Einführung in LabVIEW



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Transkript:

Einführung in LabVIEW von Wolfgang Georgi, Ergun Metin 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage Hanser München 2007 Verlag C.H. Beck im Internet: www.beck.de ISBN 978 3 446 41109 8 Zu Inhaltsverzeichnis schnell und portofrei erhältlich bei beck-shop.de DIE FACHBUCHHANDLUNG

Wolfgang Georgi, Ergun Metin Einführung in LabVIEW ISBN-10: 3-446-41109-7 ISBN-13: 978-3-446-41109-8 Leseprobe Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-41109-8 sowie im Buchhandel

1 Was ist LabVIEW? Lernziel Der Leser soll anhand eines sehr einfachen Beispiels einen ersten Eindruck von LabVIEW, von der Idee der Datenflussprogrammierung und den wichtigsten Programmierkonzepten gewinnen. Er kann einfache VIs von Beginn an entwickeln. 1.1 Entwicklungsstufen Software wurde und wird unter verschiedenen Aspekten geschaffen. Bekannt sind Begriffe wie 'strukturierte Programmierung', 'objektorientierte Programmierung' usw. In jüngerer Zeit spielt auch die Prozessvisualisierung eine zunehmende Rolle. Ursache ist die ständig komplizierter werdende Technik. Sie verlangt bessere Darstellungsmöglichkeiten, damit der Anwender den Überblick nicht verliert. Man beschränkt sich heute bei der Abbildung technischer Prozesse nicht mehr allein auf konventionelle Anzeigeinstrumente, sondern stellt auch den Prozessablauf selbst auf dem Bildschirm eines Rechners grafisch dar. Es geht um Anschaulichkeit. Die Füllstandsanzeige eines Behälters wird z.b. nicht mehr nur durch ein analoges Manometer auf dem Bildschirm verkörpert, sondern durch die Zeichnung des Kessels selbst, in dem bunt gefärbt die Flüssigkeit auf- und absteigt. So kann auch der Laie erahnen, in welchem Zustand sich ein technischer Prozess gerade befindet. Um die Programmierung solcher grafischen Oberflächen mit anschaulichen und bewegten Bildern zu unterstützen, sind verschiedene Programmierwerkzeuge entwickelt worden. Eines davon ist das Softwarepaket LabVIEW von National Instruments. LabVIEW ist die Abkürzung von Laboratory Virtual Instrument Engineering Workbench. Es ist Entwicklungsumgebung und grafische Programmiersprache zugleich. Grafische Hilfsmittel in Papierform wie Programmablaufpläne oder Flussdiagramme gibt es schon seit langem, doch 'Zeichnen am Computer' wurde erst möglich, als die Rechner hinreichend leistungsfähig und Bildschirme als Ausgabe- und Eingabegeräte mit hoher Auflösung verfügbar wurden. Das geschah gegen Ende der 70er-Jahre. Zu der Zeit hatten zwei der Gründer der Messtechnikfirma National Instruments, Jim Truchard und Jeff Kodosky, die Idee, die Software zum Testen ihrer Messgeräte ähnlich wie diese selbst zu strukturieren. Sie nannten einzelne Bausteine deshalb virtuelle Instrumente oder VIs, eine Bezeichnung, die sich bis heute als Erweiterung eines jeden LabVIEW-Programms erhalten hat. Eine andere Idee bestand darin, die Programmierung nicht, wie bisher üblich, zeilenweise in Form von Anweisungen, genannt 'Statements', niederzuschreiben, sondern Funktionsblöcke in einem Blockdiagramm auf dem Bildschirm darzustellen. Dies gestaltet sich ganz so, wie man das auch früher schon mit Bleistift und Papier gemacht hatte.

