Prof. Dr. Anton Maas

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Transkript:

EnEV 2014 im Detail Wirtschaftlichkeit der energetischen Anforderungen Prof. Dr. Anton Maas Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 1

Referenzbau- und -anlagentechnik für Wohngebäude EnEV 2009 (wesentliche Komponenten) Dach U ref = 0,20 W/(m 2 K) Außenwand U ref = 0,28 W/(m 2 K) Fenster U ref = 1,30 W/(m 2 K) g ref = 0,6 Solarkollektor- Unterstützung Warmwasserbedarf Wärmebrücken U WB = 0,05 W/(m 2 K) Abluftanlage Kellerwand U ref = 0,35 W/(m 2 K) Bodenplatte/Kellerdecke U ref = 0,35 W/(m 2 K) Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 2 Heizung u. Warmwasser Ref. Brennwerttechnik 55/45 C

Höchstwert Jahres-Primärenergiebedarf gemäß EnEV 2014 bis 2016 Schritt 1: Gebäudeentwurf -Ausrichtung (Orientierung) e - Geometrie (Abmessungen) - Bauteilflächen Schritt 2: Berechnung von Q P,Referenz mit Wärmeschutz und Anlagentechnik gem. Referenzanforderungen Schritt 3: Berechnung von Q P,vorh mit Wärmeschutz und Anlagentechnik gem. tatsächlicher Ausführung Q P,max = Q P,Referenz Q Q P,vorh Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 3

Höchstwert Jahres-Primärenergiebedarf gemäß EnEV 2014 ab 2016 Schritt 1: Gebäudeentwurf -Ausrichtung (Orientierung) e - Geometrie (Abmessungen) - Bauteilflächen Schritt 2: Berechnung von Q P,Referenz mit Wärmeschutz und Anlagentechnik gem. Referenzanforderungen minus 25% Schritt 3: Berechnung von Q P,vorh mit Wärmeschutz und Anlagentechnik gem. tatsächlicher Ausführung Q P,max = 075*Q 0,75 P,Referenz Q Q P,vorh Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 4

Höchstwerte des spezifischen Transmissionswärmeverlusts bei Wohngebäuden bis 2016 Zeile Gebäudetyp Höchstwerte des spezifischen Transmissionswärmeverlusts 1 Freistehendes Wohngebäude mit A N 350 m² H =0,40 2 T W/(m K) mit A N > 350 m² H T = 0,50 W/(m 2 K) 2 Einseitig angebautes Wohngebäude H T = 0,45 W/(m 2 K) 3 alle anderen Wohngebäude H T = 0,65 W/(m 2 K) 4 Erweiterungen und Ausbauten von Wohngebäuden gemäß 9 Abs. 5 H T = 0,65 W/(m 2 K) Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 5

Höchstwerte des spezifischen Transmissionswärmeverlusts bei Wohngebäuden ab 2016 H T max 2016 = H T Referenzgebäude 2009 Der spezifische Transmissionswärmeverlust darf dabei die Höchstwerte der Anforderung gg gemäß EnEV 2009 (vorherige Tabelle) nicht überschreiten! Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 6

Referenzbautechnik für Wohngebäude EnEV 2009 Ist die Nebenanforderung baulicher Wärmeschutz H T in 2016 Dach U ref = 0,20 W/(m 2 K) Fenster U ref = 1,30 W/(m 2 K) g ref = 0,6 Außenwand U ref = 0,28 W/(m 2 K) Wärmebrücken U WB = 0,05 W/(m 2 K) Kellerwand U ref = 0,35 W/(m 2 K) Bodenplatte/Kellerdecke U ref = 0,35 W/(m 2 K) Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 7

