Angewandte Physiologie

Ähnliche Dokumente
Rumpf II Wirbelsäule, Thorax, Bauchwand

Funktionelle Anatomie Vorlesung , FS 2013

Viszerale Osteopathie

Atem: Funktionelle Schnittstelle zwischen Körper und Geist

Atmungsphysiologie I.

Rumpf II Wirbelsäule, Thorax, Bauchwand

Rumpf II Wirbelsäule, Thorax, Bauchwand

Muskulatur und Bewegungstests der oberen Extremität

Atembewegungsapparat. A.J.R. van Gestel, A.K. Osthoff, H. Teschler. Anatomie des Zwerchfells. Biomechanik des Zwerchfells.

Die Unternehmergesellschaft

Thorax und Bauchmuskeln Dr. Andrea D. Székely

Palpation Rumpf /Thorax

Filme der Kindheit Kindheit im Film

Anatomy. A Photographic Atlas. Bearbeitet von Johannes W. Rohen, Chihiro Yokochi, Elke Lütjen-Drecoll

Fitness-Training fürs Gesicht

2.1 Schultergürtelmuskulatur

Bauaufsichtliche Zulassungen - Teil IV: Gewässerschutz (BAZ IV)

Traumatologie am Schultergürtel

Manuelle Therapie. Sichere und effektive Manipulationstechniken

Schmerz-Wegweiser: Mittlerer Rücken, unterer Rücken und Gesäß

Obere Extremität l Schultergürtel

Rumpf. Präpariergebiete (für 4 Studierende) Präpariergebiet: Regio pectoralis und Bauchwand (2 Studierende) Epifasziale Strukturen

Osteopathische Relationen

Plexus lumbalis. Nerven im Überblick: Nerven mit Einzelheiten:

Pleura und Atemmechanik

Atmungssystem. Das Wichtigste in Kürze. Modul Pranayama Oktober 2015

Inhaltsverzeichnis. A. Allgemeine Anatomie

Obere Extremität l-lll

Taschenatlas Ohrakupunktur nach Nogier/Bahr

Theodor Storm - Constanze Esmarch

Konzepte und Elemente der Pilates-Methode. 7. Ausrichtung. 8. Koordination. 9. Ausdauer. 10. Längung. Wie man den Transversus lokalisiert

Manuelle Lymphdrainage nach Dr. Vodder

MUSKULATUR DES RUMPFES

Operationen am Herzen. Herzkranzgefässe. Ein Patientenratgeber. Bearbeitet von Jürgen Ennker, Kerstin Bauer

Funktionelle Anatomie

Atemapparat und Atemvorgang

Auskultation und Perkussion

Anatomie und Histologie

Praxis der medizinischen Trainingstherapie I

Muskelbeschreibung. M. scalenus anterior. M. scalenus medius. Ursprung: Tubercula anteriora der Processus transversi des 3. bis 6. Halswirbels.

Hans Garten Das Muskeltestbuch

Gesundheitstraining für Straight Vitalogistinnen / Straight Vitalogisten

POL-Leitsymptome Herz-Kreislauf-System

Manuelle Therapie. Bewegen und Spüren lernen. Bearbeitet von Jochen Schomacher

Durch die anatomische Brille gesehen: Haltung. Funktionelle Anatomie der Wirbelsäule. Referent: Wolfgang Klingebiel

Übersicht Plexusbildung

Schultermuskulatur. M. subclavius Unterschlüsselbeinmuskel Ursprung: 1. Rippe Ansatz: clavicula Funktion: Senken der Clavicula

Die Nasenschleimhaut besteht aus mehrstufigem Epithelgewebe mit Becherzellen und Flimmerhärchen.

