DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE

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Transkript:

DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE

DEUTSCHE LITERATUR- GESCHICHTE Von den Anfängen bis zur Gegenwart Vierte, überarbeitete Auflage Mit 400 Abbildungen Von Wolfgang Beutin, Klaus Ehlert, Wolfgang Emmerich, Helmut Hoffacker, Bernd Lutz, Volker Meid, Ralf Schnell, Peter Stein und Inge Stephan J.B. Metzlersehe Verlagsbuchhandlung Stuttgart

Die einzelnen Kapitel bzw. Abschnitte wurden verfaßt: S. 1-50 von Bernd Lutz; S. 51-84 von Wolfgang Beutin; S. 85-120 von Volker Meid; S. 121-200 von Inge Stephan; S. 201-258 von Peter Stein; S. 259-303 von Klaus Ehlert; S. 304-316 von Helmut Hoffacker; S. 317-333 von Klaus Ehlert; S. 334-343 von Helmut Hoffacker; S. 344-426 von Inge Stephan; S. 427-457 von Ralf Schnell; S. 458-525 von Wolfgang Emmerich; S. 526-605 von Ralf Schnell; S. 606-612 von Wolfgang Emmerich. Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Deutsche Literaturgeschichte : von den Anfängen bis zur Gegenwart I von Wolfgang Beutin... - 4., überarb. Aufl. - Stuttgart :Metzler, 1992 ISBN 978-3-476-00776-6 ISBN 978-3-476-03374-1 (ebook) DOI 10.1007/978-3-476-03374-1 NE: Beutin, Wolfgang Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 1992 Springer-Verlag GmbH Deutschland Ursprünglich erschienen bei J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart 1992

INHALT Vorwort Mittelalterliche Literatur Eine romantische Wiederentdeckung 1 Germanisch-heidnische Dichtung, Heldenlied 4 Von der karolingischen Renaissance zum Stauferreich: Kulturpolitische Grundlagen 7 Althochdeutsche und frühneuhochdeutsche Literatur aus dem Geist der Übersetzung 11 Die epische Literatur der Stauferzeit 16. Minnesang 31. Grundzüge der Literatur des Spätmittelalters 40 Humanismus und Reformation Der Renaissance-Humanismus 51 Gesellschaftskritik und reformatorische Programme von der >>Reformatio Sigismundi<< bis Hans Sachs 56 Die Entdeckung des Worts als Waffe 59 Flugschriftenliteratur 61 Zwei Reformatoren, ein Propagandist der Reformation 63 Volkslied, Gemeindelied, Bekenntnislyrik 69 Das Reformationsdrama 75 Schwank und Roman vor dem Roman 78 Literatur des Barock Deutschland im 17. Jahrhundert 85 Literatur und Gesellschaft 89 Die Literaturreform 92 Dichtung und Rhetorik 96 Lyrik 97 Von Trauer- und Freudenspielen 107 Roman 114 Aufklärung Was ist politisch und gesellschaftlich neu? 121 Die Öffentlichkeit verändert sich - Der freie Schriftsteller meldet sich zu Wort - Der literarische Markt entsteht 122 Die aufklärerischen Literaturtheorien von Gottsched über Lessing bis zum Sturm und Drang 129 Die aufklärerische Praxis im Drama 132 Der einzelne Mensch erfährt sich im Roman 144 Subjektivität und Gesellschaftskritik in der Lyrik 147 Lehrhafte Fabel 148 Entstehung der Kinder- und Jugendliteratur 150 Rationalismus und Empfindsamkeit- Zur Dialektik der Aufklärungsbewegung 152 Kunstepoche Zwischen Revolution und Restauration 154 Reaktionen auf die Französische Revolution: Klassik- Romantik- Jakobinismus 155 Weimarer Klassik 161 Der Weg zum Entwicklungs- und Bildungsroman 169 Die Verbindung von Dramatischem und Epischem in der Novelle 171 Romantik als Lebensund Schreibform 173 Schreibende Frauen der Romantik 180 Die Mainzer Republik und die Literaturpraxis der Jakobiner 182 Im Umkreis von Klas- Seite IX Seite 1 Seite 51 Seite 85 Seite 121 Seite 154 V

