Predigt zu Matthäus 5, 10

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Zum Schluss möchten wir über unseren Gottesdienst heute und speziell über unsere Hingabe, die wir Opfergabe oder Kollekte nennen, nachdenken.

Transkript:

Predigt zu Matthäus 5, 10 Liebe Gemeinde, die Liebe unseres himmlischen Vaters ist so unbegreiflich groß ich weiß gar nicht, wie ich leben könnte ohne ihn, ohne seine Liebe. Andererseits weiß ich aber auch gar nicht, wie ich diesem so unbegreiflichen Gott in seiner vollkommenen Liebe zu mir vollkommen gerecht werden könnte! Wie geht ihr damit um, wenn Jesus in der Mitte seiner Bergpredigt fordert: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist! (Mt. 5,48)?! Der Anspruch, den Jesus da an seine Zuhörer richtet, ist unbegreiflich groß. So heißt es zum Abschluss der Bergpredigt: Als Jesus seine Rede beendet hatte, war die Volksmenge betroffen von seiner Lehre. Denn er lehrte wie einer, der göttliche Vollmacht hat und nicht wie die Schriftgelehrten (Mt. 7,28f). Nicht zuletzt auch die Jünger waren zutiefst betroffen, fassungslos, ja entsetzt und auch ratlos. Wie könnten sie das erfüllen, was Jesus hier fordert? Wer kann denn vollkommen sein, wie der Vater im Himmel vollkommen ist?! Wahrscheinlich würde niemand wagen, das von sich zu behaupten. Doch ich behaupte, dass Jesus uns 1

tatsächlich zutraut, glückselig zu werden und das zu verwirklichen, was Jesus in seiner Bergpredigt ganz konkret ausführt. Jesus traut uns unbegreiflich viel zu. Wenn Jesus sagt: Glückselig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel (5,10), dann rechnet er damit, dass wir für Gerechtigkeit einstehen, selbst wenn wir uns damit unbeliebt machen oder wir tatsächlich um unser Leben fürchten müssten. Die achte und abschließende Seligpreisung beinhaltet den vielleicht höchsten Anspruch aller Seligpreisungen. Spätestens hier muss ich eingestehen, dass ich mir nicht vorstellen kann und auch nicht vorstellen möchte, wie es ist, um meines Glaubens willen verfolgt zu werden. Das habe ich noch nicht erlebt und allein die Vorstellung löst in mir ein gewisses Unbehagen aus! Zugegeben, aus menschlicher Sicht werden wir mit den Seligpreisungen nicht glücklich. Die Verheißungen der Seligpreisungen werden sich in unserem Leben nur bewahrheiten können, wenn wir uns unserem Vater im Himmel vollkommen anvertrauen. Im Grunde geht es Jesus nur darum, dass wir eins werden mit Gott. Schon die frühen Kirchenväter haben die Seligpreisungen als Stufenweg zu Gott verstanden. Origenes meinte, Jesus würde uns in der konkreten Situation die 2

nötige Kraft geben, sollten wir beschimpft, verleumdet, verfolgt werden. Wir müssen diese Kraft nur nutzen und ihr mit unserer eigenen Kraft antworten, so Origenes. Aus eigener Kraft würden wir scheitern. Jesus aber lehrte nicht nur vollmächtig, er bevollmächtigt uns eben auch, das umzusetzen, was er gelehrt hat. Wer das nicht versteht, wird die Seligpreisungen nicht verstehen können. Ohne Jesus können wir nichts tun. Ich denke, dass Jesus genau darauf hinaus wollte dass wir nämlich nur im Vertrauen auf ihn und seine Macht glückselig werden. Jesus wusste ja, dass seine Nachfolger damit zu rechnen haben, dass sie um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. So unangenehm diese Vorstellung sein mag, wer sich verfolgt fühlt, wird sich einen Zufluchtsort suchen. Diesen Zufluchtsort finden wir in der Stille vor Gott. Wer oder was dich auch immer verfolgt, es wird dich Gott näher bringen gewissermaßen dem liebenden Vater in die Arme treiben. Genau darum geht s: a) Die Armen im Geist werden vielleicht von Minderwertigkeitsgefühlen verfolgt. Dann denke ich, immer noch mehr leisten zu müssen, um mehr Anerkennung zu finden. Am Ende reicht es aber nie so ganz, um zufrieden sein zu können. Der Anspruch an alle, die sich geistlich armselig fühlen, ist der, 3

vollkommen darauf zu vertrauen, dass der Vater im Himmel unsere innere Armut mit seiner Liebe ausfüllen kann! b) Die Trauernden werden vielleicht von schmerzhaften Erinnerungen verfolgt oder vielleicht auch von Schuldgefühlen. Dann ist die Frage, wie man damit umgeht. Man kann versuchen, die Dinge zu verdrängen. Doch damit wird man nicht glücklich. Wir brauchen einen Zufluchtsort, wo wir weinen und klagen können und wo wir zugleich getröstet werden! c) Die Sanftmütigen werden gerne von solchen Leuten verfolgt, die Macht ausüben. Dagegen anzukämpfen macht meistes alles nur noch schlimmer. Da fällt es schwer, sanftmütig und freundlich zu bleiben. Das wird nur gelingen, wenn man sehr gefestigt ist und man sich vollkommen in Gott geborgen weiß! d) Diejenigen, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, verfolgen klare Ziele und manchmal könnten sie daran verzweifeln. Doch glücklicher Weise folgen wir einem Gott, der diese ungerechte Welt überwunden hat. Wir brauchen die Hoffnung, dass Gott für eine ausgleichende Gerechtigkeit sorgen wird und er seine Ziele erreicht. Anders könnten wir es kaum ertragen, dass viele Christen um ihres Glaubens willen verfolgt und ja auch getötet werden! Die ersten vier Seligpreisungen beziehen sich auf vier 4