20 1 Was ist LabVIEW? Die Entwicklung der ersten lauffähigen LabVIEW-Version war eng geknüpft an das Aufkommen leistungsfähiger Personalcomputer, speziell des Macintosh von Apple. Anfang der 80er-Jahre bot nur dieser PC die grafischen Voraussetzungen zur Realisierung der mit Lab- VIEW verfolgten Ideen. Die erste LabVIEW-Version erschien 1986. Seitdem gab es folgende Entwicklungsstufen: 1986: LabVIEW 1.0 für den Macintosh II 1988: LabVIEW 1.2 1990: LabVIEW 2.0 1992: LabVIEW 2.5 1993: LabVIEW 3.0 1996: LabVIEW 4.0 (erst ab 1995 war Microsoft Windows so weit verbessert, dass LabVIEW auch unter diesem Betriebssystem lauffähig wurde) 1998: LabVIEW 5.0 2000: LabVIEW 6.0 (auch 'LabVIEW 6i' genannt) 2001: LabVIEW 6.1 2003: LabVIEW 7.0 (auch 'LabVIEW 7 Express' genannt) 2004: LabVIEW 7.1 2005: LabVIEW 8.0 2006: LabVIEW 8.2 (eigentlich LabVIEW 8.20 wegen nunmehr 20 Jahren LabVIEW) 2007: LabVIEW 8.5 LabVIEW hat sich in den letzten Jahren stark verbreitet. Gleichzeitig hat es sich von einer anfangs messtechnisch orientierten zu einer universellen Programmiersprache entwickelt. National Instruments bietet LabVIEW inzwischen längst nicht mehr nur für das Betriebssystem MacOS von Apple-Rechnern an, sondern für eine Fülle anderer Systeme, von denen hier nur genannt seien: Concurrent PowerMAX Microsoft Windows NT, Windows 2000, Windows XP Betriebssystem von Sun-Workstations (Solaris) Linux und andere UNIX-Varianten Die Aufzählung der verschiedenen Vorteile von LabVIEW sprengt den Rahmen dieses Abschnitts. Nur so viel sei einleitend erwähnt: Die Anbindung an gängige Programmiersprachen ist gegeben. Damit ermöglicht LabVIEW z.b. auch die Nutzung von C-Code. Ab LabVIEW 8.2 ist auch objektorientierte Programmierung möglich. Das Internet hat seit Mitte der 90er-Jahre größte Bedeutung erlangt. Konsequenterweise verfügen die heutigen Versionen von LabVIEW über Module, welche die Anbindung ans Internet erleichtern und somit z.b. die Fernüberwachung von Maschinen und Anlagen erlauben. 1.2 Was will dieses Lehrbuch? Das vorliegende Lehrbuch führt in die Programmierung mit LabVIEW ein. Es setzt voraus, dass der Leser die Beispiele und Übungen am PC durcharbeitet.

1.4 Einführendes Beispiel 21 Die neueste Fassung von LabVIEW ist die Version 8.5. Sie liegt diesem Buch als Studentenversion auf CD bei. Man kann aber davon ausgehen, dass derzeit noch viele Leser Zugang zu einem PC mit den älteren Versionen LabVIEW 7.1 oder LabVIEW 8.0 haben, z.b., wenn sie Mitarbeiter einer Firma sind und sich in die Behandlung messtechnischer Probleme mit LabVIEW einarbeiten müssen. Aus diesem Grunde wird verschiedentlich auch auf die Versionen 7.1 und 8.0 eingegangen. Außerdem werden bei Gelegenheit wichtige Unterschiede zwischen LabVIEW 7.1 und LabVIEW 8.2 erläutert. Die Beispiele in diesem Buch wurden allerdings sämtlich in der Version LabVIEW 8.2 geschrieben. Der Leser kann sie daher mit der beiliegenden Studentenversion 8.5 ausführen. Siehe auch die Beispiele im Internet unter 'www.geme- LabVIEW.de'. Auch Besitzer von älteren Versionen von LabVIEW wie 5.0 oder 6.1 können dieses Buch zu Rate ziehen, denn die Unterschiede bei den einführenden Beispielen sind nicht sehr groß. Programme, die mit älteren Versionen erstellt wurden, laufen auch unter Version 7.0, 7.1, 8.0, 8.2 und 8.5. Doch trifft das Umgekehrte naturgemäß nicht zu, weil jede neue Version auch neue Möglichkeiten bietet. Werden diese allerdings nicht gebraucht, kann man von Version zu Version rückwärtsschreiten, indem man z.b. ein in Version 8.5 entwickeltes Programm 'Mit Optionen...' speichert und anschließend 'Für vorige Version' anklickt. Das Programm lässt sich dann mit Version 8.2 aufrufen. Von dort aus kann man in gleicher Weise zurückgehen zu Version 8.0, 7.1 usw. 1.3 Installation Die Installation der LabVIEW-Version 8.5 von CD ist selbsterklärend. Als Betriebssysteme sind z.b. Microsoft Windows 2000, Microsoft Windows XP oder Linux geeignet. Die Hardware des PC muss den Anforderungen des jeweiligen Betriebssystems entsprechen. Alle Beispiele in diesem Buch wurden unter den Betriebssystemen Windows 2000, Windows XP und, soweit möglich, unter Linux getestet. 1.4 Einführendes Beispiel Angenommen, Sie wollen die Summe c = a + b berechnen. Programmiersprachen wie C oder C++ und ihre Vorläufer sind so konzipiert, dass sie genau diese Art von Aufgaben perfekt lösen können. Man schreibt einfach: c = a + b; und muss also anscheinend nur das Semikolon hinzufügen. Doch übersieht man dabei Eingabe und Ausgabe. Der Anwender will Werte für a und b eingeben und am Bildschirm das Ergebnis ablesen. Fügt man die entsprechenden Programmteile hinzu, ist das C-Programm längst nicht mehr so übersichtlich. LabVIEW verringert diese Schwierigkeiten mit zwei Methoden: grafische Programmierung nach dem Datenflussprinzip,

