Definition von Hilfsstoffen: Hilfsstoffe sind Substanzen, die es ermöglichen, Arzneistoffe (AS) oder arzneilich wirksame Bestandteile in geeignete Zubereitungsformen zu bringen und die Eigenschaften dieser Arzneiformen zu beeinflussen. Def. aus Rudolf Voigt Pharmazeutische Technologie 10 Auflage LADME- Model und Hilfsstoffe: Liberation (starke Abhängigkeit) Absorption (leicht-mittlere Abhängigkeit) Distribution (Abhängigkeit nur in Einzelfällen) Metabolisierung (keine Abhängigkeit zu erwarten) Eliminierung (keine Abhängigkeit zu erwarten) Beispiele für Hilfsstoffaufgaben: AS in eine zweckmäßige und sicher applizierbare Form bringen. Die Freigabe von Wirkstoffen zu steuern oder sie gezielt an ihren Wirkort zu transportieren. Eine ausreichende Haltbarkeit der Wirkstoffe und der Zubereitungen zu gewährleisten.
Calcium carbonicum (Syn. Kreide) Verwendung: Füllstoff, Pigment, Zahnputzmittel Chem. Besonderheiten: 2 kristalline Modifikationen Calcit und Aragonit, die in Abhängigkeit der Fällungstemperatur entstehen. Herstellung: Fällung aus Ca(OH) 2 Lösung mittels Kohlensäure. Ca(OH) 2 + H 2 CO 3 CaCO 3 + 2 H 2 O Analytik Stoff in H 2 O suspendieren, ansäuern mit Essigsäure, Gas unter leichtem Erhitzen durch Barytwasser treiben. RG: CO 2-3 +2H + H 2 CO 3 H 2 O + CO 2 GR: H 2 O + CO 2 H 2 CO 3 HCO 3- + H + Ba(OH) 2 + H 2 CO 3 BaCO 3 + 2H 2 O weißer Nds. Stoff in Essigsäure lösen, + K 4 [Fe(CN) 6 ] + NH 4 Cl Ca 2+ +2NH 4+ + [Fe(CN) 6 ] 4- Ca(NH 4 ) 2 [Fe(CN) 6 ]
Natrium bicarbonicum (Syn. Natron, Bulrich Salz) Verwendung: CO 2 Entwickler zur Herstellung von Brausetabletten (Zerfallsmittel) immer in Kombination mit festen org. Säuren, Puffersubstanz für z.b. Infusionen Herstellung: Einleiten von CO 2 in Sodalöung Analytik: Prüflösung + Phenolphthaleinlsg., Erhitzen Gasentwicklung + Indikatorumschlag nach rot. HCO 3 1- + H 2 O H 2 CO 3 + OH - H 2 O +CO 2 +OH - DAC-Nachweis auf Na: Gelbe Flammenfärbung über längere Zeit.
Ferrum oxidatum flavum Verwendung: Hypoallergenes Färbemittel für z.b. Kapselhüllen Farben: Gelb, orange, rot, braun und schwarz. Herstellung: Brennen von Fe-haltigen Erzen bei unterschiedlichen Temperaturen. Analytik: Saurer Aufschluss Fe 2 O 3 + 6KHSO 4 Fe 2 (SO 4 ) 3 + 3K 2 SO 4 +3H 2 O Sonst 0,5g in 50ml HCl lösen und zu 200ml auffüllen. Fe 3+ + 3 SCN - Fe(SCN) 3 blutroter Nds.
