Da ist der Wurm drin!



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Transkript:

Und schmecken soll s auch! Informationen für Pferdehalter Da ist der Wurm drin! Magen-Darm-Parasiten beim Pferd Praxisstempel Intervet Deutschland GmbH Postfach 1130 85701 Unterschleißheim www.intervet.de

3 Inhaltsverzeichnis Magen-Darm-Parasiten beim Pferd 4 Der Blutwurm Horse Killer 7 Kleine Strongyliden (Kleine Palisadenwürmer) 9 Larvale Cyathostominose 10 Bandwürmer (Anoplocephala) 12 Magendasseln (Gasterophilus intestinalis) 14 Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri) 16 Spulwürmer (Parascaris equorum) 18 Pfriemenschwänze (Oxyuris equi) 20 Weitere Magen-Darm-Parasiten 21 Entwurmung 22 Ziel der Entwurmung 22 Wurmkontrollprogramm für Pferde 23 Entwurmungsempfehlung 24 Stall- und Weidehygiene 26 Literaturverzeichnis 27

5 Magen-Darm-Parasiten beim Pferd Heutzutage tummeln sich viele Pferde auf einer begrenzten Weidefläche. Dies bedingt ein erhöhtes Infektionsrisiko mit Parasiten, die sich im Magen-Darm-Trakt ansiedeln. Jeder Befall beeinträchtigt nicht nur die Leistungsfähigkeit des Pferdes, sondern kann auch eine ernste, sogar lebensbedrohliche Gefahr darstellen. Schädigungen werden durch Entzug von Nährstoffen, hauptsächlich aber von Wurmlarven verursacht, die durch den Pferdekörper wandern. Treten solche Parasiten in großer Zahl auf, besteht sogar die Gefahr eines Darmverschlusses. Der Besitzer erkennt einen Befall durch Symptome wie Durchfall oder auch Kolik. Ein Befall bleibt aber auch oft unerkannt und das Pferd wirkt lediglich müde, zeigt Leistungsschwäche und hat ein stumpfes Fell. Fohlen bleiben in ihrer Entwikklung zurück. Die am häufigsten vorkommenden oder aufgrund ihrer Schädigungen wichtigsten Parasiten sind: Strongyliden (Palisadenwürmer) Blutwurm (Strongylus vulgaris) Kleine Strongyliden (Cyathostominae, Strongylinae) Bandwürmer (Anoplocephala perfoliata) Magendasseln (Gasterophilus intestinalis) v. a. Weidetiere Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri) v. a. Spulwürmer (Parascaris equorum) Fohlen/Jährlinge Pfriemenschwänze (Oxyuren equi) v. a. ältere Pferde Parasitismus: Griech. ho parasitos: der Mitesser, Schmarotzer Sowohl wenige Tage alte Saugfohlen als auch Pferde in hohem Alter können mit Würmern befallen sein. Die Art der auftretenden Parasiten ist häufig altersabhängig. So sind Zwergfadenwürmer bei Saugfohlen und Pfriemenschwänze eher bei älteren Pferden nachweisbar. Auch die Haltungsform spielt eine große Rolle. Auf der Weide besteht stets die Gefahr einer Infektion mit Strongyliden, Bandwürmern und Magendasseln im Stall hingegen tritt eher der Befall mit Pfriemenschwänzen auf.

7 Der Blutwurm Horse Killer Die Infektionswege sind vielfältig und lassen sich anhand von zwei Beispielen verdeutlichen: Umwelt > > Schädigung von Leber und Lunge Infektion über Wurmeier am Beispiel von Spulwürmern Umwelt > > Pferdekörper Dünndarmentzündung Darmverschluss und -riss Pferdekörper Der zur Gruppe der großen Strongyliden gehörende Wurm Strongylus vulgaris ist einer der meist gefürchteten Parasiten des Pferdes. Infektion Aufnahme von infektiösen Larven auf der Weide Larven größte Schadwirkung durch Wanderung im Blut zu den großen Darmgefäßen Sitz: Innenauskleidung der Darmarterien Erwachsene Würmer bis 2,5 cm groß Sitz: Blind- und Dickdarm heften sich an die Darmschleimhaut massive Darmwandschäden Blind- und Dickdarmentzündung Infektion über Wurmlarven am Beispiel kleiner Strongyliden Strongylus vulgaris: Der gefürchtetste Parasit Bildnachweis*

