Gefährliche Liebschaften

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Transkript:

Seite 3 Choderlos de Laclos Gefährliche Liebschaften Roman Aus dem Französischen von August Brücher Anaconda

Seite 4 Titel der französischen Originalausgabe: Les Liaisons dangereuses (Amsterdam, Paris: Durand 1782). Die deutsche Übersetzung folgt der Ausgabe Berlin, Leipzig: Wilhelm Borngräber 1914, dort unter dem Titel Die gefährlichen Liebschaften. Der Text wurde behutsam überarbeitet, Orthografie und Interpunktion wurden den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar. 2014 Anaconda Verlag GmbH, Köln Alle Rechte vorbehalten. Umschlagmotiv: Pietro Longhi (1701 1785),»Venice: Woman with a Beauty Spot«, De Agostini Picture Library / bridgemanart.com Umschlaggestaltung: www.katjaholst.de Satz und Layout: Andreas Paqué, www.paque.de Printed in Czech Republic 2014 ISBN 978-3-7306-0103-7 www.anacondaverlag.de info@anacondaverlag.de

Seite 5 Erster Teil Erster Brief Cécile Volanges an Sophie Carnay bei den Ursulinerinnen von Du siehst, liebste Freundin, dass ich Wort halte und dass Hauben und Putz nicht meine ganze Zeit in Anspruch nehmen; für Dich behalte ich immer noch was. Jedoch habe ich heute, an diesem einzigen Tag, mehr Putz gesehen als in den vier Jahren, die wir zusammenlebten, und ich glaube, die stolze Tanville* wird sich bei meinem ersten Besuch, wo ich sie ganz bestimmt rufen lasse, mehr ärgern, als wir uns, wie sie meinte, immer geärgert haben, wenn sie in großem Staat bei uns eingetroffen ist. Mama hat alles mit mir beraten; sie behandelt mich gar nicht mehr als kleines Mädchen wie früher. Ich habe meine eigene Zofe, auch ein eigenes Zimmer und Kabinett, womit ich machen kann, was ich will, und ich schreibe Dir an einem sehr hübschen Sekretär, wozu ich selbst den Schlüssel habe und worin ich alles verschließen kann, was ich will. Mama hat mir gesagt, dass ich sie jeden Tag beim Aufstehen sehen könne, und es wäre zeitig genug, wenn * Pensionärin im selben Kloster.

Seite 6 6 ich zum Mittagessen frisiert wäre, da wir doch immer allein seien; und da könne sie mir jeden Tag sagen, um welche Zeit ich nachmittags bei ihr sein solle. In der anderen Zeit kann ich machen, was ich will, und ich habe ja meine Harfe, meinen Zeichenkasten und Bücher, ganz wie im Kloster, nur dass Mutter Perpetua nicht da ist, um mich auszuschelten; und wenn ich wollte, brauchte ich gar nichts zu tun: Aber da ich meine Sophie doch nicht hierhabe, um mit ihr zu schwatzen und zu lachen, will ich mich lieber beschäftigen. Es ist noch nicht fünf Uhr, um sieben Uhr soll ich erst wieder bei Mama sein: Das ist sehr viel Zeit, wenn ich Dir nur etwas zu sagen hätte! Aber man hat mit mir noch über gar nichts geredet, und wenn ich nicht die vielen Vorbereitungen um mich sehen würde und die vielen Arbeiterinnen, die alle um meinetwillen kommen, würde ich glauben, dass man gar nicht daran denkt, mich zu verheiraten, und es nur wieder ein Gerede der guten Joséphine* ist. Doch hat mir Mama so oft gesagt, ein junges Mädchen müsse im Kloster bleiben, bis es sich verheirate; da sie mich nun doch herausnimmt, wird Joséphine wohl recht haben. Eben hält ein Wagen vor der Tür, und Mama lässt mir sagen, ich möchte sofort zu ihr kommen. Wenn es der Herr wäre? Ich bin nicht angezogen, die Hand zittert mir, und mein Herz klopft. Ich habe die Kammerjungfer gefragt, ob sie wüsste, wer bei meiner Mutter wäre.»natürlich Monsieur C «, sagte sie lachend. Oh! ich glaube, er ist es. Ich komme sicher nachher wieder und sage Dir, was passiert ist. Wenigstens weißt Du seinen Namen. Ich darf ihn nicht warten lassen. Adieu, ich bin im Augenblick wieder da. * Pförtnerin des Klosters.

Seite 7 7 Wie wirst Du Dich über Deine arme Cécile lustig machen! Ach, ich habe mich schrecklich geschämt! Aber es wäre Dir ebenso gegangen wie mir. Als ich zu Mama ins Zimmer kam, habe ich einen schwarz gekleideten Herrn neben ihr stehen sehen. Ich habe ihn begrüßt, so gut ich nur konnte, und dann bin ich starr stehen geblieben, ohne von der Stelle zu können. Du magst es Dir denken, wie ich ihn ansah!»gnädige Frau«, hat er zu meiner Mutter gesagt und grüßte mich dabei,»das ist ja eine ganz reizende junge Dame, und ich fühle mehr als je den Wert Ihrer Güte.«Bei diesem so vielsagenden, bestimmten Ausspruch hat mich ein derartiges Zittern befallen, dass ich mich nicht mehr halten konnte; da habe ich einen Sessel gefunden und hab mich draufgesetzt, sehr rot und ganz aus der Fassung. Ich war kaum drauf, da liegt der Mann auch schon vor mir auf den Knien. Aber da hat Deine arme Cécile den Kopf verloren; ich war, wie mir Mama gesagt hat, ganz verwirrt. Aufgesprungen bin ich und hab einen durchdringenden Schrei ausgestoßen, geradeso wie an dem Tag, wo das Gewitter war. Mama hat laut gelacht und gesagt:»na, was hast du denn? Setz dich und gib dem Herrn deinen Fuß.«Der Herr war in der Tat ein Schuhmacher, liebe Freundin. Ich kann Dir gar nicht beschreiben, wie sehr ich mich geschämt habe; zum Glück war nur Mama dabei. Ich glaube, wenn ich erst einmal verheiratet bin, werde ich von diesem Schuhmacher nichts mehr machen lassen. Du musst zugeben, dass wir jetzt sehr viel wissen! Leb wohl! Es ist gleich sechs Uhr, meine Zofe sagt, dass ich mich anziehen muss. Leb wohl, meine liebe Sophie; ich bin Dir immer noch so gut, als wär ich noch im Kloster. PS: Ich weiß nicht, mit wem ich meinen Brief schicken soll: So will ich warten, bis Joséphine kommt. Paris, den 3. August 17..