Palpation der Schulter

Sascha Seifert. Kinesiologisches Taping in Osteopathie und Manueller Therapie

Social Media. Potenziale, Trends, Chancen und Risiken. Bearbeitet von Roland Gabriel, Heinz-Peter Röhrs

Figur und Handlung im Märchen

BA-Modul 3: Grammatik I: Laut & Wort

Medi-Taping - Schmerzfrei im Handumdrehen

»Ich bin doch auch zu etwas nütze«

Kopf / HWS. Knöcherne Palpation:

Standard-Einsatz-Regeln: Einsatz bei Photovoltaik-, Windenergie- und Biogasanlagen

Das QM-Handbuch. Qualitätsmanagement für die ambulante Pflege. Bearbeitet von Simone Schmidt

Anwendungen der Linearen Algebra

Hüftgelenk. Gelenkpfanne. Frontalschnitt. Skript Funktionelle Anatomie Untere Extremität B18 (Zusatz)

Beck kompakt. Körpersprache. Wahrnehmen, erkennen, deuten. Bearbeitet von Von Caroline Krüll, und Christian Schmid-Egger

S2-Leitlinien für Persönlichkeitsstörungen

Funktionales Fitnesskrafttraininq

EMV-Fibel für Elektroniker, Elektroinstallateure und Planer

Rettungsschwimmen. Lehrbuch. Bearbeitet von Die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes

Professionelle Kompetenz von Mathematiklehramtsstudierenden

Abb. 1.1 Brustkorb von ventral. Schlüsselbein 1 2 Rippen Brustbein. sternocostale Verbindungen. Rippenknorpel. Bandscheiben

Kompetenzorientierte Sexualerziehung

Infektionskrankheiten in der Pädiatrie - 40 Fallstudien

Das Amt Leuchtenburg

Bandscheiben-Aktiv-Programm

AO Prinzipien des Frakturenmanagements

Das Bundesverfassungsgericht im Politikfeld Innere Sicherheit

Die Integration ostdeutscher Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland durch Beruf und Qualifikation

Basiswissen Medizin des Alterns und des alten Menschen

INHALTSVERZEICHNIS ALLGEMEINE HINWEISE 2 HAUTSCHNITTE 7 ARTICULATIONES 13 HINWEISE PRÄPARATION 14

Computertomografie für MTRA/RT

Die Erwartungen der Eltern an die weiterführende Schule beim Schulübertritt ihres Kindes von der Grundschule in die Sekundarstufe I

Fitness-Training fürs Gesicht

Respiratorische Probleme Atemtherapie beim Pferd

Explosionsschutz Grundlagen - Maßnahmen - Dokumentation

112 Anatomie des gesunden rückens. unterer Rücken

Kataloge der Universitätsbibliothek Rostock / Die Bibliothek Herzog Johann Albrechts I. von Mecklenburg ( )

Schmerz-Wegweiser: Brust, Bauch und Genitalbereich

Hybride Finanzierung im Internationalen Steuerrecht

Bearbeitungs- und Prüfungsleitfaden. Risikoorientierte Projektbegleitung. Interne Revision

Anatomische Grundlagen

Verifikation und Validierung für die Simulation in Produktion und Logistik

Kleine Formelsammlung Elektrotechnik

Vorkurs Mathematik. Ein Übungsbuch für Fachhochschulen. Bearbeitet von Michael Knorrenschild

Wärmebildkameras im Feuerwehreinsatz

Elektrische und magnetische Felder

Anamnese - Untersuchung - Diagnostik

Transkript:

physiofachbuch Angewandte Physiologie Band 2: Organsysteme verstehen Bearbeitet von Frans van den Berg erweitert, überarbeitet 2005. Buch. 608 S. Hardcover ISBN 978 3 13 117082 8 Format (B x L): 17 x 24 cm Weitere Fachgebiete > Medizin > Vorklinische Medizin: Grundlagenfächer > Physiologie, Pathophysiologie Zu Inhaltsverzeichnis schnell und portofrei erhältlich bei Die Online-Fachbuchhandlung beck-shop.de ist spezialisiert auf Fachbücher, insbesondere Recht, Steuern und Wirtschaft. Im Sortiment finden Sie alle Medien (Bücher, Zeitschriften, CDs, ebooks, etc.) aller Verlage. Ergänzt wird das Programm durch Services wie Neuerscheinungsdienst oder Zusammenstellungen von Büchern zu Sonderpreisen. Der Shop führt mehr als 8 Millionen Produkte.

