LARSIM Workshop 2017

Ähnliche Dokumente
LARSIM-Anwendertreffen 2014

Erfahrungen bei der Verwendung von COSMO-DE-EPS-Wettervorhersagen im operationellen Betrieb

Deutscher Wetterdienst

Vergleichende Hochwasser-Vorhersagetests für das Neckargebiet

Bestimmung von Extremniederschlägen für kleine und mittlere Einzugsgebiete in Mittelgebirgen in Echtzeit mit erhöhter Redundanz -EXTRA-

Ableitung einer Z/R-Beziehung mittels inverser hydrologischer Modellierung

Themen der Übung im Sommersemester 2007

Gekoppelte Meteorologie-Hydrologie-Simulation Von der technischen Strategie hin zum Frühwarnsystem

Vorhersage- und Abschätzungszeiträume

Das Projekt Starkregen DWD/GDV

Abflussbildung bei Niederschlägen

Matrikelnummer: Studiengang:

Hochwasserinformation- und Warnung. Hydrographischer Dienst Kärnten. Hochwasserereignisse / Chronik Hydrologische Grundlagen - Hochwasserprozess

2. Trierer Workshop zur Niederschlag-Abfluss-Modellierung: 14./ Ableitung extremer Abflüsse mit einem Flussgebietsmodell

von der Starkregensimulation zur Abschätzung von Hochwasserabflüssen kleiner Einzugsgebiete

ZENTRALANSTALT FÜR METEOROLOGIE UND GEODYNAMIK. Meteorologische Analyse des Niederschlags von Juni 2009

Aus der Wolke bis in das Grundwasser wasserwirtschaftliche Untersuchungen und Planungen an einem Beispiel im Dresdener Raum

Operationeller Datenfluss und Modellbetrieb an der HVZ Baden- Württemberg

Fachkolloquium Öffentlichkeitsarbeit zur Hochwasservorsorge Bereitstellung und Verteilung von Hochwasserinformationen

Bewertung des Hochwasserrisikos für Gewässer II. Ordnung sowie für die Bereiche mit wild abfließendem Oberflächenwasser in Pirna

Anpassung der Niederschlagswasserbeseitigung an den Klimawandel Urbane Sturzfluten

Überschwemmungsgebiete Hochwasservorhersage. an der oberen Kyll. Bürgerversammlung HW-Partnerschaft Kyll Jünkerath, 14.

ÜSG EISBACH / ALTBACH. Erläuterungsbericht

Klimatologische Einschätzung des Sommer 2016

Regendaten-Grundlagen für die Siedlungswasserwirtschaft

Hochwasserfrühwarnung und -vorhersage in Baden-Württemberg. Ute Badde, Referat 43 Hydrologie, Hochwasservorhersage

Einflüsse des Klimawandels auf den Niederschlag Subjektive Wahrnehmung vs. Nachweisbare Auswirkungen

5.1. Meteorologischer und hydrologischer Datenbedarf Werner Schulz, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg

Witterungsbericht. - Sommer

URBAS Vorhersage und Management von Sturzfluten in urbanen Gebieten

Requirements stemming from QPF user community

Hochwasserfrühwarnung und -vorhersage in Baden-Württemberg

1. Workshop Gewässerkunde

Deutscher Wetterdienst

Konvektives Unwetterpotential über Thüringen

Klimapressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am 8. März 2016 in Berlin

Hochwasserereignis an der Drau in Lavamünd

Klimaentwicklung und Niederschlag in Sachsen-Anhalt

GLOWA-ELBE Abschlusskonferenz 15./16. März 2004 in Potsdam

Niederschlagsextreme in Sachsen-Anhalt Was lässt sich aus 60 Jahren Messdaten lernen?