Begleitgutachten zur EnEV-Novellierung Untersuchung zur weiteren Verschärfung der energetischen Anforderungen an Gebäude mit der EnEV 2012 Anforderungsmethodik, Regelwerk und Wirtschaftlichkeit (BMVBS-Online-Publikation, Nr. 05/2012) Ergänzungsuntersuchungen zum Wirtschaftlichkeitsgutachten hk it t ht für die Fortschreibung der Energieeinsparverordnung (BMVBS-Online-Publikation, Nr. 30/2012) Bearbeitung: Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser GmbH, Kassel (Projektleitung) Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Abt. Wärmetechnik, Stuttgart ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung, Dresden schiller-engineering, Hamburg Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 8

Verfahren der Energiebedarfsberechnung Wohngebäude: DIN V 4108-6 / DIN V 4701-10 Nichtwohngebäude: DIN V 18599 Randbedingungen zu Energiebedarfsberechnung Primärenergiefaktor Strom: f P,2016 =18 1,8 Klimadatensatz: Potsdam (neues Referenzklima) Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 9

Verfahren für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen Beurteilungsverfahren: Amortisationszeit (Kriterium zur Risikoabschätzung des Kapitaleinsatzes) Ziel: Amortisationsdauer < Nutzungsdauer Randbedingungen zu Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen Angenommene mittlere Nutzungsdauer beträgt 20 Jahre Energiepreissteigerung: 1,3 % (inflationsbereinigt) Kapitalzins: 3,5 % Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 10

Bauteilkosten opake Bauteile 250 200 Bauteilko osten [ /m m²] 150 100 50 0 Bauteilkosten Flachdach Bauteilkosten Außenwand (WDVS) Bauteilkosten oberste Geschossdecke Bauteilkosten Schrägdach/Kehlbalkendecke Bauteilkosten Kellerdecke / erdreichberührte Bauteile 0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 U-Wert [W/(m²K) Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 11

Bauteilkosten - Fenster U-Wert [W/(m 2 K)] 1,3 0,95 Bauteilkosten [ /m 2 ] 251 301 Planungsmehrkosten Wärmebrücken 1.000 Mehrkosten L/W-Wärmepumpe ggü. Brennwert+Solar EFH: 3.200 bis 6.400 Mehrkosten geregelte ggü. ungeregelte Abluftanlage EFH: 1.000 MFH: 600 /WE Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 12

Reduktion des Jahres-Primärenergiebedarfs EFH Bungalow Doppelhaushälf te Nord mit Keller Doppelhaushälf te Nord Doppelhaushälf te Süd mit Keller Primärenergie Qp EnEV 2016 BW + Solar Primärenergie Qp EnEV 2016 Wärmepumpe Doppelhaushälf te Süd EFH groß mit Keller EFH groß EFH klein mit Keller EFH klein MFH groß MFH klein Reihenmittelhaus mit Keller Reihenmittelhaus Singleapartments -60% -40% -20% +0% Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 13 2016 ca. 30 40 %

Amortisationszeiten Wohngebäude EnEV 2014 Anforderungen 2016 BW + Solar Wärmepumpe keine EFH Bungalow 55 a Amortisation DHH Nord mit Keller 42 a 46 a DHH Nord 57 a > 100 a DHH Süd mit Keller 43 a 61 a Doppelhaushälfte Süd 58 a > 100 a EFH groß mit Keller 34 a sofort EFH groß 33 a 52 a EFH klein mit Keller 39 a 33 a EFH klein 73 a > 100 a MFH groß 42 a 19 a MFH klein 79 a 25a Reihenmittelhaus mit Keller 41 a > 100 a Reihenmittelhaus 83 a > 100 a Singleapartments > 100 a 56 a Amortisationszeit eingehalten Amortisationszeit etwas überschritten Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 14

