Die Römer im Aostatal



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Transkript:

Die Römer im Aostatal Zusammengestellt von R. Haefner (Fotos) www.aostatal.com unter Verwendung von Informationsmaterial der Region Aostatal

Römische Monumente Zeugnisse der römischen Kultur: majestätische Werke, ländliche Strukturen und Wohnhäuser Fünf Jahrhunderte unter römischer Besatzung haben beeindruckende Zeichen dieser Kultur im Aostatal hinterlassen. Die Römer planten nach dem Sieg über die Ureinwohner eine Umstrukturierung des gesamten Gebiets und sorgten für den weiteren Ausbau des Straßennetzes (Handelsstraße nach Gallien), kümmerten sich um die Aufteilung der Ländereien und den Aufbau der Stadt Aosta (Augusta Praetoria, 25 v. Chr.). Die Stadt wurde durch den Bau einer gewaltigen Stadtmauer befestigt, die durch die Tore Porta Praetoria, Porta Decumana, Porta Principalis Sinistra und Dextera geöffnet wurde. Die 20 ursprünglich rechteckigen Türme an den vier Ecken des Mauergürtels und entlang der Mauer wurden wie Porta Augusta die Tore im Lauf der Jahrhunderte vielfach umgebaut. Die öffentlichen Gebäude wurden im nord-östlichen Stadtteil errichtet und durch den Cardo und Decumanus maximus begrenzt. In dem von den beiden Leitlinien begrenzten städtischen Bereich entstand der forensische Komplex, der sich aus dem Kryptoportikus, den zwei Tempeln des sakralen Bereichs (das Podium des östlichen Tempels ist noch teilweise erhalten) und der Platea (heute Piazza Severino Caveri) zusammensetzte. In der Nähe der Porta Praetoria und des Mauergürtels, wurden die Gebäude für öffentliche Veranstaltungen errichtet. Zusätzlich zum Theater entstand ein ellipsenförmiges Amphitheater, von dem im nord-östlichen Teil noch acht Bogen erhalten sind, die in moderne Gebäude integriert wurden. Ein interessantes Kompendium der römischen Präsenz im Tal stellt das Archäologische Museum von Aosta dar, in dem man außer vielen Fundstücken auch das Fundament des nördlichen Stadttors besichtigen kann. Handelsstraße nach Gallien Römisches Straßennetz im Aostatal Vor dem Einzug der Römer war im Aostatal nur ein primitives Straßennetz vorhanden, das aus Pfaden bestand, die seit prähistorischer Zeit einen kommerziellen und kulturellen Austausch zwischen den Alpentälern ermöglichten. Noch heute ist auf dem Hügel von Aosta eine Straße mit dem Namen Strada dei Salassi (Straße der Salassen) vorhanden, die sich deutlich höher als ihre römische Nachfolgerin befindet. Der Bau der Handelsstraße nach Gallien, ein Unterfangen, das von höchstem Ingenieurwesen zeugt, berücksichtigte in großem Umfang die Beschaffenheit des Territoriums und schuf das erste öffentliche Bauwerk der neuen Eroberer. Die Infrastruktur der Straße war für ihre Römerstraße in Donnas politische wie militärische Ausdehnung von äußerster Wichtigkeit. Die Straße durchquerte das Aostatal und reichte von Eporedia (Ivrea) bis nach Augusta Prætoria (Aosta), um sich dann in zwei Teile zu spalten, die in Richtung der Gipfel der Alpis Graia (Kleiner Sankt Bernhard) und Alpis Pœnina (Großer Sankt Bernhard) führten. Heute ist der größte Teil dieses Weges nicht nur wegen der noch sichtbaren archäologischen Überreste bekannt, sondern dank der Wiederherstellung der alten Wanderpfade, an denen auch die Rastplätze für Mensch und Tiere ausgezeichnet sind. Außer auf dem Wegabschnitt zwischen Donnas und Bard, ist auch in der Ortschaft Pierre Taillée (Avise) noch der monumentalste Teil der Straße vorhanden. An dieser Stelle weist der Weg in den Stein gegrabene Radspuren auf und ist durch Mauerwerk gestützt. Weitere wichtige archäologische Überbleibsel sind die Brücken von Saint-Vincent und Châtillon, die Überreste der Straße nach Montjovet und Straßenabschnitte und Konstruktionen in Arvier, Mecosse, Leverogne und Runaz.