Gemeinsame Wasserstandsvorhersage der Bodensee-Anlieger

Auswirkungen auf den Wasserhaushalt in Deutschland. Sabine Attinger, Luis Samaniego, Rohini Kumar, Matthias Zink, Matthias Cuntz

Klimawandel in der Lausitz Anforderungen an Brandenburg

Rückblick auf das erste überregionale Diskussionsforum

Umfrage Hochwasser und Sturzfluten Auswertung der Fragebögen

Metrologisches Gutachten

Bodenfeuchte in Österreich hydrologische Simulation, Fernerkundung und in situ Messung

CEDIM Forensic Disaster Analysis Group (FDA) Hochwasser/Überschwemmungen Süddeutschland Mai/Juni Juni 2016

Hochwasserinformationen und Hochwasservorhersage. Dr. Manfred Bremicker, Referat 43 Hydrologie, Hochwasservorhersage

Regionale Klimaprojektionen für das Einzugsgebiet des Westlichen Bug (Ukraine/Polen/Weißrussland)

Klimawandel in NRW und Strategien zur. Dr. Barbara Köllner

Regionalisierungsmethoden hydrometeorologischer Beobachtungsdatensätze zu hydrologisch relevanten Rasterdatensätzen (HYRAS) im ReKliEs-De Projekt

Das Warnmanagement des Deutschen Wetterdienstes

Bewertung des Hochwasserrisikos für Gewässer II. Ordnung sowie für die Bereiche mit wild abfließendem Oberflächenwasser in Pirna

Hochwasservorhersagezentrale

Klimawandel in Deutschland

Schwall in Österreich Hydrologie Charakterisierung von Schwallwellen

Erkenntnisse aus Studie Hochwasser Paznaun - HOPWAP

Vorhersagen und Warnungen vor Starkregen durch den Deutschen Wetterdienst

Präsentation vom Sitzung des XVIII. Beirats Burglesum

Überschwemmungen Kooperation von Wasserwirtschaft und Versicherungswirtschaft?

1 NIEDERSCHLAGSMENGEN

Hochwasser das Ereignis und seine Folgen. Armin Petrascheck Bundesamt für Wasser und Geologie, Schweiz

Hochwasserschutz in der Landwirtschaft Dr. Walter Schmidt und Dr. Steffen Zacharias. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Klimawandel und Wasserkraft: Trends im 21. Jahrhundert

Auswirkungen des Klimawandels auf die großen Flüsse in Deutschland

Umsetzung des Erosionsschutzkonzeptes. Beratungsleitfaden Bodenerosion und Sturzfluten

Die größten Hochwasser im Gebiet der Mulden

Auswirkungen des Klimawandels auf Hochwasserereignisse an der Donau

Elemente für ein nachhaltiges Starkregenmanagement

Funktion und Wirkungsweise gesteuerter Flutpolder am Beispiel Oberrhein

Hochwasservorhersage in Bayern

Variantenuntersuchung zur Zukunft der Talsperre Weida. Bürgerinformation in Weida am 11. April 2016

Neue Wege des Krisenmanagements

Ableitung von Emissionsfaktoren für Staub, insbesondere der PM 10 -Fraktion, aus diffusen Quellen. Dr. Frank Braun, ima Freiburg

Konvektive Gefährdung über Hessen und Rheinland-Pfalz

Hydraulische Berechnung Neuenhagener MühlenflieM. hlenfließ - Alte Erpe

Amper, Würm, Starnberger See, Ammersee, Wörthsee, Pilsensee, Osterseen (ISR_PE04)

ReKliEs DE: Wie können Informationen aus Klimamodell


Länderübergreifende operationelle Hoch- und Niedrigwasservorhersage für den Bodensee

Pegel und Gütestation Bingen-Dietersheim

Rabea Haas, Kai Born DACH September 2010

Proceedings zum Kongress Wasser Berlin 2006, April Steuerungsstrategien für die Rückhaltemaßnahmen am Oberrhein

Abflussvorhersagen im Niedrigwasserbereich Erste operationelle Erfahrungen Massimiliano Zappa, Felix Fundel, Tobias Jonas & Stefanie Jörg-Hess

Juni-Hochwasser 2013 in Deutschland

Klimawandel in Bayern Veränderungen und Perspektiven

Organisation und Technik der Hochwasserwarnung und -vorhersage in der bayerischen Wasserwirtschaft

Gemäß der Hochwassermeldeordnung /7/, /8/ sind folgende Alarmstufen und zugehörige Maßnahmen für den Pegel Erfurt-Möbisburg festgelegt.

