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architektur & design 2.2013 WOHNEN AUF DEM DACH DESIGNER HARTMUT ESSLINGER www.inspiration-design.eu design! inspiration 2.2013 1 9,80 Österreich: 1 10,80 Schweiz: sfr 19,60 BeNeLux: 1 11,25 Italien/Spanien/Portugal (cont.)/slowenien: 1 12,75 architektur & design Made in Germany GERMAN DESIGN AWARD MULTIROOM-SYSTEME Kubisches Gartenhaus Das große Maya-Museum CHALET IN TIROL

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Schaufenster in die Urzeit Fossile Unikate Nach dem Urknall und dem Entstehen der Erde dauerte es noch Milliarden von Jahren, bis sich erstes Leben entwickelte, und weitere Millionen von Jahren, bis das Lebewesen den Planeten beherrschte, das wir Mensch nennen. Noch vor ca. 180 Millionen Jahren befanden sich große Teile des heutigen Kontinents Europa unter der Oberfläche eines riesigen Meeres. In dieser als Jurazeit bezeichneten Epoche, die rund 50 Millionen Jahre lang währte, bildeten sich Ablagerungen im Wasser, deren unterschiedliche Schichten man in Schwarzen, Braunen und Weißen Jura gliedert. Aus diesen Sedimenten entstanden riesige Anhöhen, Berge und Gebirge, wie zum Beispiel die Schwäbische Alb. Das Meer war voller Lebewesen, doch auch wenn keine dieser Arten bis heute überlebte, gibt es stumme Zeugen dieser Vergangenheit. Zu den Meeresbewohnern der Jurazeit gehörten große, delfinähnliche Fischsaurier, die bis zu 18 Meter lang werden konnten, gewaltige Meereskrokodile, die indischen Flusskrokodilen ähnelten, sowie die seltenen Plesiosaurier. Alle diese Spezies hatten eines gemeinsam: Sie waren geschickte und pfeilschnelle Meeresjäger. Gefürchtete Jäger in der Luft waren die Flugsaurier, die ähnlich wie Möwen ihre Jungen in Brutkolonien an den Küsten aufzogen und bei der Beutejagd weit hinaus übers offene Meer flogen. Die Saurier sind heute ausgestorben; über die Gründe hierfür lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Darüber, wie diese Tiere ausgesehen haben und was ihnen als Nahrung diente, gibt es jedoch genaue Informationen wir können sie sogar mit eigenen Augen betrachten. Dies»An kaum einem anderen Platz kann Erdgeschichte so unmittelbar demonstriert werden wie in der Fossilfundstätte Holzmaden. Hier, wo die Besucher im Urweltmuseum Hauff die versteinerten Saurier, Fische, Seelilien und Ammoniten besichtigen können, haben diese zur Jurazeit gelebt.«rolf Bernhard Hauff

