Newsletter Baumpflege 2010

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Transkript:

Newsletter Baumpflege 2010 Wir haben im Laufe des Jahres 2010 aus Fachzeitschriften zahlreiche Artikel über Bäume eingescannt und stellen diese allen Interessierten zu Verfügung. In dieser Newsletter werden diejenigen Artikel, die uns wichtig erscheinen beschrieben und kommentiert. Sie finden diese Artikel gesammelt auf unserer Homepage unter www.baumpflege.ch in der Rubrik: News / Presseschau. Abkürzungen: BZ Gplus Der Gartenbau Taspo Baumzeitung Deutschland Fachzeitung Unternehmerverband Jardin Suisse Schweizer Fachmagazin Rosskastanien-Miniermotte. Siehe Artikel: Rosskastanien-Miniermotte 1+ 2 gplus 17.2010pdf Im Umgang mit der Rosskastanien-Miniermotte gibt es keine neue Erkenntnisse oder Verfahren. Befallene Rosskastanien sterben in der Regel nicht ab, es sei denn, dass diese bereits durch andere Schäden geschwächt worden sind. Verwechslungsmöglichkeiten: Guignardia aesculi, Blattbräune oder Schäden durch Streusalz. Blätter im Herbst wenn möglich in Kehrrichtverbrennung entsorgen. Andere Rosskastanienarten verwenden, welche weniger befallen werden. Aesculus hippocastanum, 'Baumannii' (Gefüllt blühende Rosskastanie Aesculus x carnea 'Briotii', (Scharlach-Kastanie) Pollenallergien durch Bäume..wenn Bäume krank machen Siehe Artikel: Pollenallergien durch Bäume 1+2 BZ 1 2010.pdf. Pollenallergien sind zu einer Volkskrankheit geworden. Ungefähr 14% der Bewohner Deutschlands leiden in der Blütezeit darunter. Bei den Bäumen sind die wichtigsten Erreger die Pollen der Birken. Auch die Pollen der Platane lösen häufig Allergien aus. Um festzustellen, wann die Bäume blühen, gibt es einen Pollenkalender, welcher über das Internet konsultiert werden kann. (www.pollenundallergien.ch) Pollenkalender konsultieren und Ratschläge befolgen Das Entfernen von einzelnen Birke oder Platanen bringt mit Sicherheit kein Erfolg, weil die Pollen über mehrere Kilometer durch die Luft verfrachtet werden können. Erkrankungen der Föhren Siehe Artikel: Braunfleckenkrankheit der Föhre 1 Der Gartenbau 26 2010.pdf (Autor: A. Angst WSL Birmesdorf) Braune Nadeln an Föhren können viele Ursachen haben. Wir versuchen an dieser Stelle die uns bekannten Erkenntnisse zusammenzufassen: Die physiologische Nadelschütte, die periodisch im Spätsommer erscheint, ist mit dem herbstlichen Laubabfall vergleichbar und auch gut zu erkennen: Die Nadeln sind regelmässig braun verfärbt und weisen keine Flecken auf. Die Spitzen der Triebe bleiben grün. Seite 1 von 7