22 1 Was ist LabVIEW? Verwendung umfangreicher Funktionsbibliotheken für Ein- und Ausgabe. Bild 1.1 macht deutlich, dass Eingabe, Ausgabe und mathematische Operationen nach dem Datenflussprinzip organisiert sind. Das ist hier am Beispiel c = a + b erklärt. Die folgende Skizze in Bild 1.2 reduziert dieses Prinzip auf seinen Kern. Bild 1.1 Idee der Simulation eines realen Messgeräts mit Hilfe von (Front-)Panel und (Block-)Diagramm in LabVIEW Bild 1.2 Idee der Datenflussprogrammierung am Beispiel von c = a + b. Links die Eingabe, rechts die Ausgabe Aufruf von LabVIEW Ein rechter Mausdoppelklick auf das LabVIEW-Icon auf dem Desktop öffnet der Reihe nach zwei Startseiten. Man kann diese Fenster aber auch mit 'Programme' 'National Instruments' 'LabVIEW 8.2' 'LabVIEW.exe' öffnen. Das erste der beiden Fenster wird nach wenigen Sekunden automatisch geschlossen, worauf sich das in Bild 1.3 dargestellte zweite Fenster öffnet. Dort erlaubt das Feld 'Neu' 'Leeres VI' die Anfertigung eines LabVIEW-Programms oder, wie man kürzer sagt, eines VI von Anfang an. Mit 'Öffnen' kann man ein bereits existierendes VI holen, z.b. um es zu modifizieren. 'Beispiele' 'Beispiele suchen ' ermöglicht das Erlernen von LabVIEW anhand von Exempeln. Hilfreich sind hier auch die Rubriken 'Für Einsteiger'. Für Fortgeschrittene, die sich bereits mit LabVIEW 7.1 auskennen, sind 'Neue Programmfunktionen' und 'Informationen im WWW' nützlich. Wählt man nun 'Neu ' 'Leeres VI', so erscheinen zwei Fenster: das eine mit dem Titel 'Unbenannt 1 Frontpanel', das andere mit dem Titel 'Unbenannt 1 Blockdiagramm'. Sie sind in Bild 1.4 und Bild 1.5 dargestellt.

1.4 Einführendes Beispiel 23 Bild 1.3 Zweites Startfenster, das sich beim Aufruf von LabVIEW 8.2 öffnet Bild 1.4 Frontpanel oder kürzer 'Panel', für die Benutzeroberfläche des späteren Programms

