Kickern & Tischfußball

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Transkript:

Jens Kesting Ralf Plaschke Kickern & Tischfußball Technik, Geschichte, Zubehör, Adressen, Turniere, Meisterschaften, und vieles mehr

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. ISBN 978-3-86910-151-4 Die Autoren: Jens Kesting, Jahrgang 1973, hat schon früh seine Leidenschaft für den Tischfußball entdeckt: Im Alter von fünf Jahren begann er an einem Original-Kicker zu spielen, den er stetig gepflegt und renoviert hat. Während des Studiums in Hamburg,»einem der besten Kickerplätze Deutschlands«, hat sich die Faszination dann weiter gesteigert. Schon 1999 suchte er vergeblich in einer Kölner Buchhandlung nach einem Buch über Kickern & Tischfußball. Wenige Jahre später hat er der Kölner Firma PopData, für die er arbeitet, einen Löwen-Soccer-Tisch zur Verfügung gestellt. Ralf Plaschke, Jahrgang 1964, spielte schon als Kind gegen zwei Brüder und den Vater an einem einfachen Kickertisch. Nachdem sein Freund und Kollege Jens Kesting einen Löwen-Kickertisch in das gemeinsame Büro von PopData brachte entflammte die Leidenschaft erneut. Die gemeinsame Begeisterung für den Tischfußball führte zu der Idee, ein Buch zum Thema zu veröffentlichen, für das beide rund 10 Jahre lang recherchiert haben. Hinweis für den Leser: Abdruck der offiziellen Regeln der International Table Soccer Federation (ITSF) in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des DTFB. 3., vollständig aktualisierte Auflage 2009 2009 humboldt Ein Imprint der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbh & Co. KG, Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover www.schluetersche.de www.humboldt.de Autor und Verlag haben dieses Buch sorgfältig geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden. Lektorat: Eckhard Schwettmann Covergestaltung: DSP Zeitgeist GmbH, Ettlingen Innengestaltung: akusatz Andrea Kunkel, Stuttgart Titelfoto: Nr. Urh.00580AS/Mauritius Images Satz: PER Medien+Marketing GmbH, Braunschweig Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe Hergestellt in Deutschland. Gedruckt auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

5 Inhalt Vorwort................................. 11 Vorwort der Autoren...................... 13 Die wahre Geschichte des Tischfußballs... 17 Grundlagen des Spiels..................... 31 Kleine Regelkunde........................ 37 Grundlagen des Angriffsspiels.............. 41 Grundlagen des Verteidigungsspiels......... 44 Schüsse.................................. 47 Allgemeines................................ 47 Griffhaltung............................... 47 Schüsse................................... 48 Pull Shot (auch Push Shot/Schieben und Ziehen).. 48 Wrist Flick (auch Handabroller)............... 51 Der Unterarmabroller (auch Monkey oder Jet).... 52 Pin Shot (Vorhand- bzw. Rückhandklemmer).... 53 Push Kick................................ 55 Tick Tack................................ 55 Snake (auch Überschlag).................... 58

6 Inhalt Bandenspiel.............................. 59 Schnitt/Spin (auch Abquetscher oder Effet-Schuss) 62 Heber.................................. 63 Täuschungen/Finten (Fakes)................... 65 Drop Fake............................... 65 Fast Drop................................ 65 Tipps und Tricks.......................... 68 Spielaufbau................................ 68 Einwurf................................. 68 Ballführung Mittelfeld...................... 68 Mittelfeldabwehr.......................... 69 Defensivreihenabwehr...................... 70 Angriff aus der Defensive.................... 71 3er-Reihen-Schuss......................... 72 5er-Reihen-Schuss......................... 73 Tempowechsel.............................. 74 Ballkontrolle............................... 76 Lücke, wo bist Du?........................... 77 Strategie................................... 78 Mann gegen Mann........................ 80 Tischfußballmodelle...................... 81 Klassiker.................................. 81 Lehmacher/P4P-Home..................... 81 Leonhart Home-Star...................... 82 Kicker.................................. 83