Das Scleroderris-Triebsterben findet man im ganzen Mittelland sehr häufig auf der Schwarzkiefer (Pinus nigra). Die Triebspitzen sind braun verfärbt. Junge Schwarzkiefern können bei Befall rasch absterben, alte Bäume erkranken ebenfalls, sterben aber über eine lange Periode nicht ab. Wir behandeln seit 1998 regelmässig Schwarzföhren im Raume Bern, indem wir die befallenen Triebspitzen und die befallenen Zapfen entfernen. Alle behandelten Bäume sind noch vorhanden. Untersuchungen des WSL an sehr grossen neu verpflanzten Pinus sylvestris in Muri bei Bern haben ergeben, dass der Pilz auch auf die einheimische Kiefer übergreifen kann. In diesem Falle wurden in Absprache mit Dr. R. Engesser (WSL) die sieben Meter hohen Kiefern zusätzlich zum Zurückschneiden auch mit dem Fungizid CERCOBIN behandelt. Ein Erfolg durch die Spritzung kann jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Die Braunfleckenkrankheit wird im oben aufgeführten Artikel (Braunfleckenkrankheit der Föhre 1 Der Gartenbau 26 2010) eingehend beschrieben. Wir haben noch keine Erfahrung mit dieser Krankheit, da sie im Raum Bern offenbar noch kaum beobachtet wurde. Die Rotband-Krankheit (Dothistroma-Nadelbräune) kann mit der Braunfleckenkrankheit verwechselt werden. Zusammenfassung: Mit Ausnahme der physiologischen Nadelschütte können die verschiedenen Erkrankungen an den Föhren nur im Labor unterschieden werden. Es wird deshalb empfohlen, bei umfangreichen Erkrankungen das WSL Birmensdorf beizuziehen. Stammschäden an Jungbäumen Siehe Artikel: Stammschäden an Jungbäumen 1-3 BZ 2 2010.pdf. Der vorliegende Artikel zeigt, dass zu diesem Thema im Moment noch keine neuen Erkenntnisse gewonnen wurden. Häufig auftretende Stammschäden an Jungbäumen beobachtet man in Deutschland und auch in der Schweiz bereits seit Ende der 1990er Jahre. 2008 wurde in Deutschland eine Arbeitsgruppe gebildet, mit dem Ziel, diese Schäden wissenschaftlich zu erforschen. Abiotische thermische Baumschäden durch Sonneneinstrahlung und Frost werden für diese Schäden mit den folgenden Unterscheidungen verantwortlich gemacht: Falsche Frostrisse. Wunden und Fäulnisse im Stamm, welche sich bei Frost nach aussen fortsetzen. (Bemerkung KW: Dr. A. Shigo vertrat immer die Meinung, dass diese Risse auch ohne Frosteinwirkung entstehen können). Echte Frostrisse. Sie entstehen durch axiales Aufreissen der Rinde meist auf der Sonnenseite des Stammes nach starken Temperaturschwankungen. Sonnenneckrose. Flächiges Absterben der Rinde verursacht durch Sonneneinstrahlung und Frost im frühen Frühling oder auch durch starke Erhitzung der Rinde im Sommer auf der Sonnenseite des Stammes. Stämme nach der Pflanzung mit Schilfrohrmatten schützen. Das Einbinden mit Jute wird nicht mehr empfohlen. Seite 2 von 7

Wollige Napfschildlaus Siehe Artikel: Wollige Napfschildlaus gplus 11 2010. Autor: Dr. B Wermelinger WSL Seit ca. 12 verunstalten weisse Beläge mit braunen Punkten die Stämme und dicke Äste der Bäume. Am meisten betroffen sind Linden, Ahorn und Rosskastanien. Ältere und gesunde Bäume werden durch die Napfschildlaus wenig geschädigt. Das Aussehen der Bäume wirkt jedoch unappetitlich und hässlich. Bei starkem Befall tropft Honigtau herunter. Die Schildläuse mit Wasserstrahl abspritzen. Wenn möglich im Mai, damit die nächste Generation vernichtet wird. Ozon, das unscheinbare aber gefährliche Pflanzengift Siehe Artikel: Das unscheinbare aber gefährliche Pflanzengift gplus 13 2010. Autor: Dr. Philipp Mayer WSL Ozon, ein Schadgas, welches in den Sommermonaten regelmässig die Grenzwerte überschreitet hemmt das Pflanzenwachstum. Geschädigte Pflanzen weisen Flecken und Verfärbungen auf der Blattoberseite auf. Die Wirkung von Ozon auf Pflanzen wird durch andere Stressfaktoren verstärkt. Trockenheit, Nährstoffmangel, Schädlinge. Koniferen scheinen weniger empfindlich zu reagieren, als Laubgehölze. Bei hoher Ozonbelastung, meist im Juli und August, die Bäume wenn möglich nicht wässern. Mit Wasser gesättigte Pflanzen lassen bei grosser Hitze die Spaltöffnungen der Blätter offen und nehmen dadurch besonders viel Ozon auf. Seite 3 von 7

24.09.2010 Besuch der Baumschule Hauenstein in Rafz: Mit Sicherheit männliche Ginkgo biloba pflanzen! Foto Klaus Woodtli, Baumschule Hauenstein Rafz. Der Ginkgo biloba wird seit vielen Jahre als Strassenbaum verwendet. Er erfüllt alle Qualitäten eines Strassenbaumes: Trockenstress, enge Standorte solider Kronenaufbau, etc. Das Problem bei dieser Baumart ist die Tatsache, dass es weibliche und männliche Exemplare gibt und dass beim Verkauf der Bäume das Geschlecht des Baumes in den ersten drei Jahrzenten nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann. Ist der gepflanzte Ginkgo weiblich, wird er im ausgewachsenen Stadium Früchte in grossen Massen produzieren, welche nach der Reife auf den Boden fallen und einmal zerquetscht fürchterlich stinken. Wegen diesem Problem wird häufig darauf verzichtet Ginkgos als Strassenbäume zu pflanzen. Heute gibt es bei Hauenstein drei Sorten, welche mit männlichen Bäumen veredelt werden. Die Gefahr, dass diese Bäume später Früchte bilden werden, kann ausgeschlossen werden. Die Sorten 1. Ginkgo biloba 'Princeton Sentry' stammt aus den USA und wird seit 1967 kultiviert. 2. Ginkgo biloba 'Fastigiata Blagon' wird seit 1980 kultiviert und vom Galk (deutsche Strassenbaumliste) empfohlen und wird von der Baumschule Hauenstein Rafz kultiviert. (Siehe Bild oben). 3. Ginkgo Stadtgärtnerei Bern (Elfenau) Es ist ein alter Ginkgobaum, welcher noch nie Früchte getragen hat. Seit vier Jahren werden von Hauenstein auf Ginkgosämlinge Zweige von diesem Baum aufgepfropft. Man darf annehmen, dass diese Bäume keine Früchte tragen werden. Celtis australis Foto Klaus Woodtli Seite 4 von 7

