64 DIP 3/15 Background Kuh oder Indianerpferd? Eine Einführung in die Systematik der (Island-)Pferdefarben Von Caroline Mende, Nes im Skagafjörður Foto: Heiða Heiler ein klassisches Beispiel dafür, dass Pferdefarben polarisieren. Die einen sagen: ich will doch keine Kuh haben! Die anderen: toll, ein indianerpferd! es geht es um einen rappschecken... ich selbst habe keine lieblings- oder eine Geht-gar-nicht-Farbe. liegt mir ein Pferd am Herzen, kann ich mich immer wieder aufs neue über seine Farbe begeistern die zudem je nach Jahreszeit und Wettervergangenheit unterschiedlich ausfällt. Und das Fell in den ohren hat meist eine andere Farbe als am Kronrand oder auf dem Nasenrücken. So erfreue ich mich täglich an wunderbarem Silber, herrlichem Beige, leuchtenden Brauntönen, strahlendem Schwarz und glühendem rot Über Pferdefarben gibt es viele Gerüchte, viele veraltete annahmen und nicht zuletzt viele falsch angewendete Begriffe. Das liegt sicher auch daran, dass die Forschung über die genetischen Hintergründe bis heute viele Fragen offen lässt. Was gestern noch als richtig galt, kann morgen schon durch neue erkenntnisse überholt sein. Meine einführung basiert im Wesentlichen auf den Forschungsergebnissen der Nutztier-Vererbungswissenschaftlerin Dr. Monika reißmann, leiterin des Molekularbiologischen Zentrums der Humboldt-Universität Berlin, die meines Wissens zu den führenden Fachleuten auf dem Gebiet der Pferdefarben gehört (Buchtipp: Dr. M. reißmann, Die Farben der Pferde). Sollte jemand neuere Fakten kennen, die zu anderen Schlüssen führen, bin ich sehr an den entsprechenden wissenschaft lichen Quellen interessiert (bitte Mail an post@ferien-island.de). Und, apropos einführung: ich streife die Farbvererbung nur am rande, wenn es sich nicht vermeiden lässt zur erklärung der Systematik. Das thema ist so komplex, es würde den rahmen dieses Beitrags sprengen. auch beschränke ich mich auf die Farben, die bei islandpferden vorkommen. Drei Grundfarben Das Prinzip ist einfach. Jedes Pferd gehört einer der drei Grundfarben an: Fuchs, Rappe oder Brauner. ein Pferd kann nur Fuchs oder rappe oder Brauner sein. Der extrem seltene Fall eines halb rapp-, halb fuchsfarbenen Pferdes, der vor einigen Jahren bekannt wurde, ist vermutlich auf die Verschmelzung eines Zwillingspaares in einem sehr frühen Stadium der trächtigkeit zurückzuführen. Diverse Modifikationen alle anderen äußeren Besonderheiten werden durch zusätzliche erbfaktoren hervorgerufen, die die Grundfarbe modifizieren (indem sie die volle ausbildung des Haarfarbstoffs Melanin in unterschiedlicher Weise stören). es können auch mehrere Modifikationen gekoppelt auftreten. Hier ein paar wenige Beispiele: Schecke (bei islandpferden i. d. r. sog. tobiano-scheckung, siehe Seite 67) Helmschecke Schimmel Stichelhaariger Falbaufhellung Cremeaufhellung Wind aufhellung abzeichen am Kopf (Blesse, Stern, Schnippe und alle Zwischenformen) und an den Beinen (Stiefel, Socken) stellen vermutlich eine Minimalscheckung dar und kommen oft kombiniert vor. Manchmal ist der Socken so kurz, dass er sich nur durch einen hellen (statt dunklen) Huf zeigt.
