Textile Materialkunde
Naturfasern
Naturfasern 1.1. Übersicht NATURFASERN PFLANZLICHE FASERN TIERISCHE FASERN MINERALISCHE FASERN Baumwolle Wolle Asbest Bastfasern: Flachs Jute Hanf Ramie Kokosfasern Torffasern Haar: Kamelhaar Alpaka Hasenhaar Angora Ziegenhaar Mohair Kaschmir Tibetziegenhaar Rosshaar Seide: Maulbeerseide Wildseide/Tussahseide 4
Naturfasern 1.2. Pflanzliche Fasern/Zellulosefasern Baumwolle besteht zu 87 % aus Zellulose (höchster Zelluloseanteil einer Pflanzenfaser), sowie aus Fetten, Wachsen, Feuchtigkeit, Asche etc., sie wächst auf einem Strauch (Malvengewächs) in tropischen und subtropischen Klimazonen. Baumwolle wird nach Reife gepflückt, gereinigt und entkörnt und anschließend zu Ballen gepresst dann kommen die Ballen in den Handel (Baumwollbörse). Das ist die Rohbaumwolle. Rohbaumwolle wird entweder für die Erzeugung von Zellstoff benötigt, oder als Baumwollfaser versponnen. Eigenschaften der Baumwolle: höchste Schmiegsamkeit der Naturfasern luftdurchlässig saugfähig (Schweiß) Glanz Dichte Zugfestigkeit (Kriterium für viele Waschprozesse) hohe Scheuerfestigkeit sehr gutes Verschleißverhalten kaum elektrostatische Aufladung 5
Naturfasern 1.2. Pflanzliche Fasern/Zellulosefasern Bastfasern Werden auch Stengelfasern genannt, sie enthalten viel Holzstoff Flachs, Hanf, Jute und Ramie sind die gebräuchlichsten Bastfasern. Die Stengel werden vollreif geerntet, durch Rösten wird die Faser aufgelockert und spinnfähig gemacht. Geröstete Bastfasern bestehen zu 65 % aus Zellulose, weiters aus Feuchtigkeit, Eiweiß und Holzstoff. Eigenschaften der Flachsfasern/Leinen: Glanz durch den Fettgehalt ergibt sich der edle Leinenglanz die Farbe richtet sich nach dem Röstverfahren und deshalb lässt Leinen/Flachs sich nicht so leicht bleichen wie die Baumwolle (reinweiß ist oft problematisch) höchste Zugfestigkeit aller Naturfasern geringe Elastizität, daher knittern die Bastfasern extrem wenig formbeständig, daher ist die Oberfläche uneben geringer Wärmerückhalt, daher der charakteristische kühle Leinengriff hohe Saugfähigkeit, nimmt Farbstoffe gut und egal auf angenehmer Tragekomfort Fadenverdickungen durch Verunreinigungen als Charakteristikum der Bastfasern 6
Naturfasern 1.2. Pflanzliche Fasern/Zellulosefasern Blattfasern Werden aus den Blättern zahlreicher Agavenarten gewonnen. Die Blätter werden abgeschnitten und auf Entfaserungsmaschinen gepresst, anschließend gewaschen und in der Sonne getrocknet und gebleicht. Dann werden die Fasern durch sich drehende Bürsten gekämmt. Bekannte Blattfasern: Sisal, Palmfaser, Bananenfaser Eigenschaften: glatt sehr biegsam spröde widerstandsfähig gegen Verrottung Fruchtfasern Kokosfasern kommen aus dem äußeren Gerüst der Kokosnuss. Das Fasernetz kann direkt abgenommen werden, es wird ausgekämmt und versponnen. 7
Naturfasern 1.3. Tierische Fasern Eiweißfasern Wolle Die meisten Säugetiere besitzen aus Schutz vor Umwelteinflüssen ein Haarkleid. Bei Wolle wachsen die Haare in Gruppen aus der Haut um Tieren starken Schutz zu geben. Der wichtigste Woll-Lieferant ist das Schaf. Die Wollfaser besteht aus 58 % Eiweiß, Fett, Schmutz, Feuchtigkeit etc. Wolle wird durch die Schur von lebenden Schafen gewonnen Schurwolle. Nach der Schur ist die Wolle relativ im Ganzen zusammenhängend und wird als Vlies bezeichnet. Das Vlies wird gereinigt und versponnen. Je länger die Wollfasern sind (kommt auf die Schafrasse Merino, Cheviot oder Crossbred an), desto teurer sind sie. Eigenschaften: Glanz hängt von der Wollbeschaffenheit und der Feinheit ab. Je nach dem wie gekräuselt die Wolle ist glänzt sie mehr oder weniger Farbe hängt vom Tier ab eher weiß, gelblich oder grau bis schwarz geringe Dichte geringste Zugfestigkeit aller Naturfasern daher muss Wolle schonend behandelt werden höchste Dehnung aller Naturfasern gut für Tragekomfort (Komfortstretch) hohe Formbeständigkeit Abperl-Effekt Wasser perlt ab, dringt nur langsam in die Faser ein, was andererseits bewirkt, dass Wolle eine lange Trocknungszeit hat. Höchste Wasseraufnahmefähigkeit aller Fasern 8