9 Kleine Strongyliden (Kleine Palisadenwürmer) Schädigung und Krankheitsanzeichen Gefäßwandentzündung mit Bildung von Blutgerinnseln und gestörter Blutversorgung Darm: Kolik Hinterbeine: Lahmheit Weitung der Blutgefäße (Aneurysmen) > Riss der Gefäßwand > Verbluten mangelnder Appetit, Gewichtsverlust, Fieber Diese Gruppe von Parasiten umfasst ca. 50-60 verschiedene Wurmarten (Cyathostominae, Strongylinae), die häufig vorkommen. Infektion Aufnahme von infektiösen Larven auf der Weide hohe Ansteckungsgefahr im Spätsommer/Frühherbst, da die Anzahl der Larven auf der Weide gegen Ende der Weidesaison stetig zunimmt Larven größte Schadwirkung durch Schädigung der Darmwand Sitz: abgekapselt in der Darmschleimhaut Erwachsene Würmer 4-26 mm groß Sitz: Blind- und Dickdarm heften sich an die Darmschleimhaut an einige Arten saugen Blut häufige Weideinfektion Bildnachweis*

11 Schädigung und Krankheitsanzeichen Blind- und Dickdarmentzündung > Durchfall, Kolik, Appetitmangel, Abmagerung, Leistungsminderung Larvale Cyathostominose (s. u.) Larvale Cyathostominose Bei der Larvalen Cyathostominose handelt es sich um ein Krankheitsbild, das von den Larven der kleinen Strongyliden ausgelöst wird. Ab Herbst bis zum Ende des Winters nimmt die Zahl, der in der Darmschleimhaut abgekapselten Larven, deutlich zu. In diesem Ruhestadium verweilen die Larven bis Frühjahrsbeginn. Hier kommt es dann zu einer synchronisierten Massenauswanderung der Larven in den Darm. Dies führt zu einer massiven Schädigung der Darmschleimhaut, die praktisch durchlöchert wird. Besonders Jungtiere und Pferde bis zu einem Alter von 6 Jahren sind betroffen. Krankheitsanzeichen plötzlich einsetzender heftiger Durchfall Gewichtsverlust Kolik Fieber Wasseransammlung an Unterbauch und Gliedmaßen Todesfälle Die erwachsenen Würmer im Darm führen außerdem zu einer massiven Kontamination der Weiden mit Wurmeiern im Frühjahr. Um dies zu verhindern, ist eine Entwurmung im Frühjahr vor Weideaustrieb dringend zu empfehlen. massive Darmwandschäden durch Massenschlupf Bildnachweis*

13 Bandwürmer (Anoplocephala) Eine Ansteckung mit Bandwürmern ist nur durch die Aufnahme von infizierten Moosmilben (Zwischenwirt) möglich, die das Bandwurm-Zwischenstadium durch Anknabbern von Bandwurmeiern aufnehmen. Im Pferdedarm entwickelt sich daraus ein erwachsener Bandwurm. Infektion Aufnahme infizierter Moosmilben auf der Weide hohe Ansteckungsgefahr im Spätsommer/Frühherbst, da die Anzahl der Moosmilben während der Weidesaison zunimmt Erwachsene Bandwürmer 2,5-4 cm groß Sitz: Dickdarm und Übergang des Dünn- in den Dickdarm heften sich an die Darmschleimhaut Schädigung und Krankheitsanzeichen häufig symptomlos Verdauungsstörungen Durchfall Kolik Abmagerung Infektion durch Moosmilben Bildnachweis*

15 Magendasseln (Gasterophilus intestinalis) Magendasseln sind die Larven der Dasselfliege, die im Juli/August ihre Eier vor allem an den Vorderbeinen, Schultern und Flanken des Pferdes ablegt. Beim Beknabbern/ Belecken dieser Stellen schlüpft die Larve aus dem Ei und gelangt über die Zunge und den Gaumen in den Pferdemagen. Hier verweilt sie bis zum Frühjahr, wird dann mit dem Kot ausgeschieden und verpuppt sich dort. Nach einigen Wochen schlüpft die Dasselfliege. Infektion Aufnahme von Fliegenlarven beim Beknabbern des Fells Dassellarve 1,5 cm groß und tonnenförmig heftet sich mit Mundhaken an die Magenschleimhaut Dasselfliege 12-14 mm große, dicht behaarte hummelähnliche Fliege Schädigung und Krankheitsanzeichen Entzündung der Magenschleimhaut Geschwürbildung Magendurchbruch Kolik Magendasseln sind Fliegenlarven