24 1 Was ist LabVIEW? Bild 1.5 Blockdiagramm oder kürzer 'Diagramm', zur grafischen Darstellung des Programms Wichtig für die Programmierung ist die 'Werkzeugpalette' nach Bild 1.6. Sie erscheint häufig automatisch. Ist das nicht der Fall, kann man sie vom Panel oder vom Diagramm aus mit 'Anzeigen' 'Werkzeugpalette' holen. Bild 1.6 Werkzeugpalette Zur Programmerstellung brauchen Sie ferner die 'Elemente'-Palette, Bild 1.7, und die 'Funktionen'-Palette gemäß Bild 1.8. Bild 1.7 Palette mit 'Elementen' (früher: Bedienelemente), die zur Gestaltung des Panels genutzt werden. Hier wird die Voreinstellung von Version 8.2 gezeigt, bei der die Unterpalette 'Express' geöffnet ist. Dagegen war bei Version 8.0 die Unterpalette 'Modern' voreingestellt (Bild 1.9). Doch lässt sich leicht von einer Einstellung zur anderen wechseln. Man kann auch statt der voreingestellten Palette oder zusätzlich zu ihr die Unterpaletten 'System' oder 'Klassisch' wählen usw.

1.4 Einführendes Beispiel 25 Man erhält sie, indem man im Panel (Bild 1.4) beziehungsweise im Diagramm (Bild 1.5) mit der rechten Maustaste auf die freie Fläche klickt. Mit der linken Maustaste kann man diese Paletten dauerhaft sichtbar machen, wenn man sie 'anpinnt', d.h. die kleine Reißzwecke links oben im zugehörigen Loch versenkt. Man kann diese Paletten auch unter 'Anzeigen' 'Elementepalette' im Panel bzw. unter 'Anzeigen' 'Funktionenpalette' im Diagramm finden. Manche Fenster lassen sich auch mit Shortcuts öffnen, etwa das Blockdiagramm vom Panel aus mit <Strg>+<E> oder das Panel vom Blockdiagramm aus mit denselben beiden Tasten, die gleichzeitig zu drücken sind. Bei LabVIEW-Versionen vor 8.0 sah die Palette der (Bedien-)Elemente anders aus. Die Auswahl war weniger umfangreich und deshalb auch nicht so gegliedert wie jetzt. Doch findet man die Elemente und Funktionen letztlich an ähnlichen Stellen, sofern man nur vorher die richtige Unterpalette gewählt hat. Bild 1.8 Palette mit Funktionen, mit denen das Programm im Diagramm erstellt wird. Auch hier ist die bei Version 8.2 voreingestellte Unterpalette 'Express' zu sehen. LabVIEW 8.0 dagegen ist auf 'Programmierung' voreingestellt. Der Anwender kann leicht von einer Palette auf die andere umschalten. Auch lassen sich zusätzlich oder als Ersatz andere Unterpaletten wie 'Mess-I/O', 'Mathematik', 'Express' usw. öffnen Bild 1.9 und Bild 1.10 zeigen die Unterpalette 'Modern' aus der Elementepalette und die Unterpalette 'Programmierung' aus der Funktionenpalette. Auf diese Paletten werden wir uns in den folgenden Abschnitten meist beziehen. Sind sie beim Verlassen von LabVIEW 8.2 geöffnet, werden sie beim nächsten Aufruf zu den voreingestellten Unterpaletten. Man muss also nicht erneut umstellen.

26 1 Was ist LabVIEW? Bild 1.9 Unterpalette 'Modern' unter den Elementen Bild 1.10 Unterpalette 'Programmierung' unter den Funktionen 1.4.1 Programmierung von c = a + b Folgende Schritte sind auszuführen: 1. Kontrollieren, ob 'Bearbeitungsmodus' eingestellt ist. Das sieht man an der Zahl der Icons unter der Menüzeile im Panel, nämlich normalerweise 10 (mit dem Fragezeichen rechts). Sieht man dort dagegen links nur 5 Icons, befindet man sich im 'Ausführungsmodus', der keine Programmierung erlaubt. In diesem Fall mit 'Ausführen' 'Bearbeitungsmodus' umstellen. 2. Eingabefenster für die Variablen a und b anlegen. Zu diesem Zweck 'Elemente' nach Bild 1.9 holen und dort Cursor zum Icon links oben bewegen. Es erscheint die Überschrift 'Numerisch'. Ein Mausklick führt zur nächsten Unterpalette. Wiederum das Icon links oben ('Numerische Eingabe') anklicken und aufs Panel ziehen. Das Ergebnis dieser Operation sieht man in Bild 1.11. Gleichzeitig ändert sich automatisch das Diagramm. Es erhält jetzt ein 'Terminal', das dem Eingabefenster zugeordnet ist, siehe Bild 1.12.