Atempumpe 35 Zusammenfassung: Atempumpe Die erste Schaltstelle der Atmung ist die Ventilation. Die Luft wird mithilfe eines Saug-Pumpmechanismus in die Lunge hinein und aus der Lunge hinaus transportiert. Die Lunge ist über die Pleurablätter fest mit dem Thorax verbunden, sodass sich bei der inspiratorischen Erweiterung des Brustkorbs das Lungenvolumen vergrößert und durch den entstehenden Unterdruck die Luft in die Lunge gesaugt wird. Der Motor der Atempumpe ist die Atemmuskulatur. 2.1.1 Atembewegung Die Atemmuskeln verursachen durch ihre Kontraktion Formveränderungen des Brustkorbs und Abdomens und damit Volumenveränderungen der Lungen, die über die Pleura visceralis und Pleura parietalis untrennbar mit der Thoraxwand verbunden sind. Die Volumenveränderungen der Lungen führen zu Luftverlagerungen in den Lungen und Atemwegen, zur Ventilation. Bei der Inspiration dehnt sich die Brustwand dreidimensional aus: der sagittale, longitudinale und transversale Durchmesser von Brustkorb und Abdomen vergrößern sich gleichzeitig. Eine detailliertere Beschreibung der Bewegungen folgt. 2.1.2 Rumpfwand Die Rumpfwand besteht aus der Brustwand (Brustkorb und darüber liegende Gewebe) und der Bauchwand. Brustkorb Der Brustkorb besteht aus knöchernen Strukturen, Rippen, Costae, Brustbein, Sternum, Brustwirbelsäule, Columna vertebralis thoracalis, und Schlüsselbein, Clavicula, die miteinander verbunden sind (Abb. 2.4). Obwohl der Brustkorb schwerfällig und wenig mobil erscheint, kann er durch koordinierte Aktion der angehefteten Muskeln bewegt und stabilisiert werden. Die Volumenveränderung des Brustkorbs erfolgt in dreidimensionaler Richtung: von ventral nach dorsal, von innen nach außen und von kranial nach kaudal. Ausmaß und Richtung der Volumenveränderung variieren in den verschiedenen Bereichen des Brustkorbs infolge der unter- Tuberculum costae I Costa I (Knorpel- Knochen- Grenze) Caput costae I Abb. 2.4 Knöcherne und knorpelige Strukturen und Form des Brustkorbs in mittlerer Inspirationsstellung (Ansicht von ventral und leicht kranial). Synchondrosis sternalis Costa VII (Knorpel- Knochen- Grenze) Costa XII Processus costarius vertebrae lumb. I Arcus costalis sinister

36 2 Atemsystem l inf. x y x sup. Abb. 2.5 Bewegungsachsen der obersten (y y ; Pumpschwengel-Bewegung) und der untersten Rippe (x-x ; Eimerhenkel-Bewegung). schiedlichen Form und Bewegungsachsen der Rippen, der kostosternalen Verbindungen und der anheftenden Muskulatur. Die kranialen Rippen bewegen sich während der Inspiration vor allem nach kranial und ventral (Pumpschwengel-Bewegung), die kaudalen Rippen nach lateral und kranial (Eimerhenkel-Bewegung) (Abb. 2.5). Die kostosternalen Gelenke lassen eine Torsionsbewegung zu, die für die unteren Rippen größer ist als für die oberen. y a Bauch und Bauchwand Bauch, Abdomen, und Bauchwand bestehen aus passiven Komponenten (Eingeweide, Becken und Wirbelsäule) und aktiven Komponenten (Bauchund Beckenbodenmuskulatur), die einen wichtigen Einfluss auf die Atembewegung haben. Das Abdomen ist Stütze für das Zwerchfell, das den unteren Teil des Brustkorbs bewegt. Darüber hinaus spielt das Abdomen eine wichtige Rolle bei der Längeneinstellung (z. B. Vordehnung) des Zwerchfells. Die abdominale Muskulatur ist bei der Inspiration und der Exspiration aktiv. Während der Exspiration bewegt die abdominale Muskulatur den Brustkorb nach unten und über die Erhöhung des intraabdominalen Drucks das Zwerchfell nach oben. Hierdurch wird das Zwerchfell gedehnt, um aus einer günstigen Länge mit der folgenden Inspiration beginnen zu können. Entspannt sich die Bauchmuskulatur, nimmt das Lungenvolumen zu. So kann sie zur Inspiration beitragen. Während der Inspiration verhindert die Aktivität der Bauchmuskulatur, dass sich die Bauchwand übermäßig nach ventral bewegt. Der intraabdominale Druckaufbau wird dann vor allem die Eimerhenkel-Bewegung der unteren Rippen über die Appositionszone (area of apposition) (Abb. 2.6) begünstigen. Abb. 2.6 Diaphragma pars costalis und pars cruralis mit Appositionszone, in welcher der Brustkorb und der kostale Teil des Diaphragmas aneinander liegen. Pars costalis Appositionszone Pars cruralis

