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"50 % Streit + 50 % Liebe" Christine Nöstlinger: Geschichten vom Franz oder Wie der Franz die Gabi liebt für die Bühne bearbeitet von Rainer Hertwig - 4 D 5 H (Doppelbesetzungen möglich), ab 6 Jahren, UA: Theater auf Tour 2006 Der Franz findet nämlich, dass es besser ist, ein Bub zu sein. Und dass sich ein Mädchen freuen kann, wenn man es für einen Buben hält. Und dass sich ein Bub kränken muss, wenn man ihn für ein Mädchen hält. Doch damit wäre die Gabi nicht einverstanden. Sie würde sich an die Stirn tippen und Du Depp, du spinnst ja sagen. Und dann müsste der Franz Selber Depp, du zurück schimpfen. Und dann würde ihn die Gabi in den Bauch zwicken. Und dann müsste der Franz ihr einen Tritt geben. Und das wäre dann ein echter Streit. Und der wäre nicht gut. Vom Franz kann man noch viel mehr kluge Dinge lernen. Nicht nur wie man am besten nicht-streitet, sondern auch, wie man mutig sein kann, wie man jemanden wirklich lieb haben kann oder wie man das Piepsen besiegt. Am Ende weiß man ganz sicher, dass es keinen Grund braucht, um eine Freundin lieb zu haben auch wenn der Papa das natürlich nicht versteht, weil die Gabi dem Franz nämlich dreimal die Woche Kummer macht. Alle Rechte beim Verlag für Kindertheater Weitendorf GmbH, Max-Brauer-Allee 34 22765 Hamburg Tel: 0049 (0)40 607909916 E-Mail: kindertheater@vgo-kindertheater.de www.kindertheater.de 1

2. Regen Gabi und Franz in Richtung Schule. Es regnet ein wenig. Gabi starrt auf Franzens kurze Haare. FRANZ: Was schaust du so blöd. GABI: Mit den Locken warst du ein viel schönerer Franz! FRANZ: Da bin ich aber lieber weniger schön und mehr wie ein Bub. GABI: Kann dir doch wurscht sein, wenn dich die Gemüsefrau für meine Schwester hält. FRANZ: Nein, das regt mich auf! Das macht mich wild! GABI: Ich würde mich freuen, wenn mich die Gemüsefrau für deinen Bruder halten würde. Das wäre doch lustig! FRANZ: Das wäre etwas anderes. GABI: Wieso denn? FRANZ: Ein Mädchen kann sich freuen, wenn es für einen Bub gehalten wird. GABI: Ach? FRANZ: Und wenn man einen Bub für ein Mädchen hält, ist das kränkend. GABI: Die Sandra sagt: Frauen sind eh das schönere Geschlecht. FRANZ: irritiert Und wer ist diese Sandra? GABI: weicht aus Kennst du nicht. FRANZ: Bestimmt auch so ein launisches Biest. GABI: Du Depp, du spinnst ja. FRANZ: Selber Depp. GABI: Piepsmaus! Franz beißt sich auf die Zunge. Beide gehen einen Moment schweigend nebeneinander her. GABI: Was war eigentlich los heute morgen? FRANZ: ärgerlich Ich bin über ein paar Pantoffeln gestolpert. GABI: Das war alles? FRANZ: Ungefähr. Plötzlich beginnt ein heftiger Wolkenbruch. Franz will sich unter einem Torbogen unterstellen. 2

GABI: nimmt ihre Schultasche über den Kopf. Komm schon, wir sind eh spät dran. Sie zieht den Franz mit sich Richtung Schule. Ab. 3. Total verkühlt Franz kommt klatschnass am Schulzimmer an. Er ist zu spät, gerade werden die Hefte eingesammelt. Er rennt auf seinen Platz, sehr aufgeregt, weil es ihm unangenehm ist. ZICKZACK: Flott, flott, fix, fix, nicht trödeln. Er tritt zu Franz. Dein Heft, Franz! Franz fällt das Malheur von heute morgen wieder ein. Er wird noch aufgeregter und zieht den Brief seines Vaters hervor. Leider ist er pittschnass, man kann gar nichts mehr erkennen. ZICKZACK: Was soll das? FRANZ: mit piepsiger Stimme. Hat mein Papa geschrieben! ZICKZACK: Was heißt das? FRANZ: Dass es meinem Heft so ergangen ist wie dem Brief. ZICKZACK: Rede vernünftig. FRANZ: Über die Pantoffeln bin ich gestolpert. ZICKZACK: laut Über welche Pantoffeln? Franz kann nun vor Aufregung gar nichts mehr sagen. Er räuspert sich, aber er kann nur noch krächzen. Je mehr er sich anstrengt, um so schwieriger wird es. ZICKZACK: Im Regen verkühlt! Total verkühlt! Er nimmt ein Tafelwischtuch und legt es dem Franz um den Hals. Hinsetzen, Mund halten, kein Wort reden. Franz setzt sich. Eine verkühlte Stimme muss man schonen, sonst kann man wochenlang heiser sein. 4. Ein Superrat Franz sitzt mit seiner Familie am Esstisch, gerade hat er ihnen von seinem Vormittag 3

