Was sind Implantate? Unter Implantaten in der Zahnheilkunde versteht man den Ersatz verlorengegangener Zähne mittels Schrauben aus Titan oder Zirkonoxid. Implantat aus Titan Implantat aus Zirkonoxid Implantate können angezeigt sein, um einzelne Zähne zu ersetzen. Sie sind es immer dann, wenn die Nachbarzähne klinisch gesund oder mit Restaurationen versorgt sind, welche durch einen Brückenzahnersatz unverhältnismäßig stark geschädigt würden. Das Abschleifen von Zähnen für Kronen, Brücken oder herausnehmbaren Zahnersatz (Prothesen) stellt noch immer ein großes Trauma dar. Einzelzahnlücke im Oberkiefer Das Implantat im Modell Implantat im Röntgen- Bild Implantate sind auch angezeigt, wo durch Zahnverlust sogenannte einseitige Freiendlücken entstanden sind. Auch in diesen Fällen wäre die Anfertigung eines herausnehmbaren Zahnersatzes ein unverhältnismäßiges Trauma für die Zähne, die zur Verankerung der Prothese herangezogen werden müßten. Einseitige Freiendlücke im Oberkiefer, geschlossen Mit drei Implantaten, welche Kronen tragen (Photo Dr. Fischer) Implantate sind darüber hinaus angezeigt, wenn durch Zahnverlust große sog. Schaltlücken entstanden sind, das heißt, daß eine Lücke so sehr ausgedehnt ist, daß eine Brücke nicht angefertigt werden kann, ohne die die Lücke begrenzenden Zähne zu
überlasten. Hier dient also die Implantation künstlicher Zahnwurzeln der Vermehrung der Pfeiler, um einen Brückenzahnersatz physiologisch anfertigen zu können. Große Schaltlücke nach operat. Zahnentfernung Zum Schließen der Lücke wurden zwei Implantate gesetzt, auf welche nach dem Einheilen Kronen angefertigt wurden Implantate sind indes vor allem in solchen Fällen angezeigt, wo sehr viele oder gar alle Zähne verlorengegangen sind. In diesen Fällen bietet die zahnärztliche Implantologie eine Fülle von Möglichkeiten, einen herausnehmbaren Zahnersatz so zu gestalten, daß dieser sowohl in ästhetischer, vor allem jedoch in funktioneller Hinsicht hervorragende Ergebnisse zeitigt. Die eingeheilten Implantate mit den Kronenaufbauten Der darauf eingesetzte Zahnersatz Beim zahnlosen Kiefer liegen sehr häufig so schlechte Knochenverhältnisse vor, daß ein kaufunktionell auch nur befriedigendes Behandlungsergebnis in vielen Fällen nicht mehr zu erreichen ist. Stegkonstruktion auf vier Implantaten bei starkem Knochenabbau im Unterkiefer Kugelanker zur Befestigung einer totalen Pro these im Unterkiefer bei starkem Knochenabbau Implantate sind bei sachgerechter Durchführung außerdem ein Schutz vor vorzeitigem und weitergehendem Knochenschwund.
Was tun bei schlechten Knochenverhältnissen? Längst nicht immer ist das Knochenangebot für eine erfolgreiche Implantation ausreichend, sei es, daß im Rahmen der Zahnentfernung sehr viel Knochen in der Höhe und / oder der Breite verlorengegangen ist, sei es, daß wegen eines langen Zeitraums der Nichtversorgung der Knochen atrophiert ist, wie wir Zahnärzte das ausdrücken, sei es, daß der Kieferknochen unter dem Druck einer nicht ausreichend abgestützten Prothese geschwunden ist oder infolge einer über viele Jahre getragenen Totalprothese, der Kiefer extrem geschwunden ist. Unabhängig von der Ursache des Knochenschwundes, muß vor einer Implantation oder während derselben durch entsprechende Behandlungsmaßnahmen dafür Sorge getragen werden, daß das oder die Implantate in einem ausreichend tiefen und breiten Knochenbett sitzen. Die Folgen eines fortschreitenden Knochenschwundes sind in den beiden folgenden Graphiken dargestellt: Folgen des Knochenschwundes im Oberkiefer Folgen des Knochenschwundes im Unterkiefer Um verlorenen Knochen zu ersetzen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: - Ersatz des Knochens durch körpereigenes Gewebe - Ersatz des Knochens durch fremdes Gewebe / Material - - Spenderknochen menschlicher Herkunft - - Knochen boviner Herkunft (vom Rind) - - synthetisch hergestelltes Knochenersatzmaterial Von vielen wird der körpereigene Knochen noch immer als das non plus ultra angesehen, wenngleich die medizinische Forschung längst synthetisch hergestellte Materialien bereitstellt, welche körpereigenes Knochenmaterial nicht mehr vermissen lassen. Die Entnahme von köpereigenem Knochen in großen Mengen erfordert immer einen operativen Eingriff an einer anderen Stelle als am Implantationsgebiet, was nicht selten mit erheblichen postoperativen Beschwerden einhergeht. Spenderknochen menschlicher oder tierischer Herkunft gibt nie allerletzte Sicherheit vor möglichen Krankheitsübertragungen. Der Vorteil bei synthetisch hergestellten Knochenersatzmaterialien ist, daß sie absolut steril vorliegen und in beliebiger Menge verfügbar sind. Diese Materialien werden im Laufe von Monaten durch zelluläre Vorgänge im OP-Gebiet zu vitalem menschlichen Knochen umgebaut.
