Predigten zum Mitnehmen Erinnerungen heilen - Jesus Christus bezeugen Predigt von Holger Holtz Zum Ökumenischen Versöhnungsgottesdienst Aschersleben, 01.03.2017
Matthäus 18, 20-22 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Da trat Petrus hinzu und sprach zu Jesus: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist's genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. 2. Korinther 5, 17-21 17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. 18 Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. 19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung) anvertraute. 20 Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! 21 Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. 2
Mögen unsere gemeinsamen Verabredungen dazu beitragen, dass die Erinnerung an den 500. Jahrestag der Veröffentlichung der Ablassthesen zum Anlass für ein großes Glaubensfest wird und wir so der vollen sichtbaren Einheit der Kirche näher kommen, um die Jesus gebetet hat, damit die Welt glaubt (Joh 17,21). So endet ein Schreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, an den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Bedford-Strohm im Juni 2015. Das ich das jetzt hier zitieren kann, hat jetzt nichts mit VatiLeaks zu tun dieser Schriftverkehr ist ganz offiziell veröffentlicht worden. Der 500. Jahrestag der Veröffentlichung der Ablassthesen durch Martin Luther er steht an, am 31. Oktober dieses Jahres. Ich will an dieser Stelle nicht in die historischen Details eingehen, dazu gibt es in diesem Jahr noch reichlich Gelegenheit. Dieser Gottesdienst heute ist eine Frucht aus einem Prozess, der schon viele Jahre geht. Und mit dem zitierten Schriftverkehr im Juni 2015 begann. Kann das 500. Reformationsjahr zu einem gemeinsamen Glaubensfest werden? 3
Am Anfang der Reformation stand eine Trennung. Schmerzhaft und folgenreich. Seitdem finden Begegnungen zwischen den Konfessionen finden auf verschiedenen Ebenen statt. Auf der offiziellen Kirchenleitenden Ebene so wie in dem zitierten Brief. Bedacht auf politisch korrekter Höflichkeit. Auf Gemeindeebene, wie hier in unserer Stadt darauf bedacht in unseren Gemeinden das Glaubensleben lebendig zu halten. Und auf zwischenmenschlicher Ebene, wie in den Erinnerungen gehört und wie es mancher hier weiß. 1. Erinnerungen heilen Wir haben gerade Worte Jesu gehört. Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, so sagt er, ist er da. Gleichzeitig wissen wir, dass da, wo zwei oder drei Menschen versammelt sind trotzdem gestritten wird. Man weiß halt man genau wer zu welcher Kirche gehört. Die unterschiedlichen Traditionen sind einander fremd. Konfessionalismus geht in die Schulklassen und in die Politik, ja bis in die Familien bei konfessionsverschiedenen Ehen. Er geht in die Gemeinden und in die Begegnungen. Ach du bist ja Evangelisch Oh da ist ja der Katholik. Gott sei Dank haben wir die Zeit der Anfeindungen 4
überwunden! Aber flapsige Bemerkungen sind heute noch das Erbe unserer Trennung. Auch vermeintlich lustig gemeinte Kommentare tun weh. Worte haben Macht zu erschaffen und zu zerstören. Da trat Petrus hinzu und sprach zu Jesus: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist's genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Jesus ruft uns Christinnen und Christen zur Vergebung auf. Unabhängig von der Konfession. Die erste These Martin Luthers rief dazu auf, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei. Stehen wir einst vor Jesus, wird er uns nicht fragen: Welcher Konfession gehörst du an! Er wird jeden von uns ansehen, er wird mein Leben sehen und dann wie Paulus es beschreibt meine Tränen abwischen und mir mindestens 7 mal 70 mal vergeben - für jeden Tag den ich gelebt habe. Jesus selbst ist der erste der vergibt und uns den Weg in neues Leben zeigt und er möchte, dass wir es ihm gleich tun. Solche Versöhnung hat ihren Ort unter dem Kreuz Jesu. Dort, wo er unsere Lasten aufgenommen hat, dort versöhnt Gott sich mit meinem Leben. Daran erinnern wir uns mit dem 5
Aschekreuz, dass wir später in diesem Gottesdienst empfangen können. 2. Jesus Christus bezeugen Der Apostel Paulus schrieb an die Gemeinde in Korinth: Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung) anvertraute. Das Erinnern an Schuld, ihr Bekenntnis und ihre Vergebung lassen uns nicht in der Vergangenheit bleiben. Wir wenden uns dem Leben und der Zukunft zu und sagen die gute Nachricht von Jesus Christus weiter. Unsere atheistisch geprägte Gesellschaft muss nicht wissen, was wir für Christen sind sie muss wissen, warum wir Christen sind. Wir sind also Gesandte an Christi statt, schreibt Paulus und ruft uns auf: Lasst euch mit Gott versöhnen! Wie sieht ein gemeinsames Zeugnis aus? Wie kommen wir der sichtbaren Einheit der Kirche näher wie Kardinal Marx es schrieb? In der ökumenischen Bewegung gibt es ein Leitwort. Es heißt versöhnte Verschiedenheit. Die Einheit, zu der Jesus uns ruft ist nicht eine konfessionelle Einheit. Als 1999 die EKD 6
und die Katholische Kirche die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnete, da hofften viele darauf jetzt kommt die Einheit: Das gemeinsame Abendmahl. Das Ziel einer konfessionellen Einheit würde Ökumene unter einen hohen Erfolgsdruck stellen. In einer pluralen Gesellschaft sind unterschiedliche Konfessionen sogar gut. Die unterschiedlichen Menschen können in den unterschiedlichen Kirchen ihre Form des einen Glaubens finden und leben. Die sichtbare Einheit der Kirche entscheidet sich zuerst im gemeinsamen Bekenntnis zu ihrem Herrn Jesus Christus und nicht in den unterschiedlichen Traditionen. An diesem gemeinsamen Bekenntnis müssen wir uns messen lassen auf allen Ebenen: der kirchenleitenden, der Gemeindeebene du am Küchentisch zuhause oder in den gemeinsamen Begegnungen in Hauskreisen und Gruppen. Erinnerungen heilen gelingt, wenn wir weiter miteinander reden und einander akzeptieren, wie Jesus Christus uns akzeptiert. Jesus Christus bezeugen dass können wir den Menschen in unserer Stadt und unserer Region bei aller Verschiedenheit gemeinsam tun. 7
Holger Holtz Holger.holtz@gmail.com www.evangelische-kirche-aschersleben.de www.holgerholtz.wordpress.com 8