verdanken wir Versteinerungen, wie sie beispielsweise am Meeresboden der Süddeutschen Bucht im Bereich der heutigen Schwäbischen Alb entstanden: Verendete Saurier sanken auf den Meeresgrund und wurden dort unter Sauerstoffabschluss im Lauf von Jahrmillionen im Stein konserviert. Rund 40 Kilometer südöstlich von Stuttgart befinden sich weltberühmte Fossilfundstätten, die uns Einblick in die Zeit der Saurier geben: zum Beispiel in Holzmaden mit Sedimentgestein des Schwarzen Jura sowie in Nusplingen und Solnhofen mit Ablagerungen des Weißen Jura. In diesem Jurassic Parc wurden nicht nur Versteinerungen von Fischsauriern gefunden, sondern auch gigantische Tintenfische, riesige Ammoniten und die weltweit größte versteinerte Seelilienkolonie. Auf beeindruckende Weise dokumentiert das Urweltmuseum Hauff in Holzmaden die faszinierende Unterwasserwelt dieses 180 Millionen Jahre alten tropischen Meeres mit seinen ausgedehnten Stränden. Ein Besuch des Museums lässt sich gut mit einer Fossiliensuche bei einem Spaziergang durch die nahe gelegenen Schieferbrüche in Ohmden oder die Weißjurasteinbrüche auf der Schwäbischen Alb verbinden. Vor allem versteinerte Ammoniten sind auf der Alb sehr häufig zu finden. In mühevoller, fast kriminalistischer Sucharbeit werden die Fundstücke oft über Monate hinweg restauriert. Die Präparierung der wie in Stein gemeißelten Skelette verlangt viel Erfahrung und bedeutet mitunter monatelanges Arbeiten unter dem Mikroskop, wobei jedes noch so kleine Detail berücksichtigt werden will. Selbst feinste Strukturen können so noch aus dem Schiefergestein freigelegt werden. Sogar der Speiseplan mancher Tiere lässt sich anhand versteinerter Speiballen rekonstruieren hierbei handelt es sich um ausgewürgte Ballen aus Nahrungsresten, wie sie auch heute noch von einigen Vogelarten produziert werden. Die Fundstücke werden nach der Restauration an Museen in aller Welt versandt. Versteinerte Saurier finden sich jedoch nicht nur Museen, fossile Unikate schmücken ebenso die Wände von Privathäusern und öffentlichen Gebäuden Gemälden alter Meister ebenbürtig! In der Museumswerkstatt werden Fossilien auch für den freien Verkauf präpariert. In einem vom Gebäudekomplex des Museums abgetrennten Showroom erwarten den Fossilienfan Versteinerungen in diversen Größen: Vom wilden Meeresräuber über grazile Seelilien bis zum Ammoniten ist für jeden Anlass und jedes Budget etwas dabei. (jb) 040

Unweit der Schiefersteinbrüche befindet sich das größte private Naturkundemuseum Deutschlands. Bernhard Hauff sen., der das Museum Hauff in den Jahren 1936/37 gründete, hatte bereits im 19. Jahrhundert Fossilienfunde für seine private Sammlung präpariert. Auf ihrer Grundlage entstand das erste Museum Hauff. 1967 71 ließ Bernhard Hauff jun., der Sohn des Gründers, einen Neubau errichten, der 1993 erweitert wurde. Heute werden auf circa 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die wichtigsten und aufsehenerregendsten Fossilien präsentiert, die in den letzten 150 Jahren in Holzmaden, Ohmden und Umgebung gefunden wurden. DR. H. C. BERNHARD HAUFF (1866 1950) Ab 1886 Präparation von Fossilienfunden aus dem väterlichen Schieferbruch 1892 Entdeckung und Präparation von fossil erhaltenen Haut- und Muskulaturresten an einem 1,2 Meter langen Ichthyosaurier 1914 Verleihung der Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft vom König von Württemberg 1921 Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeit Untersuchung der Fossilienfundstätten von Holzmaden im Posidonienschiefer des Oberen Lias Württembergs 1921 Verleihung des Ehrendoktortitels durch die Universität Tübingen 1936/37 Bau des ersten Museums Hauff 1941 Verleihung der Goethemedaille anlässlich des 75. Geburtstages PROFESSOR DR. BERNHARD HAUFF (1912 1990) Studium der Geologie in Tübingen, Kiel und München 1935 Promotion in Tübingen 1937 Einrichtung des ersten Museums Hauff 1967 71 Bau des neuen Museums Hauff 1973 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 1979 Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg 1982 Auszeichnung mit der Bürgermedaille der Gemeinde Holzmaden 1985 Verleihung des Professorentitels durch den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg ROLF BERNHARD HAUFF (*1953) Studium der Geologie in Tübingen, seither Autor und Koautor verschiedener wissenschaftlicher Publikationen über die Fossilienfunde bei Holzmaden seit 1990 Leitung des Urweltmuseums Hauff 1990 93 Erweiterungsbau des Urweltmuseums Hauff 2000 Bau des Dinosaurierparks im Außenbereich des Museums 042