65 Irrtümer kommen oft vor Die folgenden Doppelseiten zeigen je eine Grundfarbe in verschiedensten Variationen und zudem mit ihren wichtigsten Modifikationen wie aufhellungen und Scheckung. auch die isländischen Bezeichnungen werden erwähnt im Gegensatz zum Deutschen handelt es sich dabei immer um adjektive (also rautt = rot für das deutsche Substantiv Fuchs). es wird die sächliche Form des adjektivs angegeben. achtung: allein der Farbton macht noch keine offizielle (also genetisch definierte) Farbe aus. auch in den Papieren bzw. im World- Fengur stehen oft falsche Farben. Und: intensive Sonneneinstrahlung kann zum Beispiel wie beim Menschen auch die Haare bleichen, insbesondere wenn Nässe zum Beispiel durch Schwitzen oder Wassereinwirkung hinzukommt. Mein sonst sehr dunkler rappe Síríus bekam zum Beispiel im Sonnensommer 2012 mit mehreren großen Pferdereisen nicht nur helle Flanken, sondern auch braune ringe um die augen Foto: CaroliNe MeNDe Miðill, der angeblich Braune und ein braunes Mehlmaul dort hatte er am meisten geschwitzt. Farblich ähnelte er stark einem Braunen, aber genetisch hatte sich bei ihm natürlich nichts geändert. Fohlen sind oft heller oder rötlicher als sie später wirklich werden, das kann ebenfalls zu Verwirrungen führen. Fazit: Bei der Farbbestimmung sollten immer auch die Farben der eltern und Großeltern bzw. (falls vorhanden) der Nachkommen in genetischer Sicht Berücksichtigung finden. auch hier ein Beispiel: Miðill war als Brauner eingetragen. Sein Vater war auf den ersten Blick Fuchs, seine Mutter Braune auch das passte. Miðill hatte jedoch einen deutlichen aalstrich und im Sommer leichte Zebrastreifen an den Vorderbeinen eindeutige Falbmerkmale. Wie konnte das sein? einfache lösung: Der Vater hatte auch einen aalstrich, der leicht zu übersehen war. als Fuchsfalbe konnte er natürlich mit einer braunen Stute einen Braunfalben zeugen. Manchmal ist es nicht so einfach oder logisch. absolute Sicherheit bringt dann nur ein Gentest (der jedoch auch noch nicht für alle Farbvarianten technisch möglich ist). anzeige
66 DIP 3/15 Background Grundfarbe Fuchs Isl.: rautt, sprich röit Merkmale Körperfell rot von orange über mahagonifarben bis zu dunkelrotbraun; das langhaar kann die gleiche Farbe aufweisen, aber auch heller oder (oft beim Schweif) dunkler ausfallen, meist rötlich oder gelblich, manchmal auch silbergrau; dadurch entsteht Verwechslungsgefahr mit Braunen mit Wind - aufhellung. Modifikationen Schecke: Fuchsschecke (rauðskjótt) Weißfärbung kreuzt meist die rückenlinie, hat sonst einen sehr unterschiedlichen Umfang Helmschecke: Fuchshelmschecke (rauðsléttuskjótt) rücken in der regel durchgehend fuchsfarben, Gesicht und Bauch in unterschiedlichem Umfang weiß, augen meist blau, muss aber nicht dann wird s schwierig Schimmel (grátt, später hvítt): als Fuchs geboren, bekommt jedoch schnell immer mehr weiße Haare und ist nach einigen Jahren schließlich weiß (je nach Veranlagung unterschiedlich schnell); im WorldFengur wird zusätzlich zur Schimmelfarbe auch immer die Geburts farbe angegeben Stichelhaariger: Fuchsstichel (rauð-litför - ótt) eingestreute weiße Haare, v. a. in der Unterwolle, daher sind Kopf, langhaar und Beine am dunkelsten; typisch sind die jahreszeitlichen Schwankungen der Körperhaarfarbe (individuell unterschiedlich), daher die landläufige Bezeichnung Farbwechsler. Falbaufhellung: Fuchsfalbe (fífilbleikt) fuchsfarbene rückenlinie (aalstrich), Körperhaar heller als der aalstrich, langhaar manchmal mit etwas hellerem rand, die Mitte des langhaars (als Verlängerung des aalstrichs) ist ähnlich dunkel wie der aalstrich Isabellaufhellung: isabell (leirljóst) Körperhaar von hellgelb bis orange, langhaar entweder gleichfarbig oder heller; rein erbige, also quasi doppelt aufgehellte isabellen heißen Weißisabellen Fuchsweiß isabellen haben rosafarbene Haut, fast weißes Körperfell, weißes langhaar, blaue augen Wind aufhellung *) : Farbe wie ein normaler Fuchs, der erbfaktor wirkt sich auf die Fuchsfarbe nicht aus (kann aber natürlich an Nachkommen weitergegeben werden) FotoS: CaroliNe MeNDe (6) Dunkler Fuchs (vermutlich Minimalschecke) Fuchs mit Falbaufhellung Fuchs mit Isabellaufhellung Fuchs mit Isabellaufhellung, Schecke Fuchs mit heller Mähne Fuchsschimmel *) offiziell Silberaufhellung, jedoch hat sich auch im deutschsprachigen raum bei islandpferden der Begriff windfarben etabliert (von isl. vindótt )