In vielen Fällen ist es notwendig, Monate vor der eigentlichen Implantation erst das Knochenbett für die Aufnahme von Implantaten vorzubereiten, was immer bedeutet, daß zwei Eingriffe notwendig sind. Die klassische Situation fehlenden Kieferknochens findet sich sehr oft im Seitenzahngebiet des Oberkiefers, wo vor allem nach Jahre zurückliegendem Zahnverlust die Kieferhöhlen sich auf Kosten des Kieferknochens extrem vergrößern und die Höhe des vorhandenen Knochens für eine Implantation nicht ausreicht. In diesen Fällen kann eine Transplantation von Knochen oder Knochenersatzmaterialien unter die Kieferhöhlenschleimhaut für ein sehr gutes Implantatlager sorgen. Extrem stark belüftete Kieferhöhle mit äußerst geringem Knochenangebot Aufnahme nach Transplantation von Knochenersatzmaterial unter die Kieferhöhlenschleimhaut In ein derart vorbereitetes OP-Gebiet kann nach einer Einheilzeit von9 12 Monaten implantiert werden: Kontrollaufnahme nach Implantation (Photo Dr. Fischer) Auch infolge fortschreitender parodontaler Erkrankungen können Zähne verloren gehen und bisweilen große knöcherne Defekte daraus resultieren. Die beiden folgenden Röntgenbilder zeigen eine solche Parodontalerkrankung, welche zum Zahnverlust führte und das Behandlungsergebnis nach Ersatz des verlorenen Kieferknochens; es ist nunmehr möglich, in gereiften Kieferknochen Implantate zur Anfertigung eines festsitzenden Zahnersatzes zu inserieren:
Große parodontale Schäden im Kieferknochen vollständig eingeheilte Knochentransplantate (synthetisch hergestelltes Knochenersatzmaterial) nach Zahnentfernung In den meisten Fällen sind es jedoch nur kleinere Knochendefizite, welche im Rahmen der Implantation aufgefüllt werden können. Bei derart begrenzten Konchendefekten wird die Phase der Reifung des transplantierten Knochens oder Knochenersatzmaterials in die Zeit, welche das Implantat zum Einheilen braucht, gelegt. In der folgenden Zeichnung ist eine solche Situation beispielhaft wiedergegeben: Der Pfeil zeigt auf die sog. Fenestration; es liegen einige Gewindegänge des Implantats frei, welche mit Augmentat abgedeckt werden müssen. (Zeichnung Dr. Fischer) Der kleine Knochendefekt im Bereich des Implantatgewindes, welchen wir Fenestration (Fensterung) nennen, wird entweder mit körpereigenem oder mit synthetisch hergestellten Knochenmaterial aufgefüllt (augmentiert) und mit einer Membran abgedeckt, welche im Laufe von Monaten vollständig resorbiert wird. Wann kann implantiert werden? Wir unterscheiden drei Stadien des Implantationszeitpunkts: 1. Die Sofortimplantation 2. Die verzögerte Sofortimplantation 3. Die Spätimplantation Zu 1. Sofortimplantation Unter Sofortimplantation verstehen wir wie der Name schon sagt die Implantation sofort nach der Zahnentfernung. Da die Form der Implantate nie ganz mit der Form des leeren Zahnfachs (Alveole) nach der Extraktion übereinstimmt, muß eigentlich immer im Rahmen des Einbringens des Implantats Knochen oder Knochenersatzmaterial zusätzlich eingebracht werden. Die Sofortimplantation hat den Vorteil, daß - zumindest
dann, wenn der extrahierte Zahn regelrecht im Kiefer gestanden hatte die Insertionsrichtung des Implantats vorgegeben ist. Wichtige Voraussetzung für eine Sofortimplantation ist allerdings, daß die wesentlichen Anteile der Knochenwände, vor allem aber die äußere, welche zur Wange oder zur Lippe hinzeigt, erhalten wurden. Im allgemeinen stellt eine Sofortimplantation eher sehr hohe Anforderungen an das chirurgische Können des implantierenden Arztes. Zu 2. Verzögerte Sofortimplantation Bei der verzögerten Sofortimplantation wird 6 8 Wochen nach der Zahnentfernung implantiert, um die Heilung der Weichgewebe abzuwarten. Dies hat den großen Vorteil, daß der Wundverschluß (Naht etc.) weitaus problemloser vonstatten gehen kann. Außerdem hat sich in den Wochen des Abwartens das Blutkoagulum in der Extraktionswunde schon etwas stabilisiert, sodaß man in jungen, wenngleich noch nicht gereiften, Knochen implantieren kann. In der Regel ist auch bei der verzögerten Sofortimplantation mit Maßnahmen zu rechnen, welche das Knochenlager für das Implantat verbessern (Augmentation). Zu 3. Spätimplantation Der weitaus häufigste Zeitpunkt der Implantation ist die Spätimplantation, d.h. daß wenigstens ¼ Jahr bis 4 Monate nach der Extraktion oder aber zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt implantiert wird. Meist liegt bei Spätimplantationen der Zeitpunkt des Zahnverlustes Jahre zurück. Die Spätimplantation ist in der Regel die risikoloseste Form der Implantation, weil hier vollständig ausgereifter Knochen vorliegt. Allerdings hat man bei Spätimplantationen nicht selten mit einem verringerten Knochenangebot zu tun. Die Augmentationsverfahren wurden weiter oben beschrieben. In der vorliegenden kleinen Zusammenfassung sollte dargestellt werden, wann, womit, warum und unter welchen Voraussetzungen Implantate in einen Kiefer eingebracht werden können oder sollten. Genaue Informationen über individuelle Situationen sind stets einer genauen Untersuchung und Befunderhebung vorbehalten. Auch über die Kosten einer Implantatbehandlung sowie über mögliche Zuschüsse seitens der verschiedensten Kostenträger kann erst nach sorgfältiger Untersuchung und nach Erstellen eines individuellen Heil- und Kostenplanes eine seriöse Aussage gemacht werden.