1.4 Einführendes Beispiel 27 Bild 1.11 Panel mit einem (Bedien-)Element Bild 1.12 Diagramm mit 'Terminal', das dem (Bedien-)Element auf dem Panel entspricht Das 'DBL' am unteren Rand des Symbols von Bild 1.12 bedeutet, dass die Eingabedaten vom Typ 'Double Precision' sind (Gleitkommazahlen doppelter Genauigkeit). 3. Das numerische Symbol in Bild 1.11 dient zur Zahleneingabe über die Tastatur, wenn das Programm später gestartet wird. Man kann die Zahlenwerte aber auch mit den Aufwärts- Abwärts-Pfeilen am linken Rand des Bedienelements ändern. 4. Wie schon erwähnt, wird das zugehörige Icon (Symbol) im Diagramm automatisch gebildet. Man kann es als Darstellung der Durchführung auffassen, die in einem realen Messinstrument vom Gehäuse zur Platine führt und den vom Benutzer eingestellten Wert an die elektronische Schaltung weitergibt. Siehe dazu nochmals Bild 1.1. Die Wahl des Datentyps DBL ist voreingestellt. Wir werden später sehen, dass es viele andere Datentypen gibt. Wir können den Namen 'Numerisch' für die Eingabevariable in Bild 1.11 durch irgendeinen eigenen Namen ersetzen, z.b. durch 'a'. Das kann entweder unmittelbar nach der Platzierung des Icons auf dem Panel erfolgen, wenn die Schrift noch schwarz unterlegt ist, siehe Bild 1.11. Oder man muss, wenn man den Namen später ändern will, in der Werkzeugpalette das große 'A' wählen, den Namen mit der Maus schwarz einfärben und dann per Tastatur mit dem gewünschten Namen überschreiben.

28 1 Was ist LabVIEW? Bild 1.13 Panel mit Bedienelement für die Variable a 5. In gleicher Weise geht man mit der Variablen b um. 6. Dagegen muss man c als Ausgabevariable (Anzeigeelement), deren Wert nicht vom Anwender gewählt, sondern vom LabVIEW-Programm errechnet wird, etwas anders behandeln. Man erhält sie im Untermenü der Palette von Bild 1.9 unter 'Numerisch' 'Numerische Ausgabe' (oberste Zeile, zweites Element von links). Bild 1.14 zeigt das Ergebnis. 7. Haben Sie versehentlich ein falsches Symbol platziert, müssen Sie es löschen. Dazu das rechteckige Feld in der ersten Zeile der Werkzeugpalette anklicken und auf die Farbe Grün stellen, was Automatikbetrieb bedeutet. Je nach Anwendung wählt nun LabVIEW automatisch aus den nachstehenden Werkzeug-Icons dasjenige, das der jeweiligen Aufgabe entspricht. In diesem Fall das falsch gesetzte Icon mit ständig gedrückter linker Maustaste umfahren. Es bildet sich ein gestricheltes Rechteck, dessen Ränder blinken. Nun mit der <Entf>-Taste löschen. Bemerkt man den Fehler unmittelbar nach dem Setzen eines falschen Icons, kann man diesen Schritt auch mit 'Bearbeiten' 'Rückgängig ' oder mit <Shift>+<Z> korrigieren. Zurück zum alten Zustand mit 'Bearbeiten' 'Wiederherstellen ' oder mit <Strg>+<Shift>+<Z>. 8. Verknüpfen der Eingabe- mit der Ausgabevariablen über die gewünschte Funktion 'Addieren'. Das geschieht im Diagramm. Zunächst wählen Sie in der Funktionenpalette von Bild 1.10 das Icon 'Numerisch' links in der zweiten Zeile. Die Unterpalette zeigt Symbole, wie man sie von elektrischen Schaltplänen her kennt. Hier ist der Plusoperator links oben anzuklicken und ins Diagramm zu ziehen, siehe Bild 1.15. Bild 1.14 Panel mit Symbolen für zwei Eingabevariablen a und b sowie die Ausgabevariable c = a +b