Inhalt 7 Tornado................................. 83 Löwen Soccer............................ 85 Garlando................................ 86 Bonzini................................. 88 Fireball................................. 89 Wettkampftische............................ 90 Leonhart Tournament...................... 90 Tecball Professionell........................ 91 Weitere Tische.............................. 92 Champion Kick........................... 92 Opus................................... 93 Saarland-Kicker Modell 2008............... 93 Tischkicker-Trolley Libero................. 94 Tischkicker für Rollstuhlfahrer............... 95 Totó Treme Terra.......................... 95 Kaufberatung............................ 99 Allgemeines................................ 99 Preise und Anbieter.......................... 100 Welcher Tisch ist der beste?.................... 101 Gebrauchte Tische........................... 102 Kickertisch selber bauen....................... 102 Pflege und Wartung....................... 106 Zubehör................................. 107 Schmiermittel.............................. 107 Griffbänder................................ 107

8 Inhalt Fingerlinge/Handschuhe...................... 107 Spielball................................... 109 Figuren................................... 115 Trikots.................................... 117 Grippowder................................ 118 Rodlock/Stangenklemme..................... 119 Taktiktafel............................... 121 Digitalkickern............................ 123 Anhang.................................. 124 Regelwerk................................. 124 Kneipenregeln............................ 124 Kurzfassung der offiziellen Regeln............. 125 Kurz-Verzeichnis der Regelverstöße und Strafen... 129 Die offiziellen Regeln......................... 132 Tischfußball-Lexikon......................... 174 Oktay Mann............................... 194 Adressen.................................. 207

9 Doppel aus dem Finale World Cup 2009 in Nantes USA- Österreich (mit den beiden Weltklasse-Junioren Csar und Hundstorfer). World Cup 2006 in der Fischauktionshalle Hamburg. Finale Österreich Deutschland (damals beim 1. World Cup noch gemischt, 6 Männer und 2 Frauen), Volker Gröschl Volker Gröschl Volker Gröschl DTFB Doppel aus dem Finale World Cup 2009 in Nantes USA Niederlande. Nantes 2009, 1. World Cup der Frauen. Die Deutschen Frauen werden Weltmeister, schlagen u.a. das starke US-Team im Viertelfinale.

10 CCvision

11 Vorwort Seit rund 40 Jahren spielen Menschen jeglicher Couleur überall auf der Welt mit wachsender Begeisterung Tischfußball. War dieses Spiel lange Zeit primär Besuchern von Gaststätten vorenthalten, so entwickelte sich der Tischfußballsport in den letzten Jahren zu einer Trendsportart, die fast überall anzutreffen ist. Ob in Agenturen oder Versicherungen, in Schulen oder in Seniorenheimen, ob in Sportbars oder Szene-Discos, die Begeisterung kennt keine Grenzen. Tischfußball fasziniert mit seinen kommunikativen Möglichkeiten. In kaum einem Sport kann man so nah und intensiv die Emotionen der Gegner wahrnehmen, in keiner Sportart wechseln die Höhen und Tiefen innerhalb der Gefühlswelt in so kurzen Zeitabständen. Und nirgendwo sonst kann ein lockerer Spruch während eines Spiels die Gemüter derart in Wallung versetzen. Tischfußball ist Spaß, Spiel und Sport zugleich. Dort, wo Menschen diesem Spiel begegnen, ergeben sich zwangläufig Fragen, denen sich Ralf und Jens, die Autoren dieses Buches, mit großer Leidenschaft angenommen haben. Ihre Begeisterung für das Kickern war der Ausgangspunkt für ein Buch, das einen Einblick in den Tischfußballsport gibt.

12 Gehen Sie mit auf diesen Streifzug durch die Welt des Tischfußballsports. Vielleicht werden auch Sie von diesem Virus infiziert. Tischfußball das kickt! Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieses Buches Klaus Gottesleben 1. Vorsitzender des Deutschen Tischfußballbundes e.v. Nantes 2009, World Cup der Frauen, Siegerehrung: 1. Deutschland, 2. Frankreich, jeweils Dritter: Tschechien und Österreich. Volker Grösch