17 Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri) Dieser Wurm kommt besonders häufig bei Saugfohlen vor. Dabei nimmt er innerhalb der Pferdeparasiten eine Sonderstellung ein, da er nicht nur im Fohlendarm schmarotzt, sondern sich auch nicht parasitisch im Erdboden und in der Einstreu vermehren kann. Infektion über larvenhaltige Stutenmilch (Hauptinfektionsweg!) > Infektion bereits ab 1. Lebenstag möglich Aufnahme von Larven aus der Umgebung beim Umherknabbern Larven bohren sich aktiv durch die Haut des Fohlens Larven größte Schadwirkung durch Wanderung übers Blut und die Lunge in den Darm Erwachsene Würmer 8-9 mm groß, sehr dünn Sitz: in Bohrgängen in der Dünndarmschleimhaut Schädigung und Krankheitsanzeichen Darmentzündung > Durchfall, häufig in der 2. Lebenswoche gestörte Nährstoffaufnahme > Entwicklungsstörungen Hautentzündungen und -schwellungen v. a. an den Beinen Schädigung der Lunge > Husten, Nasenausfluss Durchfall bei jungen Saugfohlen

19 Spulwürmer (Parascaris equorum) Der Spulwurm ist der größte beim Pferd vorkommende Parasit. Überwiegend Fohlen und Jährlinge sind betroffen. Aufgrund der Größe der Würmer besteht hier die besondere Gefahr des Darmverschlusses durch Wurmknäuel, die sogar zum Darmriss führen können. Infektion über Spulwurm-Eier aus der Umwelt Eier sind jahrelang infektiös Schädigung und Krankheitsanzeichen Schädigung der Leber Schädigung der Lunge > Husten, Nasenausfluss Darmentzündung > Durchfall gestörte Nährstoffaufnahme > Entwicklungsstörungen Darmverschluss > Kolik Darmriss > Bauchfellentzündung, Tod Larven große Schadwirkung durch Wanderung übers Blut, die Leber und die Lunge in den Darm Erwachsene Würmer 15-50 cm groß! bleistiftdick Sitz: im Dünndarm Groß und dick: Gefahr des Darmrisses

21 Pfriemenschwänze (Oxyuris equi) Die Weibchen dieser Wurmart wandern, vor allem nachts, aus dem Darm aus und legen ihre Eier in einer klebrigen Flüssigkeit in der Nähe des Anus ab. Diese trocknet zu sog. Eischnüren ein und fällt letztendlich auf den Boden oder in die Einstreu. Bei der Eiablage entsteht ein starker Juckreiz, wobei sich das Pferd heftig scheuert. Haarlose Stellen an der Schweifwurzel, dem sog. Rattenschwanz deuten stets auf einen Befall mit Pfriemenschwänzen hin. Infektion Aufnahme von Eiern aus der Einstreu Erwachsene Würmer 1-15 cm groß Sitz: im Dickdarm saugen sich an die Darmschleimhaut an Schädigung und Krankheitsanzeichen Entzündungen der Darmschleimhaut Rattenschwanz : haarlos gescheuerte Stellen an der Schweifwurzel Hautentzündungen an den Scheuerstellen Unruhe durch Juckreiz Pfriemenschwanz macht Rattenschwanz Weitere Magen-Darm-Parasiten Seltener kommen Lungenwürmer, Rollschwänze, Mikrofilarien und Magenwürmer beim Pferd vor. Diese Parasiten werden von vielen Entwurmungspräparaten mit erfasst.

23 Entwurmung Ziel der Entwurmung Wurmkontrollprogramm für Pferde Häufig finden sich in der Umwelt verschiedene infektiöse Parasitenstadien (Eier und Larven). Ziel der Bekämpfung von Magen-Darm-Parasiten ist deshalb, das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu beschränken, Schädigungen oder Erkrankungen vorzubeugen oder letztendlich parasitenbedingte Erkrankungen zu behandeln. Dies gelingt nur, wenn die Umgebung des Pferdes in die Bekämpfungsmaßnahmen mit einbezogen wird. F Routine Entwurmung z. B. mit Fenbendazol alle 6-8 Wochen H Betriebsmanagement Um zu verhindern, dass Parasiten in den Bestand eingeschleppt werden, sollte jedes Pferd vor der Einstallung in einen neuen Bestand auf Parasiten hin untersucht und entwurmt werden. Da bei der Entwurmung verstärkt Parasiten ausgeschieden werden, sollten die Pferde, je nachdem welcher Wirkstoff in der Wurmkur enthalten ist, 1-3 Tage eingestallt bleiben. Anschließend ist die Einstreu zu entfernen und der Stall zu reinigen. Prinzipiell empfiehlt sich die zeitgleiche und regelmäßige Entwurmung bei allen Pferden eines Bestandes gemäß eines Wurmkontrollprogrammes (s. Abbildung). Dieses Entwurmungsprogramm ergibt sich aus dem Parasitenstatus eines Bestandes, der durch Kotprobenuntersuchungen ermittelt und jährlich kontrolliert werden sollte. F H Routinebehandlung während der Weideperiode z. B. mit Fenbendazol Entwurmung im Frühjahr vor Weideaustrieb Entwurmung im Herbst nach Einstallung Dasselbehandlung mit einem geeigneten Präparat Bandwurmbehandlung mit einem geeigneten Präparat Optimaler Zeitpunkt zur Behandlung der Wanderlarven des Blutwurms (Strongylus vulgaris) z. B. mit Fenbendazol an 5 aufeinander folgenden Tagen (1, 2) Optimaler Zeitpunkt zur Behandlung abgekapselter Larven kleiner Strongyliden z. B. mit Fenbendazol an 5 aufeinander folgenden Tagen (3, 4, 5, 6) einmalige Behandlung z. B. mit Fenbendazol bei jedem neu eingestellten Pferd Literaturverzeichnis s. S. 27

