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CYBERMOBBING DER INTERNETTERROR AN SCHULEN Auf der Internetseite Isharegossip werden Schüler zu Opfern von gemeinen Angriffen. Unbekannte beleidigen dort andere Schüler oder zeigen peinliche Fotos von ihnen. Es hat sogar schon gefährliche Drohungen gegeben. Weil das verboten ist, informiert jetzt die Polizei die Schüler über die Gefahren. Einige Schüler versuchen, die Internetseite mit ganz anderen Posts zu stören. Doch wirklich helfen kann nur ein Verbot von Isharegossip. MANUSKRIPT ZUM VIDEO Beschimpft, beleidigt, und jeder an der Schule kann es sehen. Das Berliner Carl-von- Ossietzky-Gymnasium in Alarmbereitschaft wie fast alle Schulen in Deutschland: Opfer am digitalen Pranger, gemobbt, für alle sichtbar via Handy, via Internet. Die Cyberwelt vergiftet die Realität. Auf der Internetseite Isharegossip kann jeder andere fertig machen geheim. Die Opfer der Attacken wissen nicht, wer dahinter steckt. Jeder könnte es gewesen sein. BERND SCHÖNBERGER (Schulleiter Carl-von Ossietzky-Gymnasium): Früher hat man solche Sprüche, wie man sie dort findet, auf Toiletten gefunden. Die konnte man übermalen. Jetzt müsste man virtuell übermalen können, und wie das richtig funktioniert, weiß noch niemand. Insofern ist das sehr perfide. 24 Stunden am Tag, Tag und Nacht kann jemand lesen, dass irgendjemand mich hasst. Hier in dieser Klasse war die letzte Attacke. Aufklärung ist gefragt. POLIZIST: Ich sage noch mal: Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung Alles Straftatbestände, erklärt Polizeihauptkommissar Scherbarth den Schülern die rechtlichen Konsequenzen von Mobbing. Er erklärt Opfern, wie sie sich schützen können. Krisenprävention nennt das die Berliner Polizei. Sie sucht gezielt den Kontakt zu Schulen, denn es ist auch schon zu brutalen Schlägereien gekommen wegen Mobbing im Internet. Ergebnis: Opfer wehren sich. 150 Beleidigungen wurden bereits angezeigt. Doch es gibt noch schlimmere Szenarien. Einige Schulen in Berlin haben Amokdrohungen erhalten, wie diese Schule in Pankow. Der Senat ist auf das Schlimmste vorbereitet. Seite 1 von 6

BEATE STOFFERS (Berliner Senat für Bildung, Wissenschaft und Forschung): Es gibt feste Notfallpläne. Die schreiben vor, wie eine Schulleitung zu agieren hat. Bei Amokdrohungen ist ganz klar, muss immer die Polizei eingeschaltet werden. Die wird über eine Bedrohungsanalyse feststellen, ob Gefahr im Verzug ist oder nicht. An seiner Schule gab es zum Glück noch keine Amokdrohung. Aber auch seine Schüler werden über Isharegossip gemobbt. Rektor Schönberger hat sich an die Schülersprecher gewandt. Sie sollten selbst etwas unternehmen, um gemobbten Schulkameraden zu helfen. Und sie machen das mit Humor, boykottieren die Seite statt [mit] bösem Klatsch mit ganz anderen Informationen. BEN (Schüler): Wir haben einfach uns gedacht, dass wir die bösen Posts von Isharegossip weg haben wollen. Dazu haben wir einfach massiv irgendwelche anderen Sachen darein gepostet, zum Beispiel Wikipedia-Artikel über die Tomate oder sonstiges, um einfach andere Sachen da hinzubekommen und die eigentlichen Sachen weg. Die Idee funktioniert. Die Seite war über Wochen frei von Klatsch. Das geht, weil nur 50 Einträge pro Schule angezeigt werden. Mittlerweile ist die Seite auf dem Index. Doch die Schüler fordern mehr, gehen damit an die Öffentlichkeit, treten im Fernsehen auf. TOBIAS (Schülersprecher): Die Seite Isharegossip hat überhaupt keine Daseinsberechtigung. Die ist absolut schrecklich. Man hat keine Kontrolle darüber, was im Internet über einen geschrieben wird, wo es landet, wer es liest, und daher muss was dagegen gemacht werden. Und da ist der Boykott der erste Schritt, den wir als Schüler tun können, aber langfristig muss auch ein Verbot her. Denn auf der Seite wird nicht nur mit Worten gemobbt, auch mit Bildern, die die Schüler entblößen, hinterhältig, anonym. CATARINA KATZER (Psychologin): Wir können zum Beispiel eindeutig zeigen, dass Cybermobbing, gerade wenn sie Videos, oder Fotos, die andere in peinlichen und unangenehmen Situationen zeigen oder auch Verprügelungsszenen, dass es so eine Art auch Trophäenjagd ist unter den Jugendlichen. Das heißt, wer hat das schlimmste, brutalste Video, oder wer hat die tollsten Nacktszenen seiner Freundin, die er ins Netz stellen kann. Das heißt, hier spielen auch so Anerkennungs- und Leistungsmotive 'ne gewisse Rolle. Seite 2 von 6