13 Vorwort der Autoren Liebe Leserin, lieber Leser, dieses Buch, das Sie gerade in den Händen halten, ist keine Bibel für Tischfußballer. Es soll auch kein Leitfaden für angehende Kicker- Profis sein. Vielmehr möchten wir mit dem Buch das zusammenfassen und darstellen, was uns selbst im Zuge des Tischfußball-Spielens bewegt hat. Wir sind Freizeitspieler. Seit einigen Jahren spielen wir in unserem gemeinsamen Büro, in das Jens einen Löwen-Kickertisch gestellt hat. Seit der Anwesenheit des Tisches hat uns das Kicker-Fieber gepackt. Natürlich spielen wir Erste Kicker-Versuche von Autor Jens Kesting in jungen Jahren. auch in den (Kölner) Kneipen, in denen brauchbare Tische stehen. Das regelmäßige Spielen wirft dann auch ganz von selbst Fragen auf: Wie bekomme ich diesen Schuss hin? Wie macht der Gegner das? Wie täusche ich ihn erfolgreich? Gibt es eigentlich offizielle Regeln, oder welche legen wir für unser Spiel fest? Jens Kesting

14 Vorwort der Autoren Manches lernt man durch andere Spieler kennen, aber je mehr man spielt, desto genauer will man es wissen. Und so haben wir angefangen uns die Fragen zu stellen und die dazugehörigen Antworten zu suchen. Diese fanden wir bei anderen Spielern, Freunden und natürlich im Internet. Das Ergebnis daraus haben wir in diesem Buch zusammengestellt. Wir hoffen, dass es allen ambitionierten Hobby- Spielern weiterhilft, die nicht einfach nur spielen, sondern etwas mehr über die Faszination Kicker wissen wollen. Und wer weiß, vielleicht liegt unser Buch ja in Zukunft in mancher Kneipe bereit, um Regelstreitigkeiten zu klären oder sogar Turniere zu begleiten? Die Idee für das Buch haben wir unserem Verleger, Lektor und Freund Eckhard Schwettmann vorgeschlagen, dafür, dass er diese Idee tatsächlich aufgegriffen hat, gilt ihm unser ganz besonderer Dank. Darüber hinaus danken wir der PopData GmbH für den Platz zum Aufstellen des Kicker-Tisches sowie unseren Büro-Kollegen wahlweise für die Geduld, wenn wir gespielt haben oder für das Mitspielen. Wir danken dem DTFB Deutschen Tischfußballbund und dort ganz besonders Klaus Gottesleben, der zur Veröffentlichung dieses Buches die internationalen Tischfußball-Regeln in Deutsch und ein schönes Vorwort beigesteuert hat. Weiterhin gilt unser Dank dem Team des Hotel Televrin in Nerezine, Kroatien,

15 für die fantastische Betreuung und Unterstützung während unserer Klausur-Tagung zur Erstellung dieser aktualisierten Neu-Auflage. Fahrt da hin, es ist wunderbar dort: www.televrin.de Außerdem danken wir Clarissa Kloeber für die exquisiten Grafiken, Tobi Neuhaus und Volker Gröschl für die schönen Bilder. Ganz besonderen Dank an Phillis Fermer und Thomas Peckruhn für die Recherche sowie Markus Haaser von Kneipensportler.de. Markus hat uns wertvolle Tipps und Tricks gegeben, sowie Berge von tollen Materialien zur Verfügung gestellt. Viel Spaß beim Lesen und vor allem beim Kickern wünschen Ralf Plaschke und Jens Kesting Köln, im Mai 2009 Autoren und Verlag bedanken sich beim Deutschen Tischfußballbund e.v. (DTFB, www.dtfb.de), namentlich beim 1. Vorsitzenden Klaus Gottesleben, für die freundliche Unterstützung.

16 A.u.S. Spielgeräte

17 Die wahre Geschichte des Tischfußballs In Deutschland heißt es kickern, in Österreich wutzlern, in der Schweiz Töggeli, in Spanien futbolín, in Chile Taca-Taca, in Frankreich Babyfoot, in England, Australien und USA Foosball oder auch Tablesoccer. Wie schrieben es unsere Kollegen vom Complete Book of Foosball schon im Jahre 1980 so schön: Unfortunately, the origins of the game are not as easy to trace as those of its name. Das auch der in den USA gebräuchliche Name für das Kickern dem deutschen Begriff Fußball entstammt, ist un schwer zu erkennen. Aber die Ursprünge des Spiels sind nicht so leicht zurück zu verfolgen. Im Folgenden beschreiben wir sowohl die Variante der Tischfußball-Geschichte, die uns bei unseren Recherchen am häufigsten begegnet ist, als auch einige Anekdoten zur Historie, die einfach wahr oder unwahr zu schön sind, um verschwiegen zu werden. Ende des 19. Jahrhunderts begann sich der moderne Fußball von England ausgehend (Gründung des Sheffield FC im Jahre 1857, Gründung der FA Football Association 1863 in London) zunächst in Europa und später auf der ganzen Welt zu organisieren und zu etablieren. Man kann mit einiger