Prognosemodelle und Hochwasservorhersagesysteme

Hochwasserschutz Erding

Fachtagung: Klimawandel Klimafolgen

System IWK. N-Kanal-Flickermeter nach IEC Copyright by Enetech Alle Rechte vorbehalten.

HWRM und WRRL: Schnittstellen und Synergien aus Sicht der Wasserwirtschaftsverbände

Stand: Inhalt. 1. Allgemeine Funktionen 2. Kartenansicht 3. Listenansicht 4. Favoritenansicht 5. Weitere Informationen

Kommunale Überflutungsvorsorge Starkregen

Transkript:

LARSIM Workshop 2017 Verbesserungspotentiale hinsichtlich der Abflussbildung bei Starkregen Manfred Bremicker, Ute Badde Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg Norbert Demuth Landesamt für Umwelt, Rheinland-Pfalz Ingo Haag HYDRON Ingenieurgesellschaft für Umwelt und Wasserwirtschaft mbh

Motivation und Ziele Aus Starkregen resultierende (lokale) Hochwasser bzw. Sturzfluten haben z.b. im Mai/Juni 2016 zu großen Schäden geführt Diese kleinräumigen, sehr intensiven Ereignisse standen bisher nicht im Fokus der Vorhersagen mit LARSIM Anwendbarkeit von LARSIM und operationellen Systemen für Starkregen? Fokus auf modelltechnischen Bereich Identifikation von Verbesserungspotenzial

Obermoschel Obermoschel / Moschel Nahe-Einzugsgebiet (Rheinland-Pfalz) Zufluss zur Alsenz 61,4 km 2 Überwiegend landwirtschaftlich geprägt

Obermoschel Starkregenereignis im September 2014 im Oberlauf der Moschel Mit lokalen, maximalen Intensitäten von bis zu ca. 80 mm/h (144 mm/2h) Nicht erfasst durch Niederschlags-Stationen Extremes, schnell ansteigendes Hochwasser in der Moschel Scheitel am Pegel Obermoschel ca. 30 35 m 3 /s (HQ50 HQ100) 3 Stunden 83,5 mm/h

Obermoschel Simulation mit Standardparametrisierung Schrittweite 1 Stunde Mit Stationsniederschlägen Mit Radardaten Starkregen durch Stationen nicht erfasst Mit Radardaten +/- plausibler Gebietsniederschlag Aber zu geringe Abflussreaktion mit LARSIM

Obermoschel 77% des Gebietsniederschlags werden im Boden aufgenommen (Abflussbeiwert 0,23) Infiltrationsanteil für die extrem hohen Intensitäten unrealistisch groß Anpassung Infiltrationsmodul für Oberlauf mit extremen Niederschlägen

Obermoschel Parametrisierung des Moschel-Oberlaufs mit HOF: Begrenzte Infiltrationskapazität auch bei trockenem Boden Infiltrationsüberschuss im Bereich der intensiven Niederschläge Realistische 34% des Gebietsniederschlags werden im Boden aufgenommen (Abflussbeiwert 0,67) Durch Begrenzung der Infiltration auch bei trockenem Boden kann die Reaktion auf den Starkregen näherungsweise abgebildet werden

Braunsbach Braunsbach (Orlacher Bach) Neckar-Einzugsgebiet (Baden-Württemberg) Gemeinde Braunsbach an der Mündung des Orlacher Bachs in den Kocher 6 km 2 landwirtschaftlich geprägt Kein Pegel Braunsbach (Orlacher Bach) PKB Kocherstetten/Kocher EZG: 1.288 km 2 PKB: 209 km 2 (durch 3 Zuflusspegel abgegrenzt)