Naturfasern 1.3. Tierische Fasern Eiweißfasern Kamelhaar Kamelhaar bezeichnet das gelblich bis rötlich-braune Fell des in Asien und Afrika beheimateten Kamels. Jedes Tier hat verschiedene Haarsorten Grannenhaar (Deckhaar) ist grob und gerade, das Flaumhaar (Unterhaar) ist weich und fein. Die Tiere werden nicht geschoren oder gekämmt, denn die Haare fallen im Frühjahr büschelweise aus. Im feintextilen Bereich wird ausschließlich das feine Flaumhaar versponnen und meist mit Schurwolle gemischt. Alpaka Ebenfalls eine Kamelrasse, die in den südamerikanischen Anden beheimatet ist. Haare vom Vikunja-Kamel sind in der edlen Herrentuchweberei ein großes Thema. Hasenhaar Stammt vom europäischen Feld- oder Schneehasen oder im Falle des Angorakaninchens von asiatischen Zuchtrassen des Hauskaninchens. Die Haare fallen bei der Gerbung des Fells ab und werden dann weiter verarbeitet. Ziegenhaar Mohair werden die Haare der Angoraziege genannt. Diese Naturfaser ist die spezifisch leichteste Textilfaser. Mohair bedeutet: Stoff aus Haaren gemacht. Mohair wird je nach Dichte der Haare (= Alter der Ziege) eingeteilt: je jünger das Tier, desto feiner das Haarkleid. Kid-Mohair, Young goat und Adult. 9
Naturfasern 1.3. Tierische Fasern Eiweißfasern SEIDE Viele Schmetterlinge benötigen während ihrer Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling Schutz vor Witterung und Feinden. Dieser Schutz wird von der Raupe in Form von Fäden, die sie um ihren Körper legt (= Kokon) erzeugt. Je nachdem ob die Raupe vom gezüchteten Maulbeerspinner oder vom wild lebenden Nachtschmetterling stammt, unterscheidet man zwischen Maulbeerseide und Wildseide (Tussahseide) Bei beiden Seidenraupenarten wird der Kokon mittels Seidenschleim des Tieres zu einem einzigen langen Faden gesponnen und der Körper hüllt sich nach und nach ein. Dieser Kokon ist sehr stabil und ca. 2 4 cm lang. Die Fadenlänge des von der Raupe gesponnen Kokonfadens beträgt zwischen 1000 4000 m!!! Die Kokons kommen entweder mit oder bei hochwertigen Seidenraupen ohne den Tieren in ein Becken mit kochendem Wasser, werden dort ausgekocht und nach Reinigung aufgewickelt und versponnen. Eigenschaften der Seide: Länge: sehr wirtschaftlich in der Erzeugung Feinheit Glanz Seidenglanz ist charakteristisch Farbe reinweiß Dichte: Seide zählt zu den stärksten Naturfasern Formbeständigkeit: sehr hoch und nicht knitteranfällig 10
Naturfasern 1.3. Tierische Fasern Eiweißfasern 11
Chemiefasern
Chemiefasern 2.1. Übersicht CHEMIEFASERN NATÜRLICHE BASIS Viskose VI Acetat AC Cupro CC Papierfasern Gummifasern LA Kaseingfasern KA SYNTHETISCHE BASIS Polyester PES Polyamid PA Polyacryl PC Polyurethan PU Polyvenylclorid PVC 14
Chemiefasern 2.2. Natürliche Basis Die Fasern bzw. die Garne werden chemisch erzeugt aber der Grundstoff ist aus der Natur, d. h. Hölzer, Gräser, Kautschuk oder Algen. Viskose VI Besteht zu 100 % aus Zellulose Aus verschiedene Pflanzen oder Hölzer wird die Zellulose herausgelöst, mittels Lösungsmittel flüssig gemacht und dann mit Druckluft durch Spinndüsen geblasen. Die einzelnen Faserfäden werden dann wie z. B. bei Baumwolle zu Garnen gesponnen. Durch die Form der Spinndüse kann ich die Oberfläche der Faser beeinflussen (glatter Rand ergibt ein glänzende Faser oder gezahnter Rand eine matte Faser). Viskose ist eine chemisch erzeugte Naturfaser und von den Eigenschaften der Baumwolle am Nächsten. Eigenschaften der Viskose: hautfreundlich angenehm im Griff luftdurchlässig saugfähig (Schweiß) glänzend oder matt 15