INHALT sik, Romantik und Jakobinismus: Jean Paul - Kleist - Hölderlin 186 Die späte Romantik 194 Goethes Spätwerk als Bilanz der Epoche 197 Klassikverehrung und Klassikwirkung im 19. und 20. Jahrhundert 201 Seite 208 Seite 259 Seite 304 Seite 344 Seite 385 Vormärz Aufbruch in die Industrielle Revolution 208 Literaturmarkt, Berufsschriftstellertum und Zensur 212 Wozu ist Literatur jetzt nützlich? 216 Das Unglück, Dichter zu sein oder: Vom Geschichtsschreiber zum Geschichtstreiber 221 Enfant perdu: Heinrich Heine 224 Das Ende der Kunst oder neue Zeit und neue Kunst 229 Das Programm der politischen Poesie 234 Kritik der politischen Poesie: der Widerstreit von politischer Tendenz und literarischer Praxis 239 Literatur und Sozialismus in Vor- und Nachmärz 241 Rückblick auf eine Epoche: Neue Schreibweisen in Prosa, Lyrik und Drama 246 Unterhaltungsliteratur, Kinder- und Jugendliteratur, Frauenliteratur 252 1848 und das Zerbrechen der aufklärerischen Perspektive 257 Realismus und Gründerzeit Die widersprüchliche allgemeine Situation 259 Die literarischen Strömungen und das Geistesleben der Zeit: Nationale und liberale Erziehung statt allgemeiner Freiheit? 263 Haltungen als literarische Antwort auf die gesellschaftliche Entwicklung:»Innerlichkeit«, Distanz und die Gefahr der»restaurativen Utopie<< 268 Zwei Meisterwerke als unterschiedliche Repräsentanten der Epoche: >>Mozart auf der Reise nach Prag<< und >>Der Heilige<< 275 Wie können politisch engagierte Dichter schreiben und wen können sie erreichen? Die Lyrik in der Epoche des Realismus 284 Idee und Wirklichkeit des Dramas im Realismus 288 Volksliteratur und Dorfgeschichte 292 Die Entwicklung der Massenliteratur nach 1848 und deren Ziele 296 Im Zeichen des Imperialismus Literaturgesellschaftliche Lage zwischen 1890 und dem Ersten Weltkrieg 304 Arbeiterliteratur 306 Was ist Naturalismus? 309 Gab es einen bürgerlichen Freiraum für Kunst und Literatur? 317 Gab es eine >>literarische Revolte<<? 321 Volkhaft-Monumentales und Ästhetisch-Dekoratives 325 Die literarische Revolte des Expressionismus 334 Bilanz der bürgerlichen Epoche (Th.Mann, Sternheim, H.Mann) 340 Literatur in der Weimarer Republik Nach der Niederlage des Ersten Weltkriegs 344 Literatur als Ware 345 Schriftsteller organisieren sich 347 >>Eine Zensur findet nicht statt<< - Schriftstellerverfolgungen 349 Literatur in der Medienkonkurrenz 352 Ansätze zu einer proletarisch-revolutionären Literatur 355 Entwicklungstendenzen in der Prosa 363 Zeitstück, Volksstück und Lehrstück - Das Drama 372 Zwischen Artistik und Engagement - Die Lyrik 379 Literatur im Dritten Reich Die nationalsozialistische Machtergreifung 385 Nationalsozialistische Kulturpolitik 387 Die >>Ästhetisierung der Politik<< oder faschistische Politik als Gesamtkunstwerk 390 Die Literatur der >>Inneren Emigration«393 Antifaschistische Untergrundliteratur 397 VI

INHALT Die deutsche Literatur des Exils Der Exodus 400 Die Lebensbedingungen im Exil 402 Kampf um die Einheitsfront der Exilautoren 404 Expressionismus- und Realismusdebatte 407 Die besondere Rolle des historischen Romans 411 Antifaschistische Literaturpraxis 414 Die Rolle Bertolt Brechts 419 Deutsche Literatur nach 1945 >>Als der Krieg zu Ende war«427 Administration statt Revolution: Grundzüge der Gesellschafts- und Kulturpolitik in den Besatzungszonen 428 Kapitalismus statt Sozialismus: Determinanten der politisch-kulturellen Restauration in der Bundesrepublik 430 >>Nullpunkt<<, Umbruch oder Kontinuität? Traditionsbezüge der deutschen Nachkriegsliteratur 435 Sammlung und Aufbau 448 Die Literatur der DDR Modell >>Literaturgesellschaft<<: literarisches Leben zwischen Sozialpädagogik und Zensur 458 Die 50er Jahre: Antifaschistischer Konsens und Auseinandersetzung mit der >>neuen Produktion«466 Zwischen Affirmation und Utopie. Der Umbruch in den 60er Jahren 481 Wider die instrumentelle Vernunft. Die Literatur der 70er und 80er Jahre 497 Die Literatur der Bundesrepublik Der Literaturbetrieb 526 Literatur versus Politik - Schreibweisen der 50er Jahre 538 Die Politisierung der Literatur 554 >>Tendenzwende<<- Literatur zwischen Innerlichkeit und alternativen Lebensformen 582 Widerstand der Ästhetik- Die Literatur der 80er Jahre 592 Zwischenbilanz 1992: Einheit und Vielfalt der deutschen Literatur Weiterführende Bibliographie Personen- und Werkregister Bildquellen Seite 400 Seite 427 Seite 458 Seite 526 Seite 606 Seite 613 Seite 619 Seite 626 VII

