Grönland, eisige Welt

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Transkript:

Die Arktis im Griff des Klimawandels Grönland, eisige Welt Benoît Sittler Naturschutz und Landschaftsökologie Universität Freiburg Auf den Spuren der Lemminge Der sagenumwobene Lemming seit 1988 im Fokus einer ökologischen Forschung in Nord-Ost Grönland Es sind diese eigenen Langzeitbeobachtungen die uns nun fundiertere Aussagen zum Klimawandel in der Arktis ermöglichen

Vortragsübersicht Die Arktis, unsere nördliche Kältezone Wie hat sich das Leben an diese Bedingungen angepasst (Pflanzen, Tiere, Menschen) Das Beispiel der Lemminge Andere charakteristische Arten Die Realität des aktuellen Wandels: die Arktis als Hauptleidtragender! Die Arktis, unser nördliches Polargebiet Ein Binnenmeer umgeben von öden Küsten! Eismeer 14 mio/km2 Abgrenzung = Nordpol -Nördliche Polarkreis -Jenseits der Baumgrenze -10 C Juli Temperatur -Treibeisgrenze im Ozean Golf Strom als Wärmepumpe

Warum ist es an den Polen so kalt? Arktischer Sommer Mitternachtsonne Arktischer Winter Polarnacht Ø = 5 bis 10 C Ø = - 20 bis - 50 C Aber Arktis viel wärmer als die Antarktis! Salzwasser friert ab -1,9 C Das nördliche Eismeer - In ständiger Bewegung - Winter: 13 Mil. km2 Sommer : 6 Mil. km2

Meeresströmungen in der Arktis Die Schlüsselrolle des Gulf Streams Die arktischen Landmassen Schneebedeckung, die bis in den Sommer andauern kann

Wandlung des im Winter gefallenen Schnees - Schmelze im Sommer - Restschnee (als ewiger Schnee!) = wandelt sich in Firnschnee und später in Eis um - Nur noch in Lagen oberhalb von 2500 Metern nennenswerte Eisbildung! Die Eiskappe Grönlands

Die tausendjährige Schichtung des Eises: Der größte Süßwasservorrat Eine gewaltige reliefbildende Kraft

Die Entstehung einer Eiskappe Das Beispiel Grönlands Vor 10 Millionen Jahren Vor 2,3 Millionen Jahren Vor 2 Millionen Jahren Vor 20 000 Jahren Heutzutage Vor 20 000 Jahren, Nordeuropa unter einem mächtigen Eisschild! Der Meeresspiegel lag damals um 100 m tiefer! Durchschnittstemperatur um mehr als 5 Grad niedriger Im Oberrheingraben, Bedingungen wie heute in Grönland!

Periglaziale Lebensräume Im Grenzbereich zum ewigen Eis Am Rande der Eismassen, die Tundra

Permafrost = Dauerfrostboden Eine karge aber angepasste Vegetation Flechten Silene acaulis Zwergweiden

Von Waldtundra bis polare Wüste Die arktische Tierwelt Besonders an diese Bedingungen angepasste Arten Kälte - Schnee Polarnacht Spärliches Nahrungsangebot Arten die zuvor mit dem ständigen durch Eiszeiten bedingten Wechsel zurecht gekommen sind

Ein weisses Kleid um in einer weissen Umgebung nicht aufzufallen! Die Pflanzenfresser Eine Reihe von morphologischen, physiologischen und verhaltensbedingten Anpassungen - um mit der Kälte auszukommen - um die karge Vegetation optimal auszunutzen

Vögel der Polargebiete Nur ganz wenige Standvögel Vor allem Zugvögel die dem arktischen Winter entkommen Oft sehr spezialisierte Fressfeinde

Meeressäuger eng vom Packeis abhängig!

Feldforschungen in der Arktis, Eine große logistische Herausforderung! Zählung der Winternester und Direkt- Beobachtungen Hermelin-Nest mit Lemmingfell!

Die gegenseitige Beeinflussung der Lemminge und ihrer Raubfeinde Science (2003) Die Wechselbeziehungen mit dem Hermelin als treibende Kraft der Zyklen Der schleichende Wandel der arktischen Umweltbedingungen Änderung der Schneebedeckung als Indiz von großer ökologischen Relevanz Trend zur früheren Schneeschmelze Auch schneefreie Zeit immer länger 30.7 15.7 30.6 15.6 31.5 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 Bachelor-Arbeit Hegemann, 2012 Global Change Biology, 2009, 15; ergänzt

Eigene Beobachtungen im Untersuchungsgebiet Verschwinden von Eisfeldern in Höhenlagen 15 Juli 1989 15 Juli 2007 Ausbleiben der Lemmingzyklen seit 15 Jahren! 12 Lemming density (individuals per ha) 9 6 3 0

Parallel dazu: Ausbleiben von Brutversuchen bei Schnee-Eulen? Number of winternests (1500 ha) 4000 3000 2000 1000 6 14 5 20 3 1 2 4 0 Schwellenwert: bei ca. 900 Winternester (= 2 Lemm./ha) Fang der Eulen für die Satelliten Telemetrie

North Pole Timmiaq s nomadic flight path from Traill Ö to Ellesmere and back.. 83 Latitude Nord! Ellesmere Greenland Traill Island 0 100 km Die nomadischen Flugbewegungen von Timmiaq (Juli 2012 Nov. 2013) Wanderungen der Falkenraubmöwen

Änderung der Schneebedingungen = Hohe Mortalität bei Moschusochsen Eisbären an Land! Von 1988 bis 1992 = 0 Beobachtungen Seit 2000 = 5 bis 10 Begegnungen im Schnitt pro Sommer!

Neugierige aber auch gefährliche Gäste!! Eisbärenbegegnungen auf der Traill Insel Zeitraum: 1988 2016 Eindeutige Änderungen in den letzten 15 Jahren! Immer mehr Bären weit im Landesinnere!!

Mehrjähriges Packeis im Rückgang (1990 2012) Immer weniger Packeis in den Küstenzonen des Eismeeres!

Die Änderungen der Packeisbedeckung vor der Küste Nord-Ost Grönlands Das Meer wird früher eisfrei! Es bleibt auch länger eisfrei! Verlagerung der Areale nach Norden? Erste Brutnachweise Spornammer Wiesenpieper Regenbrachvogel (regelmäßig beobachtet) Bei den Säugetieren: Polarfuchs durch das Vorrücken des Rotfuchses bedroht (Skandinavien, Sibirien, Alaska)

Auftauen des Permafrostes führt vielerorts zu Hangrutschungen Dendrochronologie an Zwergweiden zur Klima-Rekonstruktion Microscopic representation of a stem disc showing the cell distribution pattern of an arctic willow

Die Erderwärmung im 21. Jahrhundert Numerische Simulationen Erwärmung um 3 bis 6 Grad in der Arktis! Ausblick Die Arktis als Alarmanlage des Klimawandels Unseres tägliche Handeln mitentscheidend über seine Zukunft Für das Überleben arktischer Arten, eine große Herausforderung!

Wenn Sie mit dem Projekt verbunden bleiben wollen! Feldpost aus Grönland! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!