berichtet. PAPA: So ein Schlammassel. Wie lange willst du damit rumlaufen? Er zeigt auf das Wischtuch. Franz nimmt ärgerlich ab. MAMA: Du kannst doch nicht bis zum Schulabschluss heiser bleiben! Einmal musst du ihm doch sagen, dass das Heft baden gegangen ist! FRANZ: Aber nicht gleich morgen. PAPA: Aufschieben bringt nix. MAMA: Sei doch nicht immer so ein Hasenfuß. JOSEF: So was von zittrigem Borstenvieh. Macht sich wegen jedem Pups in den Kies gleich in die Hose. FRANZ: Ich kann ja doch nichts ändern, dass ich stumm werde, wenn der Zickzack brüllt. JOSEF: Klar kannst du das ändern, Borstenvieh. Musst dich eben überwinden! FRANZ: Du hast leicht reden. Du musst dich ja nie überwinden. Höchstens mal dazu, den Mund zu halten. JOSEF: Jetzt schleich dich, Zwerg. Franz rennt rüber zur Gabi. Als er klingeln will, geht die Tür bereits auf. Sandra kommt raus und wird von Gabi herzlich mit Bussis verabschiedet. SANDRA: Ab jetzt komme ich oft zu dir, Liebling! FRANZ: leise Bloß nicht. GABI: Klasse, Liebling. Sandra verschwindet, Franz ist sichtlich zurückhaltend. FRANZ: Wer war das? GABI: Die Sandra, meine neue Freundin. FRANZ: Du brauchst doch keine neue Freundin. Ich bin dein Nachmittags-Freund. Das reicht. GABI: Das reicht nicht. Du hast doch auch noch Eberhard, die fette Quatsch-Qualle. Deinen "Seelenbruder". FRANZ: Auf den Eberhard lass ich nichts kommen. Das ist was anderes. GABI: Und die Sandra ist meine Vormittags-Freundin aus meiner Klasse, wie der Eberhard dein Vormittags-Freund ist. FRANZ: Aber jetzt ist doch nachmittag. 4

GABI: Manchmal kann eine Vormittags-Freundin auch mal nachmittags vorbei kommen. Franz fällt nichts mehr darauf ein. GABI: Na was gibt s? Willst du Zwetschgenkuchen? FRANZ: fällt sein Problem wieder ein. Du weißt doch, dass ich vor lauter Aufregung immer eine piepsige Stimme bekomme und heute früh in der Schule, als ich dem Zickzack alles erklären wollte, mit meinem nassen Heft und so, da war der Brief von meinem Vater völlig nass. Wegen dem Regen. Da hab ich grad gar kein Wort mehr herausgebracht. GABI: Und was hat der Zickzack gesagt. FRANZ: Wie ich da gestanden habe und nur noch krächzen konnte, hat er geglaubt, ich hätte mich verkühlt. Da hat er mir einen Tafellappen um den Hals geschlungen und gesagt, ich soll kein Wort mehr reden. GABI: findet die Vorstellung lustig. Das ist aber doch auch quatschig, dass du immer so rumpiepst, wenn du dich aufregst. FRANZ: Der Josef sagt, ich muss mich nur überwinden. Der redet sich leicht. Der muss sich höchstens überwinden einmal den Mund zu halten. Der ist der frechste Bub in seiner Schule. Ich wünschte, ich hätte was davon. GABI: Moment. Ich glaub ich hab da einen Superrat. Beide gehen in die Wohnung. 5