Aquädukt von Pondel Ein Spaziergang durch einen Hohlraum, unter dem Schutz der Geschichte Eine Inschrift an der nördlichen Stirnseite datiert die Brücke auf das 3. Jahrhundert vor Christus und erinnert an seinen Baumeister und Eigentümer, Caius Avillius Caimus. Die Brücke hat einen ca. einen Meter breiten bedachten Übergang, der durch enge Fensterschlitze auf beiden Seiten beleuchtet wird, und früher wurden die beiden Eingänge durch zwei Holzportale verschlossen. Durch einen darüber gelegenen, offenen Kanal aus Steinplatten und wasserundurchlässigen Wänden lief das aus Quellen an der linken Seite des Flusses stammende Wasser. An der westlichen Stirnseite kann man noch die Überreste des hydraulischen Systems besichtigen, zu dem das Bauwerk gehörte. Zu den verschiedenen Aquädukt von Pondel Auslegungsmöglichkeiten der Funktion der Brücke gehört auch die Annahme, dass sie mit dem Abbau und der Verarbeitung von eisenhaltigem Material im Tal von Cogne verbunden war. Wahrscheinlicher ist die Vermutung, dass es sich hierbei um eine Aquäduktbrücke von kurzer Reichweite handelt. Mehrere Umbauten des Bauwerks weisen darauf hin, dass das Wassersystem noch nach der Antike zum Nutzen der Dorfbewohner verwendet wurde; dies kann auch indirekt durch das Vorhandensein einer Mühle (erwähnt in einem Dokument aus dem Jahre 1265) an dieser Stelle bestätigt werden. Römische Brücke von Pont-Saint-Martin Die höchste römische Brücke mit nur einem Bogen Es ist ein imposantes Zeugnis der Romanisierung des Aostatals. Das Datum seiner Entstehung ist umstritten: Manche Datierungen gehen auf das Jahr 120 v. Chr., andere auf das Jahr 25 v. Chr. zurück. Am Fuß des Brückenfundaments sind noch Aushöhlungen im Stein zu sehen, an deren Stelle die für den Bau der Bogenbrücke notwendigen Holzbalken standen. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden einige Eisenklemmen angebracht, um das Bauwerk zu stützen. Die volkstümliche Fantasie schreibt die Errichtung der Brücke dem Teufel zu. San Martino, Bischof von Tours, traf bei der Rückkehr in seine Diözese auf das unüberwindliche Hindernis des Flusses Lys, der Römerbrücke in Pont Saint Martin mit seiner Macht den einzigen Übergang zerstört hatte. Der Teufel schlug ihm vor, in nur einer Nacht eine solide Brücke zu bauen, und er forderte dazu im Austausch die Seele des ersten Passanten über die Brücke. Der Heilige nahm den Pakt an. Am nächsten Morgen warf er ein Stück Brot auf die andere Seite der Brücke, sodass der erste, der die Brücke überquerte, kein anderer war, als ein ausgehungerter Hund. Der Teufel verschwand rasend vor Wut mit Blitzen und nach Schwefel riechenden Dunstwolken in der Lys, und das Volk behielt die Brücke. Aus dieser Legende hat sich bis heute eines der wichtigsten Motive des Karnevals von Pont-Saint-Martin entwickelt, der mit der Verbrennung einer Teufelspuppe unter der römischen Brücke endet.