25 Entwurmungsempfehlung Entwurmung im Frühjahr vor Weideaustrieb beugt einer massiven Weidekontamination vor nach Verabreichen z. B. von Fenbendazol: 1 Tag warten, dann erst Weidegang nach Verabreichen anderer Wirkstoffe: ca. 3 Tage warten bis zum Weidegang Zusätzlich z.b. bei Parasitennachweis in der Kotprobe: bei Bandwurmbefall: Entwurmung im Frühjahr und Herbst bei Magendasselbefall: Behandlung Ende November/Anfang Dezember bei Larvaler Cyathostominose: Entwurmung im Frühjahr und Herbst Entwurmung im Herbst vor der Einstallung da während der Weidesaison die Infektionsgefahr zunimmt Regelmäßige Entwurmungen während der Weidesaison mehrwöchige Intervalle abhängig von der Infektionsgefahr und vom Wirkstoff des Entwurmungspräparates Fragen Sie Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt nach einer geeigneten Wurmkur! Jährlicher Wechsel des Wirkstoffes/Wirkstoffgruppe innerhalb eines Jahres nur einen Wirkstoff/Wirkstoffgruppe verwenden z. B. 1. Jahr: Fenbendazol, 2. Jahr: Pyrantel, 3. Jahr: Ivermectin oder Moxidectin Entwurmung zwei Wochen vor einer Impfung Parasiten beeinträchtigen das Immunsystem, indem sie dem Körper wichtige Stoffe für den Aufbau einer guten Immunabwehr entziehen. Außerdem ist das Immunsystem mit der Bekämpfung der Parasiten beschäftigt.

27 Stall- und Weidehygiene Auch Stall- und Weidehygiene sind als begleitende Maßnahmen wichtig, um Reinfektionen auf ein Minimum zu beschränken. Weitere Informationen zu Magen-Darm-Parasiten beim Pferd sowie zur Entwurmung finden Sie auf www.apfel-und-zimt.de Die Weide ist die häufigste Infektionsquelle. Folgende Maßnahmen können den Infektionsdruck erheblich reduzieren: regelmäßiges Absammeln von Kot (alle 2-3 Tage) niedrige Besatzdichte (ideal 2 Pferde/ha) Umtriebsweiden (regelmäßiger Koppelwechsel) Misch- oder Wechselbeweidung mit Wiederkäuern Zwischenmahd Kalkstickstoff im Frühjahr Um Stallinfektionen vorzubeugen: täglich Kot entfernen Boxen trocken halten keine Bodenfütterung Tiefstreu vermeiden Literaturverzeichnis (1) Duncan, J. L., D. G. McBeath, J. M. J. Best u. N. K. Preston (1977) Eq. Vet. J. 9 (3), 146 149 (2) Duncan, J. L., D. G. McBeath, u. N. K. Preston (1980) Eq. Vet. J. 12 (21), 78 80 (3) Duncan, J. L., u. K. Bairden (1998) Vet. Rec. 142, 268 271 (4) Abbott, E. M., J. L. Duncan u. K. Bairden (1996) Pferdeheilkunde 12 (4), 561 564 (5) Jonigkeit, E., u. Ch. Herden (1997) BpT-Kongress, Vortragszusammenfassungen (6) Bauer, C. (1997) BpT-Kongress, Vortragszusammenfassungen *Bildnachweis Institut für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, München