Der Celtis australis (Zürgelbaum) sollte bei der Evaluation von Baumpflanzungen auch immer miteinbezogen werden. Vorteile: Mittelgrosse Baumart, solide, lockere Baumkrone, frostsicher, verträgt Trockenstress, enge Platzverhältnisse im Wurzelbereich, wenig Verschmutzung durch Blüte und Blätter. Prunusarten ohne Moniliabefall: Die Sorten Prunus incisa Umineko, Prunus sargentii und Prunus serrulata Kanzan Sind resistent gegen Monilia. Quercus cerris Hauenstein empfiehlt die Pflanzung der Zerreiche. Ihr Vorteil: Kein Mehltaubefall, verträgt trockene Standorte. Zelkova serrata Die natürliche Zelkova serrata hat den Nachteil, dass die Bäume in sehr unterschiedlichen Höhen und Breiten wachsen. Empfohlen daher die Sorten 'Urban Ruby' (schöne Herbstfärbung) und 'Green Vase' Foto aus dem Internet: Zelkova serrata 'Green Vase' Quercus frainetto Trump Auch die ungarische Eiche wird bei Hauenstein kultiviert. Ihr Vorteil: Mehltaufrei, schlank anliegend, festes Laub, verträgt trockene Standorte. Seite 5 von 7

Parrotia persica «Vanessa» Hervorragender kleinkroniger Baum Foto : Internet holländische Baumschule. Pyrus salicifolia pendula (Weidenblättrige Birne) Foto Klaus Woodtli Diese Wildbirnenart besitzt längliche, silbrig behaarte Blätter, die dem Laub einer Olive ähneln. Im Mai erscheint die weiße, einfache Blüte aus der bis zum Frühherbst kleine zierende Birnen entwickeln. Der Baum bildet tendenziell lange überhängende Triebe, die der Pflanze einen grazilen, mediterranen Flair geben. Diese veredelte Birnenart wächst sehr gut auf heißen, sonnigen Standorten. Sie bildet eine Pfahlwurzel aus und kann sich auch noch Feuchtigkeit aus den tieferen Bodenschichten holen. Da der Baum nur 5 bis 8 m hoch wird eignet er sich vorzüglich für kleine Plätze, Höfe und Gärten. Er sollte auf jeden Fall in Einzelstellung gepflanzt werden.(text: Wikipedia) Acer rubrum Red sunset Mittelgrosser Baum bis 15m, Blätter im Sommer grün, im Herbst leuchtend orange, lang haftend. Wenig tolerant bei schweren Böden und engem Wurzelraum. Eschen Die Eschenwelke Pilz Chalara fraxinea verbreitet sich jetzt auch in der Schweiz. Man muss damit rechnen, dass sie auch die Arten F. angustifolia und F. ornus schädigen wird. Seite 6 von 7

Corylus colurna Die Baumhasel (Corylus colurna) ist angeblich empfindlicher auf Streusalz, als andere Strassenbäume. Verschiedene Informationen für die Baumpflege: Düngung und Bodenverbesserung: Mit der Ausaat von Lupinen sollte versucht werden, auch bei Strassenbäumen mit Bodenverdichtung den Boden aufzulockern. Bei Hauenstein Rafz werden die Bäume mit dem Mehrnährstoffdüngung ENTEC, (Bezug bei Otto Hauenstein Rafz) gedüngt. Dieser stickstoffhaltige Dünger darf nur bis Ende Juni ausgestreut werden. Für alle immergrünen Bäume wird Kalium-Magnesium Dünger im August verwendet. Die Düngung verbessert auch die Frosthärte. Ostermundigen, 07.12.2010 Klaus Woodtli Seite 7 von 7