Die Soziologin Catarina Katzer forscht seit Jahren über Mobbing im Internet. Isharegossip zeige, wie die Cyberwelt in die Wirklichkeit überschwappe durch Amokdrohungen, brutale Schlägereien. Doch mittlerweile gehören Internetforen wie Facebook zur Realität. Für Schüler eine Realität genauso wie der Schulalltag. JAN (Schüler): Man geht auch im Unterricht mit den Handys die ganze Zeit zu Facebook und das ist halt so der soziale Netz, also soziale Kontaktpunkt über das Netz, wo eigentlich alle sind. Sie teilen dort ihre intimsten Gedanken mit, vergessen die Gefahr aus dem World-Wide- Web. LUISE (Schülerin): Ich bring Dich um, oder ich komm in der Nacht und töte Dich und so was. Wenn so was jemand schreiben würde über mich, dann hätte ich richtig Angst, weil man weiß ja nicht wer es war und wie krank der ist. Solche Drohungen auf der Isharegossip-Seite verändern den Schulalltag auf dem Carlvon-Ossietzky-Gymnasium. Denn die Plattform agiert perfide. BERND SCHÖNBERGER: Es ist gemein, es über die Schulen zu organisieren. Die Schulen sind normalerweise Schutzräume, die manches, das aus der Gesellschaft auf die Jugendlichen eindringt, außen vor halten. Und hier dringt man in diesen Schutzraum ein. Die Schulen versuchen ihre Schüler zu schützen, sie stark zu machen für die Cyberwelt, mit der sie so selbstverständlich aufwachsen. Denn der nächste Angriff kommt bestimmt. Seite 3 von 6

GLOSSAR Mobbing, das das ständige seelische Verletzten einer Person, z.b. durch Beschimpfungen oder Drohungen (Verb: mobben) Cybermobbing, das das Mobbing im Internet Post, der (aus dem Englischen) ein Text, den jemand in einem Internet-Forum schreibt Alarmbereitschaft die Tatsache, dass jemand vorbereitet ist, um im Notfall sofort Hilfe leisten zu können jemand steht am Pranger hier: jemand wird öffentlich beleidigt via etwas hier: durch/mit etwas jemanden fertig machen hier: jemanden seelisch verletzen; jemanden mobben hinter etwas stecken umgangssprachlich für: für etwas verantwortlich sein Spruch, der etwas Gesagtes oder Geschriebenes virtuell hier: im Internet perfide auf besonders gemeine Art und Weise; hinterhältig Attacke, die der Angriff etwas ist gefragt hier: etwas ist notwendig üble Nachrede, die die Tatsache, dass schlecht über jemanden geredet wird Verleumdung, die die Tatsache, dass jemand öffentlich etwas Negatives über jemanden sagt, obwohl er/sie weiß, dass es nicht wahr ist Straftatbestand, der eine schlimme Tat, die durch das Gesetz verboten ist Seite 4 von 6

rechtliche Konsequenz, die hier: die gesetzliche Strafe, die für eine Straftat gilt Krisenprävention, die der Versuch, jemanden/etwas vor einer schwierigen Situation zu schützen Schlägerei, die eine Situation, in der sich viele Menschen gegenseitig schlagen etwas/jemanden anzeigen der Polizei mitteilen, dass jemand ein Verbrechen begangen hat Szenarium, das hier: die Vorstellung eines möglichen Zustands in der Zukunft Amokdrohung, die die Ankündigung, mit einer Waffe möglichst viele Menschen zu töten Notfallplan, der die Idee, wie jemand auf einen Notfall reagieren kann agieren handeln einschalten hier: informieren Gefahr im Verzug die Tatsache, dass es zu einem Schaden kommt, wenn nicht jemand zur Hilfe geholt wird Rektor/in, der/die der/die Direktor/in einer Schule Schülersprecher/in, der/die ein/eine Schüler/in, der/die von den anderen Schülern einer Schule gewählt worden ist, um ihre Interessen zu vertreten boykottieren etwas aus Protest nicht mehr kaufen oder machen Klatsch, der umgangssprachlich für: etwas Negatives, dass jemand über jemanden erzählt, wenn er nicht dabei ist massiv umgangssprachlich für: pausenlos; viel Index, der hier: eine Liste von Internetseiten, die vom Gesetz verboten sind Seite 5 von 6

im Fernsehen auftreten hier: sich öffentlich im Fernsehen zeigen Daseinsberechtigung, die das Recht darauf, zu existieren jemanden entblößen jemanden öffentlich seelisch verletzen hinterhältig gemein anonym so, dass man seinen Namen nicht nennt; unbekannt Verprügelungsszene, die hier: eine gefilmte Situation, in der sich Menschen schlagen Trophäe, die die Auszeichnung des Siegers bei einem Wettkampf etwas ins Netz stellen etwas im Internet veröffentlichen, z.b. ein Bild oder einen Text Motiv, das hier: der Grund für eine Handlung Soziologe/Soziologin, der/die jemand, der beruflich das Zusammenleben einer Gesellschaft untersucht etwas schwappt über hier umgangssprachlich für: etwas tritt über eine Grenze Internetforum, das eine Internetseite, auf der sich Menschen mit ähnlichen Interessen unterhalten intim sehr persönlich; sehr privat etwas dringt auf jemanden ein hier: etwas belästigt oder bedroht jemanden etwas/jemanden außen vor halten etwas/jemanden abwehren; etwas/jemanden ausschließen Autor: Annabelle Lutz /Matthias Mayr Redaktion: Raphaela Häuser Seite 6 von 6