VORWORT Als dieses Buch 1979 erstmals erschien, war das Feld der Literaturgeschichtsschreibung von Darstellungen beherrscht, die um 1950 entstanden waren und im Zeichen der nach 1945 gebotenen»ideologiefreiheit<< an die seit Wilhelm Dilthey üblich gewordene geistesgeschichtliche Betrachtung der deutschen Literaturentwicklung angeknüpft hatten. Wie sehr die mit diesem hilflosen Rückgriff in Kauf zu nehmenden Unzulänglichkeiten auf den Deutschunterricht der Generation, der die Autoren dieser Literaturgeschichte entstammen, eingewirkt haben, zeigt die Tatsache, daß das Warum und Wozu einer neuen literaturgeschichtlichen Sichtweise erst Mitte der siebziger Jahre neu begründet worden ist. Inzwischen darf die Bedeutung der sozialgeschichtlichen Dimension von Literatur, die hier neben der ästhetischen besonders ins Blickfeld gerückt worden ist, als Gemeingut der Literaturbetrachtung gelten. Die Anerkennung, welche der Deutschen Literaturgeschichte in den vergangenen zehn Jahren entgegengebracht worden ist, betrachten deren Verfasser als Bestätigung ihrer Absicht, über Strecken hinweg mit den Darstellungs-, Einteilungs- und Auswahlprinzipien herkömmlicher Art zu brechen und ein neues literarisches Selbstverständnis sichtbar zu machen. An dieser Stelle seien zwei Grundsätze wiederholt, die aus den Debatten um Konzeption und Gestaltung dieses Buchs als gemeinsame Auffassung hervorgingen. Demnach meint eine sozialgeschichtliche Begründung der Literaturbetrachtung keine Einbettung der Literatur in politische, soziale oder ideologische Prozesse; vielmehr kam es entscheidend darauf an, die künstlerische Eigenständigkeit literarischer Produktivität auf diesen Hintergründen herauszuarbeiten, um das Sich-Abfinden der Literatur mit den >>menschlichen Verhältnissen«ebenso zu beschreiben wie den Einspruch gegen sie. Indem literarische Veränderung und 'sozialer Wandel aufeinander bezogen wurden, konnte der ebenso prinzipielle wie produktive Widerspruch von ästhetischer Illusion und sozialer Wirklichkeit aufgedeckt und Literatur in der Dynamik dieses Widerspruchs als >>Organon der Geschichte<< (Walter Benjamin) begreiflich gemacht werden- selbst da, wo sie schließlich unterlegen ist. - Zum zweiten schien es den Autoren richtig, Literatur nicht als historisches und damit >>abgetanes<< Dokument, sondern als Speicher geschichtlicher Erfahrung zur Sprache zu bringen und auf die heutige Situation zu beziehen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß das in den literarischen Werken geborgene Wissen nicht einfach als»feste Wahrheit<<,»konkrete Substanz<< oder >>Sinnaussage<< zu entnehmen ist, sondern erst in der Vermittlung mit dem lesenden Subjekt und dessen in der Gegenwart gemachten Erfahrungen bedeutungsvoll wird. Als Konsequenzen für die Darstellung der vorliegenden Literaturgeschichte ergaben sich daraus im einzelnen die folgenden Leitlinien: chronologisches Vorgehen, wobei aber den einzelnen Zeiträumen unterschiedliches Gewicht gegeben wird und die Belange des 20. Jahrhunderts, vor allem die beiden deutschen Literaturen nach 1945, entschi~den betont werden; Orientierung der Epochengliederung an den Einschnitten der politischen Ge- Ausgangssituation zwei Grundsätze Leitlinien der Darstellung IX

VORWORT was ist neu? schichte bei Beachtung des ungleichzeitigen Verhältnisses von materieller und künstlerischer Produktivität; Entfaltung und Problematisierung der geschichtlichen Dimension von Literatur am Anfang einer jeden neuen Epoche, wobei die konstitutiven Leitfragen herausgearbeitet werden, mit deren Hilfe der literaturgeschichtliche Prozeß exemplarisch zu verdeutlichen ist; Auswahl der Schriftsteller und ihrer Werke nach funktionalen Gesichtspunkten, d. h. Verzicht auf Vollständigkeit in Autor- und Werkaufzählung, statt dessen Vorrang des Exemplarischen: die Nichterwähnung eines Autors bzw. eines Werkes hat grundsätzlich keinen wertenden Charakter. Wie schon die zweite Auflage, ist auch diese dritte stark verändert und in Teilen erweitert worden. Dies betrifft zunächst die äußere Gestaltung, die in der alten Anordnung- einer Mischung aus fortlaufender Darstellung, eingestreuten Originalzitaten und Informationstexten - als nicht mehr zeitgemäß erschien. Sämtliche Kapitel sind sachlich und stilistisch überarbeitet und erweitert worden, ohne daß dies hier im einzelnen kenntlich gemacht werden kann. Dabei wurden neuere und neueste Entwicklungen bzw. Forschungsergebnisse berücksichtigt. Schließlich ist das Abbildungsmaterial, das von Anbeginn an das Buch als eine zweite, >>sprechende<< Ebene begleiten sollte, verbessert und mehr als verdoppelt worden. September 1989 X