Atempumpe 37 Zusammenfassung: Rumpfwand Die Atmung wird von der Mobilität, Flexibilität und Stabilität der Rumpfwand und der Baucheingeweide maßgeblich beeinflusst. Zur Rumpfwand gehören Brustkorb und Bauchwand mit ihren knöchernen und muskulären Anteilen. Die passiven Anteile der Rumpfwand lassen bei Kontraktion der aktiven Anteile bestimmte Bewegungen zu. Im kranialen Brustkorbbereich kommt es vor allem zur Pumpschwengel-Bewegung und im kaudalen Brustkorbbereich zur Eimerhenkel-Bewegung. Die Aktivität der Bauchmuskulatur bei der Inspiration und der daraus entstehende intraabdominale Druck begünstigen die Eimerhenkel-Bewegung. Bei der Exspiration ist die Hauptaufgabe der Bauchwandmuskulatur, das Zwerchfell in eine günstige Vordehnung für die nächste Inspiration zu bringen. 2.1.3 Atemmuskulatur Bei der Ruheatmung nimmt das Volumen von Brustkorb und Bauch aufgrund einer koordinierten Kontraktion der drei Muskelgruppen, Zwerchfell, parasternale Interkostalmuskeln und den Mm. Sca- Tabelle 2.1 Muskeln und Muskelgruppen, die an der Atembewegung beteiligt sind Muskel-(gruppe) Innervation Funktion Diaphragma N. phrenicus (C 3 5) Nn. intercostales (Th 6 12) Inspiratorisch (primär) Mm. scaleni Plexus cervicalis (C 2 8) Inspiratorisch (primär) Mm. intercostales Nn. intercostales (Th 1 11) Parasternale: inspiratorisch Interossale: stabilisierend M. levator costalis Nn. intercostales (Th 1 11) Inspiratorisch (primär) M. rectus abdominis Rami ventrales (Th 5 12) Exspiratorisch/inspiratorisch Hilfsmuskel M. transversus abdominis N. ilioinguinalis Exspiratorische/inspiratorische Hilfsmuskeln M. obliquus internus N. iliohypogastricus M. obliquus externus M. quadratus lumborum Plexus lumbalis (Th 12, L 1 3) Exspiratorischer Hilfsmuskel M. erector trunci Rami dorsales (Th 1 12, L 1 5) Inspiratorischer Stabilisations- und Hilfsmuskel M. latissimus dorsi N. thoracodorsalis (C 7 8) Exspiratorischer Hilfsmuskel M. trapezius descendens N. accessorius Inspiratorischer Hilfsmuskel M. serratus posterior Rami ventrales (TH 2 5) Pars superior: Exspiratorischer Hilfsmuskel Pars inferior: inspiratorischer Hilfsmuskel M. serratus anterior N. thoracicus longus (C 5 7) Inspiratorischer Hilfsmuskel M. transversus thoracis Nn. intercostales (Th 4 7) Exspiratorischer Hilfsmuskel M. sternocleidomastoideus N. accessorius Inspiratorischer Hilfsmuskel Mm. pectorales N. pectoralis (C 5, Th 1) Exspiratorischer Hilfsmuskel

