Vortrag: Dr. Ernst Segatz, FAWF Relevante Neophyten Teil 2 Kanadische Goldrute Kleinblütiges Springkraut Topinambur Wasserpest
Kanadische Goldrute Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea)
Kanadische Goldrute Neben der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) tritt die Späte Goldrute (Solidago gigantea) als weiterer Neophyt der Gattung auf Einheimischer Vertreter: Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea) Herkunft Nordamerika: 1648 bzw. 1758 als Zierpflanzen in Europa eingeführt Biologie: Korbblütler / zahlreiche in Rispen angeordnete Korbblüten Unterscheidung der Neophyten: Kanadische Goldrute mit behaarten Stängeln und leicht gesägten Blatträndern Fernverbreitung durch Flugsamen (bis 19.000/Stängel) / vegetative Verbreitung durch Rhizome (unterirdische Sprosse)
Kanadische Goldrute Problematik: Verdrängung seltener und artenreicher Lebensgemeinschaften durch massenhaftes Vorkommen, insbesondere in Ried- und Magerwiesen Besonderheit: Heidnisch Wundkraut / Name! (solidus, agere) Arzneipflanze (harntreibend, schwach krampflösend, schmerzstillend, entzündugshemmend) fälschlich in Zusammenhang mit Pollenallergie gebracht
Kanadische Goldrute Verbreitung in Rheinland-Pfalz
Kanadische Goldrute Einbringung als Bienentracht Eindringen in Schilfbestände Veränderung eines geschützten Bruchstandortes (NSG Kasbruch bei Homburg/Saar) Störung des Umfelds einer wertvollen Limnokrene (NSG Rodenbacher Bruch)
Kanadische Goldrute Pflegemaßnahmen: Zweimalige möglichst tiefe Mahd pro Jahr (1. Schnitt im Juni verhindert die Samenbildung, Entfernung des Schnittgutes für die zu begünstigende Vegetation von Bedeutung) Bodenbearbeitung: Fräsen des Bodens, anschließend Direktbegrünung (?) Abstoßen der obersten Bodenschicht (5 10 cm), dadurch gleichzeitige Verbesserung des Standorts für Magerwiesenarten Vernässen des Standorts / Folienabdeckung Vorbeugende Maßnahmen: Verhinderung von Störungsflächen (Bodenverwundung durch Maschineneinsatz etc.) Wiedervernässung von ehemaligen Nassstandorten
Kleinblütiges Springkraut Impatiens parviflora ist neben dem Indischen Springkraut (Impatiens glandulifera) zweiter relevanter Neophyt der Gattung Impatiens Einheimischer Vertreter: Echtes Springkraut (Impatiens noli-tangere) Herkunft: Nordost-Asien (Sibirien, Mongolei) Biologie: Balsaminengewächs / Kapselfrüchte durch Zellsaftdruck gespannt (Saftdruckstreuer) / Klebverbreitung der Samen (Schleimanhafter) Unterscheidung: Echtes Springkraut mit gekrümmtem Sporn Problematik: möglicherweise Konkurrent einheimischer Arten (insbesondere des Echten Springkrauts), zur Zeit laufen entsprechende Untersuchungen Keine Maßnahmen!
Kleinblütiges Springkraut Impatiens noli-tangere
Kleinblütiges Springkraut Verbreitung in Rheinland-Pfalz
Kleinblütiges Springkraut Typischer Standort an Waldwegen Pflanze als Lebensraum
Topinambur Süßkartoffel, Erdbirne, Ross-Erdapfel (Helianthus tuberosus) Herkunft: Nord- u. Mittelamerika (ursprünglich wahrscheinlich Mexiko) Biologie: Korbblütler in Mitteleuropa keine sexuelle Vermehrung vegetative Vermehrung durch Rhizome Problematik: Verdrängung seltener und artenreicher Lebensgemeinschaften, insbesondere an Gewässern Erosionsgefahr
Topinambur Verbreitung in Rheinland-Pfalz
Topinambur Maßnahmen: Zweimalige Mahd (Juni und August), dadurch Unterdrückung der Knollenbildung Mulchen (Mahd mit Häckseln des Materials) Ende Juni und anschließendes Fräsen des Oberbodens Anfang Juli Ausgraben oder Ausziehen der Knollen (bei feuchtem Boden) Gewässerbepflanzung (Beschattung) Besonderheiten: Schnapsherstellung ( Topi, Rossler) Viehfutter Bioenergetische Nutzung Produkte für Diabetiker und zur Gewichtsreduktion
Wasserpest Drei neophytische Elodea-Arten: Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) Schmalblättrige Wasserpest (Nuttalls W.) (Elodea nuttallii) Argentinische Wasserpest (Elodea callitrichoides) Biologie: Wasserpflanze / Froschbissgewächse In Europa nur vegetative Vermehrung weiblicher Pflanzen
Wasserpest Verbreitung in Rheinland-Pfalz
Wasserpest Forstliche Relevanz nur in Bezug auf forstfiskalische Gewässer und hinsichtlich des Naturschutzes Problematik: Bildung von Dominanzbeständen durch periodische Massenvermehrung, dadurch Behinderung von Fischerei, Freizeitnutzung, Tourismus, Energiegewinnung Maßnahmen: Unterschiedliche Techniken des Mähens und der Entnahme der Biomasse, Einsetzen von Rotfedern Ausschreibung innovativer Bekämpfungsverfahren durch Landschaftsverbände (Braunkohlefolgenutzungs-Landschaften) und Talsperrenbetreiber (insbesondere in NRW) Ökologische Zusammenhänge noch wenig erforscht (limnologische Parameter wie Trübung, Plankton, Nährstoffe, Temperatur, fehlende herbivore Fische etc.)