Gruppen von Menschen, die es nicht leicht haben. Dennoch können sie glücklich werden. Nicht indem sie sich besonders anstrengen, sondern indem sie vollkommen vertrauen. Wohl bemerkt, wir können vollkommen vertrauen, ohne uns dafür besonders anzustrengen. Vertrauen entsteht vor allem im Gebet. Wir können Gott sagen, was uns belastet. Und wenn ich mir alles von der Seele gebetet habe, werde ich erleben, dass der HERR mir den Tisch deckt im Angesicht meiner Feinde. Dann verliere ich meine Angst. Dann verflüchtigen sich die Gedanken, die mich eben noch verfolgt haben. Dann finde ich innerlich zur Ruhe und bin irgendwie glückselig, ohne dass sich etwas geändert hätte. Nun ist das alles schön und gut und dennoch fällt es schwer, sich damit zufrieden zu geben. Denn wir sollen ja nicht nur vollkommen vertrauen, sondern vollkommen sein! Wie gehen wir damit um? Nehmen wir mal an, dass die Seligpreisungen so eine Art Stufenweg zur Vollkommenheit beschreiben. Dann folgen auf die ersten vier Stufen die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Friedensstifter und die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten. Ich hoffe, dass ihr euch zu den Barmherzigen zählt dass ihr ein reines Herz habt dass ihr Friedensstifter seid und dass ihr, wenn es drauf ankommt, auch bereit seid, 5

Verfolgung zu erleiden! Ja, ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich zu den Glückseligen gehöre, die hier in der zweiten Vierergruppe glückselig gepriesen werden. Nur meldet sich unglückseliger Weise dabei sofort mein schlechtes Gewissen. Wenn mich aber mein schlechtes Gewissen verfolgt, weil ich denke, Gott nicht gerecht werden zu können, kann ich nicht glückselig werden. Jesus will aber, dass wir glückselig werden. Allerdings mahnt er zum Abschluss seiner Bergpredigt noch einmal sehr eindringlich: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und viele Wunder getan? Ich aber werde ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Was ihr getan habt, das habt ihr ohne mich getan. Geht mir aus den Augen (Mt. 7,21-23). Wie hört ihr diese Worte Jesu? Man könnte denken, dass Jesus uns ja nicht meinen kann, weil wir weder die Gabe der Prophetie haben, noch Dämonen austreiben oder Wunder tun. Es entsteht der Eindruck, dass Jesus hier auf Christen anspielt, die eigentlich vollkommen sind oder 6

zumindest von sich denken, sie seien vollkommen. Sie sagen nicht nur Herr, Herr, sie reden nicht nur, sie tun auch etwas sie tun Wunder. Trotzdem sind sie offenbar nicht vollkommen. Und genau darin liegt für mich ein Trost. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, kommt aus Glauben aus dem Vertrauen, dass ich so unvollkommen, wie ich bin, vollkommen bin nämlich vollkommen angewiesen auf die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Wenn mich mal wieder mein schlechtes Gewissen verfolgt, nehme ich ein Kreuz in die Hände, verbunden mit der Bitte, dass Jesus mir vergibt, mich heilt und er mir ein reines Gewissen schenkt. Dann ist es letztendlich egal, ob ich zu den Armen im Geist gehöre, oder zu denen, um der Gerechtigkeit willen Verfolgten denn die Verheißung der ersten und der achten Seligpreisung ist dieselbe: denn ihnen gehört das Reich der Himmel. Das Reich der Himmel ist unser Zukunftsort. Der Himmel ist nicht nur unsere Zukunft, sondern gegenwärtig erfahrbar, wenn uns gewisse Ängste oder eben das schlechte Gewissen nicht mehr verfolgen. Mir ist kürzlich erst wieder bewusst geworden, dass die äußeren Umstände, die uns manchmal so viele Sorgen bereiten, gar nicht ausschlaggebend sind. Es kommt darauf an, was ich aus der augenblicklichen Situation 7

mache. Selbst, wenn die Lebensumstände sehr problematisch sein sollten, können wir glückselig sein, im Vertrauen darauf, dass Gott für uns ist! Wer kann da gegen uns sein? Jesus hat nicht nur vollmächtig gelehrt, er hat uns durch seinen Geist Vollmacht gegeben. Wir können im Glauben an Jesus Christus beispielsweise dämonische Gedanken und Ängste, die uns bis in den Schlaf hinein verfolgen, austreiben. Nicht, um uns selbst oder anderen etwas zu beweisen. Die um der Selbstgerechtigkeit willen Verfolgten, werden nicht glückselig sein. Das Reich Gottes ist denen verheißen, die auf Jesus vertrauen. Soviel ist sicher, ohne Jesus können wir nichts tun jedenfalls nichts, was uns gerecht macht vor Gott. Wir sind und bleiben damit vollkommen angewiesen auf die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Wenn wir das akzeptieren, wird alles gut vollkommen gut. AMEN 8