Deckungsfehlbeträge Wohngebäude 2016 EnEV 2016 BW + Solar Wärmepumpe p EFH Bungalow 27,9 /m² keine Angabe DHH Nord mit Keller 12,1 /m² 3,9 /m² DHH Nord 20,2 /m² 19,6 /m² DHH Süd mit Keller 12,6 /m² 4,9 /m² Doppelhaushälfte Süd 19,7 /m² 19,1 /m² EFH groß mit Keller 8,7 /m² 0,0 /m² EFH groß 86 / 8,6 /m² 11,5 /m² EFH klein mit Keller 12,1 /m² 3,1 /m² EFH klein 27,9 /m² 24,3 /m² MFH groß 11,0 /m² 0,00 /m² MFH klein 20,2 /m² 1,1 /m² Reihenmittelhaus mit Keller 9,0 /m² 2,9 /m² Reihenmittelhaus 19,99 /m² 14,5 /m² Singleapartments 22,5 /m² 7,3 /m² Mittelwert 16,6 /m² 9,4 /m² Absolutbetrag DHH Nord 2014: 3.300 Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 15

Amortisationszeiten Wohngebäude EnEV 2014 Ohne Mehrkosten Wärmebrücken, WW- Anforderungen 2016 Zirkulation, Regelung g LA BW + Solar Wärmepumpe BW + Solar keine EFH Bungalow 55 a Amortisation DHH Nord mit Keller 42 a 46 a 23 a DHH Nord 57 a > 100 a DHH Süd mit Keller 43 a 61 a Doppelhaushälfte Süd 58 a > 100 a EFH groß mit Keller 34 a sofort 24 a EFH groß 33 a 52 a EFH klein mit Keller 39 a 33 a EFH klein 73 a > 100 a MFH groß 42 a 19 a MFH klein 79 a 24,7 a Reihenmittelhaus mit Keller 41 a > 100 a 20 a Reihenmittelhaus 83 a > 100 a Singleapartments > 100 a 56 a Amortisationszeit eingehalten Amortisationszeit etwas überschritten Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 16

Einfluss der Energiepreissteigerung und des Zinssatzes auf die Amortisationszeit EFH klein - m. Keller DHH Nord - m. Keller 50 50 ortisations szeit [a] 40 30 20 p = 3,5 % Kapitalzins p = 2% p = 5 % ortisations szeit [a] 40 30 20 p = 3,5 % Kapitalzins p = 2% p = 5 % Am 10 Am 10 0 0 1 2 3 4 5 Energiepreissteigerung [%] 0 0 1 2 3 4 5 Energiepreissteigerung [%] Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 17

Jahres-Primärenergiebedarf 2009 / 2016 für Nichtwohngebäude Büro - klein Schule - klein Hotel - klein Turnhalle Bürohochhaus klimatisiert Schule EnEV 2009 EnEV 2016 Fertigungshalle Kindertagesstätte 0 50 100 150 200 [kwh/(m²a)] 250 300 Reduktionen 2009 2016: Ø 30 % Jahres-Primärenergiebedarf Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 18

Amortisationszeiten Nichtwohngebäude Anforderungen 2016 Büro - klein Schule - klein Hotel - klein Turnhalle Bürohochhaus Schule Fertigungshalle Amortisationszeit it 2016 Kindertagesstätte 0 5 10 15 20 Amortisationszeit [a] Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 19

Fazit Wohngebäude - Bisherige Referenzanlagentechnik in Verbindung mit verbessertem Wärmeschutz auch in 2016 umsetzbar - Potenziale für den Einsatz von (Luft/Wasser) Wärmepumpen zeichnen sich deutlich ab - Verbesserte Lüftungstechnik kommt vermehrt zum Einsatz - Bautechnische Detaillösungen (Wärmebrücken) gewinnen mehr an Bedeutung - Anspruchsvolle Bedarfsreduktionen werden umgesetzt und zeigen den Weg zum Niedrigstenergiegebäude auf Nichtwohngebäude - Bedarfsreduktionen von rd. 30 bis 35 % sind wirtschaftlich umsetzbar - Praktische Konsequenz wird der Einsatz erneuerbarer Energien bei der Gebäudebeheizung sein Wirtschaftlichkeit EnEV 2014 - Folie 20