Sulfate in Bauschutt



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Transkript:

Sulfate in Bauschutt - Herkunft und Auswirkungen - Dipl.-Ing Jan Matyschik, Dr.-Ing. Karin Weimann BAM Bundesanstalt für Materialforschung und prüfung Fachgruppe IV.3 Abfallbehandlung und Altlastensanierung 1

Recycling von Bauschutt: ungebunden (alle Korngrössen) Schottertragschichten Deponieabdeckung (in der Regel Downcycling) gebunden (Altbeton, Korngrösse > 2mm) Substitution von Kies (RC-Beton) - neue Absatzmöglichkeiten - demografischer Faktor (regional) - funktionierendes Verfahren, bisher i.d.r. Leuchtturmprojekte in D Der zulässige Sulfatgehalt von RC-Baustoffen ist durch verschiedene technische Vorschriften reglementiert. (bautechnisch, Umweltschutz, etc.) 2

Mineralische Bauabfälle ohne Bodenaushub 2004 [Quelle: 5. Monitoring-Bericht Bauabfälle, Arbeitsgemeinschaft Kreislaufwirtschaftsträger Bau (KWTB), 2007] 27,2% 2,6% 0,4% 69,8% Bauabfälle auf Gipsbasis: 0,3 Mio t Straßenaufbruch: 19,7 Mio t Bauschutt: 50,5 Mio t Baustellenabfälle: 1,9 Mio t 9. November 2010 - BAM IV.3 UFOPLAN Optimierung des Rückbaus/Abbruchs 3

Sulfate in Bauschutt: Indikator für Gips Zement- und Betonherstellung - Reduktionsmittel (Chromatreduktion) - Beschleuniger (Betonzusatzmittel: Erstarren des Betons) 4

Hauptsulfatquelle in Bauschutt: gipshaltige Materialien (Innenausbau) - Putz - Estrich - Gipskartonplatten / Rigips 5

Ettringit: {Ca 6 [Al(OH) 6 ] 2 24H 2 O} [(SO 4 ) 3 2H 2 O] Sulfattreiben: Reaktion von Zementklinker (Calciumaluminathydrat) mit Sulfaten im ph-bereich von 9-12 Quelle: de.academic.ru deutliche Volumenvergrößerung stärkste Treibreaktion im Beton Gefügestörung Rissbildung Schädigung der Oberfläche typisches landkartenartiges Rissbild 6

Thaumasit: {Ca 6 [Si(OH) 6 ] 2 24H 2 O} [(SO 4 ) 2 (CO 3 ) 2 ] (ähnlich dem Ettringit) Reaktion von Sulfaten mit reaktiven SiO 2 und Carbonat - unterhalb von 15 C - ausreichend Wasser Volumenvergrößerung Gefügezerstörung Auflösung der Zementsteinmatrix Umwandlung in eine weiche, breiige Masse Quelle: steine-und-minerale.de 7

Schutz der Umwelt: eluierbares Sulfat minimieren Schutz des Grundwassers H 2 S Bildung im Boden verhindern 8

Ersatzbaustoffverordnung: (ErsatzbaustoffV) verschärfte Anforderung an Sulfatgehalt in Bauschutt Sortenreinheit/Qualität durch Separierung gewährleisten Einsatz entspr. Rückbau- und Aufbereitungsmaßnahmen 9

Beispiele aus der Praxis: RC-Gesteinskörnungen aus Altbeton (selektiver Rückbau) 600 500 Sulfat [mg/l] 400 300 200 100 0 B A B B B C E.-VO E.-VO* Z 1.1 Z 1.2 Z 2 DIN 4226-100 10

Neues Analyseverfahren in der Ersatzbaustoffverordnung Bisher: Schütteleluatverfahren (Wasser-Feststoffverhältnis von 10:1) bewährtes Verfahren Reproduzierbarkeit vorhanden Neu: Säuleneluatverfahren (Wasser-Feststoffverhältnis 2:1) soll größere Praxisnähe abbilden Vergleichbarkeit zwischen den Analysenverfahren durch Umrechnungsfaktor noch nicht möglich Reproduzierbarkeit umstritten Deponierecht weiterhin Schütteleluatverfahren 11

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben Optimierung des Rückbaus/Abbruchs von Gebäuden zur Rückgewinnung und Aufbereitung von Baustoffen unter Schadstoffentfrachtung (insbes. Sulfat) des RC- Materials sowie ökobilanzieller Vergleich von Primärund Sekundärrohstoffeinsatz inkl. Wiederverwertung 12

Zusammenfassung: Sulfate in Bauschutt Herkunft: Innenausbau - Putz - Estrich - Gipskartonplatten / Rigips Auswirkungen: Gefügeveränderung im RC-Beton - Ettringit-, Thaumasitbildung Bodeneintrag durch Auswaschung 13

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Noch Fragen? Kontakt: Dipl.-Ing. Jan Matyschik Bundesanstalt für Materialforschung und prüfung Fachgruppe IV.3: Abfallbehandlung und Altlastensanierung Richard-Willstätter-Str. 11 12489 Berlin E-Mail: jan.matyschik@bam.de Tel: +49 30 6392-5988 Fax: +49 30 6392-5917 14