67 Grundfarbe Rappe Isl.: brúnt, sprich bruhnt Merkmale Körperfell dunkel von erdbraun über dunkelbraun bis zu tiefschwarz; das langhaar hat meist die gleiche Farbe, aber insbesondere die Mähne ist fast immer in Strähnen oder an den Spitzen sonnengebleicht, je nach Veranlagung rötlich oder gelblich Modifikationen Schecke: rappschecke (brúnskjótt) Weißfärbung kreuzt meist die rückenlinie, hat ansonsten einen sehr unterschiedlichen Umfang Helmschecke: rapphelmschecke (brúnsléttuskjótt) rücken stets durchgehend dunkel, Gesicht und Bauch in unterschiedlichem Umfang weiß, augen blau Schimmel (grátt, später hvítt): als rappe geboren, bekommt jedoch schnell immer mehr weiße Haare und ist nach einigen Jahren schließlich weiß (je nach Veranlagung unterschiedlich schnell); im WorldFengur wird soweit bekannt zusätzlich zur Schimmelfarbe auch immer die Geburtsfarbe angegeben Stichelhaariger: rappstichel (brúnlitförótt) eingestreute weiße Haare, v. a. in der Unterwolle, daher sind Kopf, langhaar und Beine am dunkelsten; typisch sind die jahreszeitlichen Schwankungen der Körperhaarfarbe (individuell unterschiedlich) Falbaufhellung: Mausfalbe (móálótt/mósótt) schwarze rückenlinie (aalstrich), Körperhaar heller als der aalstrich, langhaar mit etwas hellerem rand, die Mitte des langhaars (als Verlängerung des aalstrichs) ist ähnlich dunkel wie der aalstrich Isabellaufhellung: rappisabell (glóbrúnt) Körperhaar von milchkaffeebraun bis dunkelschokoladenbraun, langhaar gleichfarbig oder dunkler (plus Sonnenbleichung). reinerbige, also quasi doppelt aufgehellte isabellen heißen Weißisabellen rappweiß - isabellen haben rosafarbene Haut, elfenbeinfarbenes Körperfell, cremefarbenes bis fast weißes langhaar, blaue augen Wind aufhellung: rappwindfarbener (vindótt) Körperhaar von hellgrau bis dunkelstahlgrau, langhaar deutlich heller, silbern oder hellgelb bis fast weiß Foto: SiGUrl Na erla MaGN SD ttir Rappstichel im April Derselbe Rappstichel im August Derselbe Rappstichel im Mai Derselbe Rappstichel im September Rappe, Helmschecke plus (Tobiano-)Schecke Rappe Aufhellung Isabell Rappe, Wind"-auf- hellung, Schecke Rappe, Helmschecke FotoS: CaroliNe MeNDe (6) Foto: Heiða Heiler *) plus vermutlich eine weitere aufhellung
68 DIP 3/15 Background Grundfarbe Brauner Isl.: jarpt Merkmale: Körperfell braun von rotbraun über dunkelbraun bis zu schwarz, Kopf mit partieller hellerer Braunfärbung und hellerem Maul ( Mehlmaul ), Nüstern und augenhell umrandet oder gleichfarbig, wirken oft dunkel umrandet von der darunter liegenden Haut, da hier meist kaum Deckhaar ist; das langhaar ist schwarz (manchmal in Strähnen sonnengebleicht) Braunstichel, geb. im Juni 2011 Modifikationen Schecke: Braunschecke (jarpskjótt) Weißfärbung kreuzt meist die rückenlinie, hat ansonsten einen sehr unterschiedlichen Umfang; das Pferd wirkt dreifarbig Helmschecke: Braunhelmschecke (jarp- sléttuskjótt) rücken in der regel durchgehend dunkel, Gesicht und Bauch in unterschiedlichem Umfang weiß, augen blau Schimmel (grátt, später hvítt): als Brauner geboren, bekommt jedoch schnell immer mehr weiße Haare und ist nach einigen Jahren schließlich weiß (je nach Veranlagung unterschiedlich schnell); im WorldFengur wird soweit bekannt auch immer die Geburtsfarbe angegeben Stichelhaariger: Braunstichel (jarplit förótt) eingestreute weiße Haare, v. a. in der Unterwolle, daher sind Kopf, langhaar und Beine am dunkelsten; typisch sind die jahreszeitlichen Schwankungen der Körperhaarfarbe (individuell unterschiedlich) Falbaufhellung: Braunfalbe (bleikálótt) schwarze oder braune rückenlinie (aalstrich), Körperhaar hellbeige bis hellbraun, langhaar mit leicht hellerem rand, die Mitte des langhaars (als Verlängerung des aalstrichs) ist meist schwarz Isabellaufhellung: erdfarbener *) (moldótt) Körperhaar von hellbeige bis rotbraun, langhaar entweder gleichfarbig oder dunkler; reinerbige, also quasi doppelt aufgehellte isabellen heißen Weißisabellen Braunweiß - isabellen haben rosafarbene Haut, elfenbeinfarbenes Körperfell, cremefarbenes bis fast weißes langhaar, blaue augen Wind aufhellung: Braunwindfarbener (jarpvindótt) Körperhaar von dunkelbraun bis rot, langhaar deutlich heller, silbern,ggf. mit hellgelb gemischt, bis fast weiß. im Juni 2011 Braun mit Isabellaufhellung Braun mit Falbaufhellung (typische Zebrastreifen) im Juli 2011 Braun mit Isabellaufhellung Braun mit Falbaufhellung plus evtl. weitere Aufhellung oder Schecke *) offiziell Braunisabell, jedoch hat sich auch im deutschsprachigen raum bei islandpferden der Begriff erdfarben etabliert (von isl. moldótt, mold = erde)
69 im September 2011 im Juni 2013 im Mai 2014 FotoS: ransý ÁSGarði (5) Braun mit "Wind"aufhellung Braun FotoS: CaroliNe MeNDe (6) anzeige