Taitanum dioxidatum Verwendung: Weißpigment, Opakisierung von Kapseln, Bestandteil von Dermatika Chem./phys. Eigenschaften: Extrem inert, lösl. nur in konz. H 2 SO 4 oder HF. Thermochromie. Hohes Lichtstreuvermögen in Abhängigkeit von der Teilchengröße. Nanopartikel von 15-20nm steuen UV- aber nicht Restlicht (transparenter phys. Sonnenschutz) Hypoallergen Herstellung: Verbrennung von TiCl 4 Analytik Schmelzen mit KHSO 4, Rückstand in wenig H 2 SO 4 aufnehmen und filtrieren. Auf 5ml mit H 2 O. 1.Nachweis mit H 2 O 2 [Ti(OH) 2 (H 2 O) 4 ] 2+ + H 2 O 2 [Ti(O 2 ) * aq] + 6H 2 O orange 2.Nachweis mit Zn-Körnern Zn + 2H + Zn 2+ + H 2 nasc. Ti IV + H nasc. Ti III + H + violett [Ti (H 2 O) 6 ] 3+
Magnesii oxidum leve/ponderosum Verwendung: Pudergrundlage, Zahnpasta Chem./phys. Eigenschaften: Feuerfestigkeit (Schmelzpunkt 2800 C) MgO-Rinnen Herstellung:Glühen von MgCO 3 (thermische Zersetzung) MgCO 3 MgO + CO 2 Analytik: Nachweis mit Titangelb im basischen auf der Tüpfelplatte. Mg 2+ + hellroter Nds
Silicium dioxidatum Syn. Kolloidale Kieselsäure, Aerosil Verwendung: Fließregulierungsmittel, Hydrophilisierungsmittel, Adsorbens, Gelbildner. Chem./phys. Eigenschaften: Amorphes Pulver Extrem geringe Schüttdichte (50g/l) bei gleichzeitig extrem hoher Oberfläche (200m 2 /g) Primärteilchen zwischen 10 und 25 nm große Kugeln. Herstellung: Flammenhydrolyse von SiCl 4 Analytik: 1.Wassertropfenprobe 2NaF +H 2 SO 4 2HF +Na 2 SO 4 4HF + SiO 2 SiF 4 + 2H 2 O SiF 4 + 2H 2 O SiO 2 + 4HF 2. Fällung mit Ammoniummolybdat Lösen in siedender NaOH, schnelles Ansäuern (HNO 3 )Zugabe von Ammoniummolybdatlsg. H 4 SiO 4 + 12MoO 2 2+ + 12H 2 O H 4 [SiMo 12 O 40 ] + 24H + Gelbe Färbung
Sonstige (Schicht)-Silikate: Bolus alba (Weißer Ton), Talkum, Bentonit (Quellton) Kondensationsreaktion: Aufbau: 2D
Aufbau 3D Silikatschicht Kationenschicht Bolus Alba (weißer Ton) Al-Zweischichtsilikat Adsorptionsmittel, Pudergrundlage Talkum: Mg-Dreischichtsilikat Tablettierungshilfsmittel (Gleitmittel), Pudergrundlage (cave: Talkgranulom!) Bentonit: Al-Dreischichtsilikat Verwendung: Gelbildner, Verdickungsmittel, Kationenaustauscher
Acidum Boricum Verwendung: Isotonisierungsmittel für Augentropfen, Desinfektionsmittel, Konservierungsmittel E284 (obsolet). Chem./phys./biol. Eigenschaften: Schwache einwertige Lewissäure (Elektronenpaarlücke) B[OH] 3 + H 2 O B[OH] 4- + H + Teratogen Herstellung: Freisetzung aus Borax mittels HCl / H 2 SO 4 Analytik Unter Erwärmen in Methanol lösen + H 2 SO 4, Dämpfe entzünden. H 3 BO 3 + 3CH 3 OH B(OCH 3 ) 3 + 3H 2 O
Wasser ist der bedeutenste Hilfsstoff der Pharm. Technologie! Das Ph.Eur. kennt diverse Wasserqualitäten: Trinkwasser Gereinigtes Wasser - Aqua purificata Gereinigtes Wasser in Großgebinden Gereinigtes Wasser in Behältnissen. Wasser für Injektionszwecke - Aqua ad iniectabilia Wasser für Injektionszwecke, Wasser für Injektionszwecke in Großgebinden" und Sterilisiertes Wasser für Injektionszwecke Anorg. Richtwerte der Wasserqualität: Gesamthärte (GH): Menge aller Calcium- und Magnesium-Ionen [mmol / l] Carbonathärte (CH): Anteil der Ca 2+ - und Mg 2+ Verbindungen, die als Hydrogencarbonat HCO 3- vorliegen [mmol / l] temporärehärte Nichtcarbonathärte (NCH): Differenz aus GH und CH; permanente Härte (Chloride, Sulfate, Nitrate) Gehalt an: Nitrit, Nitrat, Ammonium, Chlorid, Sulfat, Eisen, Blei, Kupfer, Calcium, Natrium