Römischer Bogen von Donnas Eine Ikone des römischen Stolzes Römischer Bogen Die Handelsstraße in die jenseits der Alpen gelegenen gallischen Kolonien wurde als Verbindung zwischen Rom und dem Rhône-Tal erbaut. Die 221 Meter lange Wegstrecke bei Donnas ist besonders charakteristisch für die in den Naturstein gegrabenen Wagenspuren. Auf die Ausmaße der Einfurchungen macht der Felssporn aufmerksam, in den ein vier Meter dicker, vier Meter höher und fast drei Meter breiter Felsbogen geschlagen wurde: Im Mittelalter diente er als Eingangstor zum Ort, das abends geschlossen wurde. Auf dem Straßenpflaster sieht man noch die von den Wagenrädern hinterlassenen Spuren, und kurz hinter dem Bogen befindet sich eine Militärsäule mit der Inschrift XXXVI, einer Angabe der Entfernung zwischen Donnas und Aosta in Meilen (zirka 50 Km). Augustusbogen in Aosta Das monumentale "Logo" der Stadt Direkt hinter der Brücke über den Buthier wurde an der Straße zur Porta Praetoria dieser Bogen zu Ehren des Kaisers Augustus erbaut. Es ist ein eloquentes Zeichen der Präsenz und Macht Roms, das im Jahre 25 vor Chr. endgültig die Salassen besiegt hatte und hier eine neue Kolonie gründete. Der imposante Bogen aus der späten Republik ist ca. neun Meter groß besteht und besteht aus nur einem Rundbogen. Seine quadratischen Stützpfeiler zieren Halbsäulen mit korinthischen Abschlüssen. Ursprünglich waren die vier Nischen an den Stirnseiten mit Trophäenreliefs versehen. Den oberen Abschluss des Monuments bildet ein dorisches Gebälk, dem jahrhundertelang das Dach fehlte, und auf dem sich Augustusbogen ursprünglich die Widmung zu Ehren des Kaisers befand. Im Mittelalter wurde der Bogen nach einer Abbildung des Heilands "Saint-Vout" genannt, die später durch ein Kruzifix ersetzt wurde (eine Kopie des Originals wird heute in der Kathedrale aufbewahrt). Im Jahre 1716 wurde das Monument vor dem Verfall durch eindringendes Regenwasser geschützt, indem es mit einem Schieferdach abgedeckt wurde. Von 1912 bis 1913 wurde der Bogen endgültig restauriert; zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zwei große Buchstaben aus vergoldeter Bronze entdeckt, die höchstwahrscheinlich zur ursprünglichen Widmungsinschrift gehörten.

Porta Praetoria in Aosta Eine Eingangstür zur Stadt, eine Reise durch die Zeit Das am östlichen Teil der Stadtmauer gelegene Tor war der Haupteingang zur Stadt Augusta Praetoria. Es enthielt drei Öffnungen, die noch heute vorhanden sind: Einen Haupteingang für Wagen und zwei Öffnungen an den Seiten für Fußgänger. Der Bereich hinter den Öffnungen diente früher als Waffenlager. Im südlichen Teil des Stadttores wurde die Erde so weit abgetragen, bis die ursprüngliche Höhe aus der Stand des Erdreichs zu römischer Zeit wiederhergestellt war (ca. zwei Meter unter dem gegenwärtigen Stand - der Höhenunterschied beruht auf Geröll, das in die Flussebene geschwemmt wurde). Über dem inneren Toreingang sind noch die Auskehlungen zu sehen, durch die die Gitter verliefen, die nachts heruntergelassen wurden. An der äußeren Stirnseite sind noch einige Marmorplatten vorhanden, die ursprünglich das ganze Monument bekleideten und die im Inneren durch Porta Praetoria verputzte Abschnitte ersetzt wurden. Im Mittelalter wurde die Porta Praetoria durch eine Kapelle der Dreifaltigkeit ergänzt, (von der heute nur noch eine Nische erhalten ist) die einige Jahrhunderte lang nach der Porta Praetoria benannt wurde. Römische Stadtmauer in Aosta Der noch vorhandene Mauergürtel der römischen Stadt Der Mauergürtel der Stadt Augusta Praetoria formte ein Rechteck von 724 mal 572 Metern Länge und wurde gänzlich aus Flussgestein gebaut und an der Außenseite mit Blöcken aus Kalkstein gestützt. Beide Baumaterialien sind noch heute in der Via Carducci, Via Carrel (am Busbahnhof), Via Monte Solarolo und in der Via Abbé Chanoux zu sehen. In der Via Festaz, insbesondere an der Kreuzung zur Via Vevey, sieht man die Durchbrüche an der Mauer für die die modernen Straßen der Stadt. Detailansicht der Porta Praetoria