18 Die wahre Geschichte des Tischfußballs Sicherheit davon ausgehen, dass etwa zu dieser Zeit, also Ende des 19. Jahrhunderts auch damit begonnen wurde, dieses Spiel auf eine Tischversion zu übertragen. Laut The Complete Book of Foosball wurde 1901 das erste Patent für einen Fußballtisch in den USA erteilt. Dennoch sind die amerikanischen Autoren, wie viele andere Quellen, davon überzeugt, dass der Ursprung des Tischfußballs, wie der des Fußballs in Europa liegt. Der englische Autor Tim Baber hat sich beim Recherchieren sehr viel Mühe gegeben und so auch das erwähnte Patent von 1901 überprüft. Er hat herausgefunden, dass es bei dem Patent um den Griff einer Pumpe geht, es wurde also fälschlich erwähnt. Tim Baber erwähnt einerseits den Engländer Edwin James Lawrence aus Birmingham der im Jahre 1913 ein Patent registriert hat, bei dem erstmals die Spielfigur in Hüfthöhe an einer horizontalen Stange befestigt war. Dadurch wurde der Ball mittels der Spielfigur durch die Drehung der Stange geschossen. Allerdings bestand dieses Spiel nur aus zwei Spielern, bzw. Torhütern. Daher ist Babers bevorzugter Hinweis auf den ersten Kickertisch, wie wir ihn heute kennen, das englische Patent mit der Nummer 205991 von Harold Charles Thornton, London aus dem Jahre 1922. Laut Baber beinhaltet dieses Patent alle notwendigen Elemente, um es zum ersten auf einen Tisch heutiger Art zu machen.

19 Tim Baber (7) Übersicht: Die Geschichte der Tischfußball-Patente (7 Seiten).

20 Die wahre Geschichte des Tischfußballs

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22 Die wahre Geschichte des Tischfußballs

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24 Die wahre Geschichte des Tischfußballs

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26 Die wahre Geschichte des Tischfußballs Andere Berichte verweisen auf den Franzosen Lucien Rosengart (1881 1976) als einen der Väter des Tischfußballs. Seine Erfindungsgabe verhalf ihm zu einigem Wohlstand. Er arbeitete als Mechaniker in seinem eigenen Unternehmen und hatte verschiedene Patente angemeldet, für Teile von Eisenbahnen, Fahrrädern und sogar eine Rakete. Später entwickelte und produzierte er Autos, teilweise in Lizenz, wobei er auch mit André Citroens Firma zusammen arbeitete. Er soll auch den Babyfoot, eine weitere Bezeichnung für den Tischfußball, genannten Tisch erfunden haben. Allerdings konnte Baber keinen Beleg für ein solches Patent finden. Und auch im WWW lassen sich zwar zahllose Autos finden, die mit Rosengarts Namen verbunden sind, jedoch kein Kickertisch. Eine weitere, durchaus romantische Geschichte zur Entstehung des Tischfußballspiels kommt aus Spanien. In der renommierten spanischen Tageszeitung El Pais wurde in der Ausgabe vom 3. Juli 1994 berichtet, dass der damals 17-jährige Poet Alejandro Finisterre den Tischfußball im Jahre 1936 erfunden habe. Sein Spiel sollte es Kindern er - lauben an regnerischen Tagen in Montserrat, Katalonien trotzdem Fußball zu spielen. Zusammen mit einem befreundeten Schreiner aus der Gegend machte er sich an die Arbeit diesen Fußballtisch, dort futbolín genannt, zu bauen, den er angeblich im Jahre 1937 in Barcelona zum Patent angemeldet hatte. Sehr schnell wurde diese Erfindung zu einem großen Erfolg bei

