Anna Becker Götter, Wesen & Dämonen Kurzgeschichten LESEPROBE 2012 AAVAA Verlag Alle Rechte vorbehalten Alle Personen und Namen innerhalb dieses Romans sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Die spinnen, die Griechen Unsterblichkeit ist ja schön und gut aber so ganz ohne Menschen und Tiere macht sie wirklich keinen Spaß. Seit der Sache mit der Bombe war es auf der Welt ruhig geworden. Zu ruhig. Diese Waffe hat alle Lebewesen vernichtet, jedoch Pflanzen und Gebäude stehen lassen. Auf einmal hatten wir niemanden mehr zum Spielen, Ärgern, Vernichten oder Verlieben. Wir hatten nur noch uns und unendlich viel Zeit. Okay, Hades hatte eine Menge zu tun, am Anfang, als alle über den Styx in die Unterwelt fuhren. Das war ein logistischer Aufwand ich sag Ihnen! Doch dann klappte es reibungslos mit der Verwaltung der Toten und er widmete sich leidenschaftlich seiner Frau Persephone und der Dekoration ihres neuen Palastes. Es machte mich ganz neidisch, wenn andere umziehen oder einfach nur cool umherziehen durften. Wir, der engste Familienkreis, hockten immer noch auf dem Olymp, während die anderen entfernten Verwandten wie die Musen, Nymphen, Grazien, Schicksalsgöttinnen oder Jahreszeiten es sich in Traumvillen an der Côte d Azur, an der italienischen Riviera, auf Bora Bora, Bali oder Hawaii gemütlich gemacht hatten. Die ganzen Halbgötter waren in die großen Städte gezogen und amüsierten sich in den Clubs von London, New York, Los Angeles, Paris, Moskau und Berlin. Die hatten vielleicht ein Leben! Nicht so wir auf dem Olymp. Wir das sind die zwölf höchsten, die Top of the Tops: Zeus, Poseidon, Hera, Demeter, Apollon, Athene, Ares, Aphrodite, Hermes, Hephaistos, Hestia und meine Wenigkeit, Artemis. Wir besannen uns auf unsere ureigensten Hobbys, die wir bis zum Exzess ausübten. Zeus, mein Vater, spielte wie seit Urzeiten den Macho und übte Blitze werfen bis zum Umfallen. Poseidon, mein Onkel, sprang in den großen Pool des Atlantischen Ozeans und perfektionierte sein Brustschwimmen. Hera, Papas Frau, nervte mit ihren übertriebenen M uttergefühlen. Tante Demeter jätete Unkraut und pflanzte ohne Ende exotische Sträucher im olympischen Garten. M ein Zwillingsbruder Apollon hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die großen M eister der Renaissance nachzumalen (ich hoffte, nicht Malen nach Zahlen ). Athene, unsere intellektuelle Kampfbiene, quasselte mit ihren Weisheiten die Familie ins Koma. Ares, eigentlich unser Haus- und Hof-Krieger, machte Aphrodite Avancen, die ihn daraufhin, gestört bei ihrem täglichen Beautyprogramm, aus lauter Wut mit Transparentpuder bewarf. Hermes, unsere Klatschbase, raste von einem zum anderen und verkündete die haarsträubendsten Neuigkeiten, als wäre er ein wandelndes Boulevardblatt. Hephaistos, ein echt heißer Typ, kochte vor Eifersucht, weil Ares seine liebe Gemahlin Aphrodite umwarb, was eigentlich sehr schade war, denn er hätte seine Energie mehr in die Architektur stecken können (mehr dazu später). Hestia, Papas jungfräuliche älteste Schwester (alte Jungfer, würde ich sagen), gab die Glucke und versuchte, uns durchgeknallte VIPs per Klangschalen wieder in Harmonie zu versetzen. Und dann ich Artemis: Jagdbeauftragte, Mondanbeterin und Single. Mich hatte es wahrlich am Schwersten getroffen es gab weder Tiere noch Männer zu jagen, und der Mond allein füllte mich auch nicht gerade aus. Wie ich schon sagte, die Welt war still geworden, die entfernte Verwandtschaft machte einen auf Jetset und wir Olympier hatten einen Horizont, der bis zur jeweiligen Nasenspitze reichte. Da es nicht bis in alle Ewigkeit so weitergehen konnte, hatte ich, aus der Not geboren, eine Eingebung: Es musste alles anders werden! Dafür hatte ich schon mal was vorbereitet. Einen Plan, der uns alle wieder auf Trab bringen würde. Ein hübsches Familienprojekt. Dazu brauchte ich aber Hephaistos, der nicht nur für seine vulkanartigen Ausbrüche bekannt war, sondern auch für die Kunst des Hausbaus. Und ich hatte Glück, er war mal nicht mit dem Verprügeln von Ares beschäftigt. Ich konnte ihn also ansprechen. Hallo, Heph! Schön, dich zu sehen! Ich habe eine Idee, etwas ganz Neues, was uns für die nächste Zeit garantiert viel Spaß bringen wird. Lass hören, Spaß wäre zur Abwechslung prima, sagte Hephaistos.
Also, du bist doch ein begnadeter Architekt, und ich wünsche mir so sehr, dass die Familie endlich etwas gemeinsam unternimmt, und ein Tapetenwechsel würde uns auch gut tun also, ich dachte, dass wir umziehen könnten. Ich habe mich schon ein wenig umgeschaut. In England steht ein riesiger Palast leer, mitten in London: der Buckingham-Palast. Ein würdiges Umfeld für uns Olympier. Und massig Platz. Deine Aufgabe wäre es, ihn aufzupeppen, unseren Bedürfnissen entsprechend. Na, wie findest du das? Wow, das ist ja irre. Ich bin dabei. Wir müssen nur noch die anderen überzeugen! Die anderen überzeugen? Wovon denn?, fragte Aphrodite, die sich zu uns gesellt hatte. Hephaistos erklärte es ihr. Das ist ja göttlich! M eine Zustimmung habt ihr auf jeden Fall! Da könnte ich endlich einen wunderbaren neuen Wellnessbereich bekommen, gell, Schatz?, entgegnete sie. Aber natürlich, Engelchen, alles, was du dir wünscht. Alles außer Ares, natürlich.
Anna Becker, geb. 1957, hat Werbekommunikation an der Hochschule der Künste in Berlin studiert und als Werbetexterin und Konzeptionerin in Agenturen in München, Stuttgart und Berlin gearbeitet. Seit 2009 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kaninchen in Berlin.
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