Römisches Theater in Aosta Schauspieler einer Szene eines jahrtausendealten Theaterstücks Forum Romanum Noch erhalten sind die südliche Fassade mit den übereinander liegenden Bogenfenstern, der untere Teil des Stufenhalbkreises für die Zuschauer (Cavea) und das Fundament der Mauer, die als Kulisse (Scaena) diente. Einige Wissenschaftler halten es für möglich, dass das Theater ursprünglich überdacht war. Es wurde im ersten Jahrhundert nach Christus, einige Jahre nach der Gründung von Augusta Praetoria erbaut und wenige Jahrhunderte später erneut vergrößert. Das römische Theater zieht aufgrund seiner ca. 22 Meter hohen südlichen Fassade (die einzige noch erhaltene) direkt alle Aufmerksamkeit auf sich. Sie wird durch eine Reihe von Stützpfeilern und Bogen unterteilt und durch drei übereinander angeordnete Fensterreihen verschiedener Form und Größe aufgelockert. Noch gut erkennbar sind die halbreisförmig angeordneten Treppenstufen, auf denen die Zuschauer saßen, der Orchestergraben und die Kulissenwand (heute nur noch als Fundament erhalten), die einst reich mit Säulen, Marmor und Statuen verziert war. Es wurde berechnet, dass hier drei- oder viertausend Zuschauer Platz hatten. Im Mittelalter entstanden zahlreiche angrenzende Bauten, die während der modernen Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten zerstört wurden. An der Südfassade befindet sich eine Fotoausstellung zum Zustand, in dem sich das Monument vor, während und nach den Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten befand. Forensischer Kryptoportikus Ein außergewöhnliches Monument... unter den Füßen der Besucher Vom Park an der Piazza Giovanni XXIII aus, betritt man das forensische Kryptoportikus, ein monumentales Bauwerk, das einen sakralen Bereich begrenzte, der religiösen Riten vorbehalten war. Das halb unterirdische Bauwerk ist in seinem Inneren fein verputzt und wird durch kleine Luken beleuchtet. Das Monument erstreckt sich in der Form eines Hufeisens und besteht aus einem doppelten Korridor, dessen Gewölbe teilweise durch Pfeiler gestützt werden. Der spezifische Zweck des Bauwerks (aus dem Augusteischen Zeitalter) ist sehr umstritten; in erster Linie diente es wohl dazu, mit der Konstruktion eines Bauwerks die Nutzung das Geländes zu begrenzen und zu regulieren, denn an dieser Stelle bestand ein Ungleichgewicht in der Aufteilung in sakralen und angrenzenden forensischen Bereich. Zusätzlich zu seiner stützenden Funktion wird vermutet, dass der unterirdische Teil auch als Waffenlager diente, wohingegen der darüber liegende Säulengang aus Marmor (heute zerstört - es fehlen archäologische Beweise) als Rahmen für die Tempel des sakralen Bereichs diente. Wie einige Karten aus dem Mittelalter zu beweisen scheinen, wurde der Kryptoportikus auch in den späteren Jahrhunderten noch genutzt.

Grabstätten außerhalb der Porta Decumana Ein Spaziergang auf dem durch die Ausgrabungen enthüllten historischen Horizont Es handelt sich um eine wichtige Grabstätte aus römischem Zeitalter, die ca. 200 Meter von der Porta Decumana entfernt entdeckt wurde; ein Fund, der den vielen anderen Grabstätten in der Nähe der Porta Praetoria und der Porta Principalis Sinistra gleicht, allesamt Eingänge in die Stadt Augusta Praetoria (Aosta). Der Friedhof wurde lange, in römischer und vorchristlicher Zeit genutzt: Das Nebeneinander von heidnischen und christlichen Gräbern war keine Besonderheit, so wie auch die mit dem Totenkult verbundenen Riten sich sehr ähnlich waren. Auf dem Gelände des Friedhofs befinden sich drei Mausoleen mit rechteckigem Saal (bekannt unter dem Namen Cellae Memoriae) und eine Forum Romanum vorchristliche Basilika, deren Entstehung auf das ausgehende 4. und 5. Jahrhundert geschätzt wird. Letztere hat eine große Ähnlichkeit zu anderen christlichen Gebäuden, die auf römischen Friedhöfen und außerhalb der Stadtmauer entstanden, wie die Chiesa di San Lorenzo und die Chiesa di Santo Stefano. Diese Grabstätten wurden lange, bis ungefähr zum Ende des ersten Jahrtausends genutzt. Danach erfolgte der langsame Rückgang der Nutzung.