38 2 Atemsystem leni, im Wechsel zu und ab. Die Exspiration kommt durch die elastische Retraktionskraft der Lungen zu Stande, ist jedoch nicht völlig passiv, da sich die Inspirationsmuskeln während eines wichtigen Teils der Exspiration exzentrisch kontrahieren. Bei Zunahme des ventilatorischen Bedarfs werden nicht nur mehrere inspiratorische Muskeln (u. a. M. sternocleidomastoideus, M. trapezius) sondern auch exspiratorische Muskeln (vor allem der M. transversus abdominis) mit aktiviert. Eine Übersicht der Atemmuskulatur gibt Tab. 2.1. Zwerchfell Pars costalis (Insertionskomponente) P ab (Appositionskomponente) Pars cruralis P pl Das Zwerchfell, Diaphragma, ist der wichtigste Einatemmuskel. Es ist zwischen Brust- und Bauchhöhle aufgespannt und besteht aus einer zentralen Sehnenplatte, Centrum tendineum, und zwei Muskelteilen (Abb. 2.7). Der kostale Anteil, Pars costalis, ist am größten und verläuft zwischen Centrum tendineum, Margo costalis der Rippen 7 bis 12 und Sternum. Die Pars cruralis (Pars lumbalis) verläuft zwischen der zentralen Bindegewebsplatte, den ersten drei Lendenwirbeln und den Ligamenta arcuata mediale und laterale. Der Muskelteil des Zwerchfells verläuft parallel zum kaudalen Brustkorbabschnitt und der Wirbelsäule. Es entsteht eine Zylinderform, dessen Deckel von der zentralen Bindegewebsplatte gebildet wird. Während der Inspiration bewegt sich die Bindegewebsplatte wie ein Stempel hinunter in den Zylinder und erzeugt damit die wichtigste Volumenveränderung der Lunge in kranio-kaudaler Richtung. Durch die Kaudalbewegung des Zwerchfells wird der Bauchinhalt komprimiert und die vordere Bauchwand nach ventral bewegt. Der intraabdominale Druck übt eine Kraft auf den Teil der Brustwand aus, an dem das Zwerchfell parallel zur Brustwand verläuft Appositionszone. Der entstehende Druck wird Appositionsdruck genannt (Abb. 2.6 und 2.7). Die Bewegung des unteren Brustkorbs wird auch durch eine direkte Anheftung des Zwerchfells an den Rippen, Margo costalis, verursacht. Hierdurch werden die Rippen nach kranial und lateral bewegt (Insertionskraft, Abb. 2.7). Auch der kraniale Teil des Brustkorbs steht unter dem Einfluss der Zwerchfellkontraktion. Als Folge des entstehenden Unterdrucks in der Pleurahöhle (P pl ) während der Inspiration würde sich theoretisch der kraniale Anteil des Brustkorbs nach innen bewegen. Dies kann bei Patienten mit einer Tetraparese beobachtet werden. Bei gesunden Personen tritt diese Bewegung jedoch nicht auf, da hier gleichzeitig die parasternalen Interkostalmuskeln und die Skalenus- Abb. 2.7 Laterale Ansicht des Brustkorbs mit Diaphragma und den sich entwickelnden Drücken bei Kontraktion des Diaphragmas (Insertionskraft). muskeln aktiviert werden, um den Brustkorb zu stabilisieren. Mm. intercostales Es wird zwischen den Interkostalmuskeln, die im knöchernen Teil der Rippen liegen, und den Interkostalmuskeln im knorpeligen Teil der Rippen unterschieden. Im knöchernen (ossären) Teil der Rippen kommen die externen und internen Interkostalmuskeln vor, Mm. intercostales externi und interni, die gegenläufig und schräg verlaufen. Sie sind vor allem als Haltungsmuskel wichtig und tragen zu den Rumpfbewegungen bei. Die im knorpeligen (chondralen) Teil der Rippen gelegenen Muskeln verlaufen von dorsal-kaudal nach ventral-kranial (Abb. 2.8). Sie bewegen die oberen Rippen vor allem in lateraler und kranialer Richtung (Eimerhenkel- Bewegung). Bei jeder Inspiration sind diese Muskeln elektrisch aktiv und gehören deshalb zu den primären Atemmuskeln. Mm. scaleni Die Mm. scaleni verlaufen zwischen den Procc. transversi C1 bis 7 und der 1. und 2. Rippe. Ihre Kontraktion führt zu einer Zunahme des sagittalen Thoraxdurchmessers (Pumpschwengel-Bewegung). Die Mm. scaleni gehören zu den primären Einatemmuskeln.