27 FFG Witzig: Ein Chippendale-Kickertisch! den Kindern, aber auch Erwachsenen, vor allen Dingen in den Lazaretts der dahinsiechenden 2. Republik. Im Exil An - fang der 50er Jahre in Guatemala perfektionierte Alejandro Finisterre seine ursprünglich aus Buchsbaumholz hergestellten Geräte mit Teleskopstangen aus schwedischem Stahl zu wahren Kunstwerken aus Mahagoniholz. Finisterre und sein futbolín wurden allerdings trotz seines anfänglichen kommerziellen Erfolgs, so El Pais, Opfer der berüchtigten Spiele-Mafia, die ihn zunächst aus Guatemala trieb, in Panama und USA nicht duldete und in Mexiko endgültig aus dem Geschäft verbannte. Hiernach widmete sich der Poet Finisterre wieder seiner eigentlichen Berufung und gründete einen Buchverlag. Aber seine Erfindung wurde ohne sein Wissen in den Nachkriegsjahren zu einem großen Erfolg, auch in seiner Heimat. Sein Patent darauf war allerdings oder angeblich in den spanischen Bürgerkriegswirren verloren gegangen. Auch in Deutschland gab es eine vom Berliner Fritz Möhring 1934 entwickelte Tischfußball-Variante die sich Knall den Ball nannte und somit ein Vorläufer des heutigen

28 Die wahre Geschichte des Tischfußballs Kickers war. Dieser Name stammt von einem der ältesten Hersteller für Tischfußball, der in Genf ansässigen Firma Kicker. Ihre gleichnamigen Produkte waren in der Schweiz, Deutschland und Belgien außerordentlich beliebt, so dass sich fortan der Name Kicker als Synonym für den Tischfußball im deutschsprachigen Raum etablieren konnte. In den meisten europäischen Ländern und in den USA war das Tischfußballspiel bis zum Ende des 2. Weltkrieges nicht weit verbreitet. Der Glaube, dass Tischfußball erfunden wurde um Kriegsveteranen bei deren Genesung zu unterstützten, ist dennoch so nicht haltbar. Schon das Patent von 1922 spricht dagegen. Man setzte allerdings Tischfußball sehr erfolgreich bei der Rehabilitation zur Rückgewinnung der Hand-Augen-Koordination ein. Auch findet man heutzutage viele Fußballtische bei sozialen Anlaufstellen. Es gibt inzwischen auch zahlreiche nationale und internationale Tischfußballwettbewerbe, wobei diese in Europa im Gegensatz zu den USA schon seit langer Zeit organisiert sind. Seit 1950 gibt es zum Beispiel eine Belgische Liga. Der Deutsche Tischfußballbund (DTFB) wurde 1969 gegründet. Erst 1976 schlossen sich die einzelnen europäischen Ligen zu einer Europäischen Tischfußball Union (ETU) zusammen und spielen seitdem jährlich um den European Cup. In den USA ging es 1979 bei einem Turnier um sagenhafte 250.000 Dollar. Im Mai 2002 wurde der Weltverband ITSF

29 (International Table Soccer Federation) gegründet, der versucht, das Tischfußballspiel weltweit zu standardisieren, um dadurch auch die weltweite Anerkennung als Sportart zu erhöhen. ORIGINELLES Der inoffizielle Weltrekord im Unterwasser-Kickern Am 15. und 16. 9. 2008 organisierten die Taucher des TWC Delphin Tauch- und Wassersport Club Delphin Kassel e. V. die von ihnen so genannte Unterwasserkicker Weltmeisterschaft. Es ging dabei um den Versuch, den Weltrekord im Unterwasser-Kickern zu brechen: Es gelang dem TWC Delphin 60 Mannschaften mit 120 Spielern für ihren Weltrekordversuch zu gewinnen. Während des Weltrekord- Versuchs wurden die Taucher von außen über Schläuche mit der nötigen Pressluft versorgt. Am Dienstag, den 16. 9. 2008 war der Rekord dann auf 30 Stunden hochgeschraubt. Offiziell ist der Rekord nicht, denn die Auflagen waren zu kompliziert, so Mit-Organisator Carsten Sult, weshalb der Versuch nicht von Offiziellen des Guinness-Buches kontrolliert wurde und daher auch nicht im Buch verzeichnet ist. Gespielt wurde auf einem Tisch der Firma Goaliath, ein Vereinsmitglied ist dort tätig. Damit der Tisch die 30 Stunden im 25 000 Liter Wassertank durchhielt, musste er besonders behandelt, wasser- und chlorfest gemacht werden. Die herkömmlichen Bälle erwiesen sich als zu leicht. Die Lösung fand sich laut Carsten Sult so: Wir nahmen eine Spezial kugel aus 150 Gramm Stahl. Die geht ganz schön ab. www.twc-delphin.de www.unterwasser-kicker.de