Braunsbach Starkregenereignis am 29.05.2016 mit Zentrum über Braunsbach Maximale Intensitäten von 120 mm (± 20) in 2 Stunden Nicht erfasst durch Niederschlags-Stationen Sturzflut in Braunsbach mit Qmax ~ 65 m 3 /s (Schätzbereich 50 150) Sehr schnell ansteigendes Hochwasser im Kocher Scheitel am Pegel Kocherstetten ca. 365 m 3 /s (HQ10 HQ20) Kocherstetten Braunsbach Braunsbach Quelle: Cedim (2016)

Braunsbach Simulation mit operationellem Modell ( t 1h) Bodenmodul mit 4 Abflusskomponenten nur Niederschlagsstationen (ohne Radar) Kocherstetten / Kocher Braunsbach Wahrscheinlichster Scheitel Stationen haben Gewitterzelle nicht erfasst Niederschlagshöhe (vor allem über Braunsbach) deutlich unterschätzt Räumliche Struktur des Niederschlags mit Stationen nicht erfasst

N-Verteilung aus Stationen Braunsbach Vorgabe realistischer Niederschläge: Radardaten Realistische N-Verteilung Räumliche + zeitliche Verteilung aus Radardaten Durch 2 zusätzliche Stationen: - N-Zentrum über Braunsbach - Geringe räumliche Ausdehnung der Zelle (geringer N im Süden des PKB Kocherstetten)

Braunsbach Simulation Stundenwerte mit realistischem Niederschlag Braunsbach Kocherstetten

Braunsbach Zeitschrittweite: 1h 10 Minuten Braunsbach Kocherstetten realistische Abbildung des Niederschlags und angemessene Zeitschrittweite ( t 10 min) etwa die Hälfte des Problems dadurch gelöst mögliche Ursachen für verbleibende Differenz?

Braunsbach Analyse von berechneter Infiltration und Bodenfeuchte EZG Braunsbach PKB Kocherstetten Niederschlag Bodenfeuchte Bodenfeuchte Niederschlag ~ 70% des Niederschlags infiltrieren in Boden Abflussbeiwert: ~ 0,30 ~ 72% des Niederschlags infiltrieren in Boden Abflussbeiwert: ~ 0,28 Infiltrationsanteil für die extrem hohen Intensitäten unrealistisch groß

Braunsbach Verringerung des Infiltrationsvermögens durch fiktive Verdopplung der Bodenspeicherfüllung vor dem Ereignis Bodenfeuchte Bodenfeuchte Niederschlag Niederschlag Abflussbeiwert: ~ 0,55 Abflussbeiwert: ~ 0,46

Folgerungen Für die Simulation und Vorhersage von Sturzfluten und Hochwassern in der Folge kleinräumiger Starkregen sind adäquate Eingangsdaten erforderlich Insbesondere Erfassung und Vorhersage des Niederschlags Erforderlich ist eine Zeitschrittweite kleiner 1 Stunde modelltechnisch in LARSIM seit 2016 möglich RADOLAN - Daten haben eher zu groben Zeitschritt Hübener&Hoy, W&A, 11/2016 Bei sehr intensiven Niederschlägen und trockenem Boden kann die Infiltration überschätzt werden (zu wenig Infiltrationsüberschuss) spezifische modelltechnische Weiterentwicklung LARSIM (in 2017) (zu prüfende) Hypothese: LARSIM ist dann bei ausreichender Datenlage grundsätzlich in der Lage die Abflussreaktion auf Starkregen gut nachzubilden.

Lösungsansatz Mögliche spezifische modelltechnische Weiterentwicklung Zielsetzung: Mehr Infiltrationsüberschuss bei sehr hoher N-Intensität und leerem Bodenspeicher muss gewährleistet sein Stärkere Abhängigkeit von der N-Intensität (eher) geringer/kein Einfluss auf bisher untersuchte überregionale Hochwasser Praktikable Lösungsansätze: Für Infiltration spezifisch wirksame oberflächennahe Schicht (in Gesamt-Bodenspeicher integriert) Beispielhaft zeigen? Einfache Schwellenwerte für maximale Infiltrationsrate Separate obere Bodenschicht (z.b. als Funktion der Luftkapazität des Bodens)

Ende Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.