Chemiefasern 2.2. Natürliche Basis Acetat AC oder Triacetat TAC Besteht wie die Viskose aus Zellulose. Acetat ist aber ähnlicher der Seide. Verwendung für glänzende Stoffe, aber auch Futter und Nähseide. Eigenschaften von Acetat: hohe Feinheit gute Farbechtheit hohe Festigkeit ausgezeichnete Pflegeeigenschaften Gummifasern LA Der Rohstoff ist Kautschuk, der Milchsaft vom Gummibaum, erzeugt wird daraus Elastan (Lycraanteil in den Stretchstoffen meist 2 5%) oder aber Latex für Tauchanzüge oder Regenmäntel bis hin zum Schaumstoff oder Autoreifen. Papierfasern CP Meist werden Papierfasern zu Vliesen- oder Einlagenstoffen verarbeitet, Küchenrollen oder Wegwerfunterwäsche 16
Chemiefasern 2.3. Synthetische Basis Die Fasern bzw. die Garne werden chemisch erzeugt Grundbaustoffe sind Kohlenwasserstoffverbindungen. Polyester PES Äthylenglykol und Terphthalsäure gehen unter Wasseraustritt eine Verbindung ein. Der Grundstoff wird auf ca. 300 Grad erhitzt und ebenfalls durch Spinndüsen zu Endlosfäden verarbeitet. Markennamen: Bayer Textilfaser, Diolen, Trevira oder Terylene Eigenschaften hohe Elastizität Säuren und Oxidationsmittelbeständigkeit gute Licht- und Wetterbeständigkeit Pflegeleicht geringe Wasseraufnahme (d. h. gering schweißsaugend, der vielleicht einzige Nachteil dieser Faser) Ceramika Polyester mit eingemischten, winzigen Tonmineralen ist eine der Polyesterneuheiten. Die Faser bzw. der Stoff bietet einen 90%igen UV Schutz, schafft bei Hitze oder Kälte einen Temperaturausgleich bis 5 Grad, hat einen weichen seidigen Griff und einen wunderschönen Fall. 17
Chemiefasern 2.3. Synthetische Basis Polyamid PA Die Faser ist auch unter Nylon oder Perlon bekannt. Spinnverfahren gibt es 3, Nass- Schmelz- und Direktspinnverfahren. Eigenschaften: höchste Zugfestigkeit aller Fasern höchste Elastizität gute Dehnung gute Färbbarkeit leider auch hier schlechte Feuchtigkeitsaufnahme Die Faser wird oft mit Baumwolle, Wolle oder auch Viskose gemischt um deren weniger gute Eigenschaften wie Festigkeit oder Elastizität auszugleichen. Polyacryl PC oder PAC Auch bekannt unter Dralon, Leacryl, Cashmilon. Spezielle Eigenschaften dieser Faser sind ihre Bauschigkeit, daher wird sie recht gerne mit Wolle gemischt. Sie ist leicht zu reinigen und trocknet sehr schnell. Leider lädt sie sich auch schnell elektrostatisch auf und wird fast nur als Mischfaser verwendet. Wir finden sie auch als Vlieswatte, Gardinen oder Füllmaterial. 18
Chemiefasern 2.3. Synthetische Basis/Andere Fasern Polyurethan PU In der Bekleidungsindustrie eher selten anzutreffen, Alcantara (Raulederimitat) besteht z. B. zu 40% aus Polyurethan. Verrottet erst nach sehr vielen Jahren. Polyvenylchlorid PVC Selten in der Bekleidung eingesetzt, eher bekannt als Bodenbelag oder Klodeckel. Die Faser hat eine hohe Säuren- und Laugenbeständigkeit und wird daher für technische Textilien wie Säurefilter usw. eingesetzt. Andere Fasern Textile Glasfasern GL Aus Glas gewonnen, geschmolzen und durch Düsen zu feinen Fäden gesponnen. Verwendet für Engelshaar oder Isoliermatreial (Telwolle) Metallfasern MT Gold, Silber, Kupfer, Nickel, Zink usw. kennen wir aus Konfektionsstoffen wo der Knitter in der gedrückten Lage bleibt, findet man noch aber nicht mehr der große Trend. Lurex wird z. B. aus Aluminiumfolien geschnitten. Gesteinsfasern ST für feuerfeste Bekleidung - auch Asbestfasern 19
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