wie sollte ich mich für diese Behandlung vorbereiten? Eine Frau, die eine Embolisation ihrer Gebärmuttermyome ins Auge faßt, benötigt eine fachärztlich gynäkologische Untersuchung, um sicher zu gehen, daß die Myome tatsächlich der Grund ihrer Beschwerden sind. Weiters ist ein bildgebendes Verfahren zur Größen- und Lagebestimmung der Myome, vorzugsweise die Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig. Gelegentlich möchte vor einer Embolisationsbehandlung Ihr Gynäkologe die Myome direkt über eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) untersuchen. Wenn Blutungen das Leitsymptom darstellen, sollte außerdem eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut durchgeführt werden, um einen bösartigen Tumor ausschließen zu können. Wie wird die Embolisation durchgeführt? Die Embolisation wird mittels Röntgendurchleuchtung unter sterilen Bedingungen durchgeführt. Die Atmung, der Puls und der Sauerstoffgehalt des Blutes wird kontinuierlich während des Eingriffes, der zumeist zwischen 60 und 90 Minuten dauert gemessen. Nach Injektion eines leichten Schlafmittels und nach örtlicher Betäubung der Leistenregion wird mittels einer Nadel die Leistenschlagader punktiert und unter Röntgendurchleuchtung ein Katheter bis zu den, die Gebärmutter versorgenden, Arterien eingeführt. Zumeist ist die Punktion der Leistenarterie einer Seite (meist rechts) ausreichend. Immer wieder wird über den Katheter ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel (KM) injiziert, um diese Arterien darzustellen. Die KM-Injektion kann dabei ein Wärmegefühl auslösen. Unter Durchleuchtungs-Kontrolle werden kleine Kunststoffteilchen (Mikrosphären) mit einem Durchmesser von 0,5-1mm injiziert. Diese führen zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr der Myome, die während der nächsten Tage und Wochen im Wachstum gehindert werden und an Größe abnehmen bzw. verschwinden.
Nach der Behandlung wird der Katheter aus der Arterie entfernt und es wird ein Druckverband angelegt, der für 24 Stunden an der Leiste belassen werden muß. In dieser Zeit ist eine strenge Bettruhe einzuhalten. Ist die Behandlung schmerzhaft? Patienten, die sich einer Myomembolisation unterziehen, müssen 2-3 Tage stationär im Krankenhaus bleiben. Typischerweise können nach der Embolisation Bauchkrämpfe und eine geringe Temperaturerhöhung auftreten. Der Höhepunkt der Bauchkrämpfe liegt in den ersten 24 Stunden nach der Embolisation und bessert sich deutlich während der nächsten Tage. Während des stationären Aufenthaltes werden diese Schmerzen über eine spezielle Rückenmarksnarkose (Epiduralanästhesie) und Schmerzpumpe, die am Tage des Eingriffs von einem Anästhesisten gelegt wird und die auch bei Geburten zur Anwendung kommt, kontrolliert. Nach der Entlassung aus dem Spital kann während der folgenden Tage die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig werden. Es dauert im Schnitt 2 bis 3 Monate bis die durch die Myome hervorgerufenen Beschwerden verschwinden. Häufig bessern sich aber die, durch die Myome hervorgerufenen, starken Menstruationsblutungen schon nach einem Zyklus. Was sind die Vorteile, was sind die Risiken der Myomembolisation? Vorteile: Die Embolisation ist eine weniger aufwendige und invasive Methode als die chirurgische Entfernung der Myome. Die Patienten können zumeist rascher nach der Behandlung ihre alltäglichen Aktivitäten aufnehmen. Der Blutverlust während der Embolisation ist minimal und die Aufenthaltszeit im Krankenhaus wesentlich kürzer als eine Operation. Üblicherweise können die Patientinnen 2 Tage nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen und sind nach ca. 9 Tagen wieder arbeitsfähig. Eine allgemeine Narkose ist nicht erforderlich. Studien haben gezeigt, daß ca. 85% aller Frauen die sich einer Embolisation unterzogen haben eine deutliche Verminderung bzw. ein vollständiges Verschwinden ihrer Symptome erfahren haben.
Risiken: Die Anwendung von Kathetern innerhalb von Blutgefäßen wie auch die Embolisation von Gebärmuttermyomen trägt jedoch auch gewisse Risiken. Diese reichen von Verletzungen der Blutgefäßen über Blutungen an der Einstichstelle bis zu Infektionen. Die Chance, einer solchen schwerwiegenden Nebenwirkung beträgt bei Uterusmyomen weniger als 3%. Infektionen können erst Wochen oder gar Monate nach dem Eingriff auftreten, wenn die Patientinnen dies nicht mehr mit der Embolisation in Verbindung bringen äußern sich in Unterbauchschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Bei diesen Symptomen sollte umgehend Ihr behandelter Gynäkologe aufgesucht werden. Bei 2 bis 3% der behandelten Frauen können nach mehreren Wochen Teile der Myome über die Scheide ausgestoßen werden. Bei manchen dieser Frauen ist eine gynäkologische Bergung dieser abgestorbenen und ausgestoßenen Myomteile durch den Gynäkologen erforderlich. Bei den meisten Frauen bleibt die Regelblutung bestehen, bei bis 5% der behandelten Frauen kann jedoch eine Regelblutung unmittelbar nach der Embolisation ausbleiben. Dies tritt in erster Linie bei Frauen über den 45. Lebensjahr auf und stellt einen vorzeitigen Wechsel dar. Bei jüngeren Frauen kann ein permanentes Ausbleiben der Regelblutung auf resultierender Unfruchtbarkeit in 3% auftreten und ist als unerwünschte Nebenwirkung anzusehen. Obwohl es Ziel der Embolisationsbehandlung ist, die myomassoziierten Beschwerden zu heilen und vermindern, kann es in weniger als 1% der Fälle notwendig werden, daß sich Frauen trotz alledem einer Operation mit Entfernung der Gebärmutter unterziehen müssen, da keine Besserung der Symptome erreicht werden konnte oder weil eine Infektion aufgetreten ist. Die Frage, ob die Myomembolisation die Fruchtbarkeit (Fertilität) beeinträchtigt, ist noch nicht vollständig beantwortet. Es gibt aber zahlreiche Berichte, wo nach Embolisationsbehandlung Frauen eine gesunde Schwangerschaft ausgetragen haben. Trotzdem kommt bei Frauen mit myomassoziierten Symptomen und Kinderwunsch eine Embolisation nicht in Frage und es wird eine chirurgische Myom-Entfernung bevorzugt. Was sind die Grenzen der Embolisationsbehandlung? Die Embolisation von Myomen sollte nicht bei Frauen ohne Beschwerden bzw. bei Frauen mit Kinderwunsch vorgenommen werden. Außerdem ist eine solche Behandlung nicht angezeigt, wenn ein bösartiger Tumor oder eine Infektion im Beckenbereich vorliegt.
Die Myomembolisation sollte ebenfalls nicht bei schwangeren Frauen und bei Frauen mit Nierenproblemen sowie bei Patienten, die allergisch auf Röntgenkontrastmitteln reagieren, durchgeführt werden.